White Wedding

KurzgeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16
Hitomi Kanzaki Van Fanel
10.08.2017
16.08.2017
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Willkommen zu einer weiteren, diesmal wirklich kleinen Geschichte über Van und Hitomi. Wie beim Geschichtstyp schon zu lesen ist: Diese FF wird wirklich eine kurze. Ganz ehrlich. Ich werde mich zurückhalten.
Vier Kapitel sind geplant, bei denen ich euch viel Spaß wünsche. Da ich sonst nie Prologe schreibe, könnt ihr gerne kommentieren, ob er mir gelungen ist, oder ob ich gleich mit der Geschichte hätte anfangen sollen. Ich übe ja noch :D



Prolog
Die junge Frau fröstelte, als sie versuchte, mit den Wollhandschuhen den Schlüssel ins Schloss der Tür zu stecken. Von innen drang warmes Licht zu ihr, und Hitomi wusste genau, was sie erwarten würde. Ihre Freunde würden mit Luftschlangen in den Flur stürzen, sobald sie ihre Schuhe ausgezogen hatte, und sie mit einer Geburtstagsfeier überraschen. Und das, obwohl sie das jedes Jahr machten. Aber sie freute sich jedes Mal, wenn sie die Nacht mit ihren Freunden verbringen konnte, Geschenke auspacken und Kuchenunfälle aus Yukaris Küche probieren durfte. Heute war sie offiziell volljährig geworden, doch sie fühlte sich nicht so, wie sie sich fühlen sollte: erwachsen. Und noch etwas drückte auf ihre Stimmung, doch der Grund hierfür lag Lichtjahre entfernt. So gern sie auch ihren Geburtstag feierte, seit über zwei Jahren fehlte etwas an ihrer Seite, das sie vollständig fühlen ließ. Auf jeder Party fehlte ihr ein gewisser starrköpfiger König mit rabenschwarzem Haar, auch wenn sie den Gedanken irgendwie seltsam fand, dass er an ihrem täglichen Leben auf der Erde teilnehmen könnte. Sie dachte oft an Van, hatte sich oft vorgestellt, ihr Elternhaus doch zu verlassen und bei ihm zu leben – auch wenn sie nicht einmal wusste, ob Van sie noch immer liebte. Denn je länger sie bei ihren Eltern verbrachte, desto mehr wünschte sie sich weg von ihnen. Seit Monaten drehte sich alles um ihre Volljährigkeit und welch große Verantwortung ihr damit zuteilwurde. An sich kein großer Unterschied zu dem, was die Eltern ihrer Freunde so predigten, doch in Hitomis Familie drehte sich schon immer alles um das Großunternehmen ihres Vaters, Kanzaki Industries Inc. , einer Firma, die sich auf das Verlegen von Rohren zwischen Ölplattformen und dem Festland Japans spezialisiert hatte. Hitomis Vater war daher oft international auf Reisen, und immer, wenn er zuhause war, ging es darum, wie Hitomi einmal seine Beziehungen verbessern solle und ihr kleiner Bruder seinen Job übernehmen werde, egal, ob er will, oder nicht. Sie hatte immer die Augen verdreht und es als eine seiner Hirngespinste abgetan. Ihr Vater schien nicht viel von Selbstbestimmung oder Individualität zu halten, und meist waren ihre Gespräche sehr kalt und abweisend. Doch heute hörte sie ihn aus dem Esszimmer lachen, als die Tür hinter ihr ins Schloss fiel und sie ihren Schal und Anorak an die Garderobe hängte. Sie interpretierte seine gute Laune als ein gutes Zeichen, und fragte sich, welcher ihrer Freunde sich wohl so gut mit ihrem Vater verstand. Doch als sie ins Esszimmer kam, standen auf dem Tisch weder Geschenke noch Kuchen. Niemand ihrer Freunde war gekommen, keine Luftschlangen, kein ‚Überraschung!‘ wurde gerufen. Ihr Vater schlug einem jungen Mann neben sich auf die Schulter und lachte noch immer laut. Ihre Mutter brachte Sake auf einem Tablett und bot den Gästen etwas an. Eine dicke Frau mit offenbar europäischen Wurzeln und einem geschmacklosen Fuchsfell über den Schultern drehte sich zu ihr um und musterte sie skeptisch von oben bis unten, als würde sie sich Ware auf einem Markt ansehen. Die viel zu kleine Perlenkette um ihren Hals verschwand dabei fast vollständig in dem Fettfalten ihres Halses. Dann zog sie eine Augenbraue nach oben und sagte kalt:
„Sieht brauchbar aus, das Ding. Kann sie kochen? Mein Sohn will gut essen, wenn er nach Hause kommt.“
„Ach, selbstverständlich kann sie das“, scherzte ihr Vater. Hitomi wusste genau, dass er log. Sie hatte nie mehr als Rührei oder Nudeln gemacht, wenn sie allein daheim war. Wer waren diese Personen? Verwirrt warf sie ihrer Mutter einen kurzen Blick zu, doch die wich ihren Augen aus, deckte Häppchen und mehr Sake auf und war auch sonst sehr still. Der junge Mann neben ihrem Vater erhob sich schließlich und kam auf Hitomi zu. Sein Hemd war am Kragen geöffnet und seine Sakkohose saß ihm viel zu locker auf den Hüften. Er war groß, schlaksig, und sein Gesicht war das unattraktivste, das Hitomi je in die Quere gekommen war. Sein dunkelbraunes Haar war schleimig nach hinten gegeelt und ekelte Hitomi genau so an, wie sein Gestank nach kaltem Zigarettenrauch und Mundgeruch. Und er war genauso potthässlich, wie seine Mutter. Seine Nase war krumm, die Lippen spröde, und die Augen bestanden aus einem sumpfigen bläulichen Braun, standen viel zu weit auseinander. Er bot ihr die Hand an, die Hitomi zögerlich nahm und schüttelte, doch sie klebte fürchterlich und sein Händedruck war viel zu fest. Statt sich selbst vorzustellen, trat ihr Vater neben den Mann.
„Meine Liebe Hitomi, vor dir steht William Osaka, der Sohn des Gründers der berühmten Osaka-Werke in Tokyo. Er wird dein zukünftiger Ehemann sein.“
Erschrocken zog Hitomi ihre Hand zu sich und sah panisch von einem zum anderen. Sie sollte heiraten? Diesen Mann? Nie im Leben! Und wie lange haben die beiden das schon geplant…?
„Mit der Eheschließung wird die Fusion der Osaka-Werke und Kanzaki Industries perfekt sein. William wird die Firmen übernehmen, wenn sein Vater in wenigen Monaten seinem Krebsleiden erliegen wird. Und du, Hitomi, wirst den Erben der Osakas austragen!“, verkündete ihr Vater mit einem strengen Unterton in der Stimme, der Hitomi erschaudern ließ. Hallo, versteckte Kamera? Ihr könnt rauskommen, der schlechte Scherz ist euch gelungen!
„Einen verdammten Mist werde ich tun! Was fällt dir ein, einfach über mein Leben bestimmen zu wollen?! Zwangsehen sind verboten, und-“
„Halt den Mund, undankbares Gör!“, brüllte Williams Mutter und kam wie eine Dampfwalze auf sie zu.
„Du wirst gefälligst tun, was dir befohlen wird! Hab Respekt vor deinem Erzeuger und deinem Verlobten!“
„Ich habe nie um diese Heirat gebeten, und ich wusste auch nichts davon! Lassen Sie mich in Ruhe! Mutter, sag doch auch etwas!“
Hilfesuchend sah sie ihre Mutter an, doch diese schenkte ihr nur ein Schulterzucken und ein entschuldigendes Lächeln. Sie wusste davon. Die ganze Zeit schon. Sie hätte ihr helfen können, doch wie alle anderen unter diesem Dach stand sie unter der Fuchtel ihres Ehemannes, den sie heiraten musste, als sie gerade neunzehn war. Ängstlich lief Hitomi rückwärts zur Tür. Sie musste weg von hier, egal, wohin.
„Ihr könnt mich nicht dazu zwingen…“, versuchte sie panisch, sich zu retten, doch ihre hohe zittrige Stimme verriet ihre Verunsicherung.
„Oh, ich glaube du unterschätzt uns ein wenig“, trällerte ihre Möchtegern-Schwiegermutter.
„Oder möchtest du wieder eine Nacht lang allein mit deinem Vater in einem Zimmer verbringen?“
Ihr böses Grinsen verriet Hitomi, dass sie ganz genau wusste, wovon sie da sprach. Und, Gott im Himmel, Hitomi wusste besser als vermutlich jedes andere Mädchen in Tokyo, wie sich häusliche Gewalt anfühlte. Ihre Glieder wurden steif. Die Drohung zeigte ihre Wirkung. Sie wurde daran erinnert, wie oft sie um ihr Leben fürchten musste, obwohl ihr eigentlich klar sein sollte, dass man sie nicht umbringen würde, solange sie für die Firmenfusion von Nutzen war. Doch auf die Erfahrung, noch einmal fast an inneren Blutungen zu verrecken, konnte sie getrost verzichten. Aber eine Ehe, mit jemanden, den sie nicht kannte, dazu verdammt, seinen schweren Körper Nacht für Nacht über sich zu haben und ihm Kinder zu schenken? Ihre einzige Aufgabe wäre es, das schöne Gesicht der Firma für die Öffentlichkeit zu wahren. Nein, sie wollte das nicht! Sie wollte frei sein, das tun, was sie wollte, nicht das, was man ihr befahl!
William kam mit einem falschen Lächeln auf sie zu und warf einen Schatten auf ihr bleiches Gesicht, und ihre Augen wurden noch größer, während ihre Körperspannung in sich zusammenfiel. Er griff nach einer Strähne ihres schulterlangen Haares und schob es ihr hinters Ohr. Er musste ihr schnelles, flaches Atmen bemerkt haben, denn er lachte bitter auf, bevor er die andere Hand an ihren Hintern legte und ihre Pobacke knetete.
„Ich sehe schon, wie werden in ein paar Monaten viel Spaß haben…“, grinste er, wohlwissend, wie Hitomi einzuschüchtern war. Dann beugte er sich an ihr Ohr, um ihr einen weiteren Schauer über den Rücken zu jagen.
„Und du wirst mir schön gehorchen, meine kleine Hure, nicht wahr?!“, zischte er leise. Spucketröpfchen fielen auf ihre Wange und ihr Ohr.
Hitomi spürte nichts, außer Panik und das Gefühl der Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung. Und die starre Bewegung, die ihren Kopf wie im Trance nicken ließ.
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