Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Fee der magischen Energie

von Seilix
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
OC (Own Character) Palladium
18.08.2017
23.02.2021
94
415.867
41
Alle Kapitel
207 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
09.10.2020 4.461
 
Mit fortschreitender Nacht ließ der Regenschauer nicht mehr nach.
Palladium hatte den Blick in Richtung des nicht überdachten Flussbettes gerichtet.
Selbst im Regen tanzten noch immer genügend Jugendliche als sei es das schönste Sommerwetter. Sie feierten das Leben.
Nach all der Aufregung hatte sich das Misstrauen so schnell wieder gelegt wie es entstanden war.
Vor dem Regen inzwischen geschützt saß der Professor mit den Feen und Spezialisten an einem Tisch inmitten der Höhlenausbuchtung. Lediglich die Füße wurden noch immer von der sanften Strömung umspült.
Die noch etwas klammen Klamotten störten kaum einen von ihnen.
Nur ein paar wenige nasse Haarsträhnen klebten noch immer zusammen.
„Also irgendwie ist das schon cool“ äußerte sich Katy, nachdem sie mit den Füßen weiterhin in dem seichten Wasser spielte.
„Ja, auf so eine Idee sollte mal jemand in Magix kommen“ überlegte Amaryl.
Palladium musste schmunzeln. Natürlich hatten sich seine Schülerinnen sofort mit der Kulisse anfreunden können, obwohl auch er selbst zugeben musste, dass sich diese Jugendlichen hier ein kleines Paradies geschaffen hatten.
„Was glaubt ihr wie lange sie noch brauchen?“ fragte Alice langsam unruhig, die ihren Blick nicht mehr von dem abgelegenen Tisch am Ende der Höhle abwenden konnte.
Dieser lag in ihrem direkten Blickfeld an dem Varanda und Teiz nun schon eine gefühlte Ewigkeit mit Pluma und Zillah zusammen saßen um die Details auszuhandeln.
Nicht gerade ein seriöser Ort für ein solches Gespräch, doch ungeahnte Herausforderungen brachten ungeahnte Maßnahmen mit sich.
Die Musik dröhnte gegen die eigenen Gedanken an und ließ keinen Platz für etwas anderes als gute Laune.
Sie beobachteten, wie der Barkeeper nun schon zum dritten Mal mit Trinkgrundlage bei den Verhandelnden ankam.
Er stellte ein Cocktailglas an Varandas Seite, die sofort danach griff und dem Mann dankend zunickte. Teiz ignorierte sein Bier zunächst.
„Also wenn das so weiter geht werden das noch lustige Verhandlungen bei denen“ konnte sich David ein Auflachen nicht mehr verkneifen.
„Denkst du“ entgegnete Amaryl grinsend und wandte sich kurz Palladium zu „Bitte einmal weghören Professor. Es gibt da ein paar interessante Reaktionen bei Vara auf Alkohol. Vor allem dann wenn sie unter Druck steht. Lustiger weise arbeitet ihr Kopf dann auf Hochtouren“.
„Zumindest wenn kein Tee in der Nähe ist, ja, das ist mir auch schon aufgefallen“ lachte Katy einfach los „Erinnert ihr euch noch an die Konvergenzzwischenprüfung bei Pharagonda?“.
„War das nicht das erste und einzige Mal, als sie von sich aus vorgeschlagen hat einfach heimlich nach Magix abzuhauen, weil da so eine Strandparty stattgefunden hat? Danach hatten wir die Bestnoten“ überlegte Alice.
Amaryl verdrehte die Augen „Ohja, Teiz war außer sich, vor allem als er erfahren hat was an dem Abend alles gelaufen ist“.
Palladium war sich nicht sicher, ob das Informationen waren die er haben sollte, doch es belustigte ihn dem zuzuhören „Ob ihr es glaubt oder nicht, aber uns Professoren ist durchaus bewusst, dass ihr Feen auch alles andere als kleine Engel sein könnt“.
Jared und David bekamen sich nicht mehr ein vor Lachen „Das hast du super auf den Punkt gebracht“.
„Achwas“ entgegnete Katy grinsend „Ein wenig Spaß können wir uns doch auch mal erlauben“.
Plötzlich sprang Amaryl auf und erhob ihr Glas „Stoßen wir an! Auf alles was wir schon durchgestanden haben und immer noch zusammen sind“.
Die anderen ließen sich nicht zwei Mal bitten.
Das mehrfache Klirren der Gläser die allesamt über die Tischmitte erhoben wurden übertönte die Musik für kurze Zeit.
Nur Palladium belächelte das Schauspiel lediglich. So kannte er seine Schülerinnen.
Erst als er von sämtlichen Augenpaaren beäugt wurde und Katy ihn aufforderte „Na los Professor!“, bemerkte er, dass sie damit auch ihn aufgefordert hatten.
Auch Alice lächelte sanft „Wir gehören ALLE zusammen“.
Ebenso David „Seit dem Moment als wir zu diesem Planeten gereist sind“.
Noch etwas zögerlich erhob sich Palladium und ergriff sein Bier.
Es war ein ungewohntes Gefühl in den Kreis der Schüler einbezogen zu werden für die er eigentlich eine Autoritätsperson darstellen sollte.
Somit beschlich ihn die Feststellung, dass sie sich hier auf Callisto alle wie ein Ei dem anderen glichen. Es gab keinen Unterschied mehr zu Professoren und Schülern.
Sie alle begegneten ihm auf Augenhöhe und zeigten ihm, dass auch er dazu gehörte.
Vollkommen in ihr Anstoßen vertieft, bemerkten sie nicht, wie sich die Fehlenden ebenfalls zu ihnen gesellten.
„Was für ein rührender Anblick“ äußerte sich Pluma „Du hast wirklich ein paar treue Anhänger gefunden Prinzessin“.
„Sie sind meine Freunde, eher noch meine Familie“ korrigierte Varanda jedoch sofort „Nicht mehr und nicht weniger“.
Auch Teiz erhob sein Bier „Auf einen erfolgreichen Abend“.
Zillah die mit verschränkten Armen bereits drauf und dran war vorbei zu laufen und die Gruppe keines Blickes zu würdigen, schnaubte lediglich „Bilde dir ja nichts darauf ein Varanda. Ich kann dich nicht leiden und das wird sich nicht ändern“.
In dem Wissen, dass Zillah sie bereits nicht mehr hörte, entgegnete Vara die beobachtete wie die Kriegerin in der Menge verschwand: „Hätte ich mir auch nie zu hoffen gewagt“.
Pluma zuckte lediglich mit den Schultern „Man muss erst mit ihr warm werden. Genießt noch den Abend und bleibt bitte so lange ihr wollt. Die Getränke gehen ausnahmsweise aufs Haus“.
Nachdem auch der zweite des Geschwisterpaares verschwunden war, fragte Jared interessiert „Also, was habt ihr ausgehandelt?“.
„Genau das was wir wollten“ erstmals gaben sich Varanda und Teiz einen vielsagendes High-Five. Als Team waren sie wirklich der Wahnsinn.
„Teiz hat die perfekten Worte gefunden alles sachlich auszudrücken ohne dass sie sich angegriffen fühlen“ versicherte die Schutzfee.
„Deine Argumentation war auch nicht schlecht“ lobte der Spezialist und legte seiner Prinzessin einen Arm um die Schulter.
„Dann haben wir ja noch mehr zu feiern!“ jubelte Katy sofort.
„Moment!“ unterbrach David sofort, der auch nicht mehr ganz so nüchtern wirkte wie zuvor „Wie viel hast du getrunken?“.
„Ich?“ fragte Varanda überrascht und glatt schockiert „Drei Drinks, mehr nicht. Das ist doch kaum was“.
Auf einmal begann die Hälfte laut los zu lachen, ehe Amaryl feststellte „Damit bestätigt sich unsere These“.
„Welche These?“ fragte der Schutzherr der mit seiner Prinzessin ein paar fragende Blicke wechselte.
„Halb so wild“ winkte Palladium jedoch auch mit einem breiten Grinsen ab.
Varanda und Teiz gefiel es sichtlich nicht, dass jeder wusste worum es zu gehen schien, nur sie beide nicht.
Da es aber auch nicht so wirkte als würde es einer von ihnen mitteilen, sah Teiz über die Runde hinweg hinaus zu den anderen feiernden Jugendlichen „Also ich würde sagen, wenn wir schonmal hier sind. Wer kommt mit auf die Tanzfläche?“.
„In dem Regen?“ fragte Alice nicht sonderlich begeistert von der Idee.
Mit einem noch breiteren Grinsen als dem der anderen musterte Teiz seine Schwester „Wie war das noch? Wir können natürlich warten bis das Unwetter vorbeigezogen ist, oder…“.
„…oder wir lernen im Regen zu tanzen!“ beendete Varanda die Anekdote.
Damit wallte tatsächlich Interesse im Gesicht der anderen auf.
Die Estrellas taten es ja auch, wieso also nicht?
Schließlich, wie so oft, sprang Katy zuerst auf und packte ihren David am Arm „Na komm schon!“.
„Ernsthaft?“ versuchte dieser noch zu protestieren, doch die Wahl hatte er nicht.
Die Tierfee, die damit die volle Kontrolle über seinen Willen übernahm, zog ihn bereits durch die Gegend.
Auch Alice schenkte Jared nur einen Blick ala „Du wirst doch sicher nicht nein sagen“.
Und natürlich sagte er nicht nein, sondern führte seine Fee gerne zum Tanzen aus.
Die übrig gebliebenen sahen den beiden Pärchen einen kurzen Moment in die Menge hinterher, als auch Teiz auf seine Freundin zu trat „Ich würde sagen, wir bilden den Anschluss?“.
Amaryl, die geradewegs mit einem Lächeln annehmen wollte, wurde plötzlich von ihrer Freundin ergriffen „Sekunde! Zuerst muss ich Amaryl kurz entführen“.
Die Prinzessin legte ein liebes Blinzeln auf, sich bei Teiz für die unerwartete Störung zu entschuldigen, als sie sie bereits mit sich auf Abstand zog.
Der Schutzherr seufzte leicht entnervt und setzte sich stattdessen zu Palladium an den Tisch „Das war ja wieder klar“.
Dieser nahm einen Schluck von seinem Bier „Ich frage mich was es plötzlich so wichtiges gibt“.
„Bestimmt irgendein Mädelskram“ winkte Teiz desinteressiert ab.
Palladium riskierte einen Blick wie die Mädchen an der Bar stehen blieben und sich unterhielten.
Erst als Teiz ihn ansprach richtete sich sein Blick wieder auf den Spezialisten „Hast du das ganze eigentlich gut verarbeitet? Mit Conver mein ich“.
Tatsächlich hatte Palladium bereits seit ein paar Tagen nicht mehr daran gedacht. Die Wunden verheilten gut und schmerzten kaum, so konnte er guten Gewissens antworten „Halb so schlimm. Es ging ja nochmal gut aus“.
Teiz lehnte sich auf dem Stuhl zurück „Du bist hart im Nehmen. Naja, auf Callisto muss man das auch sein. Hier fällt einem wirklich nichts in den Schoß, auch die Prinzessin nicht“ er musste Grinsen als er fort fuhr „Du bist wirklich ganz schön geduldig mit ihr“.
„Geduldig…“ wiederholte Palladium das Wort „Eigentlich dachte ich nicht, dass es jemals so weit kommen würde“.
„Ja, Vara hat nie wirklich an jemandem interessiert gewirkt und dann bist du aufgetaucht“ Teiz schüttelte den Kopf als könne er es immer noch nicht glauben und nippte dabei an seinem Bier „Schon eigenartig wie es manchmal so läuft. Die ganze Zeit war sie mehr wie ein Eisklotz was Gefühle betrifft, aber wahrscheinlich hat es nur die richtige Person gebraucht“.
Schließlich sah er die Mädchen zu ihnen zurück stolzieren.
Beide so sicher und Kerzengerade als könnte sie nichts aufhalten.
Varanda kam geradewegs auf Palladium zu, welcher sich bereit machte gleich ebenfalls in den Regen gezogen zu werden, doch es kam ein klein wenig anders.
Beinahe zu gezielt schwang sie sich kurzerhand auf seinen Schoß, umfasste sein Gesicht mit beiden Händen und zog ihn mit Nachdruck zu sich.
Der Professor wusste nicht einmal wie ihm geschah, als Varanda ihn ohne Vorwarnung küsste, mehr noch, sie kostete alles aus.
Während der Elf nur dasaß und für einen Moment nicht verstand woher dieser plötzliche Impuls gekommen war, spürte er plötzlich ihre Zunge bei seiner.
Sie verwickelte ihn ohne Zögern in einen Zungenkuss der etwas anderen Art und damit nicht genug, sie stoppte nicht.
Nur nebenbei hörte er Teiz entsetzte Stimme „Woher?! … Alles klar, vergessen wir mein voriges Gerede“.
Amaryls Gekicher folgte, ehe die Musik wieder alles andere überhallte.
Doch Palladiums ganze Aufmerksamkeit konnte in diesem Moment nur bei Varanda liegen.
War das die sinkende Hemmschwelle oder etwa die ausgelassene Stimmung?
So war sie doch neulich noch beinahe panisch aus seinem Schlafzimmer geflüchtet.
Was auch immer es war, sie hatte ihn damit ein wenig von der nichtsahnenden Seite erwischt, nicht, dass es ihm nicht gefiel.
Je länger es andauerte, desto mehr konnte er sich darauf einlassen.
Sie fuhr ihm mit den Fingerspitzen langsam von den Berührungen seines Halses, weiter in das Haar, was ein leichtes Prickeln auf der Haut auslöste.
Ihr Duft umgab und betörte ihn zunehmend.
Nach dem ersten Schock platzierte er seine Hände an ihren Hüften.
Hatte er nicht eben noch etwas von nicht ganz so unschuldigen Engeln gesagt?
Seine Gedanken blendeten langsam aber sicher alles aus, bis Varanda nach einer gefühlten Ewigkeit den Kuss doch löste.
Ein wenig nach Atem ringend sah er ihr in das leicht verführerische Gesicht und brachte nur ein „WoW“ heraus.
Teiz und Amaryl waren natürlich längst vom Tisch verschwunden.
Varanda schüttelte sich kurz das Haar aus „Entschuldige, ganz so wollte ich dich eigentlich nicht überfallen, aber irgendwie… eigentlich habe ich nicht mal eine Erklärung dafür“.
„Das ist… okay“ versuchte Palladium noch immer seine Worte wieder zu finden die sie ihm geraubt hatte.
Sein Herz pochte unaufhörlich vor Aufregung und dezenter Erregung.
Die Prinzessin belustigte das sichtlich und flüsterte „Komm!“.
Sie ergriff seine Hand und rutschte von seinem Schoß herunter.
Ihn aus der Menge zu entführen, lief sie leichtfüßig durch das seichte Wasser voraus, er, sich fragend was sie nun vorhatte, hinterher.
Der Regen prasselte noch immer auf den Planeten nieder, doch Palladium nahm die Tropfen kaum noch wahr.
So glaubte er zuerst, dass sie ebenfalls auf die Tanzfläche Anlauf nehmen wollte, bewies ihm aber kurzerhand das Gegenteil, als sie ihn weiter weg führte.
Den Flusslauf entlang, verschwamm das in den Lichtern glitzernde Blau zu einem undurchsichtigen Schwarz je weiter sie sich von der Höhle entfernten.
Die Nacht war dunkel und still, nur das leise Rauschen des Flussbettes und die inzwischen leise Musikkulisse in der Ferne waren zu hören.
Sie lief einfach weiter, bis sie vom Flusslauf ab, in Richtung eines Waldes abbog „Wo willst du denn hin?“ fragte er amüsiert über dieses abermalige davon laufen.
Zunächst antwortete sie nicht.
Seine Hand nicht los lassend, überlegte er sie einfach zu stoppen und ergriff seine Chance, als sie am nächsten Baum vorbei kamen.
Ohne Vorwarnung packte er sie und zog sie gegen den Stamm.
Sich selbst platzierte Palladium in wenigem Abstand vor ihr „Stehen bleiben“.
Mit diesem plötzlichen Handeln hatte Varanda nicht gerechnet, die jedoch wusste, dass er noch immer auf eine Antwort wartete „Ich wollte… einfach mit dir allein sein“.
Erneut streckte sie die Hände aus und ließ ihre Finger über seine Wangen streifen, führte sie seinen Hals hinunter.
Palladium schloss die Augen all die Empfindungen durch sie in sich aufzunehmen.
Das war doch nicht mehr die Varanda die sich nicht einmal getraut hatte ihm ihre Liebe zu gestehen. Was war plötzlich passiert?
Er rang mit sich es einfach weiter laufen zu lassen, doch es ging nicht.
Obwohl er nichts lieber getan hätte als sich dem hinzugeben, empfand er es als falsch. Es war seine Pflicht sie zu fragen „Wie viel hast du wirklich getrunken?“.
Doch Varanda kam ihm näher, ergriff seine Jacke, zog ihn weiter zu sich und hauchte „Nicht annähernd so viel wie du glaubst“.
Er konnte rein gar nichts dagegen tun. Sie küsste ihn, wieder und wieder.
Palladium war vollkommen machtlos dagegen.
Sein Körper schien ihm selbst nicht mehr zu gehorchen.
Alles was sie tat ging so viel tiefer als zuvor. Wie sie seine Zunge umspielte, wohl nicht einmal daran dachte aufzuhören.
Er ertappte sich dabei, wie der Gedanke in seinem Kopf erwachte sie berühren zu wollen, wie er kaum selbst bemerkte, dass er ihr näher kam, sie beinahe weiter gegen den Stamm des Baumes drückte.
Langsam aber sicher zog er sie selbst in diese nicht endenden Liebesbekenntnisse, bis er sich vorsichtig löste, ihre Seite entlang den Hals hinab zu küssen.
Varanda hob den Kopf an ihn gewähren zu lassen.
Zwischen ihren tiefen Atemzügen vernahm er leises Aufkeuchen ihrerseits.
Sie war tiefenentspannt, fuhr mit den Händen seinen Körper entlang, was Palladium nur noch mehr anheizte. Er wusste nicht mehr wo aufzuhören war, wann ging er zu weit?
Es waren Gedanken die er schnell verdrängte, obwohl es immer in seinem Kopf hing, dass er aufhören musste.
War diese Situation nicht genau das weswegen er David einst zurechtgewiesen hatte? Wovor er Varanda hatte bewahren wollen?
Eine Fee war mit Respekt zu behandeln. Waren das nicht einst seine eigenen Worte gewesen? War es tatsächlich möglich, dass er über seine eigenen Prinzipien hinaus schlug?
Dieser Gedanke brachte ihn kurz zum Halten. Eine Sekunde hob er den Kopf und betrachtete die Fee vor sich.
Ihre Wangen zierten einen leicht roten Schimmer. Sie sah ihn an wie zuvor.
Es steckte so viel Liebe, so viel Leidenschaft in ihren Augen, doch war da noch etwas.
Eine leichte Unsicherheit? Etwa weil er stoppte oder war er bereits zu weit gegangen?
„Varanda… ich…“ wollte er sich erklären, nur fehlten ihm die Worte für dieses Verhalten.
Auch sie schwieg, stattdessen kam es aus der Ferne „Vara? Vara!“.
„Palladium!“
Die anderen suchten bereits nach ihnen.
Die Prinzessin schluckte einen Moment, bemühte sich wohl ihre Atmung zu beruhigen „Wir sollten zurückgehen“.
Er nickte „Ja… besser ist es“.

*

Der Tag der folgte war ein weiterer mit etlichen Terminen. Einer so wichtig wie der andere.
An diesem Morgen war Varanda mit leichten Kreislaufproblemen aufgewacht. Der Alkohol vom Vortag hinterließ wohl doch keine guten Nachwirkungen. Einen Moment Ausharren, ein Glas Wasser und es ging wieder.
Varanda hatte Die Lords und Gräfin Lia eingeladen sie auf den neusten Stand der Wahl zu bringen. Ihre Fortschritte, sowie den Vorfall mit König Conver zu besprechen. Es war Halbzeit. Auch Dragomir wohnte dem bei, schwieg jedoch die meiste Zeit. Wie immer wurde sie von Enzos Tee-Kreationen verwöhnt, als sie sich eine kurze Pause gönnte, ehe es an der Zeit war Zillah und Pluma zu begrüßen, die sich ein Bild der Trainingseinrichtungen, sowie der Unterkünfte machen wollten. Die Kriegerin brachte Vara noch immer einiges an Missgunst entgegen. Sie traute ihr kein Stück über den Weg, mochte es auch nur daran liegen, dass sie sie nicht leiden konnte.
Jedoch gab es während all dem hin und her ein Thema dass sie über den Tag nicht los ließ.
Das leicht ausgeartete Beisammensein mit Palladium. Es beflügelte Vara jedes Mal wenn sie daran dachte und sie glaubte seine Küsse noch genau an jeder Stelle spüren zu können.
So nahmen ihre Gedanken und Fantasieanregungen auch am späten Abend unter der Dusche noch ihren Lauf und ertappte sich sogar dabei, wie sie sich leicht auf die Unterlippe biss oder sich wiederholte Male über den Hals fuhr.
Es waren so ungeahnte Empfindungen die sie so noch nie gehabt hatte.
Alles kribbelte in ihr und sie musste sich bemühen ruhig zu bleiben, als sie aus der Dusche stieg und sich trocknete, nicht in Tagträumen zu verfallen.
Möglicherweise war es ganz gut, dass sie Palladium heute nicht begegnet war, sonst hätte ihr Kopf noch mehr verrückt gespielt als ohnehin schon.
Versichert, dass er sich bestmöglich um Tine kümmerte, wie Teiz seine Pflicht wahrnahm Finn zu unterrichten, setzte sie sich für einen Augenblick der Entspannung, lediglich mit ihrem seidenen Morgenmantel bekleidet auf die Couch im Zimmer.
Heute würde es ganz sicher keine Termine mehr geben.
Sie spürte wie sich ein weiteres Gewitter näherte. Schon bald würde es das Schloss erreichen. Eine Sekunde sah sie sich nach Glimm um, doch die kleine Herzband-Elfe war nicht da. Sie hasste Gewitter. Vermutlich befand sie sich ausnahmsweise bei Alice.
Auch Cinder war versorgt, so konnte sich Vara ein paar Stunden nur einmal Zeit für sich selbst nehmen.
Immer ein paar Bücher im Repertoire der Fee, ergriff sie eines davon und begann zu lesen.
Es war beinahe so entspannend wie sich in Alfeas Bibliothek zu verschanzen, aber eben nur beinahe, wenn auch ein Tee das ganze bestmöglich abrundete.
Sie kam etwa drei Kapitel weit, als es plötzlich an der Tür klopfte.
Mit einem Blick auf die Uhr auf ihrem Schreibtisch, stellte sie 22 Uhr fest.
Ziemlich spät für Besuch „Ja, bitte?“.
Als sie jedoch sah wer in ihr Zimmer trat, verwunderte es nicht mehr ganz so sehr.
„Entschuldige bitte die späte Störung“.
Sofort setzte sich Varanda auf und legte das Buch beiseite „Das macht doch nichts Palladium, was gibt es?“.
Der Elf trat nur zögerlich ein. Viel zu vorsichtig und den Blickkontakt fast schon meidend bemerkte sie sofort, dass etwas nicht stimmte und stand auf „Was hast du?“.
„Ich muss mich entschuldigen“ kam es schließlich von ihm.
„Was? Wofür?“ Vara verstand kein Wort.
„Ich bin… ich habe… es war…“ immer wieder wollte er beginnen und brach wieder ab.
Schließlich versuchte er es anders „Das gestern war ein Versehen“.
„Ein Versehen?“ der Unterton der Prinzessin war leicht empört.
Doch rettete es Palladium gerade noch mit dem nächsten Satz „Ich meine… ich wollte dich nicht bedrängen. Ich weiß nicht was passiert ist. Das Ganze hat überhandgenommen. Du warst so anders und ich… ich konnte mich nicht bremsen… Gott… ich wollte dir nicht zu nah kommen. Ich habe gegen meine eigenen Prinzipien verstoßen. Selbst meine Gedanken… ich kann nicht aufhören daran zu denken…“.
„Warte, warte, warte“ stoppte sie seinen Redefluss und kam so nah um nach seinen Händen greifen zu können „Mir ging es doch genauso. Ich dachte, wenn ich mich zwinge die Initiative zu ergreifen, vielleicht werde ich dann etwas lockerer… ich weiß… ich bin manchmal einfach zu verspannt und… irgendwie hat das dagegen geholfen“.
Palladium sah ihr entgegen als müsse er diese Worte erst noch verarbeiten „Moment… dann war das alles in Ordnung… ich hab mich verrückt gemacht, weil ich an Dinge gedacht habe an die ich nicht hätte denken dürfen“.
„Woran denn?“ fragte Vara interessiert an diesen Gedanken.
Plötzlich durchschlich Palladiums Gesicht eine ziemliche Röte und der erschrockene Ausdruck, als überlegte er sich schnell eine Alternative, daher wiederholte sie sofort mit Nachdruck „Palladium, woran hast du gedacht?“.
Der Elf schluckte, wich erneut ihrem durchdringlichen Blick aus und begann mit leicht holpriger Stimme „Daran wie ich… dich gerne berührt hätte… deine Haut… und auch… deine Brüste… oder…“
Eine Sekunde sah Varanda nichtssagend zu Boden. Antwortete nichts auf diese Gedankengänge, stattdessen tat sie etwas.
Bevor Palladium sie noch einmal ansah, löste sie die Schnürung des Seidenmantels vor ihrem Körper und öffnete diesen.
Wie selbstverständlich striff sie sich den Stoff über die Schultern, dass er zu Boden fiel.
Sie wusste, dass sie nun soweit war.

Palladiums Blick weitete sich.
Wie erstarrt musterte er sie von oben bis unten, jeden Zentimeter ihres Körpers.
Selbst ihre Wangen waren nun leicht errötet.
Er wusste weder, was er in dieser Situation tun, noch sagen sollte.
Sie entblößte sich vor ihm. Er hatte nichtmal ansatzweise etwas erwartet, hatte lediglich mit ihr über vorgefallenes sprechen wollen.
Allerdings ging sie noch weiter, fasste vorsichtig seinen Arm und führte die Hand an ihre Oberweite.
Mit so unschuldigem Blick, als hätte sie sowohl Engel, als auch Teufel persönlich sein können. Als verführte sie ihn in eine Richtung ohne Wiederkehr.
Damit war es um Palladiums Fassung geschehen.
Der Puls schlug wie wild und er glaubte sein eigenes Herz schlagen zu hören.
Er schluckte, als er feststellte wie wohlgeformt und weich ihre Brüste waren.
Ihre Blicke ruhten ineinander als sie seine Hand weiterhin an ihrem Körper haltend, einen Schritt zurück trat und einen weiteren.
Er folgte ihr abermals ohne Gegenwehr.
Zu allem Überfluss glaubte er selbst ihr Herz schlagen zu spüren.
Ungläubig bemerkte er, dass sie ihn zum Bett führte.
Vorsichtig, als könnte jede ruckartige Bewegung sie verschrecken, setzte er sich.
Die Augen beider ruhten unaufhörlich aufeinander.
Bernstein und dunkles Blau. Wie füreinander geschaffen.
Sie setzte sich auf seinen Schoß, jedoch nicht wie am vergangenen Abend, seitlich, sondern ihm direkt entgegen.
Keiner sagte auch nur ein Wort.
Palladium ließ es einfach geschehen. Ließ sich von ihr küssen.
Etwas sanfter und nicht ganz so wild umspielten sich ihre Zungen nun in einem gemeinsamen Tanz auf Augenhöhe. Er strich ihr blondes Haar beiseite und tastete sich vorsichtig mit der anderen Hand an der Seite ihres Körpers entlang.
Er spürte die leichte Gänsehaut die durch seine Berührungen entstand.
Ungefragt machte sie sich indessen an seinem Hemd zu schaffen, seinen Körper davon zu befreien.
Die Hose ebenfalls. Er hielt sie nicht auf.
Alles wurde auf den Boden verbannt, ebenso wie die Scheu voreinander.
Durch die immer wilder und leidenschaftlicher werdenden Küsse setzten sie ein gegenseitiges Verlangen frei.
Das Erkunden des Körpers wurde zu einem Spiel dem sie sich hingaben.
Varanda ließ sich von ihm auf das Bett legen. Vorsichtig und doch bestimmt fixierte er ihre Arme über dem Kopf. Die Finger eng ineinander verschränkt.
Einen Augenblick zögerte er, wartete, doch ihre Augen deuteten die Zustimmung.
Es war ein nicht vorhersehbarer Moment. Nicht planbar oder zu berechnen. Es passierte einfach.

Sie waren eins, sie gehörten zusammen für diese Sekunden, Minuten, Stunden, hier und jetzt!

Beide waren so vertieft in den jeweils anderen, dass keiner das Gewitter wahr nahm das sich bereits über dem Schloss befand. Blitze rauschten herab und erfüllten das dunkle Zimmer einen Moment mit gleißendem Licht.
Das darauffolgende Donnergrollen ließ die Luft erzittern, als sich beide auf dem Bett liegend wieder fanden.
Palladium übersähte ihren Körper mit sanften Küssen, während Varanda noch bemüht damit war ihre Atmung zu beruhigen.
So verausgabt hatte sie sich nicht einmal nach dem härtesten Training gefühlt.
Palladium lag ihr zugewandt und strich mit der Hand an ihrem Oberkörper entlang, nachdem er seine Liebesbekenntnisse beendete.
Er betrachtete sie lediglich mit sanftem, liebevollem Blick. Ihr zierliches Bild. Die Silhouette ihres Körpers und flüsterte schließlich durch die Dunkelheit, dass sie es kaum hätte hören dürfen „Du bist wunderschön“.
Auch sie beruhigte sich allmählich und sah ihm in die Augen „Bleib heute Nacht hier“.
Um seine Zustimmung auszudrücken, beugte er sich vor und küsste sie ein weiteres Mal.

*

Am Morgen fanden sich wie immer alle in dem Saal zum Frühstücken ein.
Sie hatten beinahe immer dieselbe Zeit.
„Wurde außer mir noch jemand von dem üblen Gewitter heute Nacht wach gehalten?“ fragte Amaryl leicht entnervt in die Runde, während sie in ihrem Müsli herum stocherte.
„Ohja, ich dachte die Welt geht unter“ antwortete ihr Katy die in einen Apfel biss.
„Ich verstehe nicht was ihr habt“ warf David ein „Ich hab geschlafen wie ein Stein“.
„Klar hast du das, dein Geschnarche hört man ja auch durch den ganzen Flur“ kam es von Jared, der ebenfalls wach gelegen hatte.
Teiz musste Grinsen. Normalerweise war etwas so schnippisches nicht gerade Jareds Art „Ihr gewöhnt euch schon noch daran“.
„Wo steckt eigentlich Vara?“ warf Alice schließlich in die Runde „Sie kommt sonst nie so spät“.
Amaryl, die ebenfalls noch einmal den Tisch scannte überlegte „Palladium eigentlich auch nicht“.
„Vielleicht hat das ja wieder was miteinander zu tun“ konnte Katy sich den Kommentar mal wieder nicht verkneifen „Das würde einiges erklären“.
„Du bist gemein“ wollte Alice glatt eine Traube nach ihr werfen.
Die Tierfee musste einfach kichern, zu gut war die Vorstellung wie rot Vara werden würde, wenn sie sie damit aufzog.
Teiz schwieg zu dem Thema, ebenso wie Amaryl, die einen kurzen allsagenden Blick miteinander wechselten.
Die beiden wussten schließlich ein klein wenig mehr als der Rest.
So setzten sie an diesem Morgen nur zu sechst ihr Frühstück fort, als allerdings jemand anderes beschloss ihnen beizuwohnen.

Der allseits bekannte Luftstoß, als die Tür aufgeschlagen wurde war nicht außer Acht zu lassen. Aufgebrachte Magie, dass es krachte.
Dragomir stierte am Rande seiner Geduld (die nicht sonderlich schwer zu überreizen war) in die Runde und brüllte wutentbrannt „Wo ist sie?! Wo steckt meine missratene Enkelin!“
Einen Zettel in seiner Hand zerdrückte er mehr unabsichtlich.




Ein neuer Freitag und ich muss sagen, dass ich irgendwie ziemlich stolz auf dieses Kapitel bin, aus ganz unterschiedlichen Gründen ^^

Ein paar mögliche Fragepunkte werden sich sicher noch aus dem nächsten Kapitel ergeben, da dieses sehr mit dem darauffolgenden zusammenhängen wird, daher hoffe ich, dass ihr euch nächsten Freitag noch an alles erinnern werdet. Es wäre zumindest ein kleiner Vorteil ^^ An sich hat dieses Kapitel schon etwas mehr mit Leidenschaft zu tun und ich bin so unglaublich froh, dass es mir beim Korrekturlesen doch so gut gelungen ist, denn... eigentlich bin ich eine totale Niete darin derartige Szenen zu beschreiben... manchmal ist es mir schon peinlich nur an sowas zu denken. Ja, nennt mich verklemmt... vielleicht sollte ich mir an Vara ein Beispiel nehmen ^^

Teilt mir doch gerne mit, ob ihr euch ein derartiges "Zusammentreffen" auch so hättet vorstellen können oder du jezt denkst: WAS?! NEVER! Würde mich brennend interessieren.

Bis denne

LG Seilix
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast