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Fee der magischen Energie

von Seilix
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
OC (Own Character) Palladium
18.08.2017
23.02.2021
94
415.867
42
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24.07.2019 4.193
 
Teiz und ich blickten mit aufgerissenen Augen auf das Geschehen.
Das Haus brannte Lichterloh. Einzelne Flammen waren bereits auf die Nebenhäuser übergetreten und absolut niemand unternahm etwas.
Die Straßen waren menschenleer und doch entdeckte ich einzelne Gesichter aus ihren Fenstern lugen, als sei das hier ein Theaterstück zur Unterhaltung.
Teiz hatte sie zu Beginn noch angebrüllt, gebeten zu helfen, doch sobald man sie ansprach, schlossen sie mit ausdruckslosem Blick die Fensterläden.
Durfte das wahr sein?!
Tommy neben uns bebte „Bitte! Meine Familie ist da drin!“.
„Keine Sorge“ beruhigte ich den kleinen Jungen „Wir kümmern uns darum. Wir holen deine Familie da raus“.
Ich suchte meinen festen Stand und machte mich bereit „Enchantix!“.

In verwandelter Form erhob ich mich direkt in die Luft „Ich werde versuchen das Feuer zu löschen. Regenschauer!“.
Ein Unwetter erhob sich über den brennenden Dächern und keine 10 Sekunden später schüttete es aus Eimern, doch ich bemerkte sofort, dass es nicht reichen würde.
„Das dauert zu lange, ich gehe rein!“ rief Teiz.
„Warte, allein ist das viel zu gefährlich!“ warnte ich ihn, doch natürlich konnte der starrsinnige Spezialist wieder einmal nicht hören und hastete zur Tür um sie aufzutreten.
Das Holz splitterte und krachte, worauf ich sehen konnte, wie ihm ein heißer Schwall Flammen entgegen loderte.
Gerade noch konnte er sein Gesicht mit den Armen schützen.
Ich flog ihm hinterher, wie er in den brennenden Höllenschlund gesprintet war und nutzte einen von Griseldas Verteidigungszaubern, um einen Schild um uns zu legen.
Es funktionierte. Die Flamen umgaben uns zwar, konnten uns aber nichts mehr anhaben.
„Es gibt doch nichts praktischeres als eine begabte Fee um sich zu wissen“ lobte mich der Grünhaarige und bahnte sich den Weg durch die Räume vor.
Ich konnte nicht erkennen in welchem Zimmer des Hauses wir uns befanden, geschweige denn welche wir bereits durchquert hatten.
Das Feuer hatte sich bereits überall ausgebreitet und war selbst dabei die Wände zu verschlingen. Darüber hinaus war es kochend heiß.
„Hier kann sich niemand mehr befinden. Sie wären schon längst gegrillt“ sprach ich meine Gedanken aus.
„Eine schöne Ausdrucksweise Euer Hoheit“ entgegnete Teiz und bahnte sich den Weg weiter in Richtung Treppe, diese hinauf zu steigen.
Doch das, was zuvor einmal eine Treppe gewesen war, lag nur noch wie ein brennender Bretterhaufen vor uns.
Die Stufen waren bereits herunter gekommen.
„Ich werde nachsehen gehen“ entgegnete ich nur und flog hinauf, als es hinter mir ertönte „Nicht ohne mich“.
In einem Satz schwang sich Teiz über die Wand mit seinem Kampfstab hinauf.
Sein Geschick musste ich ihm wirklich eingestehen, sowie sein Talent mit dem immer perfekten Umgang seiner Waffen.
Schon immer bewunderte ich ihn sehr dafür wie er diesen Umgang ohne Magie und Zaubern gemeistert hatte.
Reine Willenskraft, Körpertraining und Disziplin, das war Teiz!
Weiter durchquerten wir einen Raum nach dem anderen. Hier oben hatte sich das Feuer noch nicht vollkommen ausgebreitet, somit hatten wir Hoffnung und der Spezialist begann auf uns aufmerksam zu machen „Hallo! Ist hier jemand?!“.
Plötzlich kam es aus einem Nebenraum „Ja! Wir sind hier!“.
Beinahe erleichtert schoss ich im Eiltempo herüber und entdeckte ein Paar in der hintersten Ecke gekauert sitzen. Ein kleines Mädchen in ihrer Mitte.
„Kommen Sie!“ rief ich und ließ meinen Schildzauber auch auf ihnen wirken.
„Und jetzt?“ fragte Teiz „Nach unten kommen wir nicht mehr“.
Im selben Moment entdeckte ich etwas und öffnete mit einer Handbewegung blitzschnell ein paar Fensterläden „Müssen wir auch nicht“.
„Das ist viel zu hoch, da schaffen wir es nicht runter“ beklagte sich der Mann der Familie.
„Alleine nicht, jedoch mit der Hilfe einer Fee und eines Spezialisten“ beruhigte ich ihn und brachte sie dazu mir zu folgen.
Bei dem Fenster angekommen, schickte ich zunächst Teiz vor, der das Mädchen auf den Arm nahm um sie zuerst aus der brennenden Falle zu bringen.
Erneut nutzte er seinen Stab um mühelos an einer Hand daran herab zu schwingen.
„Bereit?“ fragte ich lediglich der Höflichkeit halber an das Paar und ließ bereits meinen Zauber wirken.
Mit mir flogen sie aus dem Fenster hinaus und landeten wohlbehalten am Boden.
Meine Regenwolke tat indessen ihr bestes.
Tommy viel weinend seinen Eltern in die Arme.
Inzwischen hatten sich mehr Schaulustige um das Geschehen gebildet, während ich weiter damit bemüht war das Feuer zu löschen.
Es dauerte seine Zeit, doch es gelang mir. Wenn auch das Haus nicht mehr zu retten war, doch ein paar Menschenleben waren eindeutig mehr wert.
Zufrieden mit meiner Arbeit drehte ich mich zu Teiz, der bereits die Danksagungen der Familie entgegen genommen hatte.
Gerade wollte auch ich mich ihnen noch einmal annehmen, als ich plötzlich eine Stimme vernahm „Ja! Das ist sie, die Hexe!“.
„Es ist alles ihre Schuld! Sie hat uns das angetan!“.
Ich wirbelte herum um mich plötzlich vor dem halben Dorf wieder zu finden.
Ich wusste kaum wo ich hinsehen sollte, so viele aufgebrachte Gesichter waren mir zugewandt.
„Sie war das!“ hörte ich eine Frau rufen „Sie hat das Relikt gestohlen!“.
Die Angst die ich zuvor gehabt hatte. Meine Befürchtungen waren eingetreten. Sie erkannten mich als die Komplizin Valtors wieder.
„Bitte, hört mich an. Ich bin hier um mein getanes wieder gut zu machen. Ich möchte diesen Planeten von Valtors Fluch erlösen!“ versuchte ich mich zu erklären, doch keiner wollte etwas davon hören.
„Verschwinde!“ „Du hast hier nichts zu suchen!“ „Wir haben keine weiteren Relikte für dich und jetzt lass uns in Frieden!“. Die wütenden Stimmen waren überall.
„Aber versteht ihr denn nicht! Ich möchte euch Helfen!“.
Plötzlich wurde mein Arm gepackt „Lass gut sein Vara, wir begegnen hier einem wütenden Mopp, lass uns verschwinden!“.
Teiz zog mich mit sich.

Nachdem wir die Menschen am Rande der Stadt abgehängt hatten, viel ich erschöpft vor dem Lagerfeuer auf den Boden „Das ist ja super gelaufen…“.
„War ja zu erwarten“ Teiz gesellte sich zu mir.
Daro schlief noch immer seelenruhig auf der anderen Seite des Feuers.
Hatte er überhaupt mitbekommen, dass wir weg waren?
„Ich kann das nicht glauben… wir haben die Familie gerettet und trotzdem glauben sie, dass ich ihnen nur Unheil bringe…“ verzweifelt ließ ich den Kopf in die Hände sinken.
„Schlechtes bleibt länger in Erinnerung als gute Taten. So sind Menschen gestrickt. Außerdem stehen sie noch immer unter dem Bann Valtors“.
„Aber ich kann ihn aufheben. Allerdings kaum von einem ganzen Planeten…“ sprach ich meine Zweifel aus.
Teiz schlug die geschlossene Faust in die Hand „Dann müssen wir das Stück für Stück angehen. Einen nach dem anderen“.
„Und aufpassen, dass sie uns dabei nicht in Stücke reißen oder wie?“ so ganz überzeugte er mich damit nicht.
„Wir können das schaffen und irgendwann werden alle einsehen, dass wir ihnen helfen und sie nicht ins Verderben stürzen“.
„Und da bist du dir sicher?“.
Er zwinkerte „Positive Energie. Darin bist du doch die Spezialistin“.
Ich musste schmunzeln „Dann werden wir die Sache also aggressiv-aktiv angehen?“.
„So mein Plan. Es wird eine halbe Ewigkeit dauern, ist aber unsere einzige Möglichkeit“.
Als wolle er zustimmen, hob Daro plötzlich den Kopf und schnaubte beruhigend.
„Danke“ entgegnete Teiz gespielt, worauf ich anfing zu lachen „In Ordnung, aber unter einer Bedingung. Angenommen wir schaffen es und befreien den Planeten Stück für Stück, dann müssen wir uns dennoch fit halten und ich bin schon lange an einer Privatstunde des großen Professors der Spezialisten interessiert“.
Mein Bruder blickte mich überrascht an „Du willst lernen mit einer Waffe umzugehen? Was ist mit deinem Pfeil und Bogen“.
„Natürlich ist meine Magie mein liebstes Verteidigungsmittel, allerdings… sind wir inzwischen auch schon in Situationen gekommen, wo sie mir nicht annähernd so viel gebracht haben wie normalerweise und ich will mich nicht mehr ausschließlich von dir Retten lassen“.
Teiz brach in schallendes Gelächter aus „Darum geht es hier also. Wenn das mit deiner Fortbildung so weiter geht machst du mich noch arbeitslos“.
„Das wäre das Endziel“ entgegnete ich in einem gewitzten Unterton.
„Na gut, Spaß beiseite. Ich verstehe schon worauf du hinaus willst, aber wenn du ein Training bei mir absolvieren willst, Euer Hoheit, dann wird es so ablaufen wie bei meinen Schülern, keine Sondereinheiten“.
„Das hatte ich auch nicht erwartet“. Damit schien der Deal besiegelt zu sein.

Nach ein paar Stunden des Schlafs, die ihnen bei weitem nicht genug erschienen, erwachten sie mit dem Sonnenaufgang.
Teiz legte Daro die Zügel an „Ist die Schutzfee Callistos Einsatzbereit?“.
Ehe er sich umdrehen konnte, vernahm er ein leuchten hinter sich und erblickte die Prinzessin kurzerhand in ihrer strahlenden Feen-Erscheinung.
„Worauf du dich verlassen kannst“ sie klang entschlossen.
Eine Entschlossenheit die sie jetzt auch gut gebrauchen konnten.
Er nickte und schwang sich auf Daros Rücken „Dann los!“.
Im direkten Anflug auf das Stadtinnere waren sie gewillt ihren Plan so auffällig und aggressiv wie möglich umzusetzen in der Hoffnung, dass nach den ersten Erlösungen die Menschen schnell Verständnis entgegen bringen würden.
Je weiter sie ihre Kreise über die Dächer zogen, umso mehr Aufmerksamkeit zogen sie auf sich.
Der Drache schrie ebenfalls und regte weitere Gesichter auf die Straße.
Sie hatten sich explizit einen der offenen Dorfplätze für ihr Vorhaben ausgesucht.
Viel Platz und eine direkte, man könnte sagen, Angriffsfläche.
„Wir sind hier über dem Nordteil der Stadt“ klärte Teiz Varanda noch einmal auf.
„Die sehen aus, als hätten sie nie so etwas wie Feen oder Drachen gesehen“ entgegnete die Prinzessin, während sie die erschrockenen Gesichter beobachtete.
„Es würde mich nicht wundern, wenn sie das auch nicht haben“ deutete Teiz die Mimiken.
„Also, dann lassen wir das Feuerwerk mal beginnen“ Vara zeichnete ihr Symbol in die Luft „Feen-Saub“.
Teiz beobachtete ihr tun mit Faszination wie der glitzernde Staub ihrer Flügel sich in der Luft sammelte. Mit so viel Eleganz schien sie beinahe in der Luft zu tanzen, während es wie funkelnde Wassertropfen herab regnete.
Die Menschen schienen zunächst noch beängstigt, blickten jedoch kurze Zeit später mit Freude hinauf und bejubelten die junge Fee.
„Es hat funktioniert!“ Teiz schlug die Faust triumphierend in die Luft.
„Lass uns direkt weiter machen!“ rief Vara enthusiastisch.
Gemeinsam nahmen sie sich den nächsten Stadtteil mit eben demselben Prinzip vor.
Nach und nach würden sie auf diese Weise Ohm von dem Fluch befreien.
Zwischendurch besuchten sie einzelne Häuser, denn es gab vereinzelt immer Menschen, die nicht den Massen folgten.

Nach diesem erfolgreichen Tag kehrten sie frohen Gemütes in ihr Lager zurück.
Teiz verschwand schnell in das Innere des Shuttles um einen Anruf zu tätigen.
Varanda erholte sich indessen außerhalb. Diese dauerhafte Verwandlung und das ständige Nutzen des Feen-Staubs zehrten auch an ihren Kräften.
Dennoch quälte sie sich erneut auf „Dein Futter mein Junge, das hast du dir redlich verdient“.
Den Korb mit dem frischen Obst und Gemüse stellte sie neben Daro, schließlich wollte dieser auch versorgt werden.
Zwar hatte Teiz sich bereit erklärt sich nach dem Anruf darum zu kümmern, doch Vara konnte sich nicht ewig vor der Konfrontation mit ihrem Drachen drücken.
Einen Moment beäugte Daro das Futter misstrauisch und schnaubte, ehe er daran roch.
Varanda stemmte die Hände empört in die Hüften „Keine Sorge, es ist nicht vergiftet“.
Der grüne Drache schenkte ihr einen flüchtigen, nichtssagenden Blick, ehe er sich schnaubend von ihr abwendete ohne das Futter auch nur angerührt zu haben.
„Ist das dein Ernst?!“ entfuhr es der Fee erbost „Sonst verschlingst du doch auch alles ohne auch nur die Wurzeln übrig zu lassen. Du kannst mir nicht erzählen, dass du nach dem Tag keinen Hunger hast“.
Der Drache ließ lediglich ein genervtes Knurren hören.
„Na gut, dann schmoll weiter“ Vara verdrehte die Augen und nahm sich einen Apfel heraus um selbst noch einmal provokativ abzubeißen „Hm, wie lecker saftig. Du verpasst was“.
Damit stapfte sie davon in Richtung des Shuttles.

Daro hob einen Moment den Kopf als er vernahm wie sich die bekannten Schritte langsam entfernten. Er sah sie in das Innere des Luftschiffs verschwinden.
Sein Blick schielte erneut zu dem Futter das sie ihm da gelassen hatte und schließlich siegte der Hunger und die Gier nach dem frischen Obst doch über seine Abneigung. Sie gab sich ja schon Mühe und in der roten Fontäne gab es so etwas leckeres sonst nicht.

*

„Das freut mich zu hören“ vernahm ich die bekannte Stimme einer Frau mit der Teiz wohl sein Gespräch führte.
Der Spezialist saß an der Kommunikationszentrale und entgegnete „Wenn das die nächsten Tage genauso gut weiter geht, können wir Ohm in einer Woche wieder verlassen“.
„Jetzt bist du aber sehr enthusiastisch“ widersprach ich und gesellte mich in die Sicht des Bildschirms dazu „Sagen wir in zwei Direktorin Pharagonda. Ich weiß nicht, ob ich das Tempo auf Dauer beibehalten kann“.
Sie und Griselda befanden sich auf der anderen Leitung.
„Varanda!“ rief die ältere Frau mit einem strahlen im Gesicht „Wie schön dich wohlbehalten zu sehen, wie geht es dir?“.
„Ausgesprochen gut“ antwortete ich „Und es wird besser“.
„Das ist schön zu hören. Teiz berichtete bereits, dass ihr gut gelandet seid und gute Erfolge erzielen konntet“ versicherte sie sich nun auch von mir.
Ich nickte als der besagte plötzlich einwarf „Wolltest du dich nicht eigentlich ausruhen“.
„Ich habe versucht Daro zu füttern“ entgegnete ich jedoch etwas entnervt „Aber der sture Drache will nichts von mir annehmen. Ihr zwei habt eindeutig zu viel Zeit miteinander verbracht“.
Teiz wirbelte herum „Was soll das denn bitte heißen?“.
„Du weißt genau was das heißen soll“ neckte ich ihn.
„Hauptsache ihr könnt eure Mission erfüllen“ kam es auf der anderen Leitung daraufhin von Griselda.
„Wir sind auf einem guten Weg und werden weiter berichten“ versicherte ich.
Pharagonda nickte „Das hoffe ich sehr. Einige Schüler, sowie die Professoren fragen bereits regelmäßig nach euch“.
Der Spezialist begann zu grinsen „Dann können Sie ihnen überbringen, dass alles nach Plan läuft und wir uns wieder melden“.
„Sehr schön, dann weiterhin viel Erfolg“ die Direktorin legte zufrieden den Kopf auf den zusammengefalteten Fingerknöcheln ab, worauf wir die Verbindung beendeten.

Auf dem Weg hinaus unterhielten wir uns weiter über den morgigen Tag und welchen Teil wir weiter abklappern würden, als Teiz auf einmal zu lachen begann.
„Was ist los?“ fragte ich.
„Schau“ er deutete auf Daro und den leeren Korb neben ihm.
„Machst du Witze?!“ rief ich erbost, doch der Drache rührte sich keinen Zentimeter, als würde er wieder tief und fest schlafen.
Teiz schien die Situation indessen mehr zu amüsieren „Gib ihm noch ein paar Tage, ich glaube er stellt sich wirklich nur ein wenig stur. Wie wäre es, wenn wir währenddessen mit unserem Spezialtraining loslegen“.
„Toll, ich bin auf einer wichtigen Mission und habe einen übermotivierten Spezialisten und einen beleidigten Drachen an meiner Seite. Da kann ja nichts schief gehen“.

*

Drei weitere Tage strichen über das Land, während sie ihren Plan weiter umsetzen konnten.
Ein Stadtteil nach dem anderen wurde von Valtors Fluch erlöst und langsam kamen sie in eine, für Varanda machbare, Routine hinein.
Mittlerweile hatten sie sogar ein paar Fans, die ihnen freudig zuwanken, während sie über der Stadt hinweg flogen.
„Fertig?“ fragte Teiz, wie es inzwischen zu seinem kleinen Ritual wurde, selbst wenn es nur als obligatorische Frage zu verstehen war, auf die Vara auch nicht antwortete.
Stattdessen zeichnete sie wie immer ihr Symbol über den Menschenmassen „Feen-Staub!“.
Auch dieses Mal rieselte der funkelnde Staub herab und befreite die zerstreuten Gesichter in freudiges strahlen, als seien sie zu neuen Menschen geboren.

„Sofort aufhören!“ brüllte plötzlich jemand hinauf.
Varanda und Teiz drehten sich einen Moment und entdeckten auf einmal eine Guarde die sich zwischen den Menschen hindurch bahnte.
Das Volk machte unumwunden Platz und ließ sie passieren.
Es waren jene vier armigen, blauen Affen gegen die sich auch Valtor beim Diebstahl des Reliktes hatte behaupten müssen und in ihrer Mitte einer der Bewohner des Planeten.
Seine Robe jedoch um einiges eleganter und er trug eine Art Krone.
Die Guarde öffnete sich und ließ ihren offensichtlichen König hervor schreiten.
Allarmiert landete Vara am Boden und verneigte sich „Euer Majestät…“.
Doch ehe sie weiter sprechen konnte, rief der König „Ihr seid also die Übeltäter die mein Volk in Angst und Schrecken versetzen. Mehr noch, du bist die Hexe die uns unser Relikt gestohlen hat weshalb dieser Planet immer weiter der Dunkelheit verfällt“.
„Lasst mich Euch erklären“ warf Varanda schnell ein „Ja, ich habe euch das angetan, jedoch bin ich hier um das was ich tat wieder gut zu machen. Ich kann Euch und euer Volk aus diesem Fluch befreien!“.
Der König schien jedoch nicht kooperativ gestimmt „Alles nichts als Ausreden und Lügen! Niemand tyrannisiert ungefragt mein Volk und mehr werdet ihr nicht bekommen! Ergreift sie!“.
„Was?! Nein, wartet!“ wollte Vara protestieren, doch die Affenguarde sprang in ein paar Kunstübungen direkt an ihr vorbei und warf Seile in die Luft.
Alles ging so schnell, dass Teiz keine Möglichkeit hatte zu reagieren.
Sie spannten die Seile so präzise um den Körper des Drachen, dass sie ihn mit einem kräftigen Zug spielend leicht zu Boden brachten.
Daro brüllte auf, hatte jedoch keine Chance zu entkommen und prallte in einem ohrenbetäubenden Schlag auf den harten Steinboden.
Teiz stürzte einen Moment, fing sich jedoch, doch als er aufblickte war er bereits von den Affen-Kriegern umstellt.
„Daro! Teiz!“ blitzschnell wandte sich Vara erneut an den König “Nein! Ich bitte Euch, sie haben nichts damit zu tun, wenn dann bin ich diejenige um die es dabei geht!“.
„Ihr alle habt die Einschüchterung meines Volkes zu verantworten“.
„Lasst mich Eure Augen öffnen und Ihr werdet sehen, dass ich mit dem Feen-Staub…“ versuchte sie ihn ein letztes Mal umzustimmen, doch der König wich zurück „Bleib wo du bist!“.
Ohne ein weiteres Wort packten zwei der Affen ihre Arme.
„Ihr werdet für eure Verbrechen zahlen“ der Herrscher dieses Planeten war unerbittlich, doch Varanda wusste, dass er nur aufgrund des Fluches so reagierte.
Plötzlich rannte einer der Bewohner vor ihr Blickfeld „Bitte, mein Herr! Verschont sie. Diese Menschen haben uns gerettet. Sie haben uns wieder sehen lassen, ja, so wie zuvor. Sie können unser Land erlösen. Ich habe es gesehen, wir alle hier haben es gesehen“.
Überrascht stellte sie fest, dass es Tommys Vater war, der sich vor seinen Herrscher gestellt hatte.
Er verteidigte sie.
Einen Moment verengte der König seine Augen und knurrte „Diese Hexe hat euch mit ihrem magischen Zeug lediglich das Hirn vernebelt, doch ich sehe klar“.
„Lasst sie gehen, ich bitte euch. Lasst sie zumindest diesen Planeten verlassen“ erbot er stattdessen.
Zustimmendes Gemurmel war aus der umliegenden Menge zu vernehmen die verängstigt und bedrückt einen Ring um das Geschehen gebildet hatten.
„Nein, sie hatten die Chance diesen Planeten wieder zu verlassen, nun werden sie dafür zahlen“ sprach er sein Urteil „Tötet die Bestie, mit den beiden werden wir danach den Prozess regeln!“.
„Was?! Nein!“ brüllte Vara und blickte zu ihrem Drachen.
Wehrlos lag das gewaltige Tier am Boden und schrie, dass es einem das Herz zerriss.
Dann sah sie die Klinge die einer der Affen zog.
Die Prinzessin riss die Augen auf und vernahm etwas aus ihrem inneren.
Ihr Treuer Gefährte noch immer und nach so vielen Jahren.
„Daro!“ brüllte Teiz auf und versuchte zu ihm hindurch zu dringen, doch keine Chance.
Nachdem er versuchte die Mauer der Affen verzweifelt hindurch zu brechen rangen sie ihn zurück zu Boden.
Alles schien verloren.
Der Krieger zog die Klinge über den Kopf, in wenigen Sekunden bereit für seinen tötenden Schlag.
In Varanda zog sich alles zusammen.
Sie konnte und durfte Daro hier nicht sterben lassen. Nicht ihn und nicht Teiz, es war wenn dann allein an ihr den Preis zu zahlen.
Sie sah das Schwert, wie es für sie in Zeitlupe hinab raste.
Wie ein Impuls ergriff sie der Wille und raste los.
Ihre Flügel trugen sie, die Windböe die dabei entstand riss die Krieger neben ihr von den Füßen.
In Sekundenschnelle schlug sie Daros Angreifer, der sie wohl kaum kommen sah mit der Energie-klinge das Schwert aus den Händen.
Daraufhin nahm sie zum ersten Mal das gleißende Licht um sich wahr.
Ein Licht dass sie bei sich selbst zuvor nur ein Mal gesehen hatte. Das Prisma!
Sie blickte an sich hinauf und entdeckte die leuchtenden Flügel eines Engels.
Sie hatte es geschafft die Flügel zu erwecken, schon wieder.
Die Bewohner fielen vor Schreck zu Boden, die nächsten Krieger hielten sich die Hände vor das Gesicht. Scheinbar konnten sie die Helligkeit nicht ertragen.
Durch die Nachsicht der Krieger kam Daro sofort frei.
„Bürger von Ohm, hört mich an“ auch in diesem Zustand war es ihr möglich den Feen-Staub zu beschwören „Glaubt immer an das Licht der Hoffnung. Es wird IMMER die Dunkelheit vertreiben die euch gefangen hält!“.
Der Feen-Staub wirbelte umher und verbreitete sich, jedoch nicht nur über ihren normalen Radius.
Varanda war, als könnte sie in diesem Moment ganz Ohm aus seinem Fluch befreien.
Sie schloss die Augen und konzentrierte sich.
Bewundernde Ausrufe und Gejubel waren indessen unter den Menschen des Volkes zu vernehmen.
Selbst der König saß erschrocken am Boden und betrachtete mit entgleisten Gesichtszügen das Geschehen, bis jemand aus der Menge rief „Seht! Die dunklen Wolken verschwinden!“.

Auch Teiz konnte nicht fassen wozu seine kleine Schwester im Stande war.
Den Feen-Staub sah er überall und ihre Magie war in jeder Pore um ihn präsent.
Ihre leuchtenden Engelsflügel… doch etwas daran überraschte ihn. Sie waren nicht golden. Im Gegenteil, sie waren weiß wie die eines jeden Paladins, leuchteten jedoch wie ein buntes Prisma.
Zuvor war ihm das nicht aufgefallen, doch jetzt wo er genauer hinsehen konnte…
Das Schauspiel dauerte einige Minuten an, bis er die Rückverwandlung der Flügel sehen konnte. Vara verließen die Kräfte.
Er musste etwas tun, schnell!
Im selben Moment verlor sie an Höhe, doch jemand anderes war schneller als er.
In einem selbstsicheren Gebrüll platzierte sich der Drache direkt unter ihr, sodass sie nur nach seinem Hals greifen musste um sich auf seinen Rücken zu setzen.
Er sah wie Varanda freudestrahlend seinen Hals tätschelte, bevor Daro sie auf den Boden zurückbrachte.
Noch immer jubelte das Volk und selbst die Affen-Krieger ließen sie passieren.
Teiz half seiner Prinzessin von dem Tier „Du hast es geschafft! Du hast ihnen den Himmel zurückgebracht“.
„Hab ich?“ zum ersten Mal schien sie einen Blick hinauf zu riskieren und schien plötzlich von sich selbst überrascht „Das glaube ich nicht“.

„Ich muss mich für mein Benehmen entschuldigen“.
Sie drehten sich um und bemerkten den König der nun einen ganz anderen Ton an den Tag legte als zuvor.
Doch Vara hob freundlichst die Hand „Bitte, sie müssen sich nicht erklären. Ganz Ohm stand unter diesem Fluch“.
Er neigte den Kopf „Dennoch muss ich meinen aufrichtigsten Dank aussprechen. Ihr habt uns und diesen Planeten gerettet“.
„Das ist unsere Mission“ antwortete Teiz, der noch immer die geschwächte Fee stützte.
„Scheint, als könnten wir unsere Reise nun fortsetzen“ meinte sie an ihn gerichtet.
„Dann bitte, ruht euch aus und stärkt euch bevor ihr aufbrecht“ verlangte der König „Alles auf unserem Marktplatz steht euch zur Verfügung und solltet ihr etwas brauchen, scheut nicht euch an mich zu wenden“.
Beide nahmen dieses Angebot dankend an.

*

„Sind alle da?“ erkundigte sich Direktorin Pharagonda an die Mädchenmenge.
Sie alle standen außerhalb des Schultores und warteten auf den Befehl zur Abreise.
Die Professoren überprüften während dessen ebenfalls ihre Klassen.
Schließlich gab Avalon ein nickendes Zeichen.
„Sehr gut“ danach wendete sich die Direktorin an die Elfen „Wir werden bald zurück sein, bitte passt während dessen gut auf die Schule auf“.
Im selben Wortlaut aktivierte sie den magischen Schild.
„Es ist unfassbar. Dass ist wirklich das erste Mal, dass absolut alle Schülerinnen und Professoren gleichzeitig für eine Mission die Schule verlassen“ überlegte Amaryl laut an Katy gerichtet.
„Daran merkst du, dass wir wirklich in Schwierigkeiten stecken und sie Valtor so schnell wie möglich aufspüren wollen“ antwortete ihr die Fee der Tiere.
Sie brachen nach Lichtfels auf, wo Valtor das letzte Mal gesichtet worden sein sollte. Auch dort hatte er sich inzwischen die magischen Schriften angeeignet.
Pharagonda und die Professoren hatten daraufhin zur Großmission aufgerufen Lichtfels von oben bis unten zu durchkämen um möglicherweise einen Anhaltspunkt über Valtor zu erhalten.
„Immerhin unternehmen wir endlich etwas und sitzen nicht nur als Zielscheibe in der Schule“ Amaryl verschränkte die Arme und blickte in die Runde.
Es war wirklich jede Fee aus jeder Klassenstufe zu finden.
Auch die Wings, die ihre kleinen Elfen anwiesen nichts anzustellen. Auch Alice war bei ihnen, um Glimm sicher in die Hände der anderen zu geben.
Das kleine Elfen-Kind war ohne seine Herzbandfee so hilflos wie nie, weshalb bislang die anderen Feen sich ihr angenommen hatten. Insbesondere Alice umsorgte die kleine als sei sie ihre eigene Herzbandelfe. Jedoch glaubte Amaryl auch ein kleines Gespräch zwischen ihr und Vara aufgeschnappt zu haben, indem sie sie explizit darum gebeten hatte ein Auge auf Glimm zu haben.
Sie seufzte, Vara… durch Pharagonda hatte sie erfahren, dass es ihr und Teiz gut ging und sie in ihrer Mission weiter kamen, jedoch wusste sie auch nichts genaueres.
Es machte sie verrückt nicht zu wissen wo die beiden steckten oder wie lange sie nichts hören würde.
Inzwischen war ihr Verlassen eine Woche her und sie hatte das Gefühl, dass seitdem nun wirklich aktiv etwas getan wurde.
Sie blickte zu ihren Professoren und sah wie sie bereits das Portal öffneten.
Das Portal nach Lichtfels. Die ersten Gruppen schritten auch schon hindurch.
Alice kam währenddessen zu ihnen zurück „Also, wollen wir?“.
Katy und die Sternenstaub-Fee nickten ihr zu.
Nun war es auch an ihnen ihren Anteil zu leisten um Valtor aufzuhalten.
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