The Day After

GeschichteDrama, Freundschaft / P12 Slash
Josef "Jupp" Schatz Klaus Taube
07.08.2017
07.08.2017
1
2263
1
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Titel: The Day After
Autor: Lady Charena (Dez. 2006)
Fandom: SK Kölsch

Charaktere: Jupp Schatz, Klaus Taube, Anna, Florian
Paarung: Jupp /Klaus
Rating: slash, pg12

Beta: T'Len
Worte: 2022

Summe: Der Tag danach. Noch ein gestohlener Moment. Fortsetzung zu „For The Comfort Of Ignorance“


Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.



Lyrics: R.E.M. „I don‘t sleep, I dream“

****************************************************

Don't tell me my dreams are fake
you leave me to lay, you touch me deep,
I don't sleep, I dream

I'll settle for a cup of coffee, but you know what I really need
Leave me to lay, but touch me deep,
I don't sleep, I dream

****************************************************



Er spürte die Berührung an der Wange. Fingerspitzen... an seiner Schläfe, seiner Stirn, sie strichen sein Haar zurück. Verweilten einen Moment und waren dann fort. Er drehte sich auf die Seite, öffnete die Lider - und die Augen des Mannes, der neben ihm lag, ihn anblickte, schienen etwas in seinem Gesicht zu suchen.

Schmale Lippen, seinen nahe genug, dass er sich nur ein wenig vorbeugen musste, um sie zu küssen, krümmten sich zu einem vorsichtigen, verletzbaren Lächeln. Und jetzt, wo er ihre Berührung kannte, ihren Geschmack, ihre Textur... Er wollte es aussprechen, doch eine Hand legte sich auf seinen Mund, hieß ihn schweigen. Er lächelte, öffnete den Mund, sog an den Fingerspitzen. Das Lächeln verschwand, ersetzt von einem Ausdruck, in dem sich Schmerz und Lust zugleich mischten.

Jupp öffnete die Augen und starrte orientierungslos an die Decke. Dann wandte er den Kopf – das Bett neben ihm war leer. Er streckte die Hand aus, berührte das zweite Kissen, den Abdruck darin.

Hinter seinen Schläfen hämmerte es - kaum verwunderlich nach seinem Zusammenstoß mit der Flasche gestern Abend. In seinem Magen rumorte es und er drehte sich mit einem Grunzen auf die Seite, weg vom Fenster, weg von der störenden Helligkeit.

Die Müdigkeit war noch immer da und trotzdem wusste er, dass er nicht noch mal würde einschlafen können, nicht sofort. Nicht nach diesem Traum. Nein, daran wollte er nicht denken.

Aber das einzig andere, an das er hätte denken können, war Ellen. Und das war genauso unmöglich. Es schnürte ihm die Kehle zu, er setzte sich auf, presste beide Handflächen gegen seine Schläfen. Sein Magen krampfte und er schaffte es gerade noch auf die Toilette, bevor er sich übergeben musste.


* * *


Nachdem er den Mund ausgespült und die Zähne geputzt hatte, suchte er im Badezimmerschränkchen nach Kopfschmerztabletten, fand aber nichts. Jupp stützte sich mit den Händen auf den Rand des Waschbeckens und starrte sich einen Moment selbst im Spiegel an.

Abgesehen von den blutunterlaufenen Augen, den dunklen Ringen darunter und der blassen Gesichtsfarbe, sah er nicht anders aus als beim Blick in den Spiegel gestern morgen. Er rieb über seine Wange und entschied sich, das Rasieren aufzuschieben. Ein Jahr schien inzwischen vergangen zu sein. Sollte er sich nicht verändert haben? Sollte er nicht... Vorsichtig berührte er seine Lippen – und zog die Hand zurück, als hätte er sich daran verbrannt. Nein. Es war ja nichts passiert.

Er zog sich aus und ging unter die Dusche.


* * *


Barfuß und mit feuchten Haaren lief Jupp über den Flur. Öffnete leise die Tür zu Flos Raum, doch das Kinderzimmer war leer. Auf dem zerknitterten Bettzeug lag Florians Schlafanzug und gedankenverloren nahm Jupp ihn in die Hand.

Darunter kam ein Foto zum Vorschein. Es zeigte sie zu Dritt - eine glückliche, kleine Familie - nach Florians Theateraufführung zur Feier des Tages festgehalten. Flo steckte noch in seinem Kostüm und strahlte in die Kamera, Ellen stand hinter ihm, beide Hände auf seine Schultern gelegt. Er sah sich selbst, einen Arm um Ellens Taille geschlungen, ein wenig ungeduldig, ein wenig abseits, schon halb weg. Klaus hatte das Bild gemacht.

„Jupp?“

Er hob den Kopf, sah Klaus im Türrahmen stehen und ließ das Foto sinken. Jupp bemerkte, dass er Flos Schlafanzug an sich drückte und legte ihn weg. Dann sah er zur Seite. „Du... bist hier?“, fragte er. Und es schien, als hätten selbst diese drei Worte eine unterliegende Bedeutung, so setzte er rasch hinzu: „Sollte nicht wenigstens einer von uns im Büro sein und den Bericht über Mauthis schreiben?“

„Es ist Sonntag, Jupp. Die Berichte können bis morgen warten. Aber darum musst du dich nicht kümmern. Haupt hat angerufen während du geschlafen hast. Du kannst dir so lange frei nehmen, wie ihr - du und Flo - braucht.“

Er sah nicht auf, wollte das Mitgefühl in den blaugrauen Augen nicht sehen, rieb über seinen Mund. „Woher weiß Haupt... woher weiß er davon?“

„Du bist Polizist, Jupp. Viele deiner Kollegen kommen ins Rättematäng. Irgendjemand wird in der Zentrale die Unfallmeldungen gelesen haben und... und hat einen Namen entdeckt, der ihm bekannt vorkam. So etwas spricht sich rasch herum. Achim hat sich auch schon gemeldet.“

Er wollte nicht darüber sprechen, nicht darüber nachdenken. „Ich habe das Telefon gar nicht gehört.“

„Die Anrufe kamen auf mein Handy. Niemand wollte dich stören.“

Er nickte, weil es die richtige Erwiderung zu sein schien. „Wie spät ist es?“

„Kurz nach ein Uhr.“ Ein Zögern. „Wenn du Hunger hast...“

„Nein“, unterbrach er ihn brüsk. „Nein, kein Hunger. Wo ist Florian?”

„Anna hat ihn abgeholt. Sie sind Inlineskaten gegangen.“

Nun sah er doch auf. Klaus trug seinen Anzug, die Krawatte war akkurat gebunden, seine Schuhe geputzt. Er war ordentlich gekämmt, rasiert – und bot einen erleichternden Anblick von Normalität in dieser Welt, die ihm plötzlich fremd erschien. Jupp sah wieder auf den Boden. „Inlineskaten? Was denkt sich Anna dabei?“

„Es war Florians Vorschlag, Jupp“, sagte Klaus leise. „Und dir könnte ein wenig frische Luft auch nicht schaden.“

„Lass mich in Ruhe, Klaus.“

Als er nach einer Weile aufsah, war er wieder allein. Seine Hand glitt zu dem Foto, das mit der Vorderseite nach unten auf der Bettdecke lag, aber er nahm es nicht. Statt dessen hob er das Oberteil von Flos Schlafanzug hoch und drückte sein Gesicht dagegen.


* * *


Klaus saß am Küchentisch, als er eintrat, auf dem Tisch stand eine Teekanne und eine Tasse. Er blickte zu ihm hoch, zögerte und stand dann auf.

Jupp hob eine Hand, als Klaus an ihm vorbeigehen wollte und hielt ihn zurück. „Warte.“

Klaus sah auf Jupps Finger, die sich in seinen Oberarm gruben. „Ich will dich nicht stören.“ Seine Stimme war neutral. Er legte seine Hand auf Jupps, ließ sie einen Moment dort. Dann löste er die Finger und Jupps Hand fiel an seine Seite zurück.

„Quatsch. Du... du störst doch nicht. Nie.“ Jupp holte tief Luft, war sich mit einmal bewusst, dass sie viel zu dicht beieinander standen. Aber wenn er Klaus jetzt gehen ließ, brachte er vielleicht nicht noch mal den Mut auf, zu sagen, was er sagen wollte. Sagen musste. „Ich bin wirklich froh, dass du da bist und dich um alles kümmerst. Ich...“ Er fuhr sich durch die Haare. „Ich weiß nicht, was mit mir los ist. Ich bekomme noch immer keinen klaren Gedanken zustande. Es gibt so viel, was ich jetzt tun und regeln muss... mit Flo und dem Rättematäng. Und die... die Beerdigung.“ Er biss sich auf die Unterlippe. „Ich brauch’ dich jetzt, Klaus“, sagte er sehr leise. „Ich brauche dich. Wir brauchen dich.“ Da war eine merkliche Zurückhaltung in den graublauen Augen, die seinen jedoch nicht auswichen und so senkte er den Blick, sprach hastig weiter: „Was ich vorhin gesagt habe, das tut mir leid. Schieb es meinetwegen auf mein Ego.... dass ich nicht wollte, dass du mich in so einem Zustand siehst.“

„Jupp...“

Doch er ließ ihn nicht zu Wort kommen, so lange er ihm keine Gelegenheit zu sprechen gab, konnte Klaus auch nicht ‚nein’ sagen. „Ich weiß, dass das ein bisschen zu spät ist, nach letzter Nacht kannst du keine besonders gute Meinung mehr von mir haben. Ich...“ Er wusste kaum mehr, was er sagte, hatte nur das entsetzliche Gefühl, das Falsche zu sagen und Klaus von sich weg zu stoßen.

Aber wie sollte er sagen: Bleib’ bei mir, ich habe Angst, das alles nicht alleine zu schaffen – ich habe Angst, Fehler zu machen; Angst zu versagen, jetzt wo es so wichtig ist, alles richtig zu machen? „Wenigstens Florian zuliebe. Er hat dich doch gern und ich... und ich auch.“

„Jupp. Hör’ mir bitte einen Moment zu. Natürlich bleibe ich und natürlich helfe ich dir, wo immer ich kann. Du musst dich für nichts entschuldigen.“ Ein schwaches Lächeln erschien auf den dünnen Lippen, doch Klaus Augen behielten einen sonderbaren Ausdruck von Wachsamkeit.

Er sah auf. „Ich habe dich nicht verdient, hmh?“

Klaus legte den Kopf schief. „Nein“, erwiderte er. „Aber du wirst mich nicht so einfach los, Partner.“

„Partner“, wiederholte Jupp leise. Er bemerkte plötzlich, dass er auf Klaus‘ Mund starrte und dachte unwillkürlich daran, wie... Abrupt wandte er den Blick ab, trat ein paar Schritte von Klaus weg, bis er mit dem Rücken gegen den Küchentisch stieß. „Ich... also eigentlich war ich auf der Suche nach ein paar Kopfschmerztabletten gegen meinen Brummschädel. Und einer Tasse Kaffee.“

Klaus blieb stehen, wo er war, schob die Hände in die Taschen seiner Hose. „Kaffee ist in der Thermoskanne auf der Anrichte“, sagte er. „Und Kopfschmerztabletten sind in der rechten Schublade darunter.“

Als Jupp sich auf die Suche nach einem Kaffeebecher machte, trat er neben ihn und nahm ein Glas aus einem Hängeschrank, holte eine Flasche Wasser aus dem Kühlschrank und stellte beides vor Jupp. Er griff nach der Schublade im gleichen Moment wie Jupp und ihre Hände berührten sich. Beide zogen sie zurück, als hätten sie sich aneinander verbrannt.

Es war Klaus, der sich als erster bewegte, die Hand auf Jupps Schulter legte, sie leicht drückte. Dann wich er einen Schritt zurück.

Und es war Jupp, der aus einem Reflex heraus nach ihm griff, ihn zurückhielt. Sie starrten sich einen langen Moment an. „Ich kann nicht aufhören, daran zu denken“, sagte er heiser.

Klaus zögerte. „Du musst mehr Zeit vergehen lassen, Jupp. Ellen ist erst gestern...“

„Nein“, unterbrach ihn Jupp. „Ich meine nicht Ellen. Ich meine uns. Letzte Nacht.“

„Es war nichts.“ Klaus schluckte. „Du warst nicht du selbst. Du warst betrunken und verzweifelt. Es ist okay, ich verstehe, das du nur... Trost gesucht hast. Das ist völlig normal. Ich hätte nicht...“ Er sah zur Seite.  

„Klaus.“

Er sah ihn wieder an, konnte der Bitte nicht widerstehen. „Ich muss auch daran denken.“ Das Geständnis kamen über seine Lippen ohne sein bewusstes Zutun. „Aber, Jupp, ich würde nie...“ Er brach ab, als Jupp sich vorbeugte und – seine Krawatte geraderückte. Fast hätte er nervös gelacht, was erwartete er denn...

„Danke.“ Jupp sah ihn an, seine Augen unsicher und fast verstört über die plötzliche Intensität zwischen ihnen. Dann drehte Jupp sich von ihm weg, um nach der Kaffeekanne zu greifen.

„Jupp.“

Er drehte den Kopf zu ihm, sah ihn an. „Ja.“

Fast traumwandlerisch beugte er sich vor, bis sich ihre Lippen fast berührten. Aber es war Jupp, der eine Hand in sein Haar grub, die wenigen Zentimeter zwischen ihnen überbrückte, indem er seinen Kopf nach vorne drückte. Es war kaum ein Kuss zu nennen, ein zögerndes, unsicheres Berühren ihrer Lippen. Ein Atmen des anderen. Anders als in der Nacht zuvor. Ohne Druck. Zärtlich. Suchend. Er spürte, wie sich der Mund an seinem öffnete und...

Sie hörten beide gleichzeitig Annas Stimme im Flur und wichen voneinander zurück. Klaus wandte sich ab und starrte auf den Boden, die Hände hinter dem Rücken zu Fäusten geballt. „Es ist nichts passiert.“ Seine Stimme klang fremd und schien von weit weg zu kommen.

Jupp stützte sich mit beiden Handflächen auf die Anrichte und starrte blicklos auf die Wasserflasche.

Dann ging die Küchentür auf und Florian kam herein, und warf sich in die Arme seines Vaters. Jupp drückte ihn an sich, hielt ihn fest und vergrub das Gesicht im Haar seines Jungen.

Anna sah Klaus an, der nach wie vor auf den Boden starrte. Eine seltsame Atmosphäre schien den Raum zu erfüllen. Sie blickte Jupp an, und als sie wieder aufsah, hatte Klaus die Küche verlassen.


Ende


Fortsetzung: „You Killed Me With Your Kiss”
Review schreiben