Musikalische Reviews

MitmachgeschichteAbenteuer, Humor / P12
26.07.2017
09.12.2018
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Thy Art Is Murder Köln – 28. Oktober 2017


Herzlich willkommen in einer Konzertreview – dieses Mal sogar von mir und einem Gastautor, der sich bereit erklärt hat, eine Bühne mit mir zu teilen. the nameless Juan und ich waren nämlich gestern auf dem sagenhaften letzten Tourstopp von Thy Art Is Murder in Europa.

Nicht nur ein paar technische Probleme, sondern auch Nackenschmerzen und ein einseitiger Tinnitus sind in die Geschichte eingegangen, sondern auch eine wunderbare Show, die von den Vorbands mindestens genau so souverän abgeliefert wurde, wie vom Mainact selbst.

Kleine Orientierungshilfe: Juan ist kursiv abgesetzt und die Worte meiner Wenigkeit in ganz normaler Schrift verfasst.

Kursiv ist dafür fancier … Da hast du's!

Viel Spaß!

1. Band: Thy Art Is Murder

2. Ort: In der Essigfabrik in Köln-Deutz

3. Zeit: 28. Oktober 2017. Einlass um 19 Uhr, Beginn um 19.30 Uhr.

Und weil wir so fame sind, kamen wir eine halbe Stunde zu spät.

4. Preis: Die Tickets haben im VVK, bei Eventim in diesem Fall, fast genau 30€ gekostet. Ist etwas teurer für so eine 'kleine' Band, aber immer noch im Rahmen des Möglichen. Für HSB bezahlt man ungefähr genau so viel und die achten peinlich genau darauf, dass die Tickets bezahlbar bleiben. Wirklich teuer finde ich ein Ticket erst ab 40€.

5. Rahmenbedingungen: Die Tour hatte keinen besonderen Namen, es war aber eine Europatournee, die nicht bloß auf dem Festland stattfand. Der Tourstopp, den wir gestern besucht haben, war der allerletzte und das hat man auch gemerkt, denn die Crew und sogar der Busfahrer des Tourbusses haben zum Abschluss mal richtig die Sau rausgelassen.

Indem sie zum Beispiel von der Bühne sprangen und zum Glück auch aufgefangen wurden. Manchen Fans, die dies zum Teil dreimal hintereinander gemacht haben, wurde dieses Glück irgendwann nicht mehr zuteil und sind mit der Nase auf dem Boden aufgekommen. Upsi.

Thy Art Is Murder ist keine Newcomer-Band, sondern sind schon mit drei Alben ganz gut in der Szene etabliert. Besonders ihr auffälliger Gesang und das markante Schlagzeug sind ihre Markenzeichen und deshalb sind sie von Null auf Hundert eingeschlagen. Der Grund für die Tour ist das neue Album Dear Desolation, das im August rauskam und zu dem ihr auch in dieser Kolumne eine Review finden könnt.

Anmerkung: Zieht euch alles von ihnen rein. Ihr werdet es nicht bereuen! Vor allem wenn ihr auf „Auf-die-Fresse“-Musik steht.

Thy Art hatten drei Bands im Schlepptau: Justice for the Damned, Oceano und After the Burial. So weit ich weiß (die erste Band haben wir nämlich verpasst), sind das alles Metalcore/Deathcore Bands. Vor allem Oceano sind auf der düsteren Schiene unterwegs und haben mit einem wirklich bösen Gesamtauftritt überzeugen können. Doch zu den Auftritten später mehr.

Natürlich im TRÜEN Metalcore Outfit – Regenjacken und Sneakers. Also nicht nur das, die haben auch andere Kleidung an. Das will sich ja sonst keiner ansehen. Ich meine die Markenzeichen einer Metalcore Band o-o.

6. Location: In der Essigfabrik war ich schon häufiger. Die Halle ist eine der mittelgroßen in Köln, nicht so groß wie die Live Music Hall in Ehrenfeld, aber deutlich größer als zum Beispiel das Underground. Da es sich bei diesem Konzert anscheinend nicht gelohnt hat, großartig irgendetwas aufzubauen, weil es sowieso abgerissen worden wäre, gab es vor der Bühne keine Absperrung und nur zwei Security-Männer, die auf der Bühne hinter der Band standen, um ungebetene Gäste auf der Bühne zurück in die Menge zu schicken oder mit hinter die Bühne zu nehmen. Sehr locker also und nichts Ungewöhnliches.

Wir standen also genau vor der Bühne. Ich hätte den Bassisten und Gitarristen vor mir die Schuhe aufmachen können … aber das ist mir natürlich nicht ein einziges Mal in den Sinn gekommen.

Die Bühne ist zentral am Ende des großen Raums, das Mischpult und der ganze Soundkram also in so einer Art Insel in der Mitte. Man kann sich also gemütlich danebenstellen oder eben in der Nähe von einer der beiden Theken bleiben, es gibt sowohl rechts eine als auch links. Zu den Toiletten kommt man recht gut, zumindest wenn es leer ist. Die Garderobe ist vorne neben dem Eingang, der sieht aus, als wäre es ein riesiges Scheunentor. Insgesamt also ok.

7. Sicherheit vor Ort: Wie gesagt, es gab zwei Security-Männer, die offenbar zu einer Firma gehörten, und die mussten eigentlich kaum eingreifen. Wenn sich jemand auf die Bühne hat tragen lassen, kam es darauf an, wie lange er dort oben verweilte. Wer eine gewisse Zeit überzogen hatte, der wurde darauf aufmerksam gemacht, dass er das Feld zu räumen hat. Das war bei allen Bands so, da wurde kein Unterschied zwischen Vorband und Hauptact gemacht. Fand ich in Ordnung, denn das gehört eben dazu. Crowdsurfer sind zwar supernervig, wie ich manchmal finde, aber es hätte schlimmer sein können.

Immer wieder schön zu sehen waren die riesigen Augen der auf der Bühne gelandeten Crowdsurfer, die zu lange dastanden und plötzlich die riesigen Pranken des Security-Mannes auf einer ihrer Schultern spürten. Trotz der Musik meinte man das laute Schlucken der betroffenen Crowdsurfer zu hören.

8. Der Auftritt: Zuerst einmal zu Oceano, der ersten Band, die wir gestern dort zu sehen bekommen haben. Ich war positiv beeindruckt und wollte mir am Merch-Stand später sogar eine CD kaufen, doch war die leider ausverkauft. Na ja, warum wollte ich eigentlich eine CD kaufen? Weil die Musik ziemlich gut war. Die Stimmlage des Sängers hat mir gefallen und der Gesamt-Auftritt der Band ebenfalls. Die sind sogar schon länger in der Szene aktiv als die meisten Bands, die jetzt gerade wie die Pilze aus dem Boden schießen. Mit fünf Alben sind sie recht gut dabei und man konnte auch ohne einen einzigen Song zu kennen gut zur Musik abspacken und die Haare schütteln.

Eine sehr positive Überraschung. Ich habe nicht viel erwartet und bekam dann direkt eine Band vorgesetzt, die es vom ersten Song an schaffte einen zu überzeugen. Wovon? Von allem. Die hätten mir nach ihrer Show ein Schlageralbum mit ihrem Namen drauf anbieten können und ich hätte es dankend angenommen. Ein leider recht seltener Fall, aber ich genieße es jedes Mal, wenn er eintritt.

After the Burial kannte ich vorher nicht, aber die gehen vom Stil her eher in die Richtung The Ghost Inside, also eher eine Mischung aus Metalcore, Death Metal und Hardcore. Auf der Bühne haben sie mir gut gefallen, denn sie haben echt für Stimmung gesorgt, die die Leute auf Thy Art eingestimmt hat. Die Band hat viel mit dem Publikum interagiert und auch dafür gesorgt, dass sich der Raum bewegte – Circlepit inklusive. Was mich ein wenig verwundert hat, war der Versuch des Bassisten mir ein Plektrum anzudrehen, was ich erst gar nicht verstanden habe, weil ich keinen einzigen Song kannte. Tja, er hat dann einen glücklichen Abnehmer gefunden, denn ich zuckte nur unwissend mit den Schultern und sagte nachher zu meinen Mitstreitern: „Sorry, ich kenn dich nicht, behalt das Teil.“ Andere würden sicher dafür töten... Ups?! ;D

Der Bassist hat für seinen Teil auch sehr gut für Stimmung gesorgt und in unserer Ecke gerne mal ein bisschen Blödsinn gemacht. Fand ich ganz schön, weil meist nur die Sänger mit dem Publikum interagieren.
Das Plektrum mitten in der Show zu verschenken ist sowieso recht selten, weshalb es auch recht lang gedauert hat, bis sich jemand dafür meldete. Lange Leitung unter den Zuschauern, aber er ist es ja los geworden. Wäre sonst was peinlich gewesen.

Und jetzt zu Thy Art: Ich habe die Band jetzt insgesamt schon achtmal gesehen (inklusive gestern), und das sogar mit CJ, dann wieder ohne, dann wieder mit und hoffentlich in Zukunft nur noch mit. Das muss man vorweg vielleicht wissen, denn ich begleite die Band quasi seit dem ersten (offiziellen) Album Hate. Das hier war ihre erste Headliner-Tour in Europa und ich glaube auch insgesamt die erste Headliner-Tour, die sie je gestartet haben. Also als bekannte Band, auf die die Leute abgehen. Diese Tour war beinahe bei allen Tourstopps ausverkauft und das soll was heißen, denn nicht jede Band bekommt so etwas in so kurzer Zeit hin.

Ich hab sie jetzt das vierte Mal gesehen. Zweimal habe ich sie mit ihrem „Ersatzsänger“ gesehen und die anderen beiden Male mit CJ. Ich schließe mich der obigen Meinung an und hoffe, dass CJ nicht noch einmal die Band verlässt (wenn auch nur kurzzeitig). Der andere Sänger hat einen guten Job gemacht, aber er ist eben nicht CJ.
Die Band besteht natürlich nicht nur aus ihm, aber man merkt eben sehr stark, dass er eine ziemliche Rampensau ist. Und darauf geht die Menge nunmal ein bisschen mehr ab.

Das Konzert fing gut und stark an, doch ist zwischenzeitlich immer wieder die Anlage ausgefallen, was schon bei After the Burial in Form eines Knackens in den Boxen angefangen hat. Was macht eine Band allerdings, wenn sie feststellt, dass das ganze Equipment abraucht? Wegen der strengen Gesetze hier in Deutschland ist es immer schwierig so einen Satz wie „Wir spielen so lange, bis wir das Set durch haben – und wenn es fünf Stunden dauert!“ Wahrheit werden zu lassen. Doch statt aufzugeben und den letzten Tourstopp mit einer knackenden und ständig stummen Box zu bestreiten, haben wir tatsächlich eine längere Pause mitten ins Konzert eingebaut, in der dann herauskam, dass es das Equipment der Band selbst war, das die Anlage gegrillt hat. Es hat dann auch nicht mehr lange gedauert, dann konnte es feuchtfröhlich weitergehen. So einen Totalausfall habe ich in all den Jahren noch nicht erlebt – und ich habe schon ein paar Konzerte gesehen. Da aber die Stimmung sowieso ziemlich gut war, hat das dem Erlebnis als solchem keinen Abbruch getan. Die Band war verärgert, das hat man zwischenzeitlich schon gemerkt (außer bei CJ, der hat weiter Blödsinn gemacht und ist in der Pause mal kurz in der Menge 'tauchen' gegangen), aber sie haben tapfer durchgehalten und das Set durchgespielt.

Es klingt vielleicht ein bisschen dämlich, aber ich finde es schön, dass sie sich geärgert haben. Das zeigt meiner Meinung nach, dass sie sich um die Qualität ihrer Show Gedanken machen und nicht einfach ihr Set durchziehen und dann mit ein bisschen mehr Kohle in der Tasche wieder nach Hause fahren. Es soll ja schließlich auch ein Erlebnis für die Fans sein und Thy Art sorgen dafür, dass es auch eins wird. Uns wird dieses Konzert auf jeden Fall nicht mehr aus dem Kopf gehen.

Vor diesem Abend hat die Band auch schon Köln 'herausgefordert', indem sie sie darauf aufmerksam machten, dass doch bitte beim letzten Stopp etwas Verrücktes passieren sollte – die Anlage haben die fünf Jungs sicher nicht gemeint, aber man kann halt nicht alles haben... Die beiden BHs, die dann auf die Bühne geworfen und von CJ getragen wurden, haben dann aber schon die ungefähre Richtung getroffen, die die Band angedacht hatte. Sah wirklich sexy aus. Geht so.

Seine kleine Bauchtanz-Einlage während der Show war natürlich auch ein … Erlebnis, aber sehr amüsant. Zwischenzeitlich ließ er auch noch das Mikro auf die Bühne krachen, was mit einem Kopfschütteln seiner Bandkollegen aufgenommen wurde. Peinlich berührt und grinsend hob er es zwar auf, als wäre nie was passiert, doch wir alle wussten, dass er wahrscheinlich nach der Show von den Tontechnikern ein Nacken-Paddel bekommen würde. Oder gleich ganz viele.

9. Fazit: Nacht achtmaliger Spaßveranstaltung mit Thy Art würde ich sagen, dass ich schon längst herausgefunden habe, dass die Band definitiv noch einmal angeguckt wird. Die Bühnenpräsenz ist immer (auch mit dem zwischenzeitlichen Austauschsänger) hervorragend und die Publikumsinteraktion wird ganz groß geschrieben. Sowohl auf Festivals als auch bei den eigenen Konzerten – sei es als Vorband, oder wie hier das erste Mal als Headliner – bekommt man immer das Beste gezeigt und die Band funktioniert gut als Gesamtkonzept, auch wenn CJ durch seine Hampelei und seine Flausen im Kopf natürlich auffällt. Doch eine Band ist selten ein Ein-Mann-Projekt und ich bin froh, dass die Band auch ohne ihren eigentlichen Sänger weitergemacht haben, um uns Fans nicht hängen zu lassen. Es ist ja in erster Linie auch ihr Projekt, zu dem sie CJ dazugeholt haben.

Thy Art Is Murder sind ziemlich schnell zu meiner Lieblingsband geworden. Dagegen konnte ich nichts tun und ich bin froh darüber. Die Musik ist einfach fantastisch und die Shows sagenhaft. Ich habe sie jetzt jedes Mal aus der ersten Reihe gesehen und es wird defenitiv nicht das letzte Mal sein. Es werden ganz viele Male dazukommen … das klingt jetzt wie eine Drohung.
Die Band an sich hat wieder sehr schön harmoniert. Man merkt, dass die Jungs sich lieben und die Flausen in CJs Kopf als Normalität ansehen und sich einfach freuen, wenn die Menge auf ihre Musik abgeht. Denn dies ist meiner Meinung nach das größte Geschenk, das man einer Band machen kann. Und natürlich auch eine Bestätigung.
Thy Art ist und bleibt einfach die Band, auf die ich persönlich am meisten abgehe. Vor allem wenn ich sie live sehe und jeden Song mitschmetter, den sie spielen. Denn ich lerne nicht nur die Lyrics der bekanntesten Songs auswendig. Das hat mir gestern zum Beispiel mein drittes Plektrum eingebracht, welches Sean mir persönlich in die Hand drückte. Grinsen und Daumen hoch seinerseits inklusive. Glückliches Fangirl over here!

Für alle Thy Art Fans da draußen: Vielleicht sollten wir uns alle mal angewöhnen, statt „CJ! CJ! CJ!“ eher „Thy Art! Thy Art! Thy Art!“ zu skandieren. Ohne die Band wäre das Ganze Projekt nämlich nichts und CJ selbst weist auch regelmäßig gerne darauf hin. Insgesamt also: Es war geil, so wie immer. Weiter so.

Ich werde das nächste Mal nur „Sean“ rufen. Vielleicht erkennt er mich ja wieder. Spaß beiseite, ich bin froh, dass er selbst darauf hinweist. Er weiß seine Bandkollegen nämlich sehr zu schätzen. Wenn man nicht sogar schon fast Familie sagen kann. Odin, war das kitschig. Aber ihr wisst, worauf ich hinaus will!

In diesem Sinne: Aussi, aussi, aussi! Oy, oy, oy!

Aussi! Oy! Aussi! Oy! Aussi! Oy!
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