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Was ich dir noch sagen wollte...

GeschichteLiebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Akashi Seijūro Midorima Shintarō
30.07.2017
30.07.2017
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Ich bin in meinen Ferien ohne Internet endlich wieder ordentlich zum Schreiben gekommen und dabei hat mein Gehirn eben auch diesen One Shot ausgespuckt. Ich war am Überlegen, ob ich noch einen Lemon dazuschreibe, habe es schlussendlich aber gelassen. Wenn allerdings der Wunsch besteht könnte ich die Story später noch um ebenjenen ergänzen ;)

Viel Spaß beim Lesen!
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Was ich dir noch sagen wollte…

Es war später Nachmittag als Midorima Shintarou die Universitätsbibliothek verließ. Seine Materialien sowie die drei Bücher, die er für seine nächste Hausarbeit ausgeliehen hatte, hatte er ordentlich in seiner Tasche verstaut. Der 21jährige war ein gewissenhafter Student und kein Tag endete ohne dass er nicht mindestens zwei Stunden über seinen Büchern saß und den Stoff wiederholte oder sich auf die nächste Prüfung vorbereitete. Und normalerweise führte sein Weg direkt von der Universität in die kleine Zweizimmerwohnung, die er allein bewohnte.
Heute allerdings stieg er drei Haltestellen eher aus und lenkte seine Schritte in Richtung Innenstadt. Mit kritischem Blick musterte der Grünhaarige die Schaufenster, an denen er vorbeiging. Er war auf der Suche nach einer ganz bestimmten Kette, einem Geschenk für seine Schwester, die sich das Schmuckstück so offensichtlich begeistert angeschaut hatte, dass es eher einem Wink mit dem Zaunspfahl als einer subtilen Andeutung geglichen hatte. Leise seufzend schloss Midorima die Augen. Manchmal wünschte er könne ebenso offensiv und direkt mit seinen Wünschen und Gefühlen sein. Es gab eine Menge Dinge, bei denen er bereute sie nicht ausgesprochen zu haben. „Ich liebe dich“ war eines davon.

Erschrocken riss der Brillenträger die Augen wieder auf als er gegen etwas prallte und das Gleichgewicht verlor. Fast wäre er gestürzt, aber gerade noch rechtzeitig griff eine Hand nach seinem Arm und zog ihn wieder auf die Füße.
„Du solltest vorsichtiger sein, Shintarou.“
Erschrocken sah er auf, nur um sich Akashi Seijuro gegenüber zu sehen. Die hellroten Haare und Augen seines ehemaligen Basketball-Captains waren unverkennbar.
„Akashi?“, fragte er dennoch, nur um irgendwas zu sagen und den Anderen nicht nur anzustarren.
Der Kleinere lächelte.
„Ja, Akashi Seijuro. Es ist schön dich wiederzusehen, Shintarou. Was treibt dich hierher? Du sahst aus als seist du in Gedanken?“
Midorima wandte seinen Blick wieder dem Schaufenster neben sich zu und stellte fest, dass er genau vor dem richtigen Laden gelandet war.
„Ich wollte ein Geschenk für meine Schwester kaufen. Sie hat nächste Woche Geburtstag. Aber mir scheint ich habe gefunden was ich gesucht habe. Es tut mir leid dich aufgehalten zu haben.“
Er verneigte sich leicht und verschwand schnell in dem Laden. Es war keine besonders höfliche Art sich zu verabschieden, aber wenn er noch länger vor dem Rothaarigen stand würde er noch irgendeine Dummheit begehen.

Vor dem Geschäft seufzte Akashi, aber sein Lächeln blieb ungetrübt.
„Ach, Shintarou, warum musst du es mir immer so schwer machen?“, murmelte er während er sich an die Wand neben der Ladentür lehnte.
Da traf man schonmal einen alten Freund, den man seit Jahren nicht gesehen hatte und dann musste der natürlich bei der erstbesten Gelegenheit sofort die Flucht ergreifen. Denn dass der Grünhaarige geflüchtet war, das war dem Rothaarigen auch ohne sein Emperor Eye klar. Er konnte sich denken warum. Es war noch nie Midorimas Art gewesen offen und ehrlich zu seinen Emotionen zu stehen. Meist hatte er sie hinter einer Maske der Verärgerung verborgen und nur ein aufmerksamer Beobachter oder jemand, der ihn gut kannte, sah seine wahren Gefühle. Akashi war beides. Er hatte die Mimik des Größeren bis ins Detail studiert, wusste wann dieser Besorgnis oder Peinlichkeit zu verstecken suchte. Und trotz der Spiegelung in seiner Brille hatte er den fast schon ängstlichen Ausdruck gesehen, der für einen Moment durch die grünen Augen gezuckt war. Wahrscheinlich war es wieder einmal die Angst sich den eigenen Gefühlen zu stellen, die Shintarou dazu trieb zu fliehen und die ihn seine guten Manieren vergessen ließ.
Akashi hatte bereits früh festgestellt, dass der Grünhaarige von einer Sorge getrieben wurde, die er selbst nur für einen winzigen Augenblick in seinem Leben gehabt hatte: Er fürchtete die Erwartungen der Anderen nicht erfüllen zu können, nicht gut genug zu sein, was dazu führte, dass er seine Ansprüche an sich selbst ständig in die Höhe trieb, sich ständig an Besseren maß. Aber eben auch dazu, dass er seine Emotionen als eine Schwäche ansah.
Jahrelang hatte Akashi versucht ihn dazu zu bringen ehrlich zu sich zu sein und überraschenderweise hatte der Größere sich ihm geöffnet, doch all diese Mühen waren zerschlagen worden als sich das zweite Ich des Rothaarigen die Kontrolle erkämpft hatte. Und dann, nachdem er nach dem Wintercup in ihrem ersten Highschool-Jahr wieder normal geworden war, war es nie wieder so gewesen wie vorher. Midorima hatte sich langsam immer mehr von ihm entfernt und Akashi hatte es zugelassen, hatte sich gedacht, dass der Größere nur etwas Zeit für sich brauchte und er ihn notfalls immer wiederfinden würde.
Aber Shintarou war nicht zu ihm zurückgekehrt und jetzt stand er, Akashi Seijuro, hier vor einem Laden wie bestellt und nicht abgeholt, um die letzte Chance zu nutzen, die ihm vermutlich noch blieb. Vorhin hatte er für einen winzigen Moment eine Verletzlichkeit in den Zügen des Anderen gesehen, die ihm Hoffnung gemacht hatte, dass es noch nicht zu spät war.

Midorima zuckte zusammen als Akashi sich von der Wand abstieß und wieder auf ihn zukam, sobald der Grünhaarige das Geschäft verließ.
„Was tust du noch hier?“, fragte er, vielleicht ein wenig harscher als beabsichtigt, aber der Kleinere ließ sich nicht aus dem Konzept bringen.
„Ich würde dich gern auf einen Kaffee einladen, wenn dir das recht ist.“
Sein Tonfall ließ keinen Widerspruch zu und für einen Moment fühlte der Andere sich an ihre erste Begegnung erinnert.
„Wo willst du hingehen?“

Es war Midorima sichtlich unangenehm hier zu sein, in dem kleinen aber teuren Café, wo er und Akashi sich an einem Zweiertisch am Fenster des sonst menschenleeren Obergeschosses gegenüber saßen, auch wenn er sein Bestes gab sein Pokerface beizubehalten. Sie hatten sich jeder einen Tee bestellt und fasziniert beobachtete der Rothaarige wie Shintarous schlanke Finger nervös mit dem kleinen Zuckerlöffel spielten, während er darauf zu warten schien, dass der Kleinere das Schweigen brach.
„Was tust du jetzt da du mit der Schule fertig bist? Ich nehme an du studierst?“
Smalltalk war immer gut, um ein schwieriges Gespräch zu beginnen – mal abgesehen davon, dass es ihn auch wirklich interessierte.
„Ich studiere Medizin im vierten Semester.“
Mehr sagte er nicht während sein Blick unruhig hin und her huschte und nichts so richtig fixierte, vor allem nicht den jungen Mann, der ihm gegenüber saß. Dieser seufzte und nahm einen Schluck von seinem Tee. Eigentlich hatte er nicht vorgehabt direkt mit der Tür ins Haus zu fallen, aber er hatte kaum eine Wahl. Also fixierte er den Grünhaarigen mit seinem Blick während er seinen Kopf auf eine Hand stützte.
„Warum hast du dich in den letzten Jahren vor mir zurückgezogen?“
„Ich habe mich nicht…“
„Lüg mich nicht an, Shintarou! Du läufst seit vier Jahren vor mir davon. Denkst du ich bekäme das nicht mit?!“
Midorima hatte seinen Kopf nun doch Akashi zugewandt und starrte ihn panisch an. Seine linke Hand war auf halber Strecke zur Teetasse mitten in der Luft erstarrt. Dem Kleineren fiel auf, dass das ihm so vertraute Taping um die Finger fehlte.
„Hast du aufgehört Basketball zu spielen?“
Mit diesem plötzlichen Themenwechsel überraschte Akashi sich selbst, aber der Gedanke erschreckte ihn irgendwie. Es war unvorstellbar, dass der Midorima Shintarou, der in ihrer Mittelschulzeit oft noch länger geblieben war, um sich alleine unermüdlich seinen Würfen zu widmen, diese Leidenschaft aufgegeben hatte!
Augenscheinlich nervös verschränkte dieser seine Finger. Sein Blick war fest auf die Tischplatte gerichtet.
„Ich…konnte es nicht mehr… Ich…“
Er stockte, ballte die linke Hand zur Faust, sodass die Knöchel weiß hervortraten. Akashi nahm sie in seine und löste die verkrampften Finger wieder.
„Shintarou…“, meinte er sanft. „Es ist okay, wenn es dir schwerfällt darüber zu reden, aber ich möchte nicht, dass du dich noch weiter von mir entfernst. Bitte sag mir was los ist.“
Ein leichter Rotschimmer ließ sich auf den Wangen des Grünhaarigen nieder und bestätigte die leise Ahnung seines Gegenübers.

„Ich…“, versuchte der Größere es erneut mit leiser Stimme, aber wesentlich ruhiger. „…wollte lieber, dass du mich in guter Erinnerung behältst als dass wir im Streit auseinandergehen… Und Basketball… Es gehört zu dir. Ich musste es aufgeben, um mich von dir entfernen zu können…“
Er hatte seinen Entschluss gefällt. Er würde einmal in seinem Leben über seinen Schatten springen und Akashi alles beichten, was er die Jahre über zu vergessen versucht hatte.
„Warum sollten wir uns streiten?“
Der Kleinere war sichtlich verwirrt.
„Ich habe einen Fehler begangen, von dem ich mir sicher war, dass du ihn mir nicht verzeihen würdest.“
Midorima wusste, dass er sich gerade völlig unverständlich ausdrückte, aber es war so schwer es auszusprechen! Er fragte sich bis heute wie Miyaji und Takao das geschafft hatten. Als er Takao gefragt hatte, hatte dieser nur gelacht und den Kopf geschüttelt.
„Was für einen Fehler meinst du, Shintarou?“
Noch einmal atmete der Grünhaarige tief durch und sah zur Seite, um nicht sehen zu müssen wie Akashi auf das reagieren würde, was er im Begriff war zu sagen.
„Ich fürchte ich habe mich in dich verliebt.“, presste er dann hervor und zog den Kopf ein.
Ein Schnauben ließ ihn wieder zu Akashi blicken, der ihn mit einer hochgezogenen Augenbraue und einem Blick musterte, den er nicht deuten konnte.
„Du denkst ich könne dir das nicht verzeihen?“
Vorsichtig nickte der Brillenträger.

„Du hast recht. Ich verzeihe dir nicht.“
Amüsiert beobachtete Akashi wie sich ausnahmsweise mal für jeden sichtbar die verschiedensten Emotionen im Gesicht des Anderen abzeichneten: Enttäuschung, Ärger, Resignation.
„Es tut mir leid…“, murmelte der Grünhaarige.
„Das sollte es auch. Allerdings…“
Der Kleinere griff nach vorne, um den überraschten Midorima am Kragen zu sich zu ziehen und ihm einen Kuss auf die Lippen zu drücken. Dass dabei die Teetassen umkippten störte keinen von ihnen als der Größere nach der ersten Überraschung eine Hand in Akashis Haaren vergrub und der Kuss heftiger wurde. Schwer atmend lösten sie sich wieder voneinander.
„Allerdings ist das einzige, was ich dir nicht verzeihe und was dir leidtun sollte, dass du mir das nicht eher erzählt hast, Shintarou!“
Ein zaghaftes Lächeln breitete sich auf dem Gesicht des Größeren aus.
„Es tut mir leid…kann ich das irgendwie wieder gutmachen…Seijuro?“
Der Name kam nur zögerlich über seine Lippen, aber es lagen eine Herausforderung und ein Versprechen in ihm, die einen angenehmen Schauer über Akashis Rücken sandten.
„Ich weiß es nicht.“, meinte er mit provokantem Unterton. „Vielleicht sollte ich dich einfach dafür bestrafen. Hast du eine Idee, Shintarou?“
Der Größere ließ ein leises Brummen hören als müsse er überlegen.
„Ich würde vorschlagen wir verlegen das Gespräch in meine Wohnung und du überlegst dir auf dem Weg etwas.“
Der Rothaarige grinste.
„Das klingt nach einer guten Idee!“
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