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Wrongful World

von Ririchiyo
Kurzbeschreibung
GeschichteSchmerz/Trost, Tragödie / P16 / MaleSlash
Alexander "Alec" Lightwood Camille Isabelle "Izzy" Lightwood Jace Wayland / Jonathan Christopher Herondale Magnus Bane
04.08.2017
04.08.2017
1
2.393
12
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6 Reviews
Dieses Kapitel
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04.08.2017 2.393
 
AN: Die Idee zu diesem Text habe ich eigentlich schon länger, doch gestern ist es mir endlich gelungen, sie halbwegs zu formulieren. Ich persönlich denke eigentlich, dass sie eine große Story verdienen würde, aber leider bin ich gerade absolut nicht in der Lage, auch nur an ein einziges (weiteres) Projekt zu denken, das mehr als ein Kapitel hat. Vielleicht schreibe ich aber irgendwann mal mehr dazu und baue alles besser aus.
Was den Inhalt der Story angeht: Kleiner Verweis auf Chroniken des Magnus Bane, etwas AU (ein paar Ereignisse laufen anders ab) und sehr traurig. Irgendwie. Sollte außerdem jemand Tipps, Kritik, Hinweise oder sonstiges haben, dann gerne immer her damit.
Ich hoffe es gefällt vielleicht jemandem! :)




Wrongful World


Alec fand die Welt von Anfang an ungerecht. Oder zumindest, seit er denken konnte. Vielleicht auch erst, seit er lesen konnte, doch so weit lagen beide Ereignisse für ihn nicht wirklich auseinander. Egal wie weit er zurückdachte, er hatte die Bedeutung der Worte auf seinem Arm immer schon gekannt. Er hatte sie schon immer lesen können. Sie waren sein ständiger Begleiter. Seine ständige Erinnerung daran, dass er seinen Seelenverwandten finden würde … und sein ständiges Versprechen, dass er ihn auch wieder verlieren würde. Wer hatte sich diese Welt ausgedacht, in der man erst wusste, wer diese Person war, die für einen vorherbestimmt war, wenn die Person starb? Oder wenn man selbst starb. In seinem Falle vermutlich zweiteres.
Das ist doch nur ein Kratzer, du schaffst das.
Diese Worte ließen nicht so viel Interpretationsspielraum, wenn man ein Shadowhunter war. Und Alec hasste sich innerlich selbst deshalb. Wie konnte er das seinem Seelenverwandten nur antun? Wie konnte er ihn nur im Stich lassen?! Wie konnte er jemandem das Herz brechen und ihn dann einfach alleine zurücklassen?

Als er noch jung war hatte er jeden Tag stundenlang trainiert. Immer und immer wieder, bis zur völligen Erschöpfung. Wenn er nur etwas besser sein könnte, nur ein wenig stärker, nur noch ein wenig unverwundbarer, dann vielleicht-
Doch natürlich war es nicht so. Wieso auch? So funktionierte die Welt nicht. Die Welt war ungerecht. Alec hatte das nur früher erkannt, als viele andere Menschen. Oder andere Shadowhunter, denn es war ja nicht so, als würde Alec oft mit richtigen Menschen in Berührung kommen.

Seine zweite Taktik war die, sich einfach zu verweigern. Er wusste doch sowieso nicht, wann er seinen Seelenverwandten traf. Oder ob. Wie. Er wusste, dass es passierte, aber die Gewissheit käme erst viel später. Vielleicht sogar erst Jahre nach ihrer ersten Begegnung. Und er sollte sich Jahrelang um eine Beziehung bemühen, nur um sich dann das Herz brechen zu lassen? Oder um herauszufinden, dass die Frau, mit der er den Rest seines Lebens hatte verbringen wollen, doch nicht seine Seelenverwandte war? Manchmal war er sich nicht einmal sicher, was davon schlimmer sein würde.

Dass sein Seelenverwandter vermutlich ein Mann sein würde. Das war schlimmer. Alles andere wäre eventuell ertragbar gewesen, aber das? Zu allem Überfluss würde er sich auch noch die Missachtung seiner Eltern antun dürfen? Die von allen anderen Mitgliedern seines Volkes? Die Entscheidung, der Liebe endgültig abzuschwören wurde dadurch nicht sehr viel schwerer. Eher einfacher. Was auch sonst? Die einzige Erleichterung, die die Erkenntnis, schwul zu sein, mit sich brachte, war die, dass er eigentlich vor Frauen nichts zu befürchten hatte. Er konnte mit ihnen ausgehen, konnte vortäuschen, normal zu sein, und brauchte sich gleichzeitig keinerlei Sorgen zu machen, dass ihm das Herz gebrochen wurde, weil seine Seelenverwandte darunter war.

Kindliche Naivität. Freunde konnten einem auch das Herz brechen, wenn auch auf eine andere Art und Weise. Manchmal nur, indem er ihnen beistand. Zu sehen, wie seine beste Freundin Lydia am Tod ihres Seelenverwandten zerbrach, bestätigte ihm diesen Gedanken nur.

Seine nächste Taktik war genauso simpel wie naiv. Schweigen. Wenn er nicht sprach, wenn er niemals diese letzten Worte von sich geben würde, dann würde doch auch das Ende niemals eintreffen, oder? Wenn er diese letzten Worte nicht sagte, dann würde ihm und seinem Seelenverwandten der ganze Herzschmerz erspart bleiben, oder nicht?

Wie sich herausstellte, würde ihm vermutlich auch jeder andere Aspekt eines Liebeslebens ihm erspart bleiben. Wer wollte schon mit einem Shadowhunter zusammen sein, der offenbar nicht einmal sprechen konnte? Zumindest niemand, den er kannte. Nicht, dass er es nicht verstand. Er hätte sicher auch nicht die Lust, sich mit jemandem abzugeben, der so verkorkst war, wie er selbst. Er war schon überrascht, dass Jace und Izzy damit offenbar so wenig Probleme hatten. Und Max natürlich. Im Gegensatz zu vielen anderen Shadowhuntern, die ihn ansahen, als hätte er irgendeine ansteckende Krankheit, begann Max ihn mit Helden aus seinen Comics zu vergleichen. Nur weil er stumm war, würde ihn das doch nicht schlechter machen, als er war. Haweye war immerhin auch taub, und Daredevil sogar blind, und trotzdem waren die beiden echt voll cool!
Alec musste über so viel Begeisterung immer leicht schmunzeln. Seine Eltern sahen es etwas anders. Ein stummer Shadowhunter – der erste in der Geschichte – machte sich eben nicht so gut im Familienstammbaum. Und dass es dann auch noch freiwillig gewählt war? Keiner wirklichen Verletzung zuzuschreiben? Noch schlimmer.

Nach den ersten paar Monaten ignorierte er seine Eltern und deren Beschwerden einfach. Er hatte nicht wegen ihnen angefangen zu schweigen, und er war ihnen auch keine Rechtschaffenheit schuldig!



Magnus machte sich nicht viel aus Seelenverwandten. Am Anfang? Ja. Er dachte stundenlang darüber nach, wie sein Lebensgefährte wohl aussehen könnte. Das erste Jahrhundert, nachdem er herausfand, was er war? Ja. All seine Gedanken wurden von diesem höchstwahrscheinlich perfekten Wesen beherrscht, das ihn vermutlich trotz seiner Herkunft bedingungslos lieben würde. Nachdem er seine erste große Liebe verloren hatte? Nicht so richtig.

Sie hatte die Worte nicht gesagt. Nicht als letztes. Nicht in ihrem letzten Atemzug. Sie war es nicht gewesen. Sie war perfekt, er hätte für immer bei ihr bleiben können, und doch- Sie war es nicht. Sie war nicht dieser eine Mensch. Ihr Tod brach ihm das Herz. Ihr Tod war so schrecklich für ihn, dass selbst Catarina und Ragnor zusammen Monate brauchten, um ihn wieder aufbauen zu können. Und dennoch, trotz dieses schrecklichen Gefühls, trotz dem manchmal auftauchenden Wunsch ihr vielleicht sogar in den Tod zu folgen- Sie war es nicht? Dieses wundervolle, perfekte Wesen sollte nicht seine andere Hälfte gewesen sein? Sie war nicht diejenige, die ihn vervollständigte? Wie schrecklich müsste es dann erst sein, wenn sein echter Seelenverwandter ihn verließ?

Er hörte auf, sich darauf zu freuen. Er hörte auf, immerzu an nichts anderes zu denken. Er ließ es einfach auf sich zukommen. Wesentlich weniger begeistert als zuvor. Er hörte nicht auf, sich zu verlieben. Wie auch? Selbst wenn er es nicht gewollt hatte, er war Magnus. Magnus Bane. Er konnte nicht ohne Liebe. Und natürlich verliebte er sich wieder. Und wieder steckte er sein ganzes Herz, seine ganze Seele, in die Beziehung. Und wieder zerbrach er daran. Als Hexenmeister musste man sich wohl daran gewöhnen, dass man selbst oft länger lebte, als die Leute um einen herum. Magnus war sich nicht sicher, ob er froh darüber sein sollte, dass es sich bei dem Mann wieder nicht um seinen Seelenverwandten handelte. Er fiel. Er fiel tief. Wie auch bei seinem ersten Verlust. Aber wenn es sein Seelenverwandter gewesen wäre, wäre er dann nicht tiefer gefallen? Vielleicht? Womöglich sollte er doch froh sein, dass die Worte, die auf Magnus Handgelenk standen, nicht die waren, die die Lippen seines Geliebten zuletzt verlassen hatten. Andernfalls wäre es nur schlimmer geworden.

„Genau das meine ich!“, rief Imasu aus, und Magnus lachte. Er kehrte dem Mann den Rücken zu, und sah nie zurück. Ihm war nach heulen zumute. Eine weitere Liebe, und wieder waren es nicht diese Worte gewesen. Doch diesmal hatten sich ihre Wege getrennt, ohne dass Magnus‘ Liebhaber dafür hatte sterben müssen. Gut genug. Aber deshalb schmerzte es noch lange nicht weniger.
Dennoch: Imasu diese Schwäche zeigen? Sicher nicht. Seinen Freunden? Nicht, wenn er es verhindern konnte …

Es änderte nichts daran, dass er dennoch weinte. Es änderte auch nichts daran, dass Catarina und Ragnor selbstverständlich wussten, was los war. Das wussten sie immer.

Camille weinte er keine einzige Träne nach. Er hätte gerne – würde gerne –, doch meistens war er einfach nur erleichtert, dass dieses Biest ihn endlich in Ruhe ließ. Zumindest, nachdem er es geschafft hatte, seine rosarote Brille loszuwerden.

Es änderte dennoch nichts daran, dass es nicht einmal mehr ihm nach diesem Erlebnis noch gelang, sich wirklich auf Beziehungen einzulassen. Nichts ernstes. Niemals etwas ernstes. Das Herz eines Menschen – Hexenmeisters – konnte nicht unendlich oft gebrochen werden. Irgendwann war es selbst für Magnus genug. Und irgendwann lernte er, damit umzugehen. Keine Ernsthaften Beziehungen hießen keine Bindungen. Keine ernsthaften Beziehungen hießen keinen Liebesgeständnisse. Keine ernsthaften Beziehungen hießen keine Abschiedsworte.
Ich liebe dich auch.
Wie sehr er diesen Satz auf seinem Handgelenk doch hasste!

Mindestens genauso sehr, wie er sein Herz hasste, als es bei dem Anblick des schwarzhaarigen Shadowhunters auf seiner Party einen Sprung machte. Nein. Neinneinnein. Nicht schon wieder. Er war noch nicht bereit für eine weitere Beziehung. Oder auch nur für das kleinste Interesse. Nicht so schnell. Seine Probleme mit Camille lagen doch erst ein Jahrhundert zurück, und schon wollte sein Herz ihm wieder jemanden aufzwingen, den er noch nie zuvor gesehen hatte? Und dann auch noch einen Shadowhunter? Einen Lightwood?! Sein Leben musste ihn wirklich hassen.
Und dennoch … er ließ sich darauf ein. Wie immer. Magnus war noch nie jemand gewesen, der sich echten Gefühlen einfach so verschließen konnte. Und wenn es Liebe auf den ersten Blick war … nun, dann war es Liebe auf den ersten Blick. Das wurde man so schnell nicht wieder los.

Das erste Problem, welches er überwand, war dass Alec ein Shadowhunter war. Nicht alle Shadowhunter waren gleich, und außerdem war es den meisten Unterweltlern sowieso egal, mit welcher Rasse sie oder andere schliefen. Und nur weil auch ein paar Gefühle dabei waren? Wen interessierte es!
Das zweite Problem waren die Lightwoods. Nicht alle waren so schrecklich, wie er sie kannte. Maryse und Robert waren grauenhaft, sicher, und Jace war nervig, aber Max war einfach nur liebenswert, Isabelle war eine perfekte Shopping-Begleitung und Alexander … war eben einfach Alexander. Irgendwie besonders, ohne dass er hätte sagen können, warum. Sicher, der junge Mann sprach nicht, aber daran lag es nicht. Magnus hatte schon einige stumme Leute getroffen, aber das machte nicht deren ganze Persönlichkeit aus. Sicher, es brachte etwas geheimnisvolles, wenn Leute nicht die ganze Zeit sprachen, aber daran lag es nicht. Nur weil Alexander stumm war, hieß dass ja nicht, dass sie sich nicht unterhalten konnten. Magnus war schon immer interessiert an allen Sprachen gewesen, und selbstverständlich hatte er bereits bei erster Gelegenheit die Grundlagen der Gebärdensprache gelernt. Und nun auch noch den Rest zu lernen? Es war nicht so schwer, und es dauerte nicht lange, bis er Alexander problemlos verstand, auch ohne dass dieser den Mund aufmachte.
Das letzte zu überwindende Problem waren die Gefühle. Nicht nur seine, auch Alexanders. Es brauchte schließlich seine Zeit, bis man jemanden davon überzeugte, dass Regeln manchmal nicht alles waren. Besonders, wenn es darum ging, einen Shadowhunter davon zu überzeugen, dass eine Beziehung mit einem Unterweltler nicht das schlimmste war. Besonders dann, wenn dieser Shadowhunter schon so von seinen eigenen Leuten verachtet wurde, und es ihm daher noch schwerer fiel, noch weiter gegen deren Regeln zu verstoßen.

Er hatte im Endeffekt keine Ahnung, wie er es geschafft hatte, sich so glücklich schätzen zu können. Und doch, er hatte es geschafft. Hier war er. Der gefühlt glücklichste Mann dieses Universums … und kurz davor, sich ein weiteres Mal sein Herz brechen zu lassen.
Er wusste es. Hatte es von Anfang an gewusst. In genau dem Moment, in dem Alexander ihm von dieser Mission erzählt hatte. In genau dem Augenblick, in dem Alexander ihn um Hilfe gebeten hatte. In genau der Sekunde, in der er zugestimmt hatte …
Er hatte sofort gewusst, dass es ein Fehler war. Doch was sonst hätte er tun sollen? Seinem Geliebten die Hilfe verweigern? Sich am Ende vielleicht sogar selbst die Schuld geben, weil er ihn womöglich hätte retten können? Und dass hätte er. Wenn er nur etwas schneller, etwas stärker, etwas besser-
Er schloss die Augen. Nein, das hätte er nicht. So funktionierte das nun einmal nicht.
Langsam liefen ihm die ersten Tränen über die Wangen. Er hatte vergessen, wie sehr es schmerzte, einen geliebten Menschen sterben zu sehen. Wirklich vergessen, denn das hier fühlte sich noch hundertmal schlimmer an, als er es in Erinnerung hatte. Seine Brust zog sich zusammen, er bekam keine Luft, und sein Herz schmerzte – stach, als hätte jemand es mit einem Messer durchbohrt.
Ein erstes Schluchzen entkam seiner Kehle, und er schüttelte energisch den Kopf. Nein, das durfte nicht passieren. Nicht schon wieder. Nicht so früh. Er hatte Alexander doch kaum gekannt. Sie hatten doch noch so viel mehr Zeit verdient. Mehr als die paar mickrigen Jahre, die sie erst gehabt hatten. Alexander musste doch nur- nur-
Er schluchzte erneut auf, und presste dann weiterhin seine bereits blutigen Hände auf die Wunde, die er sowieso nicht würde heilen können. Nicht stark genug. Er schüttelte wieder den Kopf. „Komm schon“, meinte er dann flehentlich, blinzelte ein paar Tränen weg, um wieder besser sehen zu können, und lachte trocken auf. „Das ist doch nur ein Kratzer, du schaffst das.“



Alecs Welt stoppte. Seine Rechnung war nicht aufgegangen. Natürlich nicht. Kindliche Naivität. Mal wieder. Wie hatte er auch nur ansatzweise annehmen können, dass das jemals-
Er sah, dass Magnus‘ Lippen sich weiter bewegten, und doch hörte er nichts. Kein Wort.
Langsam verzogen sich seine Lippen zu einem kleinen, traurigen Lächeln und er hob seine Hand, und legte sie ganze sanft an Magnus Wange, bevor er nun ebenfalls den Mund öffnete.
Er konnte genau sehen, wie Magnus‘ Augen sich geschockt weiteten, als er zum Sprechen ansetzte. „Es tut mir leid.“ Die Worte waren mehr ein Gurgeln, als irgendetwas anderes, aber selbst wenn seine Kehle nicht mit Blut gefüllt gewesen wäre, wäre es vermutlich nicht mehr als ein tonloses Krächzen geworden. Die Stimme funktionierte eben nicht mehr so gut – gar nicht –, wenn man sie Jahrelang nicht gebrauchte. Und dennoch: Diese eine Sache musste er noch los werden. Diese Worte, die er nie zuvor gesagt hatte, die zu sagen er vermutlich niemals wieder die Chance bekommen würde, und die er Magnus noch unbedingt gestehen musste. Diese eine Sache, die zu sagen er sich nie zuvor getraut hatte: „Ich liebe dich auch.“
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