Angst (Mission Impossible)

OneshotDrama, Angst / P16
26.07.2017
26.07.2017
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Mission Impossible OS

SPOILER für Rogue Nation!

Angst

Ethan Hunt war kein ängstlicher Mann. Viele Gefahren hatte er durchgestanden, waghalsige Aktionen waren kein Problem für ihn. Wenn man ihn bedrohen würde, eine Waffe direkt an seinen Kopf hielt, dann war das normal für ihn, fast schon alltäglich.
Aber er konnte nicht leugnen, dass ihn ein seltsames Gefühl überkam, als er den Anruf bekam.
Ein Gefühl von einem Schauder, der durch seinen Körper floss.
Ein Gefühl, als wäre sein Körper gelähmt und er könnte sich nicht mehr bewegen.
Und er wollte dieses Gefühl nicht empfinden. Denn es würde ihn aufhalten und seinen Mut einschränken.
Dabei war es gerade jetzt wichtig einen kühlen Kopf zu bewahren.
Diese Männer - irgendeine Organisation, die es sich zum Ziel gemacht hatte Ethans Leben zu zerstören - hatten Benji in ihre Gewalt gebracht.
'Nicht schon wieder.', war Ethans erster, verzweifelter Gedanke gewesen, als er Benjis ängstlich zitternde Stimme am anderen Ende der Leitung gehört hatte.
Wieso war es immer er?
Wieso entführten diese Mistkerle immer Benji?
Schon einmal hatte man den jungen IMF Agenten entführt, um an Ethan ranzukommen. Jeder schien zu wissen was Benji ihm bedeutete. Und das war seine Schwäche. Benji war seine Schwäche.
Und gerade jetzt, als Ethan vor dem Gebäude stand, in dem man Benji gefangen hielt, wurde es ihm wieder bewusst.
Sein eigenes Leben bedeutete ihm so gut wie nichts, aber die Leben der Menschen, die ihm wichtig waren? Sie waren alles für ihn, bedeuteten ihm so unglaublich viel.
Sie waren der Grund für seine Angst. Der Grund für seine Sorge.
Und Ethan könnte noch so oft vorgeben, dass es ihm egal war was mit Menschen wie Benji passierte, aber das würde ihm sowieso niemand glauben. Zu oft, hatte er seine Schwäche versehentlich gezeigt.
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Benji Dunn hatte unglaublich große Angst. So sehr er auch versuchte vorzugeben, dass er mutig und selbstbewusst war... momentan wünschte er sich nichts sehnlicher, als einfach in einem kleinen Büro zu sitzen und sich um die Technik zu kümmern.
Computer. Damit kannte er sich aus. Sie waren seine Welt. Eine sichere, ungefährliche Komfortzone, die er nie hätte verlassen dürfen.
Die Feldarbeit hatte ihm an einigen Tagen sehr viel Spaß gemacht. Insbesondere wegen Ethan. Benji hatte den älteren Agenten sehr gerne unterstützt und es hatte ihn erfüllt Zeit mit ihm zu verbringen.
Doch jetzt saß Benji in der Patsche... wegen ihm.
Der Agent blickte unruhig zu einem der Männer, die ihn entführt hatten. Er war groß und muskulös. Wenn Benji gegen ihn kämpfen müsste, dann hätte er nur geringe Chancen. Diese Männer waren ganz anders als die, die Benji vor einem Jahr gefangen genommen hatten.
Solomon Lane war viel vornehmer und mysteriöser gewesen.
Diese Männer sahen aus wie Schlägertypen, die man in der nächstbesten Gasse aufgefischt hatte.
Benji war sich nicht sicher wer ihr Boss war, geschweige denn, ob es überhaupt jemanden gab. Er konnte sich jedoch nicht vorstellen, dass diese Kerle alleine handelten ohne einen großen, bösen Verstand, der die Strippen zog.
Vermutlich befolgten diese Männer einfach nur Befehle.

Benji erschrak, als die Tür aufging und ein Mann im Anzug den Raum betrat. Er war hochgewachsen, hatte braune kurze Haare und seine kalten blauen Augen scannten den Raum, bevor sie auf Benji zum Stehen kamen. Ohne eine Miene zu verziehen kam der Mann auf Benji zu, der auf einem Stuhl saß, gefesselt, aber nicht geknebelt.
Benji wollte etwas sagen, als der Mann eine Hand unter sein Kinn legte und ihn so dazu zwang hochzuschauen, aber kein Wort kam aus seinem Mund.
"Mr. Hunt ist auf dem Weg, um Sie zu retten.", sagte der Anzugträger, während er seine Hand zurücknahm und Benji musterte.
"Ich kann nicht fassen, dass ein Mann wie er für jemanden wie Sie Empfindungen verspürt.", meinte er abwertend und begab sich zu einem Tisch, der im Raum stand. Darauf lag ein Koffer, den Benji bereits die ganze Zeit interessiert angeschaut hatte.
Er war sich allerdings nicht sicher, ob er wirklich wissen wollte, was sich darin verbarg. Also versuchte er ein Gespräch mit dem Mann anzufangen.
"War das... gerade eine Beleidigung?", fragte er nach einem kurzen Räuspern, das ihm half die Stimme wiederzufinden.
Der Mann im Anzug gab ein kurzes Lachen von sich und drehte sich vom Tisch weg, um Benji anzublicken.
"Möglicherweise.", sagte er und seine Arroganz widerte Benji an. Dieser Mann glaubte wohl besser zu sein als er.
"Was wollen Sie von Ethan?", stellte Benji die Frage, die ihn eigentlich interessierte.
Sofort wurde der Ausdruck im Gesicht des Mannes finster. Er schien sich an etwas zu erinnern, denn seine Augen fixierten keinen besonderen Punkt, blickten einfach ins Nichts.
"Ethan Hunt hat mir alles genommen, was mir etwas bedeutet hat. Meine Frau, meine Macht, meinen Reichtum. Jetzt werde ich ihm alles nehmen."
Benji schluckte und fragte sich wer der Mann wohl sein könnte. Ethan hatte ihm sicher nicht ohne Grund alles genommen. Was hatte der Mann getan?
Er drehte sich zurück zu dem Tisch und noch bevor Benji etwas sagen konnte, war der Koffer geöffnet. Der Mann zog sich Handschuhe an, nahm etwas heraus und als er sich umdrehte, konnte Benji den Gegenstand identifizieren.
Es war eine Spritze, gefüllt mit einer durchsichtigen Flüssigkeit.
Benji bekam Panik, als der Anzugträger sich seinem Stuhl näherte und prüfte, ob die Spritze funktionierte.
"Sie müssen keine Angst haben, Mr. Dunn. Es wird auch gar nicht weh tun... Eine langsame Lähmung des Körpers ist doch nicht so schlimm. Es gibt schmerzhaftere Wege aus dem Leben zu scheiden, nicht wahr?"
Benji versuchte seine Fesseln zu lösen, aber es half nichts. Er konnte sich nicht befreien.

Als die Spritze in seinen Hals drang, gab Benji einen kurzen Aufschrei von sich und als das Mittel anfing durch seinen Körper zu fließen, da wusste er, dass es vorbei war.
"Sagen Sie ihm, dass er es nicht anders verdient hat. Ich werde ihm alles nehmen. Alles, was er je geliebt hat. Und alles, was er noch lieben wird.", flüsterte der Mann dem Agenten ins Ohr, bevor er die Spritze aus dem Hals zog und auf den Boden warf.
Mit einem letzen Blick auf Benji, drehte er sich um und verließ zusammen mit dem anderen Mann den Raum.
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Ethan war auf alles gefasst, als er durch die Hintertür in das Gebäude eindrang. Es war ein altes, verlassenes Hotel, ziemlich verfallen und schmutzig.
Doch entgegen seiner Erwartungen, traf Ethan niemanden.
Über Funk fragte er Brandt, der durch den Vordereingang das Hotel betreten sollte:
"Irgendjemand in deiner Nähe?"
Doch als Antwort bekam er nur ein ebenso verwirrtes 'Nein'.
Ethan wusste, dass ihn das eigentlich beruhigen sollte, aber die Angst verließ ihn nicht. Irgendetwas stimmte nicht. Hier lief etwas falsch.
Vorsichtig lief Ethan durch das Hotel und schließlich kam er an einer Tür vorbei, die zum Teil offen stand.
Langsam ging der Agent darauf zu und stieß die Tür auf, bereit gegen mögliche Angreifer zu kämpfen.
Aber es war niemand da.
Niemand... außer einer Person.
Einer Person, die Ethan sehr gut kannte.
"Benji!", rief er aus und stürzte auf den an einen Stuhl gefesselten Mann zu. Schnell band Ethan seinen Freund los, doch dieser stand nicht auf, sondern blieb einfach auf dem Stuhl sitzen.
Ethan kniete sich vor ihn und nahm Benjis Gesicht in seine Hände, damit der Jüngere ihn anblickte.
"E- Ethan...", brachte er hervor und erleichtert über diese Worte schloss Ethan Benji in seine Arme.
"Ich bin hier. Alles wird gut, Benji. Ich bin jetzt hier."
Für einen kurzen Moment, krallte Benji sich mit aller Kraft in Ethans Hemd fest, wollte einfach nur spüren, dass er da war. Doch dann lockerte sich der Griff und Benjis Körper wurde schlaff, regte sich nicht mehr.
Ethan löste die Umarmung auf und suchte nach Benjis Puls. Doch er fand keinen mehr. Er entdeckte eine Einstichwunde an Benjis Hals und sein Blick fiel auf die leere Spritze.
"Nein...", murmelte Ethan, kaum hörbar. Das konnte nicht sein...
Tränen füllten seine Augen und er wusste, dass seine Angst berechtigt gewesen war.
"Nein!", schrie er lauter und er hörte wie hinter sich Brandt und auch Luther den Raum betraten.
Aber es war zu spät.
Der Mensch, der ihm so viel bedeutet hatte, war tot. Tot, wegen ihm.
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Schweißgebadet fuhr Ethan Hunt aus dem Schlaf. Er lag in einem Hotelbett. Richtig... sein Team hatte eine Mission und hatte in einem Hotel in Frankreich übernachtet.
Ethan fuhr sich durch das lange Haar und blieb einen Moment lang einfach aufrecht im Bett sitzen.
Ein Traum. Es war nur ein böser Traum gewesen.
Und das hieß...
Die Badezimmertür ging auf und heraustrat ein quicklebendiger und gesunder Benji Dunn.
Ethan konnte es nicht aufhalten. Er sprang aus dem Bett, rannte auf Benji zu und schloss ihn in seine Arme.
Völlig überrumpelt, wusste Benji nicht was er machen sollte, doch schließlich klopfte er Ethan auf den Rücken.
"Ich bin hier, Benji. Ich bin hier.", flüsterte Ethan, dankbar und glücklich, dass es nur ein Traum gewesen war.
"Ja... das bist du, Ethan. Du bist hier. Ich bin hier. Um ehrlich zu sein, bist du mir gerade sogar ein bisschen zu nah.", lachte Benji auf und befreite sich vorsichtig aus der Umarmung. Was war denn los mit Ethan? Er war so... ungewohnt anhänglich. Es war fast so, als hätte er vor irgendetwas Angst gehabt und durch Benjis Auftauchen, war diese Angst verschwunden.
"Alles in Ordnung, Ethan?", fragte Benji verwirrt und Ethan nickte einfach nur, über beide Wangen strahlend.
"Alles ist perfekt, Benji. Alles ist perfekt."
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