Deichbrand! Ja, wir wollen!

OneshotRomanze / P12
Felix Brummer / Kummer Karl Schumann Max Marschk OC (Own Character) Steffen Israel / Tidde Till Brummer / Kummer
26.07.2017
26.07.2017
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Hallo ihr Lieben,

Karl ist gesetzt und das Deichbrand musste diesmal als Lokation herhalten. Ein bisschen was zum Konzert in Mainz von Tom Odell konnte ich mir nicht verkneifen, seid mir nicht böse.

LG fiktiongirl

P. S. : Wenn es eine leere Seite für die Widmung gäbe : für Lou!
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Karl und ich stehen im Schlafzimmer. Sein Kleiderschrank ist geöffnet und eine Reisetasche steht auf dem Bett. Es steht wieder mal ein Festival Wochenende bevor und wir stehen hier uns streiten uns fast, wegen genau so einem blöden Festival. Karl schmeißt wahllos T-Shirts in die Tasche. Sie liegen dadurch sehr zerknautscht darin.
„Ich wollte eigentlich, dass du mitkommst, Alexa.“
„Und ich will auf das Konzert in Mainz. Es gibt doch bestimmt eine Stream, dann schau ich mir dich von hier zuhause aus an.“
„Ich will dich dabei haben!“ Er klingt fast schon sauer.
„Karl, ich verstehe dein Problem nicht. Was ist so schlimm daran, dass ich nicht dabei bin?“
„Ich will dich dabei haben. Punkt.“
„Und wenn ich nachkomme? Ihr spielt doch erst abends. Dann reicht es doch, wenn ich nachmittags da bin."
Ein paar Stunden zuvor kam die Nachricht an Karl, dass sie am 22 Juli in Cuxhaven Headliner beim Deichbrandfestival sein werden. Ein Tag nachdem ich eigentlich in Mainz sein wollte auf einem Konzert meiner absoluten Lieblingskünstler Tom Odell.
Karl geht wieder um Schrank und zieht Jeanshosen heraus. Anhand dessen wie er sie herauszieht, kann ich erkennen, dass er aus, für mich erklärlichen Gründen, total sauer ist.
"Karl, was genau ist dein Problem?"
Ich gehe auf ihn zu und schaue ihm in die Augen und fasse seine rechte Hand mit meiner linken. Ich halte sie locker fest, sodass er jederzeit die Verbindung lösen könnte. Stumm sieht er mich an. Das machen wir immer, wenn sich ein Streit anbahnt. Auf den jeweils anderen zugehen, ihn leicht berühren und festhalten, damit er innehält und dann stumm anschauen.
Bereits zu Beginn unserer Beziehung konnten wir uns Stundenlang Schweigend in die Augen schauen und uns verstehen.
Heute ist Premiere. Nach knapp drei Jahren Beziehung sind Karls Augen unergründlich für mich. Seine Augen sind verschlossen, obwohl er mich ansieht. Ein ungutes Gefühl steigt in mir empor, ergreift Besitz von meinen Gedanken und lässt mich nicht mehr klar denken.
"Karl? Was ist los," flüstere ich zittrig. Meine Augen brennen durch die aufkommenden Tränen. Kann es sein, dass er... Ich wage es nicht einmal zu denken. Mein Freund zieht mich in eine feste Umarmung. Ich verstecke den Kopf in seiner Halsbeuge und atme den mir so vertrauten Geruch ein.
"Genau das Festival ist das wichtigste für mich und auch die anderen Jungs. Du weißt, dass wir diesen Witz haben mit dem Heiraten. Wir wollen einen Abriss machen wie noch nie seit dem neuen Album. Ich will das mit dir teilen. Du kennst mich. Ich war noch nie dagegen, wenn du mit auf ein Festival wolltest, auch weil du selbst nie auf welche mitfahren willst. Aber für dieses eine Festival bitte ich dich sogar, dass du mitkommst."
"Du hast also keine andere? " ich schluchze laut. Er drückt mich weg von sich, sieht mich ernst an:" Wie um Himmels Willen kommst du darauf? Ich liebe dich! Das weißt du!"
"Ich... Ich konnte nicht... Ich habe nicht..." kein gerader Satz verlässt meinen Mund.
"Was wäre ich denn für ein Mensch, der eine Frau als" verdammte Hure " beschimpft in einem Lied und dann selbst fremdgeht?" Das schiefe Grinsen erscheint auf seinem Gesicht.
"Aber das... ist ja Kunst," sage ich ein klein bisschen trotzig. Mein Freund hingegen schmunzelt mich an, streicht über meine Wangen, wischt so die Tränen weg und klopft sanft gegen meinen Kopf:" Genau und was da oben in deinem Kopf vor sich geht ist auch reine Fiktion." Ich spüre seine Lippen an meinem Haaransatz und werde wieder in eine Umarmung gezogen. "Tut mir leid," nuschele ich," war wohl doch etwas viel in letzter Zeit und ich weiß, dass es noch weniger Zeit für uns geben wird."
"Wir haben bald wieder mehr Zeit für uns," sagt er. Ich weiß, dass er nur sagt, um mich zu beruhigen denn ich weiß auch, dass er sich riesig darauf freut wieder zu spielen. Deshalb hebe ich meinen Kopf und drücke Karl einen Kuss auf die Wange:" Du weißt, dass ich weiß, dass du mega Bock darauf hast wieder vor Menschen live zu spielen. Das kannst du mir ruhig offen sagen. Ich muss mich wieder daran gewöhnen, dass du öfter weg bist, genauso wie ich mich daran gewöhnt habe, dass du so lange hier warst. "
" Gut. Versprich mir, dass du weder ein Wort noch einen Gedanken daran verlierst, dass ich dich betrüge! " Karl umfasst mein Gesicht mit seinen Händen und küsst mich sanft. Ich erwidere den Kuss und ziehe ihn enger zu mir. "Was hält du davon, den Koffer später fertig zu packen?" Seine Antwort ist ein Leidenschaftlicher Kuss.


Die Zeit zieht ins Land und der Tag des Deichbrand- Festivals rückt immer näher. Genauso wie das Konzert.
Luisa und ich wollen unbedingt dorthin, auch wenn Karl immer wieder so einen Aufstand macht, dass ich mit nach Cuxhaven fahren soll. Luisa sitzt auf der Couch im Schneidersitz mit einem heißen Kakao in der Hand, genauso wie ich. Draußen regnet es in Strömen und kalt ist es auch noch dazu.
"Wir können ja samstags noch hoch zu ihnen fahren."
" Mit dem Zug?"
"Nein du Doofie, mit dem Heißluftballon."
"OK. Fliegen im Flugzeug ist einfach nur überbewertet." Das Handy wandert vom Wohnzimmer Tisch zu mir in meine Hand und tippt darauf herum. Ich suche wie lange wir brauchen: "5 Stunden und ein paar gequetschte Minuten."
Luisa nickt und ich zucke mit den Schultern: " Fahren wir halt mit dem Auto morgens hoch. Ist doch kein Problem. Ich versteh Karl einfach nicht. Was ist sein Problem. Ich weiß einfach, dass er mir nicht die Wahrheit sagt, wenn er wieder einmal davon anfängt, dass es ihm einfach wichtig ist." Meine beste Freundin trinkt schweigend ihren Kakao. Durchdringend sehe ich sie an:" Du weißt etwas, richtig? "
Verlegen blickt sie weg und trinkt noch einen Schluck Kakao. Das reicht mir als Antwort. Ich stehe auf und laufe mit verschränkten Armen ans Fenster. "Karl und ich streiten so oft deswegen. Das macht mir Angst, Lu. Manchmal denke ich dann, dass es doch bald zu Ende geht mit uns, dabei sind doch erst seit einem Jahr zusammengezogen. Ich hasse das und dann hasse ich ihn auch, weißt du?" Ich drehe mich zu ihr um und fahre fort:" Aber ich liebe ihn. Wahrscheinlich würde ich das nicht überleben, wenn er Schluss macht." Luisa kommt zu mir:" Er wird nicht Schluss machen. Er liebt dich auch. Das Deichbrand- Festival ist einfach so wichtig, weil sie dort zum ersten Mal so richtig offiziell Headliner waren. Mach dir keine Sorgen, vielleicht will er dir das Festival ja auch einfach als vorab Geburtstagsgeschenk schenken oder so." Trotzig gucke ich die braun haarige mit den grünen Augen an:" Dann könnte er mir das ja sagen. Ich glaube dir trotzdem nicht. Für mich ist der Drop auf jeden Fall gelutscht. Ich pfeif auf das Konzert in Husum und komme Samstagnachmittag zum Deichbrand. Morgens läuft da eh nichts."



Es ist der Donnerstagnachmittag vor dem Konzert.
Karl und die andern Jungs fahren heute Abend schon los nach Husum, wo sie ein kleines Konzert geben werden, ehe sie weiter nach Cuxhaven fahren werden. Schweigend packen wir unsere jeweiligen Taschen. Seit drei Tagen reden wir nur das Nötigste miteinander. Ich gehe in die Küche und schiebe die Lasagne in den Backofen. Ich hatte sie bereits heute Morgen fertiggemacht. Nachdem die Backofentür geschlossen und der Timer gestellt ist, schlage ich die Hände vor meinem Gesicht zusammen und beginne stumm zu weinen. Mein Herz tut einfach so weh. Karl und ich sind beides Dickköpfe, aber so schlimm war es noch nie. Es gibt Momente in denen ich ihn am liebsten verlassen würde. Das sind Momente die vom Verstand regiert werden. Natürlich gibt es dann auch die Momente, die unter der Herrschaft des Herzens stehen. Dann kommt ein Verlassen gar nicht mehr in Frage, denn zu groß ist die Liebe zu Karl.
"Alexa?" Ich höre seine Schritte. Karl kommt vom Schlafzimmer in die Küche. Schnell wische ich mir die Tränen weg. Doch ich bin zu langsam. Er sieht mich ungläubig an. Ich drehe mich weg zur Schublade mit dem Besteck:" Essen braucht noch," sage ich knapp, da mir momentan mein Herz bei einem Blick in seine wunderschönen dunkelbraunen Augen einfach viel zu weh tut.
"Alexa..."
"Was ist denn noch," fauche ich die Augen zusammenkneifend im Kampf gegen die Tränen. Im selben Moment bereue ich die Worte und Tränen laufen über meine Wangen.
Karl überbrückt die wenigen Meter zu mir, schlingt seine Arme um mich. Ignoriert meine Gegenwehr und hält mich fest umklammert. Ich breche weinen in seinen Armen zusammen.
"Was ist nur mit uns los, Karl?" Die Worte kommen gedämpft durch den Stoff seines T-Shirts.
"Verlass mich nicht," meine Finger auf seinem Rücken graben sich regelrecht in den Stoff, so dass es mich nicht wundern würde, wenn es reißt.
"Ich verlasse dich nicht. Niemals."
"Und du hast auch keine Andere?"
"Nein," sagt er vehement.
"Du würdest es mir sagen, oder? Wenn du mich nicht mehr liebst?"
Er drückt mich weg von sich und legt wortlos seine Lippen auf meine. „Ich bin nicht sauer auf dich und ich wollte dich auch nie anschweigen. Ich bin nervös, weißt du? Sehr sogar.“ Der Versuch meines Freundes ein lächeln entstehen zu lassen endet in einer Grimasse. Ich lege meine Hand an seine Wange: „Samstagabend wird alles wieder gut, oder? Sag mir, dass Samstagabend alles wieder gut wird zwischen uns.“ Er nickt und küsst mich sanft: „Lass uns essen, sonst ist es verbrannt.“

Ein paar Stunden später verabschiede ich mich von Karl und dem Rest der Truppe am Treffplatz, wo der Nightliner steht. Alle werde herzlich gedrückt ehe sie in den Bus klettern und mein Freund und ich alleine als letztes noch vor der Tür stehen. „Ich freue mich auf Samstag, wenn du kommst und ich wünsche dir viel Spaß bei deinem Briten. Ich liebe dich, Alexa.“
„Ich dich auch. Habt viel Spaß in Husum morgen und nervös brauchst du nicht sein. Eure Fans lieben euch. Melde dich, okay?“
Felix streckt den Kopf aus der Bustür: „Karl, jetzt komm schon!“ Ich grinse ihn an und drücke Karl noch einen kurzen Kuss auf dem Mund: „Nun, geh schon. und denk nicht zu oft an mich,“ zwinkere ich.
„Brenn mir nicht mit dem Briten durch!“ Wir lachen beide und wissen endgültig, dass wir diese kleine Krise überwunden haben. Die letzten Sätze sind immer ähnlich, wenn er wegfährt. Er soll nicht zu oft an mich denken, sondern seinen Job machen und ich soll nicht mit einem anderen Typen etwas anfangen. Ein Scherz von uns beiden, der seit Beginn unserer Beziehung besteht. Nur dieses Mal bleibt ein kleiner Beigeschmack übrig. Erst, wenn ich ihm Samstag an den Augen seine Freude ablesen kann und sehe, dass dieser merkwürdige Ausdruck weg ist, dann weiß ich, dass alles wieder gut ist.


24 Stunden später stehe ich nach einer unkomplizierten Autofahrt, einchecken im Hotel und einem Bummel durch Mainz und anstehen in der Schlange, die bis kurz vor Einlass keine Schlange war, in der ersten Reihe und tanze und singe zu Tom Odell. Für eine Weile kann ich meine Beziehungsprobleme hintenanstellen, bis zum Moment, an dem Tom einen Song spielt, der „I know“ heißt. Ein Song darüber, dass man getrennt voneinander ist, aber immer wieder zurück zu dieser Person kommen würde und egal, was man tut, immer wieder verliebt man sich wieder in die Person. Obwohl es kein ruhiger Song ist, kommen mir die Tränen und ich stelle mir unweigerlich Karl und mich vor. „Alles ist gut! Du brauchst keine Angst zu haben,“ ruft Lu mir ins Ohr. Sie hat mir die ganze Autofahrt über schon meinen Problemen und Ängsten gelauscht. „Vergiss Karl einfach mal für 90 Minuten, genieße die Show von deinem liebsten Briten.“ Ich drücke ihr einen dicken Schmatzer auf die Wange und versuche das Konzert zu genießen, was mir auch gelingt. Ich konzentriere mich auf die Musik und schalte mein Gehirn ab.

Wieder im Hotel angekommen duschen Lu und ich nacheinander und checken erstmal unsere Handys. Ich hatte mein WLAN ausgeschaltet, sodass ich nicht Gefahr laufe während des Konzerts auf die sozialen Netzwerke zu gehen wegen Karl. Tatsächlich habe ich einige Nachrichten von ihm, aber auch von Felix:
„Ihr seid mir zwei Dickköpfe! Tztztz. Glaube mir, morgen Abend regelt sich alles zwischen euch beiden! Du und Karl seid perfekt. Ach ja, Husum war schon krass gut. Gegen uns kommt Tom eh nicht an :-P“

Ich lache und sende Felix ein Bild von der Show:
„1 Reihe. Der Brite stand zwei Meter entfernt. Bei euch bin ich immer an der Bühnenseite. Was könnt ihr? :-P“

Dann lese ich die Nachrichten von Kar. Bilder von Husum und sogar ein paar Selfies:
„Husum ist schön. Müssen wir unbedingt nochmal zu zweit hin. Gibt mehrere Buchläden für dich. :-* „
„Tilli versinkt fast im Watt. Brauchen wahrscheinlich einen neuen Bassisten. XD“
„Das Konzert war echt gut. Diesmal sogar keine Kniescheiben rausgeflogen. Aber die Menschen in der ersten Reihe lagen fast auf meinem Pedal Board. Bin bestimmt wem auf die Füße getreten. =/“
„Wie war die Tom Show? Hattest du einen guten Platz?“

Auch ihm sende ich das Bild, was ich Felix geschickt habe und noch ein paar andere Bilder. Schreibe ihm wie toll es war und dass ich nun schlafen gehe, da wir morgen sehr früh raus wollen. „Es ist besser so, Alexa. Ihr zwei braucht Zeit für euch!“ Die Worte meiner besten Freundin.
Felix schickt mir eine Antwort: „Du schläfst mit dem Sänger der Band. 1:0 für die Sachsen.“
„Lu? Guck dir das an!“ Ich reiche ihr mein Handy und wir beide liegen lachend auf dem Bett. Auch mein Freund antwortet mir noch:
„Du stehst also auf Anzüge?! Gut zu wissen :-D Habe meinen nicht dabei aber das Bühnenoutfit tut es doch auch? Liebe dich und freu mich auf morgen. Schlaf gut :-*“

Ich tippe: „ Tut mir leid, du hast verkackt :-P Ich liebe dich auch ohne Anzug, bis morgen :-*“

„Siehst du? Kein Grund zur Panik. Ich verstehe dein Verhalten nicht. Du machst viel zu viel Lärm um nichts! Jetzt schlaf mal gut und träume schön vom Konzert,“ sagt meine Freundin noch und ist schon eingeschlafen. Ich versuche es wirklich, aber ich wälze mich von einer Seite auf die andere und schlafe immer nur für ein paar Minuten, weshalb ich am nächsten Morgen sehr viel Kaffee trinken muss und Luisa die erste Schicht der Fahrt übernimmt, damit ich noch schlafen kann.
Tatsächlich kann ich während der Fahrt schlafen und tausche auf halber Strecke den Platz mit Luisa. Wir haben zwar keinen Stau, aber trotzdem ist die Autobahn teilweise so voll, dass der Verkehr nur zähfließend ist. Ich hatte Karl heute morgen geschrieben, wann wir voraussichtlich da sein würden. Aber wir haben noch knapp fünfzig Minuten bis nach Cuxhaven. Mein Handy klingelt. Da es an der Freisprechanlage angeschlossen ist, kann ich das Gespräch entgegen nehmen.
"Hallo?"
"Karl hier. Wo seid ihr?" Er klingt unruhig. Ich ignoriere es. Kein Streit Telefon.
"Luisa hat Felix geschrieben. Wir hatten zähen Verkehr. Sind in gut einer dreiviertel Stunde da."
Karl seufzt erleichtert auf:"Gut. Ich habe mir Sorgen gemacht."
"Alles in Ordnung, Spatzl,"ziehe ich ihn auf, grinse und drücke auf das Gaspedal.
"Hasimaus, du sollst mich doch nicht so nennen." Man hört Stimmen im Hintergrund. Das Navi sagt eine Anweisung. "Okay, Alexa ich muss auflegen. Ich hoffe, ihr habt den Pass?"
"Liegt in der Mittelkonsole, bis gleich." Wir legen auf.
"du bist mir wirklich eine. Wenn ich ich wüsste, dass es momentan seltsam zwischen euch ist, würde ich nichts bemerken. Pfefferminz Bonbon?"
"Ja, danke. Ich weiß, aber ich kann nicht anders. Ich... Immer wenn ich seine Stimme höre, dann ist.. Keine Ahnung... Ich kann nicht anders."
"aber Hauptsache du denkst er betrügt dich."
"was soll es denn auch anderes sein? Entweder er liebt mich nicht mehr oder er hat mich betrogen."
"Natürlich! Weil es ja auch keine andere Option gibt," sagt Lu ironisch.
"Nein, gibt es nicht."
"du Blindfisch," nuschelt sie und dank des Navis, was mir eine Anweisung entgegnet, kann ich es nicht hören.
Durch die Pässe und freundlichen Mitarbeiter des festivals können wir zügig zum Nightliner der Jungs durch fahren und dad Auto abstellen. Die Gummistiefel liegen zum Glück im Fußraum der Rücksitze. Es ist doch ziemlich matschig hier. Und viel kälter als in Mainz, hinzu kommt noch, dass ich eh eine Frostbeule bin und die Müdigkeit verschlimmert es noch. Ich trage einen dicken Kapuzenpulli und friere trotzdem noch.
"Jetzt frierst du bestimmt noch, weil du nervös bist Karl zu sehen, richtig? So kalt ist es nämlich nicht."
Ich nicke und wische unauffällig meine schwitzigen Hände an der Außenseite meiner Jeans ab. Schneller als mir lieb ist, stehen wir vorm Eingang des Backstagebereiches und werden durch gelasssen. Vorher hatte ich Karl eine Nachricht geschrieben, dass wir auf dem Parkplatz neben dem Bus stehen.
"Mensch da seid ihr ja! Huch, ist es so matschig?" Steffen kommt auf uns zu und zieht uns beide jeweils in eine herzliche Umarmung. "Der Parkplatz war so schlammig," antworte ich. Wir gehen weiter zu den andren.
"Hättet doch einen der Shuttlebusse nehmen können." Max zieht nochmal an der Zigarette ehe er uns ebenfalls umarmt. Till springt mir von hinten auf den Rücken und knutscht meine Wange ab. "DU FÄNGST!" Dann rennt er wie von der Tarantel gestochen weg. Luisa lacht, schmeißt ihre Tasche auf den Boden und rennt hinter Till her mit den Worten:"Aber mich hast du nicht begrüßt!"
"Das können ja nur die Damen sein! Hallo, hallo ihr zwei!"
"Hey Felix," ich wuschele ihm durch die Haare.
"Hey, meine Frisur!"
"Das ist keine Frisur, das ist eine Katastrophe. Also kann ich gar nichts kaputt machen." der Blonde legt den Arm um mich und führt mich zu einem der Container.
"Seid lieb zueinander," raunt er mir noch ins Ohr. Dann verschwindet er. Karl steht im Raum und blickt auf sein Handy. Er hat mich gar nicht bemerkt. Meine Tasche rutscht von meiner Schulter und er zuckt zusammen, sieht mich erschrocken an.
"Hey," sage ich schüchtern. Ich gehe auf ihn zu.
"Hi! Ich habe gerade versucht dich anzurufen."
"Du und dein Hang zur Überheblichkeit. Wir sind vom. Bus hierher gelaufen. Ehe du etwas sagst; Nein, wir wussten nicht, dass es ein Shuttle Service gibt."
"Okay, Hauptsache du bist hier." Karl schließt mich in jene feste Umarmung und küsst mich. Nicht nur kurz, sondern als wolle er alle Gefühle und sämtliche Stunden, die wir getrennt waren aufholen in diesem einen Kuss. So hat er mich schon lange nicht mehr geküsst. Meine Knie werden weich und Blut strömt mit Vollgas durch meine Adern als ich Karls Zunge an meinen Lippen spüre. Es ist uns egal, was gerade um uns herum passiert. Egal auch, dass wir eigentlich eine Krise haben. Es ist als würden wir alles einfach wegknutschen.
"Und wenn du mich küsst, dann ist sie Welt ein bisschen weniger scheiße," nuschele ich. Wie lösen uns und blicken uns in die Augen. Der Schleier vor Karls Augen ist nicht mehr ganz so stark wie zuvor, aber immer noch vorhanden.
"Ich bin jetzt sehr glücklich, dass du hier bist."
"Hast du gedacht, ich fahre zurück nach KMS?" trotz Adrenalin muss ich gähnen. Ein kleiner großer Klotz ist mir vom Herzen gefallen und das gestrige Konzert steckt mir auch noch in den Knochen. Ich kuschele mich an Karl: "Erzählst du mir wie es war in Husum?"
"Du brauchst erstmal Kaffee! Leg Dich auf die Couch. Ich komme gleich wieder."
Er will den Container verlassen doch ich halte ihn am Arm fest:" Es ist schon wieder besser oder?"
Er nickt: „Ja ist es. Hast du nachher Lust auf einen Rundflug über das Gelände?"
"Oh ja! Auf jeden Fall," sage ich begeistert und nicke bestätigend mit dem Kopf," aber dann könnte ich doch direkt mitkommen? Sonst rennst du ja doppelt?"
"Nimm dir eine Jacke mit, sonst frierst du noch mehr."

Ich fasse seine Hand während wir über das Gelände zu den Hubschraubern laufen und erzähle von gestern und er erzählt mir wie sie Poker gespielt haben und das Husum so super war.
Wir beide tragen Sonnenbrillen und die Jacken um den Bauch gebunden. Ich sehe Karl von der Seite an und muss an ein Lied von Tom Odell denken, dass auch gestern gesungen wurde. "Grow old with me" handelt, eigentlich ziemlich schnulzig und sehr kitschig, davon wie - ja wie man am liebsten mit dem Partner alt werden will. Mit allem Drum und Dran, den Falten im Gesicht, den ergrauten Haaren und die Kinder tanzen einen herum, während der gemeinsame Song aus der Anlage läuft und man dazu tanzt. Ich würde jeden Streit mit ihm durchstehen wollen, wenn ich ihn dafür den Rest meines Lebens an meiner Seite wüsste.
"Es tut mir leid, Karl, dass ich deine Nervosität nicht richtig verstanden habe."
Seine Augen sind hinter der Sonnenbrille versteckt, aber sein Lächeln ist ehrlich:" Ich weiß." seine Miene wird wieder ernst:" Schon als wir noch gar nicht aus Karl-Marx-Stadt heraus gefahren waren, dachte ich, dass wir sehr bescheuert sind und es der dümmste Streit ist, den wir je hatten. Es ist nicht immer leicht, weißt du? "
In stummem Einverständnis drücke ich seine Hand und stecke mich ihm entgegen, damit ich ihn auf die Wange küssen kann.
Wenig später sitzen wir im Hubschrauber und fliegen über das Gelände. Wir schießen Bilder und genießen diese wahnsinnige Aussicht. Als der Hubschrauber jedoch schräg fliegt wird mir doch ein wenig flau im Magen und ich drücke feste die Hand meines Freundes. Viel zu schnell ist der Rundflug vorbei und ich muss mich erstmal setzen.
„Ist alles ein bisschen viel, weißt du,“ versuche ich Karl anzulächeln. Er nickt mit einem schiefen Grinsen im Gesicht: „Ich denke, vom Flug muss was für die Fans in die Instagram Story von Kraftklub. Warte mal, dann kannst du noch etwas sitzenbleiben.“ Er tippt auf seinem Handy herum. „Schreib doch, dass du den Backstage suchst,“ witzele ich und stehe auf. Er streckt mir den Bildschirm entgegen, darauf steht getippt: „Karl sucht den Backstage.“ Wir grinsen uns an.
„Suchen wir ihn wirklich wieder auf, sonst haben uns sie andern alles wegefuttert. Du willst doch bestimmt zu AnnenMayKantereit?“
„Du kennst mich zugut,“ seufze ich theatralisch.
„Ich höre dir zu, wenn du redest.“
„Dafür liebe ich dich doch auch,“ die Zunge strecke ich ihm raus und lachend laufend wir über das Gelände.
Die Sorgen verschwinden immer weiter und ich verspüre ein Glücksgefühl wie ich es seit Monaten nicht mehr hatte.


Dann ist es soweit und die Jungs machen sich für die Show bereit. Man merkt, dass sie nervös sind. Besonders Karl, der eigentlich immer entspannt ist, scheint heute keine Ruhige Minute zu haben, obwohl wir uns wieder vertragen hatten. Seine Stimmung war bis gerade noch sehr ausgelassen, aber nun scheint er wieder in Nervosität zu baden. Ich küsse ihn kurz, dann verziehen Lu und ich uns aus dem Backstage, damit Kraftklub unter sich sein kann.
Ich stelle mich mit Luisa an den Bühnenrand auf die Seite von Till und Karl. Die Jungs stellen sich auf und die Tänzer folgen nach. Vom ersten Moment an geben die Jungs, die Tänzer und das Publikum Gas. Es ist meiner Meinung nach eine ihrer besten Auftritte überhaupt, auch wenn sich ein paar winzige Versprecher vor Nervosität einbauen. Natürlich spricht Felix immer wieder das Thema Hochzeit an und tatsächlich ist im Publikum ein riesiger Ring auf Alufolie zu finden. Felix bezeichnet den Zuschauer als „Frodo den Ringträger“. Gegen Ende der Show sieht Felix sogar eine Frau mit Schleier. Ich erahne, was nun folgt. Die Dame namens Leo soll nach vorne und der Ring wird ebenfalls nach vorne gereicht. Leo soll nun stellvertretend für das komplette Festival geheiratet werden.
Die Menge ruft, Felix soll auf die Knie gehen, was er auch tut und anschließend nach Leos Hand greift
Felix guckt zu seinem besten Freund: „Soll ich das jetzt fragen oder fragst du das Karl? Sowas darf man doch nicht selber fragen! Darf man sowas selber Fragen? Ich frag das jetzt einfach selber! Ne, das ist blöd. Du musst fragen: Willst du..."
"Leo willst du Felix heiraten?" Die Menge tobt und ich lache noch lauter über Karls nüchterne und lapidare Art. Till brüllt ein lautes: „Ja!“ Karl sagt noch etwas, dass Steffen für Leo sprechen soll und Felix wiederholt es zur Sicherheit.
"Liebe Leo, möchtest du uns heiraten," fragt Karl noch einmal. „SIE HAT JA GESAGT!“ Felix brüllt ins sein Mikro. Wir alle hinter der Bühne schreien und grölen mit den 50000 Menschen und werden noch lauter als Felix Hände den Kopf der Braut greifen, festhalten und er der jungen Dame einen kurzen, wahrscheinlich sehr, sehr feuchten, Schmatzer auf den Mund drückt. Sie wird noch zum Crowdsurfen geführt von Felix, der danach wieder auf die Bühne hüpft.
Ein Stich in meiner Brust lässt mich zusammenzucken. Es ist dieser kurze Moment einer jeden Frau, die insgeheim hofft, dass der Partner an ihrer Seite bald ein Versprechen abgibt, sie immer zu lieben bis zum Ende. Egal, ob wir momentan eine kleine Krise durchmachen oder nicht. Der Moment ist so schnell vorbei wie er angekommen war, doch ich spüre Karls Blick auf mir. Ich stelle Blickkontakt her und zwinge mich zu einem fröhlichen Gesicht. Er guckt schief, weiß, dass irgendwas seltsam war, grinst aber zurück und zum Abschluss des Konzerts bringen Kraftklub den Deich endgültig zum Brennen mit Songs für Liam.
Luisa brüllt in mein Ohr: „Jetzt guck nicht so traurig. Du tanzt, aber deine Augen strahlen nicht.“
„Doch, aber ich musste grade daran denken, wie dumm wir waren und dass ich vielleicht gern hätte das statt Leo ich dort stehe und statt Felix Karl? Aber erstmal muss ich wirklich sicher sein, dass es nur am Auftritt lag. Denn wenn seine Augen strahlen, dann weiß ich, dass alles wieder gut ist.“ Luisa nickt und grinst: „Du wirst pure Freude sehen, glaube mir! Du wirst staunen und alles andere vorher wird egal sein!“


Nach dem Auftritt gehen wir alle glücklich und wild durcheinanderredend zurück zum Backstage Bereich der Jungs. Die Tänzer verschwinden aus meinem Sichtfeld und ehe ich mich versehe, stehen wir vor den Containern der Jungs.
"Ey Karl wieso hast du eigentlich noch die Jacke an," fragt Till, der selbst mit nacktem Oberkörper neben uns steht.
"Mir... War kalt."
"Kalt? Deine Haare sind nass vor Schweiß," Till zieht verschwörerisch die Augen hoch.
"Es hat halt gezogen." Karl wischt sich mit dem Handtuch über das Gesicht und Haare, die nun zu Berge stehen. Intuitiv gehe ich zu ihm hin und streiche ihm durchs Haar zum Ordnen. Dabei lächele ich ihn an, er strahlt mich an und ich sage leise: „Du hasst es doch, wenn deine Locken nicht liegen wie sie sollen."
"Ihr zwei Turteltauben trinkt auch Sekt?" Steffen hält eine Flasche Sekt hoch. Ich drehe mich zu Steffen um und nicke. Zur Sicherheit halte ich den gesteckten Daumen hoch. "Leute kommt alle her, dann machen wir ein Bild von euch," schlägt Philipp vor. Felix hält jubelnd den riesen Ring in den Händen. Till hat es in kurzer Zeit geschafft wie eine Fledermaus herabzuhängen, während Max Steffen ein Bier in die freie Hand drückt. Dieser drückt Karl die Sektflasche gegen den Bauch und spritzt mit seinem Bier. Mein Freund versucht die Sektflasche zu öffnen und Philipp schießt das Foto. Bei genauer Betrachtung stelle ich fest, dass der Korken noch auf der Flasche ist. Warum hat er sie nicht geöffnet? Karl stellt die Flasche nicht weiter beachtend auf einen Stehtisch und kommt zu mir, fasst meine beiden Hände und hält sie fest.
"Ich habe die Jacke nicht ausgezogen, weil ich etwas in ihrer Tasche habe, was ich auf keinen Fall verlieren wollte."
"Ach komm schon, so wichtig sind deine Kippen auch nicht," sage ich. Ich ziehe ihn auf, weil ich keine Ahnung habe, warum diese Information für mich relevant sein sollte. Ich will fragend zu meiner besten Freundin schauen, doch bemerke stattdessen, dass die gesamte Crew und Felix, Till, Max, Steffen und Luisa um uns herum im Kreis stehen und wie gebannt auf Karl und mich schauen.
„Es sind keine Kippen,“ schmunzelt Karl nervös. Wieso ist er denn immer noch nervös? Die Show war ein totaler Abriss der Extraklasse. Dann passiert etwas, womit ich absolut nicht gerechnet habe. Karl geht auf die Knie und zieht ein kleines dunkelblaues Kästchen aus der Jackentasche hervor. Es fällt mir wie Schuppen von den Augen: Die ganze Zeit über hatte er die Jacke an, damit das Kästchen nicht verloren geht. Karl räuspert sich und ich stehe wie versteinert vor ihm. Um uns herum ist es mucksmäuschenstill.
„Ich finde… Also ich… Ich war so nervös, weil ich seit dem Augenblick, als die E-Mail kam, dass wir heute hier spielen, wusste, dass ich dir genau hier einen Heiratsantrag machen werde.  Es gehört noch eine richtige Hochzeit zu heute dazu. Ich kann einfach nicht mehr ohne dich und der Beweis, dass du meine Frau für’ s Leben bist, ist simpel: Ich singe Liebeslieber.“ Wir müssen alle kurz Lachen, auch wenn ich Tränen in den Augen habe. „Liebe Alexa,“ fährt Karl fort, „Egal woran ich denke, ich denke nur an dich und ich will mein Leben mit dir zusammen ruinieren. Die Frage ist jetzt nur noch: Liebe Alexa, möchtest du mich heiraten?“
Seine großen braunen Augen sehen mich an. Der Schleier um seine Augen ist weg. Das war es also, was ihn beschäftigt hat, es war keine andere Frau im Spiel.
" Du Vollidiot! Die ganzen Monate hast du mit mir gestritten und mich angeschwiegen, nur, weil du mir einen Heiratsantrag machen wolltest?!" rufe ich ungläubig.
"Ähm... Joar?" Unsicherheit steht in seinen Augen. Er ist verzweifelt. Felix reißt die Augen auf. Lu schlägt die Hand vor ihren Mund.
„Und ich dachte, du betrügst mich! Du Vollidiot!“
„Er kann dich deshalb anzeigen,“ ruft Felix.
Ich sinke auf meine Knie und sage kopfschüttelnd: „Er würde nie seine Ehefrau anzeigen.“
„Du sagst ‚ja‘?“ Meine Arme umschließen seine Wangen.
„Ja. So einen wie dich finde ich nie wieder! Und all der Streit war wegen mir?“
„Alles wegen dir, Alexa,“ murmelt Karl ehe er mich küsst.
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