The Girl from Durmstrang

GeschichteDrama, Romanze / P16
Blaise Zabini Daphne Greengrass Draco Malfoy Millicent Bulstrode OC (Own Character) Viktor Krum
08.08.2017
20.08.2019
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Ehrlich gesagt, wusste ich einfach nicht, was ich sagen sollte. Eine Ewigkeit schien zu vergehen, während ich dort stand und meinen ehemaligen Mitschülern ins Gesicht starrte. Keiner von ihnen war in meiner Klasse gewesen, da uns ein paar Jahre trennte, doch kannte ich sie genau. In Durmstrang wurden Klassen nicht nur Jahrweise trainiert – oft übernehmen die älteren Schüler den Unterricht im Kämpfen oder in anderen Schulstunden, da unsere Lehrer der Meinung gewesen waren, dass die jüngeren Schüler so schneller lernen würden.
Ich wusste zum Beispiel, das Ivana am liebsten aus dem Hinterhalt angriff. Anastasias Arme so schwach waren wie Butter, sie aber eine unglaubliche Kraft in den Beinen hatte und schneller laufen konnte, als jeder sonst. Das Oleksander im Schwertkampf unschlagbar war und Dadzawa mit seinem Speer nie sein Ziel verfehlte. Ich wusste, das Giselle unscheinbar und lieb wirkte, aber bisher jeden ihrer Stufe im Duellieren besiegt hatte. Und das Emil, egal wie locker und beliebt er wirkte, nur die besten Noten hatte, weil er unglaublich schlau und durchtrieben war.
Ich kannte sie alle. Jeden Tag war ich ihnen begegnet; hatte gegen sie gekämpft, mit ihnen gearbeitet, von ihnen gelernt. Gelacht und Späße gerissen, diskutiert, gestritten und vertragen. Sie hier zu sehen, in dieser gewohnten Umgebung... es war, als würden sich zwei Welten vermischen. Total surreal.
„Ella Invankov?“, stieß Elif überrascht aus. Nun, ich hatte sie scheinbar ebenfalls überrascht. Nur Viktor sah weg, als wäre ihm der Fakt, das ich nach Hogwarts ging, schon bekannt. Keine Ahnung, was mich dazu trieb. Aber alles was ich tat, war, dass ich mich umdrehte und ging. Die Große Halle so schnell verließ, wie ich nur konnte.
Und bemerkte dabei nicht mal, das mir jemand folgte.
Ich eilte um eine Ecke, immer weg durch die verlassenen Gänge, als ich an der Schulter gepackt wurde. Meine Nerven waren so überstrapaziert, das mein Körper einfach auf Instinkt geschaltet war. Mit einer schnelleren Drehung, als ich sie nach all der Zeit ohne Training erwartet hätte, griff ich das Handgelenk, dann den Arm meines Verfolgers, wirbelte herum und stieß ihn mit aller Kraft gegen die Steinmauer.
Mein Atem ging schnell, als ich ihm meinen Zauberstab an die Kehle hielt. Ich war so aufgebracht, dass ich mich noch nicht einmal daran erinnern konnte, ihn in die Hand genommen zu haben. Grüne Augen starrten mir furchtlos und mit fast schon desinteressierter Miene entgegen. Ich kannte diese Gesichtsausdruck zu gut. Er war mir so vertraut und weil ihn nicht erwartet hätte, ihn jemals wiederzusehen, brach ich einfach von einer Sekunde auf die Andere in Tränen aus.
„Wieso hast du mir nicht geschrieben?“, fragte ich Hektor wimmernd, während mir salziges Wasser über die Wangen rann. In diesem Moment fühlte ich mich nicht so mächtig, wie ich es war. In diesem Moment war ich wieder die Elfjährige, die weinte, als sie sich das erste Mal bei dem gemeinsamen Training das Knie blutig geschrammt hat. Ich war wieder die, die sich am Anfang ihrer Schulzeit einsam und alleine auf ihrem Durmstrangzimmer saß und sich in Büchern versteckte.
Ich war wieder das verletzte Kind von damals, das von jedem gemocht, aber von keinem verstanden wurde. Außer von ihm. Von dieser einen Person, die sich nach meinem Rausschmiss nie gemeldet hatte. Die alles über mich wusste, so, wie ich es noch nie jemand anderem anvertraut hatte.
Mit aller Macht versuchte ich mich zu beruhigen. Ich war so aufgebracht, das mein Körper anfing zu beben. Wenigstens blieben meine Tränen jetzt da, wo sie herkamen.
Noch immer schaute er mich emotionslos an. Ich konnte einfach nicht entschlüsseln, was er dachte. Schon immer hatte ich es gehasst, ihn nicht lesen zu können. „Ich habe es versucht“, sagte er nun. Seine Stimme zu hören ließ elektrische Stöße über meine Haut tanzen. Alles war einfach so vertraut. Ihn nach all der Zeit wieder reden zu hören... es war, als wäre jemand Verstorbenes von den Toten wieder auferstanden.
Meine Unterlippe zitterte – ich konnte einfach nichts dagegen tun. Dann wandte ich das Gesicht ab und ließ meine Hand mit dem Zauberstab sinken. Im nächsten Moment wurde ich mit voller Kraft in eine Umarmung gezogen und gegen einen anderen Körper gepresst. Er krallte sich an mir fest, als hätte auch er gedacht, mich niemals wiederzusehen.
Ich konnte nichts tun, nicht einmal die Umarmung erwidern. Ich stand nur da und ließ es geschehen. Als ich durch die Nase einatmete, konnte ich den gewohnten Geruch nicht ignorieren. So auswendig wie ihn kannte ich sonst niemanden. Alles an ihm war mir vertraut. Wie ein Zwilling, der den anderen wiederfand.
„Was ist denn hier los?“, hörte ich eine bekannte Stimme fragen. Das kam mir ja grade gelegen.
Schnell wischte ich mir meine feuchten Wangen ab, als ich mich zu Draco umdrehte, der uns beide musterte. Ich gab zu, es musste ein komisches Bild abgeben, wie ich hier mit einem für ihn Fremdem herumstand, der mich noch halb im Arm hielt und ich, völlig verheult daneben.
„Das ist Hektor. Er ist...“, tja, was ist Hektor denn eigentlich? Früher hätte ich ihn meinen besten Freund genannt, aber traf das noch zu? Es war so viel Zeit vergangen und so viel hatte sich verändert. Und in all dieser Zeit hatte ich noch keine Zeit gehabt, mich mit ihm zu unterhalten.
Als würde er meinen inneren Monolog mit anhören, antwortete Hektor für mich. „Ich bin Ellas bester Freund“, sagte mein alter bester Freund zu meinem neuen besten Freund, während ich weder beim Alten, noch beim Neuen wusste, ob diese Bezeichnung überhaupt passend auf sie zutraf.
Na, das konnte ja wieder einmal heiter werden.
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