Blaulichtmärchen - Auch Schutzengel fallen mal vom Himmel!

GeschichteAbenteuer, Drama / P18
30.07.2017
13.04.2019
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„Hier steckst du also! Ich wusste, dass ich dich hier finde – deine Kollegen haben mir gerade erzählt, mit wem  du unterwegs bist! Tja, so ein Pech, dass ich doch eher zurückgekommen bin, was?! Mama fängt an zu kränkeln, deshalb haben wir uns heute spontan entschieden, Hamburg sausen zu lassen und doch nach Hause zu fahren – ich wollte dich eigentlich überraschen! Aber als ich nach Hause kam, war keiner da! Und als ich mich dann auf den Weg zur Liegenschaft machen wollte, hat Frau Kellermann von gegenüber mir erzählt, dass sie dich die Tage mit Matthis und einer hübschen Blondine gesehen hätte – wer das denn wohl gewesen wäre?! Da konnte ich eins und eins zusammen zählen! Und deine werten Kollegen haben mir eben bestätigt, dass ihr zusammen unterwegs seid...!“.

Ohne, dass wir auch nur irgendetwas entgegnen konnten, ging Nina wie eine Furie auf Killian los und hämmerte mit ihren Fäusten gegen seine Brust: „DU VERDAMMTER SCHEISSKERL!! JETZT MACHST DU WIEDER MIT IHR RUM – UND MATTHIS IST AUCH NOCH DABEI!!“, „Hey, hey – stopp mal! Hast du sie noch alle?!“. Entrüstet wollte ich sie daran hindern, weiter auf Killian einzuhämmern, doch er war schneller und umfasste energisch ihre Handgelenke: „NINA! ES REICHT!!“.

Tief durchatmend sah er seine Frau an: „Es war überhaupt nichts. Wir sind befreundet und das bleiben wir auch – das wirst du akzeptieren müssen! Aber es besteht überhaupt kein Grund, dass du hier so ausrastest!“. Ich nickte eifrig: „Absolut nicht! Dein Mann hat sich bestens um deinen Sohn gekümmert. Mir hilft er lediglich beim Training für ein Auswahlverfahren – mehr nicht!“.

Außer sich herrschte Nina mich an: „DU HÄLTST DICH GEFÄLLIGST DA RAUS, DU SCHLAMPE!! ICH HAB DIR SCHON EINMAL GESAGT, DASS DU DIE FINGER VON MEINEM MANN LASSEN SOLLST! ER IST VERHEIRATET UND HAT EINEN SOHN – HAST DU GAR KEINE MORAL?!“, „Hallo?! Wie redest du eigentlich mit mir?! Wir sind inzwischen befreundet und da wirst du dich mit abfinden müssen!“.

Kopfschüttelnd sah ich sie an, gerade kam sie mir wieder einmal völlig durchgeknallt vor. Ungestüm befreite sie sich aus Killians Griffen und steuerte auf die Hintertür des Volvos zu: „Wo ist mein Sohn? Den nehm ich jetzt mit!“. Doch noch bevor sie ihre Finger am Türgriff hatte, reagierte Killian blitzschnell und hielt sie von hinten fest: „Matthis bleibt bei mir! So, wie du gerade drauf bist, nimmst du ihn nicht mit...ganz sicher nicht!!“, „LASS MICH!!“. Nina schrie sofort hysterisch los, so dass sämtliche Kollegen auf der Liegenschaft fragend zu uns herüber schauten, aber Killian ließ sich davon nicht beeindrucken: „Nina, reiß dich jetzt zusammen, verdammt! Hol mal einmal tief Luft und schalt´ dein Hirn wieder ein!“.

So aufgebracht, wie Nina gerade war, rechnete ich damit, dass sie gleich wieder versuchen würde, auf Killian einzuschlagen, doch zu meiner Überraschung knickte sie plötzlich komplett ein und hing sich heulend an Killians Schulter: „Oh Goldi...mir geht’s so scheiße! Die Tage ohne dich und Matthis waren so schlimm...ich kann nicht mehr!“.

Perplex starrte ich sie an – wie schnell sie plötzlich in ihrer Stimmung umschwenken konnte! Eben war sie noch die vor Wut kreischende Furie und jetzt hing sie wie ein Opfer an Killians Hals und heulte in seine Jacke. Er wiederum schien diese ruckartigen Stimmungswechsel von ihr gewohnt zu sein, da er jetzt geduldig seinen Arm um sie legte und sie Richtung Beifahrersitz schob: „Komm...steig erstmal ein. Wir fahren gleich nach Hause“.

Unsicher sah ich ihn an: „Meinst du wirklich, dass das gut ist? Soll ich nicht lieber dabeibleiben? Ich weiß nicht...du jetzt mit ihr alleine...das gefällt mir nicht. So wie die gerade ausgetickt ist...?“. Killian lachte freudlos und schloss die Autotür hinter Nina: „Das war nichts im Vergleich, wenn sie wirklich wütend ist! Dann können auch schon mal Teller und Gläser zu Bruch gehen – oder eben Kinderwagen durch die Gegend fliegen!“.

Er schüttelte den Kopf und sah mich überzeugt an: „Nein, mach dir keinen Kopf, ich hab das im Griff. Ich fahr jetzt mit ihr nach Hause...dann kommt sie gleich schon wieder runter. Ihr Auto holen wir dann morgen ab. Ich glaub, so ist es am Unkompliziertesten“. Skeptisch erwiderte ich seinen Blick: „Wie lange soll das denn so weitergehen mit euch, Killian? Immer, wenn ihr irgendwas gegen den Strich geht, rastet sie aus oder spielt das Opfer, wenn sie nicht weiterkommt?! Und wenn nichts mehr geht, greift sie halt zu K.O.-Tropfen?! Das kann´s doch nicht sein!“.

Abwehrend schüttelte er den Kopf und ging um das Auto herum zur Fahrerseite: „Ich kann´s zurzeit nicht ändern, da müssen wir jetzt halt durch! Ist ´ne schwierige Phase zurzeit!“. Mit dem Blick auf Nina, die noch immer heulend und (in meinen Augen) massiv leidend auf dem Beifahrersitz saß, folgte ich ihm: „Diese Phase hält an, seitdem ich euch kenne – und das sind immerhin schon eineinhalb Jahre! Was ist, wenn sie zuhause richtig austickt? Zum Messer greift oder was auch immer? Wenn sie dich oder Matthis angreift? Ich mach mir echt ein bisschen Sorgen um dich!“.

Ich senkte die Stimme und sah ihn unheilvoll an: „Mal ehrlich, die ist doch nicht mehr ganz zurechnungsfähig in so einem Moment – so wie eben. Ich trau der alles zu!“. Doch Killian wollte nichts davon hören: „Alles gut, Kati, darum brauchst du dir echt keine Gedanken machen! Ich bin das gewohnt, ich kenne Nina...ich kann sie einschätzen!“. Versöhnlich legte er den Kopf schief: „Fahr du jetzt erstmal nach Hause...wir sehen uns morgen, okay? Ich schreib dir nachher noch, wann es bei mir passt. Und dann nutzen wir noch die letzten Trainingstage, die wir haben!“.

Mit hochgezogenen Augenbrauen sah ich ihn an: „Wenn sie dich gehen lässt! Ich rechne ja noch damit, dass sie dich gleich in den Keller einsperrt und nie wieder rauslässt!“. Lachend schüttelte Killian den Kopf und öffnete die Fahrertür: „Da weiß ich mir schon zu helfen, keine Sorge! Mach´s gut“. Ich nickte seufzend: „Ja, du auch. Und pass gut auf dich auf!“.

Während der Volvo vom Parkplatz fuhr und ich in meinen Lupo kletterte, spürte ich ein unbehagliches Gefühl im Bauch: Nina war wirklich nicht ganz normal! Okay, das wusste ich schon länger, aber ihre hysterische und aufbrausende Art von vorhin hatte mich echt schockiert. In so einem Zustand war sie eine ernstzunehmende Gefahr für Killian und das Kind!

                                                                                                     ***

Per Whats App tauschten Killian und ich am Abend den Zeitpunkt für unser morgiges Treffen aus und ich erkundigte mich vorsichtshalber nach seiner Sicherheit. Er schrieb mir knapp zurück, dass alles wieder im Lot wäre, Nina sich beruhigt hätte und sie gerade entspannt vorm Fernseher liegen und Fußball schauen würden. Okay, dann war zumindest die akute Gefahr vorüber – bis zum nächsten Mal!

In meinen Augen redete Killian sich Ninas Zustand und seine Familienverhältnisse schön, genauso wie er es damals bei den K.O.-Tropfen gemacht hatte. Ich glaubte nicht, dass er die Dinge wirklich nicht sah, die so offen auf der Hand lagen, sondern eher, dass er sie nicht sehen wollte,  solange er keine adäquate Lösung dafür hatte.

Es war ähnlich wie mit seinem Trauma: Er schwieg diese Probleme nach außen lieber tot und verlangte von sich, dass er sie ganz alleine lösen musste. Suchte wahrscheinlich schon seit Monaten nach einer geeigneten Lösung, aber kam zu keiner. Denn dass Nina gelegentlich eine Gefahr für Matthis darstellte, hatte er schon erkannt, immerhin hatte er mir am Sonntag bei unserem Spaziergang sogar davon erzählt. Er machte sich große Sorgen, wusste aber nicht, was er dagegen tun konnte.

In den folgenden Tagen fragte ich während unserer gemeinsamen Trainingsstunden immer mal wieder nach Nina, doch Killian redete nicht viel über sie. „Hat sich wieder beruhigt“, bekam ich zumeist zu hören, „wir reden einfach nicht mehr über dich. Hab ihr zwar noch einmal deutlich verklickert, dass wir beide nur Freunde sind, aber ob sie mir glaubt? Keine Ahnung. Ist mir auch ziemlich egal inzwischen, ich lass mir bestimmt nicht den Umgang mit dir verbieten!“.

Fand ich natürlich richtig, aber dass sie wieder einmal dazu übergegangen waren, alles totzuschweigen, würde die beiden auf Dauer nicht voranbringen. Irgendwann würde die Situation eskalieren, unterschwellig brodelte es sowohl in Killian, als auch in Nina durchweg – das konnte einfach nicht mehr lange gutgehen!

                                                                                                      ***

Am zehnten und elften Oktober sollte es soweit sein, dann würde mein Auswahlverfahren für das MEK in Hannover stattfinden. Ich hatte für beide Tage Urlaub eingereicht und hoffte innerlich, dass ich auch den zweiten noch brauchen würde und nicht bereits nach dem ersten Tag schon nach Hause geschickt wurde. Das ganze Spektakel würde mit einem Sporttest beginnen, anschließend stand ein Geschicklichkeits-Parcours mit Auto auf dem Programm. Am zweiten Tag musste ich noch schießen und meine AZT-Fähigkeiten unter Beweis stellen, bevor es zum mündlichen Auswahlgespräch über ging.

Na, dann mal schauen, wo mich das Ganze hinbringen würde! Inzwischen spürte ich jedes Mal ein angespanntes Kribbeln im Bauch, wenn ich daran dachte und musste mich eiligst mit etwas anderem ablenken. Auch Arne wurde zunehmend nervöser, wenn er sich die Aufregung vielleicht auch nicht ganz so anmerken ließ wie ich. Aber immerhin hatten wir hart und lange trainiert, uns von unserem „Coach“ bestmöglich auf das Abenteuer vorbereiten lassen. Wenn es dann am Ende nicht reichen sollte, konnte ich mir zumindest sagen, dass ich alles versucht und nichts dem Zufall überlassen hatte.

Wir zogen das Tempo in der letzten Woche noch einmal an, jeden Tag nach Feierabend trafen Killian und ich uns, manchmal war auch Arne mit dabei, und trainierten für die kommende Woche.

Am Freitagabend, als Arne sich bereits verabschiedet hatte, trödelten Kilian und ich noch eine Zeit lang in der Sporthalle herum – keiner von uns beiden hatte Lust nach Hause zu fahren. „Wie läuft´s mit Luise? Du warst viel da diese Woche, oder?“. Killian zuckte die Schultern. Noch immer war es schwierig für ihn, mit einem von uns darüber zu sprechen. „Ganz okay soweit. Wir haben...bisher gehen wir jetzt noch nicht so ins Detail...von dem Einsatz oder so. Aber...na ja...wir reden viel über Moritz“.

Ich nickte langsam: „Das ist doch gut. Das alles braucht ja auch seine Zeit. Ich bin mit Anita auch nicht sofort in den ersten Sitzungen voll ins Detail über Carsten und die Entführung gegangen“. Fragend sah Killian mich an: „Gehst du denn noch zu ihr zwischendurch?“, „Manchmal schon. Nicht mehr so oft, inzwischen sind viele Pausen zwischen den einzelnen Terminen. Aber wenn ich Redebedarf habe, treffen wir uns schon noch. Über Carstens Selbstmordversuch haben wir uns diese Woche zum Beispiel unterhalten. Angeblich soll er Reinigungstabletten für den Geschirrspüler geschluckt haben“.

Schief sah Killian mich an: „Im Ernst?! Ein schwacher Versuch, um sein Leben zu beenden, oder? Wenn du mich fragst, ging es dabei nur darum, dass ihm eine psychische Unzurechnungsfähigkeit bescheinigt wird. Der Wichser ist mit allen Abwassern gewaschen!“. Ich nickte betrübt, während ich ihm zu den Umkleiden folgte: „Ist wohl so. Aber nutzt nichts. Ich hab mich inzwischen fast damit abgefunden, dass diese Gerichtsverhandlung wohl niemals mehr stattfinden wird“, „Ach, wart´s ab...irgendwann kann er sein Spielchen einfach nicht mehr weiterspielen. Dann ist Ende im Gelände!“.

Wir unterhielten uns noch über unsere Wochenendpläne – ich musste morgen und Sonntag zum Fußball-Einsatz mit der BFE. Killian schnitt eine Grimasse: „Hast du´s gut! Wir haben morgen und übermorgen einjährigen Hochzeitstag – Nina zelebriert das Ganze, als würden wir noch einmal heiraten! Ich darf nicht mal am Sonntag zum Fußball...hat sie mir strikt verboten! Stattdessen muss ich mit ihr Essen gehen oder in die Sauna oder so einen Scheiß...und das das ganze Wochenende! Hilfe!!“. Ich schüttelte den Kopf: „Augen auf bei der Wahl des Ehepartners, sag ich da nur. Meine Güte, die macht mit dir aber auch echt, was sie will!“. Er nickte leidtragend: „Ja, manchmal glaub ich das auch. Sie enteiert mich schon irgendwie, oder?“. Lachend ging ich zur Umkleide: „Ja, kann man so sagen. Dann mal ein herrlich-romantisches Wochenende für euch zwei! Wir sehen uns Montag“, „Jo, bis dann“.

Ich ging unter die Dusche und ließ das heiße Wasser auf meinen Kopf prasseln. Nur noch drei Tage – dann wurde es ernst!

                                                                                                    ***

„Ich wünsch dir ganz viel Glück für morgen. Drücke fest die Daumen!“. Ein wenig scheu sah Flo mich an, als wir am Montag zum Spätnachmittag gemeinsam zur Sporthalle gingen. Lächelnd erwiderte ich seinen Blick: „Danke. Das ist lieb von dir!“. Er nickte überzeugt: „Du packst das schon! Wir denken hier an dich morgen – und an Arne natürlich auch!“. Als Killian sich von Gebäude 2 nährte, verabschiedete Flo sich schließlich: „Ich geh noch ´ne Runde Boxen. Also dann – toi, toi, toi!“.

Ich nickte dankbar und ging Killian fragend entgegen: „Was machen wir heute? Nochmal den Parcours oder lieber AZT?“. Er schüttelte entschieden den Kopf: „Gar nix von beidem! Du kommst jetzt schön mit mir mit und chillst nur noch – du brauchst Ablenkung, Entspannung. Trainiert haben wir genug, du bist bestens vorbereitet. Heute brauchst du ´ne Ruhephase!“, „Aber...ich hab doch das ganze Wochenende nichts Spezifisches mehr gemacht, ich war doch nur am Arbeiten! Seit Freitag hab ich nichts mehr trainiert!“. Killian zuckte gelassen die Schultern: „Na und? Reicht doch. Du bist bereit, Katy-Cat, du bist fertig dafür, glaub mir. Da wird diese eine Trainingseinheit heute Abend auch nichts mehr dran ändern!“.

Zögernd sah ich ihn an, dann nickte ich schließlich: „Ja, hast wohl Recht. Was machen wir denn stattdessen?“. Killian zuckte lässig die Schultern: „Wir gönnen uns ein wenig Wellness. Ich dachte, wir fahren ins Nettebad und plantschen ein wenig im Whirlpool. Was meinst du?“. Ich nickte begeistert: „Coole Idee! Warte...dann muss ich aber eben noch zuhause vorbei und meine Badesachen holen. Treffen wir uns in einer halben Stunde am Nettebad?“.

Killian reckte den Daumen und schlurfte zurück zu Gebäude 2, während ich meine Sporttasche über die Schulter warf und eilig zu meinem Auto lief.

                                                                                                         ***

Das Nettebad Osnabrück ist ein riesiges Sport- und Freizeitbad mit dazugehörigem hochmodernen Sauna- und Spa-Bereich. Mit Denise war ich öfter zum Saunieren hier, doch Killian und ich waren aus irgendeinem Grund noch kein einziges Mal zusammen schwimmen gewesen. Während wir es uns zunächst in dem wohlig-warmen Whirlpool gemütlich machten, musste ich wieder einmal feststellen, wie sexy Killian in Badeshorts aussah – diese herrlichen Muskeln. Schon lecker!

Da es Montagabend war, war es zum Glück nicht sonderlich voll und wir hatten die meiste Zeit den Whirlpool für uns. Zufrieden sah ich mich um, während der kräftige Wasserstrahl, der aus den Düsen kam, meinen Rücken massierte: „Voll schön hier! Ich sollte echt öfter herkommen – das tut schon ziemlich gut!“. Killian nickte begeistert: „Absolut. Ich komm ziemlich oft zum Schwimmen her...mit Matthis waren wir neulich auch zum Plantschen hier. Ist echt cool!“, „Geht Nina denn auch zum Babyschwimmen mit ihm?“, „Na klar, Nina macht jedes Programm mit, was so angeboten wird. Gut, irgendwas muss sie den ganzen lieben langen Tag ja auch zu tun haben – das sind so ihre Termine unter der Woche. Babyschwimmen mit Matthis, dann zweimal in der Woche zu ihrer Psychotherapeutin, gelegentlich zur Maniküre, die eine oder andere Wellness-Einheit gönnt sie sich auch zwischendurch...da kommt was zusammen!“. Fragend zog ich die Augenbrauen hoch: „Was macht sie denn in der Zeit mit Matthis?“, „Meine Schwiegermutter passt auf ihn auf. Oder sie nimmt ihn mit...ist auch schon vorgekommen“, „Und jetzt gerade? Was glaubt sie, wo du bist?“. Killian zuckte müde die Schultern: „Bei der Arbeit. Es passiert nicht selten, dass ich abends noch lange auf der Liegenschaft bin. Das kennt sie“, „Na gut. Solange sie nicht gleich brodelnd vor Wut plötzlich am Beckenrand steht“, „Eher nicht. Sie ist jetzt Zuhause und bringt Matthis gleich ins Bett. Keine Sorge“.

Wir gingen hinüber ins Sportbecken und zogen eine Zeit lang jeder für sich seine Bahnen durchs Wasser, anschließend machten wir es uns auf den Massage-Bänken unter Wasser gemütlich, auf welchen kleine verschiedene Strudel den ganzen Körper massierten. „Ui, das zieht einem ja fast die Bikinihose aus!“. Grinsend sah Killian mich an: „Also mich stört das nicht! Wegen mir darfst du gerne etwas freizügiger werden!“. Warnend hob ich den Finger: „Schluss damit! Du wolltest deiner Frau jetzt treu bleiben! Also steh auch dazu!“, „Hä?! Ich hab nur gesagt, das du gerne dein Höschen verlieren kannst – mich stört es nicht. Das ist alles!“, „Ja ja. Hör einfach auf zu faseln!“.

Wir unterhielten uns einige Zeit über die vergangenen BePo-Einsätze und er erzählte mir mit leidtragender Miene, dass er das komplette Wochenende „einen auf glücklicher Ehemann machen musste“.

„Ständig hatte sie irgendwo ´nen Tisch bestellt und ich musste mit ihr Essen gehen, während Matthis in die Obhut meiner Schwiegereltern gegeben wurde...dann wollte sie händchenhaltend mit mir durch den Wald spazieren, abends ins Kino...stundenlang auf dem Sofa kuscheln...und morgens beim Frühstück lagen immer irgendwelche komischen Schokoladenherzen und Liebesbotschaften auf meinem Teller. Eine gruseliger als die andere!“. Seufzend schüttelte er den Kopf: „Das war echt ein grausiges Wochenende! Mein einziges Highlight war, wenn ich  zwischendurch zum Joggen und Sport machen aus dem Haus geflüchtet bin – andernfalls wäre ich da drinnen wahrscheinlich erstickt vor lauter Liebesgefasel!“.

Ich konnte nicht wirklich Mitleid für ihn aufbringen, dafür schmerzte es noch immer viel zu sehr in mir, wenn ich an die Zeit dachte, die er tagtäglich mit Nina verbrachte.

„Und abends ging es dann heiß her im Ehebett? Wurde Kind Nummer Zwei gezeugt?!“. Irritiert sah er mich an: „Ähm...nein...ich hoffe nicht. Wieso...wie kommst du darauf?“. Bemüht gelassen zuckte ich die Schultern: „Einfach nur so. Zwei Hochzeitstage hintereinander – du willst mir doch nicht erzählen, dass ihr in der Zeit nicht miteinander geschlafen habt!“. Killian zuckte die Schultern: „Doch...schon. Gehört halt irgendwie dazu. Aber deshalb...deswegen hab ich sie ja nicht gleich wieder geschwängert!“, „Sicher? Bei Matthis hattest du das damals auch nicht so auf dem Schirm, wenn ich mich recht entsinne. Wäre doch die perfekte Gelegenheit gewesen. Aber daran erinnern kannst du dich schon? Sie hat dich nicht zufällig vorher wieder unter Drogen gesetzt?!“. Eilig schüttelte Killian den Kopf: „Nein, natürlich nicht! Das passiert auch nicht...da pass ich drauf auf!“, „Na dann“.

Eines musste ich ihm lassen: Auch wenn ich ihn fast geschüttelt hätte für seine Ehe mit Nina und die Naivität, die er ihr gegenüber so oft an den Tag legte – er hatte es doch tatsächlich geschafft, mich den ganzen Abend davon abzulenken, an das morgige Auswahlverfahren zu denken. Ich hatte nicht ein einziges Mal die Zeit gehabt, wieder nervös zu werden, da wir uns über so viele andere Dinge unterhalten hatten. Und dafür war ich ihm äußerst dankbar.

Dieser Mensch kannte mich inzwischen einfach verdammt gut! Obwohl eineinhalb Jahre wirklich keine lange Zeit waren. Aber manchmal kam es wohl nicht auf die eigentliche Dauer an, sondern eher auf das Interesse und die Intensität.

Als wir schließlich gemeinsam zum Parkplatz schlenderten, sah ich ihn lächelnd an: „Danke für den schönen Abend! Du hast es wirklich geschafft mich abzulenken und so entspannt zu kriegen, dass ich gleich einfach nur noch meine Tasche packe und danach wohl todmüde ins Bett falle“. Killian nickte zufrieden: „Das war der Plan. Wann geht’s morgen los nach Hannover?“, „Um Sechs holt Arne mich ab. Wir müssen zwar erst um Zehn da sein, aber sicher ist sicher. Nicht, dass wir noch in einen Stau kommen oder so. Ich bin da ja immer lieber eine Stunde zu früh als zu spät!“, „So bist du. Aber ist ja okay...kann nicht schaden morgen. Denk aber dran, vernünftig was zu frühstücken vorher, sonst kannst du keine Leistung bringen!“. Ich lächelte matt: „Mal sehen. Wie ich mich kenne, ist mir morgen früh so schlecht vor lauter Aufregung, dass ich keinen Bissen runter kriege“.

Seufzend sah ich Killian an: „Ich wünschte, du könntest dabei sein! Irgendwie...ich weiß nicht warum...aber wenn du da bist, bin ich die Ruhe in Person. Das beruhigt mich immer total!“. Entschuldigend erwiderte er meinen Blick: „Ich muss arbeiten, tut mir echt leid. Wir haben morgen früh eine wichtige Besprechung mit den niederländischen Kollegen – wir arbeiten zurzeit gemeinsam an einem Drogenschmuggel-Fall. Die kann ich nicht absagen. Ich denk aber ganz fest an dich!“, „Ich weiß. Danke!“.

Wir umarmten uns zum Abschied ganz fest und er flüsterte mir ins Ohr: „Hau se wech, morgen! Hau se alle wech!!“. Dann drückte er mir einen Kuss auf das Haar und kletterte in seinen Volvo. Bevor er die Fahrertür hinter sich zuzog, rief er mir zu: „Viel Erfolg! Glück brauchen nur die, die´s nicht können!“. Ich winkte ihm lachend zu und stieg ebenfalls in meinen Lupo.

Ja, langsam wurde es ernst!

                                                                                                           ***

Erstaunlicher Weise schlief ich die Nacht in eins durch. Scheinbar war ich durch das Schwimmen wirklich so tiefenentspannt, dass mein Körper sich einfach nur die Ruhe gönnte. Pünktlich um Sechs stand Arne mit seinem Skoda vor der Tür und wir machten uns gemeinsam auf den Weg nach Hannover. Meine Nervosität wuchs von Minute zu Minute, doch es war hilfreich, dass ich nicht ganz alleine war. Auch Arne war aufgeregt und so konnten wir uns auf der Fahrt gegenseitig etwas ablenken und quatschten über dieses und jenes.

Er erzählte mir, dass er den gestrigen Abend mit Daniel, Andy und einigen anderen Mekis verbracht hatte: „Wir haben noch in deren Aufenthaltsraum in Gebäude 2 zusammengesessen und Pizza bestellt. Aber der gute Husky wollte nicht mitmachen – der hatte es nämlich verdammt eilig!“. Vielsagend zwinkerte er mir zu. Verlegen grinste ich zurück: „Ja...na ja...wir waren zusammen Schwimmen. Er hat mich sehr süß abgelenkt von meiner inneren Panik“, „Klar, kann mir schon denken, wie!“. Aufgebracht schüttelte ich den Kopf: „Nein, es ist nichts zwischen uns gelaufen, falls du das meinst! Wir sind nur befreundet!“. Arne nickte gönnerhaft: „Klaro. Das hat man ja in Bad Ems gesehen!“, „Das war...ja klar, im Grunde hast du Recht. Da sind wir eindeutig zu weit gegangen, aber-“, „Wie auch in Hamburg beim G-20-Gipfel, ne? Ich sage nur Müllcontainer.  Daniel hat uns gestern einige interessante Dinge darüber erzählt!“. Peinlich berührt schüttelte ich den Kopf: „Daniel, diese Tratschtante! Ja...ja, er hat ja Recht. Da sind einige Dinge dieses Jahr gelaufen, die nicht ganz korrekt waren, wenn man mal bedenkt, dass der gute Herr Falk verheiratet ist. Problem ist nur, dass die Gefühle manchmal mit einem durchgehen und stärker sind als der Verstand!“.

Ich atmete tief durch: „Gut, wenn es nach mir gehen würde, wären wir schon längst zusammen – das ist wohl auch kein Geheimnis mehr auf der Liegenschaft. Aber leider sieht er das anders. Er kann Nina und Matthis nicht verlassen, das hat er kurz nach Bad Ems noch einmal bekräftigt. Daher sind die Verhältnisse jetzt ein für allemal zwischen uns geklärt. Es gibt kein wir beide  mehr. Freundschaft – das ist alles!“. Arne schüttelte den Kopf: „Bescheuert, wenn ihr mich fragt. Ihr liebt euch...er dich auch, das kann mir doch keiner erzählen! Und trotzdem könnt ihr nicht zusammen sein?! Und das in der heutigen Zeit?! Das ist doch absolut hirnrissig!“. Müde lächelnd zuckte ich die Schultern: „Danach geht es aber nicht immer. Ich kann ihn irgendwo verstehen – ich wüsste auch nicht, was ich machen würde, wenn ich selbst betroffen wäre“.

Ich lenkte das Thema erfolgreich auf die bevorstehenden Aufgaben und unsere möglichen „Konkurrenten“, da ich nicht weiter mit Arne über Killian sprechen wollte. Das rief einfach immer noch zu viel Schmerz in mir wach und den konnte ich heute nun wirklich nicht auch noch gebrauchen!

Es reichte schon, dass es mich inzwischen vor Nervosität am ganzen Leib schüttelte.

                                                                                             ***

Das Auswahlverfahren sollte auf dem Gelände des SEK stattfinden, auch das Mek „Eins“ war hier stationiert. Als wir dort ankamen, hatten wir immer noch fast zwei Stunden Zeit, daher schlug Arne vor, erstmal gemütlich Frühstücken zu gehen.

„Ich krieg keinen Bissen runter, im Ernst!“. Tadelnd sah er mich an: „Komm schon, gar nichts essen geht auch  nicht! Du musst heute den ganzen Tag Höchstleistungen erbringen!“. Schließlich einigten wir uns darauf, dass ich ihn in die Kantine begleitete, ein wenig Tee hinunterwürgte und an einem Brötchen herum nagte.

Während wir dort saßen, drehten sich einige, äußerst muskulöse, durchtrainierte Typen grinsend zu uns um, ich hörte deutlich das Wort „Frischlinge“ aus ihren Reihen. „Das sind Sekis, das sehe ich sofort!“. Beeindruckt sah Arne zu der Männergruppe, die gelassen weiter frühstückte und sich nicht weiter um uns scherte.

Die Zeit kroch extrem langsam voran und meine Aufregung wurde immer größer. Wenn es doch endlich Zeit wäre! Dieses Rumsitzen vorher machte einen schier wahnsinnig.

„Mit Sport geht’s los, oder? Dann kommt Autofahren...“. Ich nickte: „Ja. Und wenn wir das alles bestehen, kommt morgen noch das Schießen, AZT und das Auswahlgespräch. Je nachdem, ob man nicht schon in Runde Eins verkackt“.

Gegen Neun machten wir uns schließlich auf den Weg zur Sporthalle des Geländes, wie es auf unserer Einladung stand. Dort waren bereits mehrere „Frischlinge“ vor Ort, die ebenfalls zum Auswahlverfahren hergekommen waren, der Hauptanteil war männlich und vom Alter her höchstens Mitte Zwanzig, wie ich schätzte.

„Testet das SEK heute auch?“, fragte ich Arne flüsternd, mit der Hoffnung verbunden, dass nicht jeder von diesen Typen hier mein direkter Konkurrent war. „Nee, soweit ich weiß, ist das heute nur für´s Mek. Basti aus dem anderen Halbzug macht dieses Jahr den Test für´s Sek – und der ist, soweit ich weiß, erst nächste Woche dran“.

Okay, schade. Dann musste ich mich wohl doch mit all diesen Heinis hier messen. Ich sage das deshalb so abwertend, weil diese Typen mir bereits nach zwei Minuten tierisch auf den Geist gingen. Dieses Gelaber! Jeder glaubte anscheinend von sich, dass er der Beste, Tollste und Klügste war und das Mek sich geradewegs um ihn reißen würde. Lautstark warfen sie angebliche „Insiderinformationen“ zum Auswahlverfahren und der späteren Ausbildung in die Runde, jeder zweite von ihnen kannte angeblich persönlich einen im Prüfungsausschuss und überhaupt legte kaum ein einziger angemessene Zurückhaltung an den Tag. Im Laufe der Stunde kamen auch einige Frauen hinzu, ebenfalls Anfang bis Mitte Zwanzig vom Alter her, und auch die quatschten gleich so obercool und vorlaut mit.

Genervt sah ich Arne an: „Was ist eigentlich falsch mit uns, dass wir nicht so sind?! Warum sind wir eigentlich immer so zurückhaltend und labern nicht auch so eine Scheiße wie die anderen?!“. Arne klopfte mir beschwichtigend auf die Schulter: „Bleib locker, wir wollen mal nachher sehen, wer hier zuletzt lacht! Labern kann man viel, wenn der Tag lang ist!“.

Auf meinem Handy waren sämtliche Nachrichten meiner lieben Familie, von Denise und Kollegen wie Andrea und Christian eingegangen: Wir drücken fest die Daumen! Du packst das! Wir denken an dich!  

Total lieb! Nur von Killian war nichts dabei und das machte mich wieder einmal traurig. Ja okay, er hatte mir gestern bereits „Viel Erfolg“ gewünscht, aber trotzdem wäre es schön gewesen zu wissen, dass er auch heute an mich dachte. Aber gut, so war er halt! Wahrscheinlich hatte er seinen Kopf jetzt gerade mit zig anderen Dingen rund um das Mek voll und vergeudete keine Sekunde einen Gedanken an mich und das Auswahlverfahren. Trotzdem schade.

Um fünf vor Zehn kamen mehrere Männer mit Ordner und Klemmbrett unter dem Arm aus einem der Gebäude auf die Halle zu geschritten. Sie alle trugen zivil, zwei von ihnen schätzte ich vom Alter her um die Anfang Fünfzig, die anderen drei schienen ungefähr in Killians Alter zu sein. „Moin zusammen. Na, dann wollen wir mal reingehen, was? Sie können sich alle umziehen und dann treffen wir uns in der Sporthalle“.

Nachdem ich meine Sportklamotten angezogen hatte, folgte ich den anderen in die Halle, in welcher bereits ein Parcours aufgebaut worden war. Einer der Herrschaften verlas die Liste mit den heutigen Teilnehmern und hakte diese ab, dann wurden wir offiziell zum Auswahlverfahren begrüßt und der Parcours, unsere erste Aufgabe, wurde uns erläutert. „Die Sprossenwand hoch, dann über den Kasten drüber, so viele Klimmzüge, wie ihr in fünfzehn Sekunden schafft, über die Holzbänke springen, nochmal Liegestützen in fünfzehn Sekunden und zum Abschluss raus auf den Sportplatz und sprinten um die Bahn“.

Okay, das würde hoffentlich irgendwie zu machen sein! Durch den BFE-Parcours, den ich alle halbe Jahre absolvieren musste, war ich zum Glück recht gut in diesen Sachen trainiert, nur die Klimmzüge bereiteten mir noch immer Probleme – dafür war meine Oberarmmuskulatur einfach nicht stark genug.

Da die Männer beginnen sollten, stellte ich mich erstmal an die Seite und ließ die Trainingsjacke an – mir war so eisigkalt! Kennt ihr das auch, wenn ihr so richtig nervös seid? Ich krieg dann immer eiskalte Hände und fange am ganzen Körper an zu frieren. Meine Muskeln zittern richtig und im schlimmsten Fall klappern mir sogar die Zähne. Kein schönes Gefühl!

Plötzlich hielt mir jemand von hinten die Augen zu und ich zuckte zusammen. „Na, die Reaktion ist aber noch ausbaufähig! Beim nächsten Mal erwarte ich, dass du mich sofort zu Boden haust!“.

Die Hände ließen mich los, doch ich strahlte bereits beim Klang der Stimme übers ganze Gesicht und wusste, wer hinter mir stand. „Was machst du  denn hier?“. Grinsend zuckte Killian die Schultern: „Sichergehen, dass hier alles mit dem Rechten zugeht!“. Auch Daniel war dabei und klopfte mir aufmunternd auf die Schulter: „Warst noch nicht dran, Kätzchen, oder? Dann zeig gleich, was in dir steckt!“.

Für einen kurzen Moment vergaß ich tatsächlich die bevorstehende Prüfung, weil ich viel zu perplex über Killians Erscheinen war. „Die Besprechung wurde vertagt, die Holländer haben uns versetzt! Und da wir einige Peilsender von unseren Kollegen hier vom Mek Eins geliehen hatten, haben Zwerg und ich uns freiwillig angeboten, diese heute zurückzubringen. Haben ja leider eh nix Besseres zu tun! Also dachten wir, schauen wir mal vorbei und drücken euch die Daumen...“. Daniel nickte eifrig: „Und wir sind ja sogar noch pünktlich! Dafür, dass wir erst um kurz vor Neun losgefahren sind, waren wir scheinbar mit Lichtgeschwindigkeit unterwegs!“. Ich nickte lachend: „Bei euch wundert mich das überhaupt nicht!“.

Arne war jetzt mit dem Parcours an der Reihe und wir schauten ihm interessiert zu. Er machte seine Aufgabe wie zu erwarten sehr gut, kam zügig über die Hindernisse und die Klimmzüge sahen bei ihm federleicht aus. Als er draußen zum Sprint um die Bahn ansetzte, nickte Killian zuversichtlich: „Der packt das. Bin ich mir ziemlich sicher!“.

Mir fiel auf, dass längst nicht alle der Teilnehmer so hart im Vorfeld trainiert haben konnten wie wir, da nicht wenige bei dem Parcours schwächelten.

Arne, der ebenfalls hocherfreut über Killians und Daniels Unterstützung war, nahm stolz die Wasserflasche und unsere Glückwünsche zu seiner guten Leistung entgegen, während ich von Sekunde zu Sekunde wieder nervöser wurde.

Ungehalten schüttelte Killian den Kopf, als einer der Bewerber nicht wusste, wie er oben auf der Sprossenwand hindurch auf die andere Seite klettern sollte: „Der hat sich doch null auf diesen Test vorbereitet! So was kotzt mich echt an! Die Aufgaben sind seit Ewigkeiten im Intranet abrufbar...aber die Jugend von heute glaubt ja, sie kann alles und die Welt hat nur auf sie gewartet! Bloß keinen Handschlag zu viel machen!! Den würde ich sofort rauswerfen!!“.

Als schließlich die Frauen an der Reihe waren, spürte ich, dass mir übel wurde. Ich war als Letzte dran, vor mir waren drei Mitstreiterinnen. Oh Gott, nur noch drei!

„Hast du dich schon warm gemacht?“. Ich nickte mit trockenem Mund: „Ein bisschen eben. Mehr geht nicht...sonst fang ich echt an zu kotzen!“. Energisch fasste Killian mich an der Schulter und sah mich eindringlich an: „Du hörst jetzt auf, hier rumzuunken, Knotenköpfchen! Es gibt überhaupt keinen Grund, Angst zu haben – du kannst das alles! Noch so gut, also kneif jetzt die Arschbacken zusammen und zeig´s denen da draußen! Du kämpfst bis zum letzten Atemzug, andernfalls brauchst du uns nicht mehr unter die Augen treten, verstanden?! Du bist hier, weil du das hier mehr als alles andere willst!“. Ich nickte tief durchatmend und versuchte mich innerlich zu beruhigen. Daniel haute mir auf den Rücken, dass ich fast gegen die Wand flog: „Zeig´s ihnen, Katy-Cat!“.

Auch Arne rief mir ermunternde Worte zu, als ich die Trainingsjacke auszog und tief durchatmend zur Startlinie ging. Der Kollege vom MEK, der meinen Namen abhakte, blickte mich aufmunternd an: „Viel Erfolg! Geben Sie einfach Ihr Bestes! Bereit?“. Ich nickte knapp und spürte mein halbes trockenes Brötchen wieder hochkommen.

„Dann drei – zwo – eins – und ab!“. Er drückte die Stoppuhr und ich sprintete los, die Sprossenwand hoch, kletterte geschwind auf die andere Seite und ließ mich auf die Matte fallen. Weit entfernt konnte ich die Anfeuerungsrufe von Killian, Arne, Daniel und den Prüfern hören, doch nahm ich diese kaum wahr, ich spürte, dass ich die ganze Zeit über die Luft anhielt.

Den Kasten überwand ich ohne weitere Probleme, doch bei den Klimmzügen reichte es für einen einzigen, dann verlor ich den Halt. Mir war speiübel und ich hatte das Gefühl, mich jeden Moment übergeben zu müssen, doch ich hörte Killians energische Stimme fast neben meinem Ohr: „REISS DICH AM RIEMEN!! LOS, WEITER!! KÄMPFEN BIS ZUM ENDE!!“.

Okay, okay...ich sprang über die Bänke und ließ die Klimmzüge einfach hinter mir – das würde zwar Punktabzug geben, aber mehr bekam ich beim besten Willen heute nicht hin. Vorher würde ich wohl tot umfallen!

Bei den Liegestützen presste ich alles aus mir raus, was noch ging – inzwischen hörte ich mich selber verzweifelt nach Luft schnappen.

„Und los zum Sprint!“. Die MEK-Prüfer feuerten mich an und wiesen mir den Weg auf den Sportplatz – und ich rannte nur noch. Rannte und rannte und holte alles aus den letzten Muskeln meines Körpers. Atmen ging kaum noch, ich hatte die Befürchtung, jeden Augenblick ohnmächtig zu werden, doch ich sprintete weiter, Killians Stimme im Ohr: „KÄMPFEN! KÄMPFEN BIS ZUM ENDE! DU BIST HIER, WEIL DU DAS HIER MEHR ALS ALLES ANDERE WILLST!“.

Ich sah die Ziellinie näher kommen, das Anfeuerungsgeschrei der anderen hörte ich nun lauter. Ich holte noch einmal alles aus mir raus – im Ziel!

Ein paar Schritte lief ich noch, dann verfiel ich in Schritt und hielt mir die Hand vor den Mund. Ich musste würgen. Glücklicher Weise hatte ich kaum etwas gegessen, daher kam auch nichts hoch. Ich sah Killian eilig auf mich zulaufen, besorgt sah er mich an: „Geht´s? Alles okay?“. Ich nickte nur und ließ mich an ihn ziehen: „Spitzenleistung, Katy-Cat! Das war super!“.

Als ich annähernd wieder Luft hatte, sah ich ihn zweifelnd an: „Aber die fehlenden Klimmzüge...“, doch Killian wischte meine Skepsis energisch mit der Hand weg: „Drauf geschissen, die anderen waren doch auch nicht alle perfekt! Die meisten hatten irgendwo Probleme und zumeist deutlich gravierendere als du. Eigentlich wollen die bei so einem Test doch nur sehen, wie sehr ihr bereit seid, über eure Grenzen hinaus zu gehen...alles aus euch rauszuholen. Wie sehr ihr für die Sache brennt. Ich glaube, das hast du schon ganz gut gezeigt! “.

Erschöpft, aber auch tief erleichtert erwiderte ich seine Umarmung. Es war einfach so schön, dass er jetzt hier bei mir war!

                                                                                                         ***

Nach einer langen Mittagspause, in der ich allmählich wieder zu Kräften kam, ging es mit dem Fahrparcours weiter. Dafür mussten wir durch fünf Etagen eines in der Nähe befindlichen Parkhauses auf Zeit fahren, sämtliche Fahrmanöver, von Vollbremsungen bis zum Rückwärts-Einparken demonstrieren und nebenbei dem Funk zuhören. Am Ende sollten wir die einzelnen Funksprüche wiederholen, anschließend das Parkhaus über die Treppen zu Fuß hochsprinten und uns auf jeder Etage die Gesichter von mehreren Straftätern merken, die auf Bildern an der Wand hingen. Diese mussten wir am Ende zuordnen.

Beim Rückwärts-Einparken hatte ich einige Probleme und der Wagen, ein silberner Passat, stand hinterher recht schief in der Parklücke, aber dafür klappte meine Merkfähigkeit außergewöhnlich gut. Ich konnte sowohl die meisten Funksprüche wiederholen, als auch sämtliche Namen den Gesichtern zuordnen und die Prüfer damit sichtlich beeindrucken. Da merkte man mal wieder, dass langes Training und Vorbereitung sich auszahlten!

Bei Arne klappten sämtliche Fahrmanöver wie am Schnürchen, dafür hatte er deutlich mehr Probleme mit dem Merken.

Killian und Daniel blieben den kompletten Nachmittag und besonders für mich war das unheimlich wichtig. Seine bloße Anwesenheit reichte aus, um mir Ruhe und Zuversicht zu vermitteln. Beide wurden freudig von zahlreichen Mekis und auch Sekis mit Handschlag und Umarmung begrüßt – scheinbar kannten sich die Spezialeinheiten fast alle untereinander.

Am Ende des Tages wurden wir von den Prüfern darüber unterrichtet, wer morgen in der zweiten Runde war – Arne und ich hatten es beide geschafft! Doch die Mehrzahl der Teilnehmer war noch dabei, insgesamt waren heute acht Leute von Zweiunddreißig ausgeschieden.

Killian nickte zufrieden: „Glückwunsch. Aber ehrlich gesagt habe ich das auch von euch erwartet! Nachdem ich mir so lange den Arsch für euch aufgerissen habe...!“, „Ja ja ja, hör auf zu bellen, Husky!“. Grinsend sah ich ihn an. „Arne und ich nehmen uns jetzt Hotelzimmer hier. Aber ihr beide könnt wahrscheinlich nicht länger bleiben, oder?“. Killian schüttelte seufzend den Kopf: „Nee. Ich muss nach Hause heute – ich lass Nina zurzeit ungern nachts alleine, ehrlich gesagt. Mit Matthis...das ist zu viel Stress für sie“. Ich nickte enttäuscht: „Schade. Aber gut, ich kann´s verstehen. Dann kommt gut nach Hause, ihr Zwei. Und denkt morgen an uns!“.

Killian legte den Kopf schief: „Ich schau mal...vielleicht kann ich es morgen einrichten, vorbeizukommen. Hab ja immer noch Innendienst – da passiert nix Spannendes!“. Strahlend erwiderte ich seinen Blick: „Das wäre natürlich der Hammer! Könnte dich schon ziemlich gut hier bei mir gebrauchen!“. Arne stöhnte grinsend auf: „Oh man, ich lass Romeo und Julia mal besser alleine, wa...?!“. Killian ignorierte Arnes und Daniels Gelächter und nickte zuversichtlich: „Ich schau mal, was sich machen lässt. Ansonsten rockst du das auch alleine, da mach ich mir gar keine Sorgen drum! Also...ruh dich jetzt aus, iss mal vernünftig was...und denk nicht zu viel nach!“.

Er umarmte mich noch einmal, Daniel klopfte mir aufmunternd auf die Schulter, dann gingen sie zusammen Richtung Parkplatz und auch Arne und ich machten uns auf den Weg zu unserem Auto. Wir würden uns jetzt um ein Hotel kümmern und anschließend noch gemeinsam Essen gehen. Uns gegenseitig von morgen ablenken.

                                                                                                         ***

In dieser Nacht schlief ich nicht ganz so gut wie die Nacht davor, im fremden Hotelbett war mein Schlaf deutlich unruhiger. Beim Frühstück am nächsten Tag konnte ich nur Obst zu mir nehmen, die Aufregung und Nervosität des gestrigen Tages kam zurück. Scheiße, dabei musste ich doch gleich beim Schießen die Ruhe in Person sein!

Von Killian hatte ich noch nichts gehört, ich wusste nicht, ob er es schaffte, auch heute zu kommen.

Hochgradig nervös trafen wir schließlich vor der Raum-Schießanlage auf der Liegenschaft ein, die meisten der anderen Bewerber waren bereits vor Ort. Auch heute schafften sie es tatsächlich noch, blödes Zeug daher zu quatschen – Respekt vor der SE gleich null!

Neun Uhr kam und ging, doch keiner von der Prüfungskommission tauchte auf. „Sind wir hier überhaupt richtig? Hätten wir woanders warten sollen?“. Die anderen schüttelten den Kopf: „Nee, die haben uns gestern noch gesagt, dass wir hier heute auf sie warten sollen!“.

Es ging auf halb Zehn zu und allmählich kam es uns allen ein wenig spanisch vor. „Ich geh mal bei der Verwaltung nachfragen“, schlug schließlich einer von den Kollegen vor und machte sich auf den Weg zu den Gebäuden.

„Dieses Warten zerrt echt extrem! Ich kann gleich die Waffe gar nicht mehr ruhig halten!“. Tief durchatmend versuchte ich wieder, mich zu entspannen, als endlich einer der Prüfer zu uns stieß: „Tut mir leid, dass Sie erst jetzt Bescheid bekommen – wir haben derzeit einen kleinen Zwischenfall in der Innenstadt, deshalb müssen die Kollegen sich vorrangig erst einmal darum kümmern. Geht aber gleich weiter! Sobald wir genug Schießtrainer wieder zur Verfügung haben, geht’s los...!“.

Stirnrunzelnd sahen wir uns an. Okay, das klang nach reichlicher Verzögerung, wenn jetzt tatsächlich noch Kollegen, die uns eigentlich prüfen sollten, im realen Einsatzgeschehen unterwegs waren. Arne und ich setzten uns erstmal auf eine der Bänke und versuchten halbwegs, zu entspannen.

Sie ließen uns lange warten. Gegen viertel nach Elf kamen endlich drei der Prüfer und winkten uns zu: „So, jetzt können wir endlich starten! Tut uns leid, dass es so lange gedauert hat – aber so ist dieser Job! Nicht immer vorhersehbar“.

Wir sollten in derselben Reihenfolge wie gestern starten und da immer nur zwei gleichzeitig schießen konnten, blieb ich zunächst draußen und wünschte Arne Glück, der sich denjenigen anschloss, die schon einmal reingingen: „Viel Erfolg! Hab mir sagen lassen, Glück brauchen nur die, die´s nicht können!“. Arne grinste und reckte den Daumen, dann verschwand er in der Raum-Schießanlage.

Ich wollte gerade zu meinem Smartphone greifen, als ich einen Pfiff vom Parkplatz hörte: „Kati“. Ich drehte mich um und sah Killian breit grinsend auf mich zusteuern. „Hey...du hast es ja doch noch geschafft!“.

Strahlend fiel ich ihm um den Hals und erzählte von dem „kleinen Zwischenfall“ in der Innenstadt und dass er aufgrund dessen noch nichts verpasst hätte. „Ja, hab ich über Funk gehört. So ein Irrer hatte seine Frau als Geisel genommen und mit ´ner Schreckschusspistole bedroht. Hat aber schließlich von selbst aufgegeben...die brauchten nicht mehr stürmen“.

Wir setzten uns gemeinsam auf die Bank und ich spürte wieder ein wenig der Anspannung von mir abfallen. Mein Schutzengel war da und solange ging´s mir wieder gut!

                                                                                                      ***

Das Schießen klappte gut. Zwar war ich trotz allem nervös und verriss einige Schüsse mit der Kurzwaffe, doch mit der MP konnte ich überzeugen und meine Leistung wurde allgemein als „gut“ eingeschätzt. Auch hier machte sich das wochenlange Training unter Killians Aufsicht bemerkbar.

Aufgrund der Zeitverzögerung entfiel das AZT komplett, worüber wir alle nicht sonderlich traurig waren. Stattdessen ging es jetzt noch direkt zum Auswahlgespräch vor der fünfköpfigen Prüfungskommission, welche einen mit Fragen zu diversen Sachverhalten, aber auch zur eigenen Persönlichkeit löcherte.

Nach dem Schießen waren noch einmal neun Leute aussortiert worden und Arne und ich waren extrem selig, dass wir beide noch dabei waren.

Den ganzen Nachmittag musste ich wieder warten, bis ich endlich abends um Sechs an der Reihe war. Die Prüfer sahen genauso müde aus, wie ich mich fühlte, doch tapfer rissen wir alle uns noch einmal zusammen. Ich versuchte, meine Stärken und Schwächen zu beschreiben und warum mir das MEK so wichtig war, verhaspelte mich jedoch einige Male, da ich trotz allem noch immer unheimlich nervös war.

Nach einer knappen Viertelstunde war das Gespräch dann auch schon wieder vorbei und ich hatte irgendwie das Gefühl, noch gar nicht großartig überzeugen zu können. Hatte ich nicht eigentlich nur Blödsinn gestammelt? Scheiße, wirklich zufrieden war ich mit meinem eigenen Auftreten zumindest nicht!

Killian klopfte mir draußen aufmunternd auf die Schulter, als ich ihm und Arne von meinen Befürchtungen erzählte: „Ach quatsch, sei nicht so streng mit dir, Katy-Cat! Die anderen waren auch alle nervös und hey – du bist immerhin unter die Top-Fünfzehn gekommen! Du hast gestern und heute richtig gute Leistungen abgerufen...jetzt freu dich doch erstmal darüber! Alles andere wird man sehen“.

Irgendwann nächste Woche sollten wir per Post Bescheid bekommen, ob wir zum Medizinischen Check nach Hannover mussten oder nicht. Wenn ja, hieß das, dass wir unter den zehn Glücklichen waren, die eingestellt wurden. Wenn nicht, dann hatte es leider nicht ausgereicht.

„Ich glaube aber, dann hätten die euch das heute schon durch die Blume gesagt. Also, wenn es nicht gereicht hätte. So war das bei uns damals zumindest. Von daher – ich glaube schon, dass ihr bereits ein bisschen feiern könnt!“. Doch ich schüttelte energisch den Kopf: „Auf keinen Fall, da bin ich zu abergläubisch! Im Vorfeld bringt das Unglück! Ich glaube das erst, wenn ich es schwarz auf weiß sehe und dazu den medizinischen Test bestanden habe. So wie man das hört, kann da ja auch noch eine Menge schief gehen!“, „Ach, mach dich nicht verrückt! Du bist ein gesunder Mensch, Kati...warum sollst du nicht tauglich sein?!“. Ich zuckte die Schultern: „Wer weiß? Angeblich haben die schon Bewerber aussortiert, weil die einen Knorpelschaden im Knie hatten. Bis zu dem Test wussten die Leute nichts davon. Also von daher bin ich echt noch auf der Hut! Wer weiß, was ich alles habe und mir nur nicht bekannt ist?“.

Killian schob mich entschieden zu seinem Auto: „Ich glaube, ich bring dich jetzt mal besser nach Hause – du bist ja völlig hinüber! Arne, du kommst alleine klar, ne?“. Arne nickte grinsend und winkte uns, bevor er sich in seinem Skoda niederließ.

Auf dem Weg zu Killians Volvo verabschiedeten sich nicht wenige der Mekis und Sekis, die uns entgegenkamen, per Handschlag von Killian: „Mach´s gut, Husky“, „Tschau, Alter“, „Tschüss, Killian“.

Kopfschüttelnd sah ich ihn an, als ich neben ihm im Volvo Platz nahm: „Überall kennt man dich, du bist echt ´ne Berühmtheit! Wie machst du das bloß?“. Grinsend startete er den Motor: „Ich bin seit über zehn Jahren SE-Mitglied...das ist ganz normal! Wir alle sind eine große Familie, da bleibt keiner lange anonym. Wirst du auch noch merken!“, „Wenn ich es jemals dahin schaffe!“, „Natürlich, du hast  es schon so gut wie geschafft, da bin ich sicher! Hey, ich kenne diesen Laden, okay?! Ich weiß, wie die Leute da ticken!“.

Er bog vom Gelände auf die Hauptstraße ab: „So, jetzt lad´ ich dich erstmal zu McDonalds ein – ein feines Happy-Meal mit Spielzeug, wie wär´s? Damit du endlich mal was Vernünftiges in´ Bauch kriegst!“. Ich nickte grinsend: „Da sag ich doch nicht nein!“.

Als wir kurze Zeit später in einem McDonalds vor unserem Essen saßen, legte Killian bedeutsam den Kopf schief: „Ich könnte natürlich meine Connection spielen lassen...nach Hannover. Zwar kenn´ ich die von der Prüfungskommission nicht gut, aber ich kenne sicherlich jemanden, der  die kennt! Sollen die mal morgen für dich nachfragen, wie es mit deiner Einstellung beim Mek aussieht? Ich könnte das wohl in Erfahrung bringen!“. Ich winkte entschieden ab: „Das könntest du bestimmt, da hab ich keinerlei Zweifel dran...aber ich will das nicht. Ich werde mich genauso wie meine anderen vierzehn Mitstreiter bis nächste Woche gedulden können. Das gehört halt dazu, ich werd´s schon überleben!“.

Ich beugte mich über den Tisch und strich ihm liebevoll durchs Haar: „Trotzdem danke für das Angebot! Du bist so lieb!“. Er winkte in obercooler Manier ab, doch ich kannte ihn längst – in Wirklichkeit fühlte er sich gerade extrem gebauchpinselt von meinen Worten.

So war er – und so liebte ich ihn.

                                                                                                       ***

Killian:

Als ich schließlich vor Katis Wohnhaus vorfuhr, sah sie mich fragend an: „Ich schätze, es hat keinen Sinn, dich zu fragen, ob du noch mit reinkommen magst? Nina wartet wahrscheinlich, was?“. Ich seufzte tief und nickte. Was sollte ich denn machen? Ich konnte die Situation doch nun einmal auch nicht ändern! „Okay, dann geh ich jetzt pennen. Ist wohl eh besser...ich bin so müde“.

Bedeutsam sah ich sie an: „Dann schlaf gut. Und feier dich selbst noch ein bisschen! Bislang ist mir das noch zu kurz gekommen!“. Lachend schüttelte sie den Kopf: „Nix! Ich feier erst, wenn ich es schriftlich habe! Vorher kann noch zu viel schief gehen!“. Sie legte den Kopf schief: „Danke nochmal für alles! Schlaf schön. Wir sehen uns morgen, oder?“, „Bestimmt. Bin morgen ganz normal da“.

Wir verabschiedeten uns voneinander und ich wartete, bis sie im Haus verschwunden war, dann wollte ich gerade aufs Gaspedal drücken, als mein Handy vibrierte. Zögernd blickte ich aufs Display. Eine Whats App. Von Nina. Es war nur ein einziger Satz.

Wenn du in einer Viertelstunde nicht zurück bist, bring ich mich um!
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