Hostage of Love

GeschichteDrama, Romanze / P18
Andreas Kringge Martin Ferchert Michael "Mick" Brisgau Roland Meisner Tanja Haffner Uschi
09.08.2017
18.08.2017
10
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09.08.2017 2.887
 
Anmerkung vorweg: diese Geschichte ist bereits fertig geschrieben und ich werde sie jetzt Stück für Stück hier posten. Im Grunde ist es mir ein Rätsel, warum ich sie noch nicht bei Fanfiktion.de veröffentlicht habe. Verstehe einer die Autoren...

Titel:  Hostage of Love
Autor: Cat
Timeline: spielt nach der letzten Episode der Staffel 4
Rating: NC-17
Kategorie: Mick/Tanja, Drama
Disclaimer: Mick Brisgau und Co. gehören mir nicht. Ich leihe sie mir nur mal kurz für ein bisschen Spaß aus und gebe sie unbeschadet (also fast) und ohne finanziellen Nutzen für mich wieder zurück. Versprochen!
Feedback: …muss ich drum betteln? CrazyCat179@yahoo.de
Zusammenfassung: Ein vermeintlich harmloser Einsatz geht schrecklich schief und plötzlich finden sich Mick und Tanja in einer lebensbedrohlichen Situation wieder. Doch wie ausweglos ist ihre Lage wirklich und finden sie im Kampf ums nackte Überleben ihre verloren geglaubte Liebe wieder?

Hostage of Love

„Mick, musst du denn immer gleich handgreiflich werden? Der Firnmann wird uns auch durch Schütteln nicht mehr verraten. Jetzt wird er ohne seinen Anwalt gar nicht mehr mit uns reden!“ Wütend über das aufbrausende Verhalten seines Partners riss Andreas Kringge die Beifahrertüre des grünen Opel Diplomat auf und ließ sich ohne Mick weiter zu beachten auf den Sitz fallen. Dieser umrundete mit aller Seelenruhe den Wagen und zündete sich, noch bevor er einstieg, eine Zigarette an.
„Sag mir nicht, dass du den nicht auch ein wenig schütteln wolltest?! Mensch Andi, seine Oma liegt mit zertrümmertem Schädel tot in der Wohnung und alles, worum dieser Aasgeier sich sorgt, sind die Wertpapiere und der fehlende Schmuck. Nette alte Damen wurden schon für weit weniger umgebracht!“ Aufgebracht zog der blonde Kommissar an seiner Zigarette und startete das Auto.
„Auch das ist noch immer keine Rechtfertigung. Mann Mick…“ Ein Anruf unterbrach Andreas‘ ausschweifende Schimpftirade.
„Kringge. Ja, genau… wirklich?“, Andi wendete sich mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck seinem schmollenden Partner zu.
„Mick, eine erste Spur. Jemand hat versucht, Teile des Schmucks zu verkaufen“, flüsterte der junge Ermittler und hielt dabei das Mikrofon seines Mobiltelefons für einen kurzen Moment zu.
„Mhm“, brummte sein älterer Kollege einsilbig, nickte aber kurz. Dies war tatsächlich ihre erste heiße Spur, sollte der Anrufer Recht haben. Dem Opfer waren wertvolle und zum Teil einzigartige Schmuckstücke entwendet worden, die sie dank einer beinahe lückenlosen Dokumentation in Form von Fotos der alten Dame im gesamten Umkreis als Diebesgut ausgeschrieben hatten.
„Ja, danke, wir machen uns gleich auf den Weg zu Ihrem Laden. Die Adresse?“ Während Andreas die Daten notierte, stierte Mick weiterhin auf die Straße und bahnte sich seinen Weg durch den dichten Berufsverkehr.
„Großartig“, frohlockte Andi, nachdem er sein Handy wieder zurück in seine Tasche geschoben hatte. „Du, dann können wir gleich hier rechts abbiegen“, wies er Mick voller Tatendrang an. Dieser quetschte sich zwischen zwei abbiegende Fahrzeuge und spähte zu dem Notizbuch seines Partners, um einen Blick auf die Anschrift zu erhaschen.
Das abermalige Klingeln eines Handys ertönte in diesem Moment. Dieses Mal jedoch war es die Bonanza-Melodie.
„Brisgau“, donnerte Mick in den Hörer, musste diesen jedoch bei dem Geschrei auf der anderen Seite weit von seinem Ohr weghalten.
„Martin, halt mal kurz die Luft an“, ergriff er das Wort und unterbrach damit unwirsch die Schimpftirade seines Vorgesetzten. „Wir sind mitten in einer Ermittlung, da wird so eine dämliche Beurteilung wohl noch ein wenig warten können.“ Das Toben am anderen Leitungsende nahm zu, so dass Mick gequält seine Augen verdrehte.
„Ja, klar, super Martin, wenn du meinst, dass dieser Käse wichtiger als eine laufende Mordermittlung ist, bitte. Ich bin immerhin noch Bulle, einer, der die Steuergelder sinnvoll nutzt. Oder zu nutzen versucht. Paragrafenreiterscheiße…“, erbost beendete Mick das Gespräch und bog ohne Vorankündigung scharf rechts ein.
„Sag mal – geht’s noch?“, beschwerte sich sein Partner und klammerte sich mit verbissenem Gesichtsausdruck an den Haltegriff. Der Jüngere musterte seinen Kollegen, der seinen Blick starr geradeaus gerichtet hielt.
„Welche Beurteilung?“, fragte Andreas verwundert, doch dann dämmerte ihm, warum Martin Ferchert Mick zum Präsidium zurück geordert hatte.
„Deine Leistungsbeurteilung?“ Mit vor Unglaube geweiteten Augen sah Andreas Mick an.
„Mick, die habe ich schon vor drei Monaten abgeschlossen.“
„Da sieht man mal wieder, wer seine Arbeit ernst nimmt und wer noch Zeit für so nen Scheiß hat“, war Micks wenig begeisterte Antwort. In der Raiffeisenstraße bremste Mick scharf und deutete mit seinem Kopf zu dem Juwelier auf der anderen Straßenseite.
„Brauchst du ne Extraeinladung oder kannst du nicht ohne mich?“, feixte er und betrachtete das Profil seines Partners.
„Schon klar, ohne dich geht nix. Viel Erfolg – Mick.“ Mit einem süffisanten Lächeln auf den Lippen stieg Andreas aus dem Auto und winkte seinem davonrasenden Partner hinterher. Dann betrat er den Juwelierladen.

Mick schaffte es in Rekordzeit zurück zum Präsidium. Nicht, weil er sonderlich erpicht darauf war, seine Leistungsbeurteilung über sich ergehen zu lassen, er wollte diese in seinen Augen völlig unnötige Prozedur nur möglichst schnell hinter sich bringen. Martin Ferchert erwartete ihn bereits mit unheilvoller Miene.
„Ist ja toll, dass der Herr Brisgau es doch endlich mal geschafft hat, hier zu seiner Beurteilung anzutanzen. Weißt du, mein Freund, ich hätte nicht übel Lust, dir sämtliche Zuschüsse ersatzlos zu streichen. Bei dir ist doch sowieso Hopfen und Malz verloren.“ Der Leiter der Mordkommission hatte sich in Rage geredet und fuchtelte bei seiner Ansprache wild mit seinen Armen umher. Mick, der mit einem gelassenen Gesichtsausdruck auf dem freien Stuhl vor Martins Schreibtisch Platz nahm, verschränkte abweisend seine Arme vor der breiten Brust und musterte sein Gegenüber kritisch.
„Dann tu, was du nicht lassen kannst. Ich werde jedenfalls nicht Männchen machen, nur weil es so für euch alle bequemer ist. Guck dir unsere Aufklärungsrate an, dann weißt du, wie du das zu bewerten hast, Martin!“ Seine schneidenden Worte verfehlten ihre Wirkung nicht.
„Ja, eure Aufklärungsrate ist besonders hoch – geschenkt, Mick. Hier!“ Kraftvoll knallte Ferchert Mick eine dicke Akte auf den Tisch. Obenauf lag der auszufüllende Bewertungsbogen.
„Fachkompetenz, Arbeitsweise, Arbeitsqualität, Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Klienten und Kollegen. Mick, wenn ich das hier wahrheitsgemäß ausfüllen würde, würdest du als Parkwächter vor dem Präsidium versauern!“ Ferchert lachte bei seinen eigenen Worten humorlos auf, dann raufte er sich seine Haare.
„Du solltest dir lieber Gedanken über den Idioten machen, der einen derart behämmerten Bewertungsbogen eingeführt hat. Total am wahren Leben vorbei.  Ich jage Mörder, Martin, und ich werde jetzt nicht damit anfangen, zuerst Vorschriftenbücher zu wälzen, bevor ich einen Verdächtigen verhöre.“
„Willst oder kannst du das nicht verstehen?“, fauchte Ferchert und tippte gereizt in schneller Abfolge auf das vor Mick ausgebreitete Papier.
„Mein gesunder Menschenverstand bewahrt mich davor.“ Micks patzige Antwort brachte seinen Chef dazu endgültig zu explodieren.
„Falsch, MICK!!! Mit gesundem Menschenverstand hat das bei dir nichts mehr zu tun. Weißt du was, vielleicht ist es ja lehrreich, wenn ich dich einfach um 5 Prozent runter stufe. Und wenn nicht –langsam ist mir das auch egal!“ Martin sprang auf und stürmte zu seiner Bürotür, um diese weit aufzureißen und hinaus in den Flur zu deuten.
„Kannst auch gleich wieder verschwinden, das schont vielleicht meine Nerven.“ Mick, der den Ausbruch nur mit unbeteiligter Miene beobachtet hatte, erhob sich langsam und verließ das Büro seines Vorgesetzten.
„Klasse Führungsstil, Kumpel. Ich hoffe, der findet in deiner Bewertung  regen Zuspruch.“ Mit diesen Worten wandte Mick sich um und rannte in seiner Wut mit voller Wucht gegen Tanja Haffner, die erschrocken die Akte, die sie in den Händen hielt, fallen ließ.

„Entschuldige“, murmelte Mick und beeilte sich, die Papiere wieder aufzusammeln und Tanja zurück zu geben.
„Nix passiert“, beeilte sich die Psychologin zu versichern und deutete zu Fercherts Tür, die sich soeben lautstark hinter ihm geschlossen hatte.
„Hast du Ferchert heute auf dem falschen Fuß erwischt?“, erkundigte sich die dunkelhaarige Frau neugierig, doch Mick winkte genervt ab.
„Was das angeht, hat Martin wohl eher zwei Holzbeine“, knurrte Mick.
„Schlechter Tag?“ Das zaghafte Lächeln, das Tanja ihrem Freund schenkte, besänftigte den Kommissar augenblicklich und auch auf seine Lippen stahl sich ein winziges Lächeln.
„Martin oder ich?“, scherzte er und machte eine wegwerfende Handbewegung in Fercherts Richtung. „Bis ich auf Graf Koks hier traf, ging es mir eigentlich ganz gut.“ Tanja nickte knapp, so dass ihre dunklen Locken leicht auf und ab wippten.
„Leistungsbeurteilung?“, wagte sie einen Vorstoß.
„Hat sich wohl rumgesprochen.“
„Ja, weil alle Beurteilungen außer einer abgeschlossen sind und alle anderen wegen dieser momentan auf Eis liegen. Und ich muss keine Hellseherin sein um zu erahnen, um wessen Bewertung es sich bei der Fehlenden wohl handeln könnte.“ Tanjas ehrliches, entwaffnendes Lächeln nahm Mick seine letzte Verärgerung, zumindest für den Moment.
„Glückstreffer“, flachste er daher grinsend.
„Es kann halt nicht nur so Musterschüler wie dich und Andi geben.“     
„Wahrscheinlich nicht.“ Tanjas Hand legte sich auf Micks Arm. „Mick, ich bin sicher, dass die Geschichte noch nicht ganz vom Tisch ist. Wenn du dich noch einmal in Ruhe mit Ferchert an einen Tisch setzt, dann…“ Mick unterbrach sie jäh.
„Hat da etwa jemand gelauscht?“, wollte er von ihr mit gespieltem Entsetzen wissen.
„Lauschen war nicht nötig, euer Gespräch haben sogar die Kollegen am anderen Ende des Ganges wortwörtlich verfolgen können.“ Mick strich sich mit den Fingern durch die Haare und sah zur geschlossenen Türe seines Chefs hinüber.
„Rede nochmal mit ihm, Mick.“ Tanja ließ nicht locker und fügte in einem besänftigenden Tonfall hinzu: „In Ruhe.“
„Ist das ein therapeutischer Ratschlag, Frau Doktor?“, fragte Mick und ein schiefes Grinsen legte sich auf seine Lippen.
„Das ist der Ratschlag eines Freundes – noch dazu umsonst.“ Mit diesen Worten drehte sich die dunkelhaarige Polizeipsychologin um und machte Anstalten, zurück zu ihrem Büro zu gehen. Mick hielt einen Moment inne, wobei er den hübschen Anblick, den ihre Kehrseite ihm bot, bewunderte, dann lief er Tanja hinterher.
„Hast du Lust, heute Abend mit mir essen zu gehen?“, lud Mick seine Ex-Freundin spontan ein. Verwunderung spiegelte sich auf Tanjas Gesichtszügen wider, als sie sich zu ihm umdrehte, dann aber schenkte sie Mick ein strahlendes 1000-Watt-Lächeln. In der letzten Zeit hatte er erschreckend wenig Zeit mit Tanja verbracht, und auch wenn er sich noch immer nicht ganz klar darüber war, welchen Stellwert sie in seinem Leben hatte, so vermisste er sie und ihre gemeinsame Zeit. Besonders nach oder gerade wegen des katastrophalen Scheiterns seiner Beziehung mit einer verheirateten Frau. Eine Beziehung, die er entgegen seines gesunden Menschenverstandes eingegangen war.
„Liebend gerne, aber heute Abend habe ich schon eine Verabredung. Wie wäre es mit… jetzt?“ Micks anfängliche Verärgerung darüber, dass Tanja bereits etwas vorhatte, womöglich sogar mit einem anderen Mann, wich der Freude, dass sie dennoch gewillt war, jetzt mit ihm essen zu gehen. Es war bereits 16:30 Uhr, unter anderen Umständen hätte er sich vielleicht die Freiheit heraus genommen, frühzeitig Feierabend zu machen. Doch sein Partner wartete im Zentrum, Mitte auf seine Rückkehr und wenn sich die Spur beim Juwelier als heiß erwies, dann war an einen frühen Feierabend nicht zu denken.
„Warte mal kurz!“, wies er Tanja an und fischte sein Handy aus der Hosentasche, um Andreas anzurufen.
„Hey Amigo, wie läuft’s?“, fragte er und hoffte entgegen seiner beruflichen Ehre, dass sich der Hinweis als nutzlos erwiesen hatte.
<Es sieht tatsächlich so aus, als hätte jemand versucht, einige der gestohlenen Schmuckstücke zu veräußern. Der Juwelier hat eine Kette und eine Brosche, wie er sagt, mit Sicherheit wiedererkannt.>
„Na großartig. Konnte er eine Beschreibung des Mannes abgeben?“
<Ja, ich habe ihn schon aufs Präsidium bestellt zur Erstellung eines Phantombildes. Seiner Beschreibung nach war es aber nicht der Enkelsohn, Mick.>
„Amigo, wenn er bei diesem Juwelier gescheitert ist…“
<Genau, dann hat er den Schmuck wahrscheinlich auch wo anders angeboten. Ich habe bereits eine Abfrage über alle Juweliere und Pfandleihhäuser etc. in der Gegend gemacht.>
„Ne Menge Klinkenputzen“, resignierte Mick und sah die vage Hoffnung schwinden, heute doch mit Tanja essen zu gehen.
<Ja, ich steh hier schon vor Paulsen. Wie lange brauchst du und lebt Ferchert noch?>
„Wer tobt, der atmet noch. Ich fahre jetzt los“, informierte Mick seinen Partner und bedachte Tanja mit einem nachdenklichen Blick.
<Gut, bis gleich.> Mick beendete das Gespräch.
„Was hältst du von guter alter und solider Polizeiarbeit?“, erkundigte er sich bei seinem Gegenüber und wackelte einladend mit seinen Augenbrauen. Tanja, die ihn irritiert ansah, strich sich ratlos eine Locke zurück.
„Na komm schon, du willst es doch auch – wieder den Asphalt unter den Füßen spüren, eine Witterung aufnehmen, Mörder jagen...“ Mick legte bereits seinen Arm um Tanjas Schulter und dirigierte sie zu ihrem Büro, wo er ohne große Worte nach ihrer Jacke und der Handtasche griff.
„Du willst, dass ich euch bei eurer Ermittlung unterstütze?“ Amüsiert schlüpfte sie in ihre Jacke, die Mick ihr galant entgegen hielt.
„Das wird dir gefallen, wir werden Schmuckgeschäfte abklappern.“ Widerstandslos ließ sich Tanja von ihrem Freund zu seinem Auto führen. Ab und zu schüttelte sie über sich selbst den Kopf, ertappte sich aber dabei, sich auf ihren unvorhergesehenen Einsatz zu freuen.

Die kurze Fahrtzeit nach Zentrum, Mitte nutzte Mick, um Tanja über den Stand ihrer laufenden Ermittlung in Kenntnis zu setzen. Eine euphorische Freude hatte ihn gepackt bei dem Gedanken, in ihrem Fall mit Tanja an seiner Seite zu ermitteln. Ohne Frage, sie war eine gute Psychologin, doch manchmal ertappte er sich bei dem Gedanken, dass ihre vielschichtigen Qualitäten in ihrem Therapiezimmer allein verschwendet wurden. Er hatte sie bereits einige Male in Aktion erleben können und liebte Tanjas dynamische und resolute Art, auch wenn er daran als ihr Untergebener auch nahezu verzweifelt war. Direkt vor dem Juweliergeschäft Paulsen parkte Mick seinen Opel Diplomat im absoluten Halteverbot und hielt Ausschau nach seinem Partner. Doch der hatte das Geschäft scheinbar wieder verlassen. Mick deutete Tanja an zu warten und zückte sein Handy.
„Wo treibst du dich denn rum, Amigo?“, fragte er anstelle einer Begrüßung. „Etwa schon heimlich Feierabend gemacht?“, neckte er seinen Kollegen und vernahm ein Schnaufen am anderen Ende der Leitung.
<Wohl kaum. Während du dir wahrscheinlich eine Schlammschlacht mit Ferchert geliefert hast, habe ich bereits einen Juwelier von unserer Liste streichen können. Ich bin unterwegs zur Bismarckstraße, Goldankauf und Pfandleihhaus.>
Mick ignorierte die Hänselei und nickte knapp.
„Okay, wer steht noch auf deiner Liste?“, wollte er ohne große Umschweife wissen. Je schneller er mit Andreas und Tanja die in Frage kommenden Läden  in der direkten Umgebung abgeklappert hatte, desto schneller konnten sie auch Feierabend machen. Vielleicht war sogar noch ein frühes Abendessen drin.
<Juwelier Erik Hohstetter. Kleiner Laden in der Erlenstraße 26. Ich brauche hier aber noch einen Moment.>
„Hetz dich nicht, wir übernehmen die Erlenstraße. Kommst du alleine klar?“, vergewisserte sich Mick und deutete Tanja an, wieder einzusteigen. Er folgte ihrem Beispiel und startete den Motor noch bevor Tanja den Gurt angelegt hatte.
<Wer ist denn wir?>, fragte Andi und versuchte nicht einmal, seine Neugierde zu verbergen.
<Hat Ferchert dir nen Aufpasser mitgegeben? Oder gleich nen Betreuer?> Mick hörte dem Jüngeren seine Erheiterung deutlich an und musste schmunzeln.
„Quatsch. Ich habe eine überaus fähige und qualifizierte Kollegin rekrutieren können.“
<Und warum zieht Tanja dann ausgerechnet mit dir los?> Mick lachte laut auf, was Tanja dazu veranlasste, ihm einen fragenden Blick zuzuwerfen.
„Weil sie im Gegensatz zu dir die Zusammenarbeit mit einem Kommissar der guten alten Schule zu schätzen weiß.“
<So muss es wohl sein. Bis gleich Mick.> Der blonde Kommissar legte auf und bedachte seine Beifahrerin, die ihn noch immer prüfend musterte, mit einem schiefen Grinsen.
„Ich weiß dich also zu schätzen, ja?“ Das entwaffnende, offene Lächeln, mit dem Tanja ihn bedachte, löste ein merkwürdiges Wärmegefühl in Mick aus.
„Jawohl! Und wer braucht schon ein romantisches Essen im Kerzenschein, wenn er mit mir zusammen ermitteln darf?“ Er wusste, dass er den Bogen überspannte, doch der Satz verließ seinen Mund noch ehe er darüber nachdenken konnte.
"Soviel der Ehre – dass ich das erleben darf.“ Der Spott, der in diesen Worten mitschwang, war nicht zu überhören. „Jetzt kann ich glücklich sterben“, setzte Tanja der Sache die Krone auf und schüttelte mit einem schiefen Grinsen auf den Lippen ihren Kopf.
„Aber zuerst bekommst du noch nen Crash-Kurs über effektive und analoge Ermittlungsmethoden, den du in keinem Lehrbuch findest.“ Mick parkte unmittelbar vor dem kleinen Juwelierladen Hohlstetter und stieß kraftvoll die Fahrertüre auf.
„Ich kann es kaum erwarten.“ Tanja stieg ebenfalls aus und gemeinsam betraten sie den Laden. Eine dezente Türglocke verriet ihre Anwesenheit. Der Juwelier, ein gedrungener Mittfünfziger in einem eleganten Anzug, der gerade eine alte Dame bediente, blickte über den Rand seiner Brillengläser zu ihnen auf und nickte Mick und Tanja freundlich zu. Vor ihm ausgebreitet lagen mehrere aufwendig verarbeitete Halsketten.
„Nur keine Eile, sehen Sie sich die Ketten in Ruhe an, Frau Behrens, ich bin sicher, Sie werden ein schönes Geschenk für Ihre Enkelin finden.“ Der Juwelier bedachte die Rentnerin, die unsicher ein Schmuckstück nach dem anderen betrachtete, mit einem auffordernden Nicken. Mick und Tanja nutzen die Zeit, um sich unbehelligt in dem kleinen Laden umzusehen. Gerade, als sich der Inhaber zu ihnen umdrehte, ertönte abermals das leise Klingeln der Eingangstüre.

„Hände hoch!“

Zwei schwarz gekleidete Männer mit Skimasken über dem Gesicht stürmten in das Geschäft. In ihren Händen hielten sie Handfeuerwaffen, die sie in rascher Abfolge auf die vier anwesenden Personen richteten. Der größere der Männer, der Mick um einen halben Kopf überragte, baute sich vor dem Juwelier auf, der mit aschfahlem Gesicht seine Hände nach oben streckte.