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Fee der magischen Energie

von Seilix
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
OC (Own Character) Palladium
18.08.2017
23.02.2021
94
415.867
42
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Dieses Kapitel
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11.09.2020 4.710
 
„Du musst an Kraft gewinnen!“ wies der Grünhaarige seinen neuen Schützling an, der ungebremst auf die Holzpuppe einschlug.
Mit bloßen Händen hatte er sich bereits ein paar Schrammen eingehandelt, doch Finn gab nicht auf.
Der Schweiß tropfte ihm bereits von der Stirn und er keuchte nach zwei Stunden vor Anstrengung.
Mit jedem Schlag bewegte sich die Puppe, die auf einem Gelenk befestigt war in die entgegengesetzte Richtung, sodass er zeitgleich auch auszuweichen hatte.
Zumeist funktionierte es gut, doch je müder er wurde, umso langsamer wurden auch seine Bewegungen, so passierte das Unausweichliche: Der Paladin kassierte eine Breitseite des Holzarmes und fiel auf den Rücken.
„Komm schon, Finn!“ spornte Teiz weiter an „Du kannst dich nicht immer auf deine Flügel verlassen. Ein richtiger Paladin muss sich auch am Boden verteidigen können“.
Angestrengt nach Luft ringend setzte sich der Junge vollkommen fertig auf „Wieso? Von den Soldaten macht das keiner… wieso soll ich das lernen?“.
„Ganz einfach“ Teiz näherte sich seinem Schüler „Dir wird bereits aufgefallen sein, dass ich weder Flügel habe und auch keine Magie nutzen kann und trotzdem bin ich jedem Paladin hier haushoch überlegen, warum glaubst du ist das so Finn?“.
„Ähm… weil Sie viel trainiert haben Sr. Teiz?“ fragte der 16 jährige etwas überfordert.

Der Kleine sah aus wie ein vollkommen normaler Bürger und hatte bislang ein ebenso normales Leben geführt, doch Vara hatte recht. Dieser Junge besaß Talent und dieses brauchten sie. Junge Soldaten mit Talent und Willensstärke. Das fehlte Callisto.
„Gar nicht mal so falsch“ entgegnete der Spezialist „Paladine unterschätzen mich von Anfang an. Ich bin schnell, geschickt und meine Kraft übertrifft die eines Drachen und genau das macht mich so gefährlich. Ich will, dass du dieselben Fähigkeiten erreichst. Wenn du das geschafft hast kann ich dich guten Gewissens zu einem Krieger machen, doch bis dahin hast du einen langen Weg vor dir“.
Finn, der wie gefesselt von seinem neuen Lehrmeister war sprang sofort auf „Jawohl Sr. Teiz!“.
Sofort machte er sich zurück an die Puppe und fand augenblicklich seine Konzentration wieder.
Für ihn war es eine Ehre vom Schutzherrn persönlich ausgebildet zu werden.
Teiz, der sich zurück an den Rand des Trainingsplatzes im Hinterhof des Schlosses zurückzog sah Palladium bereits auf ihn zu treten „Du hast hier deine neue Berufung entdeckt?“.
Der Spezialist grinste „Ich tue nur das, was ich am besten kann. Ich wünschte wir hätten noch mehr von seiner Sorte. Er ist mit Abstand der jüngste Rekrut seit langem. Wir brauchen mehr junge Krieger, aber die müssen wir erstmal finden“.
„Was sagt der Fürst dazu?“ fragte der Elf befürchtend, doch Teiz schnaubte nur „Vara ist gerade bei ihm. Sie versucht ihm ins Gewissen zu reden… ich erwarte keinen großen Erfolg. Wir haben die Showkämpfenden Soldaten für Finns Training nach außerhalb verlagert. Das hier war schon immer die Ausbildungsstätte für auszubildende Paladine. Sicher hinter den Schlossmauern bis sie bereit sind. Ich kann nicht verstehen wie Dragomir das aufgeben konnte. Es war immer ein funktionierendes System… Callisto ist so verwundbar wie nie…“.
„Nunja… ohne König… mit geschwächter Kriegsmacht, korrupter Geschäftsbeziehungen und ansteigender Armut hast du vermutlich recht… die tot-kranke Prinzessin nicht zu vergessen…“ Palladiums Unmut war nicht zu übersehen.
„Wie geht es Tine? Schlägt die Behandlung an?“ fragte Teiz bereits das schlimmste befürchtend.
Der Elf musste nur mit gesenktem Blick den Kopf schütteln und der Spezialist verstand sofort.
Er strich sich über die Augen „Nein…Wieso?“.
„Ich weiß es nicht“ musste Palladium gestehen „Athmos kann es sich auch nicht erklären. Ich wollte zuerst mit dir reden, bevor ich es den Prinzessinnen sage…“.
Teiz nickte und rief Finn zu „Noch 20 weitere Formationen, dann kannst du eine Pause machen bis ich zurück bin!“.
„Jawohl!“ kam es erneut voll motiviert von dem Schützling.
Die Professoren traten indessen ins Schloss zurück in Richtung zu Athmos Flügel.
„Mir ist vorher noch nie eine solche Krankheit unter gekommen… Die Präparate stabilisieren sie zwar, aber die Symptome bleiben. Es bringt keine Besserung und ich verstehe das nicht!“ ärgerte sich Palladium bereits laut „Ich weiß nicht was diese Krankheit auslöst und das ist das größte Problem. Ich habe keinen Anhaltspunkt“.
„Was heißt das? Dass Tine doch früher oder später…“ den leichten Anflug von einem Beben der Stimme konnte Teiz nicht verstecken. Er assoziierte das alles ungewollt immer wieder mit dem Verlauf seiner Mutter und er wusste auch genau, dass Palladium darauf hinaus wollte.
Sie kamen in einem ruhigen, kleinen Tee-Zimmer an.
Diese gab es in einem jeden Abteil des Schlosses und waren für jeden zugänglich.
„Ich tue wirklich alles“ versicherte der Elf „Und mir bleibt nun nur noch die Möglichkeit sie weiterhin stabil zu halten und zu forschen, aber dafür muss ich alles wissen. Von A bis Z wie es anfängt und wie es endet. Alle Symptome und ihre Auswirkungen“.
Teiz konnte diese Situation nur mit Ironie belächeln.
Wie selbstverständlich trat er zu der kleinen Anrichte herüber.
Auf dieser waren sowohl zu jederzeit heißes Wasser und verschiedene Tee-Sorten zu finden, als auch ein guter Whiskey nach dem der Professor in der aktuellen Lage lieber griff.
Er zog einen großen Schluck hinunter, ehe er sich wieder Palladium zuwendete.
Er war bereit in den tiefsten seiner Wunden zu graben „Was musst du wissen?“.
„Absolut alles“ machte dieser es ihm nicht einfacher.
Teiz atmete tief ein und aus und schenkte sich noch einmal nach „Ich fürchte ich kann dir auch nicht allzu viel darüber sagen… unsere Mutter ist daran gestorben, aber das weißt du ja. Wie es genau angefangen hat weiß ich nicht. Ich erinnere mich, dass sie häufig über Kopfschmerzen geklagt hat. Irgendwann wurde es zu Unwohlsein und Schwindelanfällen. Sie musste sich häufiger setzen und die Augen schließen. Sie hatte das Talent alles was sie ausbremste zu verstecken. Eine echte Königin eben… sie hat nie irgendwas versäumt, egal wie schlecht es ihr ging. Sie war immer anwesend, hat sich also niemals Ruhe gegönnt. Erst als ich sie eines Tages ohnmächtig in ihrem Zimmer fand… ab da an ist sie immer blasser und schwächer geworden. Kraftlos, ohne Stimme. Häufige Schweißausbrüche, sie hatte über Herzrasen geklagt und übergab sich ständig… dann… starb sie…“.
Wieder zog Teiz den Whisky runter wie Wasser. Er hatte sich selbst nie die Zeit genommen das ganze richtig zu verarbeiten. Sie war seine Mutter gewesen.
Seit jenem Tag war seine einzige Familie Vara und Cinder gewesen, obwohl auch König Calum ihm niemals das Gefühl gegeben hatte nicht zur Familie zu gehören. Er wusste, dass er nicht in der Blutsverwandtschaft zur Königsfamilie stand.
„Ich kenne das Gefühl… ich hab damals meinen Vater sterben sehen, dabei habe ich ihn kaum gekannt“ kam es leise von Palladium „So ähnlich ging es euch… das hat mir zumindest Varanda gesagt“.
Teiz rieb sich über den Nacken „Nunja, irgendwie hat mich das Ganze auch gestärkt. Nach ihrem Tod hab ich mich voll in die Arbeit gestürzt. Ich wollte so schnell wie möglich jemand werden der es wert war der Königsfamilie zu dienen. Mit Varanda hatte ich diese Aufgabe und doch war ich nie gut genug dafür. Es stimmt… Amaryl hat mit allem recht… ich hänge sehr an ihr… weil sie mich… jeden Tag an unsere Mutter erinnert und mir zeigt, dass alles was ich ausgehalten habe… es wert war!“
„Ich hätte niemals erwartet, dass hinter eurer Fassade so eine Geschichte steckt“ Palladium fuhr sich durch das Haar.
Beide setzten sich. Mit der Zeit musste selbst Teiz sich eingestehen, dass es gut tat all das einmal los zu werden. Die Dinge mit denen er seine Schwestern niemals hätte belasten wollen. Und entsprechende Freunde für derartige Gespräche hatte er nie gehabt. So blieb alles hinter festen Mauern verschlossen, zumindest bis zu diesem Moment.
Inzwischen um einiges entspannter hatte sich der Spezialist die halbe Lebensgeschichte von der Seele geredet. Über seine Nahtoterfahrung der er gerade im letzten Moment von der Schippe gesprungen war. Wie Dragomir ihn aus Callisto fortgeschickt hatte und woran er beinahe zerbrochen wäre. Wie es ihm den Sinn zu leben geraubt hatte. Wie er zu jederzeit ohne Gegenwehr für Vara oder Cinder gestorben wäre.

Mit dem letzten Satz den er sprach war Palladium sich nicht mehr sicher, ob es noch der klare Verstand des Spezialisten oder bereits der Alkohol war der aus ihm sprach „Es heißt, die Zeit würde alle Wunden heilen… doch das Leben fügt einem manchmal Wunden zu; die so tief gehen, dass sie nie heilen. Man gewöhnt sich nur an den Schmerz“.

An diesem Nachmittag trat Palladium durch die Gänge des Schlosses.
Um den Kopf frei zu kriegen und das erfahrene zu verarbeiten ließ er sich einfach von seinen Füßen irgendwohin tragen.
Ob er hinterher zurückfinden würde war fraglich.
Gelegentlich ließ er den Blick über die Bilder an den Wänden schweifen.
Sie zeigten die unterschiedlichsten Personen. Ältere wie jüngere. Die wenigsten kamen ihm bekannt vor. Lediglich die neueren der Königsfamilie.
Einige zeigten den Fürsten in noch jüngeren Jahren. Häufig allein oder mit zwei Jungen.
Wohl seine Söhne. Varandas Vater und ihr Onkel? Tines Vater? Möglich.
Auf einem entdeckte er die drei Prinzessinnen noch als Kinder.
Man konnte klar sehen dass die drei durch und durch aus einer Familie stammten, wenn es auch wirkte als würde die Kronprinzessin wie ein Schutzengel zwischen ihnen stehen.
Ob ihre Führsorge bezüglich Cinder und Tine auch schon zuvor so bestanden hatte wie heute?
In einem weiten und breiteren Gang als den meisten anderen entdeckte er ein geradezu riesiges, wie prachtvolles Gemälde.
Varanda stand als etwa 6 jähriges Kind vor einem Paar.
Die Frau darauf hatte dunkelgrünes, langes Haar und meerblaue, klare Augen. Sie war hochschwanger abgebildet.
Neben ihr ein blonder Mann mit violetten Augen und stattlicher Robe.
Der König und die Königin. Calum und Luzia. Ihre Eltern. Bislang hatte sich Palladium niemals ein Bild von Varandas Abstammung machen können.
Wenn dieses Gemälde wirklich Originalgetreu dargestellt war, dann war sie ganz klar ein Abklatsch ihres Vaters. Durch und durch gleich, von den Gesichtszügen bis zum Haar. Nur die Augen… ein so tiefes, dunkles Blau wie das ihrer Mutter.
Er dachte an etwas das Teiz ihm gesagt hatte „Sie ist ihr so ähnlich, dabei hasst sie diesen Vergleich, denn sie weiß genau, dass es stimmt“.
Ein leichtes Auflachen aus der Kehle konnte sich Palladium nicht verkneifen.
Er wollte gerade seinen Weg fortsetzen, als er bemerkte wie ihm jemand entgegen kam.
Mit eben diesen leuchtenden meerblauen Augen die er kannte „Es gibt schönere Bilder als dieses“.
Auch sie blieb bei ihm stehen und warf einen kurzen Blick darauf.
„Wie war die Besprechung?“ fragte er vorsichtig.
Ihr leicht erzwungenes Lächeln zeigte es ihm bereits „Frag besser nicht…“.
Er sah wie sie sich quälte. Alles was hier auf ihren Schultern lastete hinterließ Spuren in ihrem Gemüt.
Sie wirkte ermüdet der letzten Tage und Konflikte und er wusste kaum über was er mit ihr reden sollte. Über Tine? Das erschien ihm jetzt nicht der richtige Zeitpunkt.
„Ist alles in Ordnung?“ fragte sie jedoch sanft „Ich weiß es ist nicht einfach hier… speziell für dich“.
„Mach dir darum bitte keine Sorgen“ versicherte er erschrocken, dass sie sich auch noch darum Gedanken zu machen schien.
Erneut ein mitleidiges Lächeln „Na gut… dabei fällt mir ein… ich sollte mit dir über etwas sprechen… würdest du heute Abend einen Tee mit mir trinken?“.
„Ist das eine Einladung?“ fragte er selbst mit sanftem Lächeln auf den Lippen.
Schließlich entkam ihr ein kurzes Kichern „Vielleicht, aber jetzt muss ich weiter. Teiz und ich sollten vor dem Schloss auf der Versammlung der Paladin Garde erscheinen“.
Palladium nickte und sah dabei zu, wie sie an ihm vorbei in die entgegengesetzte Richtung schritt, als es ihn packte. Ein ungutes Gefühl, als würde sie sich mit diesem Moment von ihm entfernen. Es lag ein Unheil in der Luft… oder irrte er sich? Nein.
„Varanda!“ er packte sie am Handgelenk und hielt sie fest, ehe sie vollkommen an ihm vorbei entschwunden war.
Stille. Sie schwieg.
Er sah ihr Gesicht nicht, die Reaktion auf dieses Handeln, doch es war ihm egal.
Palladium zog sie mit einem Ruck zurück.
Er umfasste sie mit den Armen und zog die Prinzessin an sich heran.
Fest umschlungen wollte er sie am liebsten nie wieder loslassen.
Der Duft ihres Haares umhüllte ihn. Die blonden Strähnen die kurzzeitig umherflogen.
Er dachte daran wie er sie kennen gelernt hatte. Damals war sie ein vollkommen anderer Mensch gewesen, genau wie er. Und heute…
„Ich liebe dich, Varanda“ sprach er es abermals aus, als könnte sie es vergessen haben.
Schließlich spürte er auch ihre Arme die sich um seinen Körper legten.
„Und ich… liebe dich…“ die Stimme beinahe nur ein Flüstern.
Schließlich lockerte sie die Umarmung ein wenig und sah zu ihm auf. Die Augen funkelten. Ein paar wenige Tränen, als würde sie einen kleinen Zusammenbruch hinunter schlucken.
Sie legte die Hände an seine Wangen und zog ihn zu einem Kuss die letzten Zentimeter herunter.
Nicht zu kurz. Er schloss die Augen und erwiderte jede Sekunde davon.
Es hatte bereits so viele Krisen und Vorfälle gegeben die sie überstanden hatten, da war diese nur eine von vielen.
Wenn es zum äußersten käme würde er ihr beistehen und so würde sie es tun. Palladium war sich sicher!
Nachdem sie sich langsam wieder voneinander lösten fiel es ihm noch schwerer sie wieder gehen zu lassen. Beinahe als wäre dieser Moment niemals passiert lösten sich ohne ein weiteres Wort ihre Fingerspitzen voneinander, jedoch mit einem Lächeln. Mit einem echten, liebevollen Lächeln.

Er wandelte noch ein wenig weiter durch die Gänge.
Nach einigen Räumen, die beinahe ein jeder dem ersten glich, fand er schließlich eine Tür nach draußen.
Der heutige Tag war äußerst windig und es zog, als könnte es ihn jeden Moment über die Brüstung werfen, wenn er nicht aufpasste.
Dazu die Wolkendecke über dem Kopf, machte es geradezu drückend. Der Winter kam.
Unterhalb der weiten Brücke über dem Ozean konnte Palladium auf den Hinterhof hinab sehen.
Finn trainierte dort noch immer wie ein verrückter. Nun schon seit Stunden.
Teiz konnte er nicht mehr entdecken. Vermutlich war er bereits auf der Versammlung.

Er bemühte sich den Weg weiter über die Brücke zur anderen Seite des Schlosses zu gehen, als hinter ihm jemand gegen den Wind rief „So so, ein einfacher Professor. Ein Elf noch dazu“.
Palladium drehte sich um und entdeckte den schwarzhaarigen Mann mit dem er sich bereits einmal unbewusst unterhalten hatte. König Conver trat ihm auf die Brücke entgegen.
Der vor Wut funkelnde Ausdruck in seinen Augen zeigte ihm sofort, dass er es wusste!
Mit einem ironischen Schnauben kam es von dem König Sarcas „Also ich muss schon sagen. Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Da hab ich eher geglaubt, dass Varanda ein Herz aus Stein hat, bevor sie sich zu jemand anderem flüchtet“.
„Sie musste nie flüchten“ stellte Palladium klar „Ich kann mir vorstellen wie Ihnen zumute ist, aber es war nicht vorher zu sehen… ich kann mich nur aus tiefstem Herzen entschuldigen“.
Conver ballte bereits die Hände zu Fäusten „Wie konnte sie es wagen. Ich bin die beste Partie die sie hätte haben können! Es hätte alles funktioniert! Und dann kommen Sie daher?!“.
Erschrocken sah Palladium wie sein Gegenüber das Schwert zog, es ihm entgegen hob und brüllte „Ich fordere Sie heraus! Ein Duell! Der Sieger erhält Varandas Hand!“.
Was?! Wie konnte dieser Kerl auch nur im entferntesten an so etwas denken?
Palladium trat ein paar Schritte zurück und rief verärgert gegen den Wind zurück „Niemals würde ich sie verwetten! Das ist nichts was man zu einem Wettbewerb machen kann!“.
Doch Conver ließ nicht locker „Ich glaube Sie haben mich nicht verstanden. Das war keine Bitte! Sie ist eine Prinzessin, DIE Prinzessin! Glauben Sie wirklich ein einfacher Professor wie Sie könnte sie glücklich machen? Sie spielt doch nur ein wenig mit Ihnen. Das ist keine Liebe. Sobald es ihr zu langweilig wird lässt sie Sie fallen. Varanda braucht mehr, sie braucht einen echten König!“
Palladium schauderte, als er sah wie sein Konkurrent ausholte.
Er konnte nicht einmal auf seine Worte eingehen.
Im letzten Moment wich er nach hinten weg und versuchte weiter an Abstand zu gewinnen, doch es führte kein Weg daran vorbei.
Den zweiten Schlag parierte er mit seinem goldenen Schwert, das er in Sekundenschnelle herauf beschwor
„Auch noch ein Magier“ knurrte Conver ihm entgegen, verharrte allerdings nicht lange, zog sein Schwert zurück und schlug erneut zu.
Wieder und wieder hielt Palladium dagegen und wich immer weiter zurück.
Conver war stark, das musste er zugeben und um einiges kampferprobter als er selbst.
Er musste sich etwas einfallen lassen und zwar schnell.
Zusätzlich zerrte der Wind an seiner Standhaftigkeit.
Er konnte doch nicht ernsthaft gegen einen König kämpfen, zudem gegen einen anderen Gast des Planeten, geschweige denn verletzen?!
Auch wenn Conver das durch seine blanke Wut nicht zu scheren schien, er konnte es nicht.
Dieser Mann war doch auch nur ein Opfer seines Liebeskummers…
Der Sarcas schwang sein Schwert einen Moment um mehr Schwung aufzubauen, das gab Palladium die nötige Zeit und konzentrierte sich „Desist peredo!“.
Conver brüllte einen Moment auf und hielt sich die Augen, als er von dem grellen Licht geblendet wurde.
„Hören Sie, das ist doch Wahnsinn!“ versuchte Palladium die Situation irgendwie zu deeskalieren.
Conver, der noch immer knurrend versuchte etwas zu sehen, entgegnete „Ich kämpfe um sie bis zum Tod wenn es sein muss!“.
Der Elf konnte nicht fassen, dass dieser Mann so davon besessen war „Das ist allein Varandas Entscheidung. Denken Sie wirklich, dass ein Kampf irgendetwas an ihren Entscheidungen ändern könnte?!“.
Schließlich fixierte der König sein Ziel erneut „Vielleicht nicht… aber wenn ich sie nicht haben kann, dann wird es keiner!“
Erneut hielt der Schwarzhaarige auf den Professor ein.
Palladium tat sein Bestes, schlug die Angriffe beiseite und parierte.
Wenn nichts geschah würde das hier keinen guten Ausgang nehmen, zudem er kaum glaubte auf diese Weise einem Krieger gewachsen zu sein.
Und schließlich geschah das unausweichliche.
Palladium parierte einen zu heftigen Schlag und wurde durch den Wind aus dem Gleichgewicht geworfen. Er stolperte gegen die Brüstung und verlor sein Schwert aus der Hand ins Leere.
Conver, durch und durch bereit das Ganze sofort zu beenden, schlug erneut zu.
„Obduktionsbarriere!“ das Schwert prallte an Palladiums Schild ab den er erschuf.
Wutentbrannt versuchte der Sarcas alles diesen zu zerbrechen.
Erneut einen üblen Schlag anbahnend holte er weiter aus, als ihm etwas einfach die Füße vom Boden weg riss.
Conver stürzte zu Boden, worauf Palladium die Chance bekam sich aufzurappeln und an Abstand zu gewinnen.
„Wer?!“ rief es der König hasserfüllt umher und hielt den Blick schließlich bei einem blonden Mann, der seinen Seilspeer noch einen Moment vor sich her schwang „Das ist aber nicht die feine königliche Art“.
Palladium glaubte nie so froh darüber gewesen zu sein diesen Spezialisten zu sehen.
„Du Made!“ fauchte Conver außer sich, dass sich ein dritter einmischte, sprang auf und stürmte nun auf ihn los.
Augenblicklich steckte David die Waffe weg und ließ die Krallen herausschießen die er an seinen Armschienen trug.
Mit diesen wehrte er die ersten Angriffe problemlos ab.
Seine Stärke war der von Conver glatt ebenbürtig, wenn auch er von seiner Schnelligkeit leicht im Nachteil schien und den Wind nicht gewöhnt war.
„So ein gebrochenes Herz tut weh, ich weiß das“ versuchte David mit ihm zu reden „Aber das ist nicht das Ende der Welt. Da draußen gibt es genug Prinzessinnen für einen König“.
Doch das schien genau das letzte zu sein was Conver hören wollte „Nein, es gibt nur sie! Es kann nur sie sein! Ihr könntet überhaupt nicht verstehen wie wichtig Varanda für ganz Sarcas ist!“
Kurzerhand ließ er sein Schwert fallen und packte David an den Armen.
Dieser beinahe zu überrascht von dieser unvorhersehbaren Aktion wurde einmal durch die Luft geworfen.
Er landete auf der Seite knapp neben Palladium, welcher bemerkte wie dem Spezialisten etwas aus der Tasche rutschte. Es hatte die Form einer Feder.
Weiter dachte er nicht mehr, da er abermals den Angriff des Mannes mit seinem goldenen Schwert parierte, bevor dieser auf David einschlagen konnte. Ein hoch auf die Transformationsmagie!
Zwei weitere Angriffe, bevor ihm der Spezialist wieder zur Hilfe kam.
Gemeinsam gegen den Sarcas begriff allmählich auch Conver, dass er sich nun im Nachteil befand.
Dennoch drängte er beide mit größter Mühe in eine Ecke zurück.
Das Adrenalin pumpte als der Schwarzhaarige David mit einem Seitenschlag, den er zwar parierte, aber soweit zur Seite weg stieß, dass Conver kurzerhand doch Palladium in die Mangel nehmen konnte.
Wie durch Hass zerfressen drückte er sein Schwert so massiv gegen das von Palladium, dass dieser nur quer gehalten parieren konnte, doch Convers ungeahnte Stärke nahm in diesem Moment erst an Fahrt auf.
Vor Anstrengung brüllend drückte er den Professor soweit zurück, dass er sich halb über der Brüstung gelehnt, bereits befürchtete in den nächsten Sekunden zu fallen.
Niemand würde ihm sagen können, ob man einen Sturz aus dieser Höhe in den Ozean überlebte.
Seine eigene Klinge drückte ihm gegen die Brust und er spürte den stechenden Schmerz wie es sich langsam hinein bohrte. Palladium blieb die Luft weg.

Plötzlich tat es einen Schlag und der Kampfesschrei einer jungen Frau erfüllte die Luft.
Von Palladium wurde kurzerhand abgelassen, der nach Atem ringend halb an dem steinernen Geländer zusammen sackte.
Nur nebenbei sah er, wie die blonde Prinzessin wie aus dem nichts mit dem langen Stab Conver zurück drängte, ehe eine zweite Person hinzu kam der ihm von hinten ein Messer an die Kehle hielt „So! Und jetzt ganz langsam! Legst du das Schwert auf den Boden!“.
Teiz Befehl war nachdrücklich und unmissverständlich, das bemerkte auch Conver.
Varanda hingegen hastete augenblicklich zu Palladium ihm aufzuhelfen „Gott… geht es dir gut?“.
„Gerade so…“ entgegnete dieser, dankbar für die Rettung.
„Was um alles in der Welt ist in dich gefahren?!“ fuhr sie zu dem König herum, den Teiz indessen wieder frei gab, nachdem er das Schwert sichergestellt hatte.
Dieser noch schnell atmend, knurrte „Du ziehst ihn mir vor?! Ist das so?!“.
Vara einen Moment ihrer Sprachlosigkeit verfallen konnte sich nicht erklären woher er plötzlich dieses Wissen haben konnte.
Conver ließ ihr auch keine Zeit es herauszufinden „Du wolltest mich nur hinhalten um Zeit zu schinden. Du hattest nie vor über mein Angebot nachzudenken, ist es nicht so?!“.
Inzwischen klang er etwas gezügelter, jedoch umso hasserfüllter.
Varanda trat ihm ruhig und streng entgegen „Nicht eine Sekunde. Niemals könnte ich deine Frau werden Conver. Allein aus dem Grund, dass damit keines von Callistos Problemen gelöst wäre. Ganz im Gegenteil. Ich würde sie verschlimmern“.
„Das wirst du noch bereuen. Ich schwöre es dir. Du wirst dir wünschen mich nie abgelehnt zu haben. Irgendwann wirst du auf Sarcas in meinem Schloss stehen und mich anflehen deine ach so heilige Heimat zu verschonen und alles dafür tun!“.
„Verlass auf der Stelle mein Schloss“ sagte sie lediglich mit ruhiger Stimme.
„Wie bitte?“ entgegnete der König missverstanden.
„Verlass mein Schloss!“ wiederholte sie es mit Nachdruck „Ich will, dass du aus Callisto verschwindest und bei Gott hoffe ich für dich, dass du nie wieder auch nur einen Fuß auf diesen Planeten setzen wirst, hast du mich verstanden?!“.
„Du willst mir drohen?“ leicht ironisch belustigte es ihn wohl, bis er die Ernsthaftigkeit ihrer Worte begriff.
Er sah sich um und bemerkte sofort, dass er eindeutig im Nachteil war.
Mit zweien hätte es klappen können, doch gegen vier hatte auch er verloren.
Mit seinem Stolz ringend trat Conver schließlich den Rückzug an, rief jedoch mit einem letzten Blick auf Varanda „So schnell wirst du mich nicht los, hast du verstanden?!“.
Erst als der König Sarcas von der Brücke in das Innere des Schlosses verschwunden war, löste sich sämtliche Anspannung.
Vara fasste sich an den Kopf „Dass er zu so etwas fähig ist…“.
„Ich wusste es. Faule Eier werden nicht plötzlich gut“ packte Teiz seine Waffe weg „Ist jemand verletzt?“.
„Zum Glück nicht dramatisch“ antwortete David „Man Vara, wenn du noch mehr Ex von der Sorte hast bin ich raus“.
Indessen sah Palladium sich auf dem Boden um und entdeckte wieder das kleine etwas, das aus Davids Tasche gefallen war.
Er hob den Stein auf.
Weiß bemalt und als Feder zurecht geschliffen war es ein sehr schönes Artefakt.
Er gab ihn seinem Besitzer zurück „Das hast du verloren“.
„Oh, danke“ entgegnete David „Katy würde mich umbringen wenn ich den verliere. Sie hat ihn mir nach dem Stadtausflug geschenkt. Das Teil soll wohl Glück bringen“.
Palladium seufzte „Du warst immerhin zur rechten Zeit am rechten Ort. Das könnte man schon als Glück bezeichnen“.
„Für dich vielleicht“ grinste der Spezialist und steckte den Stein weg.

*

Nachdem auch die anderen über den Vorfall in Kenntnis gesetzt worden waren, warteten Vara und Teiz nur noch auf Enzos Information, dass Conver das Schloss verlassen hätte.
„Ich verstehe nicht woher er das wissen konnte“ wurmte es sie immer noch.
„Hat er euch vielleicht irgendwann gesehen?“ fragte Amaryl.
„Unmöglich. Es war nie jemand in der Nähe, schon gar nicht er oder Ilias“ verneinte sie nur.
Palladium, der sich inzwischen wieder von dem größten Schock erholt hatte, wohnte Teiz nun bei, einen Whiskey statt einen Tee zu bevorzugen. Zumindest ausnahmsweise.
Nur David saß seelenruhig bei seiner Katy und hatte den Arm um die Fee gelegt.
Cinder, die sich nach diesem „Duell“ ebenfalls sorgte, gab ihre Prognose ab „Dass Conver gelegentlich über die Stränge schlägt wussten wir ja, aber so…“.
Einen Moment wurde es still im Zimmer, als es plötzlich anklopfte und jemand eintrat.
Versichert, dass es nur Enzo sein konnte, wurden sie jedoch eines besseren belehrt.
Ilias blickte in den Raum „Darf ich eintreten?“.
Cinder war die Erste die aufsprang „Ilias!“.
Schließlich erhob sich auch Varanda „Natürlich, komm rein. Ich dachte ihr seid schon an der Abreise“.
Cinder schmiss sich ein letztes Mal in seine Arme, ehe er antwortete „Das sind wir auch. Aber ich wollte noch einmal mit Euch sprechen Prinzessin Varanda“.
Die Kronprinzessin wurde aufmerksam „Mit mir?“.
„Ja, Conver würde mich umbringen, wenn er wüsste dass ich noch einmal hier bin… seit er zum König gekrönt wurde ist er nicht mehr derselbe… was heute passiert ist, ist kein Einzelfall… ich erkenne meinen Bruder kaum wieder…“.
Sie weitete die Augen „Ilias, wenn du Hilfe brauchst, dann…“.
„Nein!“ rief dieser jedoch bestimmt aus „Ich hab bereits viel zu viel gesagt, aber…bitte, seid vorsichtig. Conver will Rache und er wird nicht Ruhe geben, bis er sie hat…“
„Danke, ich weiß die Warnung zu schätzen“ entgegnete Vara respektvoll.
Cinder, beinahe den Tränen nahe, fragte „Kommst du auch auf Sarcas zurecht?“.
Doch der zurückhaltende, junge Mann lächelte beruhigend „Keine Sorge. Es ist alles gut, er ist nunmal mein Bruder, aber wir werden uns wahrscheinlich nicht so schnell wieder sehen. Pass auf dich auf“.
„Du auch“ entgegnete sie.
Nach einer letzten Umarmung entschwand der Prinz wieder aus der Tür.
Varanda atmete tief ein. Das entspannte ihre Lage nicht gerade.

Mit einer Tasse des Entspannungstees den ihr Finn verkauft hatte und wie immer perfekt von Enzo für sie zubereitet worden war, öffnete sie die Schublade des Nachttischchens neben ihrem Bett.
Ein letztes Mal kramte sie den Verlobungsring heraus und betrachtete ihn.
Den weißen Stein, die goldene Fassung… durch und durch perfekt. Ganz im Gegensatz zu ihrem Leben.
Sie trank die Tasse leer und bemerkte einen leichten Anflug von Kopfschmerzen.
Wohl eine Nachwelle der heutigen Ereignisse.
Mit dem Ring in Händen stand sie auf und trat zu ihrer Balkontür.
Außerhalb spürte sie einen leichten Nieselregen und trat zum Geländer.
Ihr Zimmer war in Richtung des Ozeanes gerichtet.
Sie atmete die kühle Brise ein die den Kopfschmerz abmilderte.
Ein letzter Blick auf den Ring.
Es war Zeit sich von der Vergangenheit ein für alle Mal zu lösen.
Sie holte aus und warf!
In der Dunkelheit sah sie nicht einmal wohin, doch die Gewissheit, dass er auf ewig in den Tiefen des Meeres verschwinden würde, reichte.



Hallo, auch heute ^^

Nachdem das letzte Kapitel ja etwas kürzer war als die anderen hoffe ich, dass ich das heute wieder etwas wet machen konnte. Speziell wollte ich einmal Palladium wieder etwas in den Fokus setzen, da er in letzter Zeit doch nur eine kleine Nebenrolle gespielt hat und größtenteils Offscreen seiner Arbeit mit Tine und Athmos nachgeht, dabei ist er nach wie vor ein fester Bestandteil der Story, vor allem was den Konflikt mit Conver angeht. Wie es nun weiter geht? Lass dich überraschen. Es sei nur so viel gesagt: Jetzt können sich Vara und Teiz endlich um den eigentlichen Wahlkampf kümmern. Wie immer bedanke ich mich rechtherzlich fürs Lesen und beiwohnen der Geschichte ^^

LG Seilix
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