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Fee der magischen Energie

von Seilix
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
OC (Own Character) Palladium
18.08.2017
23.02.2021
94
415.867
41
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Dieses Kapitel
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20.11.2020 4.387
 
„Was auch geschieht… Callisto darf diesen Krieg nicht beginnen. Keiner unseres Volkes darf den ersten Schlag ausführen. Keiner unserer Leute darf zuerst sein Schwert ziehen, macht das jedem einzelnen klar! Nichts ist wichtiger als das“

erinnerte sich Teiz lediglich an ihren letzten Befehl vor dem Aufbruch.

Immer wieder musste er sich diese Worte ins Gedächtnis rufen, während er hilflos dabei zusah wie Varanda verzweifelt versuchte ihrem Gegner stand zu halten.
Selbst aus der Ferne waren Convers Magiereserven viel zu stark, obwohl er nicht einmal in ihre Nähe gelangte.
Daro floh praktisch mit ihr durch die Gewalten des Windes, zugleich den Geschossen auszuweichen, welche der König ihr entgegen schickte.
Sie ging auf Distanz da sie ihm im Nahkampf mit der Klinge noch unterlegener wäre als ohnehin.
Der König hielt sich mit seinem Drachen an Ort und Stelle, schien nicht einmal daran zu denken sich in Bewegung zu setzen, weder mit dem Tier, noch mit seinen eigenen Flügeln. Er war sich seiner Überlegenheit mehr als bewusst.
Und irgendwann würde das Vara ihr Genick brechen.
Ein Versuch ihre Energie mit Pfeil und Bogen zu bündeln und ihm einen Blitz entgegen zu schicken versagte durch eine bloße Handbewegung seinerseits vergebens.
Er leitete den Pfeil in die Höhe ab und ließ ihn zwischen den Wolken verschwinden.
Das ledigliche Donnergrollen das in der Luft lag war dabei noch das gefährlichste das die Ohren erzittern ließ.
Eine Sekunde betrachtete Conver seine Hand und bewegte einen jeden seiner Finger „Was war das denn?“ sprach er es ungläubig aus „Wie kann es sein, dass du vor deinem Verlassen stärker warst als heute? Das ist ja geradezu enttäuschend“.
Vara zuckte nicht zurück, wusste jedoch so gut wie Teiz selbst, dass er recht hatte.
Ihre blockierten Kräfte… das Gift und ihr geschwächter Körper...
All das machte sich noch immer bemerkbar wovon Conver absolut keine Kenntnis hatte.
Seine Schwester war dem Untergang geweiht wenn nicht ein Wunder geschah…  

„Teiz!“ ohne Vorwarnung landete eine ängstlich dreinblickende, sowie panische Fee an seiner Seite „Wir müssen etwas tun! Sofort!“.
„Das dürfen wir nicht“ seine Antwort war so leise und unbeholfen, dass Amaryl ihn wütend bei den Schultern packte „Vara ist geschwächt, sie hat keine Chance!“.
„Ja doch! Ich weiß das! Aber sie müsste das auch wissen!“ rief er ihr zurück und veranlasste die Fee so ihn loszulassen „Aber was… wieso? Warum tut sie das dann?“.
Amaryl war vollkommen verzweifelt. Zu gerne hätte er ihr all ihre Ängste genommen, gesagt dass alles wieder gut werden würde und sie es schaffte, doch das konnte er nicht… denn es war nicht die Wahrheit.
Der Spezialist schluckte als er weiterhin dieses Katz-Maus Spiel beobachtete, welches sich die Verfeindeten über ihren Köpfen lieferten.

Conver hatte sich inzwischen in Bewegung gesetzt sie nun doch mit dem Drachen zu erreichen. Varanda hingegen floh weiter und versuchte weitere viel zu schwache Angriffe zu bündeln. Für den König natürlich ein Witz.

„Sie kann den Grund des Urkonflikts nicht ausradieren… es geht nicht…“ erklärte er Amaryl schließlich um für sie damit ein lange gehütetes Geheimnis aufzudecken „Sie kann Sarcas nicht zufrieden stellen“.
„Irgendwann muss man doch mal die Vergangenheit ruhen lassen! Was bringt es etwas hinterher zu jagen was man nicht mehr ungeschehen machen kann. Das ist doch auch nicht ihre Schuld!“ wollte die Fee ihre beste Freundin weiterhin verteidigen.
„In gewisser Hinsicht nicht… aber die ihrer… oder unserer Vorfahren…“ gestand Teiz sich ein.
„Was meinst du?“ Amaryls Augen wurden groß. Den Hintergrund von all dem hatte sie nie erfahren, doch sie war sich immer sicher gewesen, dass es allein um die Zwangshochzeit gehen musste… so erfuhr sie jedoch etwas anderes.
Teiz Stimme wurde gedämpfter, reuender und missmutiger „Amaryl… es geht um so viel mehr als nur Vara und Conver. Der erste Krieg… wurde nicht durch Sarcas entfacht… es ist die Schuld von Callisto und dem Vertrauensmissbrauch unseres Volkes. Wir sind schuld an diesem anhaltenden Zerwürfnis. Eine Spaltung die wir nie wieder gut machen konnten… oder wie würdest du die Entführung eines erstgeborenen Prinzen bezeichnen?“.
„Das habt ihr getan?“ Amaryl klang fassungslos und Teiz konnte nur nicken „Schlimmer noch… wir haben sie damit ihrer größten Gabe beraubt… der Verständigung der Sterne“.
Erschrocken weitete die Sternenstaubfee die Augen „Aber das ist doch… Cinders Gabe… ich dachte das ist…“.
„Eine gestohlene Gabe…“ gestand Teiz und beobachtete voll Schmerz wie Varanda versucht war einen mächtigen Angriff von Conver zu blocken.

Ihre Barriere absorbierte so viel seiner Magie wie möglich, doch ein Teil davon schlug sie doch zurück.

„Wie Callisto die Macht der goldenen Flügel zuteilwurde, waren es die Sterne mit denen Sarcas in der Königsfamilie gesegnet war. Bis zu diesem Tag…“.
„Aber… das bedeutet dann, dass Vara und Cinder…“ wollte sie ihre neuesten Informationen zusammen fassen, als ihr jedoch der schnell herab fliegende Drache in die Augenwinkel schoss.

Sie floh erneut vor einem Hagel an magischen Angriffen, doch dieses Mal vergebens.
Von einem wurde sie direkt von hinten getroffen, welcher sie von Daros Rücken schmiss.
Die umliegenden Krieger flohen, nicht doch in den Kampf verwickelt zu werden oder einen von ihnen unter sich begrub, als Callistos Kronprinzessin zu Boden stürzte.
Der Sturz war zwar nicht allzu tief, sodass sie es schaffte sich mehr schlecht als recht abzurollen, doch Varanda war zu langsam.
Von weitem sahen sie Conver sich ebenfalls von seinem Drachen lösen und mit lautem Schrei und angriffsbereitem Schwert zu Boden schießen.
„Vara!“ Teiz bahnte sich seinen Weg durch die Menge. Stieß alles und jeden beiseite, doch er kam zu spät.
Der König Sarcas erreichte den Boden, ehe es dem Schutzherrn auch nur hätte gelingen können anzukommen.
Mit lautem Schlag, umherwirbelnder Magiepartikel und dem entgegenschlagenden Staub wusste es jeder einzelne. Diesen Schlag konnte sie nicht überleben…
Mit vor Schock geweiteten Augen spürte Teiz die Tränen in sich aufschlagen, als er den letzten Paladin beiseiteschob der ihm die Sicht vor dem unausweichlichen versperrte.
Amaryl war ihm mit ihren Feen-Flügeln dicht auf den Fersen, als auch sie die Hände auf den Mund presste, nicht laut los zu schreien.
Es war vorbei… alles wofür sie gekämpft hatten… vernichtet mit nur einer Tat.

*

Palladium stand noch lange an den Fenstern und starrte in die Richtung in welche die Krieger verschwunden waren.
Beinahe alle hatten Stadt und Schloss verlassen. Nur wenige Soldaten waren mit ihnen zurückgeblieben um die Informationsübertragung zu regulieren und im Ernstfall, der hoffentlich nie eintrat, zu handeln.
Unruhig klopfte er mit dem linken Fuß am Boden.
Seine Nervosität war mit nichts zu vergleichen.
Vom Schloss aus war es unmöglich mitzuverfolgen was dort vor Ort geschah, vielleicht war es auch besser so. Nicht auszumalen was auf dem Plateau los sein musste.
Ob es bereits begonnen hatte? Vor wenigen Augenblicken hatte er eine Störung des Energiezyklus der Umlaufbahn ausmachen können.
Tine hatte behauptet, dass die feindlichen Schiffe die Umlaufbahn durchbrochen haben mussten.
„Möchtest du dich nicht setzen?“.
Überrascht wandte der Elf sich um und blickte zu der sanftmütigen Prinzessin.
Auch Tine war ihre Sorge, obwohl sie sie zu unterdrücken versuchte, klar anzusehen „Nur am Fenster herum zu stehen wird keinem von ihnen helfen“.
Palladium seufzte und strich sich durch das lange Haar, ehe er zu ihr zur Couchgarnitur trat.
Es war beinahe unglaublich wie schnell die Prinzessin nach Einnahme des Gegengiftes wieder im Vollbesitz ihrer Sinne war, wenn man bedachte wie mäßig sie nur auf die Mixturen angeschlagen hatte.
Etwas so heimtückisches war Palladium bis zu jenem Moment niemals untergekommen.
Inzwischen war sie lediglich noch etwas schwach auf den Beinen, sah jedoch wieder vollkommen gesund aus.
Mit Farbe im Gesicht, den roten Lippen, sowie den rosanen in lange Locken gelegten Haare wirkte sie als sei sie niemals krank gewesen.
Mit ihrem dezenten Make-up, sowie dem schönen Kleid wirkte sie auf Palladium wie eine vollkommen andere Person, besonders seit ihre leichten Anflüge einer Depression gänzlich verschwunden waren.
Wie sie in diesem Moment anmutig vor ihm saß, konnte er sie sich wirklich erstmals in der Rolle der strengen, aber gerechten Prinzessin vorstellen als die Cinder sie bisher immer beschrieben hatte.
Als der Elf sich schließlich seufzend gesetzt hatte, goss Tine bereits ohne zu fragen eine Tasse Tee ein den sie vor sich stehen hatte.
Mit leicht ironischem Unterton und angehobener Augenbraue fragte er „Unvergiftet?“, bereute den leichten Anflug eines versuchten Scherzes, um die Stimmung zu lockern, allerdings sofort, was Tine glücklicherweise aber mit Humor nahm und lediglich ein leichtes Auflachen hören ließ „Keine Angst, den habe ich selbst zubereitet“.
Mit einem erleichterten ausatmen, dass sie ihm seinen kleinen Fauxpas nicht übel nahm konnte Palladium nur dankend nicken und die Tasse annehmen.
„Athmos hat Cinder in sein Labor mitgenommen. Ich denke er will sie etwas ablenken… sie ist ein Nervenbündel… wer könnte es ihr verübeln“ informierte Tine ihn wohl um keine unangenehme Stille ausbrechen zu lassen.
„Ich glaube das sind wir alle“ überlegte Palladium und schlug ein Bein über das andere, nachdem er seine Tasse wieder abgestellt hatte.
Mit verschränkten Armen senkte er den Blick und dachte wieder daran wie ernst Varanda ausgesehen hatte, nachdem sie ihn wieder nachdrücklich an ihre Bitte erinnert hatte.
Es gab nichts was ihr wichtiger war als das, das hatte er begriffen…
„Natürlich…“ entgegnete Tine wieder die nun ebenfalls von weitem zum Fenster hinaus starrte und wohl mehr gedankenverloren, als gewollt fortfuhr „…Varanda trägt die Schuld von fünf Generationen auf ihren Schultern… nur weil sie die Erstgeborene ist…“.
„Weil vor fünf Generationen der Krieg begonnen hat?“ riss Palladium sie vorsichtig aus ihren Gedanken.
Wieder wandte ihm die Prinzessin all ihre Aufmerksamkeit zu und nickte „Ja… unser Ur-Urgroßvater war dafür verantwortlich… man nannte ihn auch Carlhang der Gerechte… dabei ist dieser Name mehr als unzutreffend…“.
„Das ist interessant… mir ist aufgefallen, dass es sehr wenige Bilder der vorigen Generationen im Schloss gibt, dabei wäre doch mehr als genug Platz für die Vergangenheit vorhanden“ sprach er seine Gedanken aus.
Plötzlich senkte Tine den Blick auf ihre Hände die sie in ihrem Schoß vergrub.
Ihre Körperhaltung ließ sofort darauf schließen, dass es ein Thema war über das sie nicht gerne sprach „Das hat seine Gründe… allen voran, dass wir heute nicht sehr stolz auf unsere Vergangenheit sind… König Calum, also Varas und Cinders Vater, hat die meisten Bilder abhängen und wegschließen lassen als er gekrönt wurde. Er wollte damit den ersten Schritt einer Revolution schaffen und sich mit Sarcas versöhnen. Natürlich reichte allein das als Geste für das Unrecht das wir ihnen zugefügt haben bei weitem nicht aus…“.
„Welches Unrecht?“ Palladium wurde hellhörig.
Tine seufzte und es sah so aus, als würde sie zu einer weiten Geschichte ausholen:
„Bereits vor vielen Jahren, als der große Drache die Planeten erschuf, verteilten die Mächte des Universums auch ihre Gaben. So heißt es, dass einem jeden Planeten auch eine Gabe zuteilwurde“.
Palladium wusste was sie meinte „Die Sonne Solarias, die singenden Wale Melodys, der Jungbrunnen Lynpheas und natürlich das Drachenfeuer Dominos“ zählte er ein paar der ihm bekannten Gaben auf.
„Richtig“ stimmte Tine zu „Manche dieser Gaben werden unter dem Blut der Königsfamilien weitervererbt und andere stecken in den Planeten selbst. So existieren solche Gaben auch auf Callisto, mit den goldenen Flügeln und auf Sarcas, das allsehende Auge der Sterne. Das Universum war ausgeglichen und zwischen unseren Völkern herrschte Frieden, zumindest bis vor fünf Generationen. Als Carlhang in Callisto der Thronfolge nach an die Macht kam änderte sich das schlagartig. Er suchte sich die schönste und klügste Frau von ganz Callisto und nahm sie sich zur Frau. Widererwartend bekamen sie vier Mädchen. Carlhang der damals noch der alten Dynastie nachhing war mit Mädchen nicht zufrieden, konnte jedoch keinen Jungen zeugen. Daher plante er früh seine älteste Tochter zu verheiraten. Cynthia soll das Ebenbild ihrer Mutter gewesen sein, die schönste und klügste der Mädchen, so versuchte er mit Sarcas einen Deal auszuhandeln. Der dortige, damalige König, Angus, der zu jenem Zeitpunkt nur einen Sohn hatte war von der Idee begeistert und bereit seinen Sohn Xavier mit Cynthia zu verloben, bis Carlhang seine Bedingung stellte. Da es zumeist die Regel ist, dass eine Prinzessin mit der Hochzeit auf den Planeten ihres Mannes zieht, versprach er auch seine anderen drei Töchter den dortigen Adeligen. Im Austausch würde Xavier jedoch um die Königsnachfolge zu sichern Callisto angehören. Angus schlug den Deal natürlich aus und versicherte, dass er ihn niemals nach Callisto gehen lassen würde. Damit blamierte er Carlhang so sehr, sowohl vor seinem Volk, als auch vor ganz Sarcas, dass er einen unüberlegten Entschluss fasste. Er wollte Xavier entführen, was ihm letztendlich auch gelang. All der Kampf um Macht und die beste Thronessicherung führte zum Krieg. Carlhang sprach dabei von Gerechtigkeit und dass Angus weitere Söhne zeugen könne, doch dem war nicht so. Schlimmer weise stimmte das Volk Callistos dem zu… Angus versuchte den Planeten in Schutt und Asche zu legen, brachte ein jedes Kind, eine jede Frau um, nur um seine Macht zu demonstrieren. So war es zuletzt sein eigener Sohn der ihn stoppte. Unerwartet hatte sich Xavier in Cynthia verliebt und beschloss selbst auf Callisto zu bleiben, nachdem er sah wozu seine Heimat im Stande war. Zusammen mit seiner neuen Frau schlug er seinen Vater in die Flucht und erweckte dabei das allsehende Auge. Die Gabe seines Volkes die er damit nach Callisto brachte.
Cynthia, in der die Gabe der goldenen Flügel verborgen lag unterstützte ihn dabei. Angus, der keine Nachkommen mehr bekam, blieb nichts anderes übrig als einen nahen Verwandten zum neuen König zu ernennen, womit die Gabe auf Sarcas verloren war.
Damit war das Unrecht bereits geschehen und Sarcas gegen Callisto verfeindet…“.
Tine seufzte und sah abermals hinaus „Das ist ein Konflikt der bereits seit Jahren anhält… mehr oder minder zurecht würde ich sagen“.
„Was ist aus Xavier und Cynthia geworden?“ beschäftigte Palladium seine Frage.
Tine begann zu schmunzeln „Naja… ich sitze hier vor dir, oder nicht? Sie waren unsere Urgroßeltern und die Eltern von Fürst Dragomir… wir alle tragen sowohl das Blut Callistos, als auch das Blut Sarcas in uns, wenn auch inzwischen nur zu einem geringen Anteil“.
Palladium weitete die Augen, die Hand nachdenklich über das Kinn gelegt „Wie viele Geheimnisse kann es innerhalb einer Familie noch geben?“.
„Ich weiß, das ist viel für einen Tag“ versuchte die Prinzessin ihr Mitgefühl auszudrücken.
„Nein, viel wird es erst wenn man bedenkt, dass Cinder die Gabe Sarcas besitzt und ich langsam begreife oder vermute… was Dragomir mit dem Gift bezwecken wollte…“.
„Was meinst du damit?“ Tine ergriff die Lehnen neben sich, als wolle sie im nächsten Moment aufspringen. Um eben das zu verhindern und nicht zu riskieren, dass die noch geschwächte Prinzessin nicht sofort wieder umfallen könnte, erhob sich der Elf selbst beschwichtigend „Nehmen wir an, dass der Fürst sich Sarcas als seiner Blutsheimat, welche sie demnach wohl ist, hingezogen fühlt und auch ihm diese Geschichte natürlich bekannt ist, wäre es dann nicht möglich, dass er auf eigene Hand Callisto seiner „Gerechtigkeit“ zuführen wollte und das möglicherweise durch… euch?“.
Tine blickte fassungslos zu dem Elf auf „Das würde bedeuten, dass er Cinder nicht deswegen verschont hat, weil sie keinen Tee trinkt, sondern weil sie die Gabe besitzt die Sarcas braucht… Nachdem Varanda die Hochzeit mit Conver abgelehnt hat und damit neue Nachkommen mit ihrem Blut ausgeschlossen werden… ist Cinder der einzige Weg die Gabe zurück zu bringen“.
Einen Moment schwiegen beide um diese Erkenntnis.
Was war, wenn es in diesem Krieg überhaupt nicht um Varanda und ihre Entscheidungen ging, sondern allein um Cinder?!
Sie besaß von den Prinzessinnen das allsehende Auge.
Die Gabe die einst zu Sarcas gehört hatte.
Schließlich schluckte Tine und bemühte sich zu erheben „Ich muss mit Dragomir sprechen“.
Sofort trat Palladium zurück an ihre Seite, sie zu stützten „Bist du dir sicher?“.
Ihr war klar anzusehen, dass es ihr bei dem Gedanken, dem Mann der ihr den Tod bringen wollte, noch einmal gegenüberzustehen, alles andere als gut ging, doch es musste sein.
Er konnte als einziger Antworten bringen.
 
*

Am Stadtrand Callistos wandte sie sich um.
Das gewaltige Schloss am Rande der Klippe überragte noch das höchste Gebäude der Stadt.
Ein Ort an dem sie willkommen waren… dass sie das noch einmal erleben durfte.
Nach der anhaltenden Resignation der letzten Jahre fühlte es sich für sie eigenartig an nun wieder hier zu sein.
Der generelle Gedanke daran, dass sie und ihre Leute so plötzlich wieder in dieser Stadt willkommen waren fühlte sich beinahe unwirklich an und doch war es so.
Monate… Jahre lang in den Bergen zurückgezogen, waren sie von heute auf morgen wieder da um das Volk zu beschützen. Vor wenigen Wochen war ein jeder einzelne von ihnen noch von der Bevölkerung beschimpft worden, so betrachteten sie sie heute als Erretter.
Jeder Bürger hatte sich von ihnen in Sicherheit bringen lassen, war ihnen dankbar und freundlich gesinnt… es war beinahe wie ein Traum.
Ein Traum den sie und ihre Leute lebten. Zwar hätte sie das niemals vor jemandem auf diese Weise ausdrücken können, doch sie war dankbar um diese Chance.
Eine Chance die ihnen das Königshaus gewehrt hatte auf welches sie niemals wieder hatte angewiesen sein wollen… nein… sie hatte ihnen diese Chance gewehrt, nicht das Königshaus, obwohl das vielleicht sogar noch schlimmer war… die Kronprinzessin.
Die Frau schnaubte kopfschüttelnd bei diesem Gedanken. Diese sogenannte Schutzfee kam einfach nach drei Jahren wieder hier an und stellte alles auf den Kopf, einfach so!
Und keiner hinterfragte es wirklich. Zumal sie für alles eine Antwort zu haben schien. Eigentlich hasste sie sie ja dafür… eine geradezu perfekte Prinzessin die einfach alle irgendwie in ihren Bann zog… und doch war ausgerechnet sie der Grund weshalb sie heute wieder hier stand. Mit Status und Ansehen… anders als zuvor. Sie hatte nicht einmal erwartet, dass sie wieder in ihren Dienst stehen würde. Nein, sie und ihre Leute waren wie neu geboren, ernannt als schutzberechtigte des Volkes.
„Zillah!“ wurde die Estrella aus ihren Gedanken gerissen, als ihr Bruder auf sie zugeeilt kam.
„Sind alle bereit Pluma?“ äußerte sie sich lediglich, bis er neben ihr zum Stehen kam „Die Einheit ist aufgestellt. Keiner nähert sich der Stadt ohne, dass wir es mitbekommen“.
Zillah nickte zufrieden.
Ihr Pferdeschwanz peitschte zunehmend mit dem aufkommenden Wind.
Wenn sie es nicht besser gewusst hätte, würde sie sagen, dass ein Sturm aufzog.
Für die anfänglichen Wintermonate und dem Fakt, dass es bereits geschneit hatte, war es wieder viel zu warm geworden. Ein Umstand der selbst für Callisto untypisch war.
Schließlich schoss der Estrella etwas anderes allarmierend in den Kopf „Hast du ihn gefunden?“, doch Pluma schüttelte mit verschränkten Armen den Kopf.
Misstrauisch verengte sie die Augen. Wo war dieser Junge nur abgeblieben. Der Schutzherr selbst hatte ihn ihnen anvertraut und nun war der junge Paladin nicht auffindbar.
Sie versuchte sich zu entsinnen, ob sie ihn beim Aufbruch ihrer Truppe gesehen hatte, kam jedoch nicht darauf.
Pluma musste es genauso gehen, dieser starrte nur wie eben sie noch in die Ferne „Der Kampf hat begonnen“.
„Bist du sicher?“ fragte sie und folgte seinem Blick „Dafür ist es doch viel zu ruhig“.
„Doch, ich spüre da was“ versicherte er „Aber du hast recht, etwas ist merkwürdig“.
„Wir halten die Stellung“ wies Zillah jedoch noch einmal an „Wir sind für das Volk da und für nichts anderes“.
Ihr Bruder nickte nur lautlos, dabei beschlich die Frau langsam ein ungutes Gefühl.
Mehr und mehr kribbelte es ihr in den Fingern. Abzuwarten und nichts zu tun war glatt schlimmer als sich in die vorderste Front zu werfen. Sie war niemand die abwartete bis alles vorbei war… schon gar nicht wenn ihre Hilfe gebraucht wurde.
Zwar missfiel ihr der Gedanke mit dieser Prinzessin Seite an Seite zu kämpfen, doch sie hatte sich ebenso für sie und ihre Leute eingesetzt. Ihnen eine Perspektive geboten. Schlimmer noch, sie hatte noch nicht einmal etwas dafür erwartet.
Zillah kämpfte innerlich mit sich, ließ schließlich nur noch ein lautes Aufknurren hören, welches die Aufmerksamkeit ihres Bruders auf sich zog „Innere Dämonen?“.
„Schlimmer…“ murrte sie mehr vor sich hin und setzte sich bereits in Bewegung „Du hältst hier die Stellung. Kümmere dich um unsere Leute“.
„Und du?“ fragte er nicht mal sonderlich überrascht.
Wieder nur ein mehr unzufriedenes Knurren über sich selbst „Eine Hand wäscht die andere“.
Pluma beobachtete wie seine Schwester ihren Weg weiter in Richtung des Plateaus davon trat, dabei konnte er nur belustigt den Kopf schütteln.
Für ihn war sie doch so durchschaubar.
Sie war so damit beschäftigt ihre Abneigung gegenüber dem Königshaus auszudrücken, dass sie bis jetzt ignorierte was dieses gerade für sie tat.
So etwas nannte sich auch Schuldgefühle.

*

Erst mit dem zweiten Herzschlag realisierte ich was passiert war.
Ich saß am Boden. Innerhalb des Bruchteils einer Sekunde hatte ich zuletzt versucht zu flüchten, jedoch im selben Moment beschlossen es einfach geschehen zu lassen.
Die Partikel der Magie schlugen um mich, das gleißende Licht des Schlages verebbte, doch dafür wurde mir etwas unweigerlich klar.
„WAS TUST DU DA?!“ brüllte ich fassungslos.
Der junge Paladin hatte sein Schwert gezückt und tatsächlich Convers vernichtendem Schlag standgehalten. Hatte seine Klinge zwischen ihn und mich geschoben. Mit viel Mühen und Anstrengung rutschte er langsam aber sicher zurück. Er hatte mich gerettete und verriet mich doch im selben Augenblick.
Handelte gegen meine Anweisung einen ersten Gegenschlag zu vermeiden.
Mit meiner Vernichtung wäre dieser Krieg beendet gewesen, alles vorbei und die Ungerechtigkeit gesühnt, doch wieso hatte er das nicht einfach zulassen können?
Ich hätte rechtmäßig verloren, womit Sarcas keine Kriegsgrundlage mehr gehabt hätte.
„Du kleiner Wicht!“ mit aller Kraft schlug Conver ihn mit seinem Arm beiseite und betrachtete ihn einen Moment wie er sich keuchend wieder aufrappelte „Wirklich Varanda? Du schickst Kinder in einen Krieg?“.
Der junge Paladin sprang auf, von Emotionen überflutet brüllte er „Tut das nicht Prinzessin! Das Volk braucht euch!“.
„Misch dich da nicht ein Finn!“ rief ich zurück und erhob mich ebenfalls meinem Feind wieder gegenüber zu stehen.
Conver zwischen uns begann lauthals zu lachen „Wie niedlich! Da hat ein Junge mal eben über das Schicksal von ganz Callisto entschieden“.
Sofort trat ich ihm beschwichtigend entgegen „Nein, tu das nicht Conver, der Junge weiß nicht was er damit angerichtet hat!“, doch er schien nur auf eine solche Möglichkeit gewartet zu haben „Dein Paladin hat das Schwert gegen mich erhoben“.
Wut durchflutete mich. Wieso um alles in der Welt hatte der Junge seine sichere Position bei Zillah und Pluma verlassen um an der vordersten Front zu stehen?! Wieso hatte ich auch nicht besser auf diesen Dickkopf aufgepasst?
Conver trat bereits mit ernstem Ausdruck zurück und erhob sich mit den Engelsflügeln in die Luft. Ich wusste was er jetzt tun würde.
Die Verzweiflung durchflutete mich, als ich mich an Finn wendete „Ist dir überhaupt bewusst, was du gerade getan hast?!“.
Dieser erhob sich nur stramm und selbstbewusst „Ja, das weiß ich! Und ich würde es wieder tun! Prinzessin, ohne Euch stirbt diese Revolution! Wir alle sind bereit hier und heute zu kämpfen!“.
Ich sah Teiz nur aus dem Augenwinkel kommen, als er seinem ungehorsamen Schüler die Faust ins Gesicht zimmerte.
Nicht annähernd so stark wie er fähig war, doch schon ordentlich „Das mag alles stimmen Finn und doch hast du diesen Krieg mit deinem unüberlegten Verhalten begonnen! Du bist für all das verantwortlich was ab jetzt kommt!“.
Genau das hatte ich befürchtet. Ein unvorsichtiger Paladin der zu emotional agierte.
Ich hatte gewollt, dass Sarcas beginnt, dass diese Bürde des ersten Schlages nicht auch noch Callisto zufiel, doch so war es nun.
Ich sah dabei zu wie Conver über den Köpfen seiner Paladine den Befehl zum Angriff gab.
Indessen spürte ich, wie meine Hände gefasst wurden „Vara, geht es dir gut?“.
Amaryls besorgte Augen ließen mich augenblicklich in das hier und jetzt zurückkehren.
Es würde ohnehin keinen Sinn machen Finn die Schuld zuzuschieben.
Diese lag bei uns allen, noch am meisten bei mir, doch ganz sicher nicht bei ihm.
Conver hatte recht, er war ein Kind.
Dann würden wir diesen Krieg eben doch so bestreiten wie sämtliche zuvor.
Ich nickte nur leicht, ehe ich mir zwei Finger an den Mund legte und pfiff.
Daro ließ nicht lange auf sich warten, auf dessen Rücken ich mich augenblicklich wieder schwang.
Zum Glück hatte ich das Wetterzepter nicht aus den Händen verloren.
Teiz, der Finn indessen zur Genüge gerügt hatte, beobachtete das angehende Gemetzel um uns, ehe er sich an mich wendete „Sieh zu, dass du hier weg kommst. Wir kümmern uns um das hier unten, sofern dein Plan das vorsieht“.
Ich konnte ihm klar anmerken, dass auch er leicht angefressen war.
Ich hatte eine harte Entscheidung über seinen Kopf hinweg getroffen, über sämtliche Köpfe.
Auch Amaryl warf mir einen ernsten Blick zu „In einem hat Finn dennoch recht. Du hast diese Krieger zusammengebracht. Ohne dich fallen sie auch wieder auseinander“.
Ich seufzte und bemühte mich eines Lächelns „Dafür hätte ich ja euch gehabt. Es war mein letzter Versuch das unvermeidliche zu verhindern… ich wollte sie wirklich retten. Jeden einzelnen, aber wenn ihr so wollt, dann tun wir es zusammen“.
Ich sah zu dem Kriegsherren hinauf, der in der Luft nur auf mich zu warten schien.
„Manchmal haben wir das nicht in der Hand“ erwiderte Amaryl die meinem Blick folgte.
Ebenso Teiz „Du stellst dich deinem inneren Dämon und wir regeln den Rest hier. Wenn wir sie weitgehendst zurückdrängen können wird Conver keine andere Wahl haben als sich auch zurück zu ziehen, aber jetzt wartet er nur auf dich wies aussieht“.
Ich nickte „Dann werde ich ihn bis dahin hinhalten… oder mir kommt eine rettende Idee. So oder so, begebt euch und die Männer nicht unnötig in Gefahr. Wir sehen uns wenn alles vorbei ist“.

*

Teiz sah dabei zu wie sich Daro mit der Kronprinzessin in die Luft erhob.
Sie würde sich Conver ein weiteres Mal stellen, nur würde dieses Mal nicht sie allein den Ausgang entscheiden. Sie alle kämpften um diese Freiheit.
Gerade wies er seinen Schüler an, der sich noch immer die schmerzende Nase hielt, mit Amaryl die Paladine zu unterstützen und sich bloß nicht noch einmal an vorderster Front blicken zu lassen, da drückte ihm seine Freundin etwas in die Hand „Ich glaube du kannst etwas Glück mehr gebrauchen als ich“.
Überrascht sah er hinab und bemerkte den weiß bemalten Stein in Form einer Feder.
„Alice hat ihn mir gegeben. Pass auf dich auf“ hauchte sie einen Kuss an seine Wange.
Teiz musste schmunzeln. Ein Glücksbringer Callistos…



Hallo ihr lieben,

ein neuer Freitag, ein neues Kapitel. Ich denke allerdings, dass ich dazu nichts weiter sagen werde und wünsche euch ein schönes Wochenende und dass ihr nicht wie ich in Quarantäne sitzt. ^^

LG Seilix
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