Liebe wie Wahnsinn

von Mystoria
GeschichteAllgemein / P16
Mare Barrow Maven Calore
10.08.2017
10.08.2017
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Die Anstrengungen, mich immer wieder gegen die Fesseln aus Stiller-Stein behaupten zu müssen, ermüdeten mich und vertrieben beinah die Gedanken an alles andere. Erst als die lähmende Stille einer dumpfen Schwere gewichen war, dachte ich wieder an Maven.
Nicht daran wie ich fliehen konnte.
Nicht daran wie ich ihn töten würde.
Sondern an den Moment als uns beiden klar geworden war, dass nicht einmal er selbst wusste, welche Teile seines Denkens unter Elaras Kontrolle waren.
Die grausame Flüsterer Königin konnte ihn jetzt als Tote nicht mehr beeinflussen aber sie hatte zu ihren Lebzeiten genug in seinem Gehirn herumgepfuscht, dass all seine Handlungen vermutlich immer noch die Schatten ihres Werkes waren. Und niemand, schon gar nicht Maven selbst, wusste, wer er eigentlich wirklich war.
Ich hasste das Mitgefühl das ich bei diesen Überlegungen empfand.
Nicht groß genug um all meinen Hass, meine Furcht und meinen Schmerz zu überdecken.
Nicht ausreichend um zu vergessen, dass Maven ein Monster war, ungeachtet dessen ob er gewollt hatte so zu sein oder nicht.
Aber dennoch...
Das Gefühl war da.
Es ließ mich nicht klar denken. Lenkte meine Energie, die ich nur auf meine Freiheit und Mavens Vernichtung konzentrieren wollte, auf Gedanken um, die mich nicht weiter brachten. Die nur weh taten.

Würde Maven mich nicht lieben, wäre ich nicht mehr am Leben.
Das war eine simple Tatsache.
Aber war es die alleinige Schuld seiner Mutter, dass für ihn Liebe sich auf Wahnsinn reimte? Auf Obsession und Kontrolle?

Ich drehte mich unruhig in meinem Bett hin und her und widerstand dem Drang vor Frustration zu schreien.
Ich musste damit aufhören!
Es gab nichts, auch nicht seine machtbesessene Mutter, die ihn entschuldigen konnte. Nichts brachte mir den Jungen zurück, den ich einst hatte lieben können. Und sich zu zwingen, dass er immer noch existierte, dass er der eigentliche Maven war, der sich unter all den Schichten, die Elara ihm aufgelegt hatte, verbarg, war bloß eine schöne Lüge.
Was war die Wahrheit?
Sicherlich die Tatsache, dass er selbst verunsichert war und krampfhaft versuchte eine Trennung zwischen seiner Persönlichkeit und Elaras Einflüsterungen zu schaffen.
Er fürchtete den Kontrollverlust. Das Gefühl nicht Herr seiner eigenen Entscheidungen zu sein.
Und das... Das konnte ich mir vielleicht zu Nutze machen.

Ein feines Klirren lässt mich aufschauen. Zunächst sehe ich nur die Decke eines Baldachin.
Ungewohnter Anblick.
Der Schatten des Schlafes benebelt immer noch mein Gehirn und es braucht lange, bis der Anblick nicht nur ungewohnt sondern auch alarmierend ist.
Das ist nicht mein Bett.
Dann wandern meine Augen zur Seite und treffen auf angenehmes Kerzenlicht. Durch das dahinter liegende Fenster erkenne ich nichts als Schwärze. Es muss schon mitten in der Nacht sein.
Was mache ich hier?!
Erinnere dich, Mare!
Ich atme ein wenig schneller als mir bewusst wird, dass das prachtvolle Zimmer nur dem König gehören kann.
Ich bin in Mavens Schlafzimmer.
Und ich erinnere mich daran, dass ich auch von selbst hier her gekommen war. Wenn man von den Arvens mal absieht. Als ich hier angekommen war, hatte Maven sich noch in einer Besprechung befunden und so hatte ich hier gewartet.
Ich weiß nicht was mich im Moment mehr schockiert.
Das ich hier einfach so unachtsam eingeschlafen war oder das man mich auch noch gelassen hatte.
Ich richte mich langsam auf und spüre wieder die Präsenz meiner Fesseln an Hand- und Fußgelenken. Dem Bett gegenüber steht ein Schreibtisch hinter dem Maven sitzt und auf etwas auf der Tischplatte starrt.

„Die Fesseln müssen ermüdend sein“, murmelt er ohne aufzusehen.
Ich bringe nicht einmal ein Schnauben hervor. Die Situation ist noch zu verwirrend um gewohnt sarkastisch zu sein.
„Hast du gut geschlafen? Du sahst sehr friedlich aus.“
Ich zucke nur, von ihm ungesehen, mit den Schultern.
„Du hast dich irgendwann hin und her gerollt. Selbst im Schlaf hältst du nicht still.“
„Ist das deine Vorstellung von friedlich?“, erwidere ich trocken.
„Chaos ist nur für die ruhelos, die es nicht kennen.“

Er greift nach einem kleinen Gegenstand auf dem Tisch und hält ihn gegen das Licht. Er sieht hoch aber nicht zu mir.
Ich antworte nichts und schlage die weiche Decke beiseite. Das lange, schlichte Kleid verdeckt meine dünnen, blassen Beine und die Schrammen, die die Fesseln hinterlassen haben. Ich stehe langsam auf und trete ans Fenster. Meine Augen haben sich bereits an die Dunkelheit gewöhnen und sehen auf einen Mond beschienenen Innenhof herab. Alles ist ruhig.
Und auch wenn sie ein Zeichen meiner Gefangenschaft sind, wirken die Soldaten auf ihren Wachposten für einen kurzen Moment wie Beschützer.
Nur das sie nicht über mein Zuhause und meine Familie wachen.

Ich höre wie Maven den Stuhl zurückschiebt und durch den Raum geht.
Ich zucke zusammen als er dicht hinter mir stehen bleibt und irritierend sanft meine rechte Hand in seine nimmt. Er ignoriert das meine Atmung unregelmäßig wird und ein sachtes Zittern durch meinen Körper geht. Ich schaue stur aus dem Fenster und versuche die Situation unter Kontrolle zu bekommen. Dann spüre ich kaltes Metall an meinem Finger und sehe in Erwartung einer neuen Fessel, einer neuen Folter, doch hin.

Nein, es ist keine Fessel.
Keine der üblichen Art.

Es ist ein breiter, goldener Ring. Die Oberfläche ist mit filigranen Flammen Gravuren verziert und in der Mitte befindet sich ein tropfenförmiger Rubin.
Ich vergesse beinah zu atmen.
Der Ring ist prachtvoll ohne protzig zu sein aber ich übersehe nicht was er bedeutet.
Maven dreht mich an der Schulter sacht zu sich herum und hält mit seiner rechten Hand meine hoch, um meinen Ring betrachten zu können.

Und das dazu passende Gegenstück an seinem Finger.

Sein Ring ist ebenso breit, nur erstrecken sich die goldenen Gravuren auf schwarzem Grund und werden von keinem Rubin unterbrochen.
„Ich habe sie selbst in Auftrag gegeben“, murmelt er in die Stille.
Und ich vollende in Gedanken die Lücke, die auf diesen Satz folgt.
Damals... Als ich noch seine Frau werden sollte.

Ich weiß nicht was ich sagen soll. Tausend Fragen schießen mir durch den Kopf aber ich kenne ihre Antworten und will sie nicht noch mal von ihm hören. Ich will ihm Sarkasmus entgegenschleudern, ihm zeigen, dass mich das nicht beeindruckt aber mir fällt nichts ein.

„Wusste deine Mutter davon?“

Als Maven mich endlich ansieht, erkenne ich, dass er aus einer Illusion auftaucht, in die er sich nur zu gern geflüchtet hat. Während ich vor Furcht und Abscheu kaum stehen kann ohne zu zittern, fällt sein Blick beinah zärtlich auf unsere Hände mit de beiden Ringen, die für unsere enge Verbundenheit stehen sollten.
Jetzt wird ihm wieder bewusst, dass nichts weiter von der Realität entfernt sein könnte und das nur einer von uns diese absurde Situation als „romantisch“ beschreiben würde.
Das ernüchtert ihn augenblicklich, als habe jemand einen Eimer Wasser über ihm ausgekippt.

„Sie hat doch immer alles gewusst. Aber sie hat es nie erwähnt.“
„Vielleicht war es ihr sogar ganz recht“, entgegne ich und trete einen Schritt zurück. Ziehe meine Hand aus seinem Griff.
„So warst du auf mich konzentriert und weniger darauf, dass sie euren Plan immer mehr allein ihren Vorstellungen angepasst hat. Und weniger darauf wann und wie sie in deinen Gedanken herumgepfuscht hat.“

Er mustert mich vollkommen unbeeindruckt, doch sein angespannter Kiefer sagt etwas Anderes.
„Es war UNSER Plan. Du warst etwas zuweilen Unkalkulierbares aber das ändert nichts daran, wer meine Entscheidungen getroffen hat.“
„Ja“, stimme ich ihm zu. Ich streife mir den Ring von meinem Finger und drücke ihm das kleine Schmuckstück in die Hand. „Sie.“

Völlig unerwartet macht Maven einen Satz nach vorne und packt meinen Hals. Der Ring fällt zu Boden während ich unsanft gegen die Wand pralle und Maven langsam zudrückt. Ich ringe nach Luft. Der verrückte König ist mir so nah, dass sich unsere Nasenspitzen beinah berühren.
Für eine kurze Zeit sehe ich die Genugtuung in seinen Augen. Er genießt die Macht die er über mich hat. Kostet meine Hilflosigkeit aus. Wie ein Schauspieler der sich an der Reaktion des Publikums sättigt.
Dann verschwindet die Freude und weicht dem Ernst, der Griff um meinen Hals wird jedoch nicht fester.
„Du denkst meine Mutter kontrolliert mich immer noch, ja?“, zischt er.
„Dann sollte ich dich töten! Das wäre das was sie gewollt hätte!“
Wir sehen einander in die Augen und für einen schrecklichen Moment denke ich, dass er es wirklich tun wird.
Das ich wirklich sterben werde.
Hier. Und jetzt.

Aber dann lässt er mich los und küsst mich. Raubt mir den Atem, kaum das ich Luft holen kann. Er lässt zu dass ich ihn von mir stoße, meinen zittrigen Knien nachgebe und zu Boden sinke. Mir ist im Moment egal was für einen jämmerlichen Eindruck das macht. Immer wieder Hilflosigkeit zu erfahren heißt nicht, das man gegen die Panik die damit einhergeht, immun wird.
Trotz allem was er bisher getan hat, schockiert mich die Erkenntnis über das was gerade passiert ist, dennoch.
„Aber du kannst es nicht“, gebe ich zurück, sobald genug Luft zum Sprechen da ist.
Ich lehne meinen Kopf gegen die Wand und atme tief durch. Er hat meine kleine Verschnaufpause ebenfalls genutzt um wieder die Fassung zu erlangen und sieht jetzt scheinbar unberührt auf mich herab.
„Deine Provokationen haben auch schon mal besserer Ergebnisse erzielt“, kommentiert er und lässt beide Ringe in einer Hosentasche verschwinden.
„Oder WILLST du das ich dich töte?“
Ich verziehe die Mundwinkel zu einem schwachen, wissenden Lächeln.
„Selbst wenn. Du würdest es ja doch nicht tun.“
Er hält einen Moment inne und überlegt.
„Wahrscheinlich nicht“, gibt er zu.
„Aber ich würde es tun.“ Ich stehe langsam auf. „Ich werde dich töten.“
Er zieht eine Augenbraue hoch.
„Ja...Ich glaube dir das du das glaubst. Wie wirst du es tun?“
Ich stutze. Er kommt wieder näher und greift nach meinen Händen um sie an seinen Hals zu legen.
„So?“
Er lächelt sanft. Ich bin so verwirrt, dass ich meine Hände selbst dann noch an seinem Hals liegen lasse, als er mich schon los gelassen hat. Er mustert mich vollkommen entspannt und wartet einfach nur ab. Als wäre das erneut nur eine Unterhaltung zwischen zwei Liebenden. Als böte er mir nicht gerade an ihn zu töten. Als wären meine Hände an seinem Hals, zärtlich und keine Gefahr. Und als ich aus dem Augenwinkel sein Feuer wahrnehme, das um seine Handgelenke flackert und die sachte Wärme spüre, wird mir wieder klar, das ich tatsächlich keine Gefahr darstelle. Das ich diesen „Test“ nur verlieren kann. Egal wie sehr er mir „entgegen kommt“, ohne Kraft, ohne Blitz, kann ich rein gar nichts ausrichten.
„Ich opfere dir viel, Mare. Aber nicht mein Leben“, raunt er mir zu.
„Sei also vorsichtig mit den Dingen die du dir vornimmst. Ich werde dich nicht töten, darauf hast du mein Wort, es sei denn, du zwingst mich dazu.“
Seine flammende Warnung verlischt.
Meine Arme fallen nutzlos herab als er sich abwendet und wieder zum Schreibtisch geht. In meinem Kopf herrscht nichts als Chaos und es ist keinesfalls friedlich, auch wenn ich es bereits kenne. Ich hätte ihn töten sollen. Aber was dann? Ich wäre nicht weit gekommen...
„Möchtest du wieder schlafen gehen?“, fragt Maven ruhig, und schaut von seinen bereits ausgebreiteten Unterlagen auf.
Ich nicke.
„In meinem Zimmer.“
Der verletzte Ausdruck der über sein Gesicht huscht bringt mich fast zum Lachen. Immer wenn ich denke er könnte sich nicht noch absurder verhalten...
Schließlich zwingt er sich zu einem schmalen Lächeln.
„Natürlich.“

Ich liege im Bett. Diesmal wirklich in meinem. Allmählich lässt das Zittern nach und ich kratze mir immer wieder über meinen Finger um das Gefühl von Mavens Ring loszuwerden. Dem Ring den er immer noch bei sich trägt, obwohl unsere Heirat mehr als unmöglich ist. Ich hätte ihn töten sollen. Er wäre davon überrascht gewesen. Er hätte mir nichts getan. Ich hätte ihn töten sollen.
„Aber du kannst es nicht.“

Meine Worte.
Aber in meinen Träumen ist Maven derjenige, der sie ausspricht.







Halli, Hallo,

habe gerade "Goldener Käfig" beendet *-* und bin recht überrascht das es hier kaum Fanfiktions über die Reihe gibt... Naja, auf jeden Fall kam dann ein kleiner OS zu Maven und Mare raus. Lasst mich doch wissen ob er euch gefallen hat! Ich freue mich immer über Rückmeldungen!

LG
Mystoria
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