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Fee der magischen Energie

von Seilix
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
OC (Own Character) Palladium
18.08.2017
23.02.2021
94
415.867
41
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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16.10.2020 4.586
 
Dragomir ließ seiner Wut freien Lauf. Seinen knallroten Kopf und die heißere Stimme durch sein anhaltendes Gebrüll ignorierte er völlig.
Varanda und Palladium hatten genau im richtigen Moment den Saal betreten.
Noch nicht einmal richtig in den Tag startend, hatte Vara kurzerhand wieder mit Kopfschmerzen zu kämpfen und massierte sich die Schläfen, während ihr Großvater eine Tirade aus Vorwürfen und Beschimpfungen auf sie hinab rauschen ließ.
Es wirkte als könnte absolut keiner diesen Anfall stoppen, so wartete sie einfach bis es vorüber war.
„Ich hoffe wirklich, dass du zufrieden bist! Es hat Jahre gedauert bis der Skandal über eurer Mutter wieder abgeklungen war! Du möchtest wohl unbedingt in die Fußstapfen deines Vaters treten! Unfassbar, dass du ihm selbst dahingehend gleichst!“
Palladium, den dieses Thema ebenfalls indirekt betraf behielt seinen festen Stand neben seiner Geliebten.
Dragomir hatte Varanda mit dem Eintreten in den Saal ein Stück Papier vor die Füße geworfen, welches die neusten Schlagzeilen Callistos zeigte.
Darauf, wie hätte es anders sein können, ein Bild von Palladium und ihr. Jener Moment in dem sie auf seinem Schoß gesessen und ihn leidenschaftlich geküsst hatte.
Die Überschrift ließ sogleich auf den Artikel schließen „Prinzessin Varanda von Callisto, verborgenes Geheimnis aufgedeckt“.
Den Artikel wollte sie sich nicht einmal herablassen zu lesen.
„Ich verstehe das Problem nicht“ wandte Amaryl kurzerhand ein, als Dragomir einmal Luft holte „Hier steht absolut nichts verwerfliches, ganz im Gegenteil. Ich zitiere: „Nach vielen Rätseln und Platz für Spekulationen, scheint sich das Geheimnis um die endgültige Lösung der Verlobung zu König Conver tatsächlich enthüllt zu haben. Die Prinzessin Callistos scheint eine heimliche Beziehung zu einem Unbekannten zu führen der ihr mit einigen anderen fremden aus Magix bereits seit einiger Zeit im Schloss zur Seite steht“. Das sind einfach die Fakten, mehr nicht“.
„Das ist nicht das Problem Amaryl“ erklärte Varanda ohne den Blick von Dragomir abzuwenden „Es ist die Tatsache, dass ich keinen Prinzen gewählt habe, sondern die von meinem Großvater so sanftmütig umschriebene „Thronesentfremdung“, nicht wahr?“
Dragomir schnaubte voll Missgunst geprägt „Du hättest mir absolut alles antun können Varanda. Ich habe akzeptiert, dass du dieses Pack im Schloss wohnen lässt, dass du sämtliche Gelder verschwendest, aber dass du ausgerechnet eine Beziehung mit so jemandem eingehst?! Nur ein Professor Alfeas… und ein Elf noch dazu?! Du musst blind sein“.
Drohend trat die Prinzessin einen Schritt vor „Wage es noch einmal so abwertend über ihn oder meine Freunde zu sprechen und du wirst dir wünschen mich niemals zurückgeholt zu haben“.
Dragomir, der allmählich erkannte, dass es keinen Sinn hatte seinem Ärger weiter Luft zu machen trat langsam den Rückzug an „Du wirst noch dein blaues Wunder erleben Varanda“ knurrte er lediglich, ehe er aus dem Raum stürmte.
Varanda selbst senkte den Blick und setzte sich erst einmal, als ihr Großvater nicht mehr zu sehen war.
Den Ellenbogen auf die Tischplatte gestützt hielt sie sich den Kopf diesen Auftritt erst einmal zu verdauen.
Teiz hatte den Blick noch immer nicht von der Tür abgewendet „Immerhin, damit wissen jetzt alle Bescheid. Eigentlich ist das das beste was dir passieren konnte“.
„Irgendwie habe ich es ja auch darauf angelegt“ gestand sie „Es war kein Wunder, dass das passiert, ich habe nur vergessen mit dieser Standpauke zu rechnen…“.
„Und… du bist dir sicher, dass es in Ordnung ist?“ fragte Palladium vorsichtig.
Er konnte nicht anders als sich mit für all das verantwortlich zu fühlen, doch seine Freundin begegnete ihm sofort mit einem sanften Lächeln „Keine Sorge, ich regle das schon. Irgendwann müssen es alle erfahren“.
Palladium war sich jedoch nicht sicher, ob ihn das wirklich beruhigen sollte.

*

„Ich habe eine Bitte an dich“ begann Vara, nachdem sie weit genug von ihren Männern entfernt waren.
„Wieso? Was ist los?“ fragte Amaryl allarmiert, nachdem sich die ausgelassene Freude in dem Gesicht ihrer besten Freundin in einen Anflug der Besorgnis gewandelt hatte.
So hatten sie bis eben noch den Erfolg über die Estrellas gefeiert und ausgelassen angestoßen, bat die Prinzessin sie im selben Moment mit ihr abseits zu reden.
„Es geht um Cinder“ gestand sie ihr schließlich ihre Sorgen ein „Sie macht gerade eine schwere Zeit durch und ich weiß nicht was ich tun soll“.
Amaryl weitete die Augen „Aber du denkst ich weiß das?“
Vara nickte mit leicht erzwungenem Lächeln „Du bist die Fee des Sternenstaubs, sie die der Sterne. Wenn sie jemand verstehen kann, dann vermutlich du. Cinder glaubt, dass sie einen Teil ihrer Fähigkeiten verloren hat und ich weiß nicht wie ich ihr dabei helfen kann… Ihr fehlt jemand mit dem sie darüber reden kann, der weiß was es bedeutet mit den Sternen verbunden zu sein. Könntest du mir dabei helfen“.
Amaryl legte ihrer Freundin eine Hand auf die Schulter „Ich geb mein bestes, versprochen“.
Plötzlich umarmte Vara sie „Ich danke dir. Ich habe Angst, dass meine Familie noch weiter zerbricht…“.
„Das wird sie nicht“ beruhigte Amaryl mit der verständnisvollsten Stimme die sie aufbringen konnte „Und jetzt Kopf hoch, wir sind hier auf einer Party und sollten Spaß haben. Genieß diesen Abend als sei es dein letzter in Freiheit, wer weiß schon was morgen passiert. Außerdem wartet da hinten die Liebe deines Lebens auf dich, also zeig es ihm mal“.
„Was? Amaryl, das kann ich doch nicht in aller Öffentlichkeit“ entfuhr es Vara erschrocken.
Diese stieß sie jedoch auffordernd von der Seite an „Oh doch, kannst du! Er ist dein Freund oder nicht? Und wenn du dafür noch einen Drink oder zwei brauchst kriegst du die“.
Die Prinzessin seufzte „Du bist echt unmöglich“.
Kurzerhand hatte Amaryl ihr wirklich noch einen Cocktail in die Hand gedrückt „Komm schon! Unmöglich ist nur wie verkrampft ihr immer nebeneinander sitzt. Ihr seid ein Paar, also zeig das der Welt. Wovor hast du denn Angst? Ich will was sehen was mich aus den Socken haut!“.
„Bist du dir da wirklich sicher?“ erkundigte sich die Prinzessin noch einmal „Ich glaube damit überfordere ich ihn“.
„Ach, komm schon. Ein paar Überraschungsmomente schaden doch keiner Beziehung“.
„Okay, aber das Ganze ist auf deinem Mist gewachsen“ warnte Vara zuletzt, bevor sie den Drink beinahe im ganzen hinunter zog.
„Das nehme ich gerne in Kauf“ grinste Amaryl nur so vor sich hin.
Und schon hatte sie Vara auf andere Gedanken gebracht, wenn das auch ohne den vorigen Alkohol sicher nicht so einfach möglich gewesen wäre.
Gesagt, getan, hatte ihre Freundin genickt und sich ein Grinsen aufgesetzt, bevor sie zu Teiz und Palladium zurück an den Tisch stolziert waren.


*

Amaryl atmete tief durch, als sie anklopfte und die Klinke der Tür hinunter drückte.
Nun war es Zeit ihren Teil der Vereinbarung einzuhalten.
Sie hatte es Vara versprochen, vielleicht konnte sie Cinder ja wirklich helfen.
Als sie die Tür aufdrückte und hinein trat, entdeckte sie allerdings zunächst niemanden „Hallo? Cinder?“.
Erst auf ihr rufen streckte ein Mädchen den Kopf vom Balkon herein „Oh, hallo Amaryl, ich hab dich gar nicht erwartet, komm rein“.
„Ja“ entgegnete diese leicht verlegen und druckste etwas herum „Naja, ich wollte mal nach dir sehen. Wie geht es dir?“.
„Ganz gut“ entgegnete diese und kam ihr ebenfalls entgegen.
Amaryl überlegte wie sie dieses Thema am besten anfangen sollte, kam allerdings nur auf einen einzigen Entschluss.
Sie deutete Cinder sich mit ihr zu setzen „Okay, hör zu. Ich will ehrlich zu dir sein, Vara schickt mich“.
Die junge Prinzessin wirkte nicht sonderlich überrascht, eher kurzerhand etwas eingeknickt „Das wundert mich nicht… es tut mir so leid, dass ich ihr jetzt auch noch Sorgen bereite“.
„Hey, das ist doch kein Problem“ versuchte die Sternenstaubfee sie sofort etwas aufzuheitern „Sie ist nunmal deine große Schwester. Es ist ihr Job sich um dich zu kümmern“.
„Okay… und was sollst du jetzt mit mir machen“ fragte sie leicht verunsichert.
„Naja, so genau weiß ich das auch noch nicht“ musste Amaryl gestehen „Weißt du, Vara hat mir gesagt, dass du ein paar Probleme mit deinen Kräften hast und da ich die Fee des Sternenstaubs bin und du die Fee der Sterne könnte ich dir vielleicht helfen“.
Cinder blinzelte ein paar Mal „Ich weiß nicht, vielleicht… hast du auch Kontakt zu ihnen?“.
„Kontakt zu wem?“ Amaryl verstand nicht worauf sie hinaus wollte.
„Na zu den Sternen. Ich kann mit ihnen sprechen… zumindest konnte ich das“.
„Ähm… nein“ musste die Fee wieder gestehen „Aber ich kann sie manchmal fühlen. Ich weiß wo sie stehen und in welcher Sphäre sie sich bewegen. Wenn du möchtest kann ich dir ein paar Tricks zeigen wie du sie besser verstehen könntest“.
„Wirklich?“ Cinder klang geradezu begeistert „Das ist toll. Noch nie konnte jemand aus Callisto mir etwas über meine Kräfte beibringen“.
Amaryl schenkte ihr ein Lächeln „Dann wird es aber Zeit“.

Die beiden Feen trainierten draußen, außerhalb der Schlossmauern.
Da der Innenhof derzeit von Finn und den Estrellas genutzt wurde, mussten die Feen ein wenig ausweichen.
Amaryl war sofort über Cinders Verwandlungstalent begeistert. Sie war 15 und hatte keinerlei Schwierigkeiten damit.
Wie Vara, so auch ihre Schwester, überlegte sie, ob Talent auch vererbbar war.
Oder vielleicht wurden einfach alle Prinzessinnen schon von Geburt an damit gesegnet, doch dann dachte sie an Solarias Prinzessin und schüttelte den Kopf. Nein, Stella widerlegte diese Theorie.
Amaryl überlegte wie sie mit Cinder beginnen sollte.
Die Fee trug einen dunkelblauen, funkelnden wunderschönen zwei-teiler.
Beinahe so dunkel wie der Nachthimmel selbst.
Das Oberteil ging ihr als Neckholder bis über den Bauchnabel.
Der kurze Rock ging auf die linke Seite etwas länger hinab bis zum Knie.
Die Stiefletten waren mit einem Keilabsatz versehen.
Ihre Flügel waren praktisch durchsichtig, lediglich weiß umrandet und waren beinahe wie ihre eigenen geformt, nur dass sie bei Cinder aus lediglich drei Flügelnpaaren bestanden und nicht wie bei Amaryl aus fünf.
Ihr Haar hing ihr noch immer lang und blond über die rechte Schulter herab, lediglich ein Haarband mit kleinem Diadem trennte die vorderen Strähnen vom Rest ihres Haares.
„Wann hast du deine Verwandlung entdeckt?“ fragte Amaryl zunächst.
„Irgendwann im letzten Jahr“ antwortete ihr die Prinzessin „Tyrian hat es mir gezeigt“.
Cinder sprach immer von diesem Tyrian. Der hellste Stern über dem Schloss, glaubte sie sich zu erinnern.
„Okay, lass uns etwas versuchen“ überlegte die Sternenstaubfee schließlich und erhob sich ein wenig in die Luft.
Sie war ganz sicher keine Professorin… sich selbst hätte Amaryl sogar als vollkommen ungeeignet dafür eingeschätzt jemandem etwas beizubringen. Das war Varas Job und nicht ihrer, doch ihre beste Freundin hatte sie darum gebeten.
Sie wusste wie viel derzeit auf ihren und Teiz Schultern lastete und die Fee war ja froh, wenn sie sie darum baten ihnen etwas Arbeit abzunehmen. Das war es worauf sie schon die ganze Zeit hin appelliert hatte.
Ihr Schützling folgte ihr in die Luft, bis sich beide Feen gegenüber standen.
„Okay, ich muss zunächst etwas über deine Fähigkeiten erfahren. Zeig mir welche Angriffe du drauf hast“ forderte Amaryl Cinder auf.
Die Angesprochene nickte und fixierte einen nahe gelegenen Baum.
Sie konzentrierte ihre Magie „Sternenhagel!“.
Ihr weißes Licht materialisierte sich zu einem Strahl aus kleinen, leuchtenden Sternen die auf die Rinde zuhielten
Sie schlug ein ordentliches Loch hinein.
Der nächste Angriff war allerdings um einiges interessanter.
Cinder materialisierte ihre Magie, wofür sie einiges an Konzentration aufbrachte und die Sternenstaubfee sah, dass es ihr erst beim zweiten Mal richtig gelang.
Sie bildete damit einen Bogen und spannte diesen.
Wo hatte sie das nur schon einmal gesehen? *Ironie*
Sie schoss mit größter Mühe einen Pfeil, welcher kaum an seinem Ziel ankam, ehe er verpuffte und nur ein winziges Einschussloch hinterließ.
Sie wollte eindeutig ihrer großen Schwester nacheifern.
Amaryl war inzwischen gut genug ausgebildet um zu wissen, dass Cinder zwar Durchschlagskraft besaß, ihr aber einiges an Technik fehlte.
Die Prinzessin sah ihre Mentorin erwartungsvoll an, welche nach ihrem überlegenden Blick ein leichtes Lächeln auflegte „Ich weiß was du gerade gemacht hast“.
Cinder, die sich sofort ertappt fühlte, sah zu Boden „Ich weiß, dass ich nicht so gut darin bin, aber ich übe es noch“.
Amaryl flog zu ihr herüber und legte der jungen Fee eine Hand auf die Schulter „Hör zu Cinder, dein Sternenhagel war super. Diese Magie entspringt deinem Ursprung. Du beherrschst sie gut, also warum versuchst du das zu unterdrücken?“.
„Unterdrücken?“ fragte diese beinahe irritiert.
„Du versuchst Vara zu kopieren“ führte sie der Prinzessin das offensichtliche vor Augen.
„Es ist ihr stärkster Angriff!“ rief Cinder begeistert aus „Ich will das auch können und ich weiß, dass sie es mir noch beibringen wird“.
Amaryl wusste, dass das nicht leicht sein würde und überlegte „Weißt du, wir alle haben unterschiedliche Fähigkeiten. Manchmal sind sie relativ gleich, aber die meisten unterscheiden sich sehr voneinander. Vara ist die Fee der Energien. Obwohl sie die Schutzfee des Wetters ist hat sie immer viel mehr innere Energie gehabt und wusste besser damit umzugehen als irgendeine andere Fee unserer Klasse. Sie ist damit geboren worden und hat gelernt wie sie das für sich einsetzen kann. Darum fällt es ihr so leicht einen Pfeil und Bogen zu erschaffen. Es ist ihre materialisierte Energie von der sie unendlich viel zur Verfügung hat. Du und ich dagegen haben nur einen Bruchteil dieser Energie. Unsere Magie entspringt dafür den Sternen. Während wir es schaffen unsere Magie besser in einem Strahl freizusetzen und einen direkten magischen Angriff zu starten, kann sie etwas mit Energie versetzen oder materialisieren. Sie erschafft so Pfeil und Bogen mit einer unglaublichen Durchschlagskraft oder macht aus einem Kampfstab einen Speer. Das liegt in unserer individuellen Natur. Es tut mir leid dir das sagen zu müssen, aber ich glaube nicht, dass du es jemals schaffen wirst einen Pfeil wie sie zu machen…“.
Cinder blickte bei dieser Erkenntnis traurig zu Boden. Sie verstand was Amaryl meinte, die schnell fortsetzte „Außerdem, bist du Du. Du bist Prinzessin Cinder von Callisto und niemand sonst. Du hast eigene Kräfte und wenn du die lernst richtig einzusetzen, kannst du es selbst mit Vara aufnehmen, nur anders“.
„Wirklich?“ fragte diese fasziniert von der Sternenstaubfee „Hast du es geschafft meine Schwester zu besiegen?“.
Diese Frage traf Amaryl wie ein Blitz, die sich etwas beschämt über den Nacken strich „Nein… aber das liegt daran, dass sie eine Enchantix ist und ich… noch nicht…“.
Damit hatte Cinder einen wunden Punkt getroffen.
Im vergangenen Jahr hätte auch Amaryl ihren Abschluss machen sollen. Es war das dritte Jahr gewesen… nur hatte sie es nicht geschafft ihr Enchantix zu erhalten und in diesem Jahr sah es derzeit nicht besser aus…
Anstatt in Alfea weiter dafür zu trainieren war sie nun auf Callisto, weil ihre beste Freundin und ihr Freund sie brauchten. Sie seufzte. Das hier war einfach wichtiger.
Ihr einziger Trost war es, das auch Katy und Alice in derselben Situation steckten.
Cinder betrachtete sie in diesem Moment trotz des Geständnisses mit so viel Bewunderung, dass es ihr fast befremdlich erschien.
Um der Stimmung schnell eine 180 Grad Wendung zu geben, rief Amaryl mit neu gefasstem Mut aus „Aber das ist unwichtig. Ich zeige dir jetzt ein paar Dinge die du selbst einmal ausprobieren kannst. Ich habe auch lange gebraucht um meine eigenen Kräfte zu entdecken, nur wurde mir in Alfea dabei geholfen. Ab und zu braucht man ein bisschen Hilfe und ich tue mein bestes um dir zu zeigen was ich dort gelernt habe“.
„Deswegen wollte sie, dass ich nach Alfea gehe…“ kam Cinder wohl eine Erkenntnis.
„Was?“ fragte Amaryl, da sie nicht verstand, doch die Prinzessin stellte sich ihr bereits entgegen „Nichts. Es kann losgehen Professorin Amaryl“.
Professorin? Das klang befremdlich, doch sie nahm es als Kompliment.

*

Während Finns Training hörte Teiz immer wieder die Einschläge von außerhalb.
Er wollte sich kaum vorstellen, was seine hitzköpfige Freundin gerade mit seiner kleinen Schwester anstellte.
Nur kurz waren sie hinaus in den Hof gekommen um zu bemerken, dass sie sich einen anderen Platz zum Trainieren suchen mussten, also waren sie auf die andere Seite der Schlossmauern gewechselt.
Es überraschte ihn ziemlich, dass Amaryl einfach so beschloss mit Cinder zu üben.
Er wandte seine Aufmerksamkeit wieder dem Paladin zu.
Finn war inzwischen um einiges besser als noch zu Anfang.
Er war schneller und geschickter. Gerade absolvierte er einen Übungskampf gegen einen der Estrella.
Die Meisten waren genau in seinem Alter und er fand sich allmählich gut in diese Gruppe ein.
Teiz und Pluma standen am Rand des Geschehens nebeneinander.
Sie beide waren stolz auf ihre Schützlinge.
„Dieser Ort ist wirklich perfekt für das Training von Schülern“ stellte der Estrella mit verschränkten Armen, jedoch zufriedenem Gesicht fest.
„Wir sind froh, dass ihr euch entschieden habt hier aufzuschlagen“ bestätigte Teiz noch einmal sich mit ihm gutzustellen.
„Eure Argumente waren schlüssig und berechtigt“ antwortete Pluma „Das hast du nicht von mir. Zillah würde mir den Hals umdrehen, aber viele von uns setzen inzwischen auf Prinzessin Varanda. Wir hoffen, dass sie die Wahl gewinnt“.
Teiz konnte sich ein zufriedenes Lächeln nicht unterdrücken „Wir brauchen jede Stimme die wir kriegen können. Ich weiß, dass es durch sie nur besser werden kann“.
„Ihr bewegt etwas“ Pluma blickte zu den schneeweißen Wolken hinauf. Auch ihm fiel auf, dass es kühler wurde „Ihr und eure Leute bringen den funken Licht der diesem Planeten so lange gefehlt hat. Bis Varanda Zillah herausgefordert hat hätte ich niemals geglaubt, dass sie noch einmal einen Schritt hinter diese Mauern setzen würde“.
„Ob du es glaubst oder nicht, von mir habe ich das auch lange Zeit gedacht“ gestand Teiz dem Neuzugang und beobachtete im selben Moment, wie Finn zum letzten Schlag mit dem Speer ansetzte.
„Ihr seid selbst die größten Gegner des Königshauses und des Fürsten… als ich das bemerkt habe dachte ich, es könnte sich wirklich etwas verändern, auch meine Schwester hat das gesehen, auch wenn sie es den Prinzessinnen übel nimmt, dass es so spät ist“ Pluma ging mit erhobener Hand zwischen den Übungskampf um Finn von dem am Boden liegenden abzuhalten „Nicht schlecht. Du musst noch eine ganze Menge lernen Phil“.
„Ja, Pluma“ entgegnete der Estrella, der sich wieder aufrichtete und sich damit entfernte.
Finn hingegen feierte seinen Triumph immer besser zu werden.
Teiz würdigte das Können seines Schülers ebenfalls mit einem Handschlag „Ich bin stolz auf dich“.
„Also, sollen wir gleich die nächsten antreten lassen?“ erkundigte sich Pluma.
Sie hatten noch ein paar andere junge Estrellas am Rande stehen die nur auf die Chance warteten sich beweisen zu können.
„Das wäre eine Überlegung“ dachte Teiz an seinen heute recht freien Terminplan.
Er hatte sich den Tag ausschließlich freigehalten um sich aller Fähigkeiten der einzelnen Paladine und Krieger der Estrellas zu versichern.
Jeder von ihnen war für die Kooperation zwischen ihm, Pluma und Zillah mehr als wichtig.
Sie mussten sie auf dem schnellsten Weg zu Kriegern des Planeten machen.
Plötzlich flog Teiz etwas weißes vor das Gesicht.
Ein kleines Etwas das langsam zu Boden schwebte.
Er sah hinauf zum Himmel und entdeckte weitere dieser kleinen Flocken „Der erste Schnee…“.
„Der Winter kommt“ kommentierte auch Pluma das Herabfallen der gefrorenen Tropfen.
Kaum, dass alle das Schauspiel des Schnees betrachteten als sei es ein Tanz von kleinen Elfen der sie im Wind umherfliegen ließ, bemerkte er zwei Feen die über die Mauern empor geflogen waren.
Amaryl und Cinder hatten ihr Training wohl beendet, so landeten sie im Hof.
Die Sternenstaubfee bestaunte das Szenario ebenso „Wie schön das ist! In Magix gibt es überhaupt keinen Schnee“.
Sie hielt die Hände flach eine der Flocken aufzufangen.
„Er kommt pünktlich wie jedes Jahr“ erklärte Cinder ihr.
Teiz bemerkte sofort das befreite Lächeln seiner kleinen Schwester. Es schien ihr gut zu gehen. Ob seine Freundin etwas damit zu tun hatte? Er konnte bloß spekulieren.
Zu gerne hätte er weiter dieses Schauspiel mit ihr betrachtet, doch es hatte ein rasches Ende, als Alice hinaus gestürmt kam „Da seid ihr ja! Vara will etwas mit uns besprechen. Es ist was passiert!“.
Untereinander tauschten sie ein paar erschrockene Blicke, ehe sich alle beeilten im Versammlungsraum einzutreffen.

*

Bereits von weitem hörte ich die zweite Hälfte unserer Gruppe wie aufgescheuchte Hühner in den Saal rennen.
Ich saß am Tischende der von mir ausgerufenen Konferenz und wartete geduldig auf das Eintreffen meiner Freunde.
Um die Ecke, an meiner rechten Seite saß Palladium.
Neben ihm hatten sich bereits David, Katy und Jared eingefunden.
Mir gegenüber saß Dragomir und wartete ebenfalls. An seiner Seite Enzo platziert, sowie Athmos.
Alle schwiegen zu den neusten Erkenntnissen.
Selbst mein Großvater zügelte sich bislang, trotz der unausweichlichen Katastrophe die auf uns zukam. Etwas das ausnahmsweise wirklich uns alle betraf.
Ich blickte einen Moment aus dem Fenster. Der Winter war hereingebrochen.
Seit langem sah ich wieder die ersten Schneeflocken auf Callisto herunter regnen.
Es würde nicht mehr lange dauern bis es sich in einen wahren Schneesturm entfachte.
Als ich den Kopf wieder auf den Tisch wendete fixierten meine Augen wie aus Reflex das Siegel des Briefes vor mir. Das Königshaus Sarcas.
Die fehlenden platzten durch die geöffnete Tür. Alice, Amaryl, Cinder und Teiz voraus.
Schnellen Schrittes platzierte sich Teiz an den freien Platz meiner anderen Seite „Was ist passiert?“.
Ich wartete bis sich alle gesetzt hatten. Amaryl und Alice natürlich neben ihn und Cinder auf Dragomirs anderer Seite.
„Also dann…“ eröffnete mein Großvater die Runde „Da wir auf Wunsch der Prinzessin nun alle vollzählig sind können wir anfangen. Meine liebe Varanda, ich denke du möchtest das sicherlich übernehmen“.
Ich fixierte Dragomir mit festem Blick. Zeigte ihm dabei jedoch keinerlei Regung.
Von WOLLEN konnte keine Rede sein und ich wusste, dass er sich nur so daran ergötzte mich erneut in Schwierigkeiten zu sehen.
Nur war dieses ein Problem das wirklich uns alle betraf, ihn nicht weniger, als mich und doch war mir klar, dass er mir die Schuld zu schob… ich mir allerdings ebenfalls.
Ich schloss die Augen und überlegte mir meine Worte, während ich den Brief vor mir abermals auseinander faltete „Das Königshaus Sarcas hat uns eine Nachricht zukommen lassen. Ich mache es kurz und schmerzlos. Conver will den nächsten Krieg“.
Ich blickte in sämtliche erschrockene Gesichter der Runde.
Meine kleine Schwester, die sich die Hände vor den Mund drückte, dass ich Angst bekam sie könnte keine Luft mehr bekommen, brach in Tränen aus.
Teiz, wie vom Schlag getroffen, ließ sich im Stuhl zurück fallen. Sämtliche Reaktionen darauf waren in die gähnende Leere seiner Augen gefallen und davon verschluckt worden.
Palladium neben mir, sein Gesicht von Reue gezeichnet, als glaubte er mit dafür verantwortlich zu sein.
Enzo und Dragomir die bereits davon wussten bemühten sich beide ihrer Fassung.
Meine Freundinnen sprachen schockiert und ungläubig ihre Verständnislosigkeit aus und Jared und David stand lediglich der Mund offen.
Der blonde Spezialist ergriff die in der Luft liegende Frage „Moment, doch nicht etwa nur wegen dem Vorfall auf der Brücke, oder? Du willst uns doch jetzt nicht weiß machen, dass es der Kerl aus Rache an dir den ganzen Planeten angreifen will?!“.
Nachdem ich selbst bereits ein wenig Zeit gehabt hatte das Ganze sacken zu lassen, versuchte ich so emotionslos wie möglich zu klingen „Irgendwo ja und irgendwo auch nicht. Hier steht, dass es die Gründe des durchbrochenen Handelsabkommens seien die ich außer Kraft gesetzt habe, die dem Friedensabkommen entsprochen und darauf basiert haben und ausschließlich Sarcas zugesichert waren. Mit der Genehmigung wieder Verträge mit den anderen Reichen einzugehen habe ich ihm damit natürlich vor den Kopf gestoßen. Der Fakt, dass sie von uns keine Lieferungen mehr erhalten, weder Soldaten, noch Drachen und sie in Zukunft Callisto nicht mehr unterdrücken können spielt natürlich auch eine Rolle. Dazu kommt vermutlich sein verletzter Stolz von dem hier natürlich nichts steht. Ich würde lügen, wenn ich behaupte, dass ein kleiner Teil von mir keine ähnliche Befürchtung hatte. Allerdings dachte ich nie, dass sie sich wirklich bewahrheitet… Welche Gründe noch dahinter stecken können wir nur spekulieren…“.
Dragomir schnaubte „Genau das ist es wovor ich dich gewarnt habe. Du hast Callisto geradewegs in sein Verderben geführt. Ich hoffe du bist stolz darauf“.
Diese verdammten Vorwürfe gingen mir allmählich gegen den Strich.
Durch meine hervorbrechende Wut ließ ich meinem Temperament ein Mal freien Lauf und schlug mit der blanken Faust gegen den Tisch, dass es knallte „Nein, bin ich nicht! Und du solltest es auch nicht sein! Wir sitzen hier im selben Boot Dragomir! Die Wahl ist noch nicht vorüber und das bedeutet, solange du mitkandidierst sind wir aufeinander angewiesen. Wir haben eine Woche um uns vorzubereiten!“.
„Eine Woche?“ entfuhr es Amaryl noch erschrockener.
Ich nickte „In einer Woche werden sie hier aufschlagen… vorausgesetzt ich kann das Ganze nicht retten“.
„Was hast du vor?“ fragte Teiz allarmiert, als könnte ich etwas tun, was ich später bereute.
„Na was wohl!“ knurrte es von dem anderen Tischende „Sie wird nach Sarcas fliegen und König Conver um Verzeihung bitten“.
„Was?“ selbst Enzo drückte bei diesem Vorschlag sein Unverständnis aus „Bei allem Respekt mein Fürst, aber das halte ich für keine gute Idee“.
„Die Gefahr, dass sie dich nicht mehr zurück fliegen lassen ist viel zu groß“ warf mein Schutzherr ebenfalls ein, der aufsprang.
„Das Risiko werde ich eingehen müssen“ verkündete ich „Callisto ist zu geschwächt, als dass es einen solchen Krieg überstehen könnte“.
„Das kommt nicht in Frage“ äußerte sich plötzlich der Priester ruhig und gesittet in die Runde „Ich halte es ebenfalls für die beste Entscheidung mit Sarcas in Kontakt zu treten, doch nicht auf diesem Wege. Callisto braucht Euch gerade mehr als jemals zuvor Prinzessin Varanda. Ihr dürft Euch nicht in diese Gefahr begeben, daher verbiete ich es“.
Ich weitete die Augen. Konnte er es tatsächlich ernst meinen?
„Was soll das bedeuten? Was sollen wir sonst tun?“ fragte Dragomir ernst. Selbst er respektierte die Meinung von Athmos.
Dieser hob den sonst immer abgesenkten Kopf „Zusammen arbeiten“.
Wie ein Reflex fixierten mein Großvater und ich uns gegenseitig. Seine undurchdringlichen Blicke denen ich standhalten konnte zeigten einen Teil seiner Verunsicherung.
Auch er wollte keinen neuen Krieg… wenn es etwas gab, dass er immer versucht hatte zu verhindern, dann das.
Athmos fuhr indessen fort „Die Wahl findet erst in zwei Wochen statt. Sarcas wird allerdings bereits in einer Woche hier eintreffen. Ohne vorige Ernennung eines gemeinsamen Königs führt ihr beide die Pflicht an zusammen eine Lösung zu finden. Legt eure Differenzen bei. Zeigt euch versöhnlich und baut für den Notfall die Truppen auf. Mit den Schlosswachen, Soldaten und Paladinen, als auch den Estrellas, Feen und Spezialisten könnte es gelingen eine Streitmacht zu bilden. Gewinnt die Kolonien für euch und kontaktiert den Rat. Das hier könnte eine Herausforderung werden wie sie Callisto nie zuvor gegenüber gestanden hat und doch ist sie nicht unüberwindbar“.
Alle starrten wie gebannt auf den alten Hofpriester.
Ich stellte fest, dass er recht hatte. Er kannte unsere Geschichte besser als irgendwer sonst.
Mit seiner Weisheit und Erfahrung so vieler Kriege zuvor wusste er wovon er sprach.
Mit einem Blick auf meinen Großvater las ich sofort, dass auch er Athmos Worte akzeptierte.
Er sah in die Runde, musterte einen jeden von uns „Na schön, dann fangen wir an“.




Guten Abend,

auch heute wollte ich euch natürlich nicht enttäuschen (und mich selbst auch nicht). Das heutige Kapitel ist aufgrund der kleinen Rückblende noch etwas mehr mit dem vorigen Conected als andere ^^. Wer weiß denn noch genau wann diese Stelle war? Ist hoffentlich nicht zu schwer sich daran zu erinnern, aber ich glaube diesen Moment entsprechend auffällig beschrieben zu haben. Jedenfalls habe ich den Fokus in diesem Kapitel wieder einen Ticken mehr auf Cinder, Teiz und Amaryl setzen wollen. Meine Nebencharaktere haben immerhin auch ihre kleinen Szenen verdient und ich finde, dass die Geschichte dank ihnen erst so richtig belebt wird. Und damit auch die Bestätigung: Ja, Cinder ist auch eine Fee! Aber ich glaube die habe ich zuvor auch schon gegeben. Achso, wer hatte Dragomir denn eigentlich vermisst und wer glaubt, dass eine Zusammenarbeit zwischen ihm und Vara gelingen kann? Würde mich ja mal brennend interessieren ^^ Ansonsten lesen wir uns im nächsten Kapitel.

LG Seilix
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