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Todeskind

von Rosanila
GeschichteFantasy, Freundschaft / P12 / Gen
Davina Claire Joshua Rosza Marcellus "Marcel" Gerard OC (Own Character)
11.08.2017
20.01.2018
8
9.878
3
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11.08.2017 1.601
 
Ich hänge das fertig entwickelte Bild auf und sehe es mir an. Es zeigt Davina, Josh und mich. Wir lachen und strahlen in die Kamera. Ich weiß, es ist seltsam, wenn eine Sechzehnjährige und ein Zwanzigjähriger Freunde werden, so wie Davina und Josh. Und wenn dann auch noch eine Vierzehnjährige wie ich dazukommt, ist das noch seltsamer. Aber Josh hat es ganz treffend gesagt- normal ist relativ. Besonders, wenn es um mich geht. Ich sprenge alle normalen Grenzen. Ich seufze und blinzle ein paar Tränen weg. Davina ist tot. Alle aus dem Ältestenrat sind fort und dennoch haben die Hexen ihren Willen bekommen. Was wohl mit ihr passiert? Marcel hat sich vollkommen von mir zurückgezogen, seit es passiert ist. Er hat mich als ich noch ganz klein war aufgenommen und unter seinen Schutz gestellt. Eigentlich hab ich das gar nicht nötig, doch Kinder die in Gefahr sind, werden vom König der Stadt beschützt. Das ist ganz einfach so. Doch jetzt… Jetzt ist er wie weggetreten. Er sieht nicht mehr so oft nach mir, nur alle paar Tage kommt er in mein Zimmer um zu gucken, ob ich noch lebe. Er redet nicht, er reagiert nicht, er ist einfach nur verzweifelt. Der Urvampir Klaus Mikaelson besitzt jetzt die Stadt. Er regiert sie. So, wie er es wollte und was Marcel unbedingt verhindern wollte. Doch es ist so und lässt sich nicht mehr ändern. Und jetzt muss Josh sich verstecken und kann nicht mehr ruhig leben. Er kann sich nicht mehr entspannen und muss immer Angst haben. Unsere ‚Clique‘ ist zerstört. Tränen laufen über meine Wangen. Ich packe alle meine Fotos und zerreiße sie wütend. >>Scheißstadt!<<, schreie ich dabei. >>Scheißhexen! Scheißmikaelsons!<< Niemand kommt je hierrunter. Ich befinde mich tief im Keller meiner Schule und schreie meinen Frust über diese Situation hinaus, ohne dass es jemand hören könnte. Ja, niemand kommt je hierrunter, außer- >>Hey, Samara, hey!<<, sagt Josh leise, aber eindringlich. >>Ich vermisse sie doch auch.<< Er will mich in den Arm nehmen, doch ich weiche reflexartig vor ihm zurück. Eine falsche Bewegung und er ist tot. Schon wieder. Und diesmal endgültig. Das kann und werde ich ihm nicht antun. Er sieht mich traurig an. >>Okay<<, sagt er leise. >>Ich hatte ganz vergessen, deine Keimphobie.<< Ja, das ist meine Ausrede dafür, nicht berührt zu werden und niemanden zu berühren: Meine sogenannte ‚Keimphobie‘. Marcel und ich haben uns das vor meinem ersten Schultag ausgedacht. Es ist nicht perfekt, doch es funktioniert. Zumindest meistens. Unwillkürlich denke ich an Brooke. Es schüttelt mich. >>Was ist los?<<, reißt Joshs Stimme mich aus meinen Gedanken. >>Ach, nichts<<, sage ich eilig. >>Alles okay.<< Josh wirkt nicht überzeugt, doch er sagt nichts mehr. Plötzlich erstarrt er und geht zu Boden. Hinter ihm steht ein Hexer. Er hat dunkle Haut und hält ein Messer aus Knochen hoch. Er will damit gerade etwas auf Joshs Stirn ritzen, wobei dieser langsam austrocknet, als ich mich vor meinen Freund stelle. Der Hexer sieht mich aus dunklen Augen kalt an. >>Verschwinde hier, Mädchen. Sonst bekommst du Probleme.<<, sagt er mit gefährlicher Stimme. Aber das schüchtert mich nicht ein. Ich bin viel gefährlicher als er. Noch kann er weglaufen. Noch kann er sich retten. Doch darauf hat er wohl keine Lust. >>Auch gut<< Ich zucke die Schulter und packe sein Handgelenk. Er beginnt zu schreien, als Hitzewallungen wie Feuer durch seine Adern schießen und sein Blut zu rasen beginnt. Dann, ganz plötzlich, kühlt es sich ab. Zuerst ist es angenehm für ihn, doch dann kühlt sein Blut sich weiter und weiter ab und fließt immer langsamer, bis es stoppt. Der Mann keucht. Ein Wunder, dass er noch auf beiden Beinen stehen kann. >>Was… was bist du?<< >>Ich bin der Tod<<, sage ich unglücklich und lasse ihn los. Er wird sterben. Nur eine Berührung von mir und das passiert. Das Knochenmesser fällt schallend zu Boden, während der Hexer umfällt. Doch er ist nicht tot, das spüre ich genau. Er hat vielen Wesen Kraft entzogen, durch die er langsamer und schmerzhafter sterben wird. Ich sehe weg. Ich will mir das nicht angucken. Doch ich höre, dass er sagt: >>Das letzte Opfer<<, bevor er stirbt. Ich knie mich neben Josh, jedoch ohne ihn zu berühren. Es würde ihm den Rest geben. Doch Josh kommt sowieso schon wieder zu sich. Er blinzelt mich an. >>Wa- was ist denn passiert?<< >>Ist nicht so wichtig<<, sage ich erleichtert, das er noch lebt. Wenigstens er. >>Es ist alles okay<<, sage ich außer Atem. Jemanden sterben zu sehen erschreckt mich immer so sehr. Josh will mich umarmen um mich zu beruhigen, doch ich weiche wieder vor ihm zurück. Vielleicht, vielleicht hört das alles eines Tages auf. Und dann hole ich alle verpassten Umarmungen und Ähnliches nach. Das habe ich mir versprochen.
Ich werfe dem Hexer noch einen Blick zu. Er ist jetzt endlich tot. Doch was meinte er mit ‚das letzte Opfer‘? Egal. Darum kümmere ich mich ein andermal. Während Josh sich jetzt aufrappelt, ziehe ich mir meine Jacke und meine Handschuhe und meinen Hut an. Ich laufe immer eingemummelt in zehn Lagen Stoff herum obwohl das nichts hilft. Egal wie viel Stoff ich nehme, der Fluch meiner Familie kommt trotzdem durch. Das lässt sich nicht ändern. Aber dieser ‚Modetick‘ ist meine Art, damit umzugehen. Heute trage ich eine enge schwarze Jeans, meine braunen Stiefel, ein dunkelgrünes Top mit Pailletten und eine rote Strickjacke. Darüber ziehe ich nun eine dunkelrotschwarzviolette Lederjacke, gelbe Handschuhe die die Fingerspitzen freilassen und noch einen weißorangenen Hut. Ich sollte wohl erwähnen, dass ich nicht das geringste von Mode und/oder Farbkombinationen verstehe. Unter dem Hut gucken meine feuerroten, hüftlangen Haare hervor. Aus meinen smaragdgrünen Augen sehe ich Josh an. >>Kommst du?<<, frage ich. >>Wohin?<< >>Wir wollten doch einen Kaffee trinken gehen<< >>Ich kann hier gerade nicht weg<<, erinnert mich Josh an die strahlende Sonne. Ich schlage mir gegen die Stirn. >>Klar, entschuldige. Dann lass uns in die Cafeteria gehen. Ich garantiere dir, da gibt es die schlechtesten, verkochtesten, verzalzesten Nudeln der Welt.<< Josh grinst: >>Wie könnte ich da Nein sagen?<<

Ich weiß es nicht, doch nachher kommt eine Hexe, Sabine, vorbei und sieht sich den Hexer an. Sie sagt: >>Oh, Papa Tunde. Das letzte Opfer<< Sie nickt. Es ist gut so. >>Das letzte Opfer.<<

Es ist, wie Josh gesagt hat: Normal ist relativ. Das wird mir endgültig klar, als alle uns anstarren während wir uns hinsetzen und unsere Nudeln essen. Eigentlich darf Josh als Nicht- Schüler nichts in der Cafeteria essen, aber er hat die Frau an der Essensausgabe manipuliert, damit das kein Problem ist. Nach dem ersten Bissen zieht er eine Grimasse. >>Oh mein Gott. Da hätte ich mir die Manipulation echt sparen können. Das ist es nicht wert!<< Ich grinse. >>Was hab ich dir gesagt?<< >>Stimmt<< Josh sieht aus, als würde er sich gleich übergeben. >>Ich hätte auf dich hören sollen. Kein Wunder dass du so dürr bist.<< Das hat eigentlich andere Gründe, aber das ist gerade nicht das Thema. Ich zucke (wiedermal) die Schultern. >>Wenn du es sagst.<<
Plötzlich muss ich an den Tag denken, an dem Josh und ich uns kennen gelernt haben:
Ich bringe die Limonade und die Schokolade und die Chips in die Kirche. Den Korb kann ich ohne Probleme berühren. Ich gehe die Treppe hoch auf den Dachboden der Kirche um Davina alles zu bringen. Doch oben erwartet mich eine große Überraschung. Davina sitzt zusammen mit so einem Newcomer- Vampir auf dem Boden. Gerade legen sie ihre kleinen Finger aneinander, als ich eintrete. Die beiden blicken auf. >>Ich störe doch nicht?<<, frage ich. >>Aber nein!<< Davina springt so schnell sie kann hoch. >>Samara, das ist Josh. Josh, das ist Samara.<< Josh steht auf. Auf seiner Stirn sind Schweißperlen zu sehen und er taumelt. Was, in Gottes Namen, haben die zwei hier angestellt? >>Hey<< Er hält mir die Hand hin. Ich muss zu ihm aufsehen, da er größer als ich ist. Aber er ist ja auch schon älter. Trotzdem ist er sehr nett und überhaupt nicht überheblich oder so.
>>Heyhey!<< Josh schnipst mit den Fingern vor meiner Nase herum. >>Samara, hey! Alles okay?<< Ich nicke. >>Ja klar. ‘Tschuldigung, hab nur nachgedacht.<< Josh sagt: >>Was wollen wir nachher noch machen?<< Schön dass er das Thema wechselt. >>Lass uns… zum Friedhof gehen.<< Josh runzelt die Stirn. >>Wieso denn?<< Ja, das ist kompliziert. Jede Woche gehe ich zum Friedhof zum Grab meiner Mutter. Ich lege eine Blume auf ihr Grab, spreche ein kleines Gebet und bleibe etwas da. Wenn Josh mitkommt wäre das schön. Seit Davinas Tod ist mir alles unheimlich- besonders der Friedhof. >>Okay<<, sagt Josh dann. >>Dann gehen wir nachher zum Friedhof. Wird bestimmt… lustig.<<
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