The Girl from Durmstrang

GeschichteDrama, Romanze / P16
Blaise Zabini Daphne Greengrass Draco Malfoy Millicent Bulstrode OC (Own Character) Viktor Krum
08.08.2017
20.08.2019
48
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Es fühlte sich wirklich komisch an, wenn Knochen brechen.
Während sich in meiner Faust ein unangenehmer Schmerz ausbreitete, der mir fast direkt Tränen in die Augen schießen ließ, gab die Nase von Raoul unter meinen Knöcheln nach wie weiche Butter. Ein ekelhaftes Knacken ertönte, als ihm Blut aus der Nase schoss und über sein Gesicht und meine Faust floss, wie ein Wasserfall, der einfach nicht versiegte.
Er drehte sich von mir weg und keuchte schmerzhaft auf. Dann wandte er sich mit wutentbrannter Miene zu mir um, ließ eine Salve rumänischer Beleidigungen auf mich regnen und hob seine Faust. Alles an Adrenalin war aus meinem Körper gewichen. Ich drehte meinen Kopf zur Seite und hob meine Arme, um mein Gesicht zu schützen. Doch nichts passierte.
Als ich wenige Sekunden später meine Arme sinken ließ, erkannte ich auch, warum. Ein anderer Mitschüler stand neben uns und hielt mit eiserner Miene Raouls Handgelenk fest, dessen Hand immer noch zur Faust geballt war.
„Lass sie in Ruhe“, erklang die emotionslose Stimme des Jungen, der nun mit einem hasserfüllten Blick von meinem Angreifer bedacht wurde. Obwohl... im Grunde war der Angreifer ja ich gewesen.
„Du hast mir nichts zu sagen, Hektor“, knurrte Raoul und spuckte Blut auf den Boden, das sich zuvor in seinem Mund gesammelt hatte.
„Erstklässler dürfen außerhalb des Unterrichts weder Körperlich, noch mit Magie angegriffen werden. Wir haben nicht viele Regeln hier, das weißt du. Die wenigen die wir haben, solltest doch selbst du dir merken können.“ Seine Worte machten erst einmal keinen Sinn für mich. Ich hatte nicht gewusst, dass es eine Regel gab, die verhinderte, dass sich Schüler höherer Klassen an uns vergingen. Es war nicht so, dass wir uns in Durmstrang Tag und Nacht prügelten. Aber jetzt, wo ich darüber nachdachte, fiel mir auf, das wir außerhalb des Unterrichts wirklich noch nie etwas von den älteren Schülern abbekommen haben, während sie sich ziemlich oft zankten und es mindestens einmal die Woche vorkam, das jemand in die Krankenstation eingeliefert werden musste.
Fast schon wie ein Welpenschutz.
Ich sah zu Zaraah hinter mir herüber. Auf ihren Wagen schimmerten immer noch Tränen, die von Raoul herrührten, der sie seit mehreren Wochen nun schon herablassend behandelte. Ihre Augen waren mittlerweile aber trocken. Ob es davon kam, dass ich ihm die Meinung gegeigt habe, oder weil sie das Schauspiel mit Hektor genauso gespannt beobachtete wie ich, wusste ich nicht.
„Komm mit.“ Es war nicht Raouls Stimme die ertönte und auch nicht die eines Lehrers. Hektor stand neben mir und sah mich an, Raoul hatte sich abgewandt und seine Niederlage eingestanden, auch wenn er immer noch sehr wütend aussah. Ich stellte keine Frage, nahm wortlos meine Tasche und folgte ihm aus dem Gemeinschaftsraum hinaus.
Kein einziges Mal drehte er sich um, um sicherzugehen, dass ich hinter ihm war. Beim Gehen musterte ich seinen Rücken und seine Arme, die schon jetzt voller Muskeln waren. Dabei war er meines Wissens nach erst in der dritten Klasse. Wortlos folgte ich ihm lange Gänge entlang und fragte mich, wohin er mich bringen würde. Möglicherweise zu einem Lehrer, damit ich Ärger bekam? Ich hoffte es nicht.
„Das war ein wirklich lahmer rechter Haken“, ertönte plötzlich seine Stimme. Verdutzt blieb ich stehen, ging aber schnell wieder weiter, als er selbst nicht stehen blieb.
„Wie bitte?“, fragte ich verwirrt.
„Der Schlag war weder schnell, noch gezielt. Das einzige Positive war die Kraft, die dahintersteckte. Ich denke, in dir schlummert ziemlich viel Aggression, sonst wärst mit deinen schwachen  Armen zu so einer Kraft gar nicht imstande. Raoul hatte den Schlag nicht erwartet und war abgelenkt, das war der einzige Grund, weshalb du getroffen hast.“
Machte er mir grade ein Kompliment, oder machte er sich über mich lustig? „Okay. Danke?“, sagte ich, weil ich nicht wusste, was ich sonst sagen sollte. Von Hektor ertönte ein abwertendes Schnauben, bevor wir durch einen unserer Trainingsräume liefen und vor einer Tür zu stehen kamen.
„Du musst wirklich noch viel lernen“, sagte er und öffnete die Tür, die so einfach aufschwang, als hätte man sie noch nie verschlossen. Als ich hinein lugte, überlief ein Schauer meinen ganzen Körper. Der komplette Raum war mit Hunderten von Waffenarten bestückt, eine gefährlicher als die Andere. „aber das kriegen wir schon noch hin, keine Sorge.“

„Mach schon, Ivankov“, sagte er ein paar Wochen später mit ruhiger Stimme. Ich wischte mir keuchend den Schweiß von der Stirn und sah auf.
„Ich habe keine Lust mehr darauf. Du wolltest mir beibringen wie ich kämpfe, nicht dieses sinnlose Zeug hier!“, motzte ich trotzig. Mein ganzer Körper schmerzte von den Trainingseinheiten, die wir seit einiger Zeit nun im Geheimen durchführten.
„Sei leise und tu was ich dir sage.“ Ich biss meine Zähne wütend aufeinander. Er ging in Stellung und hob seinen Zauberstab, während ich mehrere dutzend Meter von ihm völlig unbewaffnet weg stand.
„Warte-“, begann ich, um ihn zu stoppen, doch er kannte keine Gnade. Er bewegte seinen Zauberstab und aus dessen Spitze flammt ein Zauberspruch hervor, der direkt auf mich gerichtet war.
„Bombarda!“ Bevor ich nachdenken konnte, hechtete ich zur Seite um auszuweichen, aber die Wucht der Explosion schleuderte mich trotzdem etwas um. Zum Glück landete ich auf den Füßen und lief los, so schnell ich konnte, während er eine Salve weiterer Zaubersprüche auf mich losließ.
Adrenalin schoss mir durch den Körper, während ich im Zickzack lief, mich duckte oder hochsprang, um den Flüchen auszuweichen. Ich kam ihm immer näher und Endorphine strömten durch meinen Körper, weil ich glaubte, ihn dieses Mal endlich überlisten zu können.
Genau das lenkte mich so sehr ab, das ich unachtsam wurde. Drei große Schritte von ihm entfernt griff ich viel zu früh nach seinem Zauberstab, als ich direkt auf der Brust getroffen wurde. „Everte Statum!“
Sämtliche Luft wurde mir schmerzhaft aus der Lunge gepresst, als ich mehrere Meter durch die Luft flog und mit einem Keuchen auf dem harten Boden landete. Ein paar Sekunden lang blieb ich liegen, bevor ich mich auf meine Hand stützte um aufzustehen. Allerdings knickte ich weg und fiel mit einem weiteren Aufschrei auf die Seite, weil sich alles ab meinem Handgelenk anfühlte, als wäre ein riesiger Stein darauf gefallen.
Wie ein Fisch auf dem Trockenen lag ich auf dem Boden und hielt mir mein rechtes Handgelenk, während mir Tränen in die Augen schossen und ich ein Wimmern nicht unterdrücken konnte.
Lautes Fluchen näherte sich mir und im nächsten Moment wurde meine linke Hand weggeschlagen. Etwas presste sich auf meinen Mund, eine Hand packte meine gebrochene Rechte und mit einem fürchterlichen Knacken wurde sie einmal in die andere Richtung gedreht.
Ich schrie in die Handfläche, die sich immer noch auf meinen Mund presste und wartete weiteren Schmerz ab, der nicht eintrat. Nach ein paar Sekunden, die ich ängstlich auf weitere Schmerzen wartete und die ich brauchte, um mich neu zu orientieren, öffnete ich meine Augen. Überall flackerten kleine Sterne um mein Sehfeld herum.
Hektor hockte über mir, das eine Knie auf meinem linken Oberarm, die eine Hand nun lockerer auf meinem Mund und mit seiner Linken hielt er meine Rechte komisch in seiner. Als ich besser hinsah, erkannte ich, dass er sie in einer bestimmten Position in seiner hielt und auf ausgewählte Bereiche drückte.
Als er merkte, das ich mich beruhigt hatte, hob er seine Hand von meinem Mund. „Nicht loslassen“, wimmerte ich ängstlich. Wie auch immer er es schaffte meine Hand so zu halten, dass sie nicht wehtat, er sollte nicht damit aufhören.
„Alles gut“, murmelte er beruhigend und griff neben sich nach seinem Zauberstab. Ich drehte meinen Kopf nach links und beobachtete eine der Fackeln am Platzrand um mich abzulenken, während er leise einen Zauberspruch flüsterte und Stück für Stück meine Hand weiter losließ, während er sie heilte und sich eine wohltuende Wärme in ihr ausbreitete.
„Fertig“, sagte er nach ein paar Minuten und stieg von mir herunter. Ich bewegte langsam meine Hand, in der ich noch einen leichten Schmerz merkte und packte dann seinen linken Unterarm. Mit einer schnellen Bewegung zog er mich auf die Beine.
„Das ist genug Training für heute“, sagte er. Ich nickte als Antwort und holte mein Zeug, welches ich am Waldrand gelassen hatte, während er die Fackeln löschte. Erst jetzt fiel mir auf, dass der Mond schon erschreckend tief stand und der Tag bald anbrechen würde. Ich seufzte laut auf. Ein weiterer Tag ohne Schlaf.
Wie immer wartete er auf der anderen Seite des Waldrandes und wir gingen zusammen den Weg zur Burg entlang. „Kannst du mir wenigstens jetzt erklären, warum wir nun schon seit fast einer Woche Entwaffnung ohne Zauberstab lernen? Ich sehe keinen Sinn darin.“
Er schwieg einige Sekunden, bevor er mir einen Ast aus dem Gesicht hielt und antwortete. „Irgendwann wird der Moment kommen, an dem du mit einem Zauberspruch entwaffnet wirst, deinen Zauberstab verlierst oder er in einem Kampf kaputt geht. Du musst lernen, dass du in diesem Moment nicht schutzlos bist und weitermachen musst. Ich bringe dir bei, wie du es trotzdem schaffst einen Kampf zu gewinnen – auch ohne Zauberstab.“
Was er sagte machte Sinn, irgendwo auch nicht. „Aber im vorletzten Schuljahr wird einem doch beigebracht, wie man ohne Zauberstab zaubern kann. Also brauche ich meinen Zauberstab doch gar nicht unbedingt.“
Er seufzte auf. „Das ist richtig, aber auch falsch. Bis du in dieser Klasse bist, wird es den Unterricht nicht mehr geben. Ohne Zauberstab zu zaubern ist extrem schwer, fast keiner schafft das Wahlfach und Karkaroff überlegt, es im nächsten Jahr abzuschaffen, um Professor Zachay für ein Anderes einzusetzen.“
Ich stöhnte laut auf. Zauberstabloses Zaubern war eines der Fächer, auf die ich mich schon am meisten gefreut hatte. Heimlich warf ich Hektor einen Seitenblick zu. Erwartet hätte ich bei seinen Worten einen enttäuschten Ausdruck im Gesicht, oder wenigstens irgendein anderes Gefühl. Doch seine Miene war regungslos und kaum zu deuten, wie so oft.
Mehrere Minuten lang gingen wir schweigend nebeneinander, bevor ich leise meine Stimme zu ihm wandte. „Irgendwann werde ich dich im Kampf besiegen.“
„Ich weiß“, antwortete er fast direkt und ich konnte hören, dass er schmunzelte. „Aber es ist noch ein langer Weg dorthin.“

Schnell klappte ich das Buch zu, als ich die späte Uhrzeit bemerkte. Ich sprang auf, zog mir meine schwarze Kleidung an und schnürte die wadenhohen Stiefel so schnell ich konnte. Dann griff ich nach meinem Zauberstab und meinen Fingerlosen Handschuhe, bevor ich die Tür aufriss und leise die kalten Steingänge entlanglief.
Er würde mir den verdammten Kopf abreißen, wenn ich schon wieder zu spät kommen würde.
Zügig verließ ich das Gebäude und lief ein Stück über eine Wiese, bevor ich auf dem Pattweg ankam und durch den Wald lief. Wenn ich genau lauschte, konnte ich leise die Wellen des Sees hören, der nur ein Stück weiter zu finden war.
Nur noch eine knappe Minute, dann wäre ich da. Ich rannte schneller und schneller, aber konnte die Zeit nicht überwinden. Hinter mir erklang leise der Gong der entfernten Schulglocke, die jede volle Stunde ansagte.
Am liebsten hätte ich geflucht, doch wollte ich mir meinen Atem lieber für meine Lunge sparen, die langsam aber sicher anfing zu brennen. In nächster Nähe konnte ich das helle Flackern von Flammen ausmachen, die in der Dunkelheit Licht spendeten.
Ich hätte das Licht nicht gebraucht. Schon mehr als ein halbes Jahr traf ich mich nun mehrere Male die Woche hier und wurde trainiert. Der Weg war mir so bekannt, dass ich ihn blind laufen könnte. Genauso wie ich Hektor blind erkennen würde, so sehr hatte ich gelernt ihn und seine Bewegungen zu erkennen.  
Nur ein paar Sekunden später hatte ich den Wald verlassen und kam auf einem platt getretenen Trainingsplatz an, um den herum die vielen Fackeln aufgebaut waren. Nach Luft ringend kam ich zu stehen und stützte mich mit beiden Händen gebückt auf meinen Beinen ab, während ich versuchte wieder zu Atem zu kommen. Das neue Jahr war grade erst angebrochen und die Winterferien hatten mich wieder etwas langsamer werden lassen.  
Etwas Hartes traf mich an der Schulter, fiel dann mit einem stumpfen Aufprall auf dem Boden und erschrak mich höllisch. „Du bist zu spät.“
Grummelnd und immer noch schwer atmend sah ich zu dem Viertklässler hoch, der fast genauso aussah, wie die anderen Kerle hier; dunkle kurz rasierte Haare. Groß und Muskulös, aber eher auf die schlanke und athletische Weise, statt prollig und breit. Stechende grüne Augen und markante Gesichtszüge.
Am liebsten hätte ich mich umgedreht und wäre gegangen. Würde mich mit meinem Buch wieder im Bett verkriechen und über die Herstellung von Zauberstäben lesen. Ich hatte die Zeit ohne das Training genossen, auch wenn es mir unzählige Vorteile verschaffte.
Ich biss meine Zähne zusammen und hob den Trainingsstab hoch, der vor mir auf dem Boden lag. „Hör auf zu reden und versuch mich lieber zu treffen, Hektor“, sagte ich, immer noch leicht außer Atem.
Weiße Zähne blitzen im Licht auf, als er begann zu grinsen. Dann verzog sich sein Gesicht zu einer Maske an Konzentration, als er seine Kampfposition einnahm. „Du bist langsam geworden, Ella.“ Bevor ich überhaupt mitbekam, was passierte, wirbelte er herum. Mir wurde mein Stab aus der Hand geschlagen, ein fürchterlicher Schmerz machte sich in meinem Mund breit und ich lag mit geschlossenen Augen auf dem Boden.
Dreck presste sich unter meine kurzen Fingernägel, als ich meine Hände in den Boden gekrallt abstützte, um mich auf die Knie zu stemmen. Ich drehte meinen Kopf zur Seite und spuckte blutigen Speichel aus, bevor ich meinen Kopf zu meinem Kontrahenten drehte und meinen Trainingsstab hob. „Nochmal.“
Wir kämpften, bis die Sonne aufging.
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