The Pack

GeschichteFantasy / P16
12.08.2017
17.06.2019
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14.08.2017 1.584
 
Es war früh am Morgen, als Vilkas die Tür zu dem Quartier seines Bruders aufstieß. Dieser lag, wie er richtig vermutet hatte, noch im Bett und schnarchte friedlich vor sich hin.
„Hey, du Schlafmütze“, rief Vilkas seinem Bruder ins Ohr, „Wach auf, mir müssen los!“.
Ein leises Brummen war alles, was er als Antwort bekam, ehe sein Bruder sich auf die andere Seite drehte und einfach weiter schlief. Verstimmt knurrte Vilkas, ehe er kurzerhand den Wasserkrug vom Tisch griff und ihn über seinen Zwilling ausschüttete.
Durch das kalte Nass geweckt schreckte Farkas hoch und blickte sich erst einmal einen Moment verwirrt um.
„Was soll das?“, knurrte er seinen Bruder an, „Es ist noch dunkel draußen“.
„Dich bekommt man anders nun einmal nicht wach“, antwortete Vilkas, „Los, zieh dich an! Wir sind heute mit jagen dran – wenn du also heute was in den Magen bekommen willst, dann beeile dich“.

Eine knappe halbe Stunde später machten die beiden Brüder sich dann auf den Weg.
„Was wirfst du mich so früh aus dem Bett?“, brummte Farkas, während sie durch die Straßen Weißlaufs gingen, „Es dämmert ja gerade mal“.
„Weil du meistens eine Ewigkeit brauchst, bis du in die Pötte kommst“, war Vilkas´Antwort, „Und jetzt lauf, das Wild erlegt sich nicht von selbst“.
Gut eine Stunde durchstreiften die beiden Brüder nun schon die weiten Wiesen um Weißlauf, ohne Glück. Das einzige, was ihnen vor die Bögen gelaufen waren waren zwei Kaninchen. Sie waren nicht besonders groß – noch nicht ausgewachsen und garantiert nicht genug, um ihre Truppe satt zu bekommen. Sie brauchten einen Hirsch oder ein Wildschwein … oder wenigstens noch ein paar Kaninchen – davor brauchten sie nicht nach Jorrvaskr zurück zu kehren.
Aufmerksam – mit gespanntem Bogen –  ließ Vilkas seinen Blick über die Weite schweifen, achtete auf jedes Geräusch und versuchte Witterung auf zu nehmen. Farkas tat es ihm gleich – in einigen Metern Entfernung und in die entgegengesetzte Richtung. Lange Zeit konnte er keine Anzeichen ausmachen, welches auf eine fette Beute deuten würde.
„Hey sag mal, wie lange wollen wir hier noch herumstehen und Löcher in die Luft starrten?“, rief Farkas seinem Zwillingsbruder zu, „Hier ist weit und breit nichts! Lasst es uns an einem anderen Ort versuchen. Vielleicht haben wir am Fluss mehr Glück“.
„Nicht so laut du Idiot“, zischte Vilkas, „Wenn du hier weiterhin so brüllst, dann verscheuchst du noch sämtliche Beutetiere in einem Umkreis von zehn Meilen“.
Farkas wollte gerade etwas erwidern, wurde jedoch von einem eindringlichen Blick seines Bruders davon abgehalten.
„Shht! Da war was“, Vilkas richtete seinen Bogen gegen den Busch, in dem gerade ein Zweig geknackt hatte. Was auch immer den Zweig abgebrochen hatte, ein Kaninchen war es wohl kaum gewesen. Er zielte direkt auf den Busch und schoss einen Pfeil in dessen Mitte.
Erschrocken hielt er inne, als ein heißerer Schrei an sein Ohr trat.
„Was auch immer du gerade getroffen hast“, entgegnete Farkas und trat an ihm vorbei – auf den Busch zu, „Es war kein Tier“.
Mit großen Schritten eilte Vilkas seinem Bruder nach, dieser war vor ihm an besagten Busch, griff zwischen dessen Zweige und zog eine junge Frau heraus – in deren Schulter Vilkas´ Pfeil steckte.
Vilkas ging neben Farkas in die Hocke und musterte die Frau in seinen Armen. Sie war eine Elfe, das konnte man sofort sehen. Sie war abgemagert, an ihrer Haut klebte Schlamm und Staub, ebenso wie an ihren Haaren – was es unmöglich machte dessen Farbe zu bestimmen. Ihre Kleidung – oder vielmehr das was von ihr übrig war – bedeckte kaum das Nötigste und war in Anbetracht des kalten Klimas, welches hier herrschte, definitiv unangebracht. Mit einem panischen, glasigen Blick, schaute sie zwischen den beiden Brüdern hin und her.
Oh ja … sie hatte Angst – das konnte Vilkas wittern und es versetzte die Bestie, welche in ihm lauerte in Wallungen. Sie wäre eine leichte Beute, würde nicht davonlaufen können – nicht vor ihm. Er würde sie schnell erwischen und seine Klauen …
Nein – er schüttelte die Gedanken ab, welche nicht die seinen waren und verbannte sie in die hinterste Ecke seines Bewusstseins. Verdammter Werwolf – dass er auch immer jede Chance ausnutzte um die Kontrolle über ihn zu bekommen …
„Beruhigt Euch“, kam es in einem ruhigen Tonfall von Farkas. „Ihr braucht keine Angst vor uns zu haben.“.
Ihm schien ihre Angst ebenfalls nicht verborgen geblieben zu sein, jedoch hatte er die Bestie, welche in ihm schlummerte wohl besser unter Kontrolle, als sein Bruder – den er nun mit einem vorwurfsvollen Blick ansah.
„Wirklich ein toller Schuss Bruder, du hast Glück, dass sie noch lebt“, schimpfte Farkas ihn, ehe er sich wider an die Elfin wandte, „ Ich bin Farkas und das ist mein Bruder, Vilkas. Und wie ist Euer Name?“.
Die Elfe schwieg, starrte nur weiterhin die beiden Männer an. Es war offensichtlich, dass sie im Moment nicht antworten wollte – oder konnte. Vilkas war sich nicht sicher, ob die Elfe ihre Worte überhaupt verstand. Sie wirkte nämlich nicht gerade so, als ob sie bei vollem Bewusstsein war. Im Gegenteil – sie wirkte apathisch, als wäre ihr Geist ganz wo anders … als wäre sie kurz davor, das Bewusstsein vollständig zu verlieren. Von der Panik, welche sie vor wenigen Momenten noch verspürt haben musste, war kaum mehr etwas übrig.
„Du kannst sie auch später noch nach ihrer Lebensgeschichte ausfragen“, entgegnete Vilkas, während er seinen Umhang ablegte, „Wir müssen ihr helfen“.
Vorsichtig wickelte er sie in seinen Umhang, darauf achtend den Pfeil in ihrer Schulter nicht zu berühren. Dabei fiel ihm etwas auf: Er hatte eigentlich damit gerechnet, dass ihre Haut kalt war, jedoch war das Gegenteil der Fall. Sie war warm – zu warm, sie hatte offenbar Fieber.  
„Hast recht“, brummte Farkas, „Soll ich den Pfeil raus ziehen?“.
„Nein“, war die schlichte Antwort seines Bruders, „Wenn du den Pfeil raus ziehst, dann blutet die Wunde nur noch stärker und wir haben nichts dabei, womit wir sie verbinden können. Besser also der Pfeil bleibt vorerst drin“.
Behutsam holte Vilkas sie aus den Armen ihres Bruders und hob sie hoch – sie war noch wesentlich leichter, als er vermutet hatte.
„Ich bringe sie nach Jorrvaskr“, entgegnete er, „Du machst hier weiter. Sieh zu, dass du was anständiges erlegst“.
Farkas nickte auf seine Worte hin.
„Sie wurde durch deinen Pfeil verletzt, also ist es auch deine Pflicht, für sie zu sorgen“, erwiderte Farkas, legte dabei seinem Bruder jedoch eine Hand auf die Schulter, ehe er ihm mit ernster Stimme ins Ohr flüsterte, „Aber hast du dich auch unter Kontrolle? Vorhin sah das nämlich einen Moment lang nicht danach aus“.
„Ja, keine Sorge“, versicherte Vilkas ihm, was Farkas mit einem weiteren Nicken hinnahm.
„Gut, dann sorge dafür, dass die Kleine die Hilfe bekommt, die sie braucht“.

Zügig schritt Vilkas über die Wiesen, steuerte die Mauern Weißlaufs an, welche er in der Ferne bereits sehen konnte. Die verletzte Elfe hing kraftlos in seinen Armen. Ihre Augen hatte sie mittlerweile geschlossen, sodass er sich nicht sicher war, ob sie noch bei Bewusstsein war oder nicht. Ihr Atem war flach und ihr Herz schien zu rasen, während ihr kleine Schweißperlen über das Gesicht liefen und den Schmutz auf diesem ein wenig abwuschen.
Sie war ruhig – zu mindestens bis zu dem Moment, wo sie qualvoll aufstöhnte. Sie krampfte sich zusammen, schlug die Augen auf, krallte ihre Hand in ihrem Bauch und verzog das Gesicht vor Schmerz.
„Was habt Ihr?“, fragte er sie, in der festen Hoffnung, dass seine Worte zu ihr durchdrangen und dass sie ihm antwortete.
„Mein Magen ...“, stöhnte sie nach einem kurzem Augenblick. Offensichtlich hatte der Schmerz sie in das Bewusstsein zurück geholt.
Vilkas runzelte erst irritiert die Stirn, verstand jedoch recht schnell, was der Auslöser ihrer Schmerzen sein konnte.
„Was war das letzte, was Ihr Gegessen habt?“.
„Pilze ...“, ihre Stimme war kaum mehr, als ein heißeres Flüstern, „Braune Pilze … die aus einem Baumstamm heraus wuchsen“.
Leise seufzte Vilkas, nicht nur, dass er einer bereits stark geschwächten Elfe einen Pfeil in die Schulter gejagt hatte, sie hatte wohl auch noch Giftpilze gegessen. Hoffentlich war das Gift nicht tödlich …
„Haltet durch. Es ist nicht mehr weit bis Weißlauf“.
„Wasser … bitte“, krächzte die Elfe nach ein paar weiteren Minuten, was Vilkas dazu veranlasste stehen zu bleiben.
Er ging mit ihr in die Knie, stützte ihren Oberkörper mit einem Arm, ehe er mit seiner freien Hand den Wasserschlauch an seinem Gürtel fasste.
„Hier“, entgegnete er und hielt seinen Wasserschlauch an ihre Lippen, „Trinkt“.
Nachdem sie ein paar Schlucke zu sich genommen hatte, setzte Vilkas seinen Weg fort. Es dauerte auch nicht lange, ehe er die Stadt erreicht hatte. Die am Tor stationierten Soldaten der Stadtwache sahen ihn zwar etwas krumm an, als er mit der jungen Elfe in den Armen  an ihnen vorbei schritt, hielten ihn jedoch nicht auf. Das war eines der Dinge, welches er an der Stadtwache schätzte, solange sie sich an die Gesetzte hielten, ließen sie die Gefährten gewähren, ohne großartig Fragen zu stellen. Bereits wenige Minuten später erklomm Vilkas die Stufen, welche ihn nach Jorvaskr führten. Er trat in die Methalle, wo sich bereits ein Großteil seiner Kameraden zum Frühstück versammelt hatten.
„Was denn Vilkas, schon zurück?“, entgegnete Aela erstaunt, als sie ihn erblickte, hielt dann jedoch einen Augenblick erschrocken inne, „Moment mal: Ist das dein Pfeil, der da in ihrer Schulter steckt? Ihr solltet Wild erlegen, keine Elfen! Ich wusste doch dass es eine schlechte Idee ist dir einen Bogen in die Hand zu geben!“.
„Heb dir deine Moralpredigt für später auf“, brummte Vilkas verstimmt. Er trat an ihr vorbei und brachte die verletzte Elfe nach unten, damit sie sich ausruhen und man sich um ihre Wunde kümmern konnte.
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