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Gruppe 23: Namenlose Opfer

von MDU-Story
GeschichteAllgemein / P12
16.08.2017
16.08.2017
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16.08.2017 1.453
 
Hallo ihr. :)

Nach einer langen Zeit kann ich diese Geschichte nun endlich hochladen.
Der ursprüngliche Gruppenleiter allosaurus hat die Gruppe an mich weitergegeben und ich habe die Geschichte mit eurer Hilfe zum guten Schluss beenden können.
Es ist interessant zu sehen, dass unsere Kapitel bis zu einem gewissen Punkt, wie aus der Feder eines einzigen Autorens wirken.
Unglaublicherweise wurde die Gruppe Ende Mai 2014 ins Leben gerufen ...
Eine lange Zeit ist es also her. Ich für meinen Teil war trotzdem sehr neugierig.

Naja, genug der Worte.
Betaleserin für die Kapitel waren Lincess und ich selbst. ^-^
Und nun wünsche ich viel Spaß beim Lesen.
Habt einen zauberhaften Tag.
Gruß Lissa  - {LittleStory}
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Gruppenteilnehmer:
Gruppe 23 [bis P16 (Slash)] - LittleStory
1. allosaurus
2. Cosmodius
3. baronesse
4. Seraphina
5. LittleStory
6. AuctrixMundi
7. Calaijah
8. NickySixx
9. Sakunya Ravenhill
10. Juna Dragneel
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Kapitel 1 - allosaurus


Das war es. Endgültig.
Ich war weit gekommen, weiter als ich gedacht hatte, aber trotzdem nicht weit genug. Dritter.
Nun, jede Reise war irgendwann zu Ende, doch diesmal war es endgültig.
Ich wusste nicht, ob die Anderen, die vor mir schon ausgeschieden waren, bereits tot waren, oder noch darauf warteten, möglicherweise mit uns (mir und einem der beiden Finalisten) hingerichtet zu werden. Bevor es aber soweit war, wurde es mir noch erlaubt, das Finale aus nächster Nähe mitzuverfolgen.
Zum Teil auch, um mich von meinem baldigen Ableben abzulenken, konzentrierte ich mich so sehr auf den letzten Kampf, wie es nur ging. Nachdem ich schon seit Wochen damit gerechnet hatte, gelang es mir sogar ziemlich gut, jegliche Gedanken daran aus meinem Kopf zu verbannen.
„Es treten gegeneinander an: Nummer zwölf gegen Nummer dreizehn!“, verkündete der Schiedsrichter gerade mir und einigen, den Uniformen nach zu urteilen zum Teil erstaunlich hochrangigen Vertretern des Unternehmens (oder wer oder was genau das auch immer sein mochte), das für die Wettkämpfe und meine Misere hier verantwortlich waren, mit ruhiger, aber durchdringender, voller Stimme. Er war so ein Schrank von Mann, wie man es vielleicht eher von den Kämpfern, als von dem Schiedsrichter selbst erwarten würde; Groß und stark genug, selbst die furiosesten Gegner von einander zu trennen, und das konnten schließlich ebenfalls erwachsene Männer sein!
Nummer 12 war jemand, den ich „das namenlose Mädchen“ getauft hatte. Sicher, in meiner Gruppe hatte es mehrere weibliche Individuen gegeben, von keiner hatte ich den Namen gekannt, wir waren nur Nummern, das ließ sich einfacher merken. Doch dieses Mädchen war etwas Besonderes, das hatte ich gleich gemerkt. Nummer zwölf hatte mich mit ihrer scheinbaren Emotionslosigkeit beeindruckt. Kein Kreischen, Heulen, oder sonstiges Gezeter, aber auch kein stilles trauriges Ergeben in die Unvermeidlichkeit wie bei mir (die mich immerhin weiter gebracht hatte als die anderen Mädchen, die obiges veranstaltet hatten). Die ungewöhnlichsten Individuen waren schon immer diejenigen gewesen, welche am weitesten gekommen waren. Das Bildete ich mir zumindest ein.
Ein Umstand, welcher bei mir sogar so etwas wie Stolz auslöste. Immerhin dritter. Auch, wenn mir das überhaupt gar nichts nützte.
Nummer dreizehn hingegen war meine Nemesis wenn man so wollte, schließlich hatte er mich aus dem Wettkampf befördert. Böse war ich ihm deshalb allerdings nicht; Er war schlicht und ergreifend der Bessere gewesen, der Kampf wurde fair geführt und überhaupt, wer wollte schon sterben?
Meine Sympathien lagen jedoch trotzdem bei dem namenlosen Mädchen, mit ihren beiden zur Seite hin abstehenden Zöpfen (die im Übrigen keinen Nachteil darstellten, der gesamte Kopf war tabu; Wer im Kampf jemanden am Kopf attackierte, der verlor seinen eigenen. Zumindest ging so das Sprichwort) wirkte sie kindlich, vielleicht auch ein wenig naiv (was sie garantiert nicht war, sonst wäre sie nicht so weit gekommen), jeden Falls wünschte ich mir für sie, dass sie den Kampf gewinnen möge.
Doch das tat sie nicht.
Es war ein langer und zäher Kampf, der, objektiv betrachtet, trotz der Meisterhaftigkeit, mit der er geführt wurde, überraschend eintönig und unspektakulär war. Keine Ahnung, warum die Bonzen, die mit mir um das Kampffeld saßen, extra dafür gekommen waren, denn bei den anderen Kämpfen (bei meinen eigenen und bei denen, die gleichzeitig mit meinen stattgefunden hatten konnte ich das natürlich nicht beurteilen) war keiner von ihnen anwesend gewesen.
Zwölf wehrte sich tapfer, Schluss endlich musste sie sich aber Dreizehn geschlagen geben.
Obwohl ich Dreizehn seinen Sieg von Herzen gönnte (Sein Gesicht war unbeschreiblich, als ob es die Strapazen und Ungewissheiten der letzten Wochen, die unbeschreibliche Erleichterung, als der Schiedsrichter seinen Sieg verkündete und sein Mitgefühl uns gegenüber gleichzeitig ausdrücken wollte), berührte mich die Niederlage des namenlosen Mädchens sehr, fast wie meine eigene.
Schrieb ich, dass ich meine Gefühle gegenüber meinem baldigen Schicksal gut unterdrücken konnte?
Welch vollkommener Schwachsinn.
Wie eiserne Bänder hatten sie die ganze Zeit um meine Brust, meinen Bauch, meinen Hals, meinen ganzen Körper gelegen und ihn erbarmungslos zusammen gedrückt.
Es war, als ob irgendetwas und gleichzeitig nichts einen mit so überwältigender Macht nach unten drückt, sodass die eigenen Kräfte dagegen völlig bedeutungslos wurden. Ein Zusammenkrampfen des Herzens, so wie es sich anfühlte ganz wörtlich, oder vielleicht auch eine Mischung aus Beidem:
Der Begriff des „schweren Herzens etwas tun” / in dem Fall wohl eher „etwas über sich ergehen lassen” bekam hier eine ganz neue, endgültige und absolut zutreffende Bedeutung.
Ich war immer eine eher introvertierte Person gewesen, doch nachdem ich herausgefunden hatte, dass ich mit meiner Leidensgenossin (ok, das trifft es nicht ganz, ist aber das adäquateste Wort, dass ich finden konnte) nicht nur das Schicksal in Form von einem schnellem Tod, sondern auch das Quartier bis zu dessen Eintreten teilen würde, teilte ich ihr meine Gedankengänge mit.
Ich war mir nicht sicher, ob sie nur nach einer Ablenkung suchte, ob sie das gleiche empfand wie ich, oder ob sie nur aus Höflichkeit antwortete (was so ziemlich das Überflüssigste in einer solchen Situation gewesen wäre).
Unser Zimmer bestand aus einem Vorraum, aufgrund seiner Größe vielleicht schon eher Vorhalle (das hätte allerdings impliziert, dass der dahinter liegende Teilraum eine richtige Halle gewesen wäre, was sie beim besten Willen nicht war), der komplett leer war und dessen Sinn sich mir erst nicht erschloss, auch weil ich natürlich nicht den Nerv hatte, meine letzten Stunden mit solchen Gedankengängen zu verschwenden, und einer fast schon luxuriös ausgestatteten Suite, inklusive gigantischen Himmelbetten und allem Komfort, den man sich denken konnte. Nicht, dass uns das interessiert hätte.
Zu fertig (ich hauptsächlich seelisch, das andere Mädchen natürlich auch körperlich), um uns darum zu kümmern, dass wir stanken, ignorierten wir die Badewannen und nahmen uns stattdessen mehr oder weniger wahllos von einem üppig dimensionierten Buffet in einer Ecke der Vorhalle.
Stunden später realisierte ich erst, dass wir in eben dieser geblieben waren, keiner von uns beiden hatte sonderlich Lust, in die Luxussuite zurückzukehren.
Ich weiß noch, dass wir uns zuerst darüber gewundert hatten, dass man versuchte uns unsere letzten Stunden so angenehm wie möglich zu gestalten, ein seltsamer, wenn nicht sogar surrealer oder lächerlicher Gedanke. Gleichzeitig irgendwie witzlos. Der Sinn davon blieb für uns genauso nebulös, wie der Grund, weshalb wir überhaupt hier waren, kämpfen mussten, sterben mussten.
Da es ebenso sinnlos wie ermüdend war, sich darüber den Kopf zu zerbrechen, wandten wir uns bald dem sehr viel interessanteren Thema unserer Gefühle zu.
„Es ist schon bezeichnend,“, sinnierte das namenlose Mädchen (Nein, ich hatte sie immer noch nicht nach ihrem Namen gefragt und sie auch nicht nach meinem), „dass wir vor allem traurig sind. Ich bin es und dir sieht man es an.“ Sie lächelte.
„Keine Angst, keine Panik, wie man vermuten könnte; Keine Reaktion des Körpers, wenn er meint, das bevorstehende Schicksal abwenden zu können und später fälschlicherweise für eine sinnvolle, begründete Reaktion auf den Tod allgemein. Doch der Tod ist schlicht die Abwesenheit jeglicher Wahrnehmung. Nichts vor dem man sich fürchten müsste, eher aufregen, zornig sein. Gegen diese Ungerechtigkeit protestieren, nichts mehr erleben zu dürfen, selbst wenn das, was man erlebte, es gar nicht mehr wert wäre, erlebt zu werden.
Doch stattdessen ist da nur diese allumfassende und trotzdem wie auf einen Punkt konzentrierte Traurigkeit. Ein tiefes Bedauern der Umstände, beziehungsweise des Wegfallens, nicht wahr?“
Ich konnte nur nicken, das brachte es genau auf den Punkt und ich hatte stark mit mir zu kämpfen, obwohl ich immer darauf bestanden hatte, alles andere als nah am Wasser gebaut zu sein. Paradoxerweise fing wirklich erst das namenlose Mädchen an zu weinen. Stille Tränen, die ihr über das Gesicht liefen. Das stolze, unantastbare Mädchen, das nun in meinen Armen lag und sich Trost spenden ließ, den ich nicht hatte.
Und irgendwann, der gute Teil der Nacht musste bereits verstrichen sein, schlief sie halb auf mir liegend ein. Gleich da, auf dem nackten, kalten Beton, den ich an meinem Rücken spürte und den ich nie gegen das weiche Himmelbett eingetauscht hätte.
Da lag ich also, unruhig dämmernd, auf das Ende wartend.
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