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Fee der magischen Energie

von Seilix
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
OC (Own Character) Palladium
18.08.2017
23.02.2021
94
415.867
40
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Dieses Kapitel
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23.10.2020 3.154
 
Zum vierten Mal hastete ich nun schon durch Dragomirs Büro.
Die Tür ließ ich inzwischen offen stehen und klatschte ihm die Zettel mit den neuesten Informationen darauf nur so auf den Schreibtisch um schnellstmöglich wieder hinaus zu stürmen.
Mein Großvater, der sonst durch ein solches Verhalten geradezu explodiert wäre, äußerte sich nicht einmal dazu. Zu sehr war er auch in seine Arbeit vertieft und in ein jedes Telefonat das er noch führen musste und bereits geführt hatte.
Beim fünften Mal kramte ich in seinen Unterlagen nach etwas das mir Aufschluss über die letzten Aufzeichnungen des finalen Krieges vor dem Friedensabkommen gab.
Damals hatte ich mich versteckt und versucht nur nicht in die Gefechte hinein zu geraten. Ich erinnerte mich daran wie wir überwältigt und angegriffen wurden, an Teiz der kampfunfähig am Boden lag und das ledigliche Schreien meiner Schwester.
Damals waren wir um ein Haar davon gekommen, doch heute war es anders.
Heute würde ich selbst an der Seite meines Großvaters die Kriegsführung übernehmen, wenn es sich nicht abwenden ließe.
„Varanda“ riss mich Dragomir kurzerhand aus meinen Gedanken „Hast du meine Lesebrille hier irgendwo gesehen?“.
Er fragte mich das wie ein ganz normaler Großvater seine Enkelin ansprechen würde… das war geradezu… befremdlich.
Ich sah mich danach um. Zwischen den Zetteln, Büchern, Schriften und Rollen mit denen sowohl der Boden vollkommen übersäht war, die sich auf den kleinen Teetischen und Ablageflächen in die Höhe stapelten und regelmäßig auch von Dragomirs nicht gerade kleinem Schreibtisch herunter rutschten war eine kleine Lesebrille schon einmal zu übersehen.
Damit lässt sich auch in etwa das Chaos erahnen welches wir in kürzester Zeit durch den Überfluss an Gedanken, Planung und To-Dos abzuarbeiten hatten.
Schließlich entdeckte ich sie auf seiner Ablagefläche und reichte die Brille meinem Großvater „Bitte sehr“.
„Danke“ er setzte sie auf und ergriff dabei einen der Zettel der Zwanzig die ich ihm in den letzten Stunden immer wieder vor die Nase gelegt hatte, während er telefonierte und ich ihn nicht hatte ansprechen können.
Er ergriff ein paar weitere, während ich weiter durch sein Zeug kramte und meinte schließlich „Weißt du was, bring mich einfach schnell auf den neusten Stand. Ich kann keine Formulare mehr sehen“ knurrte er erstmals wieder entnervt über den Zustand seines Büros.
Ein Schmunzeln konnte ich mir nicht unterdrücken als er die Blätter ergriff und hinter sich ins nächste Eck pfefferte. Das war überhaupt nicht seine Art.
„Also gut“ überlegte ich einen Moment wo ich anfangen sollte „Ich habe wiederholt versucht Conver zu erreichen, aber es hat keinen Zweck. Er ignoriert sämtliche Anrufe und Nachrichten von Callisto. Ich habe selbst Enzo anfragen lassen, auch bei ihm… kein Durchkommen“.
„Dann hatte Athmos recht… er spekuliert darauf, dass du zu ihm kommst. Auf diese Weise hätte er schneller was er will“ gestand es sich Dragomir doch tatsächlich ein.
„Aber das wird nicht passieren“ stellte ich schnell klar und hakte weiter die Liste in meinem Kopf ab „Zudem habe ich ein Statement an die Bevölkerung herausgegeben mit der Versicherung, dass wir sie nicht allein lassen werden. Die Stadtsoldaten durchkämmen derzeit sämtliche Winkel. Achja, Teiz und Enzo sensibilisieren die Truppen und bereiten sie auf den schlimmsten Fall vor. Die Estrellas sind einverstanden für das Volk zu kämpfen, wollen aber keiner königlichen Macht unterstehen. Sie sind damit einverstanden Teiz unterstellt zu sein“.
Dragomir schnaubte, jedoch nicht annähernd so missgünstig wie noch am Tag zuvor „Ihr habt wirklich einen Draht zu diesen Rebellen gefunden… gut… ich habe übrigens gesehen, dass Cinder fleißig trainiert. Deine Freundin scheint einen… guten Einfluss auf sie auszuüben“.
Ich wollte mir nicht einmal vorstellen wie viel Überwindung ihn diese Worte gekostet haben mussten. Dafür konnte ich mich auch zu einem Lächeln durchringen „Ja, Amaryl hat ähnliche Kräfte. Ich hoffe, dass sie ihr helfen kann“.
Dragomir nickte „Könnte sie jetzt mit den Sternen in Kontakt treten wären wir nicht annähernd so verwundbar…“.
„Vielleicht hat das ja einen Grund und wir sollen es überhaupt nicht…“ äußerte ich abwesend „Callisto war immer im Vorteil solange wir die Zukunft kannten… möglicherweise will uns das Universum damit etwas sagen. Vielleicht ist es an der Zeit Sarcas zurückzugeben was…“.
„Wie auch immer“ unterbrach er mich direkt und schenkte diesen Vermutungen keine Beachtung. Dragomir war kein Freund davon an etwas zu glauben was er nicht sehen oder hören konnte. Wenn es ihm nicht bewiesen wurde existierte es nicht. Zudem versuchte er noch immer die Vergangenheit zu verdrängen.
Anstatt daher auf das angesprochene einzugehen, setzte er auch mich in Kenntnis „Ich habe Lady Lia, Sir Mathis und Sir Espen über die derzeitige Lage informiert. Sie brechen sofort auf um heute Abend hier zu sein. Ich bin zuversichtlich, dass auch sie uns ihre Streitmächte zusichern werden“.
„Dann sind wir gar nicht so schlecht aufgestellt“ wallte ein Fünkchen Hoffnung in mir auf „Es sind zwar alles kleine Truppen, aber es sind viele davon. Das habe ich am Anfang gar nicht bedacht“.
Dragomir nickte „Mit den Kolonien, den Soldaten, der Stadtwache, den Paladin Truppen und den Estrellas haben wir derzeit 2000 Mann, Tendenz steigend“.
„Steigend?“ fragte ich überrascht, wie er plötzlich noch weitere Leute aus dem Ärmel schütteln wollte.
„Achso, das habe ich dir gar nicht gesagt. Ich habe deine Jungs in die Stadt geschickt weitere kampferprobte Krieger aufzugabeln“.
„Du meinst Jared und David?“ weitete ich die Augen.
„Ja, genau die beiden mit dem Jungen Finn. Er kennt wohl noch ein paar gute Kämpfer. Wenn wir die ausfindig machen können könnten wir sie im Schnellverfahren ausbilden. Sr. Teiz sagte, dass es schwierig sei, aber nicht unmöglich und die Jungs werden ihm dabei helfen. Ich lasse ihnen dahingehend freie Hand“.
Ich glaubte kaum was ich da hörte. Dragomir und Teiz?! Es geschahen tatsächlich noch Wunder… dass diese beiden auch nur ein Wort miteinander wechselten ohne sich gegenseitig an die Gurgel zu springen…
Ich hätte vor Freude heulen können.
„Da ist noch etwas das uns gut in die Karten spielt“ äußerte ich.
Am Anfang war ich mir nicht sicher gewesen, ob ich es ihm mitteilen sollte, doch bei so viel Vertrauen wie er mir derzeit entgegen brachte, konnte ich dasselbe tun „Der Winter steht vor der Tür. Sarcas ist mit den starken Witterungsverhältnissen des Planeten nicht annähernd so gut vertraut wie wir. Sie unterschätzen die schnell wechselnden Anzeichen“.
„Du setzt auf einen Schneesturm meine Liebe?“ erkundigte sich Dragomir überlegend.
Ich nickte „Wenn wir Glück haben“.
Er sah mich direkt an „Wenn wir Glück haben“.

*

Der Tag zog nur so vorüber.
Vom einen auf den anderen Moment hatten alle kurzerhand ihre Rolle zugeteilt bekommen.
Bis tief in die Nacht braute Palladium mit Athmos die unterschiedlichsten Tränke und Mittel zusammen.
Glimm wich ihnen dabei nicht von der Seite.
Das Glühwürmchen war so ernst und konzentriert wie selten. Selbst sie bemerkte, dass da etwas großes im Gange war und transportierte Kräuter, Fläschchen und Pipetten, wenn auch nur als kleine Unterstützung, von A nach B und wieder zurück.
Wie alle gab sie ihr bestes.
Alice und Katy holten sämtliche Bestände der Stadt ins Schloss um zu jederzeit genügend Vorräte für die Alchemisten zur Verfügung zu stellen und doch, für die Menge die sie zu produzieren hatten, kaum genug.
Heilmittel waren darunter natürlich das höchste Gut, aber auch „Warmhalte Tränke“ waren für einen Winter nicht zu unterschätzen, sowie Nährstoffe in Form von Pillen.
Der Professor und der Priester hatten damit alle Hände voll zu tun.

Teiz, David und Jared agierten indessen im Innenhof mit den jüngsten Kriegern.
Sie lehrten sie die Selbstverteidigung, den schnellen Angriff, sowie sich aus misslichen Situationen zu befreien.
Alle von ihnen hatten bereits Kampferfahrung und trotzdem wussten sie, dass diese paar Tage keinesfalls ihrer drei jährigen Ausbildung an der roten Fontäne gleich kamen, doch brauchten sie jeden Mann.

Über den Schlossmauern hinweg flogen indessen Amaryl und Cinder umher.
So hatte die Sternenstaubfee der Prinzessin beinahe sämtliche ihrer Tricks gezeigt, so zeigte nun Cinder ihr wie sie sich in den starken Winden Callistos in der Luft halten konnte.
Es war kompliziert, doch sobald Amaryl begriffen hatte, dass sie einfach die Flügel zu spannen hatte und sich lediglich vom Auftrieb tragen lassen musste, gelang ihr selbst das beinahe mühelos.
Auch Alice und Katy hatten das so schnell wie möglich zu lernen.
Zu gerne hätten die drei Vara dabei gehabt. Ein gemeinsamer Flug über Callisto hätte ihnen gut getan, doch abgesehen davon, dass die Prinzessin derzeit noch immer flugunfähig war, hatte sie auch alle Hände voll zu tun.

Amaryl, die mit hereinbrechender Nacht die These aufstellte, dass Cinder zu dieser Tageszeit möglicherweise einen besseren Kontakt zu den Sternen knüpfen könnte als tagsüber und die Stärke ihrer Kräfte zunehmen könnte, legte mit der jungen Prinzessin ein paar Überstunden ein, während Varanda gefolgt von Enzo die Gänge des Schlosses zur nächsten Konferenz entlang hetzte.
Dragomir, der die eingetroffenen bereits empfangen hatte, servierte einen Tee, als die Kronprinzessin dazu stieß.
Lia, Espen und Mathis saßen in einem Halbkreis den Mitgliedern des Königshauses gegenüber um das weitere Vorgehen zu besprechen.
Obwohl jeder einzelne auf einen weiteren Kampf gegen Sarcas liebend gerne verzichtet hätte, kamen dennoch alle auf denselben Entschluss.
Sie konnten und durften hier nicht klein bei geben.
Conver würde Forderungen haben, ihnen die letzte Wahl zu lassen, sich zu ergeben, doch alle waren sich einig. Mit Callisto konnte es wie bisher nicht weitergehen.
Ein riesiger Fortschritt und alles worauf Varanda in den letzten Wochen hingearbeitet hatte.

Die Nacht praktisch durcharbeitend bekam sie am nächsten Morgen einen unerwarteten Anruf.
Kurz davor ihr Zimmer zu verlassen um mit dem Sonnenaufgang nach etlichen Stunden doch einmal ein wenig Nahrung zu sich zu nehmen, da sie von dem Mangel an Nährstoffen auf ihre derzeit anhaltenden Kreislaufprobleme schloss und des gelegentlichen Unwohlseins, klingelte plötzlich ihr privates Telefon.
Abermals sah sie auf die Uhr: 5:02 Uhr… wer war denn um diese Zeit außer ihr wach?
„Ja, bitte?“ hob sie den Hörer ab.
„Prinzessin Varanda, es tut mir so leid, ich konnte ihn nicht aufhalten. Hier gehen ungeahnte Dinge vor sich die Ihr euch gar nicht vorstellen könnt“.
Sie erkannte die Stimme am anderen Ende sofort die beinahe panisch auf sie einprasselte.
Mit geweiteten Augen und glatter Erleichterung überhaupt etwas von ihm zu hören fragte sie „Ilias, geht es dir gut?“.
„Ja, bisher schon“ antwortete er „Conver hat mich in meinem Zimmer eingesperrt. Er formiert die Truppen. Morgen wollen sie abreisen“.
„Wieso unterstützen eure Gefolgsleute das?“ erkundigte sie sich schnell.
„Ich habe keine Ahnung“ antwortete Ilias „Er muss irgendetwas in der Hinterhand haben. Irgendetwas das ihm einen Sieg versichert, aber er vertraut mir nicht genug um mich einzuweihen“.
Vara musste ironisch ihr Gesicht zu einem Schmunzeln Verziehen. Wieso das nur Ilias?
Andererseits schockierte es sie. So waren sich Ilias und Conver einst so nahe gestanden wie sie und Cinder es taten.
„Was weißt du Ilias?“ erkundigte sich die Prinzessin sofort „Gibt es etwas das du mir sagen kannst? Seine Forderungen? Wie viele Soldaten hat er zur Verfügung? Was ist es was ihn so rückversichert?“.
„Ich weiß nur, dass er nicht mehr derselbe ist“ antwortete der Prinz „Er scheint einen neuen Berater heran gezogen zu haben. Er telefoniert sehr viel und spricht über Alchemie. Dabei hat er doch davon keine Ahnung…“.
„Ich verstehe…“ versuchte Vara sich daran zu erinnern, ob er ihr gegenüber etwas dazu erwähnt hatte, doch sie glaubte kaum „In Ordnung, ich danke dir für alles Ilias“.
„Varanda, bitte sagt Cinder, dass es mir leid tut und ich niemals wollte, dass sie dem ganzen ausgesetzt ist… ich werde alles versuchen um das irgendwie zu verhindern“.
Bei seinem Satz bezüglich Cinder konnte Vara sich ein liebevolles Lächeln nicht verkneifen „Werde ich…“ so fiel ihr jedoch im selben Atemzug etwas auf „Warte… was meinst du mit…?“.
Kurze Stille von der anderen Leitung, als Ilias schließlich ihre Vermutungen bestätigte „In diesem angekündigten Krieg Prinzessin… es geht nicht um Euch Varanda, ging es nie… Conver weiß es… sein Informant muss es ihm gesagt haben… ich bekam es mit, als ich ein Telefonat belauscht habe“.
Vara weitete bei jedem Wort weiter den Blick. Das veränderte absolut alles!
„Bitte…“ fuhr Ilias mit bebender Stimme fort „Beschützt Cinder! Ihr müsst sicher sein! Ich werde von hier aus alles in meiner Macht stehende tun um das zu verhindern“.
„Tu nichts was dich in Gefahr bringt Ilias… wenn alles in die Brüche fallen sollte könnten du und Cinder die einzige Hoffnung sein die unsere Reiche noch haben“.
„Was? Dann geht ihr davon aus, dass…?“ hörte sie Verständnislosigkeit von der anderen Leitung „Varanda, was habt ihr vor?“.
„Überlass das einfach mir. Ich weiß was zu tun ist… Wir sollten nicht zu lange miteinander sprechen“ würgte sie ihn schließlich ab „Pass auf dich auf“.
„Ja… Ihr auch“.
Damit legte sie auf.
Ein Gespräch das ihr endlich über etwas bestimmtes Klarheit brachte. Sie selbst war überhaupt nicht das Zielobjekt… es sollte nur danach aussehen. In Sarcas ging etwas nicht mit rechten Dingen zu, das wusste sie nun.

Wie immer gab es einiges zu tun, nur nahm sich Varanda die Zeit heute einmal nach den Truppen zu sehen.
Auf der Brücke, von Enzo begleitet, sah sie auf all die Paladine, Krieger, Estrellas und Soldaten herab die ihr unter anderem unterstellt waren.
Sie formierten sich unter der Aufsicht von Teiz, David, Jared, Pluma und… Zillah.
Die Estrella hatte die Prinzessin bereits von weitem entdeckt.
Die starrsinnige Frau fixierte sie mit ihrem misstrauischen Blick.
Ihre dunklen Augen schienen sie geradezu zu durchbohren, doch Vara hielt ihr stand.
Obwohl sie genau wusste, dass Zillah sie mit Leichtigkeit bezwingen konnte, durfte sie hier und jetzt nicht nachgeben. Sie war die Prinzessin Callistos, die einzige Hoffnung für dieses Volk in diesen Zeiten und die Brünette wusste das.
Sie unterstützte sie mit ihrer Durchschlagskraft und ihren Leuten, würde ihr jedoch nie voll und ganz gehörig sein. Dragomir hatte sie deswegen als „Problem-Faktor“ betitelt…
Enzos Erklärung über den Aufbau der Verteidigungsfront hörte Varanda kaum zu.
Sie betrachtete ihre Jungs die mit ihren Männern in Reih und Glied verschiedene Angriffstaktiken durchgingen.
Diese Spezialisten waren der Wahnsinn! Das musste sie ihnen bei Gelegenheit einmal sagen.
Während sie sich mit all dem Papierkram und den politischen Gepflogenheiten auseinandersetzte waren diese Kerle an Ort und Stelle und kümmerten sich um die Soldaten.
Sie hatte so viel Unterstützung von allen Seiten. So viele Menschen denen sie ihr Königreich heute anvertrauen würde und sie wusste, dass sie es mit Respekt und Ehre aus Krisen hinaus führen würden.
Selbst Ilias. Immer wieder kreisten ihre Gedanken um den jungen Prinzen in Sarcas der bereits zu viel riskierte, weil er wusste, dass das Handeln seines älteren Bruders falsch war.
„Danke Enzo“ sagte sie schließlich nur und trat mit sicherem Schritt bereits zurück ins Innere des Schlosses.
Den Obergeneral, der seine Rede noch nicht einmal beendet hatte, ließ sie irritiert und betölpelt zurück.

Die nächsten beiden Tage verliefen in ähnlichem Zustand.
Pausen gab es keine und die Vorbereitungen liefen weiter auf Hochtouren.
Mit jedem Tag wurden sie sicherer… sollte es zum äußersten kommen waren sie nicht Chancenlos, ganz im Gegenteil.

*

Palladium, der noch bis spät in die Nacht an den Tränken saß die zubereitet werden mussten, hatte Athmos schließlich zu Bett geschickt.
Er verstand sich mit dem alten Priester bestens und auch dieser war wohl mehr als zufrieden mit seinem neuen Kollegen.
Gemeinsam waren sie wirklich gut darin schnell und effektiv zu arbeiten.
Nur merkte man dem Priester doch mit der Zeit sein Alter an. Er war nicht mehr der Jüngste und solche Nachtschichten waren einfach nichts mehr für ihn.
Doch wie die meisten älteren Menschen war er stur und hatte darauf bestanden so lange zu bleiben bis auch Palladium zu Bett ginge. So hatte der Elf ihm zunächst versichern müssen, dass er diese Ladung noch verarbeiten würde und sich dann auch zur Ruhe legte.
Athmos hatte mit den Worten genickt „Wir könnten wirklich mehr Leute wie dich in diesem Schloss brauchen. Mit meinen bisherigen Schülern hatte ich bislang einfach kein Glück“.
Palladium hatte ihm irritiert nachgesehen wie er langsam mit seinem Gehstock in Richtung Tür geschlürft war und gefragt „Was ist denn mit Nora?“.
Dieser winkte jedoch nur ab ohne sich umzudrehen „Ein gutes Mädchen. Allerdings war sie immer sehr sprunghaft, naja… gute Nacht“.
Damit schloss der alte Heiler die Tür hinter sich.
Palladium der für einen Moment sämtliches Handeln eingestellt hatte, wunderte sich „sie WAR sprunghaft?“, tat es aufgrund der vorangeschrittenen Nacht jedoch als lediglichen Versprecher von Athmos ab.
Er war eben doch schon sehr übermüdet.
Glimm entdeckte er ebenfalls bereits schlafend auf einem der Labortische liegen.
Auf einem aufgeklappten Buch über Kräuterkunde hatte sie sich hingelegt.
Selbst diese energiegeladene Sprungkugel hatte ihr Kontingent erreicht.
Palladium entdeckte ein kleines, schon etwas älteres Kissen auf einem der wenigen Sitzmöbel des Labors und bettete die Elfe darauf. Den Schlaf hatte sie sich auch redlich verdient.
Kaum 10 Minuten später hatte er die entsprechende Ladung fertiggestellt und überlegte womit er weiter machen sollte, als erneut die Tür aufging.
Ohne aufzusehen fragte er „Hast du etwas vergessen Athmos?“.
Allerdings antwortete ihm eine weibliche Stimme „Der ist glaube ich gerade ins Bett gegangen wenn ich das richtig gesehen habe“.
Überrascht blickte der Elf auf. Wenn man vom Teufel sprach „Hallo Nora, wolltest du etwas von ihm?“.
Die Frau mit den feuerroten, kurzen Haaren schüttelte den Kopf und trat näher „Oh, bist du auch mit den Kriegsvorbereitungen beschäftigt?“.
„Ganz genau, sollte es wirklich dazu kommen, müssen immerhin alle versorgt sein“ erklärte er „Möchtest du mir helfen?“.
„Ähm… würde ich gerne, aber…“ druckste sie etwas herum „… ich hab leider selbst zu tun. Die Kronprinzessin hat mich gebeten noch einmal ein Gift zusammen zu stellen. Ich soll dich übrigens von ihr grüßen“.
„Danke“ entgegnete Palladium leicht verwirrt, immerhin hatte Varanda vor einer knappen Stunde erst herein geschaut um sich allem selbst zu versichern „Wofür braucht sie das Gift denn? Das hätte ich ihr sicher auch gleich mitgeben können“.
„Ach…“ Nora zündete bereits den Destillierkolben auf der anderen Seite des Zimmers an „Halb so wild. Ich habe Zeit und wahrscheinlich wollte sie dich einfach nicht weiter belasten. Das sähe ihr zumindest ähnlich. Immerhin habt ihr hier viel zu tun und ich würde euch sonst nur im Weg herum stehen. Wofür sie es braucht weiß ich allerdings nicht“.
Klang plausibel. Varanda hatte immerhin auch nicht wenig um die Ohren.
Mit einem weiteren Blick auf die Uhr beschloss Palladium jedoch, dass es auch für ihn Zeit fürs Bett wurde.
Sein „Soll“ hatte er für den Tag wirklich mehr als erfüllt und er wollte noch einmal nach Tine sehen.
„Na gut, dann werde ich auch mal verschwinden. Gutes Gelingen Nora“ verabschiedete er sich von der Alchemistin, nahm vorsichtig Glimm auf seine Arme, die sich von der Bewegung absolut nicht in ihrem Schlaf stören ließ und verließ das Labor.
„Danke“ hörte er sie nur noch hinterherrufen.




Ein mehr kleines Zwischenkapitel, bevor es nächstes Kapitel wieder richtig los geht. Das doch nötige Vorgeplenkel um die derzeitige Situation und ihrer Folgen die ich einmal aufzeigen wollte ^^ Wer hat bereits mögliche Konfliktpotentiale erkannt die noch kommen werden? (Versprochen, es wird welche geben). Die "ruhe vor dem Sturm" ist bald vorbei.
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