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"Denn du bringst mir Glück, Eli!"

von Pairo
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Caleb Cornelia Hale Elyon Brown
06.08.2017
06.08.2017
3
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06.08.2017 1.648
 
„Und so erhob sich das Licht von Meridian hoch in die Lüfte, frei und unbefangen zog es seine Kreise über unsere schöne Welt, um allen in ihr lebenden Wesen, Glück und Freude zu bescheren.“

So steht es geschrieben, doch ist das nicht der Text eines Geschichtsbuches…
Viel eher eine Anekdote in den Memoarien eines jungen Mannes, der das „Licht“ dabei beobachtet hatte.
Doch lagen dererlei Tage bereits weit zurück. Aran und Thoron – die beiden Jahreszeiten dieser Welt- hatten sich viele Male abgewechselt.
Die Jahre waren ins Land gezogen.
Das „Licht“ war etwas älter geworden, ebenso wie die ehemaligen Wächterinnen des Netzes.
Und so auch er…

~~

Ein Blatt fiel zu Boden, zog dabei große Kreise, drehte sich etliche Male um die eigene Achse und landete schließlich sanft vor braunen, hoch geschnürten Sandalen.
Eine filigrane Frauenhand näherte sich, fasste sanft den verdorrten Stiel des Blattes und hob es in die Höhe.
Nachdenkliche, blaue Augen blickten melancholisch darauf, wendeten sich dann jedoch gen Himmel.
Der Sommer hatte gerade erst begonnen und trotzdem war dieses eine Blatt vor seiner Zeit vergangen.
Die Finger umschlossen kurz das gelb befleckte Geäder, woraufhin es frisch und grün wurde, und hoben es dann hoch in die Lüfte.
Wo immer es aufkommen werde…es war sicher, dass daraus ein neuer Baum erwuchs.

In einer eleganten Bewegung nahm die Besitzerin der Hand nun aber Platz auf der grünen, saftigen Wiese unter sich.
Es war angenehm warm an diesem Tag.
Der kleine Hügel auf dem sie saß, begünstigte die sanfte Brise und ein uralter Baum spendete etwas Schatten.
Als sie die Augen schloss, überkam eine heftige Gänsehaut Körper und Seele, ein Prickeln wie ein Wald aus Glühwürmchen.
Sie spürte das Leben um sich herum, seine Schönheit versetzte die anmutige, doch schwermütige Frau in regelrechte Trance.
Langsam schlug sie ein altes Buch auf, noch immer klebte etwas Staub daran.
Der Einband war in einem angenehmen Altrosa gehalten, besaß seitlich einen Streifen der den gleichen Farbton etwas dunkler zeigte. Zusätzlich zierten kleine Ranken, mit zarten Blüten den Deckel dieses Buches.

Auf der ersten Seite fand sich ein altes Foto, zwei kleine Mädchen waren darauf zu sehen.
Beide drückten sich eng aneinander und grinsten direkt in die Kamera.
Glücklich und ungezwungen.
Beide waren blond, die eine etwas dunkler, als die andere, das Blau ihrer Augen unterschied sich nur gering.
Langsam legten sich die Finger auf das gewellte Fotopapier, strichen in  Erinnerungen schwelgend darüber.
Es wurde umgeblättert und ein teilweise verwischter Text in filigraner Mädchenhandschrift kam zum Vorschein.


„Liebes Tagebuch, hier ist Cornelia.

Heute mache ich also meinen ersten Eintrag in dieses Buch.
Gleich zu Anfang, sollst du Elyon kennen lernen.
Sie ist die allerbeste Freundin, die es nur geben kann.
Ich kenne sie auch schon sehr lange und wir haben immer viel Spaß zusammen.
Heute haben wir ein neues Märchen erfunden.
Sie war die Prinzessin von Zauberland Tausendschön und ich war die gute Fee.
Wir hatten sehr viel Spaß.“

Ein kleines Herz war neben den Text gemalt.
Die Finger strichen die nächste Seite um.

„Liebes Tagebuch,
Ich habe beschlossen nur ganz besonders wichtige Dinge in dich hinein zu schreiben, weil ich momentan sehr viel zu tun habe.
Aber heute bin ich sehr aufgeregt.
Morgen werde ich zum allerersten Mal vor vielen Leuten Schlittschuh laufen!
Ich habe mich für die Jugendmeisterschaften in der Altersgruppe 8-10 qualifiziert.
Eine wichtige Angelegenheit!
Mir ist ein bisschen schlecht deswegen, aber Elyon sagt, dass wird schon werden.
Gestern hat sie den zweiten  Platz des Zeichenwettbewerbes unserer Regionalzeitung gewonnen!
Einen Tag  im Happy Day Park!
Sie hat versprochen mich mit zu nehmen, obwohl sie nur zwei Karten hat.
Ich habe mich sehr darüber gefreut.“

Der Eintrag der nächsten Seite war etwas kürzer, doch zierte das große Foto einer glücklich lächelnden Cornelia das Blatt. Sie stand in Schlittschuhen auf dem Eis und hielt einen Plüschhasen, sowie einen Blumenstrauß in den Armen.

„Liebes Tagebuch!
Du wirst niemals glauben, was geschehen ist!
Ich habe den 3ten Platz belegt!
Und das obwohl so viele andere angetreten sind. Es gab über 100 Teilnehmer in meiner Altersklasse und sie alle waren sehr gut!
Ich bin stolz!
Mama hat mir einen Stoffhasen geschenkt.“

Die Finger schlugen Seite um Seite um, immer wieder blieben prägnante oder bunt unterstrichene Sätze im Auge hängen.

„Heute habe ich eine 1 im Gymnastikuntericht bekommen.“

„Mein Glücksanshänger ist mir ins Wasser gefallen und ist nun fort, ich bin traurig“

„Elyon hat mir eine Blume gemalt.“

„Ich hasse den blöden Kim Temsen. Er hat wieder an meinen Haaren gezogen!“

„Meine kleine Schwester Lilian  wurde heute geboren.“

Lange blieben die Finger bei dieser Seite stehen.  Der Eintrag drückte die Freude über dieses Ereignis aus, zeigte jedoch auch die Bedenken der großen Schwester.
Die blauen Augen blickte eine ganze Weile auf den letzten Abschnitt.

„Elyon meinte, dass sei alles gar nicht so schlimm.
Die blöde Christina hat gesagt, dass mein Leben nun echt blöd werden wird, mit so einem „Balg“ in meinem Haus.
Balg hat sie gesagt!
Als ich ausgerastet bin, hat Elyon nur gelacht und gesagt, dass sei schon okay.
Zusammen haben wir dann ein neues Gerücht über diese Schnepfe in die Welt gesetzt.
Du weiß ja, liebes Tagebuch, ich kann diese Tussi nicht ab!
Aber Elyon hat mindestens genauso gute Einfälle wie ich!“

Ein leises, amüsiertes Seufzen entfuhr ihr.
Nicht über die bereits sehr exellente Wortwahl der Verfasserin, sondern viel eher über die glückliche Erinnerung an dieses Mädchen, an Elyon.

Auf der folgenden Seite waren mehrere Fotos eingeklebt, welche zu einer Collage zusammen gefasst waren. Diesem Eintrag widmete sie sich genauer.

„Liebes Tagebuch!
Heute waren Elyon und ich endlich im Happy Day Park!
Die Ferien haben vorgestern angefangen.
Stell dir vor, wir sind ganz alleine mit dem Zug dorthin gefahren, eine ganze halbe Stunde lang!
Und wir sind sogar einmal umgestiegen.
Der Tag war total super, auch, wenn meine Tante die dort in Cottonhills wohnt, mit uns dort war.
Unsere Eltern wollten nicht, dass wir ganz alleine da sind.
Aber es war trotzdem wirklich toll.
Wir sind Achterbahn und Tretboot gefahren, haben eine Ziege gefüttert und noch vieles andere!
Am Abend durfte ich bei Elyon schlafen und wir sind extra spät ins Bett gegangen!“

Trotz dieser sehr kurzen Zusammenfassung dieses ereignisreichen Tages, flammten alle Erinnerungen wieder auf.
Als sie langsam weiter blätterte, entwich ihr doch ein leises, bedrücktes Seufzen.
Der Name Elyon schlug ihr mehr als penetrant entgegen, immerhin hatte die Verfasserin ihn stellenweise hervor gehoben, genau wie ihren eigenen – der stellenweise in Kaligrafiebuchstaben am Rand stand - Namen: Cornelia.

„Heute hat Elyon sich die Haare geschnitten! Die sind nun total kurz, bis auf zwei lange Strähnen, die sie vorne hat stehen lassen.
Es sieht hübsch aus.
Ich hab noch nie jemanden mit so einer Frisur gesehen!
Elyons Haare sind schön weich und duften gut, manchmal bin ich neidisch auf ihre Haare!“


„Heute hab ich mit Elyon Barbie und Ken gespielt.
Sie musste Ken sein und dann hat sie mich geküsst!
Das war ziemlich lustig.
Sie hat so komisch geguckt!
Jetzt müssen wir immer lachen, wenn wir daran denken.“

„Liebes Tagebuch!
Etwas Furchtbares ist geschehen!
Elyon musste wegen ihrem Blinddarm ins Krankenhaus!
Ich mache mir große Sorgen.“

Immer mehr Erinnerungen an ihre liebste Freundin keimten in ihr auf.
Erinnerungen an die Schule, wo sie stets nur zu zweit anzutreffen waren, Erinnerungen an die Zeichnungen der begabten Freundin, die zahlreichen, kleinen Geschenke, die sie sich gegenseitig machten und die vielen Übernachtungen zusammen.
In Elyons Haus hatte sie auch ihre besondere Gabe zum ersten Mal entdeckt.
Ja…eigentlich hatten sie jede freie Stunde miteinander verbracht.
Kein anderer Name tauchte öfter in diesem Buch auf.

Doch irgendetwas hatte sich irgendwann grundlegend geändert.

Einige Seiten waren hinaus gerissen und die letzten erzählten von Liebesschmerz, Fehlentscheidungen und Kälte.
Dann endeten die Memoarien.

Aus den letzten Seiten fiel ein Brief, der dort irgendwie missverständlich eingeordnet wurde.
Er war von der damals 13 Jährigen Elyon verfasst und haufenweise lustige Buntstiftzeichnungen waren rings um die Schrift platziert.

„Hallo Cornelia!
Eigentlich doof, das ich dir schreibe, hm?
Immerhin sehen wir uns ja jeden Tag.
Aber was solls!
Ich will, dass du ein – handschriftliches! – Werk der groooßartigen Madame Portrait in den Händen halten kannst! :) LACH
Ich wollte dir eigentlich nur mal schriftlich geben, dass du meine allerbeste Freundin überhaupt und für immer bist, klar?
Zusammen sind wir die

G roßartigen
R aren
A aller
Z auberhaftesten
I ntelligentesten
E inmaligen
N iemalsaufgeber!

Bäh klingt das doof!!!
Naja, aber da werd ich mir noch was anderes ausdenken.
Du weiß ja, was gemeint ist.

Cornelia ich liebe dich!
Auch wenn das kitschig klingt :D

Deine Elyon“



Eine Träne fiel in den weichen Stoff, des langen Rockes, wo sie langsam versickerte.
Dieser Brief war nicht der Einzige oder letzte, den sie von Elyon bekommen hatte.
Doch war es einer der Wichtigsten.
Wieso, wusste sie selbst nicht recht.

Seit diesem Brief und nun war so viel Zeit vergangen, vieles hatte sich ereignet.
Sie hatte an ihrer Freundin gezweifelt.
Vielleicht zu recht.
Und dann doch zu Unrecht.
Doch waren nun zwei Jahre vergangen, seit sie sie das letzte Mal gesehen hatte.
Und in diesem Moment auch nur kurz.
Richtig geredet – wie früher - hatten sie sicherlich vier Jahre nicht mehr miteinander.

Eine viel zu lange Zeit.
Eigentlich sollte sie ein mehr schlechtes Gewissen haben, doch hatten die vielen Ereignisse ihr jedes Mal einen Strich durch die Rechung gemacht.
Doch nicht so jetzt.
Nun war es an der Zeit.
Die letzten Sommerferien ihres Lebens waren angebrochen und ihre Stelle als Architekturstudentin an der angesehensten Universität des Landes war ihr zugesichert.
Diese letzten Monate galt es zu genießen, auch wenn sie fürchterliche Zweifel hegte. Zweifel an allem und jeden.
Doch stand ihr Reiseziel für dieses Jahr fest.
Auch, wenn das hieß…ihn wieder sehen zu müssen.

Der Baum, das Gras und alle Blumen auf diesem Feld sangen ihr leises Lied, flüsterten immer wieder lieblich:

„Sei nicht traurig Cornelia…Zeit bringt Rat Cornelia….Cornelia….“
 
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