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Fee der magischen Energie

von Seilix
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
OC (Own Character) Palladium
18.08.2017
23.02.2021
94
415.867
42
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09.11.2018 4.080
 
„SCHUTZSCHILD“.
„Macht schon Mädchen, jetzt seit ihr dran!“ gab Pharagonda ihren Schülerinnen die Anweisung.
„Schnell Mädels wir müssen den Bann von Bloom auflösen!“ rief Stella, nachdem sie sicher war, dass die Direktoren die magische Wand aufrechterhalten konnten die Valtor von ihnen abschirmte.
Dieser stemmte sich mit Leibeskräften und allem was ihm zur Verfügung stand gegen den Zauber seiner alten Rivalen.
Nie und nimmer hatte er erwartet die alte Verbindung des Lichts mit den Winx in seinem Schloss anzutreffen und war das noch nicht genug.
Zudem waren da noch diese kleine lächerliche Fee und der Professor der Spezialisten die sich eingeschlichen hatten. Bei diesem Gedanken dachte er daran, dass Varanda sich bereits längst um diese beiden gekümmert haben dürfte.
Wo um alles in der Welt steckte diese Enchantix also, wenn er sie im richtigen Moment brauchte.
Er war gerade dabei die letzte verbliebene Thronerbin, die Tochter von Oritel und Marion für immer zu vernichten, doch nicht wenn die Verbindung des Lichts ihn abermals an seinem Vorhaben hindern würde.
Er versuchte eine Verbindung durch das Mal zu seiner Verbündeten aufzubauen, rief nach ihr, doch es kam keine Antwort. Genauso wenig von den Trix. Durfte das wahr sein?!
Wieso antwortete sie ihm nicht?!
Keine Reaktion, sie kam nicht! Weshalb?!
Also versuchte er es weiter mit eigener Kraft. Ein Zauber nach dem anderen. Irgendwann musste schließlich auch dieser Schild nachgeben und langsam spürte er auch wie der Zauber schwächer wurde.
Der Feenstaub flog bereits. Nein!

Die Winx umkreisten die gewaltige Eiskugel in der sich Bloom eingeschlossen befand.
„Denkt daran, wenn wir den Zauber aufheben wird sich das Eis wieder in seinen vorherigen Zustand verwandeln und das war Feuer“ warnte Flora vor.
„Also müssen wir in Deckung gehen und schnell sein“ fasste Layla zusammen.
Den Direktoren fiel es mittlerweile sichtlich schwer ihren Schutzschild aufrecht zu erhalten und so gut wie zeitgleich zerstörten sie die Zauber ihrer jeweiligen Feinde.
Stella brachte Bloom augenblicklich in Sicherheit „In Deckung!“.
Der Schild splitterte und Valtor war bereits dabei hindurch zu brechen, als er Blooms vorigem Angriff direkt entgegen sah, der sich nach dem Feenstaub erneut in seiner ganzen Macht gegen ihn erhob.
„Los kommt verschwinden wir von hier!“ rief Musa, als Bloom noch leicht benebelt die Augen öffnete „Nein, wir müssen ihn ein für alle Mal besiegen. Für Tecna und für meine Eltern“.
Doch Pharagonda schüttelte den Kopf „Nicht heute Bloom! Stella, kannst du uns transferieren?“.
Diese zögerte keine Sekunde und transformierte ihr Zepter „Transportation nachhause“.
Valtor rappelte sich indessen allmählich wieder auf die Beine „Ihr… dafür werdet ihr teuer bezahlen!“
Doch in diesem Moment, als er einen erneuten Zauber auf die Feen, wie Direktoren los ließ, verschwanden diese.
Draußen braute sich indessen ein Sturm zusammen der ungeahnte Ausmaße annahm.

*

Vara wusste, dass er nach ihr rief, doch ihre Wut blendete das aus.
„Ihn habt ihr mir also auch genommen!“ brüllte sie ihren Freunden entgegen.
Sie konnte sich nicht daran erinnern jemals eine solche Verbitterung verspürt zu haben. Einen Hass der sie für alles andere erblinden ließ. Der ihr die Tränen in die Augen trieb.
Doch wogegen überhaupt? Gegen ihre Freunde? Alles hätten sie ihr nehmen dürfen, doch nicht Daro… nicht ihr liebstes.
„Wir?“ Teiz stand der Schock in der Stimme „Das warst allein du! Du und… all das hier“.
Amaryls Verzweiflung klang indessen weitaus schlimmer hervor „Es ist, als wärst du mit einer der Trix verschmolzen! Bitte, wir wissen nicht mehr was wir tun sollen Vara! Was können wir machen um dich aufzuwecken? Feenstaub vielleicht? Aber den haben wir nicht, wenn es das ist bist du selbst die Einzige die diesen Bann brechen kann“.
Die Enchantix blickte sie irritiert an „Immer dieser Bann… Feenstaub… Ich kann damit nichts mehr anfangen Amaryl. All das klingt von Mal zu Mal absurder“.
„Absurd? Du empfindest deine gesamte Veränderung als absurd?!“ damit platzte Teiz der Kragen „Hast du dir noch kein einziges Mal überlegt, dass vielleicht du das Problem bist? Vara, wir stehen mittlerweile auf unterschiedlichen Seiten und es interessiert dich überhaupt nicht! Waren wir nicht mal wie Pech und Schwefel. Du hast dich immer auf mich verlassen, wieso jetzt nicht mehr? Wieso hast du Amaryl und mir den Rücken gekehrt? Wieso der ganzen Welt? Nenn mir den Grund, wenn du das kannst… gehen wir“.
„Einen Grund?“ noch verwirrter als zuvor öffnete die Enchantix den Mund, ihm die nächstbesten Antworten um die Ohren zu hauen nach denen Teiz so fordernd verlangte. Antworten die ihr hätten spielend leicht über die Lippen gehen müssen. Sätze die sich wie Glassplitter auf der Haut hätten anfühlen müssen, doch stattdessen stoppte sie.
Sie hatte keine… keine Gründe die ihr in den Sinn kamen. Nichts womit sie ihm antworten konnte. Weshalb?
Dafür gab es keine Antwort, denn Varanda hasste sie nicht. Ganz im Gegenteil, sie waren ihre besten Freunde. Wichtiger als eine Familie.
Stattdessen wurde ihr etwas anderes bewusst. Etwas was ihren Kopf mit Gedanken füllte. Mit zu vielen unterschiedlichen Gedanken.
Ihre Unterlippe begann zu beben und ihr Blick wurde starr.
Das war jener Moment an dem dem Spezialisten endlich bewusst wurde, dass er sie erreichte „Gegen was wärst du dich so? Wieso ist das alles auf einmal so präsent? Gib mir die Antwort. Es sind dieselben Gründe weshalb sich Daro von dir abwendet, weshalb Glim zu furchtbare Angst hatte uns zu begleiten und weshalb Palladium uns hierher geschickt hat…“.
„Hör auf…“ bat die Prinzessin ihn leise „bitte…“.
„Ich will eine Antwort. Was ist das in dir was das alles aus dir macht?“.
„Ich will nicht…“ Vara griff sich an den Kopf und spürte die heißen Tränen die ihr über die Wangen liefen.
„Du musst… stell dich dem… das bist du uns schuldig“.
„Nein…“.
„Doch. Ich will eine Antwort!“ rief Teiz plötzlich lauter, worauf Vara sämtliche Fassung verlor „ICH HASSE MICH SELBST!“ es war ein Sturm den sie damit entfachte „Ich hasse all das was ich tue und was ich bin und doch liebe ich es!“
Die Gewitterwolken die damit aufzogen ließen selbst den Drachen zurück schrecken.
„Ruhig mein Junge, ganz ruhig“ versuchte Teiz das Tier an den Zügeln zu halten.
„Was passiert hier?“ auch Amaryl bekam Probleme sich mit ihren Flügeln gegen die Windböen zu halten.
Teiz ergriff augenblicklich ihren Arm und zog sie zu sich auf Daros Rücken „Varas Kräfte arten vollkommen aus. Wir müssen von hier verschwinden“.
„Wir können sie doch jetzt nicht allein lassen!“ wiedersprach die Sternenstaubfee.
Der Spezialist jedoch zog schweren Herzens die Zügel zum Rückzug „Wir haben keine Wahl Amaryl. Wir haben bereits viel zu viel riskiert“.

Varanda saß dort, im strömenden Regen.
Den Blick gen Himmel gerichtet betrachtete sie ihr eigenes, ausgeartetes Unwetter.
Ein Blitz nach dem anderen zog an ihr vorbei, auf den ein tosender Donner folgte.
Teiz und Amaryl hatte sie mit Daro ziehen lassen. Nun war sie allein.
Abgesehen des Unwetters brach die Stille über sie herein.
Vara fühlte sich zerstört, emotionslos, wie ausgelöscht.
Als habe sie den eigenen Kampf endgültig verloren.
Sie wollte sich einreden, dass Teiz ihr nur Unsinn erzähle, dass er sie nur belüge, doch sie kannte die ungeschminkte Wahrheit. Und dennoch war es unmöglich sie zu akzeptieren.
Sie fasste sich an den Teil ihres Halses an dem sich das Mal befinden musste.
Sein Zeichen, dass sie ja kannte. Ihre Fingernägel gruben sich hinein, ehe sie wieder ihre Kräfte sammelte um sich aufzuquälen „Er lügt… er muss lügen. Es darf nicht die Wahrheit sein“.

*

„Wo hast du gesteckt?!“ zischte Valtor leicht angefressen, als sie das Büro des Wolkenturms betrat.
Selbst die Trix hatten sich mittlerweile wieder eingefunden die ihm die Anspannung wohl ebenfalls nicht nehmen konnten „Ich habe nach dir gerufen!“.
„Ich weiß“ antwortete Varanda ruhig wie immer „Allerdings war doch etwas mehr Zeit von Nöten um unsere Eindringlinge loszuwerden“.
Er schnaubte verächtlich „Du warst lediglich zu weich, das ist alles und in der Zeit die du benötigt hast ist es der alten Verbindung des Lichts gelungen Griffin zu befreien und Bloom zu retten“ setzte er sie schnell über die Ereignisse in Kenntnis.
Auch hier verkniff sich Vara eine Reaktion „Es tut mir leid“.
Der Magier seufzte und würdigte die Fee keines weiteren Blickes mehr „Was solls. Von einer Fee sollte man auch nichts anderes erwarten“. Von ihrer plötzlichen Unsicherheit schien er nichts zu bemerken, dafür schien er zu sehr mit sich selbst beschäftigt.
„Nun geh schon, ich habe im Augenblick andere Probleme“ knurrte er und beugte sich über ein Buch, das auf seinem Schreibtisch lag „Wieso bin ich nicht in der Lage mich zu verwandeln?“.
„Ach und wenn schon, was solls?“ entgegnete Stormy die schläfrig halb auf ihrem Stuhl lag.
Valtor begann indessen im Raum auf und ab zu wandeln „Wenn ich mich nicht transformieren kann wird es mir nie gelingen die erste Dimension unter meine Kontrolle zu bringen und ich brauche ihre Formeln!“.
Das ganze klang beinahe schon ein wenig verzweifelt.
Weiter folgte Vara dem Gespräch nicht, sondern entfernte sich.
Daraufhin schienen mehrere Tage nur so an ihr vorbei zu ziehen. Wie viele es genau waren, konnte sie nicht sagen. An den Tagen war es als würde ihr Gehirn aussetzen.
Sie folgte lediglich Valtors befehlen der mit ihr weitere Planeten unter seine Kontrolle brachte.
Ohm, Chill, Platon…
Zwar alles ihr unbekannte, kleinere Planeten, doch etwas begann sie zu stören.
Es drängte sich ihr immer weiter der Gedanke in den Vordergrund, dass das alles nicht richtig war.
Die Zweifel nahmen ihr mehr und mehr überhand und die Blockade in ihrem Kopf schien mit jeder Nacht weiter zu bröckeln. Schlafen war kaum noch möglich, daher wandelte sie durch die Gänge.
Doch der Versuch dabei den Kopf frei zu kriegen scheiterte kläglich. Ganz im Gegenteil, es machte alles nur schlimmer, je mehr Zeit verging.
Was hatte Teiz ihr nur eingeredet?
Valtor bekam von alldem nichts mit. Zu sehr schien er damit beschäftigt Bloom irgendwie in die Finger zu bekommen und einen Weg für seine „Transformation“ zu finden, was immer das auch sein sollte.
Auch heute trat sie wieder allein durch die dunklen Gänge.
Lediglich das Mondlicht schien durch die offenen Fenster herein.
„Er lügt… er lügt…“ versuchte sie sich wieder und wieder einzureden. Ihr Bruder musste sie einfach belügen, doch nach und nach kamen ihr die Tränen, denn er log nicht.
Sie war kaputt, müde, der Kopf und das Wesen zerrissen.
Vara bemerkte kaum wo sie entlang wandelte, sie spürte nur wie sie müde wurde, doch aufhören zu laufen wollte die Enchantix nicht.
Es half ihr… zumindest ein bisschen, so wollte sie nur kurz halten und sich gegen die nächste Wand lehnen.
Sie bemerkte nicht, dass an dieser ein Spiegel hing und wie aus dem nichts stolperte sie plötzlich und unverhofft durch die Scheibe.
Erschrocken konnte sich Varanda gerade noch an der nächsten Wand fangen um nicht zu fallen.
„Was ist das denn…“ sie sah auf und erblickte den riesigen Raum.
Alt und verstaubt. Duzende Regale mit Büchern darin, Podeste und Vitrinen.
Beinahe wie ihr Paradies. Sie hatte überhaupt nicht gewusst, dass der Wolkenturm eine solche Bibliothek besaß. Manche Bücher waren älter, andere jünger.
Was war das hier? Ein Archiv? Sah beinahe so aus.
Sie trat zwischen die Regale und sah in eine der Vitrinen hinein in der sorgsam ein paar Bücher aufgereiht waren.
Überrascht stellte sie fest, dass Namen darauf standen.
Auf jedem Buch ein anderer. Jedoch alle weiblich.
Sie ging weiter und zog sich ein paar Bände aus einem Regal.
Etwas arg verstaubt, doch auch auf diesen erkannte sie auf jedem jeweils einen weiblichen Namen.
Eines davon schlug sie auf und blätterte einen Moment darin.
Was sie aufschnappte ließ sie die Augen weiten „Sind das… Memoiren?“
Sie hielt die Lebensgeschichte einer Fee in den Händen. Die letzte Seite verriet ihr jedoch, dass dieses Buch noch nicht vollendet war. Die Fee musste etwa 30 sein.
In einem anderen stand die Geschichte einer Hexe und im nächsten das einer heute 50 jährigen, ausgedienten Schutzfee.
Das hier war ein Archiv von dem sie bereits gehört hatte.
Der Wolkenturm besaß einen solchen Raum mit Aufzeichnungen über jede Fee und jede Hexe die jemals existiert hatten.
Sorgsam stellte sie die Bücher zurück und trat weiter.
Sie ging ein paar weitere Vitrinen mit den Augen ab, als sie ein besonderes Buch entdeckte „Ist das die Geschichte von Pharagonda?“.
Sie betrachtete es lediglich von außen, zu groß war doch der Respekt vor ihrer ehemaligen Direktorin, stattdessen kam ihr jedoch ein anderer Gedanke.
Varanda plagten Fragen, mehrere sogar.
Sollte sie es wagen und ihr eigenes Buch suchen?
Möglicherweise würden ihr damit einige Fragen beantwortet… sie hatte den Entschluss noch nicht einmal richtig gefasst, da setzten sich ihre Beine bereits in Bewegung.
Die Prinzessin stellte fest, dass zunächst wohl einiges nach den Planeten sortiert war von denen die Feen und Hexen stammten, also suchte sie nach „C“ und wurde auch recht schnell fündig.
Ein riesiges Regal, dass bis ins unendliche hinauf reichte. Wie sollte sie da ihr eigenes Buch finden?
Sie ging die unteren Reihen ab, jedoch war ihr keiner der Namen bekannt.
Dann sprang ihr jedoch etwas ins Auge. Eines der Bücher war aus dem Regal gefallen. Rein aus einem kleinen Ordnungsdrang hob sie es auf, es einfach wieder irgendwo hinein zu stellen, als sie den Namen las.
Ihre Augen weiteten sich. Das Buch war bereits vollendet, die Person daher nicht mehr am Leben. Ein Kloß bildete sich in Varandas Hals.
Sie fasste das Buch fest mit beiden Händen „Luzia von Callisto – Königin der 23. Generation“. Das Buch ihrer Mutter.
Wie benebelt schlug sie die erste Seite auf. Erneut im Schnelldurchlauf las sie die Kindheitshistorie einer einfachen Bürgerlichen bis hin zu ihrer ersten Liebe. Ein einfacher Soldat Callistos von dem sie ihr erstes, uneheliches Kind gebar. Teiz Vater, der jedoch in einem der Kriege fiel. Jene Zeit war wohl mit einem Säugling ein Kampf ums Überleben gewesen. Sie las davon wie König Calum sie vor einem Angriff gerettet hatte und beide im Schloss aufnahm. Sie verliebten sich ineinander und eine Heirat entgegen des Willens des Fürsten und des Rates folgte. Es hatte wenige gegeben die die Ehe mit einer einfachen Bürgerlichen (die zudem ein uneheliches Kind besaß) als gut empfunden hatten. Zumindest von denen die darüber Bescheid wussten. Danach kam Varas eigene Geburt. Nach einigen weiteren Seiten stoppte sie das Blättern. Hatte sie eben… den Namen „Valtor“ gelesen? Aufmerksam las sie weiter. Der Zeitspanne nach zu urteilen musste sie ein Kapitel vor ca. 17 Jahren erwischt haben. Die Worte waren lediglich karg beschrieben, stattdessen sah sie ein Bild auf der Seite das sich plötzlich veränderte.
Es war ein Krieg. Jedoch ausnahmsweise keiner gegen Sarcas.
War sie etwa zu jung um sich daran zu erinnern?
Doch alles, was sie daraufhin sah beantwortete ihr sämtliche Fragen die sie zuvor gehabt hatte, jedoch anders als sie glaubte.

*

Die Flotte war auf dem Weg.
Teiz checkte die Instrumente seines Shuttels. Die Uhrzeit betrug 23:14 Uhr.
„Wie siehts aus?“ erkundigte er sich bei seinen Piloten.
„Wir liegen genau im Plan“ antwortete Riven „Wenns weiter so läuft sich wir vor Mitternacht wieder zuhause“.
Je weiter sie sich näherten umso dichter wurde die Wolkendecke durch die sie sich bahnten.
„Sehr gut“ er beugte sich vor und sprach in die Anlage „Falke 2, Falke 3? Irgendwelche Vorkommnisse?“.
Er brauchte keine Sekunde auf die Antwort zu warten als Skys Stimme zu hören war „Nein, alles ruhig“.
Brandon war der nächste „Bei Helia und mir auch“.
„Gut, wir haben das Ziel gleich erreicht. Die Spezialisten sollen sich bereit machen. Mal sehen was für schöne Überraschungen uns erwarten“, gab er die Anweisung an seine Schüler.
Die Arme stützte Teoz auf das Armaturenbrett und ließ den Blick angestrengt nach draußen schweifen „Irgendwie gefällt mir das nicht… Wir kommen viel zu gut durch“.
„Nunja, nach deinen Erzählungen ist der Wolkenturm doch wie leergefegt, vielleicht gilt das auch für ihr Abwehrsystem“ versuchte Riven ihm eine logische Erklärung zu liefern.
„Nein, da ist was anderes…“ sein Gefühl ließ ihn nichts Gutes erahnen.
Im selben Moment durchquerten sie das Wolkenlabyrinth und hatten Sicht auf das erhobene Schloss des Wolkenturms.
„Achte auf alles was ungewöhnlich aussieht“ Teiz drehte sich gerade um zu gehen und die Truppen einzuweisen, als ihn etwas von der Seite blendete.
„Meinst du sowas?!“ rief Riven augenblicklich aus.
Vom Dach des Wolkenturms strahlte etwas. Ein helles Licht wie es Stella hätte erzeugen können.
Jedoch spiegelten sich die Farben eines Regenbogens darin wieder.
Wie ein Prisma, das ein Wetterleuchten verursachte.
Rivens Co-Pilot Jared war fasziniert „WoW, ist das ein Stern?“.
„Nein…“ entgegnete Teiz vorsichtig „Wenn ich es nicht besser wüsste… Moment! Haltet Kurs darauf zu!“.
„Und mögliche Fallen?“ fragte Riven.
„Hier gibt es keine Fallen mehr, wenn es das ist was ich denke“.

*

Sie sah die Bilder des Buches.
Vara stand der Schreck ins Gesicht geschrieben, als sich die Blockaden ihres Kopfes nach und nach lösten. Zum ersten Mal sah sie wie sich der Kampf gegen die Hexen vor 17 Jahren wirklich zugetragen hatte. Nur hatte es einen anderen Kampf gegeben der in allem noch bedeutsamer für sie war. Und für ihre Eltern.
All das nur durch die Erinnerungen ihrer Mutter, der Aufzeichnung ihres Lebens.
Es war eine Konferenz auf Callisto gewesen, als die Verbindung des Lichts von den Schattenkreaturen überrascht wurde.
Darauf hatte ein Kampf stattgefunden von dem ihr niemals etwas berichtet worden war.
Ein Kampf von Bedeutung mit dessen Wissen möglicherweise viel in der heutigen Zeit hätte verhindert werden können.
Es war dieses Bild des Buches, was plötzlich all die Erinnerungen in ihr hervorrief die vor langer Zeit verschlossen worden waren.
König Calum, in der magischen Rüstung des Paladins mit den goldenen Flügeln die wie ein Prisma leuchteten. Auf der anderen Seite der Sohn der Hexen in seiner Verwandlung als Gott der Unterwelt. Ein Monster mit brauner Haut, den Flügeln eines Drachen und Hörnern. Deshalb hatte Valtor ihren Vater gekannt. Er hatte ihn als „besten Freund, wie größten Kontrahenten“ bezeichnet, jedoch ausgelassen was die Hintergründe waren. Schon damals hatte er versucht die Prinzessin unter seine Kontrolle zu bringen.
Damals hatten Varas Eltern sie retten können, doch nicht heute.
So unvorsichtig wie damals hatte sie blind Lügen vertraut und sich von Geschichten blenden lassen.
Sie hatte sich von ihren eigenen Zweifeln gefangen nehmen lassen. Freiheit! Das war doch bloß ein Wort. Ein Wort dem viel zu viel Beachtung geschenkt wurde. Jeder definierte doch sich über seine Einstellung selbst. Ein jeder machte sich selbst zu dem was er war.

Ihr kamen die Tränen, als sie die Fürsorge ihrer Mutter sah, die um ihre Kinder die größten Todesängste erlitt. Die mit ihnen floh, obwohl sie alles getan hätte ihrem Mann im Kampf beizustehen. Zum allerersten Mal konnte sie in ihre Seele blicken und die tief verstreckten Gefühle sehen.
Königin Luzia war zu jederzeit bemüht eine gute Herrscherin zu sein und das war sie gewesen. Doch zahlte sie für diese Anerkennung einen hohen Preis, denn hatte sie mit der Zeit ihre Familie aus den Augen verloren.
Varanda erinnerte sich gut an die ständigen Konflikte mit dem Fürsten, sowie dem hohen Rat. Dem Druck ihrer Mutter, dass eine einfache Bürgerliche ja talentierte und starke Erben hervorbringen und ein Königreich beschützen können muss.
Es war der Respekt des Volkes den sie sich erkämpfen musste und dabei vergas sie eines. Die Rolle einer fürsorglichen, liebenden Mutter.
Sie hatte Erfolg mit ihren Zielen, doch zu einem hohen Preis.
All dem war sie mit der Zeit nicht mehr gewachsen gewesen.
Vara hatte sich bereits sehr früh von ihr entfernt, begleitete als Kronprinzessin bereits in jungen Jahren ihren Vater zu allen möglichen Konferenzen und Festen. Stets an seiner Seite.
Teiz hatte länger an die Bindung zu seiner Mutter festgehalten, doch selbst zu ihm hatte sich Luzia nach und nach distanziert. Zu ihrem ersten und einzigen Sohn, dem sich der König angenommen hatte und ihn zum Schutzherren persönlich ausbildete.
Zum Ende ihres Lebens war sie zunehmend allein gewesen.
Vara wusste zu jeder Zeit wie viel die Königin zu tragen hatte und doch war es ihr durch diese aufgebaute Distanz und das fehlende, was eine Mutter ausmachte nicht möglich gewesen mehr an ihr zu lieben, als nur die Musikerin die sie das Klavierspiel lehrte. Denn in diesen ungebrochenen, einzigartigen Momenten, in denen der Rest der Welt wie ausgeblendet schien, zeigte Luzia des Öfteren einen Funken dieser Liebe.
Plötzlich wurde Varanda etwas bewusst. War sie selbst nicht genauso?
Arbeitete sie nicht mit genauso fiel Abwendung und Abstand, sowie Vorsicht.
Haar, Merkmale, Gesichtszüge, alles war ein Abbild ihres Vaters, lediglich die dunkelblauen Augen, wie ein Fenster zur Seele, das Mutter und Tochter verband.
Sie ähnelte ihrer Mutter mehr als sie jemals angenommen hatte.
Auch Luzia war eine zerrissene Seele gewesen und war niemals darüber hinweg gekommen, bis sie durch all das was auf ihr lastete erkrankte.
Sie wusste wie viel die Königin zu tragen hatte, doch war Varanda niemals bewusst gewesen wie ähnlich sie ihr damit war. Die Gründe lagen zwar in unterschiedlicher Natur, doch die Auswirkungen waren dieselben.

„Lasse nicht zu, dass alles in die Brüche fällt. Denke an all die Menschen dort draußen, die an dich glauben. Werde eine würdigere Königin, als ich es war“ die letzten Worte vor ihrem Tod.

Ihre Mutter war mit zerstörtem Herzen und Schuld aus dem Leben geschieden… so wollte und würde Vara nicht gehen!
Sie war stärker als sie, das hatte selbst die Königin gewusst.
Ob Luzia mit den Sternen gesprochen hatte um das zu wissen…
Sie durfte hier nicht aufgeben.
Plötzlich spürte sie seine Präsenz „Wie bist du hier her gekommen? Hier solltest du nicht sein“. Die Stimme stark und befehlend um sie zum Gehen zu bewegen.
Wie aus dem Nichts war Valtor in dem düsteren Raum erschienen.
Varanda klappte das Buch zu und drückte es fest an sich. Sie atmete ruhig und kontrolliert.
„Endlich sehe ich klar“ flüsterte sie fast lautlos.
„Was?“ kam es misstrauisch von Valtor, der sich ihr bestimmt näherte.
Sie drehte sich ihm entgegen „Ich werde jetzt gehen“.
„Was willst du?!“ knurrte es unerwartet tief aus seiner Kehle, doch Vara ließ sich nicht mehr vereinnahmen „Du sagtest ich könne gehen wann immer ich will. Keine Tür sei versperrt. Also beweise es! Ich werde jetzt nach Alfea zurückgehen“.
Mit ihrer neu gewonnenen Entschlossenheit spürte sie wie augenblicklich sämtliche magischen Kräfte in ihr aufstiegen. Sie spürte Feen-Staub auf ihrer Haut.
Zeitgleich bemerkte sie jedoch auch die aufsteigende, dunkle Magie die von Valtor ausging „Wie kann es sein, dass du dich einfach so befreien kannst?!“.
„Weil ich eine Enchantix bin! Dunkle Magie kann mir nichts anhaben!“ rief sie aus „Du wusstest, dass eine gespaltene Fee leicht zu kontrollieren ist, sobald man sich ihr Vertrauen erarbeitet. Teiz hatte recht und ich wusste das die ganze Zeit“.
„Du wirst nirgendwo hingehen“ widersprach Valtor und hielt bereits mit seiner schwarzen Magie auf sie ein.
Vara machte sich bereit dagegen zu halten, doch soweit musste es überhaupt nicht kommen. Der Feen-Staub der sich mittlerweile auf ihrem ganzen Körper niedergelegt hatte reichte bereits aus, doch es war nicht nur das. Irgendetwas erwachte in ihr. Eine vertraute Macht die sie glaubte schon seit Ewigkeiten zu kennen.
Valtor verstärkte seinen Zauber, doch er prallte weiterhin an dem Schild ab „Deine Eltern können dich nicht mehr retten! Du bist allein!“.
Varanda blieb ruhig, sie hatte ihre entschlossene Stimme wieder gefunden „Ich werde niemals allein sein“.
Mit diesem Gedanken spürte sie ihre Flügel die sich ausbreiteten und schoss ohne nachzudenken aus dem Fenster.
Wenn es einen Kampf geben musste, dann nicht inmitten dieser alten, zerbrechlichen Relikte.
Sie schoss auf das Dach hinauf, Valtor ihr direkt hinterher.
Die Dunkelheit verflüchtigte sich dort langsam um sie. Der Magier folgte ihr und landete der Enchantix auf der anderen Seite des Daches gegenüber.
Doch es folgte kein weiterer Angriff. Lediglich wuterfüllte Augen blitzten Vara entgegen und ein Knurren „Ausgerechnet jetzt? Diese Kräfte hätten mir gehören sollen!“.
Zunächst verstand sie nicht, bis ihr plötzlich ein Gedanke kam. Wann hatte sie sich verwandelt? Vara sah an sich hinunter. Noch immer leuchtete es um sie wie ein Prisma, doch es war nicht ihre Verwandlung. Sie riss die Augen auf! Das konnte nicht sein!

Indessen näherte sich von weitem das laute Geräusch einer Shuttle-Staffel wie sie nur der Roten-Fontäne angehören konnte. Mit einem weiteren Fluchen verflüchtigte sich Valtor. Er hatte noch weitere Pläne, egal ob er diese nun mit oder ohne Varanda ausführen müsste.

Die Enchantix war sich schließlich sicher. Sie trug weder ihr Feen-Kleid, noch die Handschuhe und auch ihr Haar hatte sich nicht verändert. Es waren nicht ihre Feen-Flügel die sie trugen. Diese Flügel waren größer und schimmerten golden. Ihr stiegen die Tränen auf. Es war jene Kraft die sie bisher nur bei einer Person gesehen hatte. Ihrem Vater, König Calum.

Die goldenen Engelsflügel.
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