I Love Your Smile In The Morning

GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
Ai Haibara / Shiho Miyano Conan Edogawa Kaito Kid / Kaito Kuroba Ran Mori Shinichi Kudo
13.08.2017
22.05.2019
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Euch allen zunächst mal ein frohes Neues :)

Und dann ein dickes Sorry, dass ich mir schon wieder so viel Zeit mit der Überarbeitung gelassen habe >.< Bin ein unverbesserlicher Perfektionist... meistens.

Trotzdem vielen lieben Dank für eure Reviews, die ganzen Favos und Empfehlungen! <3

Jetzt aber Vorhang auf; let the Drama go on!

***

Now that I’ve found you
Now that I’ve got you
Yeah I’ve got everything


Er betrat die Wohnung mit leicht schmollender Miene, weil er in Gedanken immer noch bei dem Gespräch mit Haibara war und zugeben musste, dass sie vielleicht (aber auch nur vielleicht) Recht hatte und er mit Kaito reden sollte. Er zog seine Schuhe im Eingangsbereich aus und stellte sie fein säuberlich an den Rand. Während er den Flur entlang ging war er noch immer in seinen Gedanken, hielt jedoch abrupt inne als er ins Wohnzimmer blickte. Seine linke Augenbraue ging fragend in die Höhe, während sein Mund sich zu einem Schmunzeln formte.

„Was genau tust du da?“, fragte er zweifelnd in den Raum, wandte sich jedoch zunächst dem Kühlschrank zu. Kaito rührte sich keinen Zentimeter und lag weiter mit dem Rücken auf der Couch, sein rechts Bein hatte er dabei nach oben auf die Lehne gelegt und ließ seinen Kopf derweil am Ende herunter hängen und sah damit kopfüber aus der Balkontür. Zumindest bis der Detektiv sich zu ihm beugte, da er keine Antwort auf seine Frage erhalten hatte. „Meditierst du?“ Nun war es an Kaito das Gesicht zu einem merkwürdigen Stirnrunzeln zu verziehen.

„Warum sollte ich?“

„Leute, die meditieren, suchen sich manchmal die merkwürdigsten Posen aus, um zu meditieren.“

„Ich denke eigentlich nur nach und irgendwie ist es bequem.“, erklärte Kaito schließlich und zuckte mit seinen Schultern, was seinen Kopf merkwürdig wackeln ließ und Conan hatte einen kurzen Moment Sorge, der Magier würde sich das Genick brechen. Doch der grinste ihn stattdessen nur an, sodass er sich kopfschüttelnd mit seinem neuen „Detektiv Samonji“-Roman auf der gegenüberliegenden Couch niederließ.

„Also für mich sieht das ja eher nach einer Nackenstarre aus.“, murmelte er vor sich hin und Kaito lachte leise auf. Sie verfielen in ein kurzes Schweigen, in dem jeder seinen eigenen Gedanken nachhing, bevor der Magier erneut das Wort ergriff.

„Wenn du dir unter allen Menschen, real wie unreal, einen aussuchen könntest, mit wem würdest du gerne Essen gehen?“ Conan blinzelte auf die, doch etwas ungewöhnliche, Frage hin und runzelte die Stirn.

„Schwierige Frage.“, murmelte der Detektiv vor sich hin. Unreale Personen? „Da ist natürlich Sherlock Holmes, wobei James Moriarty auch ein durchaus interessanter Charakter ist…“, Conan hielt einen Moment inne. Oder gab es eine reale Person? Schauspieler und sonstige Stars waren ihm nicht so wichtig, dass er ihnen persönlich begegnen würde wollen und mit vielen Menschen konnte er tatsächlich, wenn er es denn wollte, essen gehen. Abgesehen von Kid, doch den Gedanken verdrängte er so schnell, wie er gekommen war und fällte seine Entscheidung. „Ich glaube, ich könnte der Versuchung nicht widerstehen, ja. Sherlock Holmes.“ Mit strahlenden Augen nickte er Kaito überzeugt zu, der ihn, noch immer mit dem Kopf von der Couch hängend, beobachtete und sich ein Schmunzeln nicht verkneifen konnte.

„Du bist wahrlich ein Fan des großen Meisterdetektivs.“, stellte er schließlich fest und richtete sich langsam wieder auf.

„Und du? Mit wem würdest du essen gehen?“

„Arséne Lupin oder mit meinem Vater.“ Conan entglitten die Gesichtszüge und er hätte sich am Liebsten auf die Zunge gebissen. Gedankenverloren blickte der Magier nach draußen und ein Schmunzeln legte sich auf sein Gesicht. „Am Liebsten mit Beiden, ich hätte zu gerne gesehen, wie mein Vater sich mit Lupin auf eine subtile Art angelegt hätte, wer der bessere Magier von Beiden ist.“ Grinsend schüttelte er den Kopf und Conan schluckte. Wieso konnte Kaito mit einem solchen Thema so leichtfertig umgehen? Weil es schon so lange her war? Oder spielte er das Lächeln nur vor? Bevor er jedoch seine Gedanken ausformulieren konnte, stellte Kaito bereits seine nächste Frage. „Wärst du gerne berühmt?“

„Berühmt?“, Conan seufzte. In seinem alten Leben war er berühmt gewesen. Und er hatte es genossen, hatte sich in der Aufmerksamkeit anderer gebadet. Aber was hatte es ihm gebracht? Er war mehr als nur einmal knapp dem Tod entkommen, wurde geschrumpft und hatte nahezu alles verloren. „Nein, ich glaube nicht. Berühmt-Sein schlägt Wellen, die sich vollkommen der eigenen Kontrolle entziehen. Berühmt-Sein fordert Opfer, die seinen Preis nicht wert sind.“

„Das… klang jetzt ein wenig verbittert.“, stellte Kaito fest, während er sich nebensächlich seinen Nacken rieb. „Berühmt-Sein erfordert ein Gleichgewicht, dass nicht immer leicht zu halten ist. Aber Berühmt-Sein hat nicht nur negative Seiten, gleichzeitig gibt es dir Möglichkeiten,…“

„Die jede für sich einen Preis haben.“, unterbrach Conan ihn, jetzt deutlich verbittert.

„Das mag sein. Die Frage ist, wie man mit seinen Möglichkeiten umgeht, ob man sich rücksichtslos und blindlings hineinstürzt, ohne die Konsequenzen zu bedenken oder ob man abwägt und mit Bedacht wählt, welchen Weg man geht.“

„Tse…“ Der verjüngte Detektiv fühlte einen Stich Schuld in seinem Inneren und schüttelte missbilligend den Kopf, bevor er aus dem Fenster sah. „Es gibt Momente, da hat man keine Zeit, in Ruhe abzuwägen.“

„Es muss nicht immer viel Zeit kosten, Optionen abzuwägen, manchmal hilft es schon, den ersten Impuls zu überdenken.“ Wieder schüttelte Conan nur den Kopf, versuchte die Bilder vor seinem inneren Auge loszuwerden. Versuchte zu verdrängen, dass er selbst entschieden hatte, sich den Männern in Schwarz alleine zu nähern. Er hatte sich in den vergangenen Jahren schon viel zu oft selbst dafür gegeißelt, dass ihn sein impulsives, egoistisches Verhalten in diese Lage gebracht hatte, dass er allein dafür verantwortlich war.

„Hey…“, sanft tippten zwei Finger gegen seine Stirn. „Jeder macht mal Fehler oder trifft falsche Entscheidungen, aber das ist in Ordnung. Das ist menschlich.“ Conan riss die Augen auf, dabei hatte er nicht einmal gemerkt, wie er sie geschlossen hatte. Er begegnete Kaitos sanftem Blick. „Mach dir nicht auf ewig Vorwürfe, nur weil du eine falsche Entscheidung getroffen hast.“

„Wenn es doch nur eine Entscheidung gewesen wäre…“, murmelte er.

„Es spielt keine Rolle, wie viele Entscheidung aus deiner Sicht falsch oder richtig waren. Sie haben dich an diesen Punkt in deinem Leben geführt und das wird seinen Grund haben. Ich weiß, wie schwer es ist, dass manchmal zu akzeptieren, aber auch das gehört dazu.“ Seufzend nickte der Detektiv, bevor er begann zu schmunzeln.

„Du klingst wie ein weiser, alter Mann.“ Unvermittelt brach Kaito in schallendes Gelächter aus.

„Na vielen Dank auch.“ Conan grinste. „Willst du damit sagen, ich wäre alt?!“

„Naja, wenn man dich so reden hört?! Und der Jüngste bist du ja nun auch nicht mehr.“ Verspielt streckte er dem Magier die Zunge raus, der sich lachend neben ihm niederließ und schließlich einen Arm um seine Schultern legte.

„Was sagt das dann genau über deine Vorlieben aus?“, stichelte Kaito zurück. Mit erröteten Wangen schüttelte der Detektiv schmunzelnd den Kopf. Der Magier hatte es mit Leichtigkeit geschafft ihn von seinen Selbstvorwürfen abzulenken und wieder zum Lachen zu bringen. Nur zu gern lehnte er sich mit einem Seufzen an Kaito, der wie selbstverständlich einen Arm um ihn legte. Es war in seiner Nähe so leicht, sich fallen zu lassen und wohl zu fühlen. Doch nichts würde ihn vor der kommenden Nacht bewahren können. Erschöpft schloss er die Augen und genoss die Nähe und Geborgenheit, die Kaito ihm gab,

Der Magier hingegen war in seinem eigenen Strudel aus Gedanken versunken. In drei Wochen war das Omiai und er hatte sich noch immer nicht durchringen können, die Unterlagen durchzusehen, die Aoko ihm vorbeigebracht hatte. Dabei sollte es ihn doch wenigstens ein bisschen interessieren, wer diese Frau war, die ihm dort als Heiratskandidatin vorgestellt wurde. Sein Blick fiel auf den dunkeln Haarschopf auf seiner Schulter und er betrachtete den wilden Wirbel an Conans Hinterkopf. Mit einem Seufzen fuhr er sich über sein Gesicht. Das Vertrauen zwischen ihnen, die Leichtigkeit, diese Verbindung. Kaito wusste, dass er sich das nicht einbildete, aber er sah auch das Zweifeln und die Zurückhaltung des jungen Detektivs, der schon so viel reifer wirkte. Allein bei dem Gedanken daran, dass er tatsächlich wieder ausziehen würde, zog sich alles in ihm schmerzhaft zusammen. Wieso? Wieso hatte Conan so plötzlich gehen wollen? Da war keine Abneigung gewesen, im Gegenteil, er hatte ausgesehen, als würde er genauso wenig gehen wollen, wie Kaito. Und doch..

„Weißt du, ich mag das…“, begann er vorsichtig. „Ich mag unser Zusammenleben, wie wir einander verstehen… ich mag, was wir haben. Es tut mir leid, dass ich dieses Omiai mache. Wenn…“ Kaito hielt inne, er konnte sich nicht schon wieder mit Aoko anlegen. „Ich denke nicht über eine Hochzeit nach… weil… ich kann es mir im Moment einfach nicht vorstellen. Aber… das hier… mit uns, was auch immer es ist, es… es macht mich glücklich, weißt du?“ Nervös fuhr er sich mit seiner freien Hand durch die wirren Haare, aber der Detektiv blieb stumm. „Hör zu, ich weiß, ich… ich bin kompliziert und chaotisch, manchmal ganz schön anstrengend, aber du… dich scheint all das nicht zu stören, du bist…“ Er schüttelte seufzend den Kopf. „Du bist einfach da, grinst dieses spöttische Lächeln und das… man, ich habe eine Schwäche für Intelligenz. Das macht mich wahnsinnig und, wenn ich ehrlich bin… dieses Omiai… ich weiß nicht, ob ich das kann…“ Ein gequältes Lächeln lag auf seinen Lippen und er wartete noch immer auf eine Reaktion des Detektivs, doch der schwieg weiterhin beharrlich. Hatte er es vielleicht doch übertrieben? Hatte er Conan mit seinen ehrlichen Worten so überfordert? „Darling?“, fragte er vorsichtig. „Ich weiß, dass ist alles viel und ich… aber… Conan? Sag irgendwas…“ Kaito schluckte, während langsam etwas Bewegung in den Detektiv kam. Er versuchte wirklich, nicht verzweifelt zu klingen, aber dieses Schweigen machte ihn wahnsinnig. „Darling, … ich wollte nicht… habe ich dich überfordert?“

„Kaito…? Was…“ Langsam drehte der Detektiv sich zu ihm um, blinzelte ein, zweimal und sah ihn schließlich stirnrunzelnd an, bevor er sich ein Gähnen verkniff. „Wovon redest du?“ Conan wischte sich über die Augen und Kaito kniff seine zusammen. Das konnte jetzt nicht wahr sein?! Er schüttete sein Herz aus und der Detektiv…

„Hast du gerade geschlafen?“ Schockiert sah er ihn an. Zum Teufel mit seinem Pokerface! Aber er konnte nicht glauben, dass das gerade wirklich passiert war.

„Ich…“ Ein wenig beschämt senkte Conan den Kopf. „Ich glaube, ich bin eingedöst. Tut mir leid…“ Resignierend fuhr Kaito sich übers Gesicht. Wo war sein Glück, wenn er es mal wirklich brauchte? „Was hast du gerade gesagt?“ Ein erneutes Seufzen verließ seine Lippen, bevor er abwinkte. Vielleicht sollte es gerade einfach nicht sein.

„Schon gut. Wie wär’s, wenn wir schlafen gehen?“, schlug er stattdessen vor, doch jetzt war Conan wieder wach und durchbohrte ihn mit seinem scharfen Blick.

„Nein, du wolltest eine Antwort von mir. Und es scheint dir wichtig zu sein. Also, was war deine Frage?“ Sein Mund wurde trocken und er starrte ihn einen Moment lang an.

„Legst du dir jemals deine Worte zurecht, bevor du jemanden anrufst?“ Mit offenem Mund starrte Conan ihn an und er gab sein Bestes, sein Pokerface aufrechtzuerhalten. Er konnte es einfach nicht, er konnte seine Worte nicht wiederholen. Der Detektiv blinzelte ihn derweil sprachlos an.

„Das… Ist das dein Ernst?“ Kaito setzte ein Grinsen auf.

„Hab doch gesagt, ist nicht so wichtig.“ Conan schüttelte darauf nur den Kopf und richtete sich auf.

„Na dann, lass uns schlafen gehen.“

Wenn er ehrlich zu sich war, dann war er erleichtert, denn es machte ihm Angst. Sein Leben lang hatte er ein doppeltes Spiel geführt, seine Gefühle, Ängste und Sorgen vor allen verborgen und dann kam Conan, schien bereits bei dem ersten Blickkontakt bis auf den Grund seiner Seele zu sehen. Es war ein vertrautes Gefühl, aber es machte ihn auch verletzlich. Und das machte ihm Angst.

————————————

Nach einer unruhigen Nacht schlug Conan die Augen auf und starrte an die Decke. Er musste nicht auf den Kalender schauen, um zu wissen, welches Datum heute war. Um zu wissen, welcher Tag sich ein weiteres Mal jährte.
Am Liebsten hätte er sich die Decke wieder über den Kopf gezogen, aber das hätte auch nichts gebracht, weder die Bilder, noch die Gedanken, wären verschwunden. Und auch an Schlaf war nicht zu denken. Widerwillig schlug er die Bettdecke zurück und machte sich daran aufzustehen. Nach einer Katzenwäsche im Bad, betrat er die Küche, wo Kaito ihn, wie jeden Morgen, mit einem strahlenden Lächeln begrüßte.

„Guten Morgen, Darling!“ Er starrte seinen Mitbewohner einen Moment an, konnte sich nicht zu einem Lächeln durchringen und brummte schließlich nur kurz als Antwort. Auch die dampfende Tasse, die kurz darauf vor ihm stand, heiterte ihn kein bisschen auf, doch Kaito war taktvoll genug, um zu erkennen, dass der Detektiv gerade nicht reden wollte. Zumindest vorerst. So saßen sie schweigend an der Küchentheke, jeder in seine eigenen Gedanken vertieft. Aber Kaito wurde von Minute zu Minute unruhiger und rutschte auf seinem Stuhl hin und her, während er Conan besorgte Blicke zuwarf.

„Musst du heute zur Uni?“, fragte Kaito schließlich.

„Mh-mmh.“, verneinte Conan, ohne den Blick aus der Schwärze seines Kaffees zu heben.

„Gehst du stattdessen zum Präsidium?“, versuchte sein Mitbewohner es weiter. Diesmal sah er auf, mit einem teilnahmslosen Blick und zuckte mit den Schultern.

„Keine Ahnung.“ Eine glatte Lüge. An diesem Tag ging er nicht einem Kriminalfall nach. So wie in den letzten Jahren.

„Also ein entspannter Tag zuhause?“

„Hmm.“, stimmte er halbherzig zu, bevor das Klingeln an der Tür Kaitos Versuch eines Dialogs unterbrach. Conan konnte schon am Klingeln erahnen, wer gleich die Wohnung betrat, verkniff sich ein Augendrehen und nahm stattdessen einen tiefen Atemzug. Sein Geduldsfaden war an diesem Tag sehr kurz.

„Ai-chan, was für eine Überraschung.“, bestätigte Kaitos freudiger Ausbruch seine Vermutung. Wie jedes Mal zückte er eine Rose und überreichte sie ihr, die sie ohne Kommentar, dafür mit einem geschmeichelten Lächeln, annahm.

„Wie läuft die Planung für deine nächste Show?“, fragte sie, ehrlich interessiert, und ein Strahlen ging über das Gesicht des Magiers.

„Ich komme gut voran. Aber noch nicht alles spruchreif. Wenn ich Genaueres weiß, dann melde ich mich bei dir.“ Sie nickte und gemeinsam betraten die Beiden die offene Küche.

„Wie geht es dir?“, fragte die junge Frau, während sie den Detektiv von oben bis unten musterte.

„Gut.“, war seine kurz angebundene, leicht genervte, Antwort. „Was willst du?“

„Mich davon überzeugen, wie es dir wirklich geht.“ Ai ließ sich nicht im Mindesten von seinem stechenden Blick einschüchtern und sah ihn weiterhin erwartungsvoll an, auch wenn sie wusste, dass sie heute keine ehrliche Antwort bekommen würde.

„Es gibt so eine tolle Erfindung, die nennt sich Telefon.“, gab der Detektiv sarkastisch und in einem beißenden Ton zurück, woraufhin sie nur mit den Augen rollte. Kaito hielt sich aus der Diskussion raus und hatte sich schweigend wieder auf seinem Stuhl gegenüber des Detektivs niedergelassen.

„Das setzt voraus, du würdest den Anruf annehmen.“, hielt sie unbeeindruckt entgegen.

„Warum bist du hier?“, fragte der Detektiv erneut und rutschte, leicht erschöpft und ein wenig resignierend, von seinem Stuhl.

„Wie gesagt, um zu sehen, wie es dir geht.“

„Wie du siehst, geht es mir gut. Du kannst also jetzt wieder gehen.“, antwortete er einmal mehr in einem harschen Ton, ging zum Kühlschrank, nahm sich eine Wasserflasche und warf die Tür mit mehr Schwung als notwendig wieder zu, bevor er in seinem Zimmer verschwand. Nicht jedoch, ohne die Tür hinter sich zuknallen zu lassen. Einen Moment herrschte Stille in der Küche, bevor Ai tief seufzte.

„Was ist denn bei euch los?“, fragte Kaito, sichtlich erstaunt und sah zwischen der rotblonden Frau und Conans Zimmertür hin und her. Sie ließ sich auf dem Stuhl nieder, auf dem bis eben noch der Detektiv gesessen hatte und beäugte ihn, als würde sie ihre Antwort genau abwägen. Dann huschten ihre Augen zu Conans Zimmer, aus dem ein leises Geräusch erklungen war und sie begann runter zu zählen.

„5…“ Kaito runzelte die Stirn.

„4…“ Doch Ai starrte nur zurück, ohne sich zu erklären.

„3…“ Der Magier wurde nervöser und begann sich Sorgen zu machen.

„2…“ Was wenn seinem Mitbewohner etwas passierte?

„1…“ Dann erklang ein lautes Poltern und Kaito zuckte zusammen. Der Detektiv fluchte in seinem Zimmer lautstark vor sich hin und es ertönte ein erneutes Krachen. Mit offenem Mund starrte Kaito seinen Gast an, bevor er einen besorgten Blick in Richtung des Zimmers warf. Hatte sie das wirklich kommen sehen? Fragend sah er sie an, doch Ai winkte nur ab. „So ist er nun mal. Einmal im Jahr holt ihn sein Perfektionismus ein. Stellt sich vor ihn und setzt ihm die Pistole auf die Brust.“ Diese Antwort half ihm nicht wirklich weiter und er runzelte die Stirn nur noch mehr.

„Warum? Was ist passiert?“

„Das ist nicht meine Aufgabe.“, antwortete sie schulterzuckend. „Das muss er dir schon selber erzählen. Aber…“, sie zögerte als sie sich von ihrem Stuhl erhob. „sei nachsichtig heute mit ihm.“ Abwesend und besorgter als zuvor nickte Kaito, wusste nicht so recht, was er mit dieser Information anfangen sollte. Doch bevor er weiter nachbohren konnte, verabschiedete sich die junge Frau bereits von ihm.

———————————————

Am späten Abend stand Conan auf dem Balkon, die Arme überkreuzt auf dem Geländer und darauf seinen Kopf abgelegt. Er starrte auf seine Füße, bevor er für einen kurzen Moment die Augen schloss. Doch sofort überkamen ihn die Bilder und er spürte die Hitze als wäre es gestern gewesen. Mit einem leisen Seufzen öffnete er seine Augen wieder, starrte aber weiterhin nach unten, verloren in seinen Gedanken.
Das Geräusch einer aufgehenden Balkontür holte ihn aus den Tiefen seiner Erinnerungen und er hörte, wie Kaito sich neben ihn ans Geländer stellte, doch er schien nichts sagen zu wollen.

„Es tut mir leid.“, wisperte Conan leise. Irgendwie hatte er das Bedürfnis sich bei seinem Mitbewohner für sein Verhalten zu entschuldigen. Dieser Tag war jedes Jahr schwierig für ihn und er versuchte allen Menschen weitestgehend aus dem Weg zu gehen, aber das ging nun mal schlecht, wenn man zusammen lebte.

„Was meinst du?“, fragte Kaito nach einem Moment des Zögerns.

„Ich bin heute…“ Er seufzte, hob seinen Kopf und legte ihn wieder auf seinen Armen ab, diesmal mit Blickrichtung nach vorne. „Ich hätte dir vorher sagen sollen, dass ich heute nicht sehr gesprächig bin.“

„Schon gut. Jeder hat mal einen schlechten Tag.“

„Nein, ich… wusste, dass ich heute so… bin.“ Sein Mitbewohner sah ihn einen Moment lang nachdenklich an, bevor er seinen Blick wieder auf die Stadt vor ihm richtete.

„Wenn du darüber reden möchtest, höre ich dir gerne zu.“, bot er schließlich an und Conan schloss, fast schon resignierend die Augen. Wollte er Kaito diese alte Geschichte erzählen? Wollte er diese Erinnerung noch einmal durchleben? Auf der anderen Seite würde er das spätestens in der kommenden Nacht. Vielleicht tat es gut mal wieder darüber zu reden? Seufzend öffnete er die Augen wieder und blickte auf die Stadt, die sich vor ihm in der Dunkelheit ausbreitete.

„Ich war damals auf einer kleinen Insel. Wir hatten einen Auftrag. Es ging um das Mysterium eines toten Pianisten, der mit seiner Familie in einem brennenden Haus umgebracht wurde. Bis in den Tod hinein hatte er Beethovens Mondscheinsonate gespielt.“ Bei der Erinnerung, wie alles begonnen hatte, bildete sich ein Kloß in seinem Hals. Sie waren für einen Fall dorthin gereist, der Ausmaße auf seine persönliche Entwicklung genommen hatte, die er sich vorher nicht hatte vorstellen können. „Kaum das wir damals dort waren, passierte ein Mord. Als wir die Leiche fanden, spielte die Mondscheinsonate im Hintergrund.“ Conan hielt inne, doch Kaito blieb stumm, ließ ihm die Zeit, die er brauchte, um seine Geschichte zu erzählen. „Bis ich… bis ich herausfand, wer der Täter war, gab es noch zwei weitere Opfer… Aber dann… Seiji, der Sohn des getöteten Pianisten… er war zum Mörder geworden… er hatte das Haus in Brand gesteckt und sich schließlich an den geliebten Flügel gesetzt…“ Wieder schloss Conan die Augen. Er konnte sich an jedes gesprochene Wort in dem entflammten Haus erinnern. An die ruhige Stimme Asos, der sich nicht bekehren lassen wollte. Der nicht mehr hatte leben wollen. Es durchzuckte ihn als er in seiner Erinnerung die Wucht des Aufpralls noch einmal erlebte und biss sich schmerzhaft auf die Unterlippe. „Ich wollte ihn da raus holen. Aber… stattdessen… er hat mich aus dem Fenster geworfen.“ Conan schluckte, der Kloß in seinem Hals wurde immer größer. „Und genau wie sein Vater spielte er auf dem Flügel. Im flammenden Inferno. Und hinterließ mir eine Botschaft… Er bedankte sich bei mir…“ Er nahm einen tiefen Atemzug, um sich zu sammeln. Auch nach all den Jahren kam er nicht darüber hinweg, dass er Seiji Aso hatte sterben lassen. Wie sein Vater war er verbrannt. „Ich habe versagt, Ich konnte ihn nicht retten und er ist verbrannt.“, schloss er seine Erzählung mit einem Schlucken. „Bis heute lässt es mich nicht los.“

„Er hat es so gewollt, oder?“, fragte Kaito vorsichtig in die Stille der Nacht und ein bitteres, fast schon spöttisches, Lachen entkam den Lippen des Detektivs. Genau wie Heiji…

„Ein Detektiv, der zulässt, dass ein Verdächtiger, nach seinen Schlussfolgerungen Selbstmord begeht, ist selbst nicht viel besser als ein Mörder.“, erklärte er und benutzte dabei die gleichen Worte, wie schon Heiji gegenüber.

„Aber… du kannst nicht jeden retten.“, widersprach Kaito.

„Aber ich muss es zumindest versuchen.“ Aus dem Augenwinkel sah Conan, wie sein Mitbewohner ungläubig, aber sanft, den Kopf schüttelte, bevor sie wieder in Schweigen verfielen. Auf eine Art verstand der Magier ihn, das spürte er, und doch wollte er ihm die Last nehmen. Kaito fehlten die Worte, so wie sie ihm damals fehlten.

„Es ehrt dich sehr, dass du das möchtest, aber dieser Anspruch wird dich eines Tages zerreißen. Umso dankbarer bin ich, dass du es mir erzählt hast.“, sagte Kaito schließlich und sah ihn mit einem dankbaren Lächeln an, bevor sie in den Sternenhimmel blickten. Schweigen legte sich zwischen sie, ohne unangenehm zu werden, Kaito verarbeitete das Gehörte und versuchte Conan gleichzeitig den Raum zu geben, sich wieder zu finden. Denn auch nach all den Jahren nahm ihn diese Geschichte immer noch mit.
Plötzlich legte sich ein Grinsen auf das Gesicht des Magiers, bevor er ein unverfänglicheres Thema aufgriff. „Das da ist übrigens ein Vollmond.“ Conans Blick wanderte zu der strahlenden Scheibe am Himmel und war im nächsten Moment fast geblendet von der Helligkeit des Mondes. Es erinnerte ihn unweigerlich an das Aufblitzen eines Monokels und er schloss schuldbewusst die Augen. Mit einem Kopfschütteln versuchte er die Gedanken loszuwerden und drehte sich zu Kaito, um ihm zu antworten. Doch er hielt mitten in der Bewegung inne. Der Magier sah hinauf zum Mond als wäre er ein alter Freund und es wirkte als würden sie nostalgisch ein paar Erinnerungen austauschen. Der Anblick brachte ihn zum Lächeln und im gleichen Moment erinnerte ihn das Blitzen in Kaitos Augen einmal mehr an Kaito Kid. Resignierend nahm er einen tiefen Atemzug, bevor er sich umdrehte und zurück in die Wohnung ging. Der Detektiv ging geradewegs in die Küche und er machte sich an der Kaffeemaschine zu schaffen als Kaito, der ihm scheinbar gefolgt war, sich zu ihm gesellte.

„Du machst dir jetzt noch einen Kaffee? Gehst du nicht langsam schlafen?“, platzte es aus ihm heraus, kaum dass er bemerkte, was Conan tat.

„Nein, ich versuche es heraus zu zögern, so lange es geht.“, murmelte er und beobachtete, wie sich die Tasse vor ihm langsam füllte.

„Warum?“ In Kaitos Stimme schwang eine Besorgnis mit, die ihm warm ums Herz werden ließ, dann erinnerte er sich wieder an die bevorstehende Nacht und seine Miene verfinsterte sich.

„Jedes Jahr durchlebe ich diese Nacht aufs Neue. Höre noch dazu Schreie aus dem brennenden Haus, die es so nie gegeben hat. Und dann ist da noch mein Gewissen, das mit Vorwürfen nicht gerade hinter den Berg hält.“ Mit einem Seufzen griff er nach seiner Tasse, bevor er sich zu seinem Mitbewohner umdrehte, der ihn nachdenklich ansah.

„Möchtest du bei mir schlafen?“ Conan sah ihn an wie erstarrt und war froh, dass er nicht vor Schreck, die Tasse hatte fallen lassen.

„Aber…“, begann er, bevor Kaito ihn unterbrach.

„Ich meine, vielleicht hilft es dir, nicht allein zu sein. Vielleicht kann ich, dir helfen, dich beruhigen…“, erklärte er seinen Vorschlag und senkte, ungewohnt nervös, den Kopf. „Das hat mir zumindest immer geholfen.“ Langsam nickte der Detektiv und nippte an seinem Kaffee.

„Ja… vielleicht… Vielleicht hilft es ja wirklich.“, antwortete er schließlich mit leiser Stimme, doch schon im nächsten Moment wurde ihm die Kaffeetasse sanft entwendet und Kaito zog ihn hinter sich her, sodass sie nur wenig später gemeinsam in Kaitos Bett lagen. Die Gedanken an Ran und das schlechte Gewissen schob er in die hinterste Ecke in seinem Kopf und nahm einen tiefen Atemzug, mit dem er Kaitos Eigengeruch tief einatmete, bevor er die Augen schloss. Heute Nacht ging es nur darum, dass er ruhig schlafen konnte.

———————————————

Er spürte die Wucht des hölzernen Fensterkreuzes in seinem Rücken und wusste, dass es einen ordentlichen blauen Fleck geben würde. Doch das war egal. Auch das er hart auf dem Boden aufschlug, war egal. Er musste zurück. Das Haus stand lichterloh in Flammen, doch er musste zurück. Er war doch noch da drin.
Seiji.
In seinem Inneren breitete sich Panik aus, als er festgehalten wurde. Er versuchte sich loszureißen, sein Atem ging immer schneller und er fuchtelte umher. Er musste da rein.
Natürlich wusste er, wie gefährlich es war, aber er konnte doch nicht zulassen, dass… Conan schluckte als er zwei Arme spürte, die ihn sanft nach hinten zogen, in festhielten und doch Geborgenheit versprachen. Ganz entfernt hörte er die Klänge des Klaviers und hielt inne. Es war zu spät. Im hinteren Teil des Haus brachen bereits die ersten Balken zusammen. Durch den dichten Rauch erkannte er kaum den strahlenden Vollmond am Himmel, der im Schein des Feuers kaum Licht spendete. Ein schweres Gefühl breitete sich in seiner Brust aus und ein Zittern ging durch seinen Körper. Wie hatte er zulassen können, dass Seiji Aso allein zurück blieb?
Dann plötzlich entdeckte er eine bekannte Silhouette auf einem der Dachbalken und hielt inne. Was tat er hier? Das konnte nicht sein?! Er gehörte nicht hierher. Doch der weiße Zylinder gehörte unverkennbar zu jenem Phantomdieb, den er nie hatte schnappen können. Von dem er sich nie hatte verabschieden können. Und jetzt stand er dort, seelenruhig auf den brennenden Balken des Dachstuhls. Bevor Conan begriff was vor sich ging, brachen die Balken zusammen und der Schatten von Kid verschwand in dem flammenden Inferno. Ein Riss ging durch seinen ganzen Körper.
„Nein!“, brüllte er, versuchte erneut sich aus dem festen Griff zu lösen. „KID!“ Vor Schmerz zog sich alles in ihm zusammen und er krümmte sich, kniff die Augen zusammen.

Dann riss er die Augen auf, brüllte aus tiefstem Herzen seinen Schmerz in die plötzliche Dunkelheit.

„Kid!“ Er blickte in die aufgerissenen blaue Augen seines alten Rivalen, die ihn erschrocken anstarrten. Es ging ihm gut. Kid war sicher. „Kid, du…“, begann er erleichtert, bevor er sich blinzelnd aufsetzte. Mit klopfendem Herzen sah er sich kurz um, bevor er wieder den strahlenden Augen begegnete, die er auch im Dunkeln gut erkannte. Dann sickerte die Erkenntnis ein. „Kaito?“, fragte er in die Stille. Es war nicht Kid, der ihn angesehen hatte.

„…ja.“ Vorsichtig richtete sein Mitbewohner sich auf, lies ihn zu keiner Sekunde aus den Augen, strich ihm anschließend langsam über die Wange. „Du bist wach. Es war nur ein Traum.“ Dann zog er ihn in seine Arme und Conan ließ sich erschöpft an die Brust des Magiers fallen, der sie wieder ins Liegen brachte. Der Detektiv lauschte dem pochenden Herzschlag von Kaito, der genauso schnell schien, wie sein eigener. Doch er fühlte sich beschützt, in den starken Armen von Kaito und schloss seine Augen wieder. Bevor er es realisieren konnte, driftete er auch schon wieder ins Land der Träume und die restliche Nacht blieb ruhig.



***

Und, und, und? Wie viel Drama verträgt die Story noch?
Bin gespannt, wie ihr das hier fandet und freu mich auf eure Gedanken :)

LG Kuro
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