Was dazwischen geschah

von Reverend
GeschichteKrimi, Romanze / P12
Alexis Castle Javier Esposito Kate Beckett Kevin Ryan Martha Rodgers Richard Castle
04.08.2017
19.07.2018
7
12.213
1
Alle Kapitel
13 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
04.08.2017 1.951
 
Hallo erstmal,
da dies meine erste Geschichte hier auf fanfiktion.de ist, möchte ich kurz etwas hierzu sagen. Schon einige Jahre lese ich hier mal hin und wieder mit, in verschiedenen Kategorien. Erst kürzlich bin ich über Castle gestolpert, nachdem ich mir lange vorgenommen hatte, die Serie zu sehen und bin vollauf begeistert. Aus diesem Grunde dieser Versuch, die 8 Staffeln noch etwas auszuschmücken, ohne die gebahnten Wege zu verlassen. Kritik in jeglicher Art ist gerne gesehen, ich möchte allerdings bereits jetzt um Verständnis bitten, dass ich keine regelmäßigen Veröffentlichungstermine nennen kann. Viel Spaß mit dem ersten Kapitel, welches noch vor der ersten Folge spielt.
____________________________________________________________________________
Prolog

Übergangslos öffneten sich die braunen Augen, ohne eine Spur morgendlicher Bettschwere zu verraten. Kurz zeigte sich eine Spur von Unruhe darüber, weshalb sie aufgewacht war, doch wenige Sekunden später verriet ihr Wecker, dass ihr untrüglicher Sinn für Pünktlichkeit mal wieder gesiegt hatte. Schnell bestätigte sie den Alarm, um dann aufzustehen und sich ins Badezimmer zu begeben. Ein heimlicher Lauscher hätte nun die üblichen Geräusche der Morgentoilette inklusive Zähneputzen, Duschen und Föhnen erhaschen können, bevor die Brünette fast genau zehn Minuten später das Bad verließ, in ein großes, weiches Handtuch gehüllt und den dunkelblauen gemusterten Pyjama über dem Arm tragend. Weich setzten die bloßen Füße, in welchen ihre langen, gebräunten Beine endeten, Schritt für Schritt auf dem Weg zurück in das kleine Schlafzimmer.

Ein kurzer, routinierter Griff in den Kleiderschrank brachte elegante, obwohl unverschnörkelte Unterwäsche hervor, gefolgt von einer weinroten Bluse. Nachdem das Ensemble durch einen dunklen Blazer und eine ebensolche Hose ergänzt war, erfolgte ein kurzer Blick in den Spiegel. Mit ihrer Kleidungswahl wie eigentlich immer zufrieden, ertappte sie sich mal wieder dabei, ihren Körper zu kritisieren. Neben den gerade einmal knapp bis zur Schulter reichenden Haaren, die ihr heute viel zu kurz vorkamen, galt ihre Kritik der ihrer Meinung nach viel zu spitzen Nase. Außerdem meinte sie erkennen zu können, dass der Stress der letzten Wochen sich in ihrem Gewicht niedergeschlagen hätte, was jeder unabhängige Beobachter direkt und unmissverständlich verneint hätte. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Frauen, welche nun zweifelnd und verzweifelt nach einer Lösung gesucht hätten, zuckte die Hochgewachsene nur mit den Schultern und wandte sich ab. Ihrer Meinung nach konnte man an Feststehendem nicht rütteln. Sich selbst genügte sie so und jemand, für den sie sich hätte verändern müssen, gab es nicht, ganz abgesehen von der Tatsache, dass sie sich nie im Leben und für niemanden unters Messer legen würde, um ihre Nase an das allgemeine Schönheitsideal anpassen zu lassen.

Sie setzte sich auf die Bettkante, um ein Paar ihrer geliebten hochhackigen Stiefel anzuziehen, welche sie noch ein Stück größer erscheinen ließen, als sie es eh schon war und somit der männlichen Kundschaft auf Augenhöhe, wenn nicht sogar darüber begegnen konnte. Noch auf der Kante sitzend erfolgte nun ein Griff an die obere Schublade des Nachttischschrankes, auf welchem noch das Buch lag, in welchem sie gestern Abend gelesen hatte, dem neuesten Werk ihres Lieblingsautors. Aus der Schublade holte sie eine edle Uhr mit schwarzem Ziffernblatt, welche nun an ihrem Handgelenk landete sowie einen schlichten Ring an einer Kette, welche sie sich um den Hals hängte, hervor. Kurz hielt sie inne, mit der beuhrten Hand an den Ring fassend, um dann mit einem fast unhörbaren Seufzer den Rest des Inhaltes der Schublade zu entnehmen und an ihrem Gürtel zu befestigen. Dies waren neben einem schwarzes Holster mit einer recht klobig wirkenden Pistole auch eine glänzenden Marke mit der leicht lesbaren Nummer „41319“.

Wenige Augenblicke später, nachdem sie sich vergewissert hatte, dass auch alle Fenster geschlossen waren, verließ die Frau ihr Apartement, schloss ab und begab sich nach unten zu ihrem Wagen. Als sie sich mit dem blauen Ford in den Verkehr einordnete, betätigte sie eine etwas versteckt befindliche Taste und nach einigen Augenblicken bestätigten ihr Summgeräusche, dass der gewünschte Effekt eingetreten war. In unregelmäßigen Abständen ertönten leicht verzerrte Stimmen, welche mit vielen Ziffern und Namen um sich warfen. Immer wenn eine Meldung mit der Zahl Zwölf begann, spitzten sich ihre Ohren, ihre Aufmerksamkeit nahm kurz zu, nur um in allen diesen Fällen auch wieder abzusacken. Schon nach kurzer Fahrt hielt sie vor einem imposanten, mit Säulen versehenen Gebäude, betätigte nach Ausschalten des Motors erneut den Schalter, was die Stimmen und das Summen augenblicklich verstummen ließ und betrat das Gebäude.

Im Eingangsbereich saß ein Uniformierter hinter einem Schalter, welcher ihr fröhlich zuwinkte und einen guten Morgen wünschte. Die frühe Besucherin erwiderte den Gruß und fragte: „Eine ruhige Nacht gehabt, Tony?“
„Ich kann nicht klagen, momentan ist ja nicht viel los, wie die Ruhe vor dem Sturm.“
„Das wollen wir ja nicht hoffen“, sagte sie, während sie in den bereitstehenden Fahrstuhl trat und eine Taste drückte. An der sich schließenden Tür vorbei rief sie noch: „Kommen Sie gut nach Hause!“ Als der Fahrstuhl sich im zweiten Stock wieder öffnete, betrat sie einen Bürobereich, welcher wie ausgestorben wirkte. Lediglich ein paar Lampen sowie das Geflacker einiger Bereitschaftsleuchten von PCs und Bildschirmen verrieten, dass sich dies in kürzester Zeit ändern könnte. Sie setzte sich an einen der Schreibtische, startete ihren PC und nahm sich einen Stapel Akten vor. Schon nach kurzer Zeit war sie so darin versunken, dass sie kaum mitbekam, wie sich die Türen des Fahrstuhles erneut öffneten und zwei Männer den Raum betraten. Erst als der dunklere von beiden einen überraschten Laut ausstieß, drehte sie sich um und betrachtete die Beiden, welche erstaunt vor dem Fahrstuhl stehengeblieben waren, dessen Türen sich nun wieder schlossen, so dass man die Aufschrift erkennen konnte: ‚NYPD 12th Precinct‘

„Beckett, was machen Sie denn schon so früh hier?“, fragte der kleinere, gefasstere von beiden.
„Das Gleiche könnte ich Sie auch fragen, Ryan. Und wie schaffen Sie es eigentlich, immer zusammen aufzutauchen?“, antwortete Detective Kate Beckett, die Leiterin des kleinen, aus ihr und den nun vor ihr stehenden Detectives Javier Esposito und Kevin Ryan bestehenden Ermittlungsteams, der ständigen Mordkommission des 12. Reviers.
„Das liegt daran, dass wir uns heute Nachmittag zusammen das Spiel ansehen wollen und deshalb pünktlich das Büro verlassen wollen. Jetzt ist es...“, Ryan schaute auf seine Armbanduhr, „zwei Minuten vor halb sieben, also können wir um drei Uhr gehen und sind rechtzeitig im Stadion.“
„Solange nichts passiert“, meinte sein Kollege und kreuzte sogleich die Finger.
„Beschreien sie es nicht, Esposito. Aber momentan ist es so ruhig, dass ich heute wahrscheinlich sogar den kompletten Aktenberg abgearbeitet bekomme“, seufzte die attraktive Brünette. Die beiden männlichen Detectives sahen einander an und hatten beide ein Zucken in den Mundwinkeln, denn ihnen war nur zu gut bekannt, was die nun schon mehrere Wochen andauernde Schreibtischarbeit für Beckett an Stress bedeutete.
Während sich Ryan nun an dem nächsten Tisch niederließ, begab sich sein Kollege in einen Nebenraum, nur um kurz darauf den Kopf durch die Tür zu stecken und zu fragen: „Kevin, Kaffee? Sie auch, Beckett?“ Obwohl die beiden sich untereinander beim Vornamen nannten, war es in der Kommunikation mit der Teamleiterin bisher immer bei den Nachnamen geblieben, auch wenn gerade Esposito nun doch schon längere Zeit mit dem jüngsten Detective des NYPD zusammenarbeitete, welche zudem eine der wenigen Frauen in einer solchen Position war. Ryan nickte nur bestätigend, während Beckett aufsah und sagte: „Jeden Morgen vergesse ich, mir Kaffee mitzubringen. Die Brühe hier ist ja fast ungenießbar. Aber sie sind einer der wenigen, die wenigstens etwas darausholen, ich nehme einen, danke.“


Derweil geschah Seltsames in einem Loft, nur wenige Fahrtminuten entfernt. Im großen Wohnbereich saß ein Mädchen mit langen, roten Haaren vor einem Haufen Bücher, schrieb etwas auf einen Block und suchte immer wieder in den Papieren herum. Sie schien dies schon länger zu machen, denn der neben ihr stehende große Becher wies nur noch Reste des ursprünglichen flüssigen Inhaltes auf. Ein Geräusch von der in den Wohnraum von oben hereinragenden Treppe ließ sie aufblicken. Mit verwuscheltem Haar und einem müden Blick schlurfte ein Mann im Bademantel die Treppe herunter, der aufgrund des sichtbaren Altersunterschiedes zwischen ihm und der Rothaarigen locker ihr Vater hätte sein können.
„N' Morgen, Alexis“, klang seine sonore Stimme durch den Raum, „bist du aus dem Bett gefallen?“
„Du weißt doch, dass ich nächste Woche eine Klausur schreibe und noch dafür lernen muss“, antwortete sie und umarmte ihn, als er neben ihr stand. „Guten Morgen Papa, möchtest du einen Kaffee?“
„Danke, mache ich mir schon selbst.“
„Brauchst du nicht, ist schon fertig“, sagte sie und schüttete ihm Kaffee in eine bereitstehende Tasse ein. Misstrauisch sah der Mann erst seine Tochter, dann den neben ihr stehenden Becher an: „Hast du etwa...?“
Glucksend antwortete sie: „Natürlich nicht, ich will doch noch keinen Kaffee trinken, das ist ein Multivitaminsaft.“
Er verzog das Gesicht: „Viel zu gesund. Warum bist du nur immer so vernünftig?“
„Irgendjemand muss ja auf dich aufpassen“, grinste sie und erntete ein ebensolches Grinsen von ihrem Gegenüber, welches allerdings nur kurz darauf jäh von einem gequälten Gesichtsausdruck abgelöst wurde, als eine schrille Stimme von der Höhe der Treppe erklang: „Juhuu, Kinder!“

„Guten Morgen, Oma!“, rief die Rothaarige, während von ihrem Vater nur ein gebrummtes „Morgen, Mutter“ kam. Trotzdem wandte auch er sich zur Treppe um, auf welcher nun eine ebenfalls rothaarige Dame erschien, welche altersmäßig gar nicht so ganz mit der Bezeichnung „Oma“ korrelierte und einen weiten, bunten Umhang trug.
„Probst du für die tanzenden Derwische?“, fragte ihr Sohn amüsiert und erhielt einen stechenden Blick von der älteren sowie einen Rippenstoß von der jüngeren Rothaarigen. „Erstens sind die Derwische Männer“, begann Alexis, „und zweitens ist das nur mein Morgengewand“, ergänzte ihre Großmutter mit zusammengekniffenen Augen.
„Ist ja schon gut, sollte nur ein kleiner Scherz sein. Ich kann ja nichts dafür, dass ihr so früh morgens schon so wach seid.“
„So früh morgens? Richard Alexander Rogers, du weißt aber schon, was heute für ein Tag ist, oder? Du hast noch einiges vorzubereiten für heute Abend, du solltest dich ranhalten!“
Bevor der Angesprochene antworten konnte, schaltete sich erneut seine Tochter ein: „Gina hat übrigens schon angerufen, sie will wohl dringend mit dir sprechen. Kann das vielleicht damit zu tun haben, dass du schon lange nichts mehr geschrieben hast?“ Das war zu viel, die geballte Kraft zweier Frauen zusammen mit der Erwähnung seiner zweiten Ex-Frau brachte den weltberühmten Schriftsteller Richard Castle dazu, sprachlos den Raum zu verlassen, um sich zunächst einmal frisch zu machen und dann erst den erzwungenen Aufgaben des Tages zu widmen.


Stunden später, das Großraumbüro hatte sich nach und nach mit zivilen und uniformierten Beamten gefüllt, auch der Revierleiter Captain Montgomery war in seinem Büro, saßen die drei Detectives der Mordkommission immer noch an ihren, zugegebenermaßen stark geschrumpften Akten. Die Mittagspause hatten sie schon hinter sich, mit ein paar belegten Brötchen aus dem hauseigenen Automaten gefüllt, während Beamte anderer Abteilungen mit schnellen Schritten den zweistöckigen Raum verließen oder vom Außeneinsatz wiederkamen. Schließlich klappte Beckett den letzten Aktendeckel zu, schaute zu den beiden Anderen herüber und meinte: „Das hatte ich noch nie, jeglicher Papierkram ist erledigt. Kann man euch noch etwas helfen?“
„Nein, danke, wir haben es auch gleich“, entgegnete Ryan und Esposito nickte zustimmend, ebenfalls an seiner letzten Akte arbeitend. „Wenn wir jetzt noch Überstunden hätten, könnten wir noch früher gehen und vor dem Spiel noch ein Bierchen trinken, aber es ist ja jetzt auch nicht mehr lang.“
Beckett nickte abwesend, sie überlegte gerade, welcher der anderen Abteilungen sie ihre Hilfe anbieten konnte. Bandenkriminalität? Drogendelikte? Raub! Die konnten immer Hilfe gebrauchen. Sie stand auf und wollte gerade zu Detective Morales herübergehen, um ihre Unterstützung anzubieten, als ihr Tischtelefon zu klingeln begann. „Beckett“, meldete sie sich, um danach aufmerksam zuzuhören. Die einzigen weiteren Worte, welche von ihr dann kamen, waren: „Wir kommen sofort“.
Sie drehte sich um, musterte die ihr zugewandten, enttäuschten Gesichter der Männer, zog die Augenbraue hoch und sagte: „Los, Jungs, wir haben einen Mord!“
Review schreiben