A reason to stay standing

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16 Slash
12.08.2017
12.08.2017
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Da saß sie nun alleine in ihrem abgedunkelten Schlafzimmer und weinte bitterlich. Ihre Hand ruhte auf ihrem
noch immer flachen Bauch. Sie hatte keine Ahnung wie es jetzt weiter gehen sollte. Ihr Ehemann Richard
Steinkamp hatte sie - mal wieder - betrogen. Eigentlich sollte sie diesen Schmerz, diesen Stich im Herzen
kennen.  Doch dieses Mal war alles anders. Sie war schwanger. Schwanger trotz ihrer nicht mehr all zu jungen
Jahre. Für möglich hätte sie das nicht mehr gehalten und so hatten Richard und sie auch nie verhütet bei
ihrem Liebesspiel. Doch nun saß sie hier auf ihrer Fensterbank schwanger und alleine. Womöglich einfach
ausgetauscht durch die jüngere Isabelle. Isabelle! Die Ex ihres eigenen Sohnes. Sie konnte es nicht fassen.
Der Schmerz schien für sie unertragbar.
'Mönchen?' Ein vorsichtiges klopfen an der Türe riss sie aus ihren Gedanken.
'Lass mich in Ruhe!' Instinktiv legte Simone auch ihre zweite Hand auf ihren Bauch. Denn dieses Baby war alles
was ihr geblieben war. Sie konnte nicht riskieren dass diesem ungeborenen Wesen etwas passierte.
Die Türe öffnete sich knarschend und sie konnte  den Blick ihres Ehemanns spüren der auf ihr ruhte.
'Mönchen. Ich bitte dich, lass mich -'
'Erklären?' Sie lachte bitterlich auf. 'Was gibt es denn da noch zu erklären?' Sie war es so leid. Immer
wieder hatte sie seine Entschuldigungen angehört und war immer wieder auf ihn hereingefallen.
'Du weißt gar nicht was du mir damit antust Richard', ihre Stimme klang müde. Sie war müde. 'Bitte geh.'
Sie wollte schreien, weinen und auf ihn einschlagen doch alles was auf ihr herauskam war ein leises Flehen sie
endlich alleine zu lassen.
'Simone-'
'Ich bin schwanger Richard.'
Stille.
Vorsichtig drehte sie sich um und blickte in Richards schuldbewusste und vor Schreck geweitete Augen.
'Bitte was?', keuchte er entsetzt.
'Schwanger Richard. Weißt du das passiert wenn zwei Menschen miteinander schlafen und die Verhütung
weglassen. Kannst du dich dunkel daran erinnern? Immerhin hast du nicht nur eine Frau in deinem Leben
geschwängert.'
'Mönchen', Richard's Stimme war mehr ein keuchen. Er schluckte. 'Du bist schwanger?'
'Das sagte ich bereits'. Ihre Stimme war eiskalt.
'A-aber wie kann das sein?'
'Soll ich dir jetzt wirklich im Detail erklären wie das funktioniert?'
'Möchtest du es behalten?', Richard ging nicht weiter auf die Frage seiner Frau ein.
'Natürlich werde ich es behalten. Und hättest du nicht die Ex meines Sohnes auf deinem Schreibtisch
gevögelt dann hätte ich dich auch gefragt ob du es dir auch nochmal vorstellen kannst. Aber so wirst du
keine Rolle im Leben dieses Kindes spielen. Und jetzt geh bitte Richard.'
Richard rührte sich nicht. „GEH“, schrie sie und brach erneut in Tränen aus. „Du sollst mich endlich alleine lassen. Verschwinde!“
Erst jetzt schien Richard aus seiner Trance zu erwachen. Er machte zwei lange Schritte auf seine Frau zu und streckte ein wenig unbeholfen seine Hand nach ihr aus. „Ich weiß dass du mich gerade hasst mein Schatz und ich kann es verstehen. Was ich dir angetan habe ist nicht zu verzeihen. Aber ich möchte dich bitten, dass du dir und unserem Kind ein wenig Ruhe antust. Das kann nicht gut für euch sein wenn du dich so aufregst.“ Dass er mit diesen Worten genau das Falsche sagte hatte er sich eigentlich schon denken können.
„Verschwinde endlich“, schrie Simone ihm entgegen und zum Wohle ihrer Gesundheit und der Gesundheit ihres ungeborenen Kindes entschied er sich dazu ihrem Wunsch nachzukommen. Leise und mit gesenktem Blick verließ er den Raum und schloss die Tür hinter sich.
Schluchzend warf sich Simone auf ihr gemeinsames Ehebett. So viele male hatte sie ihm verziehen, ihm immer wieder aufs Neue geglaubt dass es besser werden würde. Das er aufhören würde ihr so wehzutun. Doch Vanessa und Jenny waren erwachsen und führten ihr eigenes Leben. Und auch mit dem Baby würde sie alleine fertig werden. Sie brauchte ihn nicht. Doch auch dieser Gedanke war kein Stück weit eine Befriedigung für sie, denn insgeheim wusste sie, dass sie ihn brauchte. Ihn liebte.
Sie musste wohl eingeschlafen sein denn als sie das nächste mal bewusst ihre Umgebung wahrnahm war es bereits dunkel. Vollkommen erschöpft schleppte sie sich ins Bad. Sie sah blass aus. Müde und blass. Schwerfällig wusch sie die Rückstände ihres Make Ups ab und zog sich ihren Schlafanzug an. Da sie aber noch nicht zurück in den so dringend benötigten Schlaf finden konnte stand sie nur wenige Minuten nachdem sie sich hingelegt hatte wieder auf. Sie hüllte sich in ihren Morgenmantel und machte sich auf den Weg nach unten um in der Küche ein Glas Wasser zu trinken. Dass sie ihren Mann ebenfalls dort antreffen würde damit hatte sie nicht gerechnet. Sie zuckte fürchterlich zusammen und wich instinktiv zwei, drei Schritte vor ihm zurück.
Richard schien keine Anstalten zu machen irgendetwas zu sagen und so presste sie nach einiger Zeit mühsam ein 'Wasser heraus.'Dies schien ihren Mann aufzuwecken denn Richard griff fast umgehend zum Kühlschrank um das gewünschte Wasser für Simone herauszuholen. Unsicher reichte er ihr die Flasche. Simone nahm sie entgegen blieb aber stehen. Sie sahen sich an. Nach einiger Zeit räusperte sich Richard: „Du solltest versuchen wieder zu schlafen. Ein bisschen Ruhe wird dir guttun.“ Simone wollte etwas schnippisches auf diese Aussage erwidern doch sie war zu müde um jetzt noch zu streiten. Sie hatte auf einmal das Gefühl im stehen einschlafen zu können, als ob sämtliche Kräfte aus ihrem Körper wichen. Die Wasserflasche in ihrer Hand fühlte sich unnatürlich schwer an.
Richard bemerkte wie kraftlos seine Frau aussah und nahm sie kurzerhand an der Hand um sie ins Schlafzimmer zu führen. Dort deckte er sie behutsam zu und gab ihr einen sanften Kuss auf die Stirn. „Schlaft gut meine zwei Lieblinge.“ Damit ging er, die Tür leise hinter sich schließend, aus dem Raum. Simone schlief fast augenblicklich ein.
Als Simone am nächsten Morgen aufwachte waren die Kräfte wieder in ihren Körper zurückgekehrt. Sie würde diesen Weg – so schwer und steinig er auch sein mag – gehen. Und sie würde es schaffen. Ohne Richard und mit dem Baby.
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