Mitten in mein Herz

von Lady0409
OneshotDrama, Familie / P12
30.07.2017
30.07.2017
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Mitten in mein Herz


Dr. Lea Peters wurde Mutter eines kleinen Sohnes - Tim heißt er und ist ihr ganzer Stolz. Doch sie hat sich entschieden, ihren Jungen ihrem Ex-Freund zu überlassen. Oder wird Lea ihrenTim doch behalten?


Das einzige Kapitel



Lea hatte es geschafft – ihr kleiner Sohn Tim war endlich auf der Welt und erfreute immer wieder ihr Herz, wenn sie in seine babyblauen Augen sah. Auch, wenn sie es erst nicht geschafft hatte, ihren kleinen Sohn zu lieben. Doch jetzt, als der kleine Tim ihr das erste Mal in die Augen gesehen hatte, als sie das erste Mal sein zartes Stimmchen gehört hatte, da wusste die Ärztin, dass sie dieses zarte Wesen nie wieder weggeben könnte.

„Ich liebe dich…“, flüsterte die Ärztin in einem von Kollegen und Krankenschwestern unbeobachteten Moment ihrem kleinen Sohn ins kleine Öhrchen. „Ich werde immer für dich da sein.“

Plötzlich öffnete sich die Tür und Jenne betrat das Krankenhauszimmer, das sich auf der Gynäkologie befand.
„Hallo Lea…“ Mit vorsichtigen Schritten trat Jenne ans Bett seiner Ex-Freundin und ließ seinen Blick nicht von seiner Freundin und ihrem gemeinsamen Sohn. „Er ist so wunderschön.“
„Ja… Und er ist vor allem dein Sohn. Wann holst du ihn ab?“, fragte Lea mit einem Unterton, der ihr große Herzschmerzen brachte. Sie konnte es nicht glauben, warum sie so kaltherzig sein konnte und ihr Kind weggeben wollte.

Jenne seufzte beim Anblick ihres Sohnes und hoffte, Lea würde es sich noch anders entscheiden, dass sie eine Familie blieben. Sie sah so wunderschön mit ihrem kleinen Sohn aus. So ein wunderbares Baby, das Lea vor einer guten Woche auf die Welt gebracht hatte.

„Ich hab gehört, ihr werdet bald entlassen.“, durchbrach der Handwerker wieder das peinliche Schweigen, während Lea ihren kleinen Sohn an ihrem Daumen nuckeln ließ.
„Wenn bei der Vorsorgeuntersuchung des Kleinen alles in Ordnung ist.“, gab Lea gefühllos zurück und Jenne nahm ihr den Säugling aus dem Arm. „Schön, dass ihr gesund seid. Ich hatte große Angst, als Schwester Arzu plötzlich sagte, dass du in den OP gebracht wirst…“
„Ich hatte einfach Panik… vor einer natürlichen Geburt, Jenne. Es hätte sonst was passieren können; während der Geburt.“, gab Lea als Antwort und Jenne verlor alle Hoffnung, dass Lea vielleicht doch noch ihr Baby behalten wollte.

„Ich hoffe, dass es der Kleine bei dir gut hat.“, seufzte Lea und streichelte dem kleinen Tim über den Kopf, während sie traurig daran dachte, ihren Sohn nicht mehr lange zu sehen. Sie wusste, dass sie einen riesen Fehler machte, wenn sie Jenne den Kleinen mitnahm.
Aber was sollte sie, die erfolgreiche Ärztin, die vielbeschäftigte Neurochirurgin, mit einem Säugling, der sie den ganzen Tag brauchte?

Klar – Oberschwester Arzu, die Lea heute Morgen den Kleinen aus dem Neugeborenenzimmer gebracht hatte und ihr noch einmal ins Gewissen redete, um Lea davon zu überzeugen, den Kleinen selbst großzuziehen – die hatte zwei Kinder. Aber sie hatte ja auch ihren Mann Philipp und die Babysitterin Franzi Wilde, die sich um Oskar, Max und die kleine Pauline kümmerten.

„Ich werde mich immer um unseren Kleinen kümmern, Lea. Mach dir keine Sorgen.“, versprach Jenne und gab Lea den kleinen Tim wieder in den Arm. „Aber kannst du dir denn wirklich nicht vorstellen, den Kleinen selbst großzuziehen? Er braucht doch seine Mutter…“, flüsterte Jenne, doch Lea schüttelte den Kopf und erwiderte, sie wäre keine gute Mutter.


„Aber… Lea, ich kann mir vorstellen, dass du momentan noch Angst hast, dich um den Kleinen zu kümmern. Aber du wirst in die Aufgabe hereinwachsen. Eines Tages wirst du dich… Eines Tages wirst du dir ganz bestimmt eine andere Entscheidung herbeiwünschen, wenn du mir den kleinen Jungen jetzt mitgibst…“
„Erst muss er sowieso noch einmal zum Kinderarzt. Die U2 steht an. Und dann kannst du ihn mitnehmen, Jenne. … Ich weiß doch selbst nicht mehr, ob es wirklich die richtige Entscheidung ist, den Jungen wegzugeben. Aber ich habe Angst. Ich habe Angst vor der Zeit, wenn… Wenn ich eine falsche Entscheidung treffe!“

„Du wirst eine falsche Entscheidung treffen! Wenn du mir den Kleinen mitgibst. Eines Tages wird unser Sohn wissen wollen, wer seine Mutter ist… Und was soll ich ihm dann antworten? Hä? Was soll ich unserem Kind sagen, wenn er nach seiner leiblichen Mutter fragt? Dass du ihn nicht haben wolltest, weil du lieber deinem Job nachgehst? Dass er dir völlig egal war? … Lea, ich kann mir vorstellen, dass du jetzt noch Angst hast. Aber du wirst eine ganz wunderbare Mutter sein. Eine Mutter, die sich liebevoll um ihr Kind kümmern kann, wenn sie Liebe zulässt…“

„Lass uns jetzt bitte in Ruhe, Jenne. Ich will nicht unbedingt, dass… Dass der Kleine zu viel Stress hat. Das könnte das Untersuchungsergebnis verfälschen.“, erklärte Lea und schickte Jenne somit aus dem Zimmer.
Der Handwerker gab seiner Liebsten ihren gemeinsamen Sohn in den Arm und er verließ das Zimmer der Ärztin. Doch bevor er die Tür hinter sich schloss, schaute er noch einmal ins Zimmer und sagte: „Lea, du machst einen riesen Fehler, wenn du ihn weggibst. Er wird dich eines Tages fragen, warum du ihn nicht haben wolltest. Bitte behalte unseren kleinen Sohn; er braucht dich doch. Du bist seine Mutter; du hast eine verdammte Verantwortung für ihn!“



Knapp zwei Stunden später war die U2 dran und Lea trug ihren kleinen Sohn selbst auf die Kinderstation, wo schon der Arzt auf den kleinen Patienten wartete.

„Ah, da ist ja schon der kleine Tim Peters… Ein süßer kleiner Wonneproppen…“
„Mein Sohn hat Normalgewicht!“, fuhr Lea den Kinderarzt an, während sie ihren Sohn auszog und auf die Untersuchungsliege legte. „Er ist kerngesund…“

„Das schauen wir uns mal an.“, erklärte der Kinderarzt und nachdem Lea vorsichtig den hellblauen Strampler ihres Sohnes ausgezogen hatte, führte der Arzt mehrere Untersuchungen bei dem kleinen Jungen durch.

„Ja, du bist ein ganz wunderbarer Patient. Und da sagt man, dass Ärzte schwierige Patienten sind. Das hat ihr kleiner Sohn aber sicherlich noch nicht gehört.“, erkannte Dr. Fischer und er wandte sich, nachdem die ersten Untersuchungen abgeschlossen waren, an Schwester Ulrike, die ebenfalls im Zimmer war: „Wir nehmen dem kleinen Peters noch ein wenig Blut ab. … Frau Kollegin, wollen sie bei ihrem Sohn die Blutabnahme erledigen?“

„Machen sie das ruhig, Herr Kollege. Sie können das sicher genauso gut. Da muss ich mich nicht noch drum kümmern.“, wehrte Lea den Vorschlag des Kinderarztes ab und setzte sich auf den Stuhl am Schreibtisch, während Schwester Ulrike zwei kleine Blutröhrchen und eine kleine Nadel, die allerdings neben dem kurzen Arm von Tim riesengroß aussahen, aus dem Schrank nahm.
„Sie können es sich noch überlegen, Frau Dr. Peters. Noch haben wir ihren kleinen Sohn nicht für die Abnahme vorbereitet…“, wandte sich Dr. Fischer noch einmal an die Kollegin, doch Lea, die bereits ein wenig blass war, schüttelte abwehrend den Kopf und erklärte mit ernster Stimme: „Nehmen sie ruhig bei dem Kleinen das Blut ab. Ich bin dafür wohl nicht geeignet. Bei meinen Patienten… gerne. Aber nicht bei diesem Kind!“

„Haben sie jetzt doch Gefühle für ihr Baby?“, fragte Ulrike, doch Lea schüttelte den Kopf und erwiderte: „Nein… Nein, natürlich habe ich keine Gefühle für das Baby. Aber… Ich muss es ja nicht unbedingt übertreiben… Dr. Fischer kann genauso gut die Blutabnahme durchführen…“

Dr. Fischer zuckte kurz mit den Schultern und öffnete die Plasteverpackung der Kanüle, bevor er vorsichtig in Tims Arm stach und der kleine Junge wie verrückt zu schreien begann.
„Ja, du hast es gleich hinter dir, ist gleich vorbei… Ja, es ist gleich vorbei. … Frau Kollegin… Das ist ihr Baby, das hier so schreit. … Kommen sie doch bitte her und beruhigen sie ihren kleinen Sohn. Er braucht die Nähe zu seiner Mutter…“, bat Dr. Fischer und Lea kam näher.
Sie sah ihren weinenden kleinen Jungen vor sich; sah die große Nadel in der Hand des Kinderarztes, der die Kanüle zur Vorsicht wieder aus Tims Arm gezogen hatte. „Er braucht seine Mutter nicht.“, wusste Lea, doch als sie ihren kleinen Sohn wie hypnotisiert auf den Arm nahm und beruhigend schaukelte, beruhigte sich das Baby wieder und schlief ein.

„Sehen sie, Frau Dr. Peters. Er hat ihre Nähe gebraucht. Sie müssen ihren kleinen Jungen jetzt nur kurz auf dem Arm behalten; bis wir die Nadel in sein Ärmchen gepiekst haben. Dann können sie den Kleinen wieder auf die Liege legen.“, lächelte der Kinderarzt der Kollegin zu, doch Lea schüttelte den Kopf, legte ihren kleinen Sohn wieder auf die Untersuchungsliege und nahm dem Kollegen anschließend die Nadel aus der Hand.

„Wenn sie mich an den Kleinen ran lassen, dann könnte ich das schnell machen…“, gab sie ihrem Kollegen eine unterschwellige Anweisung zum Verschwinden und der Kinderarzt lächelte.

„Sehen sie, Frau Kollegin. Ich habe ihnen doch gesagt, dass sie ihren Sohn lieben. … Schwester Ulrike, können sie Dr. Peters anschließend beim Anziehen des Kleinen helfen. … Ansonsten ist alles mit dem kleinen Jungen in Ordnung. Ich fülle schnell den Bericht für den neuen Kinderarzt des Kleinen aus und bringe das Untersuchungsheft dann zu ihnen aufs Zimmer.“

Vorsichtig nahm Lea ihrem kleinen Sohn Tropfen für Tropfen Blut aus dem Handrücken aus und wie zum Hohn blieb der Junge diesmal ruhig liegen und ließ die Untersuchung über sich entgehen. Lea musste sich ab und an eine Träne aus dem Gesicht wischen, denn sie wollte noch immer verhindern, dass jemand etwas von ihren aufkeimenden Muttergefühlen bemerkte.

„Sehen sie… Sie haben ihren Sohn doch gerne.“, erkannte Ulrike erfreut, doch Lea gab ihr wortlos die Blutröhrchen in die Hand. „Bringen sie das bitte ins Labor. Und machen sie dort unten ein bisschen Druck; Dr. Fischer braucht die Ergebnisse möglichst rasch.“

„Aber der Kleine ist ein kerngesundes Kerlchen…“ „Mit Verlaub: Sie sind keine Kinderärztin.“, erhob Lea der Krankenschwester gegenüber das Wort, während sie nach der Blutabnahme ihren kleinen Sohn wieder anzog und anschließend vorsichtig auf ihren Arm hob.


Einen Tag später, es war ein sehr heißer Sommertag, holte Jenne seinen kleinen Sohn Tim aus der Klinik ab. Von Lea hatte er am Morgen erst die SMS bekommen, dass der kleine Junge nun abgeholt werden könne.

„Hallo Lea… Hast du es dir nicht noch einmal anders überle…“ „Die Schwestern haben den Kleinen frisch gewickelt; du hast jetzt ein paar Stunden erst einmal Ruhe. Gefüttert hat ihn die Schwester auch schon. Ich wünsche dir eine schöne Zeit. Und pass auf ihn auf.“

Gefühlskalt drückte Lea ihrem Ex-Freund die Babytragetasche, in der der kleine Tim lag, in die Hand und deutete ihm den Weg nach draußen.

„Aber… Lea, er ist doch unser Sohn. Bitte, lass uns noch einmal…“ Doch Lea deutete Jenne noch einmal, er solle mit dem Kleinen jetzt gehen. „Es ist besser so, glaub mir. Vor allem für ihn wird es besser. Erzähl´ ihm später, was du willst. Sag ihm von mir aus, dass seine Mutter tot ist. Aber er wird sowieso nicht an mich denken.“
„Gut… Danke, Lea. Aber eines Tages wird unser kleiner Sohn seine leibliche Mutter kennen lernen wollen. Und ich werde es ihm nicht verbieten.“, gab Jenne noch einmal zur Antwort und verließ mit der Babytragetasche das Zimmer.


Lea blickte ihm noch lange hinterher, bevor ihr in den Sinn kam, was sie gerade getan hatte. Hatte sie wirklich gerade dafür gesorgt, dass sie ihren geliebten kleinen Sohn nie wieder sehen konnte? Hatte sie Jenne und ihrem kleinen Tim wirklich den Laufpass gegeben?
Wie hypnotisiert rannte die Neurochirurgin aus ihrem Zimmer und versuchte, ihre Entscheidung wieder rückgängig zu machen.

„Jenne! Jenne! Warte bitte! JENNE! WARTE!“, rief Lea verzweifelt hinterher, als sie auf dem Gang vor ihrem Zimmer stand. Doch sie sah nur noch, wie sich der Fahrstuhl schloss und weinte. Sie ließ alles aus sich heraus und weinte, während sie sich an der Wand hinter sich auf den Boden sinken ließ.
„Ich… Ich will den Kleinen doch… Er ist doch mein Sohn…“, weinte die Ärztin und versteckte ihre Tränen vor ihren Kollegen, die an ihr vorbeiliefen.

„Und er wird immer bei dir sein.“, erklang Jennes Stimme hinter Lea und die Ärztin schluckte. „Jenne… Jenne, was… Du bist doch… zum Fahrstuhl gegangen.“

„Nein, bin ich nicht. Ich habe mich versteckt, Lea. Weißt du, ich habe gehofft, dass du dich noch für unseren Sohn entscheidest. Ich habe mit Schwester Ulrike gesprochen, bevor ich zu dir kam. und sie hat mir erzählt, wie du dich um den Kleinen gekümmert hast, als er zu seiner Untersuchung gehen musste. … Lea, sei doch endlich ehrlich zu dir. Du liebst unseren Sohn doch.“

Jenne legte der weinenden Lea den kleinen Tim in den Arm und sie hielt den Kleinen fest an ihr Herz gedrückt.

„Ich werde dich niemals alleine lassen, mein Junge. Du bist mein Sohn. Ich werde dich niemals wieder weggeben…“, schluchzte sie und drückte ihren Sohn fest an ihre Brust, wo das Geräusch ihres schlagenden Herzens den weinenden Jungen sofort beruhigte.


Ende
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