Gloria & Red - Rescue me

von Queen Red
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18 Slash
Galina "Red" Reznikov Gloria Mendoza
29.07.2017
29.07.2017
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29.07.2017 1.956
 
Ein halbes Jahr nach dem Aufstand....

Seit Stunden tobte über Litchfield ein heftiges Gewitter. Sie starrte an die Decke. Wie es Benny wohl gerade ging? Ob seine Reha wirklich so gut lief wie er sagte? Ihr Muttergefühl hatte sie noch nie betrogen.
Schließlich stand sie auf und setzte sich an den kleinen Tisch ihrer Zelle und begann einen Brief an ihren Sohn zu schreiben.
Nach einer Stunde war sie fertig. Draußen krachte es immer noch, als würde jeden Moment die Welt untergehen. Und dennoch hörte sie Schritte.
Noch eine, die nicht schlafen konnte. Gloria linste vorsichtig aus ihrer Zelle. Es war Red, die in Richtung des Bads unterwegs war.
Einer der positiven Folgen des Aufstands war gewesen, das die Gefangenen nun ganz eigene Zellen hatten. Sie durften diese Zellen sogar abschließen, wenn sie wollten. Doch die wenigsten Frauen machten davon Gebrauch, auch Gloria nicht. Ihre Zellentür stand fast immer offen, auch nachts. Seit der Erstürmung durch die Cops konnte sie keine geschlossenen Räume mehr ausstehen.
Die Frauen waren wild durcheinander gewürfelt worden. Einzelne Gruppierungen, wie zum Beispiel die der Latinas, gab es nur noch auf dem Hof oder beim Essen.
Nach einer halben Stunde fiel Gloria auf, das Red nicht wiedergekommen war. Sie beschloss nach ihr zu sehen. Sie zog sich ihren Bademantel an und schlich ins Bad.
Sie hörte Wasserrauschen und ein leises Schluchzen.
„Fuck“, sagte Gloria leise und ging dem Geräusch nach.
Red hatte sich in die letzte der Duschen verkrochen. Sie hatte das kalte Wasser voll aufgedreht, saß im Nachthemd auf dem Boden und weinte bitterlich.
„Hey“, sagte sie leise und zog langsam den Vorhang zurück.
Red wischte sich erschrocken die Tränen weg und beruhigte sich augenblicklich.
„Es ist okay, zu weinen, Red. Wir haben alle ziemlich viel Scheiße erlebt. Irgendwann muss das mal raus. Sonst explodiert man.“
Red antwortete nicht. Sie sah Gloria mit glasigen Augen an und schien durch sie hindurchzusehen.
Gloria näherte sich langsam, drehte das kalte Wasser ab und das warme Wasser langsam auf.
„Himmelarsch, du bist ja vollkommen durchgefroren. Ich hole dir ein paar frische Sachen aus deiner Zelle. Okay“?
Keine Reaktion.
„Schau mich an, damit ich weiß, das du mich gehört hast, Red“.
Red sah sie an. In ihren Augen spiegelte sich die blanke Verzweiflung.
„Dusch dich warm ab, ja? Ich bin gleich wieder da“.
Red nickte schwach. Ihre erste, richtige Reaktion auf Gloria.
„Okay. Ich beeile mich“.
Gloria flitzte in Reds Zelle, raffte eilig 2 Handtücher, Reds Haarbürste, ein frisches Nachthemd und einen Slip zusammen und machte sich auf den Weg zurück.
Sie hielt Red ein großes Handtuch entgegen, das sie sich um den Körper wickelte.
Gloria rubbelte vorsichtig Reds Haare trocken.
„Deine Haare wachsen nach“, sagte sie leise um die für sie fast unerträgliche Stille zu unterbrechen.
Red liefen ihr übers Gesicht.
Gloria führte sie aus der Dusche, zu den Spiegeln.
„Weinen macht alt und hässlich, hat Aleida mal gesagt“, sagte Red leise.
Gloria lächelte.
„Eine schöne Frau kann nichts entstellen.“
„Naja“, sagte Red nicht allzu überzeugt.
Red zog sich an. Sie fror immer noch.
Kurzerhand zog Gloria ihren Bademantel aus und zog ihn Red an.
„Besser“? fragte Gloria lächelnd.
Red nickte.
„Und jetzt komm. Vielleicht kriegen wir ja doch ein paar Stunden Schlaf“.
Als sie in Reds Zelle waren und Red in ihrem Bett lag, deckte Gloria sie sorgsam zu. Wieder kamen Red die Tränen.
„Es ist vorbei, Red. Er kann uns nichts mehr tun“.
„Immer wenn ich die Augen schließe, sehe ich uns in diesem Raum sitzen. Ich höre Alex‘ Arm brechen. Ich höre Piper schreien, nachdem es passiert ist. Jedes einzelne ihrer Worte hat sich in meinen Kopf gebrannt. Ich höre Nicky weinen….“
Gloria legte ihr einen Finger auf den Mund.
„Ich mach dir eine heiße Milch mit Honig. Das beruhigt.“
„Nein, bitte“…
„Ich bin gleich wieder da. Versprochen“.
5 Minuten später kam Gloria wieder. Der Duft von Honig erfüllte den Raum.
Gloria stellte die 2 Tassen auf Reds Nachttisch ab und schloss dann deren Zellentür.
„Ich dachte, du kannst keine geschlossenen Räume mehr leiden,“ sagte Red und putzte sich die Nase.
„Kann ich auch nicht. Aber wenn jemand bei mir ist, kann ich es aushalten“.
„Ach so“.
Schweigend tranken sie ihre heiße Milch mit Honig.
„Wie geht es deinem Sohn? Benny, richtig“?
Gloria nickte.
„Er sagt, es geht ihm gut. Aber….“
„Ja“?
„Du kennst es bestimmt. Das Gefühl, das dich noch nie getäuscht hat. Der Mutterinstinkt“.
„Oh. Verstehe“.
„Ich hab irgendwie das Gefühl, das er mir nicht ganz die Wahrheit sagt“.
„Okay, das ist nicht gut.“
„Was ist mit deinen Söhnen“?
Red schluckte schwer.
„Hab ich was falsches gesagt“?
„Seit ich die Scheidung von ihrem Vater eingereicht habe, hat sich keiner der drei blicken lassen. An ihre Telefone gehen sie nicht, Briefe bleiben entweder unbeantwortet oder sie kommen zurück“.
„Oh man…“
Red weinte schon wieder.
Gloria umarmte sie. Ganz vorsichtig. Und dann spürte sie, wie dringend Red diese Umarmung brauchte.
Und so blieb Gloria bei Red. Die ganze Nacht.
Am nächsten Morgen wachte Gloria als erste auf. Sie saß auf dem Boden, ihren Kopf hatte sie auf Reds Bett abgelegt. Red schlief tief und fest.
Sie schlich aus der Zelle und schloss die Tür leise hinter sich.

Sie ging in ihre eigene Zelle und setzte sich einen Moment auf ihr Bett.
Der Aufstand hatte noch mehr Spuren bei Red hinterlassen, als Gloria gedacht hatte. So klein, schwach und verletzlich hatte sie Red noch nie erlebt.
Sie nahm den Brief an Benny, drehte und wendete ihn in ihren Händen. Sie drückte ihre Lippen auf den Brief und gab ihn schließlich bei den Wärtern ab. Die meisten waren neu und eigentlich ganz in Ordnung. Die Beamtin Fletcher versprach ihr, das der Brief noch heute in die Post gehen würde.

Am Abend betrat Red Glorias Zelle.
Gloria lag auf ihrem Bett und blätterte in einem Kochbuch.
„Red. Was gibt’s“?
„Ich…ich hab mich noch gar nicht bedankt bei dir. Für heute Nacht“.
„Schon in Ordnung. Sonst noch was“?
„Nein, eigentlich nicht“.
„Gut. Geh bitte, ich möchte alleine sein“.
„Mit dir ist doch was“.
„Mit mir ist alles in Ordnung und jetzt verschwinde“.
Irritiert trat Red den Rückzug an.

Die Situation ließ ihr keine Ruhe. Red wälzte sich in ihrem Bett hin und her. Die Tatsache, das sie nachts allein war, war sie noch nicht gewöhnt. Bestimmt hätte sie Piper mit ihrem Herumgewälze geweckt. Bestimmt schlief sie seelig in ihrem Bett. Schließlich stand sie völlig entnervt auf. Vielleicht half ja ein kleiner Spaziergang auf dem Gang, in den Schlaf zu finden.
Was hatte sie Gloria getan? Oder war es einfach der wenige Schlaf in der Nacht vorher? Oder war etwas mit ihrem Sohn?
Als sie aus ihrer Zelle schlich, fiel ihr sofort auf, das Glorias Zelle verschlossen war.
Nach kurzem zögern klopfte sie.
„Gloria? Gloria ist alles in Ordnung“?
Keine Antwort, nur hektisches Atmen. Das klang nach einer heftigen Panikatacke.
„Fuck….“ Sagte Red leise und drehte am Türknauf.
„Mach auf, Gloria, bitte. Lass mich dir helfen“.
„Ich…kann nicht….ich schaff es nicht….bis zur Tür“.
„Okay. Versuch ruhig zu atmen, ich hole Fletcher. Ich bin gleich wieder da“!
Red rannte zum Beobachtungsraum der Beamten.  Red erklärte der jungen Beamtin die Situation, innerhalb weniger Sekunden hatte diese die Tür geöffnet.
Gloria saß auf ihrem Bett, in die letzte Ecke gedrückt.
„Ich…kann…kann nicht..“
„Atmen“? fragte Red schnell.
Gloria nickte in Panik.
„Okay, Gloria. Hören Sie mir zu. Legen Sie eine Hand auf ihre Brust, die andere auf den Bauch. Und dann durch die Nase ein- und durch den Mund ausatmen“.
„Ich….kann nicht….“
Fletcher übernahm es.
Es dauerte ein bisschen, aber Gloria beruhigte sich.
„Ich lasse sie holen. Sie müssen heute Nacht auf der Krankenstation beobachtet werden.“
„Nein, bitte nicht. Ich hab das manchmal seit dem Aufstand. Und es ist ja jetzt vorbei“.
„Ich bleibe bei ihr“, bot Red an, bevor Fletcher noch etwas entgegnen konnte.
„Nun gut. Aber sollte das nochmal passieren – Sie rufen mich sofort, Red. Haben Sie mich verstanden“?
Red nickte.
Dann waren sie allein.
Die Beamtin hatte die Tür angelehnt gelassen.
„Warum hast du dich eingeschlossen? Du erträgst das doch gar nicht.“
„Ich weiß es nicht. Nennen wir es Aussetzer“.
„Du warst vorhin schon so komisch….“
„Ich weiß. Es tut mir leid“.
„Magst du mir es jetzt erzählen“?
„Gloria zögerte. Red drückte aufmunternd ihre Hand.
„Benny….die verdammte Reha läuft nicht gut. Er lässt sich hängen“.
„Verdammt….“
Gloria sank kraftlos in Reds Arme.
„Woher weißt du das eigentlich“? fragte Red leise.
„Die Klinik hat vorhin angerufen“, erklärte Gloria noch, bevor sie in Tränen ausbrach.
Sie sagten nichts mehr. Gloria weinte nur noch. Red strich ihr immer wieder über den Rücken, sie blieb die ganze Nacht bei ihr.
Am nächsten Morgen wurde Red wach, weil Gloria sich vorsichtig aus ihrer Umarmung lösen wollte.
In der Nacht war Red ein Gedanke gekommen. Den musste sie umsetzen. Sofort.
Die Arbeit in der Küche lenkte Gloria ab Ein paar Stunden nicht an die verfahrene Situation denken zu müssen, tat ihr gut.
Da kam einer der Beamten in die Küche und drückte ihr ein Schreiben in die Hand.
„Ich krieg Hafturlaub? Eine Woche? Aber ich hab doch gar nicht….“
Red zwinkerte ihr zu. Gloria verstand die Geste.

Eine Woche später Nickys 30. Geburtstag gefeiert. Doch Red hatte auch etwas anderes im Sinn. Gloria würde gegen Abend zurückkehren.
Und tatsächlich stand sie dann vor Red.
Sie umarmte Red.
„Das kann ich dir nie zurückgeben“, sagte sie leise und kämpfte mit den Tränen.
„Das musst du auch nicht“, antwortete Red und lächelte sie an.
„Doch. Wenn ich irgendwas für dich tun kann, lass es mich wissen“.
„Du musstest du deinem Sohn. Und das sofort. Alles was ich getan habe, war mich an die richtige Person zu wenden. Mehr nicht“.
„Red…“
„Schon gut, schon gut. Dann hab ich eben was gut bei dir“.

Natürlich war reichlich Alkohol geflossen. Gegen Mitternacht zog Red sich in ihre Zelle zurück.
Eine halbe Stunde später kam Gloria zu ihr.
Red vermisste ihre Söhne schmerzlich. Gerade heute hatte Vasily seiner Mutter auf schmerzvolle Art und Weise klar gemacht, das er nichts mehr mit ihr zutun haben wollte. Der Alkohol gab ihr den Rest.
Gloria saß nur da und hörte zu, während Red praktisch eine Lebensbeichte ablegte und dabei immer wieder bitterlich weinte.
Eigentlich hätte Red vier Kinder gehabt. Ihr viertes Kind, ein Mädchen, war ihr regelrecht aus dem Bauch geprügelt worden. Eine Strafaktion der russischen Mafia.
Gloria wurde beinahe schlecht bei der Erzählung. Immer wieder hatten die Männer Red gezielt in den Bauch geschlagen, oder getreten.
Red konnte ihre Tochter nur noch tot auf die Welt bringen.
Soviel wie in den letzten Nächten hatte Red noch nie geweint. Aber sie fühlte sich so scher bei Gloria. Es fühlte sich gut an.
Und so wehrte sie sich auch nicht, als Gloria sie küsste.

Der nächste Tag verlief ruhig. Die meisten Frauen waren etwas verkatert. Red arbeitete im Gewächshaus. Sie zog es vor, Gloria erst mal aus dem Weg zu gehen.
Es klopfte.
Gloria kam herein.
„Ich hab was für dich“.
Red sah Gloria abwartend an.
Gloria zog einen Stein aus ihrer Jackentasche, den sie mit kleinen Herzen und Blumen liebevoll verziert hatte. Sogar an den Namen, den Reds Tochter heute tragen würde, hatte sie gedacht. ‚Lilli‘ stand in wunderschön geschwungener Schrift auf dem Stein.
„Es tut mir leid wegen gestern. Ich will nicht das du denkst, das ich dich benutzen wollte.“
„Schon gut“.
Gloria gab Red den Stein in die Hand.
Sie drehte sich um. Als sie die Türklinke in der Hand hatte, sagte sie leise: „Ich hab mich gerade dafür entschuldigt. Aber ich muss ständig an unseren Kuss denken“.
Dann war sie weg. Red setzte sich und legte ihre Stirn auf die Tischplatte vor sich.
„Ich auch“, sagte sie leise.
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