Tonight You Killed Me With Your Kiss

GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P12 Slash
Josef "Jupp" Schatz Klaus Taube
13.08.2017
13.08.2017
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13.08.2017 2.273
 
Titel: Tonight You Killed Me With Your Kiss
Autor: Lady Charena (Dez. 2006)
Fandom: SK Kölsch

Spoiler: Staffel 1+2
Charaktere: Jupp Schatz, Klaus Taube, Florian Schatz
Pairing: Jupp/Klaus
Rating: slash, pg12

Beta: T'Len
Worte: 2272

Summe: Seit den Ereignissen in „The Day After“ sind etwa vierzehn Tage vergangen. Jupp ist bei Florian und Klaus eingezogen und das Leben scheint langsam zu seinem normalen Gang zurück zu finden. Fortsetzung zu „For The Comfort Of Ignorance“ und “The Day After”.


Anmerkung: Noch eine Fortsetzung, die ich nie schreiben wollte  - aber dann lief gestern Abend „Tonight“ von Reamonn im Radio, als ich eigentlich schon halb eingeschlafen war – was dazu führte, dass ich statt zu meinem Schönheitsschlaf zu zwei Seiten hastig aufgeschriebener Notizen für eine neue Story kam... <gähn> Enjoy.



Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Lyrics von Nickelback / Reamonn.



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When the night becomes the day
and there’s nothing left to say.
If there’s nothing left to say,
then something’s wrong.


Reamonn

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Die Kartons mit Jupps Sachen standen immer noch im Flur, obwohl er ihn bereits vor zwei Tagen gebeten hatte, sie endlich wegzuräumen. Klaus trat auf dem Weg in die Küche um sie herum, um das Frühstück für sich und Florian zu machen.

Jupp hatte bereits nach dem ersten gemeinsamen Morgen nicht mehr daran teilgenommen, sondern vertrödelte die Zeit, bis Flo sich für die Schule auf den Weg machen musste, im Bad oder mit dem Lesen der Zeitung. Entweder aus Protest gegen die ohne seine Zustimmung verhängten Hausregeln, die ihn zu einer Änderung seiner Junggesellen-Gewohnheiten zwangen oder... oder um ihm aus dem Weg zu gehen, Klaus wusste es nicht.

Seit dem unterbrochenen Kuss in der Küche war die Atmosphäre zwischen ihnen mehr als nur angespannt. Sie vermieden es, allein miteinander zu sein, so war jedes ‚private’ Gespräch ausgeschlossen.

Jupp nutzte die Abende dazu, sich um Flo zu kümmern oder – zusammen mit Anna – den Betrieb im Rättematäng aufrecht zu erhalten.

Und Klaus übernahm stillschweigend den größten Teil des Routineschreibkrams, der auch dann anfiel, wenn sie gerade kein Verbrechen aufzuklären hatten, was ihn bis spät Abends im Büro festhielt.

Er deckte Jupp bei Haupt, damit der früh aus dem Büro verschwinden konnte um Florian von der Schule abzuholen oder mit ihm zum Fußballtraining zu gehen; überredete ihre Kollegen Jenny und Achim vorübergehend im Rättematäng zu kellnern, bis Jupp eine neue Aushilfsbedienung für die Kneipe gefunden hatte; brütete mit Anna über der Buchhaltung oder kämpfte sich mit Jupp durch einen endlosen bürokratischen Dschungel.

Der nötige Formular- und Antragsaufwand, um das alleinige Sorgerecht für Florian wieder auf Jupp übertragen zu lassen, hielt sie zwei endlose Nächte wach. Zwar hatten er und Ellen sich nach der Scheidung das Sorgerecht für ihr Kind geteilt, doch da Flos Hauptbezugsperson seine Mutter gewesen war, wollte das Jugendamt – vor allem auch in Hinblick auf Jupps unregelmäßige Arbeitszeiten – alles sehr genau prüfen.

Zum Glück war da Anna, die sich um Flo kümmerte, wenn Jupp und Klaus zum Einsatz mussten. Die neuen Besitzrechte für das Rättematäng und die Wohnung mussten geklärt werden; Behörden, Versicherungen, Melderegister, Bankkonten – überall und immer wieder musste erklärt und bestätigt werden, dass Ellen Hennes tot war.

Und die ganze Zeit über ertappte sich Klaus dabei, auf den Mann an seiner Seite zu starren und seine eigenen Gefühle zu hinterfragen.

Was war es überhaupt, dass er für Jupp empfand?

Aus einer stachligen, herausfordernden ersten Begegnung war rasch eine – wohl für sie beide ungewohnte – emotionale Bindung entstanden.

Klaus entdeckte, dass er tatsächlich Vertrauen zu einem Mann haben konnte, der Vorschriften die gleiche Bedeutung zumaß wie Geschenkpapier bei einem Kindergeburtstag – hübsch anzusehen, aber an das Geschenk kam man nur dann, wenn man das Papier schnellstmöglich zerfetzte – Verkehrsregeln für Auslegungssache hielt, egal was die anderen Verkehrsteilnehmer davon halten mochten; seinen Machocharme anzuwenden wusste und dabei manchmal eine Borniertheit, Unsensibilität und Voreingenommenheit an den Tag legte, die einem dem Atem verschlug. In solchen Momenten fiel es ihm schwer, auch nur mit Jupp zusammen zu arbeiten.

Aber es gab andere Momente, in denen alles ganz anders war. In denen Klaus sich mit Jupps grundlegender Ehrlichkeit und einem tiefen Sinn für Gerechtigkeit identifizieren konnte, und eine andere Seite an seinem Partner entdeckte. Eine Weichheit, Verletzlichkeit, eine Sehnsucht nach Geborgenheit, die sich wohl kein Mann gerne eingestand – und schon gar nicht ein Jupp Schatz. Aber die Sehnsucht war da gewesen, wenn nicht in seinen Worten, dann doch in seinen Augen, wenn er von Ellen oder Flo oder über das Scheitern seiner Ehe sprach.

Und egal, wie sehr ihn Jupp auch aus der Balance brachte, mal wieder seine Sprüche von sich gab oder sogar beleidigte – böse konnte er ihm nie lange sein, wenn Jupp ihn dann mit diesem jungenhaften Grinsen und einem verzeihungsheischenden Leuchten in den blauen Augen anblickte.

Er hatte die Veränderungen an sich selbst wahrgenommen, wenn es auch niemand sonst konnte – wie sein Panzer kühler Professionalität Risse bekam und er viel zu schnell vor Jupps Freundschaft kapitulierte. Wie er zum ersten Mal seit sehr langer Zeit das Gefühl hatte, an einen Ort zu gehören und mehr als das, zu jemandem zu gehören. Er hatte plötzlich so etwas wie eine Familie mit Jupp, Flo und Ellen.

Und er war sich auch des Preises bewusst gewesen, den er dafür zu bezahlen bereit war. Er hatte seine Gewohnheiten, seine Interessen - sein Leben – vollkommen umgekrempelt und an Jupps angepasst. Beziehungen blieben zwischen seinem Beruf und Jupps Beanspruchung des größten Teils seiner freien Zeit zwangsweise oberflächlich und waren wegen seiner mangelnden emotionalen Beteiligung in sich schon zum Scheitern verurteilt, wie ihm der Seitensprung seines Freundes während ihres gemeinsamen Karibikurlaub gezeigt hatte. Jupps unerwartetes Auftauchen am Flugplatz hatte ihn seinen gekränkten Stolz schlucken lassen und er hatte sich an seiner Seite in die Arbeit gestürzt, aber er war kaum über das jähe Ende der Beziehung am Boden zerstört gewesen.

Bei allem, was zwischen ihnen war, Klaus war sich immer sicher gewesen, gab es kein Begehren, keine Liebe, nur Freundschaft und Kameraderie. Und so hätte es zwischen ihnen bleiben können, sie hätten weitermachen können wie bisher, blind und ignorant – wäre Ellen nicht bei diesem Unfall gestorben.

Plötzlich war alles anders. Vielleicht nahm er aber auch nur anders wahr. Als wäre mit Ellen ein Teil von Jupp verschwunden, den er hatte nie erreichen können, aber der wie eine Glaswand zwischen ihnen stand. Eine Umarmung, ein Kuss, hatten genügt, um dieser Wand auf seiner Seite Risse zuzufügen. Er hatte es zugelassen...

Eines Tages wirst du zu weit gehen, Jupp.
Aber dazu bist du doch mein Partner, um zu verhindern, dass ich das tue.

Aber er war es gewesen, der in dieser Nacht zu weit gegangen war, und es zuließ, dass Jupp...

Klaus zwang seine Gedanken zurück in die Gegenwart. Die Küche war leer, aber die Kaffeemaschine war sichtlich schon in Gebrauch gewesen und ein benutzter Becher stand auf dem Tisch. Die Kanne war noch warm, also schien Jupp heute sehr zeitig aufgestanden zu sein.

Doch die Routinehandgriffe, um Flos Frühstück vorzubereiten – er fand, dass er selbst keinen Appetit hatte – hielten seine Gedanken nicht davon ab, wieder um Jupp zu kreisen.

Hatte er sich in ihn verliebt? Aber das war Wahnsinn. Jupp würde niemals in der Lage sein, eine Beziehung mit einem anderen Mann – mit ihm! - auch nur in Erwägung zu ziehen. Mit seiner manchmal naiv erscheinenden, manchmal überzogen wirkenden Heterosexualität, die ihn weder nach links noch rechts einen Blick wagen ließ.

Aber der Kuss, beharrte eine leise, irrationale Stimme in ihm.

Jupp war betrunken gewesen, verwirrt, traurig – hielt er vernünftig dagegen.

Und später? In der Küche? beharrte die Stimme. War er da auch betrunken?

Klaus stützte beide Handflächen auf und senkte den Kopf. Eine Art von Panik füllte seinen Mund mit einem schlechten Geschmack. Das Einfachste wäre, zu gehen; sich endlich wieder eine eigene Wohnung zu suchen – und sein eigenes Leben wiederzuerlangen. Aber er konnte es nicht. Noch nicht. Er hatte versprochen, für Flo und Jupp da zu sein. Und dieses Versprechen war an keine Bedingungen geknüpft.

Egal, wie weh es tat. Seine Gefühle waren bedeutungslos.





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I paid my last respects this mornin' on an early grave
Already said goodbye, nothin left to say



Nickelback – Woke Up This Morning

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„Klaus?“ Ein vollständig, wenn auch nachlässig, gekleideter Jupp erschien in der Tür, er wirkte übernächtigt und unausgeschlafen. „Wo steckt er?“

„Jupp, was ist...?“

„Flo! Hast du Florian gesehen? Er ist nicht in seinem Zimmer. Ich... ich wollte ihn gerade wecken. Ist doch bald Zeit für die Schule.“ Jupp fuhr sich durch die Haare, die ohnehin wild in alle Richtungen ab standen.

Klaus trat zu ihm, legte ihm eine Hand beruhigend auf die Schulter, zog sie aber wieder zurück. „Vielleicht... ist er schon früher los und trifft sich vor dem Unterricht mit seinen Freunden. Oder er ist unten in der Kneipe und holt sich eine Cola.“

„Da war ich auch schon.“ Jupp ging an ihm vorbei und griff nach dem Kaffeebecher. Er schenkte sich jedoch nichts ein, sondern drehte ihn nur in den Händen, als wisse er nicht mehr, was er damit hatte anfangen wollen. „Und seine Schulsachen sind noch in seinem Zimmer.“

„Vielleicht ist er oben auf dem Dachboden. Da spielt er manchmal...“

„Verdammt, ich habe schon überall nachgesehen“, blaffte ihn Jupp an. Dann holte er tief Luft, fuhr sich übers Gesicht und wandte Klaus den Rücken zu. „Tut mir leid. Es tut mir leid. Ich mache mir Sorgen um Florian. Was ist, wenn er weg ist.“

„Weg?“, wiederholte Klaus. „Was meinst du... du meinst, er ist weggelaufen? Unsinn. So was macht Florian nicht. Er ist doch ein vernünftiger Junge.“

„Aber wo zum Teufel steckt er?“

Klaus trat zu ihm und nahm ihm den Becher aus der Hand, um ihn auf die Arbeitsfläche zu stellen. „Ich habe so eine Ahnung, wo er ist. Warte einen Moment, ich hole nur meine Jacke.“

„Wovon redest du? Wo steckt Flo?“ Jupp folgte ihm, blieb aber wie angewurzelt an der Tür zur Klaus‘ Zimmer stehen. Er sah ihm zu, die Arme vor der Brust verschränkt.

Klaus wandte sich ihm zu. „Ich denke, er ist bei seiner Mutter.“ Er zog die Tür hinter sich zu. „Auf dem Friedhof.“

Jupp wandte sich ab. „Worauf warten wir dann noch?“


* * *


Sie waren schweigend zum Friedhof gefahren. Jupp parkte den Wagen, stieg aber nicht aus. Seine Hände, die auf dem Lenkrad lagen, zeigten seine Anspannung. „Rede du mit ihm“, sagte er schließlich. „Du kannst das einfach besser.“

„Florian ist dein Sohn, Jupp. Du musst endlich lernen, mit ihm umzugehen. Auch in schwierigen Situationen.“ Klaus studierte sein Profil. „Jupp.“

Schatz schüttelte den Kopf. „Ich kann es nicht“, sagte er gepresst. „Bitte, Klaus. Ich kann es nicht.“

Nach einem Moment nickte sein Partner und stieg ohne ein weiteres Wort aus dem Auto. Die Hände in die Taschen gestopft, trat er durch das Friedhofstor und eilte zwischen den Grabreihen entlang.

Es war noch früh und kalt genug, dass sein Atem kondensierte und wie eine weiße Wolke über ihm hing. Seine Schritte verlangsamten sich ein wenig, als er sich der Grabstelle näherte, in der Ellen bestattet worden war. Flos grüner Anorak leuchte zwischen den grauen Grabsteinen.

Klaus trat hinter ihm. „Florian?“, sagte er leise.

Der Junge reagierte nicht. Er saß vor dem Grab auf dem Boden.

Klaus hockte sich neben ihn. „Hey. Dein Vater hat sich Sorgen gemacht, als du nicht in deinem Zimmer warst.“

Endlich sah Flo ihn an. „Ist er sehr sauer auf mich?“, fragte er leise.

„Natürlich nicht.“

„Warum ist er dann nicht hier?“, murmelte der Junge.

Klaus blickte auf das Grab. „Ich weiß nicht, ob ich dir das erklären kann. Für deinen Vater ist das alles genauso fremd und... beängstigend, wie für dich. Er will dir gerne helfen, aber er weiß nicht, wie er das anfangen soll. Es ist schwer, aber du musst versuchen, geduldig mit ihm zu sein.“ Er schwieg einen Moment. „Warum bist du schon so früh hierher gekommen?“

„Ich habe von Mama geträumt“, meinte Florian nach einer Weile. „Aber als ich aufgewacht bin, konnte ich mich auf einmal nicht mehr an ihre Stimme erinnern. Und ihr Bild war schon ganz verschwommen in meinem Kopf. Ich dachte, wenn ich herkomme...“ Er brach ab, blickte Klaus mit großen Augen an. „Heißt das, dass ich sie vergesse?“

Klaus legte den Arm um Florian, zog ihn an sich. “Du wirst die Stimme deiner Mutter nie vergessen. Du wirst sie immer hören.“ Er tippte mit dem Finger auf Flos Brust. „Da drin, in deinem Herzen. Und da drin ist auch ihr Bild. Dort ist sie immer bei dir. Du wirst sie nie vergessen.“ Er streichelte dem Jungen übers Haar. Aus den Augenwinkeln sah er eine Gestalt – und drehte den Kopf. Es war Jupp, der zu ihnen trat.

Florian sah ihn auch. „Papa.“ Er löste sich von Klaus und lief zu seinem Vater, der ihn in die Arme schloss.

Jupp hob seinen Sohn hoch und drückte ihn an sich. „Jag’ mir bitte nie wieder so einen Schreck ein, Flo“, flüsterte er, sein Gesicht in Florians Haar gedrückt. „Ich hatte solche Angst, als ich dich nicht finden konnte, kleiner Schatz.“

Flo hob den Kopf und wischte sich mit dem Ärmel die Tränen von den Wangen. „Ich versprech‘s, großer Schatz.“ Dann legte er das Gesicht zurück an Jupps Schulter.

Jupp hielt ihn fest. Er blickte auf und begegnete Klaus mitfühlendem Blick. Und sah wieder weg. „Ich bring dich jetzt erst mal nach Hause.“ Er wandte sich zum Gehen, stoppte, blickte über die Schulter und Flos Kopf hinweg. „Kommst du, Klaus?“

„Natürlich.“ Was sonst hätte er schon antworten können...


Ende



Fortsetzung: Woke Up This Morning
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