Arcadia Bay

von Caligula
GeschichteMystery, Freundschaft / P16
Chloe Price Mark Jefferson Maxine Caulfield Nathan Prescott Rachel Amber
12.08.2017
03.12.2019
18
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Kapitel 18 – Warteschleife

Als Max blinzelnd die Augen aufschlug, sah sie Nathan, der friedlich neben ihr schlief. Gedecktes Tageslicht erhellte das Zimmer nur spärlich und Max konnte das Rauschen von Regen jenseits der Fenster hören, der eine beruhigende Wirkung auf sie hatte. Sie fühlte sich nicht mehr so schrecklich wie noch gestern, obwohl sich ihre Lage nicht im Geringsten gebessert hatte. Wie sie nach kurzer Überprüfung feststellte, hatte Chloe sich noch immer nicht gemeldet. Was sie jetzt wohl tat? Wo sie war? Ein Kloß bildete sich in Max' Kehle, als sie an William dachte. Ihn erneut zu verlieren, nachdem es kurzzeitig wieder das Natürlichste der Welt gewesen war ihn lebend zu wissen, war sogar noch härter. Warum hatte sie bloß wieder hier landen müssen? Hätte sie den Sturm verhindern können, wäre alles perfekt gewesen, aber sie hatte es versaut.
Vorsichtig streckte sie eine Hand nach Nathan aus. Kurz zögerte sie, doch dann legte sie ihm die Hand auf die Wange und war fast überrascht wie warm seine Haut war. Er zuckte und öffnete blinzelnd und stirnrunzelnd die Augen. Langsam zeichnete sich Erkenntnis auf seinen müden Zügen ab.
„Morgen“, nuschelte er. Eine Weile sahen sie sich bloß schweigend in die Augen. „Was ist?“, fragte er schließlich.
„Du musst etwas tun“, erklärte sie ruhig, wenngleich ihr Herz bei dem Gedanken daran zu rasen begann.
„Was denn?“
„Das Video von Kate … du musst es löschen.“
Ein Schatten huschte über Nathans Gesicht und beschämt senkte sich sein Blick. Dann allerdings verschwendete er keine weitere Zeit, setzte sich auf und tippte auf seinem Handy herum. Auch Max brachte sich in eine aufrechte Sitzhaltung und wartete stumm, bis er wieder aufsah. „Gelöscht. Aber ...“
„Ja, ich weiß“, kam ihm Max zerknirscht vor. Das Internet vergaß nicht. Sie konnten es nicht ungeschehen machen, aber den Schaden zumindest auf ein Minimum reduzieren. Es war vielleicht keine perfekte Realität, aber auf gar keinen Fall würde es eine Realität ohne Kate sein! Zumindest sie würde Max retten, wieder und wieder, wann immer sie die Gelegenheit bekäme. „Aber vielleicht … können wir es für Kate zumindest so erträglich wie möglich machen. Dafür brauche ich deine Hilfe.“
„Du kannst auf mich zählen“, erklärte Nathan mit einem ernsten Nicken. Kaum zu glauben, dass er überhaupt erst für Kates Leiden verantwortlich war, doch Max wollte glauben, dass er jedes Leid, dass er jedem Mädchen zugefügt hatte, aufrichtig bereute.

Das Wetter spiegelte Max' Laune geradezu perfekt wider. Grau in Grau erstreckte sich der Himmel und weinte ohne Unterlass auf die Erde hinab. Und Max wusste vor lauter Sorgen gar nicht wo ihr der Kopf stand. Der Tornado raste unbemerkt und unaufhaltsam auf die Stadt zu, von Chloe fehlte jede Spur und Kate war in keiner guten Verfassung. Sie gönnte sich eine erfrischende Dusche und straffte entschlossen die Schultern. Sie hatte William nicht retten können, dafür Chloe, die gestern hätte sterben sollen. Und sie würde Kate retten. Und jeden anderen Einwohner dieser verfluchten Stadt und keine Rachel Amber würde sie aufhalten können.
Noch vor dem ersten Unterricht klopfte Max vorsichtig an Kates Zimmertür. Nach kurzem Zögern meldete Kate sich zu Wort. „Ja, bitte?“
„Ich bin's. Max.“
„Max? Komm rein.“
Kate saß an ihrem Schreibtisch und betrachtete ihren Besuch aus leicht geröteten Augen, die Max noch einmal eindringlich daran erinnerten, dass sie etwas tun musste. „Darf ich mich setzen?“, fragte sie und nickte zum Bett. Kate wirkte etwas verdutzt, gab jedoch ihr Einverständnis.
„Ist etwas nicht in Ordnung?“, erkundigte sie sich besorgt und auch der Blick, mit dem sie Max bedachte, war voller Mitgefühl.
„Nein“, gab Max überfordert zurück. „Nein, etwas ist ganz und gar nicht in Ordnung.“
„Was denn?“
„Das frage ich dich!“ Verwunderung legte sich auf Kates feine Züge und sie sah ein wenig ertappt aus. „Ich seh doch, dass du etwas auf dem Herzen hast, Kate“, fuhr Max sanfter fort.
Kate schien mit sich zu ringen, ob sie sich Max anvertrauen sollte und Max konnte ihre Bedenken verstehen, angesichts des pikanten Videos. Schließlich entschied sie, die Last alleine weiter tragen zu wollen. „Es ist nichts“, erklärte sie mit einem jämmerlichen Lächeln auf den Lippen.
„Du lügst“, sagte Max und Kate riss erschrocken die Augen auf ob ihrer Hartnäckigkeit, als auch ob ihres bestimmten Tonfalls. „Ich weiß, dass du lügst. Ich weiß, dass du auf dieser Vortexparty warst. Und ich weiß von dem Video.“
„Du hast es gesehen?“, stieß Kate entsetzt aus, die Hände vor den Mund geschlagen.
„Nein, ich hab es nicht gesehen. Ich weiß nur, dass es existiert“, schränkte Max ein. Kate vergrub das Gesicht in den Händen und schluchzte aufgelöst, dass ihre Schultern bebten und Max geriet ins Zweifeln, ob sie den richtigen Ansatz verfolgte. Sie wollte Kate Mut machen und sie nicht noch selbst Richtung Dach schubsen. Verzweifelt biss sie sich auf die Lippe, ging zu Kate rüber und legte die Arme um das zusammengekauerte Häufchen Elend. Sie sagte nichts, ließ Kate einfach weinen und wartete geduldig, bis sie sich langsam wieder beruhigte und selbst dann hielt sie sie weiter so lange fest, bis Kate sich selbst vorsichtig aus ihrer Umarmung löste.
„Bitte sag mir, Max ...“, flüsterte sie. „Verurteilst du mich?“
„Nein!“, erklärte Max mit Nachdruck und sah Kate unablässig in die Augen, um sie von ihrer Aufrichtigkeit zu überzeugen. „Und du darfst auch nicht so streng mit dir ins Gericht gehen.“
„Ich hab-“
„Du hast gar nichts. Du wurdest benutzt, Kate“, sprach Max eindringlich auf sie ein, die Hände auf ihre Schultern gelegt.
„Aber alle werden es sehen … alle werden meinen Fehltritt sehen. Ich kann hier nicht mehr zur Schule gehen und meine Eltern … wenn meine Eltern dieses Video zu Gesicht bekommen ...“ Ihre Augen füllten sich wieder mit Tränen.
„Deine Eltern lieben dich. So wie deine Schwestern. Deine Gemeinde. Bitte, Kate, hör mir zu. Das ist kein Weltuntergang.“
„Das kannst du leicht sagen“, flüsterte Kate erschöpft.
„Kann ich, weil ich weiß, dass die Welt bald wirklich untergeht.“
Ihre lapidar gesprochenen Worte hatten den gewünschten Effekt; Kate war so verdutzt, dass ihr Kummer für einen Moment zumindest etwas leichter wog. „Was meinst du?“
„Du würdest mich für vollkommen verrückt halten, würde ich es dir erzählen.“
„Ich bin wohl kaum in der Position jemanden zu verurteilen“, gab Kate zerknirscht zurück und wandte den traurigen Blick ab. Max erhob sich und setzte sich wieder aufs Bett.
„Du hast nichts falsch gemacht, Kate. Und deswegen darf dich das, was passiert ist, auch nicht dermaßen bestimmen. Das Video wurde bereits gelöscht und ich tue alles in meiner Macht stehende, um seine Verbreitung so gut es geht einzudämmen.“
„Wie soll das möglich sein? Und wie kommst du darauf, dass das Video gelöscht wurde?“
„Weil ich daneben stand, als Nathan es gelöscht hat.“
Kate blinzelte verwirrt. „Nathan? Aber wie ...“
Max zuckte hilflos die Achseln. „Ich sage ja, die Welt geht unter. Aber nicht für dich. Du bist eine starke, junge Frau, Kate. Du lässt dich von einem bescheuerten Fehltritt nicht unterkriegen. Wir bekommen das wieder hin. Versprochen.“

Den Unterricht nahm Max wie in Trance wahr. Sie wusste nicht, weshalb sie ihn überhaupt noch besuchte, aber sie wusste auch nicht, was sie stattdessen hätte tun sollen. Was konnte sie tun? Mr Jeffersons dunkle Machenschaften aufdecken? Was hätte das gebracht? Es war Zeitverschwendung, auch wenn Zeit das Einzige war, dass sie hatte. Was sie brauchten, war Rachel. Sie war ihre einzige Spur.
Ausgelaugt, ohne zu wissen wo diese Erschöpfung überhaupt herrührte, schlurfte Max nach dem Unterricht über das Schulgelände. Nur wenige Schüler trieben sich bei dem steten Regen draußen herum und der ein oder andere ungläubige Blick wurde Max hinterhergeworfen, denn während ein jeder sich vor dem Regen zu schützen versuchte, waren Max' Klamotten bald vollgesogen von der Nässe und klebten ebenso unangenehm am Körper wie ihre Haare. Und doch war es ihr egal. Ihr war ein wenig mulmig zumute, als sie den Weg zum Wohnheim einschlug und ganz automatisch hob sich ihr Blick zum Dach. Hier hatte sie Kate springen sehen. Hier hatte sie Nathan zusammenbrechen sehen. Doch in dieser Realität fand sie niemanden vor. Oder eher fast niemanden.
„Du wirst dich noch erkälten, Max.“
Ihr Herz setzte einen Schlag aus und beruhigte sich im nächsten Augenblick schon wieder, denn es war nur Samuel, der, wie man es von einem Hausmeister wohl erwarten durfte, auch bei diesem bescheidenen Wetter seiner Arbeit nachging, Er betrachtete Max mit einem entschuldigenden Ausdruck auf dem Gesicht. „Samuel wollte dich nicht erschrecken.“
„Nein, ist schon gut“, erwiderte Max freundlich lächelnd und trat auf ihn zu.
„Ein schöner Tag heute, oder?“ Skeptisch zog Max eine Braue in die Höhe, unsicher ob er seine Bemerkung sarkastisch meinte und noch unsicherer, ob Samuel überhaupt zu Sarkasmus imstande war. „Für Mutter Erde ist der Regen ein Segen. Vor allem, wenn die Sommer immer länger und heißer werden.“
„Ah … ja, stimmt wohl.“ Unschlüssig folgte sie seinem Blick zum grauen, wolkenverhangenen Himmel hinauf, bedachte die Spitzen der düsteren Nadelbäume, die sich davor abzeichneten, bis sie direkt ins Unterholz blickte, das das Gelände umgab. Manchmal sah man dort Eichhörnchen umher flitzen; Max erwartete das schimmernde Reh zu entdecken. Wenn sie jetzt darüber nachdachte, hatte sie es schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen. „Aber ...“, meldete Max sich zögerlich wieder zu Wort. „... findest du nicht, es sieht nach einem Sturm aus …?“
„Gut beobachtet“, entgegnete Samuel fast väterlich sanft. „Ja, das wäre wohl möglich.“
Gespannt wartete Max darauf, dass er fortfuhr; dass er irgendetwas über den Sturm sagte, irgendwie erkennen ließ, dass er eingeweiht war in was auch immer in dieser Stadt lief. Niemand sonst würde sich wohl freiwillig auf den schrulligen Hausmeister verlassen oder verlassen wollen, Max hingegen wäre erleichtert ihn als einen Verbündeten zu wissen. Diese verrückte Angelegenheit erforderte vielleicht einen besonderen Verstand. Aber Samuel schwieg. Eine ganze Weile, bis Max schließlich die Stille ungeduldig wieder durchbrach. „Sag mal, Samuel … wie war das nochmal mit dem Tobanga?“ Es war ein schwacher Versuch, aber das Beste, das ihr einfallen wollte. Sie glaubte sich zu erinnern, mit Miss Grant schon einmal darüber gesprochen zu haben, doch entstammte diese Unterhaltung einem anderen Leben. Einem, in dem Max diesen Informationen noch keinerlei Wert beigemessen hatte.
Samuel zeigte sich ein wenig verdutzt über Max' Nachfrage. „Wir wissen nicht viel über den Tobanga. Nicht wer ihn errichtet hat oder welchen Zweck er erfüllt. Vermutlich stammt er von denen, die dieses Land als Erste bewohnten.“
„Also, den Ureinwohnern.“
Samuel nickte. „Der Rabe steht für Erneuerung und Heilung.“
Sie warf noch einen Blick auf das Totem. Vermutlich sollte es einen Vogel darstellen, vielleicht auch einen Raben. „Also, soll der Tobanga Arcadia Bay heilen?“ Heilen von was? Den raffgierigen Prescotts?
Samuels Miene verdüsterte sich. „Manchmal … scheint ein Neuanfang die einzige Chance auf Heilung.“ Er sprach von dem Sturm, sie hatte Gänsehaut und keinen Zweifel. Vom Tornado, der die Stadt auslöschen und einen Neuanfang erzwingen würde. Dann plötzlich entspannten sich seine Züge wieder und er lächelte ganz unbedarft. „Der alte Samuel kann nichts mehr tun.“ Max glaubte eine Aufforderung in dem Blick zu erkennen, mit dem er sie bedachte, traute sich jedoch nicht zu fragen, wozu er sie auffordern wollte. Was konnte er nicht mehr tun? Was hatte er getan?
Er wandte sich um und schloss die Tür zu seiner Abstellkammer ab. Auf einmal kam Max sich schrecklich dumm vor. Hatte sie nun doch zu viel in seine Worte hineininterpretiert? Hatte er mit seinen Worten nicht mehr gemeint als dass er bei dem Wetter nicht weiter draußen arbeiten konnte? Enttäuschung machte sich in ihr breit. Samuel lächelte unermüdlich und wollte sich schon auf den Weg zum Schulgebäude machen, als er noch einmal an Max' Seite verweilte. „Ist alles in Ordnung, Max?“
„Ja … ja, sicher ...“, log sie schwach. Was sonst sollte sie auch sagen.
„Samuel wundert sich bloß, weil wir doch erst gestern darüber gesprochen haben.“
Verdutzt riss sie die Augen auf, doch in dem Moment hatte der Hausmeister sich freundlich verabschiedet und schlenderte den Weg Richtung Schulgebäude davon. Max blieb nichts anderes übrig als ihm hinterher zu starren, während ihr Hirn auf Hochtouren arbeitete. Sie hatten bereits darüber gesprochen? Über den Sturm? Gestern? Sie versuchte krampfhaft sich daran zu erinnern, was sie unmittelbar vor ihrem ersten Zeitsprung, vor ihrer ersten Vision getan hatte. Sie hatte vor dem Unterricht mit Samuel gesprochen. Oder war das Wunschdenken? Nein, sie war sich ganz sicher. Er hatte sie angesprochen. Er hatte mit dem Thema angefangen. Hatte er etwas mit all dem zu tun, was Max erlebt hatte?
„Max!“
Erschrocken drehte sie sich zum Rufer um, bei dem es sich um Nathan handelte, der im Aufgang zum Wohnheim stand. „Was zur Hölle tust du da?“
Wie in Trance ging sie zu dem Freund rüber. „Ich glaube, Samuel steckt in der Sache mit drin“, erklärte sie, selbst noch ganz perplex.
„Wer?“, kam es irritiert, fast genervt, zurück.
„Samuel. Der Hausmeister.“
„Der hat doch einen an der Klatsche.“
„Das haben sie über dich auch gesagt“, konterte Max unbeeindruckt. „Ich erinnere mich. Unmittelbar bevor ich meine erste Vision oder diese Fähigkeiten besessen habe, habe ich mit ihm über Arcadia Bay gesprochen.“
„Und was genau soll das jetzt heißen?“
„Keine Ahnung, aber er weiß mehr darüber. Und es klingt vielleicht verrückt, aber ich glaube … also vielleicht ist er ja dafür verantwortlich, dass ich diese Kräfte habe ...“
Nathan schnaubte. „Was ist schon verrückt?“, erwiderte er resigniert.
„Ich sollte nochmal mit ihm reden. Vielleicht weiß er, was wir tun müssen.“
„Warte.“ Sie war schon im Begriff gewesen sich umzudrehen und dem Hausmeister doch noch zu folgen, als Nathan einen Schritt auf sie zumachte und sie an der Hand festhielt. „Du bist vollkommen durchnässt. Du solltest duschen und dich umziehen.“
Jetzt wo er es sagte, machte sich die Kälte, die ihr schon tief in die Glieder gekrochen war, tatsächlich bemerkbar und sein Vorschlag klang furchtbar verlockend. Auch ihrer allgemeinen Erschöpfung und Müdigkeit wurde sie sich schlagartig wieder bewusst. „Komm schon, Max. Du hast Kate heute gerettet. Ist das nicht genug für einen Tag?“
„Hab ich?“, hakte sie reflexartig nach.
„Du weißt, dass es längst passiert wäre, wenn ...“
Kate war dem Unterricht fern geblieben, hatte nicht mit Mr Jefferson gestritten und keine Chance gehabt das Dach des Wohnheims zu erklimmen, weil Nathan vor der Tür Wache gehalten hatte. „Ich sollte noch einmal nach ihr sehen.“
„Na schön, aber dann ruh dich etwas aus, okay? Ich kann es echt nicht gebrauchen, dass du uns noch zusammenklappst. Morgen ist Mittwoch“, erinnerte er sie eindringlich.
Max verdrehte die Augen. „Ja, ja.“ Er musste sie nicht erinnern; die Last auf ihren Schultern war auch so schon erdrückend genug. Ein weiteres Treffen mit Rachel. Ein weiterer Versuch sie festzunageln und diesen Spuk ein für allemal zu beenden.

Doch sie gestattete sich eine Dusche und hätte den warmen Wasserstrahl am liebsten nie wieder verlassen. Eine kleine Verschnaufspause, ehe sie sich wieder mit der unvermeidlichen Rachel Amber auseinandersetzen musste. Max wollte nur kurz nach Kate sehen und dann schlafen, um sich ihre Kräfte aufzusparen.
Sie stockte, als sie das Badezimmer im selben Moment verließ, in dem Victoria Kates Zimmer verließ. Die Mitschülerin sah ähnlich verdutzt aus, als sie Max erblickte, fasste sich allerdings schneller wieder und kam mit düsterer Miene auf sie zu. „Was hast du bei Kate gemacht?“, platzte es aus Max heraus.
Mit vor der Brust verschränkten Armen und geringschätzigem Blick baute Victoria sich vor ihr auf. „Wir haben uns unterhalten.“ Max schnaubte ungläubig. Das Letzte, was sie heute gebrauchen konnte, war eine Victoria, die all ihre Bemühungen um Kate wieder zunichte machte. „Krieg dich ein, Cockfield. Ich hab mich bei ihr entschuldigt.“
„Ja klar.“
„Hör zu, Bitch, ich hab keine Ahnung, was hier abgeht oder warum es Nathan ein Bedürfnis ist, sich um die heilige Kate zu kümmern und erst recht habe ich keine Ahnung, was er plötzlich an einer wie dir findet ...“ Sie legte eine dramatische Pause ein und fixierte Max mit prüfendem Blick, als könne sie die Antworten darauf irgendwo in ihrem Gesicht finden. „... aber du und ich, wir kriegen noch ein richtiges Problem miteinander.“ Sie musterte sie noch einmal abschätzig von oben bis unten, wandte sich dann ohne weitere Erklärungen ab und stolzierte davon. Max machte sich nicht die Mühe sie aufzuhalten. Stattdessen überzeugte sie sich lieber selbst davon, dass Kate in Ordnung war.
„Max. Du glaubst nicht, wer gerade hier war“, begrüßte sie die Freundin ganz aus dem Häuschen. Sie saß auf dem Bett und streichelte ihr Kaninchen Alice.
„Victoria. Ich hab sie gerade auf dem Gang getroffen. Was wollte sie?“, hakte sie wachsam nach.
„Sie hat … sich entschuldigt.“ Selbst noch ganz ungläubig hatte Kate die Stirn gerunzelt.
„Sie hat sich entschuldigt?“
„Ja … für alles. Dafür wie sie und ihre Freunde mich behandelt haben.“ Fragend sah sie zu Max auf, als könne die ihr eine Erklärung liefern. „Die Welt geht wirklich unter, oder?“
„Nicht, wenn ich es verhindern kann.“
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