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Fee der magischen Energie

von Seilix
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
OC (Own Character) Palladium
18.08.2017
23.02.2021
94
415.867
40
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Dieses Kapitel
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06.11.2020 4.749
 
Bereits seit längerem hörte ich diese Stimmen in der tiefen Dunkelheit.
Zunächst fühlten sich die Worte weit entfernt an… dann immer klarer und ganz nah.
Meine Gedanken waren wie leer gefegt.
Ich wusste nicht wie viel Zeit verstrich. Ich schaffte es nicht die Augen zu öffnen, obwohl mein Bewusstsein langsam wieder den Weg ins Diesseits fand.
Ich war so schwach… ich erkannte die Stimme von Teiz, dann die von Amaryl… auch Cinders hörte ich irgendwann, dann verstummten sie alle wieder.
Langsam aber sicher erlangte ich meine letzten Erinnerungen in der Dunkelheit zurück.
Ich war umgefallen… einfach so… wie aus dem Nichts als hätte ich mein Gleichgewicht verloren. Mir war so schwindelig…
Ich erfühlte das weiche Material unter mir. Lag ich in einem Bett?
Wieder kamen Stimmen in meine Hörweite. Dann verstand ich sogar ihre Worte „Es ist kein Wunder, dass meine Mixturen bei Tine nicht angeschlagen haben… Gift können sie nicht neutralisieren…“.
„Wird das Gegengift helfen?“.
„Das muss die Zeit zeigen… aber ich bin guter Dinge. Ich weiß welche Kräuter die Bestandteile von Nachtschattenriegel und Dunkelwurz aus dem Körper lösen können. Ich weiß nur nicht wie lange es dauert“. Es waren Palladium und Cinder… ich hörte sie ganz deutlich.
Ich atmete tief und bemühte mich ein weiteres Mal die Augen zu öffnen.
Beinahe zu viel Kraft gebrauchte ich, als sich das gleißende Licht durch meine Lider schlug.
Ich erkämpfte mir meine Sicht die nach wenigem Blinzeln klarer wurde.
Mit dem gleißenden Licht hatte ich vielleicht übertrieben. Es war lediglich eine Kerze die neben meinem Bett auf dem Nachttisch angezündet war, ansonsten war es stockfinster im Raum.
Ich wusste weder welchen Tag wir hatten, noch welche Stunde.
Ich drehte den Kopf zur Seite und entdeckte die sprechenden, konnte mich jedoch nicht bemerkbar machen.
Sie waren zu dritt.
Teiz saß auf einem der Sessel inmitten des Raumes. Cinder ebenfalls.
Palladium stand mit überlegendem Blick vor ihnen und hielt sich die Hand ans Kinn „Unfassbar, dass es so weit kommen musste“.
„Ich hätte das niemals geglaubt…“ kam es bedrückt von der Prinzessin.
„Nichtmal ich hätte ihm das zugetraut“ gestand Teiz mit Reue in der Stimme.

Worüber sprachen sie? Wem was zu getraut?

Keiner von ihnen bemerkte mein Erwachen, daher hörte ich ihnen einfach zu.
„Aber woher hatte er das Gift überhaupt?“ fragte Cinder leicht verunsichert.

Gift? Ich war vergiftet worden?

Dann fuhr sie fort „Dragomir versteht nichts von Alchemie… dafür haben wir Athmos, aber das würde er nie tun! Das weiß ich“.

Dragomir hatte mich vergiftet?! Wenn ich es doch nur sogleich hätte abstreiten können… doch das konnte ich nicht… meinem Großvater war ich schon immer ein Dorn im Auge gewesen, ganz besonders seid ich zurück auf Callisto war… Dann waren die letzten Tage einfach nur Fassade gewesen…

Dann erhob Palladium das Wort „Ich glaube ich weiß es… ich habe des Öfteren Athmos Schülerin im Labor getroffen und…“.
„Athmos Schülerin?“ fragte Teiz verwirrt „Palladium… Athmos hat keine Schülerin“.
„Was?!“ entfuhr es diesem erschrocken „Das kann nicht sein! Sie war da! Athmos hat sogar mit mir über sie gesprochen“.
„Nun… es stimmt, dass Athmos immer wieder versucht hat jemanden auszubilden, aber niemand hat seinen Vorstellungen entsprochen…“ versuchte auch Cinder dahinter zu kommen.
„Aber… mit wem habe ich mich dann dort unten immer wieder unterhalten?! Sie hat rotes Haar und ist etwa 20 Jahre alt… ich sehe doch keine Gespenster“.

Bei mir läuteten sämtliche Alarmglocken! Mir kam das unheimlich bekannt vor…

Ich quälte mich einen Moment hoch und hielt mir den Kopf „Nora…“.

„Vara!“ Cinder war die Erste die sofort wieder an meinem Bett saß „Wie geht es dir?“.
„Bedingt“ entgegnete ich und sah zwischen den drein umher.
„Das Gegenmittel muss wirken!“ rief Palladium aus und fühlte zunächst meine Stirn „Das Fieber ist weg“, gab er schließlich Entwarnung „Ein Glück, dass du noch nicht lange dem Gift ausgesetzt warst“.
Teiz war der Einzige der auf das gesagte reagierte.
Genau wie ich wusste er worauf ich hinaus wollte „Was meinst du mit Nora?“.
„Das war der Name des Mädchens“ setzte auch der Elf das Thema wieder fort.
Wir musterten uns zunächst gegenseitig, ehe Teiz fragte „Was weißt du über sie Palladium?“.
Mein Freund überlegte einen Moment „Sie ist mir gestern Nacht begegnet. Sie hat gesagt, dass sie ein Gift für Varanda anfertigen wollte. Es kam mir komisch vor… aber hätte ich gewusst, dass es dazu da ist…“:
Ich starrte auf die Bettdecke „Deswegen hast du mich nach Gift gefragt… sie hat das Gift wortwörtlich FÜR MICH angefertigt“.
„Wer ist Nora?“ fragte Palladium schließlich weiter.
Ich seufzte „Sie war wirklich Athmos Schülerin, aber das ist schon einige Jahre her… Es war kurz vor Ende des letzten Krieges gegen Sarcas als sie spurlos verschwunden ist. Wir sind damals davon ausgegangen, dass sie entführt wurde um Informationen über den finalen Schachzug zu erhalten“.
„…aber wie es aussieht lagen wir falsch. Nora ist wieder da und sie hat sich unserem Feind angeschlossen“ fasste Teiz das Ganze zusammen.
Cinders Blick verfinsterte sich, als sie ebenfalls begriff was in ihrem eigenen Zuhause vor sich ging „Ich werde das Schloss nach ihr durchsuchen lassen“.
Sie stand vom Bettrand auf, die Augen verengt und fest entschlossen „Wenn sie noch da ist finden wir sie“.
„Allerdings“ stimmte ich zu und tat bereits die erste Bewegung mich an den Bettrand zu setzen.
„Moment, was hast du vor?“ versuchte Palladium mich sofort aufzuhalten, indem er mir seinen Arm mit Nachdruck entgegen schob, doch ich nahm seine Hand von mir „Was wohl? Ich werde in nicht einmal 48 Stunden Conver gegenüber stehen. Ich muss vorbereitet sein“.
„Was willst du?!“ sie alle drei sahen mich so entsetzt an, wie ich auch nur die Annahme äußern konnte, dass sie mich noch mitkämpfen ließen.
Ich ging jedoch nicht weiter darauf ein „Was ist mit Dragomir passiert?“.
Es erschreckte mich beinahe wie hart meine kleine Schwester wirkte, wie sie die Arme vor der Brust verschränkte und mit geschlossenen Augen zur Seite sah „Er ist erstmal festgesetzt. Von ihm wird nie wieder Gefahr ausgehen“.
Demnach würden wir auf ihn und seine Kraft während des Krieges verzichten müssen, nicht dass ich etwas anderes erwartet hatte…
„Verstehe… ein Grund mehr weshalb die Krieger mich brauchen“ widersprach ich meinen Liebsten und stand keinen Moment später wieder auf beiden Füßen.
Noch etwas schwankend und nicht ganz fit ergriff Palladium meinen Arm, sowie die Taille als hätte er Angst, dass ich durch mein Ungleichgewicht sogleich wieder stürzen könnte.
Nachdem ich fest stand überlegte ich mir meinen nächsten Schritt „Informiert bitte die anderen. Ich werde an diesem Krieg teilnehmen!“.

*

Bereits seit Stunden befand sich Alice in der kalten Luft und konzentrierte sich.
Ihre Flügel wurden mit jedem Schlag schwerer. Trotz ihrer Toleranz gegen Kälte bezwang der eisige Wind auch ihre Flügel nach gewisser Zeit.
Die Schneeflocken tanzten auch an diesem Tag auf natürliche Weise über dem Planeten.
Es waren perfekte Bedingungen für ihre Magie.
Sie war erschöpft, doch sie durfte jetzt nicht aufgeben. Keiner von ihnen gab auf, also durfte sie es erst recht nicht tun!
Sie würden alle auf sie zählen wenn es zum äußersten käme.
Sie war die Fee des Eises und des Schnees. Wenn es jemand schaffen musste einen Schneesturm zu beschwören, dann war sie es.
Alice wusste, dass es niemals leicht werden würde und doch gestaltete sich das ganze schwerer als gedacht.
Sie übte nun seit Ewigkeiten und doch war es nicht genug.
Niemals würde sie es schaffen eine gewaltige Fläche wie die des Schlachtfeldes und ganz Callisto in Schnee und Eis einzuhüllen… schon gar nicht allein.
Vara war nicht mehr fähig dazu ihr damit beizustehen, aber sie würde trotzdem ihr Bestes geben.
Niemals wollte sie ihre Freundin enttäuschen, keinen von ihnen.
Das Leben etlicher Menschen und Paladine konnte in ihren Händen und ihrer Magie liegen.
Ein weiteres Mal versuchte sie es. Die Konzentrationsader an ihrer Schläfe musste bereits klar sichtbar sein, während sie versuchte das Schloss in einen tobenden Schneesturm einzuhüllen.
Es gelang ihr… mit viel Mühe und Energie.
„Alice! Alice… mach eine Pause!“ hörte sie unter sich schließlich den Spezialisten rufen.
Trotzdem holte sie alles aus sich heraus. Jedes bisschen Magie. Sie musste wissen wie lang es ihr möglich war… doch bereits nach wenigen Sekunden versagten ihre Kräfte.
Wie sämtlicher Kraft verlassen stürzte sie beinahe hinab in den Hof.
Jared der sie noch halb auffing fragte besorgt „Ist alles in Ordnung?“.
Die erschöpfte Fee bemühte sich eines festen Standes „Ich schaffe es nicht… das wird nicht funktionieren…“.
Es war ihre Verzweiflung die auch ihr Freund heraus hörte „Sag sowas nicht. Ich glaube an dich und die anderen tun es auch. Du kannst das“.
„Nein, eben nicht“ entfernte sich die Fee des Eises aus dem Griff des Spezialisten um an Abstand zu gewinnen und tief durch zu atmen nicht den Tränen zu verfallen.
Sie starrte nur weiter zum Himmel empor.
Ihre Haarsträhnen wurden nur so von dem heulenden Wind umher gepeitscht.
Ihr kleiner Schneesturm war bereits wieder verflogen „Wenn ich doch nur schon eine Schutzfee wäre… dann wäre das hier ein Kinderspiel, aber… nicht mal in diesem Schuljahr werde ich es schaffen das Enchantix zu erreichen…“.
„Was redest du denn da?“ fragte Jared verständnislos der ihr näher kam „Du bist toll so wie du bist, egal ob Enchantix oder nicht“.
„Das sagst du so leicht… ich hätte es bereits letztes Jahr schaffen müssen… und ich bin immer noch in Alfea“ meinte sie bedrückt.
„Ja, aber zusammen mit den anderen. Kommt es nicht darauf an?“ fragte er mit einem leichten Lächeln ihr Mut zu machen „Wenn ich in deine Augen sehe, dann weiß ich, dass du alles schaffen kannst. Immerhin bist du DIE Fee von Schnee und Eis. Das hier ist dein Element“.
Plötzlich drückte er ihr etwas in die Hand.
Alice erfühlte etwas wie einen kalten Stein „Was ist das?“.
„Ein Glücksbringer“ antwortete Jared, als auch die Fee die federartige Umrandung bemerkte.
Weiß bemalt sah er wunderschön aus.
Sie überlegte ob nicht Katy den Stein einst gekauft hatte, wieso hatte ihn jetzt Jared?
„Du wirst es schaffen“ bekräftigte er noch einmal seine Worte.
Erstmals musste die Fee lächeln. Vielleicht hatte er ja doch recht.

*

Mit entschlossenem Blick schoss Cinder einen weiteren Sternenhagel auf Amaryl zu.
„Ja! Weiter so!“ spornte diese die Prinzessin an und wich dem Angriff selbst aus.
Die Sternenfee konzentrierte sich sichtlich „Das wars noch nicht“.
Ein paar weitere Strahlgeschosse folgten, doch auch denen war Amaryl gewabnet.
Mit ihrem Schild hielt sie dem ersten entgegen, den zweiten absorbierte sie ohne Probleme und den dritten konterte sie mit ihrem Verschlingerstrahl.
„Super! Dann schauen wir mal wie du damit zurechtkommst“ die Alfea-Schülerin bündelte ihre Energie „Plasmakugel!“.
Sie ließ den Zauber ungebremst auf Cinder los.
Die Fee beschwor ihren Sternenschild und flog der Gefahr direkt entgegen.
Wie geplant prallte die Plasmakugel daran ab und flog gegen den nächsten Baum in welchem es ein übles Einschlagsloch hinterließ.
„Das war ja cool“ staunte die Prinzessin nicht schlecht.
„Das habe ich im zweiten Jahr in Alfea gelernt“ erklärte Amaryl ihr.
Cinder bewunderte sie dafür „Sowas würde ich auch so gerne können“.
„Wirst du, sobald du auf die Schule gehst“ versicherte ihr ihre Mentorin mit einem Grinsen.
„Wenn das überhaupt jemals möglich wird…“ wagte die Prinzessin es zu bezweifeln.
Amaryl flog zu ihr und hob den Finger „Hey, das ist allein deine Entscheidung. Nicht die von Dragomir und auch nicht die von Vara. Wenn du es willst, dann mach es. Du bist du und niemand sonst“.
„Meine Entscheidung…“ wiederholte Cinder als sei sie in Gedanken und fasste sofort allen Mut.
Amaryl nickte und gewann wieder an Abstand „So! Und nun lass alles raus. Zeig mir dein großes Finale! Ich will deinen mächtigsten Angriff sehen“.
Die Sternenfee atmete tief aus und ein.
Amaryl beobachtete sie beim Aufbau ihrer Konzentration und spürte das Anstauen ihrer Magie alles im richtigen Moment freizusetzen. Dabei hörte sie erneut das leise wiederholen „Meine Entscheidung… ich bin nur ich…“.
Die Alfea-Fee nickte zufrieden. Sie hatte es wohl verstanden, doch dann fiel ihr etwas auf.
Die Aura die Cinder umgab begann plötzlich zu leuchten.
Mit einem Augenaufschlag setzte die Prinzessin alles davon frei. Das Licht nahm Überhand und blendete die Sternenstaubfee. Was war das für ein Angriff?
Amaryl machte sich bereit das, was auch immer es war, direkt abzubekommen, allerdings passierte nichts als sie in das Leuchten eintauchte.
Es war als würde die Fee eine Lichtwelle aussenden die sich über sämtliche Sphären erstreckte. Ungläubig starrte Amaryl auf ihre Hände. Auf einmal fühlte sie sich gut… nicht mehr erschöpft von dem Kampf… nicht müde… als wäre es ein Energieboost der sie erfasste ging es ihr von der einen zur anderen Sekunde… perfekt.
Nachdem die Wand aus Sternenlicht an ihnen vorbei gezogen war fragte Amaryl ungläubig „Was war das denn? Ich fühle mich plötzlich wie unverwundbar…“.
Cinder, die dasselbe von sich nicht ganz behaupten konnte, landete erschöpft und kraftlos am Boden. Sie schnaufte tief „Ich… ich weiß nicht… ich hab so viel gesehen…“.
Allarmiert landete ihre Mentorin neben ihr sich um die Fee zu kümmern „Geht’s wieder?“.
„Ja…“ rappelte sich Cinder vorsichtig wieder auf „Das ist unglaublich…“.
„Das war pure Sternenenergie… wie kann es sein, dass du noch aufrecht stehen kannst?“
staunte die Sternenstaubfee noch immer.
„Ja…“ fiel es erstmals auch der Prinzessin auf „Das dürfte gar nicht möglich sein, außer…“.

„Das ist es… das allsehende Auge!“

Die Mädchen wandten sich überrascht um, als ein mit geweiteten Augen, wie erstarrter General vor ihnen stand „Ihr tragt es tatsächlich in Euch Prinzessin Cinder!“
Mit einem Mal ging auch ihr ein Licht auf „Enzo, du meinst… das allsehende Auge… das war Tyrian? Deswegen hab ich so viel gesehen. Er hat mir auf diese Weise das Reich gezeigt!“.
Der Offizier der näher trat nickte mit sanftem Blick „Ihr habt es geschafft die eigentliche Macht des allsehenden Auges zu erwecken. Das ist eine große Neuigkeit“.
Amaryl verstand nur Bruchteile von dem was die beiden da von sich gaben. Was war ein allsehendes Auge? Und wieso Tyrian… der Stern zu dem sie angeblich den Kontakt verloren hatte?
„Warte, was hast du denn gesehen?“ fragte sie daher so ratlos wie sich das Gebrabbel für sie anhörte.
Plötzlich packte die Fee sie bei den Schultern „Alles Amaryl! Ich habe einfach alles gesehen!“.
Beinahe glucksend vor Freude erhob sich Cinder wieder in die Luft und schlug jubelnd ein paar Saltos „Er ist noch da, nur anders! Wieso hab ich das nicht bemerkt?! Tyrian wacht noch über Callisto! Ich hab nicht versagt!“.
Die Sternenstaubfee konnte bei dem Anblick nur Grinsen.
Diese allseits zuckersüße Art der fünfzehn jährigen ließ ihr das Herz aufgehen und weckte zugleich ihren Beschützerinstinkt. Amaryl hatte vom ersten Moment an verstanden weshalb sie der wortwörtliche Augenstern dieses Planeten war.

„Ohja… Tyrian wacht über Callisto… noch“.

Leicht verwirrt über diese Aussage von Enzo wandte Amaryl ihm den Kopf zu „Was soll das heißen?“.
Dieser entsinnte sich wohl plötzlich, dass er nicht allein stand und belächelte „Ich meine… solange sie diese Verbindung aufrechterhalten kann natürlich. Aber dass sie es kann ist eine große Neuigkeit für Callisto und auch für Sarcas. Das wendet nun das Blatt“.
Amaryl nickte nur verwirrt. Was hatte denn auf einmal Sarcas mit der ganzen Geschichte zu tun? Doch sie fragte nicht weiter.

*

Es war das letzte Training gewesen das er, Jared und David mit den jüngsten Rekruten absolviert hatten.
„Ruht euch aus! Wenn es hart auf hart kommt müsst ihr komplett einsatzfähig sein“ ermahnte Teiz zuletzt jeden einzelnen von ihnen „Ich will euch keine Angst machen, auch nicht, dass ihr unvorbereitet seid. Das wird kein Spaziergang. Es ist möglich, dass ihr diesen Kampf nicht überleben werdet. Ihr werdet in Situationen kommen die euer selbst Zweispalten werden und ihr euch fragt was richtig oder falsch ist. Lasst mich euch sagen, dass es solche Zweifel nicht geben darf. In einem solchen Moment zählt nur der Kampf um das was ihr liebt und euch wichtig ist. Bleibt wachsam und haltet euch bereit“.
Mit diesen letzten Worten machte er, gefolgt seiner beiden Co. Professoren kehrt und trat in das Innere des Schlosses zurück.
Sie beide sahen ihrem stärksten Kollegen an wie unglaublich angespannt er war.
Ob gezeichnet durch die jüngsten Ereignisse oder geprägt des Wissens seiner Erfahrung wie hart es wirklich werden würde.
„Die Jungs sind super vorbereitet“ legte David seinem Truppenführer daher eine Hand auf die Schulter „Jeder von uns ist bereit mit dir zu kämpfen“.
„Die Sturmfront ist ein wichtiger Posten“ analysierte Jared die Fakten „Wir müssen uns so lange wie möglich halten um den anderen Truppen eine gute Erstangriffsposition zu bieten“.
„Was das betrifft…“ erhob Teiz schließlich die Stimme und blieb stehen.
Mitten in der Stille der Schlossflure war es als könnten sie ihren eigenen Atem hören.
Dann eröffnete er ihnen einen anderen Plan als den mit dem sie bislang gerechnet hatten „Jared… David… ich bin euch für eure Loyalität und Unterstützung unendlich dankbar, aber hört zu: Ich habe für euch anordnen lassen, dass ihr Lias Drachentruppe unterstützen könnt. Ihr seid gute Flieger und könnt sie damit bestmöglich unterstützen. In der Luft seid ihr damit aus dem größten Tumult raus“ wollte Teiz ihnen damit ihre Posten während des Krieges zuweisen, doch alle beide wirkten auf den ersten Blick nicht davon begeistert.
David verschränkte die Arme und fixierte ihn mit einem Gesichtsausdruck ala „denkste wohl“.
Jared sprach kopfschüttelnd aus „Ist das dein Ernst? Wir sind ein Team. Wir lassen dich auf keinen Fall allein“.
Der Schutzherr, geradezu verblüfft von dieser Äußerung wimmelte ab „Nein, das kommt nicht in Frage! Ich werde an vorderster Front kämpfen, für all die Menschen die es nicht tun können… aber das hat nichts mit euch zu tun“.
„Wenn du in das offene Gefecht springst, dann werden wir das auch“ klopfte David ihm siegessicher auf die Schulter.
„Keine Frage. Wir werden dir nicht von der Seite weichen“ auch Jared war sicher wie nie.
Diese Jungs waren so optimistisch wie nicht einmal Teiz es selbst sein konnte.
Womit hatte er nur solche Freunde verdient?

*

Auf dem Weg in den großen Saal zu dem Athmos sie selbst gebeten hatte, lag sichtlich Palladiums Anspannung in der Luft. Varanda war noch kaum 2 Stunden wieder auf den Beinen und setzte sich bereits wieder all dem Stress aus den er ihr lieber erspart hätte, zu sehr nagten die Zweifel an ihm, dass sie dem noch nicht wieder gewachsen sein konnte.
Das Gegengift wirkte zwar anhaltend und würde ihr helfen die unerwünschten Substanzen schnellstmöglich aus ihrem Organismus zu jagen, doch wusste er nicht wie lange es dauern würde.
Bei Tine dauerte dieser Prozess um einiges länger, mochte es auch daran liegen, dass ihre Cousine dem Gift um einiges länger und extremer ausgesetzt gewesen war, doch war nach den ersten Minuten nach Verabreichung seines extrahierten Mittels ein positiver und anhaltender Effekt zu verzeichnen gewesen. Mit Heilung der Prinzessin zerschlugen sich damit auch noch die letzten Gegenargumente einer Vergiftung und dass es doch eine Krankheit sein könnte.
Tief in seinen Gedanken konnte Palladium es noch immer nicht glauben, dass die Königsfamilie auf diese Weise nun schon seit Jahrzehnten von dem Fürsten zerschlagen wurde. So teilte selbst Teiz ihm mit, dass der Fall des Ablebens von Tines Vater und Mutter durch das Schwert eines Sarcas noch einmal ganz neu aufgerollt wurde um auch hier eine mögliche Verschwörung festzustellen, schließlich musste Königin Luzia mit den neuesten Erkenntnissen damit nicht das erste Opfer gewesen sein.
Bei Varandas Anblick seufzte er. Wie stur und gefasst sie auch noch nach all dem den Gang neben ihm entlang trat. Kein Blick zurück, kein Gedanke verschwendet an das was noch vor wenigen Stunden stattgefunden hatte.
Keine Angst und keine Unsicherheit daran, dass ihr eigener Großvater ihr nach dem Leben getrachtet hatte.
Varanda hatte nichts mehr mit der unschuldigen, verunsicherten Fee mehr gemein als die sie in Alfea vor drei Jahren eingetroffen war.
Zwar sah er sie auch heute noch vor seinem inneren Auge vor sich, mit dem beinahe verschüchterten Lächeln mit dem sie ihn so oft angesehen hatte. Im Unterricht, auf dem Schulhof, in der Bibliothek… sie war so oft in ihre Bücher versunken gewesen.
Sich in eine friedliche, sorgenfreie Welt flüchtend in der sie jemand anderes sein konnte.
Mit der Feststellung, dass er sie auf Callisto noch kein Mal in ein Buch versunken gesehen hatte, beunruhigte ihn zunehmend.
War sie doch schon zu weit in der Realität angekommen? Entfernt von der Traumwelt in welche sie sich mit ihrem 18. Lebensjahr geflüchtet hatte… die einzige Welt die ihr ein normales Leben zugelassen hatte.
Möglicherweise auch die einzige in der sich beide ineinander verlieben konnten…
Schnell schüttelte er den Gedanken ab. Wenn er jetzt begann sich in Kleinigkeiten zu verstricken würde sein Unterbewusstsein keine Ruhe mehr geben.
Sie war noch immer dieselbe Fee, doch vollkommen anders. Anders war nicht schlecht.
Es war lediglich neu und unbekannt.
Zu sehr hätte es ihn interessiert welche Gedanken sich in diesem Moment in Varandas Kopf breit machten, während sie sich gemeinsam stillschweigend den Weg zu Athmos Labor bahnten.
Die Nachricht von ihrem Erwachen hatte sich in Windeseile wie ein Laubfeuer verbreitet und entfachte, ob nah oder fern einen neuen Hoffnungsstreif über Callisto.
Nicht viele positive Nachrichten waren in letzter Zeit zu ihnen gelangt, so war der Überschuss an Optimismus bezüglich dem was auf sie zukam gedeckt.
Schließlich rang sich Palladium dazu durch ruhig und entspannt die Stille zu brechen „Glaubst du sie konnten Nora finden?“.
Varandas Stimme als sie ihm antwortete war dagegen um einiges ernster und strenger „Nein, sonst hätte ich es schon erfahren“.
Das Tempo welches sie vorlegte machte es irgendwann auch Palladium schwer ohne Anstrengung mit ihr mitzuhalten. Zumindest bis sie plötzlich langsamer wurde und stehen blieb, den Blick weiterhin nach vorne gerichtet.
„Varanda?“ fragte er vorsichtig und sah sie an. Als er allerdings ihre vor Schuld getränkten Augen bemerkte glaubte er bereits, dass der Moment gekommen war an dem nun alles aus ihr heraus brechen würde.
Sie schluckte merklich, als sie sich ihm zuwendete.
Innerhalb von Sekunden war die starke, selbstsichere Frau einem besorgten Mädchen am Rande zur Selbstjustiz gewichen „Palladium…“.
Sofort auf alles gefasst was nun kommen konnte sah er auf die nun so menschlich wirkende Prinzessin herab „Ich habe lange überlegt und bin zu einem Entschluss gekommen?“.
Palladium weitete den Blick. Was meinte sie?
„Ich kann dich nicht darum bitten für meine Sache zu kämpfen, geschweige denn dein Leben zu lassen. Das würde ich mir selbst niemals verzeihen“ näherte sie sich ihm auf einmal.
„Varanda, das ist nicht…“.
„Ich muss dich um eine weitaus wichtigere Sache bitten. Callistos Zukunft könnte davon abhängen…“ unterbrach sie ihn.
Als hätte sie sich diese Worte eine Ewigkeit zuvor zurecht gelegt, verlieh sie all dem diesen Nachdruck, dass Palladium glaubte sie würde ihm sogleich ein weiteres ihrer Geheimnisse offenbaren.
Ihre beinahe glasigen Augen deuteten die Schwere dieser Worte „Ich weiß nicht wem ich hier noch vertrauen kann… Aber ich weiß, dass ich dir bedingungslos vertraue. Ich will, dass du während des Krieges im Schloss bleibst. Ich muss wissen, dass Cinder und Tine sicher sind, während ich nicht bei ihnen sein kann. Nichts ist wichtiger als das“.
Ihre Blicke verschmolzen ineinander.
Palladium verstand sofort, doch weigerte sich ein Teil in ihm sie, Teiz und die anderen auf dem Schlachtfeld allein zu lassen.
Wenn einem von ihnen etwas geschah und er nichts dagegen tun konnte…
Doch konnte er den eindrücklichen Wunsch der Prinzessin Callistos nicht abschlagen… nein, er konnte den Wunsch seiner Freundin nicht abschlagen.
Er schloss die Augen um langsam mit gesenktem Haupt zu nicken „Wenn es dein Wunsch ist… dann werde ich das tun“.
Er spürte ihre kalten, beinahe wie erfrorenen Hände an seinen Wangen, während sie ihre Stirn an seine legte und flüsterte „Ich danke dir… für alles was du für uns tust“.
„Teiz hat mit dem was er gesagt hat nicht unrecht… ihr seid hier zu meiner Familie geworden. Du bist meine Familie“
Vorsichtig öffnete der die Augen um den reuevollen Blick seiner Freundin zu begegnen „Palladium… sollte es zum äußersten kommen...“.
„Wag es nicht auch nur daran zu denken!“ entgegnete er ihr erstmals so bestimmt und hart wie nie und packte ihre Handgelenke, doch sie fuhr mit Schmerz in der Stimme fort „Ich muss auf alles vorbereitet sein… wenn alles zusammen bricht und wir verlieren… bring Cinder und Tine nach Alfea. Die beiden müssen sicher sein! Das ist das Einzige was dann für dich eine Rolle spielen darf, hast du verstanden?“.
Palladium weigerte sich auf diese Forderung einzugehen „Nein“.
„Doch!“.
Alles in seinem Inneren sträubte sich nachzugeben. Dabei wusste er, dass Varanda keine Ruhe geben würde „Du wirst dich nicht umdrehen. Du verschwindest mit beiden so schnell wie möglich aus Callisto. Cinder und Tine sind dann das Einzige was noch zählt“.
Palladium wusste nicht was er sagen sollte. Das alles war so falsch.
Ihm blieb nichts als zu vertrauen. Ihre Entscheidungen zu akzeptieren und zu hoffen.

*

Als Varanda und Palladium Athmos Labor erreichten waren auch Teiz, David, Jared, Amaryl und Cinder bei ihm.
„Athmos, gibt es etwas neues?“ fragte Palladium ohne einen Moment Zeit zu verschwenden.
Der alte Priester stand mit seinem Gehstock vor einer alten Truhe und schüttelte den Kopf.
Sie sah so verstaubt und abgegrabbelt aus, dass sich nur alter Kram darin befinden konnte.
„Es gibt keine Spur von Nora“ bestätigte auch er „Aber ich habe die Mixtur wieder erkannt. Dieses Gift war für sie mehr als typisch“.
„Wir haben das Schloss praktisch auf den Kopf gestellt, aber sie bleibt verschwunden“ kam es auch von Cinder.
„Dann ist sie bereits nicht mehr hier“ schlussfolgerte Vara „Wieso hast du uns dann zu dir rufen lassen Athmos?“.
„Darum“ antwortete er Priester und strich mit der flachen, faltigen Hand über den Deckel der Truhe den Staub etwas davon zu entfernen, ehe er die Muskeln anspannte und seine Magie darauf wirken ließ.
Sofort war zu sehen, dass er die Truhe mit einem Zauber versiegelt hatte… das war zuvor nie aufgefallen „Prinzessin Varanda, seid ihr Euch wirklich sicher diesen Krieg zu bestreiten?“.
Die Fee brauchte keinen Moment zu überlegen „Ja, das ist meine Pflicht“.
Der Priester drückte sein Einverständnis aus „Dann soll dieser hier nun Euch gehören“.
Der hart Hölzerne, dunkle Deckel der Truhe hob sich, worauf etwas aus dem Inneren aufleuchtete.
Es war ein vergoldeter Stab der empor schwebte.
Seine Rankenverzierungen zeigten die Einfassung einiger symbolischer Blitze.
Sein oberes Ende zierte einen beinahe durchsichtigen Kristall.
Vara weitete die Augen „Das Wetterzepter…“.
„Du hattest es die ganze Zeit?“ entfuhr es Cinder ungläubig.
Auch Teiz bekam vor Staunen den Mund nicht zu.
Der alte Priester nickte.
„Was ist das?“ fragte Amaryl interessiert an dem Stab der durch Athmos leichte Handbewegung der Kronprinzessin entgegen schwebte die ihn vorsichtig mit beiden Händen ergriff.
Varanda antwortete ihr leicht abwesend, während sie den Stab weiter von allen Seiten betrachtete „Das Wetterzepter ist ein uraltes und mächtiges Artefakt Callistos. Er wurde seit Urzeiten von König zu König weitergereicht. Wir dachten er sei mit meinem Vater verschwunden…“.
„Das sollten alle glauben“ entgegnete Athmos sogleich das Mysterium aufzudecken „Als König Calum das Schloss verließ vertraute er ihn mir an. Keiner sollte davon erfahren. Er wusste, dass seine Reise gefährlich werden würde, so ließ er ihn zurück, obwohl ich ihm geraten habe ihn mit sich zu nehmen…“.
Teiz wandte sich dem Priester zu „Wusste er etwa, dass er nicht zurück kommen würde?“.
„Das weiß ich nicht… aber vielleicht wäre er es, wenn er das Wetterzepter bei sich gehabt hätte…“ seufzte der Ratsälteste „Ich wollte ihn Dragomir als Kriegsherren anvertrauen, allerdings… wird er bei Euch in besseren Händen sein“.
Auf einmal zierte ein trüber Schatten Varandas Gesicht.
„Was hast du?“ fragte Jared „Dein Großvater kann uns nicht mehr im Weg stehen“.
„Genau, der ist aus dem Rennen“ stimmte David zufrieden zu.
Varanda schluckte „Das ist es nicht… I-Ich weiß nicht wie ich ihn benutze“.
Erschrockene Blicke von allen Seiten folgten „Was? Aber…“ wollte Cinder einwerfen, doch ihre große Schwester überlegte „Unser Vater hat es mir nie gezeigt… wer hätte auch ahnen können…“.
Athmos war wohl der Einzige der Runde der diese Information recht gelassen nahm „Ihr werdet es wissen wenn es soweit ist Prinzessin und glaubt mir, Ihr werdet ihn brauchen“.




Hallo,

auch heute habe ich wieder ein neues Kapitel parat. Inzwischen ist die schlimmste Gefahr aufgedeckt und kann bezwungen werden. Vara und Tine sind gerettet und nun wird es daran gehen ihr Reich zu retten. Cinder hat ihre Kräfte zurück und damit auch ihr Selbstbewusstsein. Nur wie wird es weiter gehen? Das lange von Athmos  versteckte Wetterzepter mit dem keiner so recht umzugehen weiß und der Einzige der es wüsste, sitzt inzwischen hinter Gitter. Da kommen harte Zeiten auf die Feen und Spezialisten zu und einen genauen Plan des ausgangs hat keiner von ihnen. Aber vielleicht hast du ja einen.

LG Seilix
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