Of Soldiers and Secrets [Übersetzung]

von RamonaXX
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16 Slash
Captain Ronald Speirs Second Lieutenant C. Carwood Lipton
01.08.2017
16.09.2020
21
46.177
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16.09.2020 2.060
 
Original
Title: Of Friendship and Gratitude
Author: nanuk_dain
Published: 2011-09-25
Rating: Teen And Up Audiences
Words: 1,961

Übersetzung
Titel: Von Freundschaft und Dankbarkeit
Autor: RamonaXX
Veröffentlicht: 16.09.2020
Rating: P12
Wörter: 2.017


Part 18

Der Krieg war vorbei. Japan hatte kapituliert, es gab keine Notwendigkeit für sie in den Pazifik zu gehen. Alle konnten nach Hause.

Die Ruhe war allgegenwärtig, niemand konnte das wirklich glauben, traute sich, es zu glauben. Vielleicht war es das ehrliche Lächeln im Gesicht des Majors, das ihnen klarmachte, dass es wirklich wahr war. Ihre Zeit in Europa, in diesem wahnsinnigen Krieg, war zu einem Ende gekommen. Carwood schielte zu Ron, der vor Major Winters und Captain Nixon stand und konnte nicht aufhören, sich zu fragen, was geschehen würde. Ron und er hatten entschieden gemeinsam in der Army zu bleiben, aber das war vor der Kapitulation Japans gewesen, vor dem offiziellen Ende des Krieges. Nun hatte sich die Situation grundlegend verändert.

Ron erwiderte den Seitenblick, ein kurzes Spähen, dass ihm sagte, dass Ron in die gleiche Richtung gedacht hatte und irgendwie graute Carwood vor dem Gespräch, von dem er wusste, dass es früher oder später folgen würde. Er hatte schon seit längerer Zeit darüber nachgedacht, selbst bevor die Deutschen kapituliert hatten und bevor er beschlossen hatte bei den Jungs zu bleiben. Er hatte darüber nachgedacht, was er tun würde, sollte er die Army jemals verlassen. Er wollte studieren, wollte seinen Studienabschluss als Ingenieur nachholen, den er hatte aufgeben müssen, als es finanzielle Probleme Zuhause gegeben hatte, lange bevor er sich verpflichtet hatte.

Er wusste allerdings nicht, was Ron tun wollte. Er wusste nicht einmal, ob Ron die Army jemals verlassen wollte. Er war der geborene Soldat, sowie Carwood wusste, dass er selbst es nicht war. Er wollte mehr, aber genauso wollte er Ron.

Mehr als alles andere, wollte er bei Ron bleiben.

Als die Männer jubelten und sich vor Freude umarmten, gesellte Carwood sich dazu, selbst wenn ein Schatten über seiner Freude lag. Bull und Luz zogen ihn mit sich, das Baseballspiel war vergessen. Mit einem Lächeln hörte Carwood den Männern zu, wie sie Pläne machten, von dem, was sie als nächstes tun wollten. Es war gut sie so entspannt und glücklich zu sehen. Nach Hause zu gehen, war ihr größter Wunsch gewesen und jetzt hatte er sich erfüllt. Carwood war dankbar und letztlich erleichtert, dass seine Jungs endlich bekamen, was sie so lange gewollt hatten.  

Es war spät in der Nacht, bevor Carwood die Chance bekam alleine mit Ron zu sprechen. Die Jungs hatten ihn gedrängt, zu ihrer Feier mitzukommen und er war nicht in der Lage gewesen ihre enthusiastische und überschwängliche Einladung zurückzuweisen. Er hatte ihre wohlverdiente Freude kein bisschen trüben wollen. Und als er sich endlich hatte zurückziehen können, ohne Abschiedsschmerz zu verursachen, war es weit nach Mitternacht gewesen.

Er machte sich auf den Weg zu dem Teil des einstigen Hotels, wo die Offiziere einquartiert waren und schaute sich kurz um, um sicherzustellen, dass er allein war, bevor er an Rons Tür klopfte. Sie wurde umgehend geöffnet und Ron ließ ihn hinein, schloss die Tür fest hinter ihm und drehte den Schlüssel herum.

Carwood blieb wo er war, sein Rücken straffte sich und seine Kiefer knirschten nervös. Den ganzen Abend war es ihm nicht möglich gewesen den Gedanken abzustreifen, was jetzt passieren würde. Ron schaute ihn einen Moment an, dann erschien ein leichtes Stirnrunzeln auf seinem Gesicht.

„Was ist los, Car?“

„Ich...“, begann Carwood, stoppte, dann leckte er sich über die Lippen und begann von vorn. Er musste das hier richtig angehen. „Möchtest Du mit mir mitkommen?“

„Mit dir mitkommen?“ Rons Gesicht verriet nicht eine Spur und Carwood wunderte sich, wie es möglich war, dass er ihn manchmal immer noch nicht lesen konnte. „Wohin?“

„Huntington.“, sprudelte es aus Carwood heraus, bevor er darüber nachdachte, was er tat und es zurücknehmen konnte. „Ich hab daran gedacht meinen Abschluss an der Marshall University zu machen. Und zu beenden, was ich vor dem Krieg begonnen habe.“

Ron schwieg für einen Moment, seine Augen unlesbar. Es machte Carwood nur noch nervöser. Er nahm seinen ganzen Mut zusammen und fuhr fort: „Aber ich kann nicht ohne dich gehen, also habe ich gehofft, ich kann dich vielleicht überzeugen mit mir mitzukommen.“

Ron sagte für so lange Zeit nichts, dass Carwood anfing zu zappeln. Vielleicht hatte er überschätzt, was sie hatten. Vielleicht lagen die Dinge für Ron anders, jetzt da der Krieg vorüber war, jetzt da sie überlebt hatten und eine Wahl, was sie mit ihrem Leben anfangen wollten. Vielleicht wollte er in der Army bleiben. Vielleicht...

„Wir werden über England reisen müssen.“

Carwoods Kopf schreckte bei der plötzlichen Antwort hoch und er war sich nicht sicher, wie er das verstehen sollte. „Ist das ein ´ja´?“

Ein Lächeln zog an Rons Lippen, doch seine Augen waren ernst. „Ich erinnere mich, was Du auf dem Adler Horst versprochen hast, Car.“

Carwood musste den plötzlichen Kloß in seinem Hals runterschlucken. Er hatte immer angenommen, dass Ron keine Erinnerung an den Abend hatte, da er nie ein Wort darüber verloren hatte. Er war betrunken genug gewesen, dass eine Lücke in seinem Gedächtnis wahrscheinlich war und Carwood hatte nicht gewagt es anzusprechen. Aber er erinnerte sich. Erinnerte sich an Rons Nase, gegen seinen Hals gepresst. Erinnerte sich an warmen Atem, der sein Ohr berührte. Erinnerte sich an Rons sanftes Flehen, ihn niemals zu verlassen.

Erinnerte sich an sein eigenes Versprechen, dass er das niemals tun würde.

Carwood schluckte wieder, dann schaffte er es hervorzupressen: „Tust Du?“

„Ja.“ Das Lächeln auf seinen Lippen war verschwunden, er hielt Carwoods Blick fest. „Bedeutet dein Versprechen, dass, wenn ich nein sage, wenn ich entscheide beim Militär zu blieben, dass Du dann auch bleiben würdest?“

Carwood musste nicht einmal darüber nachdenken. „Ja.“

„Das ist alles, was ich wissen muss.“ Ron lächelte wieder und dieses Mal kam es von Herzen und brachte seine Augen zum Leuchten. „Nun, wie ich gesagt habe, wir müssen zuerst nach England reisen. Es gibt da Dinge, die ich organisieren muss, meine Frau und meinen Sohn betreffend.“

***

Der Krieg war vorbei. Japan hatte kapituliert, es gab keine Notwendigkeit für sie in den Pazifik zu gehen. Alle konnten nach Hause.

Luz konnte es immer noch nicht glauben. Es schien unwirklich, wie etwas, das in tausend Teile zerbrechen würde, in genau dem Moment, in dem er anfing daran zu glauben. Er schaute in die Sonne, die über den Bergen und dem See aufging und bestaunte die Schönheit des Ortes. Alles sah frisch und sauber und neu aus, und es ließ ihn sich seines leicht umnachteten Zustandes bewusst werden. Er hatte mit den Jungs die ganze Nacht durchgefeiert und erst gerade entschieden ins Bett zu gehen. Er starrte auf die hellen Farben des Sonnenaufgangs und fragte sich, wie betrunken er tatsächlich war, denn er war sich ziemlich sicher, noch nie einen so farbenfrohen Sonnenaufgang gesehen zu haben.

Nun, er hatte letzten Endes nicht nur Bier getrunken. Bier war es nur am Anfang gewesen. Vielleicht war das der Grund, warum die Welt so hell und fröhlich war. Nixon, der wahnsinnige Kerl, hatte sich an einem Punkt dazugesellt, ein paar wirklich exquisite Spirituosen mitgebracht und ihnen erklärt, dass dies die perfekte Gelegenheit sei, um mit Herrn Görings besten Flaschen anzustoßen. Sie hatten sogleich zugestimmt und sich dann alle zusammen der besagten besten Flaschen angenommen.

Es waren viele Flaschen gewesen.

Luz sog einen tiefen Zug der klaren Morgenluft in seine Lungen und es gab ihm die Illusion auszunüchtern. Er wusste, dass das technisch nicht möglich war – oder sollte er ´biologisch´ sagen, fragte er sich – aber es fühlte sich immer noch so an, als würde sein Kopf mit jedem Zug klarer werden. Na ja, abgesehen von den leuchtenden Farben, die fest an ihrem Platz blieben.

„Guten Morgen.“ Da war eine Stimme neben ihm und sie ließ ihn zusammenfahren. Er hatte niemanden sich nähern hören und als er sich umdrehte, fand er Speirs neben sich stehen und war nicht mehr so überrascht, nichts gehört zu haben. Der Mann wusste sich wie ein Schatten zu bewegen.

„Guten Morgen, Sir“, presste Luz heraus, als er seine Stimme endlich wiedergefunden und seine Atmung sich erholt hatte. Speirs hielt ihm ein Päckchen Lucky Strikes hin, ein neues, ungeöffnetes Päckchen, das in gutem Zustand war. Alles klar, vielleicht war Luz doch mehr betrunken, als er gedacht hatte und das hier war eine Geistererscheinung. Oder ein schlechtes Omen. Es konnte auch ein Traum sein, der ihn über seinen bevorstehenden Tod informierte. Luz starrte auf das Päckchen, als würde es ihn jeden Moment beißen.

Speirs schmunzelte in der Tat, was Luz davon überzeugte, dass es auf jeden Fall ein Traum war. „Ich habe nicht vor Sie zu töten, Luz.“

Luz konnte nicht anders als leicht beschämt zu sein, dass Speirs erraten hatte, was sein Gedanke gewesen war und um zu beweisen, dass er keine Angst hatte, griff er nach dem Päckchen und nahm es an sich. Egal ob ein Traum oder Realität, er war kein Feigling.

Speirs’ Hand fiel zurück an seine Seite und er schaute über den See. „Betrachten Sie es als ein Dankeschön.“

Luz schaute auf das Päckchen Zigaretten in seiner Hand und fragte sich, ob er gerade sein Todesurteil unterschrieben hatte. „Dankeschön für was, Sir?“

Speirs drehte den Kopf und sah ihn an bis Luz schließlich seinen Blick erwiderte. „Für das Augenöffnen bei einem Freund.“

Luz runzelte verwirrt die Stirn. Er verstand nicht worauf Speirs sich bezog. Sein Hirn arbeitete momentan sowieso nicht richtig, aber Luz gab sein Bestes herauszufinden, über wen und was Speirs sprach.

Speirs beobachtete ihn für einen Augenblick, als wüsste er genau, dass Luz ihm nicht folgen konnte. Dann sagte er in gedämpftem Ton: „Ich nehme an, dass Sie den Second Lieutenant zu Ihren Freunden zählen.“

Plötzlich verstand Luz und konnte ein Kichern nicht unterdrücken. Also lief da wirklich etwas, zwischen Lip und dem Captain. Es war nicht bloß seine Einbildung gewesen. Es war der Alkohol, der sich noch in seinem Blutkreislauf befand, der ihn vorlaut machte, und so sagte er mit einer leichten Verbeugung: „Gern Geschehen, Sir.“

Speirs neigte nur den Kopf und wandte sich zum Gehen. Seltsame Erscheinung, dachte Luz. Sie hatte nicht einmal versucht ihn zu töten, und war es nicht das, wozu eine Speirs-Illusion da war?

„Captain?“ Luz entschied alle Vorsicht in den Wind zu schlagen und noch kühner zu sein, als er es ohnehin schon war. Er musste einfach seine Neugier befriedigen. „Was werden Sie jetzt tun?“

Speirs stoppte, und trotz des Nebels aus Trunkenheit, wurde Luz ein bisschen nervös, als der Captain sich langsam umdrehte. Wenn Speirs ihn töten würde, dann würde er es gesichert jetzt tun. Erscheinung oder nicht.

Eine von Speirs’ Augenbrauen war angehoben, aber es schien mehr aus Verwunderung zu sein, denn eine Bedrohung und zu Luz’ Überraschung, beantwortete er die Frage sogar: „Ich werde nach Huntington ziehen.“

Huntington. Lips Heimatstadt. Luz brauchte einen Moment, dann grinste er. „Gute Wahl, Sir. Ich habe gehört, es ist dort sehr schön im Herbst.“

Speirs erwiderte das Grinsen tatsächlich und für einen Augenblick konnte Luz nicht anders, als es ziemlich unheimlich zu finden. „Ich habe gehört, es ist dort das ganze Jahr wunderschön.“

Luz lachte, überrascht von der Offenheit des Captains. Also fand Speirs Lip wunderschön. Das war etwas, mit dem er Lip gnadenlos würde aufziehen können, aber er wusste, er würde es niemals tun. „Ich nehme an, dass liegt im Auge des Betrachters.“

„Das tut es.“ Speirs schmunzelte, dann ruckte er mit dem Kopf zum Hotelgebäude hinter ihnen. „Jetzt ab ins Bett und schlafen Sie den Alkohol aus, den Sie getrunken haben.“

Luz stand für einen weiteren Moment, wo er war und war erstaunt, was seinem trunkenen Geist einfiel. Dann entscheid er, dass er sein Glück genug herausgefordert hatte, für ein Treffen mit dem wahnsinnigen Speirs, egal ob er real oder eine Erscheinung war. Er machte einen ziemlich laxen, salutierenden Gruß und machte sich auf den Weg zum Hotel; mehr als sonst darauf achtend, wo er seine Füße hinsetzte. Als er einige Stunden später erwachte, mit dem miesesten Kater, den er jemals erlebt hatte, war es einzig das ungeöffnete, tadellose Päckchen Lucky Strikes in seiner Brusttasche, das Luz klarmachte, dass die Begegnung mit Speirs kein Traum gewesen war.

Da niemand ihm jemals glauben würde, dass der Captain sich tatsächlich bei ihm dafür bedankt hatte, ihn mit Lip verkuppelt zu haben, erwähnte Luz niemals ein Wort zu irgendwem.
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