Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Matthew und Frankie

OneshotLiebesgeschichte / P12 / Gen
Francesca "Frankie" Thomas Matthew McDougal
09.08.2017
09.08.2017
1
2.248
2
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
 
09.08.2017 2.248
 
Frankie war genervt und zwar von allen. Sie wusste selbst nicht genau, was los war, aber im Moment war sie am liebsten allein. Sie hatte keine Lust auf Kennys Gerede über Sport, Fliss Monologe über Ryan Scott, Lyndz Litanei über ihren Bruder und Rosies ewiger Suche nach einer Story.

Sie wollte einfach nur ihre Ruhe. Klar, trag sie sich zu den Sleepovers mit ihren Freundinnen, setzte sich in der Schule zu ihnen, aber Nachmittags wollte sie einfach ihre Ruhe. Da steckte sie sich am liebsten die Stöpsel ihres MP3-Players in die Ohren und lief einfach ziellos am Strand entlang. Oder sie nahm sich ein Buch und legte sich damit in den Garten und tauchte ab in andere Welten.

Natürlich merkten ihre Freundinnen, das irgendwas mit Frankie los war, aber sie wussten ebenso gut, dass Frankie sich öffnete, wann sie es wollte. So lange mussten sie einfach abwarten und das taten sie auch. Jede von ihnen hatte diese Phasen und ihre Eltern waren der Meinung, dass so etwas „zum Erwachsen werden dazugehörte“.  Als ob Eltern überhaupt eine Ahnung hätten, was in ihnen vorging. Und immer hieß es, es seien die „Hormone“. Frankie war der Meinung, dass ihre Laune weniger von Hormonen abhing, als viel mehr von dummen Menschen, die sie permanent nervten.  

„Frankie? Wo steckst du denn?“ Ihre Mutter rief schon wieder nach ihr. Frankie seufzte genervt. Nie hatte man seine Ruhe, egal was man sagte oder tat. Aber wehe, man nervte die Eltern, wenn sie einem sagten, sie bräuchten jetzt mal ihre Ruhe, das war dann natürlich etwas ganz anderes. Ihre Mum steckte den Kopf in Frankies Zimmer, wo Frankie gerade auf ihrem Bett lag und ein Buch las. „Du hast Besuch.“ Frankie runzelte die Stirn, aber als sie sah wer in ihr Zimmer kam fielen ihr fast die Augen aus dem Kopf.

„Was willst du denn hier?“

Matthew verdrehte die Augen.

„Wir müssen zusammen ein Referat vorbereiten? Hast du das etwa schon vergessen?“ Er ließ sich auf ihrem Drehstuhl nieder und packte seine Schultasche aus. In Frankie ratterte es. Stimmt, irgendwas war da heute gewesen, im Geschichtsunterricht.

„Du bist echt schräg drauf, in letzter Zeit, das weißt du, oder?“ Matthew sah sie mit hochgezogener Augenbraue an. Ihn hatte es eh schon gewundert, dass sie sich heute in der Schule gar nicht aufgeregt hatte, dass Miss Nichols sie mit ihm in eine Gruppe gesteckt hatte. Eigentlich hatte er Proteste erwartet, wütendes Aufbegehren, aber nix. Es kam gar nichts von Frankie, die guckte einfach nur weiter vollkommen teilnahmslos auf ihren Ordner, als würde die ganze Welt sie nichts angehen.

„Was ist überhaupt unser Thema?“ Frankie sah ihn fragend an.

„Wir sollen uns irgendeine historische Person aussuchen, die uns inspiriert und die dann vorstellen.“ Hörte sie denn überhaupt nicht mehr zu?

„Aha. Und warum sollten wir das in Partnerarbeit machen? Ich bezweifel irgendwie, dass wir beide da auf einen Nenner kommen.“

Matthew zuckte die Schultern. „Keine  Ahnung, ist halt so. Mal im Ernst, ist doch eh egal ob das stimmt, dass wir beide jemanden finden, den wir gut finden. Wir nehmen einfach irgendjemand und gut ist.“ Wieder rechnete er mit Protest, schließlich stand Frankie immer zu hundert Prozent hinter ihren Arbeiten. Darum war sie auch so eine gute Schülerin, sie plapperte nie sinnlos irgendwas, sondern machte sich wirklich Gedanken. Aber auch dieses Mal ruckte sie nur mit dem Kopf und meinte: „Klingt gut.“.

Er sah sie skeptisch an.

„Bist du dir sicher, dass es dir gut geht?“

„Ja, wieso denn auch nicht? Ich will einfach das Referat hinter mich bringen und fertig. Umso schneller wir das fertig machen, umso schneller habe ich auch wieder meine Ruhe.“

„Okay. Wie du meinst.“ Die hatte doch echt nicht mehr alle Tassen im Schrank. Vielleicht waren ja Aliens gekommen, hatten die wirkliche  Frankie entführt und durch einen Roboter ersetzt. Das war die einzige Erklärung für ihr Verhalten. Testweise tippte Matthew Frankie an die Schulter.

„Was denn?“

„Nix, wollte nur prüfen, ob du aus Fleisch und Blut bist.“

Sie starrte ihn verständnislos an. „Aus was denn sonst?“

„Naja, bei deinem Verhalten in letzter Zeit wäre es möglich, dass du einfach ein Roboter bist oder ein Klon.“

Sie sah in zweifelnd an. „Aha. Wenn du meinst.“ Der Typ hatte sie nicht mehr alle, so viel stand fest.

„Was hältst du von Leonarde da Vinci?“ Matthew hatte ihr Notebook aufgeklappt und surfte nach historischen Personen.

„Klingt gut. Da kann man viel erzählen.“

„Stimmt. Aber wir müssen ja auch begründen, warum wir gerade ihn ausgesucht haben.“

Sie überlegte. „Naja, er ist allein schon wegen seinen Gemälden beeindruckend, aber wirklich cool sind seine Erfindungen. Mit denen war er seiner Zeit schon einiges voraus. Und natürlich das Gerücht, dass er den Freimaurern angehören soll.“

„Ah, dein Hirn funktioniert also doch noch.“ Stellte Matthew erleichtert fest.

„Warum soll es denn auch nicht funktionieren?“ Sie sah in fragend an.

Wieder zuckte er mit den Achseln. „In letzter Zeit hatte ich einfach das Gefühl, dass du total abwesend bist. Ich glaub, jeder hat damit gerechnet, dass du total ausrastest, als Miss Nichols uns beide zusammen gesteckt hast, aber es kam nix von dir.“

Frankie schnaubte. „Ja, es erwarten eine ganze Menge Menschen irgendwas von mir. Das nervt mich zur Zeit einfach nur total an.“

„Wer erwartet denn was?“

„Meine Eltern erwarten gute Noten von mir, Kenny erwartet von mir, dass ich immer zu ihren Wettkämpfen komme und mir das anhöre, Rosie erwartet Vorschläge zu ihren Artikeln, Fliss will, dass ich mir immer und immer wieder die gleichen Geschichten über Ryan Scott anhöre und Lyndz redet die ganze Zeit über Pferde und ihren doofen Bruder. Ich habe aber im Moment überhaupt keine Lust, mir das anzuhören. Das interessiert mich im Moment einfach nicht und ich will nicht irgendwie reagieren müssen, nur weil genau das von mir erwartet wird. Ich habe das Gefühl, ich werde von allen in irgendeine Rolle gedrängt, die ich erfüllen muss, aber ich weiß überhaupt nicht ob das überhaupt die Rolle ist, die ich spielen will.“

Frankie holte tief Luft, während Matthew sie verdattert ansah. So einen Ausbruch hatte er jetzt nicht erwartet. Frankie blinzelte kurz und lief etwas rot an. Das war nicht ihr Plan gewesen, sich bei Matthew Luft zu machen, aber irgendwie fühlte sie sich jetzt erleichtert.

„Geht es dir jetzt besser?“ Er sah sie etwas schräg von der Seite an.

„Irgendwie schon.“

Er grinste. „Hilft manchmal, sich das von der Seele zu reden, oder?“

Frankie ließ den Kopf in ihre Hände sinken. „Ja schon, ich hatte aber nicht geplant, dass ich das bei dir mache,“ stöhnte sie in ihre Hände. Matthew lachte.

„Hey, falls es dir hilft, ich kann dich da echt verstehen. Ich habe auch manchmal das Gefühl, alle erwarten was von mir.“

„Wer denn?“ Sie sah ihn fragend an.

„Naja, die Lehrer, meine Eltern, Michael und Marco. Manchmal habe ich da auch keine Lust drauf.“

„Und was machst du dann dagegen?“

Er zuckte die Schultern. „Ich gehe dann meistens schwimmen oder so. Unter Wasser bekomme ich den Kopf am besten frei.“  Er grinste sie an. „Lass uns doch das Referat wann anders machen und wir gehen jetzt  schwimmen.“

Frankie konnte nicht anders und musste zurück lächeln. „Okay.“

Sie schnappte sich ihre Sachen und stopfte sie sich schnell in ihre Strohtasche. Dann gingen sie kurz zu Matthew, damit er sich ebenfalls sein Zeug holen konnte. Während er in sein Zimmer ging und Frankie in dem Wohnzimmer stand und auf ihn wartete, kam Matthews Mutter herein.

„Oh hallo Francesca. Wie geht es dir?“ Natürlich kannte sie Frankie schon ewig, schließlich waren sie und ihr Sohn seit dem Kindergarten in einer Gruppe bzw. in einer Klasse.

„Hallo Mrs. McDougal. Mir geht es gut und Ihnen?“

„Nenn mich ruhig Kathrine. Schließlich kennen wir uns doch schon ewig, nicht wahr? Magst du etwas trinken? Ich habe gerade Limonade kalt gestellt.“

„Gern.“ Frankie erinnerte sich plötzlich, dass sie früher öfter hier war. Ihre Eltern waren mit Matthews Eltern befreundet, es gab sogar Kinderfotos von Matthew und ihr, wie sie zusammen spielten. Sie folgte Matthews Mutter in die Küche, wo diese ihre ein Glas Limo einschenkte.

„Na, was habt ihr zwei vor?“

„Wir wollen schwimmen gehen.“

„Ach ja, wie schön. Ich freue mich ja sehr, dass ihr zwei anscheinend wieder befreundet seid, schließlich ward ihr ja früher…“

„MUUUM. Bitte nicht.“ Matthew kam in die Küche und unterbrach seine Mutter, er hatte rote Wangen. Warum mussten Eltern einen immer in die unmöglichsten Situationen bringen?

„Los, wir gehen Frankie.“ Er zog sie am Arm aus der Küche, Frankie konnte nur noch ein „Tschüß und Danke für die Limo!“ rufen.

„Was war das denn jetzt?“ Frankie trabte neben Matthew her. Dieser verdrehte die Augen.

„Ach meine Mum schwelgt immer in Erinnerungen. Von früher und so.“

„Ach so. Mir ist eben aufgefallen, dass ich total vergessen habe, dass wir früher als Kinder ja öfter mal zusammen gespielt haben.“

„Ist ja nun schon fast zehn Jahre her.“ Matthew vermied es, Frankie anzusehen. Als sie am Strand ankamen, legten sie ihre Handtücher nebeneinander und zogen ihre Klamotten aus.

„Na, worauf wartest du noch?“ Matthew lachte und zog sie erneut am Arm. Sie liefen in das Wasser und stürzten sich in die Wellen.

Sie balgten sich, schwammen um die Wette und ließen sich einfach ein bisschen treiben. Frankie merkte, wie ihre Nerven sich beruhigten, ihre Gedanken aufhörten zu kreiseln und ihr Stress wirklich nachließ. Wer hätte gedacht, dass es Matthew war, der ihr aus ihrem Tief heraushalf?

„Hey Frankie?“

„Hm?“ Sie wischte sich das Salzwasser aus dem Gesicht und paddelte mit ihren Füßen, damit die Wellen sie nicht forttrieben. Sie waren jetzt im etwas tieferen Wasser, so sie beide nicht mehr stehen konnten.

„Geht’s dir besser?“ Er sah sie fragend an. Sie lächelte.

„Ja. Dank dir und deinem Vorschlag.“ Matthew musste grinsen.

„Lust auf einen Smoothie?“

Als sie beide im Beach-Hut-Café saßen, überlegte Frankie angestrengt, wie das eigentlich alles passieren konnte. Wie zum Henker konnte es passieren, dass sie jetzt gerade mit Matthew bei Mr. S an einem Tisch saß und sie sich wie normale Menschen unterhielten? Aber Tatsache war, dass sie Spaß hatte. Sie fühlte sich das erste Mal seit Tagen, vielleicht auch Wochen, wieder wie sie selbst.

„Matthew?“

„Ja?“

„Danke.“

„Für was?“

„Für alles. Der Nachmittag war echt super.“ Sie lächelte ihn an und er erwiderte ihr Lächeln.

„Naja, gern geschehen.“ Er wurde etwas rot bei der Aussage, aber sie war wahr. Auch er hatte viel Spaß mit ihr gehabt, aber irgendwie hatte er das Gefühl, dass der Nachmittag und damit auch die gemeinsame Zeit zu Ende war. Und das passte ich aus irgendeinem Grund gar nicht.

„Meine Eltern wollten heute Abend ein Barbecue machen, hast du Lust?“ Es platzte einfach aus ihm heraus. Frankie blinzelte ein paar Mal.

„Ähm, klar.“ Warum sie zusagte, wusste sie selbst nicht.

Und so kam es, dass sie mit Matthew nach Hause ging. Und natürlich war seine Mutter ganz begeistert davon, dass Frankie auch den Abend mit ihnen verbringen würde. Sie griff zum Telefon und rief kurzerhand auch Frankies Eltern an, um sie ebenfalls einzuladen.

Das Fleisch brutzelte auf dem Grill, die Erwachsenen unterhielten sich in Grüppchen (Männer bei dem Grill, Frauen bei den Salaten) und Frankie und Matthew saßen auf dem Rasen und unterhielten sich.

Kathrine stupste Frankies Mutter an.

„Hättest du gedacht, dass das möglich ist?“ Sie nickte zu Frankie und Matthew herüber.

„Nein, im Leben nicht. Ich dachte, ich sehe nicht richtig, als Matthew heute vor unserer Tür stand. Aber sie scheinen sich ja endlich wieder gut zu verstehen. Wie früher.“ Sie lachte, als sie daran dachte, wie ein Dreijähriger Matthew einer ebenfalls dreijährigen Frankie eine Blume pflückte und ihr erklärte, dass sie irgendwann „..wenn sie groß seien..“ mal heiraten würden.

„Ja, es scheint, als sei die Rivalität von früher nun vorbei. Aber das war ja vorher zu sehen, nicht wahr?“

Frankies Mutter lachte. „Oh ja. Dann werden wir zwei vielleicht doch noch verwandt, so wie wir das damals als Jugendliche beschlossen haben. Weißt du noch?“

„Wie könnte ich das vergessen. Schließlich waren wir zwei ja die Gründerinnen vom ersten Sleepover-Club, den Crescent Bay je gesehen hat. Und deine Tochter hat die stolze Tradition weiter geführt.“

Die zwei Frauen stießen mit ihren Weingläsern an und lachten.

„Guck dir unsere Eltern an. Die scheinen ja Spaß zu haben.“ Matthew nickte zu ihren Müttern herüber. „Wer weiß, was die schon wieder aushecken.“

„Matthew, holst du mal bitte die Flasche Wein aus der Küche?“ rief in dem Augenblick seine Mum ihm zu.

Er verdrehte die Augen. „Das ist Kinderarbeit, Mum.“ Er stand aber doch auf, genau wie Frankie. Zusammen trabten sie in die Küche, die im Dunkeln lag.

„Ich glaub, das ist schon die dritte Flasche Wein, die die trinken.“, murmelte Frankie vor sich hin und holte sich selbst noch eine Limonade aus dem Kühlschrank. Als sie die Tür zumachte, fiel ihr auf, dass Matthew sie lächelnd ansah.

„Ist irgendwas?“ Sie legte den Kopf schief und sah ihn fragend an.

„Naja, ich hatte da so eine Idee. Die schwirrt mir schon den ganzen Tag im Kopf herum.“ Er trat einen Schritt auf sie zu.

Frankie sah ihn mit großen Augen an. Er würde doch nicht etwa…

Vorsichtig, fast schüchtern legte er seine Hände an ihre Hüfte und zog sie etwas näher an sich. Frankies Augen wurden groß. Er lächelte. Und dann schloss Frankie ihre Augen, als seine Lippen langsam die ihren eroberten.

„Siehst du, Kathrine? Egal, wie lange es auch dauern mag, unsere Pläne gehen doch immer wieder auf!“
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast