Love and Trouble

OneshotRomanze / P12
24.07.2017
24.07.2017
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Heftig prasselte der Regen gegen die Fensterscheiben des Hokage-Turms und ein lautes Donnergrollen war zu hören. Gleißend helle Blitze zuckten immer mal wieder über den wolkenverhangenen Himmel Konohas und sie war ehrlich froh, dass sie sich drinnen befand.
Das Rascheln von Papier brachte sie wieder dazu, sich ihrer Aufgabe zu widmen. Schließlich saß sie nicht einfach rein aus Vergnügen im Büro des Hokages.
„Shikamaru“, rief Naruto durch den Raum, kurz bevor der Jonin durch die Tür mit einem Stapel Akten herein kam. Diese legte er direkt auch auf dem Schreibtisch ab, ehe er leise mit dem Hokage sprach.

Sarada interessierte das herzlich wenig. Wenn man ihre Hilfe brauchte, konnte man sie ja fragen. Kurz blickte sie zu Shikadai, der von seinem Vater verdonnert worden war, mitzuhelfen. Oder auch von Temari, das wusste sie nicht.
Ein kleines Lächeln huschte über ihr Gesicht. Laut ihrer Mutter war Shikamaru früher genauso ein Faulpelz gewesen wie sein Sohn, der im Moment neben ihr hockte und prüfend einige Berichte durchsah. Ein bisschen verrückt war das schon.

Seufzend wandte sie sich wieder ihrem eigenen Stapel zu. Letzte Nacht waren ein paar Kinder aus dem Dorf ins Büro eingedrungen und hatten einiges durcheinander gebracht. Das hatte aber auch nur funktioniert, weil der Uzumaki die Fenster offen gelassen hatte. Manchmal war er doch echt vergesslich.
Laut der Aussage der Kinder, als sie erwischt wurden, hatten sie nur eine Mutprobe veranstaltet, doch es war trotzdem nicht in Ordnung gewesen. Um die Bestrafung hatte Naruto sich am Mittag gekümmert, aber Sarada hatte nicht weiter nachgehakt. Sie hätte ohnehin nichts daran ändern können.

Nun saß sie im Hokage-Turm und versuchte zusammen mit Shikadai die Unordnung zu beseitigen, während der Hokage und seine rechte Hand weiter die eigentlichen Aufgaben erledigten. Sie hätten sich schlecht auch noch um das Chaos kümmern können.
Als sie davon erfahren hatte, war sie gleich von zu Hause aufgebrochen, um zu helfen. Schließlich wollte sie später selbst mal Hokage werden, da war es gar nicht mal schlecht, wenn sie sich jetzt schon mal damit befasste.

„Sarada?“
Sie blickte zu Naruto.
„Ja?“
„Hat Boruto dir gesagt, wann er vorhatte von der Mission zurück zu kehren?“
Hatte er seinem Vater etwa nicht Bescheid gesagt? Obwohl, es war eher möglich, dass Naruto es in dem ganzen Stress vergessen hatte.
„Er meinte, dass er heute Abend zurück sein wollte“, kam die Antwort von Shikadai. Der Hokage verzog das Gesicht. Irgendwas stimmte nicht, das merkte sie.

„Die Anbu-Mitglieder, die mit ihm unterwegs waren, sind schon zurück.“
Der unheilvolle Ton in seiner Stimme jagte ihr einen Schauer über den Rücken.
„Naruto, dein Sohn kann gut auf sich selbst aufpassen. Mit Sicherheit hat er sie nur vorgeschickt, damit er irgendwo herumtrödeln konnte“, meinte Shikamaru.
Wahrscheinlich hatte er Recht. Sie vertraute ihrer Anbu-Einheit. Die würden den Sohn des Hokage nicht so einfach im Stich lassen.

„Soll ich nach ihm suchen?“, fragte sie, als sie den Blick des Kagen auf sich spürte. Der nickte bittend. Die Kunoichi konnte ihn verstehen. Sie machte sich ja selbst ab und an mal Sorgen um ihren besten Freund. Und der Siebte war nun mal auch nur ein Mensch und machte sich Gedanken um seinen Trottel von Sohn. Ihre eigene Mutter war da nicht besser.
Sakura hatte wirklich einen Terz veranstaltet, als sie von der letzten Mission total ramponiert zurückgekommen war.
Und da Boruto auf einer A-Rang Mission unterwegs gewesen war, verstand sie irgendwie Narutos Sorge. Sie war auch nicht erpicht darauf ihren Kameraden irgendwann mal tot irgendwo vorzufinden.

Also hievte sie sich unter Schmerzen hoch. Die letzte S-Rang Mission war wirklich nicht allzu glatt verlaufen. Ohne Inojin und die Heil-Jutsus ihrer Mutter wäre sie jetzt nicht mehr unbedingt am Leben.
Aber sie war eine verdammte Uchiha. Mit Schmerzen kam sie klar. Trotzdem musste sie ihr eines Bein etwas mehr entlasten, sonst wäre es unerträglich.
Humpelnd verließ sie das Büro. Hätte sie doch bloß den Stuhl genommen, den Shikadai ihr angeboten hatte. Das wiederrum hätte dann aber an ihrem Stolz gekratzt.
Der Nara hatte daraufhin nur Mendokuse  gemurmelt und etwas davon, dass Frauen doch echt anstrengend waren. Shikamaru hatte sich ein Grinsen nicht verkneifen können. Sarada wusste wieso, aber sie hatte die beiden einfach ignoriert und sich sofort an die Arbeit gemacht.


Als die Jonin den Turm verließ, wäre sie am liebsten wieder ganz schnell zurück nach drinnen verschwunden. Es regnete wie aus Eimern und kaum war sie ein paar Sekunden draußen, war sie auch schon klatschnass. Auch ihre Verbände wurden in Mitleidenschaft gezogen und sie wusste, dass ihre Mutter ihr den Kopf abreißen würde, wenn sie das mitbekam. Sakura war wirklich eine gute Mutter, aber was Verletzungen betraf… Da war nicht mit ihr zu spaßen.
Deswegen beeilte sie sich lieber, nicht, dass sie sich auch noch Schnupfen oder Fieber einfing.

Da ihre Brille schon anfing zu beschlagen, schlug sie den erstbesten Weg ein, der ihr einfiel. Sie ließ sich einfach von ihrem Gefühl leiten. Wenn sie nach dem Volltrottel suchte, half das meistens ganz gut. Lag auch daran, dass sie ihn und sein Chakra so gut kannte.
Und sie musste auch gar nicht lange suchen. Der Uzumaki-Sprössling lief ihr, wenige Meter von Ichirukas Ramenstand entfernt, über den Weg. War ja sowas von klar gewesen.

„Hey, Brillenschlange!“
Sofort war sie absolut nicht mehr freundlich gesinnt und hätte Boruto auch fast eine geknallt, als er ihr gegenüber stand, doch als sie seinen Zustand bemerkte, ließ sie es lieber. Er sah auch so schon fertig genug aus. Allein seine rechte Wange zierten mehrere Schnittverletzungen und sie sah an seiner Haltung, dass er garantiert auch irgendwas gebrochen haben musste.
Deswegen begnügte sie sich mit einem einfachen Halt die Klappe, Vollidiot, ehe sie ihn weiter unter die Lupe nahm. Rache würde sie noch früh genug für seine unverschämte Begrüßung bekommen.

„Du solltest vielleicht besser ins Krankenhaus und dich von meiner Mutter untersuchen lassen“, schlug sie ihm vor.
„So schlimm ist es auch wieder nicht“, wehrte er ab und wollte schon weiter gehen, aber sie hielt ihn an seinem Arm fest.
„Autsch!“, entfuhr es ihm. Ja, da war definitiv was angeknackst.
„So schlimm ist es also nicht“, kam es spöttisch von der Kunoichi. Er erwiderte daraufhin nichts.

Sarada wartete einfach ab. Sie würde so lange im Regen stehen bleiben, bis er einwilligte sich behandeln zu lassen.
„Lass mich los. Ich verarzte mich einfach selbst oder frage Himawari“, meinte er.
„Aber klar doch. Deine Mutter wird dich einfach so ins Haus lassen, ohne nur einen Kommentar dazu abzugeben. Sicher, Boruto. Verarschen kann ich mich selbst.“
Der blonde Shinobi wollte darauf etwas erwidern, doch sie fiel ihm ins Wort.
„Himawari ist nicht mal da. Sie ist heute Morgen zu einer Mission ins Eisenreich aufgebrochen. Und du dich selbst verarzten? Nie im Leben. Das ist ein schlechter Witz.“
Seine Laune sank, das sah sie an seinem Gesichtsausdruck.

„Mir bleiben also nur noch zwei Möglichkeiten“, seufzte er.
Zwei? Na da war sie aber mal gespannt.
„Und welche?“
„Ins Krankenhaus, wo deine Mutter mich wieder terrorisiert…“
„So schlimm ist sie auch nicht!“, fauchte sie. Ja, ihre Mutter nervte sie. Aber wenigstens war ihre Mutter für sie da. Anders als ihr Vater. Trotzdem liebte sie die beiden.
„Und Möglichkeit zwei wäre…“
Boruto beendete den Satz nicht, sondern schaute sie nur intensiv aus seinen hellblauen Augen an.
„Nein!“, protestierte sie dagegen. Sie spielte doch nicht Arzt für einen Deppen, der zu faul war ins Krankenhaus zu gehen. Auch, wenn sie den Deppen mehr mochte, als sie sich eingestehen wollte.

„Okay. Dann lass mich aber los.“
Wollte sie aber ganz und gar nicht. Er war wirklich zu blöd, um zu erkennen, dass seine Wunden behandelt werden mussten. Sie machte sich Sorgen um ihn. Sah er das nicht? War er wirklich so blind? Warum verstand er nicht, dass sie sich um das Wohlergehen ihres besten Freundes Gedanken machte? Ignorierte er das absichtlich?
Sarada wusste es nicht, als er sich von ihr losriss.
Auch, wenn es ihm offensichtlich Schmerzen bereitete, blieb er stark und ging von dannen. Humpelnd wohlgemerkt. Und leicht gekrümmt.
Unter anderen Umständen hätte es lustig für sie ausgesehen, doch er schien wirklich alles andere als leicht verletzt zu sein. Ihr Herz zog sich schmerzhaft zusammen. Sie wollte bloß, dass es ihm gut ging.
Verdammt, sie war wirklich weich geworden, seit sie ihn so sehr mochte. Ihrem jüngeren Ich hätte das garantiert nicht gefallen. Wo war ihr Stolz als Uchiha geblieben?

Etwas verwirrt von seiner Aktion blieb sie einige Augenblicke im kalten Regen stehen. Boruto war wirklich ein totaler Depp. Da konnte sie gar nicht anders, als sich Sorgen zu machen.
Sie blickte ihm nach und überlegte, was sie jetzt tun sollte. Ihre Mutter und auch Naruto würden ihr den Kopf abreißen, wenn sie erfuhren, dass sie den Blondschopf nicht geheilt hatte, obwohl er sie darum gebeten hatte. Indirekt zwar, aber sie hatte ihn sehr wohl verstanden.
Seufzend folgte sie ihm und versuchte ihn einzuholen. Leichter gesagt als getan, da sie ja auch noch etwas verwundet war, aber da er glücklicherweise selbst nicht allzu schnell unterwegs war, hatte sie ihn an der nächsten Straßenecke erreicht.

„Meinetwegen“, murmelte sie genervt, als sie ihn am Arm festhielt. Schon wieder der Falsche, wohlgemerkt, denn er zuckte heftig zusammen. Trotzdem drehte er sich mit einem schiefen Grinsen zu ihr um.
„Das hat noch ein Nachspiel!“
Er protestierte nicht, dafür kannte er sie zu gut. Wenn er jetzt nämlich was Falsches sagen würde, konnte er eine Heilung von ihr nicht mehr erwarten. Und zwar definitiv nicht. Da war sie wirklich eiskalt. Schließlich wollte sie ihrem Clan gerecht werden.

Langsam trottete er hinter ihr her, als sie den Weg zu ihrer Wohnung einschlug. Sie ignorierte die Tatsache, dass er sowieso dahin unterwegs gewesen war. Denn das Haus seiner Familie lag in der anderen Richtung. Sarada wollte sich nicht eingestehen, dass sie so voraussehbar war. Das passte wirklich nicht zu ihr.
Wobei sie nicht leugnen konnte, dass sie irgendwo auch froh war, dass Boruto sie gut kannte. Sonst wäre die Verständigung im Kampf viel schwieriger. Und es beruhte sowieso auf Gegenseitigkeit. Sie kannte Boruto seit er klein war. Zusammen mit Mitsuki hatten sie ein Team gebildet und auch nachdem sie Jonin geworden waren, hatten sie zu zweit Missionen erledigt. Es sollte sie also wirklich nicht wundern.


An ihrer Wohnung angekommen, öffnete sie die Tür und ging hinein. Boruto folgte ihr, doch da die Kunoichi das Licht nicht angeschaltet hatte, stieß er mehrmals gegen irgendetwas und ließ ein paar Flüche los. Sie seufzte und betätigte den Schalter neben sich. Die Lampe über ihnen flammte auf, dann flackerte sie und ging wieder aus. Verdammt, sie hatte vergessen die Glühbirne zu wechseln. Naja, sie und ihre Mutter könnten blind in der Wohnung rumlaufen, es würde ihnen nichts ausmachen. Deswegen hatte sie es vorerst nicht für nötig gehalten.
Sarada griff nach dem gesunden Arm des Shinobis, zog ihn hinter sich her und betrat das Wohnzimmer. Dort funktionierte das Licht wenigstens und sie bedeutete Boruto seinen nassen Umhang auszuziehen, während sie selbst kurz in ihrem Zimmer verschwand, um sich trockene Kleidung anzuziehen.

Sie brauchte etwas länger als sonst, da ihre Wunden immer noch schmerzten, aber sie beeilte sich trotzdem. Es könnte ja sein, dass der blonde Vollidiot  etwas anstellte. Eigentlich glaubte sie das nicht, aber er war immer noch Boruto. Und der hatte in seinem Leben schon für das ein oder andere Chaos gesorgt.

Als sie zu ihm in den Raum trat, musste sie kurz suchen, denn er stand nicht wie sonst gelangweilt im Raum, sondern vor der Kommode und inspizierte die Bilder, die darauf standen. Er nahm einen der Bilderrahmen und schaute sie fragend an.
„Das Foto kenne ich gar nicht.“
Sich neben ihn stellend, betrachtete sie den Schnappschuss, den ihre Mutter gemacht hatte, als sie und ihre Kameraden noch ganz klein gewesen waren. Shikadai lag schlafend auf der Decke, während Inojin mit einem Stift auf einem Papier herumkritzelte und Boruto und sie sich um einen Teddybären zankten. Der wohlgemerkt ihr gehörte. Damals hatte sie ihn wirklich gehasst. Er war manchmal richtig gemein zu ihr gewesen und später in der Akademie hatte sie sich darüber aufgeregt, wie er sich verhielt.

Und nun stand sie hier neben ihm, in aller Seelenruhe und wusste, dass sich ihr Hass auf ihn gewandelt hatte. Wann auch immer das passiert sein mochte.
Sie machte sich Sorgen um ihn, vertraute ihm in brenzligen Situationen und würde wahrscheinlich auch ihr Leben für ihn geben. Kurzum: Aus ihrem Hass auf ihn war starke Zuneigung geworden.
Das Wort Liebe nahm sie lieber nicht in den Mund. Sie war, was das betraf, gezeichnet. Schließlich war sie eine Uchiha und die Liebe in ihrem Clan konnte sich ganz einfach zu Hass verwandeln. Ihr Vater war das beste Beispiel dafür.

Sarada sah ihren Freund nachdenklich von der Seite an. Wenn er nichts für sie empfand, dann könnte das wirklich böse für sie enden. Aber irgendwo war sie sich sicher, dass er sie sehr gerne mochte. Allein sein Verhalten ihr gegenüber, das von seinem normalen Handeln abwich, zeigte es ihr. Sie war sich zwar nicht absolut sicher, aber sie hatte dennoch die Hoffnung, dass das zwischen ihnen etwas werden konnte.
Leicht lächelnd nahm sie ihm das Foto aus der Hand, das er gedankenverloren angestarrt hatte und stellte es zurück, um sich dann dem Jonin zuzuwenden.

Zuerst nahm sie seinen Arm, den er sich offensichtlich so stark verstaucht hatte, dass nicht mehr viel fehlte, bis er durchbrach. Behutsam ließ sie ihr Chakra fließen und war froh, dass ihre Mutter ihr so viel beigebracht hatte. Trotzdem würde Sakura nochmal drüber schauen müssen, aber wenigstens konnte sie seine Schmerzen lindern.
Anschließend verband sie ihm den Arm, ehe sie sich dem Rest seiner Verletzungen widmete. Sie wusste nicht, wie lange sie schon so bei ihm stand und ihn heilte, aber nach einiger Zeit machten sich auch ihre eigenen Verletzungen bemerkbar.
Versucht, sich nichts anmerken zu lassen, machte sie immer weiter, doch da der Sohn des Hokage sie kannte, bemerkte er es.

„Sarada.“
Doch sie reagierte nicht. Also nahm er einfach ihre Hand, die gerade über seiner verletzten Schulter schwebte und drückte sie fest. Wütend starrte sie ihm in die Augen.
„Lass uns hinsetzen. Du bist auch nicht in der besten Verfassung“, sprach er mit ernster Stimme und zog sie mit zum Sofa. Sie wehrte sie nicht gegen seine Aktion und machte einfach weiter damit ihn zu heilen. Keiner von ihnen sagte nur ein Wort, aber die Stille war nicht unangenehm. So konnte sie sich besser konzentrieren.

Nachdem die Kunoichi fertig war, brach er leider schon die beruhigende Stille.
„Ich hab Mitsuki unterwegs getroffen.“
Sie zuckte heftig zusammen. Eigentlich war das ein Tabu-Thema zwischen ihnen. Kurz nachdem sie Jonin geworden waren, hatte Mitsuki sich dazu entschlossen, Orochimaru zu helfen und ähnlich wie Sasuke durch die Welt zu reisen. Zwischendurch tauchte er immer mal wieder im Dorf auf, aber nur um Informationen an den Kagen zu liefern.
Sie vermisste ihn, dass konnte sie nicht leugnen. Er war ihr Kamerad und ein wirklich guter Freund. Und sie sah ihn so gut wie nicht mehr.
Anfangs hatte sie noch gedacht, dass er bei einer Mission ums Leben gekommen war, aber sein Vater hatte ihn gerettet. Erfahren hatte sie dies erst einige Monate später. Sein Tod war auch der Auslöser für die Erweckung ihres Mangekyou Sharingans gewesen. Sarada erinnerte sich nicht gerne an diesen Tag.

„Wie geht’s ihm?“, fragte sie kühl, jedoch zitterte ihre Stimme ein wenig.
„Soweit gut. Ich soll dich grüßen.“
Verärgert schnaubte sie. Er hätte sie auch ruhig selbst grüßen können.
Boruto erhob sich vom Sofa, griff nach seinem Mantel und seinem Katana, ehe er sich kurz noch einmal zu ihr umdrehte.
„Ich gehe jetzt. Nicht, dass ich deiner Mutter doch noch über den Weg laufe.“
Er versuchte sie zum Lachen zu bringen, weil er im Nachhinein gemerkt hatte, dass er das Thema besser nicht angeschnitten hätte. Aber es half nichts. Ihr entwich ein Seufzer, dann stand sie ebenfalls auf, um ihn zur Haustür zu begleiten.

„Also dann… Danke, Sarada“, verabschiedete er sich von ihr. Draußen hatte es aufgehört zu regnen und der Vollmond erhellte spärlich die Umgebung. Seine ganze Gestalt war in Dunkelheit gehüllt, nur seine Augen blitzten im Mondlicht ab und zu auf.
Unschlüssig stand er vor ihr, als wollte er noch etwas sagen. Gespannt wartete sie ab und spürte, wie die Schmetterlinge in ihrem Magen auf und ab tanzten. Sie versuchte das Gefühl zu unterdrücken, aber es half nichts. Seit sie Chunin waren, empfand sie für Boruto mehr, als sie sich eingestehen wollte. Bisher hatte sie das Gefühl immer erfolgreich unterdrückt. Sie wollte nicht wie ihre Mutter oder seine Mutter enden. Mit der Zeit würde sie den Jonin vergessen. Hoffte sie zumindest.
So selten wie sie sich im Moment sahen, funktionierte das ganz gut, aber jedes Mal, wenn sie bei ihm war, fiel es ihr sichtlich schwer. Und auch wenn er unterwegs war, vermisste sie ihn ab und zu und machte sich Sorgen.

Etwas nervös nahm sie ihre Brille und wischte sie an ihre Ärmel ab. Boruto sagte immer noch nichts. Wenn er gleich nicht den Mund aufmachte, würde sie ihn einfach rausschmeißen.
Er wirkte unruhig und wandte sich nach einigen Sekunden zum Gehen.
„Versprich mir, dass du morgen trotzdem noch mal ins Krankenhaus gehst“, rutschte es ihr raus, ohne dass sie vorher nachgedacht hatte. Verwundert blickte er ihr in die Augen.
Obwohl sie liebend gerne in seinen blauen Seelenspiegeln versunken wäre, fiel ihr auf, dass sie seine rechte Wange noch gar nicht behandelt hatte. Im Gegensatz zu den anderen Verletzungen war diese Wunde echt absolut nichts. Trotzdem hob sie die Hand und legte sie an seine Wange. Das Chakra floss durch ihre Finger und schloss langsam die Wunde.

Die Augen des Shinobis hatten sich bei ihrer Aktion geweitet, doch nun schloss er sie und schmiegte sich an ihre Hand. Sie spürte, wie ihr das Blut in die Wangen schoss, aber sie hörte nicht auf. Als Uchiha bestand sie darauf sich nichts anmerken zu lassen.
Auch, als die Wunde geschlossen war, blieben sie so stehen. Sarada musterte aufmerksam sein Gesicht. Er verzog keine Miene und wirkte entspannt.

Langsam zog sie ihre Hand zurück, was ihn dazu brachte die Augen zu öffnen. Sofort war sie wieder in dem hellen Blau gefangen und konnte sich nicht rühren.
Relativ spät realisierte sie deswegen, dass Boruto sich zu ihr runter beugte und ihr einige wirre, schwarze Haarsträhnen aus dem Gesicht strich. Wie versteinert starrte sie ihn an, als seine Lippen sanft ihre streiften. Da sie aber weder zurückzuckte, noch sonst etwas unternahm, versiegelte er ihre Lippen keine Sekunde später.

Im ersten Moment war sie so perplex, dass sie nicht mehr richtig denken konnte. Tausende Gedanken rasten durch ihren Kopf, aber keiner war so wirklich greifbar. Fieberhaft versuchte sie es, wollte eine logische Erklärung dafür, warum das hier gerade passierte, aber es war vergebens. Ihr Gehirn war zu nichts mehr zu gebrauchen, deswegen ließ sie sich einfach von ihren Emotionen leiten.

Unsicher erwiderte sie den Kuss, der ihr gerade den Verstand raubte. Fast sofort zog Boruto sie mit seinem gesunden Arm näher an sich. Das Kribbeln in ihr wurde stärker und sie krallte sich in sein Shirt, um sich keine Sekunde später vorsichtig an ihn zu schmiegen. Beide waren verletzt und wenn sie ausversehen eine Wunde berührte, würde das alles kaputt machen.

Sarada musste sich eingestehen, dass sie sich wirklich wohl in seinen Armen fühlte. Ihr Körper kribbelte und ihr Herz schlug schneller als normal in ihrer Brust. Nie im Leben hätte sie damit gerechnet, dass Boruto ihre Gefühle erwiderte. Und vor allem nicht, dass er so gut küsste.
Würde er sie nicht festhalten, wäre sie schon längst zusammengebrochen, so unsicher fühlte sie sich auf ihren Beinen.
Wäre der Moment nicht so schön, würde sie sich glatt für den Gedanken eine verpassen. Sie war eine verdammte Uchiha. So zu denken, passte nicht zu ihr. Es würde ihr Untergang sein, wenn das zwischen ihnen nicht klappte.
Aber das war ihr im Moment egal. Für sie gab es jetzt nur noch sie, Boruto und diesen Kuss.

Leider hielt der Augenblick nicht lange und war vorbei, noch ehe sie entgültig darin versinken konnte.  Boruto löste sich plötzlich ruckartig von ihr und war einen Moment später auch schon verschwunden.
Verwundert und leicht traurig stand sie in der Gegend rum, bis sie bemerkte, warum der Jonin so schnell abgehauen war. In ein paar Metern Entfernung bewegte sich ein ihr allzu bekanntes Chakra. Ihre Mutter kam gerade von ihrer Schicht zurück.
Schnell schloss sie die Tür hinter sich und ging in ihr Zimmer. Es war besser, wenn Sakura von alle dem nichts mitbekam.


Mit pochendem Herzen lag sie auf ihrem Bett und hörte wie die Medic-nin die Wohnung betrat. Nachdenklich lauschte sie den Geräuschen und ließ den Kuss noch einmal Revue passieren. Leicht fuhr sie über ihre Lippen, die wenige Minuten zuvor noch Borutos berührt hatten. Er hatte sie überrascht. Ohne Frage.
Morgen würde sie auf jeden Fall mit ihm reden müssen. Sie wollte nicht den selben Fehler wie ihre Mutter und ihr Vater machen. Obwohl die Geschichte ihrer Eltern nicht ihre eigene war, hatte sie ihre Lehre daraus gezogen.
Sarada war anders als sie und würde einiges ändern. Das hatte sie sich fest vorgenommen. Egal, ob es ihr Liebesleben, ihre Missionen oder ihre Jutsus betraf.
Sie gehörte schließlich zur nächsten Generation. Der Generation, die ihre Eltern übertrumpfen würde.

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Hey!
Hier mal ein kleiner OS zu Boruto und Sarada. Ich bin noch nicht lange im Naruto bzw. Boruto Fandom, deswegen verzeiht bitte, falls die Charas OOC sind. Oder noch besser, weißt mich darauf hin. Ich bin so an Gajeel und Levy aus dem Fairy Tail Fandom gewöhnt, dass es durchaus passiert sein könnte, dass irgendjemand OOC geworden ist.
Ansonsten bedanke ich mich bei meiner lieben Beta Wasser-Fee, die mir wirklich sehr geholfen hat.
LG Midnight

P.S.: Der OS basiert nur auf dem Film, also nicht wundern, warum die Thematik mit Mitsukis "Sonne" Boruto nicht berücksichtigt wird. ;)
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