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Robert

von ViJay
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteAngst, Tragödie / P12 / Gen
Claire Underwood Edward Meechum Francis "Frank" Underwood Peter Russo Zoe Barnes
30.07.2017
30.07.2017
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Moin!
Wie bei meiner letzten Geschichte zu Francis entschuldige ich mich für OOC - Verhalten. Ich habe aber lange nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich ihn nicht für einen bösen oder wirklich machthungrigen Charakter halte. Das auch, ja, aber vor allem hatte ich besonders jetzt in dieser Staffel, bei seinen Träumen im Krankenbett, den Eindruck, dass er ein sehr trauriger und gebrochener Mann ist. Jemand, der eigentlich danach schreit, aufgehalten zu werden. Zumindest im Unterbewusstsein. (Und dass Kevin Spacey das rüberbringt, zeugt schon von seiner schauspielerischen Genialität und einem großartigen Drehbuchautoren, aber das nur am Rande...)
Viel Spaß beim Lesen!
(Die Story wurde übrigens im September 2016 geschrieben. Bin leider jetzt erst zum Überarbeiten und Hochladen gekommen.)


Robert

Als Frank seine Augen öffnete, hatte er das unbeschreibliche Gefühl über sich zu schweben. Er sah sich selbst beim Aufwachen zu. Wie er langsam seine Finger und Augenlider bewegte. Langsam anders atmete, langsam wieder ein Mensch wurde, der diesen Namen auch verdiente. Plötzlich wusste er, wie er sich fühlte. Er fühlte sich wie nicht verdaut und wieder ausgekotzt.
Er befand sich in seinem Körper. Es wurde dunkel, da seine Augenlider geschlossen waren. Es war gut jede Bewegung zu analysieren. Sein Körper fühlte sich an wie in Watte, wie betäubt. Frank wollte etwas sagen. Was er sah, waren Buchstaben, die Worte bildeten, die seinen Körper verließen.
Mit voller Wucht wurde ihm klar, dass er eine Vision hatte. Eine Wahnvorstellung. Er war vermutlich dabei komplett meschugge zu werden. Das konnte doch nicht real sein.
Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika hatte Angst in einem Koma zu liegen. Das war doch Unsinn; ihm war diese Frage doch bewusst. Er war sich seiner Selbst doch so sicher. Aber wer sagte, dass diese Menschen nicht wussten, was mit ihnen passierte?
Frank zählte bis drei und öffnete bei zwei blitzschnell seine Augen. Er befand sich in einem Krankenhauszimmer. Gehörte er hier hin? Das letzte woran er sich erinnerte, waren die Gesichter in der Menge. Ein Gespräch. Er hatte mit jemandem reden wollen. Ausgerechnet er. Aber das gehörte dazu. Es war einfach so. Ein Schuss. Er ging zu Boden. Dann nichts mehr.
Er konnte sich bewegen. Ein gutes Zeichen, oder nicht? Langsam hob der Präsident den Kopf und versuchte mehr von diesem Raum zu erkennen. Er war so unerträglich hell, dass Frank die Augen ein wenig zusammenkneifen musste.
Claire saß auf einem Stuhl, schlafend, und er versuchte mehr zu erkennen. Sich bemerkbar zu machen. Seine Stimme gehorchte ihm nicht. Er konnte seine Lippen bewegen, doch kein Laut verließ sie.
Irgendwann hatten sich seine Augen an das grelle Licht gewöhnt und er sah auf dem Boden ein kleines Kind. Es spielte mit Bauklötzen; baute einen hohen Turm, um diesen wieder zu zerstören. Sobald Frank einen Fokus auf den Jungen richten wollte, verschwamm er. Als wäre er gar nicht da.
Meechum saß neben ihm, zu Füßen Claires, und spielte mit. Hielt ihm die Holzwürfel hin und half ihm von neuem einen kleinen Turm zu stabilisieren.
Dies hier war keine Vision; es war ein Alptraum.

Als die Nebel des Waldes sich endlich lichteten und grau zu grün wurde, sah er Claire in einer schwarzen Limousine sitzen. Sie war fast in greifbarer Nähe und Frank versuchte zu ihr zu gelangen. Sie würde ihm helfen, endlich aufzuwachen. Doch er konnte es nicht, seine Beine trugen ihn nicht wie sie es eigentlich sollten.
Plötzlich stand neben dem Wagen ein junger Mann, der ihm wage bekannt vorkam. Hatte er ihn schon einmal getroffen? Er schaute ihn an und stieg zu Claire. Die Tür schlug zu und der Wagen fuhr los. Ohne ihn.

Nachdem Zoe Barnes und Peter Russo endlich verschwunden waren, befand Frank sich immer noch nicht allein im Oval Office. Sie machten wieder dem jungen Mann Platz, der ihm nun gegenüber saß. Stumm schauten sie sich an.
Frank wurde klar, was ihn an seinem Gegenüber störte. Er sah nicht aus wie sein Vater, wie Frank zuerst gedacht hatte. Er sah aus wie er selbst, wie Frank Underwood Junior.
Das war es; das stand immer noch zwischen ihm und Claire. Sie hatte ihn einmal Robert genannt. In einem Anflug von Sentimentalität. Er hatte es eigentlich vergessen, doch nun fiel es ihm wieder ein.
Sie schauten sich weiterhin an und Frank ergriff mit einem mal das Wort: „Ich hasse keine Kinder. Zumindest nicht dich. Aber ich habe nie wie mein Vater sein wollen. Ich hatte immer das Gefühl nicht gut genug zu sein. Gerade ein Kind sollte geliebt werden und das hätte ich nicht tun können. Nicht so, wie du es verdient hättest. Ich hätte versagt und ich versage niemals.“
Robert kam näher, immer näher, unerträglich nah: „Aber genau dieser Gedanke macht dich doch zu einem guten Vater.“
Sein Sohn hob den Blick und küsste ihn zärtlich auf die Wange.
Frank schloss automatisch die Augen und als er sie wieder öffnete saß er Claire allein gegenüber. Durch die Fenster des Oval Office fiel nun Licht, nicht zu hell und nicht zu dunkel. Es war gerade richtig, um ihn schlucken zu lassen.
Das war es. Das war es, was immer zwischen ihnen stand und immer zwischen ihnen stehen würde. Das sie, zumindest teilweise, in die Arme von Yates getrieben hatte. Der stumme Vorwurf, der gar keiner war, weil sie genau wie er gehandelt hätte.
Aber eine Frage blieb.
Was wäre, wenn...

Als Frank die Augen öffnete, konnte er nur mit Mühe atmen. Ein Schlauch hing zwischen seinen Lippen und brachte ihn zum Würgen. Fast schon routiniert unterdrückte er den Anflug von irrationaler Panik. Jemand war schon dabei ihm zu helfen. Ein mieses Gefühl.

Mit seinen Augen suchte er Claire. Er wusste, dass sie im Raum war und er entdeckte sie am anderen Ende des Zimmers.
Mit einem Mal kehrte der Schmerz zurück, aber auch die Heilung. Erst zusammen ergaben sie ein Ganzes. Bei ihr war das anders. Sie war stark, auch ohne ihn. Aber ohne sie war er nichts.
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