Hero at Dunkirk

OneshotDrama, Schmerz/Trost / P16
Peter Dawson
14.08.2017
14.08.2017
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Disclaimer: Ich kenne keinen der vorkommenden Prominenten persönlich, habe keinerlei Rechte an ihnen oder an sonst irgendwas, das mit ihnen zusammenhängt, und selbstverständlich verdiene ich mit dieser Geschichte kein Geld. Was es hier zu lesen gibt, ist Fiktion und basiert demzufolge auch nicht auf irgendwelchen realen Ereignissen.
Der Titel ist auch hier ein Zitat aus dem Film, genauer gesagt stammt er aus der Überschrift des Zeitungsartikels, den Peter Dawson beim Weymouth Herald in Auftrag gegeben hat.

English Version: I do not own anyone, this is purely fictional. If you got here by googling yourself please I urge you go back now!

A/N: Dies ist der dritte Oneshot einer kleinen Reihe unzusammenhängender, unterschiedlich langer Drabbles und Oneshots zu Christopher Nolans Film Dunkirk.
Dieser Oneshot nimmt leichten Bezug auf die zweite Geschichte, nämlich das Triple-Drabble und das findet ihr hier:
Hurricane

Ihr wisst ja, Reviews und Sternchen sind das Brot des Fanfictionautors – lasst mich bitte nicht hungern!






Hero at Dunkirk


Das Papier in seiner Hosentasche raschelte leise bei jedem Schritt und er musste sich zusammennehmen, um nicht die Hand darauf zu pressen, um es zum Schweigen zu bringen. Er wollte jetzt nicht bemerkt werden, nicht, nachdem er so lange gewartet hatte, um sicher sein zu können, dass er der einzige Mensch hier war.
Verstohlen sah er sich um und erst, als er sicher war, allein zu sein, kletterte er über die Mauer neben der schmiedeeisernen Friedhofspforte, die markerschütternd quietschte, sobald man sie nur berührte. Auf der anderen Seite, direkt hinter der Mauer stand das Gras fast kniehoch. Es hätte längst geschnitten werden müssen, doch der Krieg hatte sie alle gnadenlos eingeholt, nicht zuletzt durch die Ereignisse in Dunkirk. Es gab wichtigere Dinge zu tun, als das Gras im Schutze der Mauer zu schneiden, denn dort lagen keine Gräber, noch nicht.
Nach zwei Schritten hatte er den Schotterweg erreicht. Das hier war immerhin ein Friedhof und er würde sich hüten, die Ruhe der Toten mehr als notwendig zu stören. Am Himmel verschwand die ohnehin schon tiefstehende Sonne hinter der Wolkenbank am Horizont. Das Wetter würde über Nacht umschlagen, konstatierte er stumm und zum wiederholten Mal innerhalb der letzten paar Stunden. Die ruhigen Tage waren vorüber.

Die neuen Gräber lagen weiter hinten, so weit, dass sie von der Straße aus nicht mehr zu sehen waren, sogar noch hinter der windschiefen, wettergegerbten Kapelle; und dort empfing ihn der Anblick welker Blumengebinde unter Holzkreuzen, die nur darauf warteten, durch Grabsteine ersetzt zu werden.

Man hatte George neben dem Grab seines gefallenen Bruders beigesetzt, das leer war. Leer bis auf ein Kreuz aus weißem Wachs in einem Sarg, das symbolisch für seinen Bruder stand. Hier an der Küste kam es immer wieder vor, dass Menschen auf See ihr Leben verloren und man keinen Leichnam bergen und bestatten konnte, also…
Es mochte ein grausamer Scherz des Schicksals sein, dass ausgerechnet die Gräber seines Bruders und seines besten Freundes von Kindesbeinen an hier nebeneinander lagen, kam ihm in den Sinn, als er vor Georges Grab stehen blieb. Der Krieg hatte unnachgiebig Einlass in ihrer aller Leben gefordert und ihnen genauso vor Augen geführt, was er bedeutete: Verlust und Schmerz. Und wenn man die Nachrichten verfolgte, dann lief alles darauf hinaus, dass der Krieg für sie alle gerade erst begonnen hatte. Wenn erst die Invasion kam, dann… Peter zwang den Gedanken an dieses Schreckensszenario beiseite, schob eine Hand in die Hosentasche und zog die zusammengefaltete Zeitungsseite heraus. Deswegen war er überhaupt so spät am Tag noch hergekommen.

Langsam ging er in die Hocke, faltete die Seite auseinander und musterte dann über ihren Rand hinweg das frische Grab.

„Weißt du noch“, setzte er leise an, wollte von der Straße im Falle des Falles nicht gehört werden können, „dass du gesagt hast, du wärst in der Schule nie so gut gewesen, aber irgendwann, da würde… sollte…“ Kopfschüttelnd brach er ab, seufzte und fuhr mit belegter Stimme fort: „Du bist ein Held, George, und es steht in der Zeitung, wie du’s dir gewünscht hast, und alle haben’s gelesen. Hier, ich hab dir den Artikel mitgebracht.“ Er hielt die Zeitungsseite etwas höher, als könne sein Freund sie so besser sehen. „Und sie haben sogar ein Foto von dir gedruckt, George. Jeder weiß nun, wer du bist und dass du ein Held bist.“

Erneut brach er ab, rieb sich mit der freien Hand übers Gesicht und rang die aufwallenden Tränen nieder. Er war nicht hergekommen, um zu weinen. Er war hergekommen, um seinem besten Freund zu sagen, dass sein Traum wahrgeworden war. George sollte das wissen.

„Dad sagt auch, dass du ein Held bist“, flüsterte er nach einem Moment. „Du hättest nicht mitkommen müssen, aber du hast’s trotzdem getan – obwohl du genauso gut hier und in Sicherheit hättest bleiben können. Das macht einen Helden doch aus, nicht wahr?“ Er hielt inne, atmete durch, strich sich durchs Haar, nickte dann leicht und fuhr fort: „Erinnerst du dich an den Soldaten, den wir zuerst gerettet haben? Ja? Ich hab ihm gesagt, dass es dir gut geht, als er nochmal nach dir gefragt hat. Ich konnte nichts anderes sagen – obwohl ich’s gewollt hätte, aber’s ging einfach nicht.“

Er räusperte sich und begann, die Zeitungsseite wieder zusammenzufalten, doch anders als zuvor. Dieses Mal faltete er sie so, dass Georges Foto außen war und man den Artikel lesen konnte und so legte er das Papier zwischen den welkenden Blumenschmuck, ehe er wieder aufstand.

„Die Nazis werden nicht gewinnen. Wir haben unsere Truppen gerettet, George, und es wird nichts umsonst gewesen sein, ich versprech’s.“

Obwohl es nichts zu versprechen gab, nicht in dieser Hinsicht. Doch das war nicht wichtig, nicht Hier und Jetzt. Er schluckte gegen den Kloß in seinem Hals an und wandte sich zum Gehen. Es war alles gesagt worden.

Jetzt würde sie den aufziehenden Sturm erwarten.



***

Den vierten Oneshot findet ihr hinter diesem Link: Time is running out
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