Fee der inneren Energie

von Seilix
GeschichteDrama, Romanze / P16
OC (Own Character) Palladium
18.08.2017
23.10.2020
73
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18.08.2017 3.498
 
Mit akkurat geflochtenen Haaren stand ich mitten im Schuljahr im Büro der Direktorin.
Pharagonda und Griselda begutachteten hinter dem Schreibtisch meine Unterlagen.
„Das ist also die echte Prinzessin von Callisto“ die grimmige Hausdame rückte sich die Brille zurecht und musterte mich von oben bis unten.
„Allerdings, welch Überraschung Sie doch noch in diesem Schuljahr begrüßen zu dürfen Varanda. Nach Ihrer Absage haben wir nicht mehr mit einem Besuch gerechnet“ die Direktorin machte auf mich einen äußerst freundlichen Eindruck.
Ich hatte die Hände vor meinem Körper gefaltet„Das kann ich gut verstehen. Mir ist zu Ohren gekommen, dass meine Absage nicht ordnungsgemäß von Stella aus Solaris überbracht wurde“.
Griselda rümpfte die Nase „Unerhört von diesen Mädchen eine andere als Prinzessin von Callisto auszugeben, wir hätten sie sofort suspendieren sollen. Diese Feen machen nichts als Ärger“.
„Also Fräulein Griselda“ Direktorin Pharagonda tadelte sie mit einem Lächeln.
Mir entfuhr ein kleines Kichern „Ich bitte Sie. Ich bin auch nur eine Fee“.
„Und doch eine Prinzessin der mächtigen Reiche“ widersprach Griselda.
Pharagonda faltete die Hände auf ihrem Schreibtisch „Wie auch immer. Ich denke Ihrer Aufnahme steht nichts im Wege. Griselda wird Ihnen ein Zimmer zuteilen. Der Unterricht beginnt morgens um 8:00 Uhr. Sie werden sich ein wenig anstrengen müssen den versäumten Unterricht aufzuholen“.
„Das ist kein Problem“ versicherte ich „Ich wurde auf Callisto gut unterrichtet“.
„Das erfreut uns zu hören“ Griselda trat hinter dem Schreibtisch hervor „Nun denn, folgen Sie mir Miss Varanda“.

Sie führte mich aus dem Büro die Gänge des Internats entlang in Richtung der Wohnhäuser.
Es war bereits spät und vermutlich Nachtruhe.
„Nun, wir haben noch ein paar Wohnräume in denen Betten frei sind. Jedoch können wir Ihnen nicht mehr mit einem Einzelzimmer dienen Miss Varanda“ erläuterte mir die Hausdame.
„Das macht nichts“ meine aufrechte, elegante Haltung hatte sich nicht verändert „Ich bin nur froh, dass ich überhaupt noch aufgenommen wurde“.
„Nun“ erneut rückte sie ihre Brille zurecht „Wir werden zunächst sehen, wie Sie mit dem Alltag hier zurecht kommen und sich mit dem Stoff einfinden“.
Ich musste amüsiert schmunzeln.
Es war wirklich niedlich wie wenig sie mir zutrauten.
Ich mochte zwar in der Mitte des ersten Lehrjahres dazu gestoßen sein und doch war ich sicher nicht ungelehrt.
„Sie müssen bedenken, dass nächste Woche bereits die Erste Prüfung stattfindet“ warnte sie mich vor.
„So spät erst?“ fragte ich überrascht „Ich dachte die ersten Prüfungen hätte ich bereits verpasst“.
„Nun…“ sie blickte mich aus den Augenwinkeln ertappt an „Da haben Sie nicht einmal ganz unrecht. Die Simulationsprüfung hätte bereits letzten Monat stattfinden sollen, jedoch gab es einen kleinen technischen Zwischenfall, sodass die Prüfung verschoben werden musste“.
„Was denn für einen Zwischenfall?“ hakte ich nach.
„Das ist kompliziert“ Griselda gestikulierte ein wenig, als wüsste sie nicht wie sie es ausdrücken sollte „Eine Schülerin war gerade zur Prüfung in der Kammer, als die Technik verrücktspielte und sich nicht einprogrammierte Ereignisse abspielten. Ihre Prüfung bestand lediglich daraus einer trostlosen Gegend leben zu schenken, stattdessen fand ein Kampf gegen Hexen statt. Irgendetwas muss das System lahm gelegt haben“.
„Verstehe“ erneut entkam mir ein Lächeln „Hat sie dann wenigstens bestanden?“.
Griselda sah mich aus den Augenwinkeln an und selbst ihr entwischte ein Grinsen „Sie hat hervorragend abgeschnitten“.
Das war schließlich das mindeste in einer unvorhersehbaren Prüfung.
„Wenn Sie es wünschen ist es natürlich möglich Ihre Prüfungen noch ein wenig zu verschieben um sich besser vorzubereiten“.
„Auf keinen Fall!“ schlug ich den Vorschlag ohne darüber nachzudenken aus.
„Wirklich?“ die Hausdame blickte mich verblüfft an „Sie haben doch so viel nachzuholen“.
„Ich bin eine Schülerin wie jede andere“ widersprach ich „Prüfungen haben feste Termine und damit gleiche Chancen für jede. Es wäre mir unangenehm eine Sonderstellung zu erhalten. Ich werde auch sämtliche Klausuren so schnell wie möglich nachholen“.
Griselda blieb einen Augenblick irritiert stehen und hielt sich die Brille „W-Wie Sie wünschen“.
Vermutlich war ihr zuvor noch nie eine Schülerin unter gekommen, die freiwillig und ohne Bauchschmerzen an einer Prüfung teilnehmen wollte.
„Ist das hier die Wohnung?“ unterbrach ich die Stille und blickte auf ein Wohnungsschild mit drei Namen darauf.
„Wie bitte?“ sie riss sich aus der Stille und trat zu mir „Oh, ja… richtig. Diese Wohnung besteht aus zwei Doppelzimmern und einem Aufenthaltsraum. Zurzeit bewohnen sie aber nur drei Feen aus dem ersten Jahr“.
Sie öffnete die Tür.
Ein gleisendes Licht erleuchtete den dunklen Flur aus dem wir kamen.
Drei lachende Feen saßen auf der Couch und erschraken wohl zu Tode, als Griselda in der Tür stehen blieb.
„Was ist denn hier los?!“ entfuhr es dieser streng „Es ist bereits Bettruhe meine Lieben“.
Die Mädchen sprangen erschrocken auf und stellten sich der Hausdame entgegen.
Eine mit kurzem, dunkelblondem Haar stotterte „W-wir waren bereits am zu Bett gehen“.
„Mit Sicherheit wart ihr das“ murrte Griselda und deutete mir einzutreten.
„Mädchen. Ich stelle euch eure neue Mitbewohnerin vor. Varanda von Callisto wird ab sofort bei euch einziehen“.
Ein Fingerschnipsen und ich sah wie mein Name an der rechten Tür des Zimmers erschien „Ich verlasse mich darauf, dass sie bei euch in guten Händen ist und nun marsch ins Bett. Der Unterricht beginnt morgen pünktlich!“.
Keine zwei Sekunden später marschierte sie aus dem Raum und schloss die Tür hinter sich.
Ich blickte ihr blinzelnd hinterher. Was für ein Abgang.
„Varanda von Callisto, hm?“.
Das Mädchen mit dem dunkelblonden Haar blitzte mich amüsiert an „Dann teilen wir uns wohl ab sofort ein Zimmer. Ich bin Amaryl“.
Sie deutete auf ihre Freundinnen „Alice und Katy“.
Alice war sehr hübsch, hatte blaues langes Haar und weiche Gesichtszüge.
Sie wirkte ein wenig schüchtern.
Katy hingegen machte mit ihren voluminös, brünetten Haaren gleich einen wilderen Eindruck.
Um ihr Haar zu bändigen hatte sie die oberen Strähnen in zwei Zöpfe gebunden.
Alle drei standen im Pyjama vor mir.
„Wir wissen schon seit ein paar Tagen, dass du kommst“ lächelte Alice freundlich und faltete die Hände vor dem Körper.
„Das will ich auch hoffen“ entgegnete ich „Sonst wäre das hier ja eine ganz schöne Überraschung“.
„Ach quatsch“ Amaryl sah mich interessiert an „Und du bist wirklich die Kronprinzessin von Callisto?“.
„Nur Prinzessin“ korrigierte ich sie und zauberte im selben Moment meinen kleinen Koffer zu mir, den ich über die Reise natürlich nicht so mit mir herum geschleppt hatte.
„Wirklich? Bist du nicht die Älteste für die Nachfolge“ hinterfragte Katy.
„Ja stimmt, aber das ist kompliziert“ versuchte ich dieses Gespräch abzuschieben.
„Na gut, komm ich zeig dir unser Zimmer“ Amaryl lief bereits vor „Wir haben die nächsten Tage schließlich noch genug Zeit uns kennen zu lernen“.
Mit einem Nicken verabschiedeten sich damit auch die anderen Beiden in ihr Zimmer „Gute Nacht“.
Ich folgte meiner Zimmergenossin und begutachtete den relativ große Raum.
Diese pflanzte sich umgehend auf ihr Bett und beobachtete mich dabei wie ich meine ersten Sachen auspackte.
„Wie kommt es, dass du jetzt erst nach Alfea kommst? Wir sind mitten im Schuljahr“ sie hatte eine Augenbraue hoch gezogen und begutachtete mich misstrauisch „Ich hab schon viel von der Prinzessin von Callisto gehört, die jedes Jahr ihre Anmeldung zurück nimmt“.
Ich musste lachen „So bin ich hier also bekannt, ja? Die Fee die vor dem Schuljahr kneift“.
„Ist das wirklich so?“.
„Nicht ganz“ antwortete ich „Aber das ist ne ziemlich lange Geschichte. Ich erzähl sie mal bei Gelegenheit“.
„Na gut“ Amaryl kuschelte sich ein „Mal sehn wie du hier zurechtkommst“.
Auch ich legte mich ins Bett „Wieso zweifeln daran alle?“.
„Das ist bei Prinzessinnen normal. Die sind bekannt dafür nicht lange durchzuhalten. Siehe die Prinzessin von Solaria. Sie ist letztes Jahr wohl ziemlich früh der Schule verwiesen worden, versucht es aber dieses Jahr erneut“.
„Stella?“ natürlich kam mir diese Erzählung sofort bekannt vor.
„Du kennst sie?“.
„Natürlich. Unsere Familien sind alte Bekannte. Wir kennen uns seit Kindesbeinen an“.
„Mein Mitleid“ Amaryl verschränkte die Arme hinter dem Kopf „Ich mag sie nicht besonders“.
Ich musste lachen „Da kenn ich noch mehr. Stella ist… sehr speziell“.
„Das kannst du laut sagen“ auch sie stimmte in mein Gelächter ein.
„Aber ich versichere dir Amaryl, dass ich keine normale Prinzessin bin“.

Am nächsten Morgen war ich von meiner Truppe als erste auf den Beinen.
Ich betrachtete meine katastrophalen, hellblonden Haare im Spiegel.
Keine Chance die heute in den Griff zu bekommen, also knotete ich sie notdürftig in einer komischen Schleife zusammen.
War ja nur der erste Schultag… damit würde ich sicher einen guten Eindruck hinterlassen.
Ich seufzte.
Ein kurzer, violetter Rock, ein weißes Top und den lilanen Blazer drauf.
Dann sah es gleich nicht mehr ganz so schlimm aus.
„Guten Morgen“ gähnte Amaryl, die mich an dem Spiegel sitzen sah.
„Was hast du denn da auf dem Kopf? Mit dem Knoten fängst du ja Vögel“ sie sprang aus dem Bett.
Ich verdrehte die Augen „Guten Morgen Amaryl. Das nennt sich ein Bad-Hair day“.
„Kenn ich“ entgegnete sie und war mit einem Fingerschnipsen angezogen.
Die hatte leicht reden.
Ihre nicht mal schulterlangen Haare saßen beinahe, wenn sie nur mit der Hand drüber strich.
Wie ich es auch drehte und wendete, ich bekam keine bessere Frisur hin und schließlich war es halb acht.
„Beeilt euch!“ rief Katy irgendwann zu uns hinein „Oder es gibt kein Frühstück“.

Gemeinsam mit meinen neuen Freundinnen trat ich in Richtung des Schulflügels.
Ich prägte mir alles haargenau ein.
Sie führten mich in die große Aula.
Hell und freundlich.
Etliche Feen tummelten sich bereits in dem großen Saal.
Hohe Decken, riesige Fenster, konnte auch der Ballsaal sein.
Ewig lange Tische liefen aufgereiht bis zum anderen Ende des Raumes.
Die Schülerinnen saßen an diesen und nahmen ihre Mahlzeit zu sich.
Die Geräuschkulisse war nicht ohne.
Sämtliche enthusiastische Stimmen vereinten sich in einem hellen Lärmpegel.
Ich folgte Amaryl zu einem freien Platz zwischen den Gruppen an den Tischen.
Natürlich saßen meist immer die Zimmergenossinen beieinander.
Ich war kurz davor mich zu setzen, als ich schnelle, klackende Schritte auf dem Marmorboden hörte.
Ich war gerade dabei mich umzudrehen, als ich bereits quietschend angesprungen wurde „Vara! Ich kanns gar nicht glauben, dass du hier bist!“.
Ihre langen, blonden Haare schlugen mir ins Gesicht, während sie mich halb erdrückte.
Ich brauchte einen kurzen Moment ehe ich meine alte Kindheitsfreundin erkannte.
„Stella?!“ entfuhr es mir.
„Tu nicht so überrascht“ sie stemmte grinsend die Hände in die Hüfte „Ich wusste, dass du früher oder später auch nach Alfea kommst. Jetzt hat Magix zwei großartige Prinzessinnen an seiner Seite. Gegen uns Feen hat das Böse keine Chance!“.
Ich musste kichern „Es ist auch schön dich zu sehen, Stella“.
„Ich hoffe die Reise von Callisto war nicht zu beschwerlich?“ erkundigte sie sich sofort.
Dabei wusste ich, dass sie eigentlich keine Einzelheiten hören wollte, sondern viel lieber ein "Alles hervorragend" um schnell das Thema wechseln zu können.
Also tat ich ihr den Gefallen „Nein, es lief alles wunderbar. Wie geht es dir hier?“.
„Ach…“ sie viel beinahe in eine mitleidserregende Pose „Das Schulleben ist so anstrengend. Es gibt so viel zu lernen und dann noch Griselda, du hast sie sicher schon kennen gelernt“.
Ich zog amüsiert eine Augenbraue nach oben „Aber sicher doch“.
„Oh, aber mit meinen Freundinnen ist alles gerade so erträglich“.
„Du hast hier also Anschluss gefunden, unfassbar“ neckte ich sie.
„Wenn du wüsstest“ grinste Stella.
Sie sah kurzerhand an mir vorbei und winkte jemanden zu uns herüber.
Als ich mich umdrehte sah ich vier weitere Mädchen.
„Vara, das sind meine Freundinnen, Bloom, Flora, Musa und Tecna. Wir teilen uns eine Wohnung. Mädels, das ist Varanda von Callisto“.
„So so“ ich verschränkte die Arme und musterte sie deutlich, dabei tippte ich mir überlegend auf die Unterlippe „Und wer von euch wurde dann von Stella mit meinem Namen eingeschleust?“.
Plötzlich sahen sie alle geschockt drein.
Neben mir begann meine Freundin verlegen zu kichern „Du hast davon gehört?“.
„Wie denn nicht, das war das Erste Thema mit dem ich hier konfrontiert wurde. Miss Griselda wollte mir zunächst nicht einmal glauben, dass ich wirklich Varanda von Callisto bin“.
„Das tut mir wirklich leid“ die Rothaarige der Truppe, die mir nun als Bloom bekannt war senkte entschuldigend den Kopf „Aber das war eine kleine Notlüge, ich…“.
„Ist schon gut“ winkte ich lächelnd ab „Die Gründe sind mir egal. Es amüsiert mich nur sehr, dass sich jemand anderes für mich ausgibt“.
Bloom begann zu lachen „Da bin ich aber erleichtert“.
„Und du bist also die richtige Prinzessin von Callisto?“ fragte Flora.
Ihr langes hellbraunes Haar und ihre weiche Stimme machten sie sofort sympathisch.
„Leibhaftig“ bestätigte ich „Ich habe es leider nicht früher von Zuhause weg geschafft“.
„Achja? Und dann wartest du nicht auf das nächste Schuljahr?“ wollte Tecna wissen.
Sie schien zu fremden doch noch sehr misstrauisch.
Ihre hellblauen Augen funkelten mich beinahe gelangweilt an.
Das pinke, kurze Haar ließ sie während sie die Arme verschränkte sehr streng wirken.
„Was ich verpasst habe hole ich schnell wieder auf und sonst hätte ich doch nicht die Möglichkeit mit meiner alten Kindheitsfreundin in einer Klasse zu sein“ dabei schielte ich zu Stella herüber.
„Aber sowas von!“ rief diese enthusiastisch und legte mir einen Arm um den Hals „Wir haben ja so viel aufzuholen Vara“.
„Was du nicht sagst“ ich verdrehte belustigt die Augen.
Diese Stella änderte sich wohl nie.
„Also wirklich Stella, denkst du etwa sie will noch mit dir befreundet sein, wenn du sie erwürgst?“ Musa hatte kurzes dunkelblaues Haar, das sie in zwei Zöpfe gebunden hatte.
Ihr Kleidungsstil war sehr pragmatisch und doch cool gehalten.
Die Blondine neben mir wollte gerade darauf antworten, als es hinter uns kam „Ja Stella, Varanda ist gerade erst angekommen und du belagerst sie schon“.
Amaryl war genervt aufgesprungen und funkelte sie wütend an.
Sofort wandte sich die Prinzessin um und rümpfte die Nase „Wer hat dich denn gefragt?“.
„Wir sind am Frühstücken und der Unterricht fängt gleich an“ knurrte meine Zimmergenossin.
„Achja?“ entgegnete Stella zickig „Trotzdem kein Grund dich hier so aufzuspielen“.
Da konnten sich ja zwei sehr gut leiden…
„Hey, wartet mal…“ versuchte ich dazwischen zu gehen, Bloom half mir dabei und legte Stella eine Hand auf die Schulter „Komm schon Stella, lassen wir sie essen, das sollten wir auch“.
„Hmpf, meinetwegen mit solchen Spaßverderbern muss ich mich sowieso nicht abgeben“ manchmal hatte sie wirklich die Nase oben.
„Hey!“ rief Amaryl wütend, doch Alice sah sie bittend an keinen Zickenkrieg zu veranstalten.
„Also dann, wir sehen uns Vara“ verabschiedete sich meine alte Freundin noch, bevor sie mit ihren Mädels abzog.
Bloom blickte noch einmal zu mir zurück um mir zu winken.
Ich erwiderte die Geste mit einem Lächeln, ehe ich mich zu meinen Zimmergenossinen setzte.
„Es ist schön, dass Stella Freundinnen gefunden hat“ sprach ich es einfach aus.
Amaryl neben mir seufzte entnervt „Ja, die Winx, ein Herz und eine Seele“.
„Winx?“ fragte ich.
„Ja, so nennen sie sich“ erläuterte Katy
„Verstehe“ dennoch war ich sehr froh sie nicht alleine hier zu sehen, auch wenn meine Gruppe nicht ganz so begeistert von ihr war.

Ich musterte meine Umgebung genauer und entdeckte ein paar Professoren.
Sie saßen alle auf einer Anhöhe der Halle an einem großen, runden Tisch, von dem sie den gesamten Saal überblicken konnten.
Die Direktorin in ihrer Mitte zu den Schülerinnen gewandt.
Sie trank lächelnd eine Tasse Tee und unterhielt sich mit einer Professorin.
Die anderen Lehrkräfte tauschten sich ebenfalls aus, doch ich bemerkte ihre Blicke.
Sie bemühten sich nicht zu auffällig zu wirken.
Ein recht kleiner Kobold in grüner Kleidung und großen Ohren, die er versuchte mit einem Hut zu verdecken unterhielt sich mit Griselda.
Er konnte kaum über den Tischrand blicken.
Die grimmige Frau rückte wie so oft ihre Brille zurecht und deutete mit einem Kopfnicken in unsere Richtung.
Ein Elf in ihrer Runde sah zu uns herüber.
Er wirkte recht jung, konnte kaum 5 Jahre älter sein als die meisten Schülerinnen hier.
Sein Haar war lang und in einem Rotbraunen Ton.
Generell eine recht schwächliche Statur.
Sein weites Hemd mit einer eleganten Weste bekräftigte diesen Anschein.
Die rote Fliege gab dem ersten Eindruck schließlich den Rest.

Ich wendete mich wieder meinem Frühstück zu „Ich glaube die Professoren beobachten uns“.
„Natürlich tun sie das“ mampfte Katy, die soeben in einen Apfel gebissen hatte „Es ist nun mal sehr ungewöhnlich, dass jemand mitten im Schuljahr hierher wechselt“.
„Du wirst jetzt hier ne Weile einen Sonderstatus haben“ warnte Amaryl mich vor.
„Na hervorragend“ seufzte ich „Genau das was ich nicht wollte…“.
„Pass auf“ meinte sie und blickte zu den Professoren herüber „Fräulein Griselda kennst du ja schon. Der kleine Kobold neben ihr ist Professor Wizgiz, er unterrichtet uns in physischer Verwandlung, es wird behauptet, dass er über 100 Jahre alt sein soll. Er kann sich selbst in alle möglichen Formen verwandeln. Du musst einfach seine verschrobene Art ignorieren“.
Ich hörte ihr gespannt zu, jede kleine Information konnte für den Unterricht von nutzen sein.
„Und der Elf ist Professor Palladium. Er unterrichtet naturbasierende Magie und zeigt uns wie man Zaubertränke herstellt. Bei ihm haben wir nächste Woche auch die Prüfung in der Simulationskammer, aber keine Sorge ihn musst du nicht ernst nehmen“.
„Wieso nicht ernst nehmen?“ fragte ich irritiert.
Amaryl zuckte mit den Schultern „Er hat es einfach nicht so drauf, ist auch noch nicht lange Lehrer in Alfea. Du hättest am Anfang des Schuljahres dabei sein sollen, als alle Feen im Schwarzschlammsumpf kurze Hosen anhatten. Er wusste gar nicht wo er hinschauen sollte“.
Amaryl begann herzlich los zu lachen, die anderen beiden konnten sich das Lachen ebenfalls nicht mehr verkneifen.
Mir entkam nur ein bemitleidendes Lächeln.
Mit solchen Weibern hatte man es als junger Professor keines Falls einfach.
Ich musterte die Lehrkräfte noch einmal und musste wirklich feststellen, dass man Palladium keinen großen Ton zutraute.
Plötzlich sah er auch genau in unsere Richtung.
Unsere Blicke trafen sich einen Moment.
Am liebsten hätte ich sofort verlegen weg gesehen, doch sein freundlicher Blick war mir zu suspekt.
Er scheute physischen Kontakt wirklich nicht.
Ich seufzte und sah wieder auf mein Essen, das ich kaum angerührt hatte.
So viel Aufmerksamkeit bekam mir einfach nicht.

Der erste Schultag verlief ganz angenehm.
Ich lag in keinem Fall mit dem Stoff zurück und kam gut mit.
Der Unterricht bei Professor Wizgiz bestand aus der einfachen Verwandlung von Dingen.
Für mich war es inzwischen ein leichtes eine Tasse in eine Blume zu verwandeln.
Trotz meiner verlorenen Jahre hatte ich immer trainiert und war von Hofdienern unterrichtet worden.
Ich kannte etliche Zaubersprüche, ein paar Tränke und konnte mich problemlos verteidigen.
Ich war top in Form und doch steckte ich meine Nase zu gern in irgendwelche Bücher, so war der erste Ort den ich an diesem Tag aufsuchte, die Bücherei.
Ich suchte mir ein Buch der natürlichen Energie aus dem Regal vor mir.
Die einzige Energie die mich interessierte.
Ich klappte es auf und blätterte es im Schnelldurchlauf durch.
Energie aus der Natur, reine Energie und die Energie im Menschen.
„Der wichtigste Teil in einem jeden von uns, die natürliche Energie“ las ich versehentlich laut.
„natürliche Energie?“.
Ich wirbelte herum und umklammerte das Buch vor Schreck bis ich die Person sah, die mich von hinten angesprochen hatte.
„Entschuldigen Sie, ich wollte sie nicht verschrecken“ der Professor blickte mich wie an jenem Morgen freundlich an.
„N-Nein, schon gut“ ich erholte mich langsam wieder „Sie haben mich nur überrascht. Professor Palladium, richtig?“.
„Ja und Sie sind Varanda von Callisto. Es freut mich sehr“ er hielt mir die Hand entgegen.
Ich nahm sie höflich an „Wieso kennt hier nur jeder meinen Namen“.
„Nun, es kommt nicht oft vor, dass eine neue Schülerin mitten im Schuljahr einsteigt...".
Wie oft würde ich diesen Satz wohl noch hören müssen, doch er fuhr fort "...und dann bereits am ersten Tag eine geraume, positive Aufmerksamkeit erregt“.
„Habe ich das etwas?“ erneut sah ich ihn überrascht an.
„In gewisser Weise“ auch er begann die Bücher des Bücherregals an ihrem Rückeneinband durchzusehen „Doch das ist nicht schlecht. Mir scheint als könnten Sie sich gut gegenüber der erfahreneren Feen behaupten“.
Ich weitete die Augen und konnte ein kichern nicht mehr verbergen.
Palladium sah mich überrascht an „Habe ich etwas falsches gesagt“.
„Nicht doch, entschuldigen Sie“ brachte ich heraus und beruhigte mich wieder „Ich habe schon meine Gründe weshalb ich gerade jetzt hier bin“.
„Da bin ich sicher…“ er stöberte weiter „Die natürliche Energie also?“.
Er hatte einen Blick auf das Buch in meiner Hand riskiert „Wenn Sie sich dafür interessieren wird Ihnen mein Unterricht sehr zusagen“.
„Davon habe ich bereits gehört“ antwortete ich „Energie an sich fasziniert mich, ja“.
„Fräulein Griselda sagte mir, dass Sie bereits nächste Woche an der Simulationsprüfung teilnehmen wollen. Ich hätte kein Problem damit Ihnen ein wenig Aufschub zu geben“.
„Aufschub bezüglich der Prüfung?“ fragte ich nach.
„Ja, schließlich sind Sie gerade frisch hier angekommen Varanda und müssen einiges aufholen“.
„Nein“ widersprach ich ihm.
„Nein?“ er drehte sich verblüfft zu mir.
„Ich werde wie jede andere an dieser Prüfung teilnehmen wie ich es Miss Griselda gesagt habe. Glauben Sie mir, das wird kein Problem darstellen“.
Sein überraschter Blick wich nicht „Nun denn, wenn Sie davon überzeugt sind“.
„Mir bleibt nur Sie und die anderen Professoren davon zu überzeugen“ antwortete ich vorausschauend und trat mit meinem Buch im Arm davon.
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