Das Gewitter

OneshotRomanze / P18 Slash
Assistant Chief Will Pope Captain Sharon Raydor Commander Russell Taylor Deputy Chief Brenda Leigh Johnson
25.07.2017
25.07.2017
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Ich melde mich nach ewig langer Zeit nun auch mal wieder aus dem Abgründen zurück und habe einen neuen kleinen One-Shot dabei.
Es könnte durchaus sein, dass er einen etwas sehr melancholischen und empfindsamen Charakter annimmt.
Das sei aber nicht mir, sondern dem Wetter und meinem musikalischen Konsum der letzten Tage geschuldet.
Über Reviews mit konstruktiver Kritik und auch mit Lob, freue ich mich immer. Viel Spaß!


Es hatte schon den Großteil des ganzen Tages geregnet.
Der Regen hatte die Stadt der Engel zu einem düsteren, wolkenverhangenen Ort gemacht, der die Melancholie, die Sharon schon den ganzen Tag in sich getragen hatte, nur noch förderte.
Sie hatte das Gefühl, dass der Regen jedes mal einen Schwall von Düsternis mit sich brachte, der nachdenklich stimmte.
Das leise Rieseln der Tropfen auf ihrer Windschutzscheibe erinnerte sie an einen steten Rhythmus der gleichzeitig beruhigend, wie auch depressiv wirken konnte.
Dem Verkehr auf den Straßen tat das Wetter keinen Abbruch, aber es waren deutlich weniger Menschen auf den Fußwegen zu sehen, die durch die Palmenstadt schlenderten.
Auch du könntest jetzt auf deiner Couch Zuhause liegen, lesen und gelegentlich aus dem Fenster blicken, anstatt dich dieser kalten und bedrückenden Atmosphäre auszusetzen.
Doch sie wusste, dass sie diese Sache klären sollte und musste.
Es würde keine Rolle spielen, wenn sie es heute von sich schieben würde. Denn es würde so oder so
genug Stoff zum Nachdenken für das gesamte folgende Wochenende liefern und sie wach halten.
Ungeduldig trommelte sie auf dem Lenkrad herum und wartete darauf, dass die Ampel endlich auf grün schaltete.
Hätte sie gewusst, was sie heute erwartet hatte, als sie in das Büro von Chief Pope zitiert worden war, wäre sie womöglich gar nicht erst auf Arbeit erschienen.
Es war albern. Natürlich war es das, aber wie sollte man damit sonst umgehen?
Chief Pope und Assistent Chief Taylor, hatten ihr heute im Grunde mitgeteilt, dass sie Brendas Position mit ihr ersetzten wollten.
Brenda musste gehen, das stand dem Moment fest, in dem sie Stroh aus Notwehr in ihrem Haus angeschossen hatte.
Aber Sharon war nicht darauf vorbereitet, geschweige denn gewappnet gewesen, zu hören, dass grade sie diejenige sein sollte, die Brendas Division übernehmen sollte.
Sie hatte in ihrem Alter und mit ihrer Position geglaubt, dass sie bis zu ihrer Pension in der Inneren Abteilung arbeiten würde und sich damit abgefunden.
 Sie konnte es sich nur schwer vorstellen, dass sich Brendas Abteilung überhaupt darauf einlassen würde mit ihr als Chefin zu arbeiten.
Zu mal sie sich niemand anderen, als Brenda, in dem großen Büro mit Blick auf die Innenstadt von Los Angeles ausdenken konnte.
Es war ein Ort geworden, mit dem Sharon immer die Präsenz von Brenda verband und in dem sich schon so viel zu getragen hatte, dass er die Wandlung ihrer Beziehung gut bezeichnen konnte.
Die anfänglichen ständigen Streitereien und Machtspielchen. Die Diskussionen und Differenzen.
Aber auch die vielen Einigungen und Gespräche.
Ein Gespräch war nun auch das was Sharon anstrebte.
Ein Gespräch nicht nur über den Wunsch Popes und Taylors, sondern auch über etwas, dass ihr den zweiten Schock des Tages versetzt hatte, als sie in ihr Büro zurück gekehrt war.
Sie hatte sich grade auf den Stuhl hinter ihren Schreibtisch nieder gelassen, als sie einen rechteckigen Umschlag vor sich auf dem Tisch bemerkte, der ihren Namen trug.
Argwöhnisch hatte sie den Umschlag mehrere Sekunden angeblickt und dann jedoch die Neugier gewinnen lassen und ihn geöffnet.
Er enthielt lediglich einen säuberlich, mit schwarzer Tinte beschrieben Zettel, dessen Handschrift Sharon sofort erkannte.
Sie las ihn mehrere Male um das gesamte Ausmaß und die Bedeutung völlig zu verstehen.


Liebe Sharon,
 ich sah leider keinen anderen Weg, als dir die folgenden Sachen nieder zuschreiben, denn ich weiß, dass ich vor dem Gespräch, dass es erfordern würde, weglaufen wäre.
Sie betiteln mich als Heldin, die den Serienmörder von LA zur Strecke gebracht hat, doch in Wahrheit bin ich keine Heldin.
Ich habe den Großteil meines Lebens damit verbracht, vor den Dingen, die mir Angst machten wegzulaufen. Sie soweit zu verdrängen oder zu verleugnen, dass ich es mir bald selbst geglaubt habe.
Die Zeit bei der CIA mag meine Sinne geschärft und meinen Körper gestärkt haben, aber es hat meine Seele verkrüppeln lassen.
Der Tod, ist etwas das zum Leben dazu gehört. Er ist etwas notwendiges, haben sie gesagt.
Aber ist es notwendig andere zu töten, um Nationen aufrecht zu erhalten, die sich untereinander sowieso nur noch bespitzeln?
Ist Gewalt, gegenüber anderen, nur zum Erhaschen von Informationen gerechtfertigt, die den großen Krieg, den unsere Nationen unter der Oberfläche gegeneinander führen, zu schüren?
Ist Manipulation und das Zerstören des Lebens nötig, nur um einen sogenannten höheren Wohle zu dienen?
Meine Antwort auf diese Fragen wendete sich im Laufe der Zeit zu einem Nein.
Ich kam aus Atlanta hierher um einen Neustart zu wagen. Um die Geschichten hinter mir zu lassen und um die Fähigkeiten die ich besaß, zu nutzen, um den Menschen zu helfen.
Der Anfang war nicht einfach und es brauchte Zeit, aber ich war trotz allem immer glücklich hier und habe meine Arbeit gerne getan.
Jedoch kam ich auch hier wieder an den Punkt, bei dem ich die Grenze überschritten und meine eigenen Handlungen zu verantworten und zu hinterfragen hatte.
Ich wäre wieder gerannt, hätte mich du mich nicht aufgehalten.
Sharon, ohne dich gäbe es keine Heldin von Los Angeles.
Die Heldin würde hinter Gittern sitzen oder in Anbetracht der Situation schon tot sein.
Ich war oft nicht fair zu dir und undankbar für das, was du für mich getan hast, aber ich bitte dich,  diesen Brief als Entschuldigung, als Erweisung der Dankbarkeit und als Bitte zu nehmen, mir eine Chance zu geben.
Eine Chance auf menschlicher Basis.
Ich möchte dir den Menschen hinter den furchtbaren Blumenröcken und den blonden Locken vorstellen und möchte den Menschen hinter der Rüstung, mit den brillierenden grünen Augen kennen lernen.
Nimm dir die Zeit die du brauchst.
Brenda


Sharon hatte anfangs an einen Abschiedsbrief geglaubt. Ähnlich dem, den sie ihrer Division verfasst hatte, aber desto öfter sie ihn las, desto mehr erschlossen sich ihr Brendas Intentionen.
Es war keiner dieser Briefe in denen man Kontakt und ein Wiedersehen versprach, obwohl man wusste, dass es keines von beiden geben würde.
Es lag Ehrlichkeit und Ernsthaftigkeit darin, die Sharons Herz sonderbar erwärmte.
Sie hatte den Brief vorerst zur Seite geschoben, aber hatte ihn Zuhause erneut in der Hand gehabt und einen Entschluss gefasst.
Das Ergebnis saß nun in einem Auto im Regen und starrte verloren in den Weite.
Die Ampel schaltete auf grün und Sharon überquerte die Kreuzung, um in Brendas Straße einzubiegen.
Sie hatte ein etwas mulmiges Gefühl im Bauch, jedoch hatte sie nicht vor, jetzt da sie da war, einen Rückzieher zu machen.
Vor Brendas Haus waren keine freien Plätze mehr zu finden. Deswegen parkte sie ihr Auto die Straße hinunter und lief den Rest des Weges.
Das verschaffte ihr noch einige Zeit zum Nachdenken, jedoch dem Regen auch genug Zeit um sie komplett zu durchnässen, denn an einen Schirm hatte sie in der Eile nicht gedacht.
Sie kam vor Brendas Haus zum Stehen und blickte auf die helle Beleuchtung im Inneren, die ihr versicherte, dass Brenda Zuhause war.
Der Regen prasselte unaufhörlich auf sie hinab und erinnerte sie daran, dass sie gut daran täte, ihre durchweichten Sachen gegen etwas Trockenes einzutauschen.

Brenda öffnete die Tür und ein überraschter, aber freudiger Ausdruck zeigte sich auf ihrem Gesicht:

“Sharon...ich, hätte nicht damit-. Komm erst einmal rein.“

Sharon schenkte ihr ein dankbares Lächeln und trat über die Schwelle:

“ Ich hoffe du entschuldigst meinen Auftritt und das Wetter, dass ich mitgebracht habe. Aber ich habe vergessen einen Schirm einzustecken.“

Brenda blickte kurz geistesabwesend an ihr hinab.
Die nassen Strähnen fielen zu vielen um Sharons Gesicht und wirkten nun viel dunkler, als sie sie sonst kannte.
Ihre schwarzen Ankle boots tropften von Regen und der dunkelgrüne Pullover schien wie eine zweite Haut an ihrem Torso zu kleben und betonte ihre Kurven nun noch umso mehr.
Brenda fasste sich und sagte:

„Lass mich dir ein paar Handtücher holen und etwas Trockenes zusammen suchen.“

Sharon nickte in Zustimmung und streifte die Schuhe von den Füßen, um Brenda den Flur hinunter zum Badezimmer zu folgen.

Sie hatte sich grade in ein kuscheliges weises Handtuch gewickelt, als es an der Tür klopfte.
Sharon blickte auf und nahm einen Stapel von Sachen entgegen, den sie nun begutachtete.
Eine schwarze Yogapants und ein langes dunkelblaues Shirt, mit dem weisen Logo des LAPDs darauf, lagen vor ihr.
Sie grinste in sich hinein und war im Geheimen froh, dass Brenda ihr keines ihrer furchtbaren Tops oder Cardigans gegeben hatte.

Fertig angezogen und mit der nun trockenen Brille auf der Nase, öffnete sie die Tür und fand Brenda im Wohnzimmer, mit einem Merlot in der Hand, auf der Couch nach draußen blickend, sitzend vor.
Sharon ließ sich neben Brenda nieder und beide lauschten eine Zeit lang nur dem trommeln des Regens gegen die Fensterscheiben, das lediglich hin und wieder von einem dröhnenden Donner durchschnitten wurde.

„Du hast ihn gelesen nicht war?“, fragte Brenda ohne sie anzusehen.

Sharon nickte abwesend und nippte dann an ihrem Glas.
Sie wusste nicht, wie sie das Gespräch, für das sie gekommen war, beginnen sollte.

„Brenda ich-“, sie brach ab und Brenda drehte sich zu ihr, um sie fragend anzublicken.

„Sharon, wenn du hier bist um mir zu sagen, dass du Zeit brauchst, dann nehme ich dir das nicht übel.“

„Das ist es doch nicht.“, lies die Brünette verlauten, „Ich wurde heute von Pope ins Büro bestellt, weil sie mir etwas mitgeteilt haben.“

Brenda schaute sie erwartungsvoll an.

„Brenda, sie mutmaßen darüber deine Position neu zu besetzten. Mit jemanden, von dem sie glauben, er würde ihnen mehr Beschwerden und Probleme ersparen. Jemanden wie mich.“

Brendas Blick ruhte kurz urverwandt auf Sharons Gesicht, bevor sie auf die Wand hinter ihr starrte.

„Beschwerden und Probleme von Außerhalb werden sie sich mit diesem Transfer definitiv ersparen, aber haben sie auch gründlich über die Umstände nachgedacht?“

Sharon lächelte müde und rieb sich abwesend mit den Fingern über den Arm.
Sie war froh, dass Brenda ihr nicht die Schuld, an dieser Situation gab und sich stattdessen versuchte dem Problem anzunehmen.

„Was wird dann aus deiner Abteilung, wenn du Major Crimes übernimmst?“

„Ich denke einer meiner Stellvertreter meine Position einnehmen wird. Ich glaube kaum, dass sie der Internen jemand komplett neues, der mit der Materie nicht vertraut ist, vorsetzten.“

„FID wird ohne dich wohl trotzdem nicht das Selbe sein.“, bemerkte Brenda.

Sharons Mundwinkel zogen sich nach oben und grade als Brenda noch etwas anhängen wollte, sagte sie drohend:

“Verdirb es jetzt nicht Brenda Leigh.“

Die Angesprochene lachte kurz auf:“Nie würde ich das Sharon. Aber das ist mein Ernst. Sie können dich nicht ersetzten.“

Sharon fühlte wie sich ihre Wangen mit einem leichten rosa färbten und blickte nach unten.
Das war wirklich genug Lob für einen Tag.
Brenda nahm ihre Hand in die ihre, drückte sie sanft und schenkte ihr ein Lächeln.

„Ich hoffe du weißt, dass ich dich nicht für einen schlechten Menschen halte.“, sagte Sharon und fuhr gedankenverloren mit ihren Fingern über Brendas Handgelenk und dann ihre Knöchel entlang.
„Es war schwer manchmal. Vor allem am Anfang, aber ich habe irgendwann begriffen, die Art wie du die Probleme auf deine Weise löst, zu verstehen.
Ich habe gesehen, dass deine Absichten guter Natur sind und dass dich, auch wenn ich damit oft nicht einverstanden war, dein Weg zum Ziel gebracht hat.
Es kann deiner Zeit bei der CIA geschuldet sein, aber es könnte auch einfach deine einzigartige Person sein, die es so weit geschafft hat.
Brenda, ich beurteile dich nicht anhand der Dinge, die du früher gesagt oder getan hast.
Anhand Dinge, die du tun musstest, obwohl du wusstest, dass es Konsequenzen haben würde.
Für mich zählt, dass du nun hier und nicht weggelaufen bist.“

Sharon blickte ihr nun fest in die Augen, als wollte sie dem eben Gesagten noch einmal Nachdruck verleihen, bis Brenda ihr Hand ergriff und sie zu sich heran zog.
Es schien nur eine Sekunde, aber sie kam ihr wie eine Ewigkeit vor, als Sharons Hand zu ihrer Wange hinauf wanderte und sie mit ihrem Daumen sanft über ihre Wange strich.
Sie blickte ihr nun immer noch in die Augen, jedoch schien sich der Ausdruck in den Grünen gewandelt zu haben.
Es ging ein Leuchten von ihnen aus, dessen Feuer Brenda sonst nur zu sehen bekommen hatte, wenn Sharon äußerst frustriert gewesen war.
Sie schienen regelrecht zu blitzen, als wollten sie sie warnen.
Doch als Brenda sich dann unbewusst mit ihrer Zunge über die Lippen fuhr, schien ihr Schicksal besiegelt worden zu sein und Sharons letztes Bisschen Selbstbeherrschung war verschwunden.
Die Roten Lippen trafen auf zarte Rosane und Brenda hatte das Gefühl, die Zeit schien stehen geblieben zu sein.
Sämtlicher Sauerstoff schien aus dem Raum gewichen zu ein.
Ihre Hände verschwanden in Sharons Haaren und Hals, als sie sie näher zu sich heran zog und ihr betörendes Parfum absorbierte.
Sie konnte nun nicht nur ihren eigenen sondern auch Sharons unsteten Herzschlag spüren.
Sharon hatte die andere Hand um ihre Taille gewickelt und fuhr nun über enthüllte Haut.
Grade als Brenda ein überraschter Seufzer entweichen wollte, durchschnitt ein lautes Krachen die Stille.
Beide zuckten synchron entgeistert zusammen, um nur wenige Momente später in lautes Gelächter auszubrechen.
Als sie sich wieder beruhigt hatten blickte Brenda Sharon an:

„Ich denke deine Antwort auf die Frage ist ja?“

Einen Moment lang blickte sie Sharon etwas perplex an.

„Der Brief?“, half ihr Brenda auf die Sprünge.

Erneut lachte Sharon:“Überzeug mich, dass ich keinen Fehler begehe, wenn ich ja sage.“, gab sie spielerisch zurück.

Das lies sich Brenda natürlich nicht zweimal sagen und zog die ältere Frau erneut zu sich heran.
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