Der Tag, an dem ich dich traf

von MrsHarnik
GeschichteRomanze / P18 Slash
Premiere League Werder Bremen
23.07.2017
01.08.2020
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Leise seufzend ließ sich Olivier wieder in seinen Stuhl fallen, starrte einen Moment auf die Tischplatte.

Ruhig blieb Clemens sitzen, gab seinem Freund einen Moment, um die Begegnung mit seiner einstigen Liebe sacken zu lassen.

Wortlos gab Olivier der Bedienung zu verstehen, dass sie zahlen wollten. Ebenso wortlos überreichte er ein paar Scheine, erhob sich und entfernte sich ein paar Schritte.

Allerdings besann er sich doch noch auf Clemens, wandte sich zu ihm um und wartete bis er an seiner Seite stand. Als er weitergehen wollte, griff Clemens nach seinem Handgelenk.

„Hey, jetzt warte doch mal einen Moment!“

Er versuchte Oliviers Blick einzufangen, doch der wich ihm aus, fuhr sich mit der anderen Hand wieder über seinen Bart.

„Alles okay?“, wollte Clemens wissen, legte die andere Hand an Oliviers Wange, zwang ihn so mit leichtem Druck den Augenkontakt zu erwidern.

Tief atmete Olivier durch, löste sein Handgelenk aus Clemens‘ Griff und verschränkte stattdessen ihre Finger miteinander. Leicht nickte er, lächelte seinen Freund etwas schief an.

„Ich habe nicht damit gerechnet ihn hier zu treffen. Soweit ich weiß, wohnt er mittlerweile in Lyon. Ich … Es tut mir leid, Clemens. Jaques und ich sind mittlerweile lange genug getrennt, dass es mich nicht so aus der Bahn werfen sollte, wenn er auf einmal vor mir steht.“

Sanft drückte Clemens die Finger in seiner Hand, schenkte Olivier ein leichtes Lächeln.

„Schon okay. Ich kann dich verstehen. Du hattest doch schon mal erwähnt, dass ihr vielleicht immer noch zusammen wärt, wenn er mit dir nach England gegangen wäre oder du in Frankreich geblieben wärst.“

„Es ist dir gegenüber trotzdem nicht fair“, murmelte Olivier, sah Clemens bedrückt an. „Oli, wirklich, es ist in Ordnung. Na komm, du wolltest mir noch das Schloss zeigen“, grinste Clemens, wollte seine Hand aus Oliviers lösen, doch der hielt sie weiterhin fest.

Mit einem noch schwachen Lächeln bedachte der Größere Clemens, beugte sich zu ihm, um ihn kurz auf die weichen Lippen zu küssen.

„Danke“, flüsterte er, doch Clemens winkte nur ab. „Also, wo müssen wir lang?“

#

Sie besichtigten das Schloss der Herzöge von Savoyen durch eine Führung mit ein paar anderen Touristen.

Im blühenden Schlossgarten genossen sie auf einer Parkbank die Ruhe und die Sonne, ehe Olivier einen Blick auf seine Armbanduhr warf.

„Wir sollten langsam zurück zum Auto. Ich bin mir nicht sicher wie lange der Hafenmeister heute da sein wird.“

Verstehend nickte Clemens, erhob sich von der dunklen Holzbank und folgte Olivier vom Schlossgelände.


In der geschichtsträchtigen Altstadt erwarben sie noch etwas Käse, gut gewürzte Wurst mit Nüssen und ein obligatorisches Baguette.

„Ich fühle mich schon wie ein richtiger Franzose“, lachte Clemens, der das Baguette fachmännisch unter dem Arm geklemmt hatte.

Auch Olivier lachte. Laut, tief, unter die Haut gehend.

Zielsicher führte er sie durch die verwinkelten Gassen zurück zum Auto, das sich in der Mittagshitze aufgeheizt hatte. Schnell öffnete Clemens alle Türen, um wenigstens für etwas Milderung zu sorgen.

„Puh, ist das heiß“, stöhnte Olivier, der sich auf den Fahrersitz geschoben und probehalber das Lederlenkrad berührt hatte.

„Ich würde sagen, wir fahren jetzt noch schnell ein paar Kleinigkeiten einkaufen und dann geht’s weiter zum Lac du Bourget“, erklärte Olivier seinen Plan, während er ausparkte.

#

Nach einer fast einstündigen Fahrt entlang des Ufers des Sees erreichten sie im Norden den Ort Chindrieux.

Schon während der Autofahrt hatte Clemens immer wieder mit großen Augen an Olivier vorbei auf den großen See und sein türkisblaues Wasser gestarrt.

„Wow!“, entfuhr es Clemens, den Blick auf den kleinen, überschaubaren Hafen gerichtet; im Hintergrund glitzerte das Wasser des Sees in der Sonne. Neben ihnen wogen sich ein paar Palmen im sanften Wind.

„Meine Eltern mussten mich als kleines Kind immer schon fast gewaltsam zurück zum Auto schleifen, weil ich nicht mehr nach Hause wollte“, erzählte Olivier lachend, trat neben Clemens. „Das kann ich absolut verstehen! Es ist wunderschön hier!“

„Du bist wunderschön“, raunte Olivier seinem Freund ins Ohr, sah ihm tief in die Augen.

Leise lächelnd erwiderte Clemens den Blick, seine Hände griffen an Oliviers Hüfte, zogen ihn näher zu sich.

Seine Arme in Clemens‘ Nacken verschränkend, beugte sich der Franzose leicht hinab und fing seine Lippen zu einem sanften Kuss ein.

„Wir sollten etwas vorsichtiger sein, meinst du nicht?“

Olivier zuckte nur mit den Schultern, reichte Clemens ihre Einkäufe, während er selbst eine kleine Reisetasche schulterte.

„Meinetwegen kann ruhig jeder wissen, was für einen atemberaubenden, unwiderstehlichen Mann ich an meiner Seite habe.“

Ein warmes, kribbeliges Gefühl breitete sich in Clemens‘ Brust aus und ließ ihn selig lächeln.

„Ernsthaft, Clemens. Sollte mich jemand auf eine eventuelle Beziehung mit dir ansprechen, werde ich uns nicht verleugnen. Du bist nicht mein kleines, schmutziges Geheimnis! Du bist mein Freund, den ich liebe und der mich sehr glücklich macht. Warum sollte ich das weiterhin verstecken?“

„Okay, du hast dir da scheinbar schon Gedanken drüber gemacht“, sagte Clemens. „Wenn du dir der Konsequenzen bewusst bist, werde ich mich auch zu unserer Beziehung bekennen, sollte ich gefragt werden.“

Zufrieden lächelte der Franzose, küsste Clemens nochmals sanft und deutete schließlich zu einem kleinen, weißen Häuschen: „Ich melde uns schnell an, dann können wir gleich auf das Boot.“

„Ah! Monsieur Giroud!“

Ein älterer Mann mit weißgrauem Haar kam ihnen bereits entgegen; ein strahlendes Grinsen zierte sein sonnengegerbtes Gesicht.

In schnellem Französisch unterhielten sich die Beiden kurz. Olivier unterschrieb ein Formular und verabschiedete sich mit einem Wink seiner Hand.

„Ihr scheint euch zu kennen“, stellte Clemens fest und sah seinen Freund neugierig an. Der nickte zustimmend, ging über einen leicht wackeligen Steg.

„Seit ich denken kann, ist Gerard hier schon beschäftigt. Wir haben immer viel Zeit am und auf dem See verbracht. Meine Mutter ist mit seiner Frau gut befreundet. So, da wären wir.“

Der Franzose war vor einer dunkelblauen Segelyacht stehengeblieben, die elegant auf dem ruhigen Wasser trieb.

Durch die Zähne stieß Clemens einen anerkennenden Pfiff aus.

„Nicht schlecht!“, entfuhr es ihm bewundernd, trat sich die Schuhe von den Füßen und reichte Olivier ihre Einkäufe über die Reling hinweg.

Der hielt Clemens seine rechte Hand entgegen, die dieser nur zu gerne ergriff und sich auf die Segelyacht ziehen ließ.

„Und die gehört deinem Vater?“ „Eigentlich gehört es uns beiden. Ich habe es bezahlt, mein Vater zahlt den Liegeplatz, die Instandhaltung und was sonst noch so anfällt“, erklärte Olivier und schloss die Tür zum Deck auf.

„Nach dir, mon amour“, lächelte er, stibitzte sich im Vorbeigehen einen schnellen Kuss von Clemens‘ Lippen.

Der trat unter Deck, blickte sich mit großen Augen neugierig um: Es gab eine helle Wohnlandschaft, vor der ein weißer Teppich lag. Daneben war eine kleine Pantry installiert worden, die einen Elektroherd, einen kleinen Kühlschrank, eine Spüle und eine, in die Wand eingelassene, Mikrowelle beherbergte.

Daneben stand ein, im Boden montierter, Tisch mit vier cremefarbenen Stühlen.

Ein kleiner Flur führte linker Hand in das Badezimmer. Dem gegenüber war das Schlafzimmer untergebracht, dessen gesamte Fläche fast vollkommen von einem großen Boxspringbett eingenommen wurde.

Clemens spürte Olivier dicht hinter sich, der einen Arm um ihn schlang, die andere Hand zu Clemens‘ festem Hintern wandern ließ.

„Nachher werde ich dich hier zum Schreien bringen“, raunte der Größere ihm ins Ohr.

Ein erregtes Keuchen verließ Clemens‘ Kehle. Unwillkürlich presste er seinen Hintern an den Unterleib Oliviers, spürte dessen beginnende Erregung durch den Stoff ihrer Hosen.

„Erst nachher?“ Anzüglich grinsend sah er über seine Schulter in Oliviers dunkel verhangende Augen.

Der Größere atmete tief durch, schob seinen Freund schließlich doch von sich: „Ja, nachher. Wir müssen unsere Einkäufe endlich im Kühlschrank verstauen und hier im Hafen würde dich außerdem jeder hören.“

Er grinste breit als sich eine feine Röte auf Clemens‘ Wangen ausbreitete und wandte sich ab.

„Na komm, lass uns den Anker lichten.“
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