Fools Rush In

GeschichteDrama, Freundschaft / P12
"Howlin' Mad" Murdock General Hunt Stockwell
06.08.2017
06.08.2017
1
2.008
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Dieses Kapitel
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06.08.2017 2.008
 
Titel: Fools Rush In
Autor: Lady Charena (Juli 2017)
Fandom: The A-Team (Serie)
Episode: 5.2 Trial by Fire / 5.3 Firing Line
Wörter: 2003
Charaktere: HM „Howling Mad“ Murdock, General Hunt Stockwell
Pairing: --
Rating: pg, gen
Beta: T’Len


Summe: Murdocks Plan, seine Freunde vor der Hinrichtung zu retten, hat einen Preis. (Missing Scene)

Anmerkung: Ich weiß nicht, ob ich es beim letzten Re-Run wieder einmal übersehen habe, aber mir ist immer noch nicht klar, woher Murdock diese ominösen Pillen hat, die den Tod der Jungs vortäuschen. Die Blutpacks konnte Frankie zusammenbasteln. Aber die Pillen müssen von Stockwell kommen, sein Arzt verabreicht später ja auch ein Gegenmittel. Aber als Murdock und Frankie am Morgen des Hinrichtungstags aus der Betäubung aufwachen, hat der Pilot nur ein paar Papiere bei sich, die er aus Stockwells Flugzeug mitnahm. Wann und wie konnte er also den General davon überzeugen, ihm doch mehr zu geben, als nur ein paar Fotos und Karten des Ortes, an dem das A-Team festgehalten wird? Meine Version.


Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.


Fools Rush In (Where Angels Fear To Tread) ~ Brook Benton (Songtitel)





Nach dem Urteil


Mehr noch als die weißen Wände und die Schmerzen in seinen Schultern war es die Stille, die ihm verriet, wo er sich befand. Der kleine Raum mit gepolsterten Wänden und Fußboden wurde umgangssprachlich Gummizelle genannt.

Obwohl der einzige Gummi hier vermutlich der Gummizug in seiner Unterhose war.

Er trug keine Schuhe mehr, nur schmutzige Socken. Die Zwangsjacke, in der er steckte, bestand aus schwerem Leinen und Lederriemen mit Metallschnallen. Offenbar stammte sie direkt aus einem Museum. Hatte ihnen noch niemand was von Klettverschlüssen erzählt?

Murdock sah nach oben an die weiße Decke... oder hing er an der Decke und sah auf den Fußboden? Vorsichtshalber beschloss er, sich im Moment nicht zu bewegen.

Seine letzte Erinnerung war an den Gerichtssaal in Fort Owen.

Frankie, der neben ihm schockiert fluchte, als der vorsitzende Richter das einstimmig gefällte Todesurteil und die bald möglichste Exekution verkündete.

Seine Füße mussten sich automatisch, selbstständig in Bewegung gesetzt haben, und dann…

Wollte ihn jemand aufhalten. Griffen Hände nach ihm, die er jedoch abschüttelte.

Wovor hatten sie Angst? Was glaubten sie, was er tun würde, wenn er gerade hören musste, dass die Menschen, die ihm am meisten auf der Welt bedeuteten, die er mehr liebte als sein eigenes Leben, zum Tode verurteilt wurden? Still und leise nach Hause gehen, als wäre nichts von Bedeutung passiert? Zu versuchen, sie zu befreien? Aus einem Gerichtsaal, bis zum Platzen mit Militärs und bewaffneten Soldaten gefüllt?

Er kam nicht weit, aber weit genug - bis zur Anklagebank.

Jemand riss ihn zu Boden, hielt ihn fest, zwang seine Arme schmerzvoll auf den Rücken. Es gelang ihm, den Kopf ein Stück zur Seite zu drehen.

Alles kam von sehr weit weg.

Und trotzdem brannten sich scharf umrissene Bilder in sein Gedächtnis ein.

BAs wütende Stimme, die forderte, dass man ihn auf der Stelle losließ oder jemand besser seine Knochen nummeriere. Howgh, der große Schlammfresser hat gesprochen…

Das Gesicht des Colonels, das wie ein Ballon über ihm schwebte. Die eisblauen Augen so klar und ruhig, als wäre eben verkündet worden, was die Messe zum Abendessen servierte. Sie gaben ihm vielleicht einen letzten Befehl mit auf den Weg, aber er konnte nicht sagen, welchen.

Und dann Face, dem es trotz der Hand- und Fußfesseln gelang, sich einen Moment zu ihm hinab zu beugen, um flüchtig seine Wange zu berühren. Wie um ihn zu trösten. Face' Lächeln war fürchterlich anzusehen, bereits das eines Geistes.

Dann drängte man sie weg von ihm oder zerrte ihn weg von ihnen. Und er spürte nichts mehr, bis auf den Einstich einer Nadel an seinem Oberarm, der es dunkel um ihn werden ließ.

Bis er in diesem Raum erwachte, eingeschnürt und verknotet wie eine Brezel – und in einer Realität, die ungefähr ebenso viel Sinn ergab wie eine Tüte Salzgebäck.

Aber da war eines, dass Murdock mit Sicherheit wusste: Er musste hier raus. Zunächst aus der Gummizelle, später aus dem Krankenhaus.

Interessantes Problem.

Er musste die Ärzte überzeugen, dass er keine Verrücktheiten unternahm, wenn alles was das Leben seiner Freunde jetzt noch retten konnte, die größte aller Verrücktheiten sein würde.

Wenn er verrückter als jemals zuvor sein musste, sollte das A-Team auch nur den Hauch einer Chance erhalten…


---


Nach Murdocks Flucht aus dem Krankenhaus und nach der Konfrontation mit General Stockwell, die dieser mit dem Einsatz von Betäubungsgas beendete.


„Sehr gut, Captain Murdock“, meinte Stockwell trocken. „Sie können jetzt aufhören, so zu tun, als wären Sie noch immer betäubt. Das Gegenmittel wirkt innerhalb von drei Minuten. Es sind bereits fünf vergangen, seit man es Ihnen verabreicht hat.“

Murdock setzte sich langsam auf und rieb sich das rechte Handgelenk, an dem sich ein frischer Einstich befand. So platziert, dass das Armband seiner Uhr ihn verdeckte. „Was ist mit Frankie?“, fragte er, sich umsehend. Sie mussten sich in einem anderen Raum in Stockwells Flugzeug aufhalten.

Sein Gesicht schmerzte vom Aufprall auf die Glasabtrennung, die das Leben des Generals rettete. Nur knapp. Er hätte den grinsenden Bastard erschossen und auf anderem Weg versucht, seine Freunde zu retten.

Und wäre damit grandios gescheitert.

Er war nicht verrückt genug, um nicht zu wissen, dass Stockwell ihm einen Gefallen getan hatte, ihn mit dem Betäubungsgas auszuschalten.

Die Frage war nun, warum war er noch immer hier? Und nicht längst zurück in seiner kuscheligen Zwangsjacke im Krankenhaus, so sediert, dass er seinen eigenen Namen nicht mehr kannte?

Mitleid konnte er wohl ausschließen.

„Ich hielt es für angemessen, wenn wir dieses Gespräch unter vier Augen fortsetzen, Captain. Es steht Ihnen frei, später eine Erklärung für Mister Santana zu erfinden, sollten Sie das wünschen.“ Der General musterte ihn durch seine gelben Brillengläser. „Immerhin ist Ihre Motivation, Ihre Freunde zu retten, ungleich größer als die von Mister Santana. Genau wie der Preis für meine Hilfe.“

Er hatte keine Ahnung, wer Stockwell war, doch er wusste sehr gut, was er war. Während seiner kurzen Rekrutierung in die Dienste der CIA hatte er andere wie Stockwell getroffen. Männer ohne Gnade. Ohne Gewissen. Ohne Skrupel. Die aus reinem Kalkül handelten.

Nun, dieses Kalkül machte es für ihn leichter zu tun, was er tun musste. Und das war, sein Team zu retten, seine Familie zu retten, egal um welchen Preis.

Und er wusste jetzt schon, dass er einen hohen Preis dafür bezahlen würde.

Stockwell hatte seinen wunden Punkt gezeigt – er brauchte das A-Team. Wozu und weshalb, das würde sich erst noch herausstellen müssen. Und der General brauchte die volle Kontrolle über die Jungs. Das bedeutete, Stockwell konnte sich selbst in keiner Form angreifbar machen. Denn das hätte einen Teil der Kontrolle beim Team belassen und irgendwann würden sie das Wissen gegen ihn verwenden.

Deshalb würde Stockwell keinen Finger krumm machen, um ihnen auf eine Weise zu helfen, die auf ihn zurückfiel. Oh ja, hinterher war er natürlich gerne behilflich. Doch der Hauptpunkt, die Inszenierung einer unmöglichen Flucht von Barrier Island, diese Bürde lud er auf Murdocks Schultern. Weil der General wusste, dass es nichts gab, was er nicht versuchen würde, um sie zu retten.

Cleverer Bastard. Nicht clever genug. Nicht verrückt genug, Stockwell. Da musste schon ein echter Profi ran.

„Alles hat einen Preis. Ich bin verrückt, kein Narr.“ Murdock stand langsam auf. Er verspürte noch immer eine leichte Benommenheit, die offensichtlich gewollt war und ihn wohl von weiteren Dummheiten abhalten sollte. Das war okay. Damit kam er klar. Er hatte einen großen Teil seines Lebens auf einer Ebene verbracht, die nicht ganz plan mit dem lag, was die meisten anderen Menschen als Realität ansahen.

„Daran hege ich nicht den geringsten Zweifel.“ Stockwell deutete auf den Sessel gegenüber seinem Sitzplatz.

„Reden wir unter vier Augen, General“, sagte der Pilot ruhig, fast heiter, als er sich setzte. „Aber wir sprechen besser schnell, ich habe noch eine Menge zu erledigen.“


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Auf der Überfahrt zu Barrier Island


Der Bootsführer musterte ihn misstrauisch. Sah er nicht wie ein Priester aus? Murdock gab vor, in der Bibel zu lesen, die er dem echten Seelsorger abgenommen hatte, zusammen mit den Unterlagen, die die Überfahrt nach Barrier Island autorisierte. Die klein gedruckten Buchstaben verschwammen vor seinen Augen und Schweiß tropfte von seiner Stirn auf das dünne Papier. Trotz der frühen Stunde brannte die Sonne bereits von einem wolkenlosen Himmel.

Vielleicht war es nicht nur Schweiß, der das Papier tränkte.

Alle Arrangements waren getroffen. Es war zu spät für Fehler, Korrekturen, Änderungen.

Es war zu spät für Bedauern.

Murdock war sich bewusst, dass sein Ausflug ganz schnell enden konnte. Wenn nur eine der Wachen an der Anlegestelle aus Fort Owen kam und im Gerichtssaal gewesen war, entweder bei der Urteilsverkündung oder zuvor, als man ihn aussagen ließ, dann würden sie ihn trotz der schwarzen Soutane erkennen und er schon scheitern, bevor er das Eiland wirklich betrat.

Dann blieb ihm nur die Hoffnung, dass Frankie seinen Auftrag erfüllte.

Seine Gedanken kehrten zu dem Gespräch mit Stockwell zurück.

Offenbar war der General auch über ihn besser informiert, als sie bisher angenommen hatten. Stockwell kannte ein, zwei Fakten aus Murdocks Vergangenheit, die nicht einmal Hannibal bekannt waren. Das war weniger zu seinem eigenen Schutz, als zu dem des Colonels geschehen.

Die CIA nahm es nämlich sehr ernst, wenn man ihre Geheimnisse verriet. Und besonders, wenn es um Dinge ging, die sie in einem sehr schlechten Licht darstellen würden, kämen sie an die Öffentlichkeit. Also hatte er vorgegeben, dass er alles vergessen hatte. Dass seine Erinnerung mit mehr Löchern gespickt war als Schweizer Käse.

Aber genau das würde Murdock jetzt ändern. Oh, er würde singen wie der sprichwörtliche Kanarienvogel, wann immer Stockwell das wollte.

Für den Preis von drei kleinen Pillen, die die Vitalwerte des Teams soweit absenken würden, dass man weder Herzschlag noch Atmung ohne Geräte feststellen konnte. Der Arzt, der nach der Exekution offiziell den Tod feststellen sollte, gehörte zu Stockwells Organisation. Offenbar hatte er die ganze Zeit über Bericht an den General erstattet, da der Gefängnisarzt als Einziger nach dem Urteil noch freien Zugang zu den Gefangenen hatte. Niemand wollte wohl riskieren, dass sie zu krank waren, um zu ihrer eigenen Exekution zu erscheinen.

Er wusste von einem alten Freund, dass die CIA so etwas in der Vergangenheit bereits zur Geiselbefreiung eingesetzt hatte - wer kümmerte sich noch groß um eine tote Geisel - und er war sicher gewesen, dass Stockwell ebenfalls ein paar davon in seine blutigen Hände bekommen konnte. Und einen Arzt dazu, der die Gegenmaßnahmen einleitete, bevor aus dem vorgetäuschten Tod ein echter wurde.

Die zweite Bedingung hatte ihn überrascht.

Stockwell würde Murdock nicht mit nach Langley nehmen, wo der Rest des Teams stationiert sein würde, doch er sollte auch weiterhin mit ihnen zusammenarbeiten.

Niemand erwartete von einem verrückten Mann Logik, so sollte sich niemand besonders darüber wundern, wenn er aus eigenem Antrieb dort erschien und einfach blieb. Die notwendigen Arrangements mit dem Krankenhaus und seinem Status als Mündel des Staates übernahm Stockwells Organisation.

Vielleicht wollte der General so sicher stellen, dass er sich an ihre Verabredung hielt – ohne dass jemand von seiner kleinen Erpressung erfuhr.

Er hatte keine Einwände. Murdock hatte ohnehin einen Umzug geplant.

Und was die CIA betraf, sie stand im Ranking seiner Loyalitäten ungefähr dort, wo sich auch die Army befand.

Beide hatten ihn mit Versprechungen gelockt, die sie nicht gehalten hatten und ihn weggeworfen, als er zu kaputt war, um noch von Nutzen zu sein, um sich nicht mehr um ihn zu kümmern. Wie ein zerbrochenes Werkzeug.

Er schuldete niemandem Loyalität, als den drei Männern, die jetzt gerade unschuldig in der Todeszelle saßen.

Diese Entscheidung war nie ein Problem gewesen. Die Konsequenzen für ihn spielten keine Rolle.

Er war bekanntlich verrückt. Ein Narr. Und Narren kümmerten sich nicht um Konsequenzen, sie preschten einfach vorwärts, wo selbst Engel zögerten.

Barrier Island tauchte am Horizont auf und Murdock hob den Blick, starrte auf den Ort, an dem sich heute das Schicksal von vier Männern entscheiden würde.


Ende
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