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Fee der magischen Energie

von Seilix
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
OC (Own Character) Palladium
18.08.2017
23.02.2021
94
415.867
42
Alle Kapitel
207 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
28.10.2017 4.449
 
So, mit einem Tag Verzögerung das neue Kapitel, dafür entschuldige ich mich, doch mein gestriger Abend wurde doch länger als geplant. Jedenfalls möchte ich für dieses Kapitel noch ein kleines Vorwort loswerden. Ich verbinde es persönlich als mein kleines Meisterwerk und bin damit sehr zufrieden ^^ Ich habe es als meine bisherige Lieblingsszene verbucht, da es mit sehr vielen Emotionen verbunden ist, die nicht alle froher Natur entspringen und die Spannung langsam an Fahrt aufnehmen wird. Es verbindet mehrere, verschiedene Blickwinkel und Gefühle von denen ich hoffe, dass es mir gelungen ist diese auch als so emotional und einfühlsam umzusetzen. Mit diesen Worten wünsche ich euch viel Spaß beim lesen, lachen und vielleicht auch mitfühlen ^^

Amaryl starrte auf den Brief mit dem roten Siegel darauf.
Es zeigte einen Blitz mit einigen abzweigenden Ästen. Das Zeichen Callistos.
Darüber eine Krone, die wohl für das Königshaus stand und im Hintergrund sah sie einen Rosenstock in dem Wachs.
Ob dieser für das Zeichen einer bestimmten Person stand… wenn ja und Varanda das wusste, dann konnte sie auch ganz genau sagen von wem dieser Brief kam.
Sie nahm den Umschlag ein weiteres Mal in die Hand „Und du willst ihn wirklich nicht öffnen? Was wenn etwas wichtiges darin steht?“.
Vara trat in ihrem Gemeinschaftsraum umher und sammelte ein paar ihrer Bücher auf „Du kannst ihn ja lesen, wenn es dich so wurmt. Aber ich werde es nicht tun“.
Die Fee des Sternenstaubs stand auf „Vara, der ist von deiner Familie. Wahrscheinlich machen sie sich einfach sorgen“.
„Oh nein!“ die Prinzessin war aufgeschreckt „Meine Familie macht sich keine Sorgen um mich, höchstens um ihren Ruf. Ganz besonders Dragomir. Ich kann mir vorstellen was drin steht Amaryl und bevor ich genau das lese, rühre ich ihn gar nicht erst an“.
Nie zuvor hatte sie ihre Freundin so hektisch und in Rage erlebt.
„Dragomir… war das nicht dein Großvater?“.
„So kannst du ihn natürlich auch nennen“ Vara stand bereits in der offenen Tür „Wie gesagt, mach damit was du willst. Lies ihn, zerreiß ihn, verbrenn ihn… ist mir egal, wir sehen uns nachher“.
Damit schlug sie die Tür zu.
Amaryl schluckte „Es sieht aber nicht danach aus, als ob es ihr egal wäre …“.
„Allerdings“ Katy trat neben sie „So nervös hab ich sie noch nicht mal vor einer Prüfung erlebt…“.
„Und was machen wir jetzt?“ meldete sich Mirta „Wollen wir ihn lesen? Was wenn es wirklich etwas wichtiges ist?“.
Katy trat allarmiert einen Schritt zurück „Also ich habe da noch ganz böse Erinnerungen an einen Brief, der uns nicht gehört hat. Damals hatten wir eine Woche lang diese komischen Flecken im Gesicht“.
Amaryl haderte mit sich selbst.
Es erschien ihr nicht richtig die Post einfach zu lesen, aber hatte sie eine Wahl?
Dieser Brief zeigte ganz deutlich, dass das Königshaus genau wusste, wo sich die Thronerbin aufhielt.
War es vielleicht das, was Vara so nervös machte?
Befürchtete sie, dass bald jemand hier auftauchen würde?
Natürlich nicht auszuschließen, aber was konnten die schon tun?
Varanda war volljährig und damit allein für sich verantwortlich.
Niemand konnte sie zu irgendetwas zwingen.
Dann kam Amaryl die glänzende Idee „Ich werde Teiz fragen!“.

*

Ich sah durch die geöffnete Tür und entdeckte die kleinen Wesen sofort, die ganz brav der Reihe nach auf dem Labortisch saßen.
Palladium blickte mit seinem Klemmbrett von einer zur nächsten und untersuchte sie ausgiebig.
Ich klopfte vorsichtig gegen den Holzrahmen der Tür um auf mich aufmerksam zu machen „Guten Morgen“.
Sofort riefen sämtliche Elfen gleichzeitig meinen Namen.
„Baduuu!“ nur Glim konnte es wieder nicht erwarten mir in die Arme zu fliegen.
Enthusiastisch erhob sich mein Glühwürmchen und flog mir mitten ins Gesicht.
Lachend versuchte ich mich vor dieser Attacke zu schützen, ehe sie sich an meinem Finger festhielt und sich zurück tragen ließ.
„Guten Morgen“ begrüßte mich schließlich auch mein Professor „Du bist heute aber recht früh auf den Beinen“.
„Ich wollte nur mal nach den Elfen sehen, wie geht’s euch?“ ich beugte mich auf Augenhöhe.
„Schon viel besser“ bestätigte Amore, die Glim von meinem Finger zog.
„Ja, die Krankheit ist vollkommen abgeklungen“ kam es von Digit.
„Achja?“.
Palladium nickte „Ja, es sieht sehr gut aus. Das hier wird nur noch die Endkontrolle, dann können sie auch schon wieder zu ihren Feen“.
Die Elfen jubelten im Chor und Glim flog mir erneut glucksend um den Kopf.
„Hey, er hat gesagt, wenn die Untersuchung vorbei ist“ holte ich das Glühwürmchen von seinem Höhenflug und setzte sie wieder hin.
Palladium musste kurz auflachen „Unfassbar, wie man zu dieser Stunde schon so aktiv sein kann“.
Ich seufzte „Das ist sie die ganze Nacht… und den Morgen, bis über den Mittag“.
„Hm“ er betrachtete Glim noch einmal „Vielleicht sollten wir es mal mit einem Einschlaftee versuchen, der vermittelt etwas Ruhe. Schließlich brauchst du auch deinen Schlaf“.
Ich verschränkte die Arme „Mir macht das kaum noch was aus. Früher aus dem Bett komme ich trotzdem nicht“.
„Nein, ansonsten würdest du dir Morgens sicher ordentlich die Haare machen“ kam es plötzlich von Tune „Eine Prinzessin kann sich ruhig etwas besser zurecht machen“.
„Hey“ beschwerte ich mich bei der Elfe des guten Benehmens und sah sie mit hochgezogener Augenbraue an.
Neben mir lachte es erneut „Also ich finde, dass es ihr so ausgezeichnet steht“.
Palladium trat an mir vorbei zur nächsten Elfe.
Beinahe mit roten Wangen sah ich ihm überrascht nach, wie er Locket in Augenschein nahm.
„Uhhh“ platzte es aus Chatta heraus „Vara, du wirst ja ganz rot“.
„Psst!“ erschrocken über ihren Ausbruch versuchte ich ihr den Mund zu zuhalten, doch die kichernde Elfe wich mir aus „Sag mal, du hast keinen Freund oder?“.
„Chatta“ knurrte ich und versuchte weiter sie endlich ruhig zu kriegen, doch die Plapperelfe war etwas schneller als Glim.
Die kicherte weiter „Na los, sag schon. Gibt es da einen Spezialisten in deinem Leben, oder vielleicht auch… einen netten Professor?“.
Sämtliche Elfen begannen zu kichern.
Mit Blick zum Boden getraute ich mich nicht mehr mich umzudrehen. Wie peinlich!
Am liebsten wäre ich im Boden versunken.
„So, so“ auf einmal trat Palladium an mir vorbei und sah Chatta mit einem eindringlichen grinsen an „Wie es aussieht braucht hier doch noch jemand Bettruhe“.
„Nein!“ kreischte diese sofort und fiel auf die Knie „Bitte, mir geht es gut! Ich bin gesund, ich ertrage keine Bettruhe mehr“.
Nun kam mir das kichern, unfassbar was Palladium für Tricks auf Lager hatte.
Er wandte kurz den Kopf und zwinkerte mir zu „Und schon haben wir das Problem gelöst“.
Belustigt und gleichzeitig erleichtert, dass er es doch nur als die Spinnerei einer kleinen Elfe abtat fragte ich „Brauchen Sie noch Hilfe?“.
„Nicht sonderlich, du solltest dich lieber auf unseren Unterricht vorbereiten“ verneinte er.
Auf den Unterricht vorbereiten? Wieso das denn?
Es stimmt, wir hatten ihn in den nächsten Stunden, aber wieso sollte speziell ich mich darauf vorbereiten?
„… obwohl… ich muss bei Glim noch einmal die Flügel mit der Pinzette untersuchen, sie mag das nicht sonderlich…“ kam es doch noch von Palladium.
Jedoch hatte er es kaum ausgesprochen und die kleine Elfe realisiert, begann sie zu kreischen und versuchte abzuheben.
„Hier geblieben!“ ich streckte mich über den halben Tisch und verlor das Gleichgewicht.
Zwar erwischte ich das Glühwürmchen am Fuß, landete jedoch neben den Elfen auf der Ablage.
Erneutes Gelächter sämtlicher anwesenden.
Ich zog scharf die Luft ein und pustete mir ein paar Strähnen zur Seite, während ich die kleine Elfe betrachtete „Du kannst so viel strampeln wie du willst, aber ich hab dich trotzdem“.

Palladium bemühte sich wirklich mich nicht zu sehr anzulächeln, während er Glim in meiner Obhut untersuchte.
Ich fing an ein altes Lied zu summen, das ich von meiner Mutter kannte.
Es beruhigte die Elfe ein wenig und brachte sie zum gähnen.
Kaum war die Behandlung vorbei, schlief Glim in meinen Armen.
„Du solltest öfter für sie Singen“ schlug der Professor vor.
Vorsichtig legte ich die Kleine auf ein freies Kissen „Ja, vielleicht“.
„Das Lied war wirklich schön“.
Verwundert drehte ich mich zu ihm um und entdeckte sein zartes Lächeln, ehe er den Blick abwendete.
Eine merkwürdige Stille entstand, bis er sich über den Nacken strich „Nun denn, ich werde meine Unterlagen holen. Heute treffen wir uns zum Unterricht auf dem Schulhof. Würdest du den anderen Bescheid geben?“.
Ich nickte nur.
Mit einem letzten, sanften Blick zögerte er einen Moment, verließ dann aber den Raum.
Ich blinzelte… „Was war das denn?“.
Erneut flog mir eine kleine, plappernde Elfe ans Ohr „Ist das dein ernst? Er mag dich!“.
„Red doch keinen Quatsch Chatta“ scheuchte ich sie von mir „Er ist mein Professor“.
„Ja, noch“ kicherte Amore „Wäre das nicht schön? Eine verbotene Liebe“.
„Was?! Nein!“ entfuhr es mir empört „Da ist keine Liebe und auch nichts verbotenes“.
„Red es dir nur ein“ kicherte Chatta weiter „Aber es gibt einen Grund warum du rot wirst, wenn er dir ein Kompliment macht“.
Ich verdrehte die Augen „Ich bin einfach nicht sonderlich gut in sowas, das ist alles und ich muss jetzt los, sonst schaff ich es auch nicht mehr zum Unterricht“.

*

Palladium betrachtete das Spektakel mit einem Grinsen im Gesicht.
Damit sollten die Feen merken, dass nicht jede Aussprache mit einer kombinierten Beschwörung einfach war.
Es war selten, dass man einer ruhigen Fee wie Bloom genervt begegnete.
Doch das schien einer dieser Momente zu sein „Ich hasse diesen Quatsch!“.
Triefend nass stand sie unter der Regenwolke, die sie herauf beschworen hatte.
Musa pflichtete ihrer Freundin bei „Bloom hat recht Professor, das ist doch Quatsch“.
Palladium trat mit erhobenem Finger zwischen seine Schülerinnen „Es ist alles nur eine Frage des Zauberspruchs und aus der Wolke fällt nicht das geringste Tröpfchen“.
Stella trat zu ihrer Freundin um sie von dem Schlechtwetter-Zauber zu erlösen.
Ein schnipsen und ein warmer Sommertag breitete sich über Bloom aus „Na bitte… ich muss schon sagen, mit so ner Wett-Look Frisur siehst du richtig gut aus“.
Bloom zitterte noch etwas „Der Zauber war mir zu schwer“.
Palladium räusperte sich „Ich geb zu, Regenzauber sind ziemlich anspruchsvoll, aber das waren die ersten technischen Verzauberungen in der Geschichte der Magie, wisst ihr auch wieso?“.
Flora war die Erste, die sich meldete „Wegen Dürreperioden“.
„Genau!“ der Professor steigerte sich wieder etwas in seinen Unterricht hinein „Hunderte von primitiven Kulturen hatten ihre eigene Regenmagie entwickelt. Einfache Variationen desselben Zaubers, nur anders umgesetzt…“.
Er sah sich zwischen seinen Schülerinnen um, die im Kreis auf dem Rasen saßen.
„So, gibt es eine weitere Freiwillige, die es gerne versuchen würde?“.
Zwei Feen meldeten sich, die Palladiums Interesse jedoch nicht sonderlich weckten.
Pia war in technischen Verzauberungen ein regelrechtes ASS und bei Alice entdeckte er jemanden, mit der er es viel lieber ausprobieren wollte „Varanda, was ist mit dir?“.
Er schenkte ihr ein aufmunterndes Lächeln, wünschte sich jedoch gleich sie nicht angesprochen zu haben.
Die Fee von Callisto saß noch hinter ihren Freundinnen und versuchte regelrecht sich zu verstecken.
Sie fuhr beinahe erschrocken zusammen und wich betrübt seinem Blick aus „Lieber nicht…“.
Sein Lächeln verschwand „Bist du sicher? Ich denke Alice würde dir für den Anfang auch sicher zur Hand gehen“.
Die Fee mit dem blauen Haar nickte ihrer Freundin zu und versuchte sie mit einem Zucken des Kopfes zum Aufstehen zu überreden, doch die Prinzessin blieb klein und sagte nichts mehr…
So verschüchtert hatte Palladium sie noch nie gesehen.
Kein Tag war bislang vergangen an dem sie sich nicht aktiv im Unterricht einbrachte, doch nicht heute.
Natürlich erinnerte er sich an das, was sie ihm erzählt hatte.
Das ihr kein Wetter-Zauber gelingen würde, doch keine Fee konnte da hoffnungslos sein.
Er konnte sich nicht vorstellen, dass Varanda es nicht schaffte angeborene Magie umzusetzen.
Sie müsste es nur üben.
Doch so, wie die Fee mit abgewandtem Blick da saß glaubte er nicht sie heute noch dazu zu überreden.
„Na gut… Alice, zeige uns doch wie du geübt hast“.
Die Eis-Fee legte ihrer Freundin noch eine letzte Hand auf die Schulter, ehe sie aufstand.

Vara fühlte sich voll und ganz fehl am Platz.
Das hatte Palladium also damit gemeint, sie solle sich vorbereiten… wie sehr sie diesen Professor im Augenblick hasste.
Jeder ihrer Mitschülerinnen gelang es eine kleine Regenwolke auf die Beine zu stellen, doch nicht ihr.
Wie viele Male hatte sie es versucht.
Sämtliche Varianten ausprobiert, doch es war hoffnungslos.
Was Palladium auch sagen würde, wie sehr er sich auch bemühen würde.
Sie war nicht fähig zu solchen Zaubern… Ansonsten würde sie doch keine Blitze kopieren und Wolken mit ihrer Energie nachbilden.
Vara schüttelte den Gedanken ab.
Warum hatte er ihr nicht gleich am Morgen mitteilen können, dass es sich heute um Wetter-Magie handelte?
Dann wäre sie gar nicht erst aufgetaucht…
Palladium faselte wieder etwas vor sich hin.
Sie hörte nicht zu.
Sämtliche Theorien waren ihr bekannt, doch sie schaffte es einfach nicht sie umzusetzen.

„Also dann, damit entlasse ich euch für heute“.

Das Schlusswort, endlich!
Nach drei ewigen Stunden.
Erleichtert stand die Fee von Callisto auf.
„Hey, mach dir nichts draus“ versuchte Mirta sofort ihre Freundin aufzubauen „Du hast dafür ganz andere Kräfte“.
„Ich weiß…“ seufzte Vara und bemühte sich um ihrer guten Laune.
Doch es war beinahe unmöglich.
„Wenn du möchtest üben wir es zusammen, wenn wir allein sind“ schlug Alice ihr vor.
Die Prinzessin schüttelte den Kopf „Nein, lass nur… das wäre Zeitverschwendung. Das schaff ich nicht“.

Palladium wollte seinen Ohren nicht trauen.
Diese Worte hätte er geglaubt aus absolut jedem Mund zu hören, doch nicht von dieser Fee!
Beinahe wütend trat er zu der Feen-Gruppe herüber.
Amaryl setzte soeben an etwas zu sagen, doch der Professor unterbrach sie abrupt „Varanda, auf ein Wort!“.
Erschrocken von dem strengen Ton, zuckte sie erneut zusammen.
Das Mädchen schluckte merklich.
Ihr wurde heiß und kalt und eine Welle der Panik breitete sich in ihr aus.
„Verzeih. Ich wollte mich nicht im Tonfall vergreifen“ entschuldigte er sich sofort mit einem Räuspern, als es ihm bewusst wurde.
Er bemerkte die wütend musternden Blicke ihrer Freundinnen.
Vor allem Amaryl warf ihm einen kurzen Blick des Hasses zu, ehe sie sich an die Angesprochene wendete „Sollen wir hier bleiben?“.
Varanda schüttelte den Kopf „Nein, geht nur. Ich komm dann“.
„Okay, bis nachher“ verabschiedete sich Katy mit den anderen Mädchen.
Palladium seufzte erleichtert auf, als sie endlich verschwunden waren.
Fünf Frauen waren eindeutig vier zu viel.

Sein Blick viel auf die sonstige Musterschülerin.
Mit verschränkten Armen und geneigtem Kopf wich sie ihm aus.
Sie wirkte so zerbrechlich und verletzt wie nie zuvor.
Vollkommen zurückgezogen und bedrückt.
Palladium fragte sich was plötzlich mit der anmutigen, starken Fee passiert war, die sich heute Morgen noch so enthusiastisch über den Tisch geschmissen hatte.
Sonst so voller Lebensfreude und Tatendrang erkannte er sie überhaupt nicht wieder.
„Die zwei Gesichter einer Prinzessin…“ rief er sich ins Gedächtnis.
Schließlich brach sie die Stille „Worum geht es…?“.
Die Stimme war kaum ein Flüstern und zum aller ersten Mal hatte der Professor das Gefühl, dass er seine Worte ganz bewusst wählen musste.
Sein Hals fühlte sich plötzlich so trocken an, während er sich eines einfühlsamen Tonfalls bemühte „Komm, wir gehen ein Stück“.
Durch eine auffordernde Geste folgte sie zögernd.
Sie traten durch den Park an Alfeas Mauern entlang.
Doch Varanda entspannte sich nicht.
Sie hielt direkten Sicherheitsabstand und sah ihn nicht ein Mal an.
Palladium wurde nervös… wie konnte er nur herausfinden warum es so in ihr aussah?
Doch während er grübelte wie dieses Thema am besten anzupacken war, blieb Varanda stehen.
„Warum ich? Warum können sie nicht jemand anderem helfen?“ sprach sie es beinahe mit Verzweiflung in der Stimme aus.
Woher kam das plötzlich?
Der Professor blieb stehen und trat bedacht vor sie.
Vorsichtig legte er ihr die Hände auf die Schultern.
Er wusste, jedes falsche Wort würde sie jetzt von sich stoßen.
Aber konnte etwas falsch sein, was der Wahrheit entsprach?
Mit fester Stimme gab er die Antwort „Weil ich an dich und deine Fähigkeiten glaube! Bisher gab es nichts, was für dich nicht machbar gewesen wäre“.
Dabei rutschte ihm ihr Bild vor sein inneres Auge.

Das Bild, wie sie auf dem Drachen zurück nach Alfea geflogen war.
Pfeil und Bogen gespannt, fertig für den Schuss, obwohl sie zuvor alle in den Wald hatten stürzen sehen.
Nicht einmal von einem solchen Blitz hatte sie sich unter kriegen lassen.
Er sah den Pfeil vor sich, als wäre es eben erst passiert.
Wie sämtliches Unwetter mit in ihrem Bann auf die Hexe zu geschossen war.
Mit Vereinigung dieser Blitze wusste Palladium, dass Varanda sehr wohl dazu in der Lage war das Wetter zu kontrollieren.
An diesem Tag hatte er zum ersten Mal ihre Wetter-Magie gesehen und auch wenn es der Prinzessin selbst nicht bewusst war.
Dieses Gewitter hatte sie selbst herbei gerufen.
Der Professor hatte gespürt, dass es nicht aus dunkler Magie bestand.

Palladium legte einen Finger unter ihr Kinn und zwang sie damit ihm in die Augen zu sehen „Du kannst es und ich weiß das! Ich werde nicht aufhören, bis auch du davon überzeugt bist“.
Ihre aufgerissenen Augen zierte ein glasiger Schimmer.
Das dunkle Blau erinnerte ihn an den weiten Ozean.
„Wieso bemühen Sie sich so um mich?“ auch ihre Worte waren vorsichtig.
Palladium schluckte, als ihm bewusst wurde, dass er keine Antwort darauf geben konnte… jedenfalls keine logische.
„Ich weiß es nicht“ gestand er, dabei wurde er von ihren Augen gefesselt „Ich glaube einfach, dass mehr in dir steckt als du bisher weißt. Ich bin mir sogar sicher…“.

Vara hatte ihn zuvor nie entschlossener gesehen, aber warum gerade sie?
Es gab so viele Feen die sich mit technischen Verzauberungen schwer taten, wieso wollte er ausgerechnet sie dazu bringen weiter zu machen?
Das ergab doch keinen Sinn.
Sie versuchte einen klaren Gedanken zu fassen.
Am liebsten wäre sie weggelaufen, doch etwas hinderte die Prinzessin daran.
Überfordert schaffte sie es nicht mit seinem Zuspruch umzugehen.
Niemals hatte es jemanden gegeben, der so felsenfest von ihr überzeugt war.
Sie verdankte Palladium so viel… und nie hatte er etwas von ihr verlangt.
Nicht eine Sekunde hatte er an ihr gezweifelt, niemals.
Doch diese Bitte erschien ihr unmöglich.
Sein Blick ruhte weiterhin auf ihr „Wir werden es zumindest versuchen, okay?“.
Unruhe breitete sich in ihr aus.
Warum konnte er es nicht einfach gut sein lassen?
Sie wollte die Bitte ausschlagen, doch es erschien ihr nicht fair.
Er hatte ihre Flügel gerettet, ihr die Heilkunst beigebracht, ihre Verzauberungen trainiert… war sie ihm da diesen kleinen Gefallen nicht schuldig?
Immerhin würde er schon früh genug merken, dass es keinen Zweck hatte…
Mit all ihrem Mut nickte Vara „Okay… aber ich bitte Sie nicht enttäuscht zu sein“.
Sie sah sein erleichtertes Lächeln „Du könntest mich nie enttäuschen“.
Erneut erblickte sie seine strahlenden Augen.
Damit hatte sie ihm die größte Freude bereitet.

*

„Konzentriere dich und denk an den Zauberspruch“ Palladium überwachte jede ihrer Bewegungen.
Je öfter die Übung fehl schlug umso nervöser wurde sie, das spürte er.
Varanda hatte die Augen geschlossen und gab sich wirklich alle Mühe.
Sie biss sich auf die Unterlippe, während sie versuchte den Zauber zu bündeln.
Ein kleines Leuchten entrang ihren Fingern, doch es verpuffte nach wenigen Sekunden zu staub.
So ging das bereits eine geschlagene Stunde, ohne jegliche Fortschritte.
Die ersten Schweißperlen bildeten sich auf ihrer Stirn, die ihre Anstrengung zum Ausdruck brachten.
Sie fiel erschöpft auf die Knie und keuchte „Ich werde es nie schaffen. Es ist vollkommen unmöglich“.
Keinen Moment später spürte sie die Hände des Elfen an ihren Armen „Gib jetzt nicht auf. Wir machen nur noch ein wenig weiter“.
Doch Vara schüttelte den Kopf „Ich kann nicht mehr…“.
Ihre Stimme bebte bereits vor Verzweiflung.
Das hier war eine größere Qual, als jeder Kampf.
Sie wischte sich mit dem Unterarm über die Stirn „Je öfter ich es versuche umso schlimmer wird es…“.
„Es ist alles in Ordnung“ versuchte er sie zu beruhigen.
Die Fee blockierte sich selbst und er wusste nicht wie er das Problem lösen sollte.
War es doch tatsächlich möglich, dass es magische Wesen gab, die einen bestimmten Zauber nicht beherrschen konnten?
Nein! Das wollte er einfach nicht wahr haben. Schon gar nicht bei Varanda.
Palladiums Gedanken flogen hin und her.
Sein Kopf versuchte eine neue Vorgehensweise auszuarbeiten.
Mit alleinigem Training kamen sie hier nicht weiter und mit jedem weiteren Fehlschlag ging ein Teil ihrer Zuversicht verloren.
Er brauchte die Fee nur anzusehen um zu wissen, dass es für heute zu viel war.
„Wir werden hier eine Pause machen. Vielleicht hilft es dir, dich etwas zu entspannen“ er zog sie wieder auf die Beine „Bekomm den Kopf frei und lass dich deswegen nicht unter kriegen“.
Varanda atmete tief ein und aus und bemühte sich um ein Lächeln „Mach ich, danke…“.
„Oftmals hilft es einfach eine Blockade zu überwinden, indem du deinem Geist erlaubst sich frei zu entfalten. Tu etwas, worin du dich sicher fühlst und ganz besonders…“ Palladium stoppte kurz, ehe er das wichtigste aussprach „Gib dich nicht auf… nicht so…“.
Seine Schülerin lächelte ironisch in den Himmel hinauf „Ja… ich hatte gehofft, dass es irgendwann besser wird, aber…“.
Palladium hörte ihr aufmerksam zu, doch sie sprach nicht weiter.
Die sommerliche Brise strich an ihr vorbei.
Vara schloss die Lider, als sie den Tatsachen ins Auge sah.
„Ich danke Ihnen wirklich für Ihre Mühe… aber ich habe mich lange damit abgefunden. Wie es ist, ist es in Ordnung. Der erste Kurs in dem ich durchfallen werde, aber das ist nicht tragisch. Mein Leben lang habe ich mich darauf versteift es können zu müssen, aber damit ist es nun vorbei…“ sie strich an ihrem perplexen Professor vorbei „Ich werde einen anderen Weg gehen, der es mir ermöglicht mich so auszuleben wie ich bin und nicht wie ich zu sein habe“.
Kaum hatte sie ihm das mitgeteilt, kehrte diese Ruhe in sie zurück.
Palladium sah ihr nach.
Wie konnte sie einfach so aufgeben…
Er fuhr sich seufzend durchs Haar, war es denn wirklich hoffnungslos?

*

Ich trat durch die Gänge des Schulgebäudes und versuchte mein schlagendes Herz zu beruhigen.
Ich fühlte mich schrecklich ihn einfach stehen gelassen zu haben.
Aber Palladium würde sich damit abfinden müssen.
Ich schluckte, als mir Dragomirs missachtender Blick in Erinnerung rutschte.
Er hatte mich niemals als fähig empfunden und damit behielt er recht.
Wieso wollte dieser Professor es einfach nicht akzeptieren.
Auch ich besaß meine Grenzen und damit waren sie erreicht…
Ich setzte meinen Weg fort, vollkommen ahnungslos wohin mich meine Füße transportierten.
Erst als ich nach meinen enttäuschten Gedanken den Kopf hob, entdeckte ich mich in einem Teil der Schule stehen, den ich kaum besuchte.
Irritiert fasste ich mir an die Stirn.
Hatte ich nicht eigentlich den Weg Richtung Bibliothek eingeschlagen?
Wieso dachten meine Beine plötzlich anders als mein Kopf?
Ich trat auf die geöffnete Tür der Konzerthalle zu und streckte den Kopf hinein.
Niemand zu sehen.
Der Abend war inzwischen angebrochen und ich brauchte jetzt irgendetwas um mich abzulenken.
Hier drin war es etwas kühl und dunkel und doch trat ich hinein, bis mir erneut dieser ironische Gedanke aufkam.
Ich musste Grinsen „Man Vara, du bist echt fertig“.
Gerade wollte ich mich wieder herum drehen um zu gehen, als mir der große Flügel auf der Bühne auffiel.
Ein wunderschönes Stück… es erinnerte mich an das selbige Instrument, das im Königsschloss von Callisto sein zuhause hatte.
Wie oft hatten Teiz und ich der Königin gelauscht, wenn sie spielte…
Ich trat darauf zu und begann die Melodie zu summen, die sie immer als Schlaflied gespielt hatte.
Eine wohlige Erinnerung, die ich Jahre schon verdrängt hatte.
Vorsichtig berührte ich das dunkle Holz, das sorgfältig verarbeitet war.
Königin Luzia… meine Mutter.

*

Palladium ließ die Tür seines Büros zu fallen.
Dieser lange, nervenaufreibende Tag zerrte an seinen Kräften.
Alles hatte er versucht, doch es schien nichts zu bringen…
Er konnte Varanda ihre Anspannung nicht nehmen.
Niemals könnte er von seiner Schülerin enttäuscht sein, doch er machte sich selbst Vorwürfe.
Er war dieses Thema vollkommen falsch angegangen.
Hatte sie zunehmend unter Druck gesetzt…
Bislang war ihr alles mit bloßem Training gelungen, doch das war hierbei anders.
Er ließ sich seufzend auf seinen Schreibtischstuhl fallen.
Stapel von Klassenarbeiten türmten sich vor ihm.
Alles Papierkram, den er noch zu korrigieren hatte.
Zudem hatte er den Unterricht für den morgigen Tag vorzubereiten.
Er bemühte sich, doch seine Gedanken sprangen immer wieder zu dem heutigen Tag zurück.
So konnte er es doch nicht enden lassen…
Palladium fixierte sich auf eine rosane Blüte, während er seine unruhigen Überlegungen ordnete.
Die Arme hinter dem Kopf, zog er eine Augenbraue nach oben als es ihm auffiel.
Seit wann hatte er eine Pflanze mit Blüten?
Grünes Gestrüpp wuchs bei ihm überall, doch ein Strauch Blumen… mitten auf seinem Schreibtisch?
Er stand auf und betrachtete die Pflanze genauer.
Rosane Begonien…
Dann schoss es ihm in den Kopf. Das war die Pflanze, die Sie geheilt hatte!
Er war an jenem Abend viel zu überstürzt hinaus gestürmt um sich das Endergebnis anzusehen.
Das Grün gedeihte noch immer unter ihrem Zauber.
Ein leichtes Lächeln huschte ihm über die Lippen, als Palladium einmal mehr bewusst wurde, was für Kräfte sich in Varanda verbargen.
Nicht einmal ansatzweise hätte er vermutet, dass sich hinter der kleinen, kranken Pflanze eine solch schöne Begonie verbarg.
Er pflückte eine der Blüten und trat aus dem Büro.
Was immer ihn dazu trieb, er musste noch einmal mit ihr sprechen.
So wollte er es einfach nicht enden lassen.
Die Sonne war beinahe vollkommen unter gegangen und nur noch wenige Schülerinnen tummelten sich auf den Gängen.
Gerade wollte er in Richtung des Feen-Traktes abbiegen, als er glaubte ein Klavier zu hören.
Natürlich nichts außergewöhnliches… viele Musik-Feen lebten in der Konzerthalle ihre Künste und Kompositionen aus.
Doch dieses Spiel hatte etwas an sich.
Er hörte sofort die komplizierten Tonzusammensetzungen heraus, zudem kannte er das gespielte Lied.
Ein äußerst altes Stück… er war sich sicher, dass nur noch wenige junge Feen dieses Lied kennen durften.
Einen Moment haderte er mit sich den Tönen auf den Grund zu gehen, doch das Gespräch mit Varanda durfte nicht warten.
Angesetzt den ersten Schritt in den Gang des Wohntraktes zu tun, stoppte er.
Palladium hob den Kopf.
Ohne genau zu wissen weshalb machte er kehrt und lief der Melodie hinterher.
Sein Gefühl sagte ihm, dass er dieses Spiel sonst nie wieder hören würde.
Palladium trat zum Eingang des Saals aus dem diese einmaligen Noten erklangen.
Es war düster und nur ein kleiner Leuchter auf der Bühne erhellte den Flügel aus dunklem Holz.
An diesem saß, wie er bereits vermutet hatte, eine Fee.
Zunächst lauschte er lediglich ohne genauer hinzusehen.
Ihr Spiel war wirklich atemberaubend.
Professionell und ohne einen Fehler betätigte sie die Tasten.
Sie ließ sich voll und ganz auf das Lied ein.
Palladium trat näher heran.
Nach und nach entdeckte er ihr langes, blondes Haar.
Die Augen geschlossen und lediglich auf ihr Gehör fokussiert.
Doch dann blieb er erschrocken stehen, als er sie erkannte.

Varanda!
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