The Pack

GeschichteFantasy / P16
12.08.2017
17.06.2019
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Erschöpft lehnte sich die junge Elfe an einen Baumstamm und ließ sich auf den Waldboden sinken. Es war bereits Nacht – was bedeutete, dass sie den ganzen Tag durchgelaufen war, ohne größere Pausen. Wie schon den Tag zuvor und den Tag davor … Sie wusste nicht wie lange sie schon unterwegs war. Waren es Tage? Wochen? Oder gar schon Monate?
Sie wusste es genauso wenig, wie sie wusste, wo sie war. Nur eines war sie sich ziemlich sicher: Sie befand sich längst nicht mehr in ihrer Heimat, denn dazu war es hier viel zu kalt.
Zu kalt, als das ihr die zerfetzen Kleidungsreste, welche noch an ihrem Körper hingen, Wärme spenden könnten. Ein Feuer konnte sie aber auch nicht machen, denn das könnte ihre Verfolger auf sie aufmerksam machen – sollten sie ihr überhaupt noch auf den Fersen sein. Wer weiß, vielleicht hatten sie es ja schon vor Tagen aufgegeben sie zu verfolgen …
Aber sie durfte kein Risiko eingehen. Sie war ihnen nicht entkommen, um sich dann doch noch gefangen nehmen zu lassen. Sie konnte sich nicht sicher sein, ob sie nicht ein paar Wegstunden von ihr entfernt waren und solange sie auf sich allein gestellt war, so lange musste sie weiter gehen, denn allein und vorallem ohne Waffen konnte sie ihnen nichts entgegen setzen.
Genauso wenig wie sie ohne Waffen jagen konnte, was dazu führte, dass sie sich seit ihrer Flucht nur von irgendwelchen Beeren und Pilzen ernährt hatte, von denen sie sich absolut sicher war, dass sie nicht giftig waren. Jedoch hatte sie schon seit mindestens einem Tag, wenn nicht sogar mehreren Tagen nicht einmal mehr eine kleine Beere gegessen – sie hatte einfach nichts essbares finden können. Demnach knurrte ihr Magen unentwegt, schmerzte, weil er sich nichts sehnlicher wünschte, als etwas zum Verdauen zu bekommen. Ein Wunsch, den die junge Elfe ihm jedoch nicht erfüllen konnte – sie hatte nichts, gar nichts … Aber sie wusste, dass sie etwas essbares finden musste, sonst würde sie nicht mehr lange weiter laufen können, war sie doch ohnehin schon geschwächt.

Suchend blickte sie sich um. Irgendetwas – irgendwas musste sich hier doch finden lassen. Etwas was ihren Hunger wenigstens für eine kurze Weile stillen würde und ihr die Kraft gab weiter zu laufen. Ihr Blick viel auf einen recht kleinen und unscheinbaren, braunen Pilz, welcher aus einem etwa zwei Meter entfernten Baumstamm heraus wuchs. Ein giftiger Pilz, wie sie wusste, jedoch war sein Gift nicht tödlich, sondern verursachte, demjenigen, der es einnahm nur Magenkrämpfe und Durchfall. Abwägend sah sie den Pilz an. Hatte sie denn eine andere Wahl? Wenn sie nicht verhungern wollte wohl kaum. Also pflückte sie den Pilz und schlang ihn hinunter, ohne weiter darüber nach zu denken. Sie fand noch drei weitere dieser Pilze, welche sie ebenfalls aß.

Das sie es bereuen würde, die Pilze gegessen zu haben, das war ihr klar gewesen, aber mit dem was folgte hatte sie nun wirklich nicht gerechnet. Bereits kurze Zeit, nachdem sie die Pilze gegessen hatte bekam sie schreckliche Magenschmerzen. Es kostete sie wahrlich viel Mühe und Kraft, keine Schmerzensschreie los zu lassen, sondern stattdessen nur hin und wieder leise zu wimmern und gleichzeitig ihren Weg fortzusetzen. Nach wenigen Stunden kam dann der Durchfall hinzu, der sie am vorankommen wahrlich hinderte. Dann verließen sie auch noch nach und nach ihre Kräfte und sie bekam einen schrecklichen Durst. Sie fand einen kleinen Bach, aus dem sie trank, jedoch kehrte ihr Durst schon bald danach wieder zu ihr zurück. Irgendwann konnte sie sich kaum noch auf den Beinen halten. Sie brauchte eine Pause, das war ihr klar nur … sie blickte sich um. Seit sie am späten Nachmittag aus dem Wald draußen war, war um sie herum nichts als Wiese, mit ein paar vereinzelten Büschen. Alles war offen, es gab keinen Ort, wo sie sich hätte verbergen können und auf offenem Feld eine Rast einzulegen war wahrlich viel zu riskant. Also schleppte sie sich weiter, immer weiter, so lange bis sie einsah, dass es keinen Sinn machte, weiter zu gehen. Sie war am Ende, konnte nicht mehr weiter. Aber wo sollte sie Rast machen? Hier, auf offenem Felde, war das doch reinster Selbstmord.  

In den späten Abendstunden schien sie jedoch Glück zu haben – sie fand einen etwas größeren Busch, unter den sie krabbelte. Sie ignorierte die Zweige, welche sich in ihren Haaren verfingen und einige von ihnen ausrissen, oder ihr weitere Schrammen an ihren Armen hinterließen.
Völlig erschöpft kauerte sie sich unter dem Busch zusammen, wo sie bereits nach wenigen Augenblicken die Müdigkeit überwältigte, welche sie in einen unruhigen Schlaf fallen ließ.

Ein Geräusch ließ sie aus ihrem Schlaf hochschrecken. Es dämmerte bereits – verdammt, wie lange hatte sie geschlafen? Wie viele Stunden hatte sie verloren? Und was war das für ein Geräusch gewesen? Sie lauschte, einen Moment war es still, ehe es ihr Eiskalt den Rücken hinunter lief. Stimmen, da waren Stimmen. Ihr Herz setzte einen Schlag aus, während sie sich die Hände von den Mund presste, damit man sie nicht wimmern hörte. Wer war das? Waren es ihre Verfolger? Hatten sie sie eingeholt? Was sollte sie denn jetzt tun? Fliehen, war angesichts ihres Zustands unmöglich.
Nein, die einzige Chance, nicht entdeckt zu werden bestand darin, hier liegen zu bleiben und zu hoffen, dass sie nicht bemerkt wurde. In genau diesem Augenblick überkam sie ein weiterer Magenkrampf, aufgrund dessen sie sich weiter zusammenkauerte und dabei einen Ast abbrach. Sie erschrak. Das Knacken war so laut, dass man es garantiert noch in einem Kilometer Entfernung hatte hören können, zu mindestens kam es ihr so laut vor.
Sie presste sich auf den Boden und tat alles daran keine weiteren Geräusche zu machen. Sie hoffte einfach, dass das Knacken des Astes nicht gehört worden war.
Ein erstickter Schrei entfuhr ihrer Kehle, als ein stechender Schmerz ihre Schulter durchfuhr. Sie wandte ihren Kopf zur Seite und erstarrte, als sie den Pfeil sah, welcher in ihrer Schulter steckte. Silberne Punkte tanzten vor ihren Augen und sie konnte Stimmen hören, welche sich ihr näherten. Sie verstand die Worte nicht, starrte nur völlig apathisch auf den Pfeil, ehe sie von zwei Händen gepackt und aus dem Busch gezogen wurde.
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