Ein guter Tag

KurzgeschichteRomanze, Angst / P12
Der Wächter (weiblich) Zevran
20.07.2017
20.07.2017
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Holy McMoly, da ist es! Zevran!

Aber zunächst einmal wünsche ich meinem brotastischsten Bro alles beste zum Geburtstag... DAS BIÄSTÖ!!!!111!!Elf!!(Höhöh, Elf.. Elfen...)!!!!111! Luca, das ist für dich. Ich weiß, es ist nicht dein Wächter, aber es ist DER Loveinteresst was wir alle lieben und verehren und ich kenne deinen Wächter auch nicht so gut wie meine... Daher... Hass mich nicht D:

Ja, sie duzen sich (siehe Brief von Zevran in Awakening... Er nennt mich ein "du" und das macht mich so glücklich also fml T-T)
Was noch? Ach ja, EIGENTLICH sollte das hier voll der ernste Fluff und Angst und was weiß ich alles werden... Nun ja. EIGENTLICH. Dann fing ich an es teilweise ins Lächerliche zu ziehen und... EGAL, die Welt braucht mehr Zevran und das hier ist vielleicht nicht das tiefgründigste und beste was es zu diesem Elfen gibt, aber jetzt ist es da und joa...

Ich hoffe alles ist IC und ich habe nicht völlig versagt, denn Zevran ist wundervoll und hat es nicht verdient OOC geschrieben zu werden! T_T

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Das grelle Licht und die plötzliche Erschütterung, die auf den Tod des Erzdämons folgten, kamen zu unerwartet für Zevran, um sich darauf vorzubereiten. Wie hätte er es auch wissen können, er war um ehrlich zu sein noch nie bei dem Tod eines Erzdämons dabei gewesen und hatte es auch nicht noch mal vor.
Er wurde zu Boden gerissen und als er sich die Hände vor das Gesicht hielt, um sie vor dem gleißenden Licht zu schützen, spürte er wie er ein paar Meter über das Pflaster geschleudert wurde. Der kalte Stein schürfte ihm die Unterarme und Ellenbogen auf und einem Schlag gegen seine Nase folgte der Geschmack von Blut auf seinen Lippen.
Dann blieb er liegen. Nicht lange, aber selbst als er nun die Augen wieder öffnete und sich mit einem Arm hochstemmte, konnte er ein gedämpftes Stöhnen kaum unterdrücken. Sein Rücken schmerzte von dem Sturz und je schneller er versuchte wieder auf die Beine zu kommen, umso schneller drehte sich die Welt um ihn herum. Er musste ein paar Sekunden inne halten, ehe er sich erhob und einen kurzen Blick auf sich warf. Selbst das Adrenalin was ihm noch durch die Adern pumpte, reichte nicht um die Schmerzen völlig zu betäuben.
Der tote Erzdämon lag der Länge nach in einiger Entfernung auf dem Boden, während sein Blut literweise über den Stein sprudelte und die Luft mit einem unerträglichen Gestank erfüllte. Er war sich seit dem Zusammentreffen mit den Brutmüttern absolut sicher, dass es nichts auf der Welt gab was schlimmer stank und schlimmer aussah, aber er wurde eines Besseren belehrt. Er drückte seinen blutigen Arm gegen die Nase, doch bereute es augenblicklich. Seine Nase tat weh, sein Arm tat weh und alles was ihm jetzt blieb, war es durch den Mund zu atmen.
Es war absolut abstoßend. Zwar roch er es jetzt nicht mehr so stark, aber er schmeckte es. Er konnte die Fäule regelecht auf seiner Zunge spüren und allmählich hatte er mit seinem Würgreflex zu kämpfen. Nein, es war eindeutig erträglicher, wenn er nur den Geruch ertragen musste.
Er hielt kurz inne und ließ den Blick mit allmählich aufkommender Panik über die Plattform schweifen.
Wo war sie? Sie müsste doch bei dem Erzdämon sein, sie hatte ihm doch das Schwert durch den Hals gerammt, er hatte es gesehen!
„Ghila?“ Er wusste dass er ihren Namen sagte, aber seine Stimme war derart kratzig, dass sie ihn unmöglich gehört haben konnte. Aber sie musste doch irgendwo hier sein, sie konnte doch nicht etwa vom Turm gefallen sein. Obwohl… Konnte sie? Die Erschütterung hatte immerhin auch ihn einige Meter über den Boden geschleudert, was wenn es bei ihr noch schlimmer war?
Er spürte wie sein Rücken sich anspannte und seine Schritte etwas zu schnell für seine immer noch schmerzenden Muskeln wurden. Er räusperte sich ein paar Mal und wischte sich vorsichtig das Blut von der Nase.
„Ghila?“
Man konnte Zevran keinen Vorwurf daraus machen, dass er sie nicht sah. Sie lag völlig reglos neben zwei toten Hurlocks, über und über mit Blut bedeckt. Er erkannte sie erst, als er schon fast direkt vor ihr stand. Beim Erbauer, sie sah entsetzlich aus.
„Mach jetzt keinen Unsinn…“, murmelte Zevran kaum hörbar und je näher er ihr kam, umso mehr machte sich Angst in ihm bemerkbar. Warum bewegte sie sich nicht? War das alles etwa ihr eigenes Blut? Unmöglich. Sie hatte ihn doch eingeweiht, dass Morrigan… Morrigan!
Zevran hob den Blick und sah sich hektisch zu allen Seiten um, doch er konnte sie einfach nicht zwischen all den benommenen Soldaten ausmachen, die mit ihnen hier oben waren. Sie konnte nicht schon weg sein, sie wusste doch was zu tun war, sie hatte doch ihr dämliches Ritual abgehalten!
Er schluckte trocken, als ihm klar wurde, dass sie sich aus dem Staub gemacht hatte. Dieses Miststück hatte gelogen, sie hatte sie angelogen. Sie hatte Ghila Hoffnungen gemacht wo keine waren, sie hatte ihr gesagt sie würde das hier überleben. Verdammt, sie hatten sogar Flemeth, die Hexe der Wildnis für sie getötet, sie hatten einen Drachen getötet! Nur für Morrigan! Er hasste sie, er hasste Morrigan plötzlich so sehr.
Zevran weinte nicht um Tote. Nicht mal um Rinna hatte er geweint, auch als ihm bewusst wurde, dass ihr Tod sinnlos gewesen war. Zevran war einfach nicht so.
Aber jetzt? Jetzt schnürte es ihm die Luft ab. Ihr dreckiger Körper lag zu seinen Füßen und er flehte um eine Regung. Ein Atemzug. Ein Husten, ein Zucken irgendwas.
Doch nichts tat sich. Er starrte auf ihren Brustkorb, sie musste doch mal atmen. Sie musste einfach.
Nichts geschah. Sie war tot und die Welt… Die Welt drehte sich trotzdem weiter. Er merkte es daran, dass der Wind ihm um die Ohren rauschte. Er merkte es an dem entfernten, schmerzerfüllten Stöhnen der Soldaten aus Redcliffe, die nach und nach wieder auf die Beine kamen. Sie war tot, ihr Leben war vorbei, etwas was man ihr nie danken könnte und trotzdem drehte sich die Welt ohne sie weiter. Das ging nicht. Sie musste noch leben.
Er kniete sich zu ihr. Er wollte nicht über ihr stehen und sie anstarren, wie damals bei Rinna. Er wollte das diesmal einfach nicht.
Weitere, quälend lange Sekunden vergingen ohne eine Regung und zum ersten Mal empfand Zevran das Brennen in seinen Augen als unangenehm. Es war ihm bis jetzt gar nicht aufgefallen.
Er hatte es sich vorgestellt. Er hatte mit ihr gelitten, als sie gestern Abend wimmernd zu ihm gekommen war und ihm erzählte, wie viel Angst sie hatte. Er hatte sich vor ein paar Stunden, als sie ihren Kampf begonnen hatten, vorgestellt, wie sie sterben könnte. ‚Könnte‘ wohlgemerkt. Es stand für ihn eigentlich nie zur Debatte, dass sie tatsächlich sterben würde.
Nicht sie.
Er schaffte es einfach nicht den Blick von ihr zu lösen und je länger er sie anstarrte, umso verschwommener wurde seine Sicht. Er traute sich nicht mal sie zu berühren, wagte es kaum in ihrer Nähe zu atmen vor Angst ein Lebenszeichen zu übersehen.
Er wusste gar nicht was er tun sollte. Weinen? Still bleiben? Sie berühren, ihren Puls fühlen? Er wollte ihren Puls nicht fühlen. Wenn er es nicht tat, musste er sich auch nicht eingestehen, dass sie tot war und dann-
Doch sie war nicht tot, das merkte Zevran in dem Moment, in dem ihr ein derart gequältes Keuchen entkam, dass er vor Schreck einen Satz zurück machte.
Ghila packte sich währenddessen mit den Händen an den Hals, während ihre anfangs noch kaum merkliche Atmung immer hektischer wurde.
Doch Zevran kümmerte das recht wenig. Auch wenn sie grade fast am Ersticken zu seien schien, so war sie doch am Leben! Und das war weit besser, als das was er befürchtet hatte. Es war nicht optimal, aber es bewies, dass sie am Leben war und er war bei ihr und ab jetzt würde alles besser werden. Es konnte nur besser werden.
Doch seiner anfänglich schier unbeschreiblichen Erleichterung folgte recht schnell wieder die gleiche Angst wie davor. Ihr Husten wurde nicht besser und inzwischen kniete sie keuchend auf dem Boden, mit den Händen nach Halt suchend. Was wenn sie wirklich ersticken würde? Was für eine Grausamkeit hätte der Erbauer diesmal für sie übrig? Sie kam endlich wieder zu sich und jetzt starb sie tatsächlich?
Er musste doch irgendwas tun können! Er konnte nicht daneben stehen und nichts tun. Andererseits war es genau das, was er am besten konnte: Leute sterben lassen.
Ghila hatte sich inzwischen auf die Ellenbogen aufgestützt und hustete sich die Seele aus dem Leib. Auf dem Boden zwischen ihren Armen hatte sich eine kleine Lache aus Speichel und Blut gebildet und allmählich schien es sogar besser zu werden. Sie konnte wieder durch die Nase atmen und zum ersten Mal seit sie zu sich gekommen war, schaffte sie es ihren tränenverhangenen Blick auf Zevran zu werfen. Er sah lebendig aus. Sehr gut.
Bei Mythal war ihr schlecht…
Sie spürte wie Zevran kommentarlos die Arme um sie schlang und sein Gesicht gegen ihren Hals drückte. Er fühlte sich plötzlich noch zittriger an als sie. Zu jedem anderen Augenblick hätte sie dies in vollen Zügen genossen, aber wie sie gerade merkte, war das hier ein ausgesprochen schlechter Moment.
„Ich lie-“
Weiter kam Zevran nicht. Sie hatte ihn auch gar nicht verstanden.
Ghila wendete all ihre verbliebene Kraft auf und drückte ihn von sich weg, den Kopf so weit von ihm abgewandt wie nur möglich. Es reichte leider nicht mehr.
Ihr Würgen und das darauffolgende platschen von Erbrochenem auf dem Boden und seinen Knien unterbrach Zevran jäh.
Tja, gut… Mit sowas hätte er rechnen können. Ihm war ja schon viel passiert in seiner Zeit als Krähe, aber wortwörtlich angekotzt zu werden, das war einfach erfrischend unerwartet. Schön, er hatte mal wieder etwas Neues erlebt.
Irgendwie war er noch zu überrumpelt davon um einen schnippischen Kommentar von sich zu geben, aber ihm blieb sowieso nichts anderes übrig, als schweigend dabei zuzusehen und ihr die Haare aus dem Gesicht zu halten. Zwar war es dafür auch schon zu spät, aber er tat was er konnte.
Aber da saß sie also.
Sie war blutverschmiert, stank wie eine Brutmutter, zitterte am ganzen Körper und Erbrochenes klebte ihnen beiden an den Knien. Ihre Augen waren rot und verquollen von den Tränen und ihr blondes Haar hing ihr in blutverklebten Strähnen ins Gesicht, ein paar Essenreste dazwischen. Sie sah einfach aus, als hätte man sie geradewegs aus einer Güllegrube gezogen und doch glaubte Zevran in seinem gesamten Leben nichts Schöneres als das gesehen zu haben. Das. Sie. Sie lebendig und atmend um ganz genau zu sein. Stinkend und abstoßend und mit ihrem eigenen Erbrochenen beschmiert, aber lebendig. Etwas so simples und doch hätte ihn nichts in genau diesem Moment glücklicher machen können.
Er strich ihr behutsam die Haare aus dem Gesicht und band sie notdürftig mit einem abgerissenen Leberriemen seiner Rüstung zusammen. Er brauchte sowieso eine Neue, sie übrigens auch. Ghila wischte sich, während Zevran sich sorgfältig um ihre Haare kümmerte, verschämt über den Mund und begann an ihrem Handrücken zu lecken, da dieser völlig aufgeschürft war. Ihr fehlte ein Handschuh, keine Ahnung wo er hin war.
„Du lebst.“, stellte er schließlich trocken fest und zu seinem eigenen Entsetzen spürte er wie es ihm immer schwerer fiel seine Tränen wegzublinzeln.
„Ich lebe.“, wiederholte Ghila heiser und sah erschrocken zwischen dem toten Erzdämonen und Zevran umher. Morrigans Ritual hatte also funktioniert? Das war… gut. Ja. Das war gut. Für sie.
Verdammt vieles war gerade ausgesprochen gut. Dafür, dass sie ihre Gliedmaße kaum spüren konnte, war das mehr als gut.
Während Ghila noch immer ein wenig hilflos dreinblickte und keine Ahnung zu haben schien, was wohl eine angemessene Reaktion auf all das hier war, sah Zevran sie einfach nur an.
Sie erwiderte den Blick, auch wenn sie noch immer nicht ganz anwesend war. Was erwartete er denn jetzt? Hatte sie was vergessen? Sie fasste sich verstohlen an ihren Pferdeschwanz und konnte sich  immer noch nicht entscheiden, ob sie ihren Blick lieber auf Zevran oder den toten Erzdämon richten sollte. Beides schien unwirklich und beides hätte eigentlich nie gleichzeitig möglich sein sollen. In ihrem Kopf schien es noch immer so unwirklich und sie war Morrigan so unendlich dankbar dafür.
Sie spürte Zevrans Hand an ihrer Schläfe, wie er ihren Kopf sanft zu sich drehte. Ihre Augen wanderten trotzdem noch ein paar Mal zu dem Erzdämon, doch das schien ihn nicht wirklich zu interessieren.
„Ich dachte du bist tot.“, meinte er leise und spürte, wie ihm die Stimme versagte. Er hatte so einen Druck im Kopf, es tat inzwischen weh dagegen anzukämpfen.
„Zev? Es ist doch alles gut.“ Sie klang noch immer kratzig und strich sich ein wenig unbeholfen ein paar Haarsträhnen aus dem Gesicht, aber allmählich kam wieder Gefühl in ihre Finger. Sie war sich für einen Moment absolut sicher Tränen in seinen braunen Augen aufblitzen zu sehen, doch im nächsten Augenblick galt ihre Sorge auch schon seiner blutigen Nase. Oh, er sah furchtbar aus, wenn sie hier weg waren mussten sie sofort zu Wynne. Doch Ghila dachte nicht weiter darüber nach, als Zevrans Lippen einen Moment lang kaum merklich zuckten. Es schien ihr so als wollte er ihr irgendwas sagen, doch stattdessen wurde sie letztlich nur in eine viel zu feste Umarmung gezogen. Sie gab ein leises Stöhnen von sich, als Zevran seine blutigen Arme um sie schlang und seinen Kopf auf ihrer Schulter ablegte. Sie genoss es einfach nur von ihm gehalten zu werden. Sie hätte für einen Moment nämlich gedacht, sich diesen Luxus nie mehr leisten zu können.
Sie erwiderte seine Umarmung und plötzlich durchfuhr ein Beben seinen Brustkorb. Er atmete scharf ein und Ghila stockte für einen Moment. War das etwa ein Schluchzen gewesen? Sie hatte ihn noch nie weinen sehen. Einmal hatte er vor Lachen ein paar Tränen in den Augenwinkeln gehabt, aber das war etwas anderes gewesen.
Wenn dem so war und Zevran Arainai, eine Krähe aus Antiva, ein gefürchteter, kaltblütiger Assassine gerade ernsthaft um sie weinte, dann… Sie bedeutete ihm also doch mehr als er zugeben wollte. Sie war ihm wichtig.
Nicht wichtig im Sinne von ‚ich habe die Welt gerettet‘. Sie war wichtig für eine einzelne Person. Sie bedeutete jemanden etwas, einfach aus Liebe heraus, einfach für die Person die sie eben war. Das war mehr als sie je erwartet hatte und es erfüllte sie mit Stolz und Zufriedenheit und sie hoffte so sehr, dass ihm klar war, dass sie auch so für ihn empfand. Er war nicht entbehrlich wie bei den Krähen. Er war keine Krähe mehr und er war ihr wichtiger als irgendwer sonst auf der Welt.
„Ich sagte doch ich sterbe nicht.“, versuchte sie ihn zu beruhigen, doch es war einfach grade alles zu viel. Sie musste ja fast selber weinen, denn wenn sie so darüber nachdachte, dann wurde ihr klar, wie viel es ihr bedeutete ihn hier bei sich zu haben.
„Ich hatte solche Angst um dich. Tu das nie mehr.“ Zevrans Stimme klang brüchig und es tat Ghila im Herzen weh ihn so zu sehen. Gerne hätte sie ihm irgendwas Tröstendes gesagt oder ihn mit einem gewitzten Kommentar von dem Ernst der Lage abgelenkt, so wie er es doch so gut konnte, aber ihr fiel nichts ein. Das war aber auch nicht ihre Aufgabe, immerhin war Zevran derjenige, der sowas gut konnte.  
„Ich hab es nicht vor...“, versicherte sie ihm und lehnte ihre Stirn erschöpft gegen seine Schulter. Und so saßen sie da, zumindest für ein paar kurze Momente der Ruhe.
„Weißt du“, begann Zevran ernst und löste sich vorsichtig aus der Umarmung „ich hab mir gestern Nacht gesagt, dass, wenn all das hier vorbei ist und wir beide noch leben, ich dir nie mehr von der Seite weichen werde… wenn du mich bis dahin-“
„Wie könnte ich deiner je überdrüssig werden?“, unterbrach Ghila ihn energisch und augenblicklich schlich sich ein derart breites Grinsen auf ihr Gesicht, dass es wehtat. Aber ihr tat ja sowieso schon alles weh, von dem her war das jetzt auch egal. Wenn er noch weiter reden würde, würde sie wahrscheinlich weinen. Zevran jedoch verzog keine Miene. Ihm schien das hier wirklich wichtig zu sein und er wollte ihr sagen, was er zu sagen hatte. Selbst ihr Erbrochenes auf seiner Rüstung schien vorerst unwichtig. Ghila respektierte das, denn wenn es ihm derart wichtig war, dann war es auch für sie von Bedeutung. Sie hatte immer ein offenes Ohr für ihn gehabt und das würde sie auch weiterhin haben.
„Was ich dir aber noch sagen will… Wir… Also darüber haben wir schon mal geredet. Jetzt wo der Erzdämon tot ist, sollst du es wissen.“ Er berührte vorsichtig ihr linkes Ohr, an dem immer noch der kleine, goldene Ohrring steckte, den er ihr geschenkt hatte. Sie hatte ihn mit in die Schlacht genommen und irgendwie bedeutete das Zevran mehr als er sich eingestehen konnte. Sie war mehr als er verdient hatte.
Ghilas Blick ruhte erwartungsvoll auf ihm und ganz egal wie müde sie bis eben noch gewesen sein mochte, das was Zevran ihr zu sagen hatte musste ihm wichtig sein, also war es ihr wichtig.
„Ich liebe dich. Ich hab dir das nie-“ Zevran kam nicht dazu zu Ende zu reden, da eine seltsame Mischung aus Lachen und Schluchzen, die Ghila völlig unvorbereitet entfuhr, ihn unterbrach.
Sie weinte völlig ungehemmt und fächerte sich hilflos mit den Händen Luft zu, während Zevran es nicht lassen konnte, sie misstrauisch zu beäugen. Freute sie sich jetzt oder lachte sie ihn aus? Es war schwer zu sagen, sie konnte grausam sein. Freute sie sich überhaupt oder war sie wütend oder hielt das für einen Witz?
„Ich weiß, also ich meine ich liebe dich auch, aber, aber, dass du es mir sagst-“ Ein erneutes Schluchzen unterbrach sie und sie schlang die Arme wieder nur im Zevrans Hals.
Sie wimmerte ihm ein paar Mal irgendwas zu, was er beim besten Willen nicht verstehen konnte, doch es war ihm auch egal.
Er hatte gesagt, was er zu sagen hatte und sie war glücklich darüber. Eigentlich hatte er das ja gewusst, aber jetzt die Gewissheit zu haben, war etwas ganz anderes. Und genau das machte ihn so unfassbar glücklich. Es war ein für alle Male klar was zwischen ihnen war.
Ghila glaubte jedoch nicht wirklich, dass er wusste wie viel ihr das bedeutete. Sie wusste wie schwer es Zevran fiel diese Worte zu sagen. Er benutzte ‚Liebe‘ nicht leichtfertig, er war niemand für unzählige, überflüssige Liebesbekundungen. Er war sehr vorsichtig was dieses Wort anging, hatte er doch bisher nie Platz dafür in seinem Leben gehabt.
Aber es von ihm jetzt zu hören, mit einer solchen Ernsthaftigkeit, als ob er wirklich darüber nachgedacht hatte, das war so viel mehr als Ghila sich erträumt hätte. Sie hatte gehofft es irgendwann von ihm zu hören, ja, aber so bald? Bisher waren seine Liebesbekundungen Taten gewesen, keine Worte.
Sie konnte sich vor Freude darüber gar nicht mehr beruhigen, nicht mal als sie Alistairs Stimme wahrnahm. Ach ja, da war ja noch was. Sie hatte sich schon gewundert wo er blieb.
„Zevran? Ghila?! Ihr lebt!“ Alistair humpelte so schnell er konnte auf die beiden zu und bereits jetzt konnte man das breite Grinsen erkennen, was sich auf seinem Gesicht bildete. Seine Rüstung hatte ein paar deutliche Beulen und sein Gesicht unzählige Blessuren davon getragen. Alles in allem sah er aber sogar noch ganz gut beisammen aus.
Er kam schwer atmend neben ihnen zum Stehen und seine Freude darüber, beide wohlauf  zu sehen ließ sich nicht verleugnen. Er hätte nie gedacht, dass Morrigans Plan wirklich funktionieren würde… Er hatte es irgendwie gehofft, aber dass sowohl sie als auch er lebten war immer noch irgendwie unwirklich.
„Ach, Alistair, wir haben uns schon Sorgen gemacht die reizende Morrigan hat dich vielleicht mitgenommen.“, begrüßte Zevran seinen Mitstreiter schmunzelnd und stand auf.
„Mich? Natürlich, ihr kennt sie doch, sie konnte einfach nicht genug von mir haben!“, antwortete Alistair trocken und kam vor den beiden Elfen zum Stehen.
„Zevran? Kannst du mir auf helfen?“, fragte Ghila nun schniefend und hielt ihm ihre Hände entgegen. Sie beruhigte sich allmählich und Alistairs Anwesenheit ließ ihr Herz noch ein Stück höher schlagen. Er lebte. Das war doch was.
Zevran nickte und half ihr auf die Beine. Sie war bisher noch nicht gestanden, vielleicht hatte sie sich irgendwas gebrochen und es nur noch nicht bemerkt.
Aber nichts dergleichen. Sie konnte stehen und hier weg zu kommen konnte nicht die schlechteste Idee sein. Sie war zwar noch ein wenig wackelig auf den Beinen als sie den ersten Schritt wagte, aber Zevran und Alistair würden sie schon hier runter bringen.
„Oh Erbauer, für einen kurzen Moment…“ Alistairs Worte überschlugen sich vor Freude beinahe und er hatte mit sich zu kämpfen ihr nicht um den Hals zu fallen. Aber zum Einen tat ihm sein Bein weh und zum Anderen sah auch sie nicht ganz beisammen aus.
„Ich bin zwar hässlich wie die Nacht und frag bitte nicht was das Zeug auf meinen Beinen ist, aber ich lebe.“, versicherte Ghila ihm und allmählich schien auch sie zu realisieren, was all das hier bedeutete. Sie dachte anfangs noch, als Morrigan ihr von dem Ritual erzählt hatte, sie würde sich schlecht fühlen, der Seele eines alten Gottes ein Weiterleben zu ermöglichen, aber wenn sie ganz ehrlich zu sich selbst war, dann war es ihr egal. Sie und all ihre Freunde lebten, das war alles was sie interessierte.
„Ich… Oh verdammt, ich bin einfach nur froh, dass ihr lebt.“ Alistair seufzte erleichtert und Ghila konnte nicht anders als grenzdebil zu grinsen. Sie kannte Alistair nun schon eine ganze Weile und sie war froh, dass er hier bei ihr war. Nie hätte sie gewollt, dass er für sie starb.
Sie umklammerte weiterhin Zevrans Hand, doch als sie den ersten Schritt wagte und ihre Hüfte ein wenig zur Seite verlagerte zog sofort ein stechender Schmerz ihre Flanke hoch. Gut, sie hatte wohl einen Rippenbruch, wie wundervoll. Oder zumindest ein wenig angebrochen, irgendwas war da jedenfalls. Vielleicht hatte sie auch nur innere Blutungen und starb gerade, wer konnte das schon sagen?
„Ah… Alles gut!“, brachte sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, als sie die besorgten Blicke ihrer Begleiter auf sich sah.
„Wir gehen zu Wynne. Sie weiß was zu tun ist.“, meinte Zevran ernst und strich ihr ein paar Haarsträhnen aus dem Gesicht. Es ging ihr nicht gut und das merkte sie inzwischen selber.
„Hmmm… Alistair, sag den Männern hier, dass sie mitkommen sollen… Äh… Ich…“
„Mi Amor? Ist alles in Ordnung?“ Zevran bekam es wieder mit der Angst zu tun und packte sie sicherheitshalber an den Schulten. Sie schien gedanklich irgendwie abzuschweifen und er hatte allmählich wirklich Sorge, dass sie wieder ohnmächtig werden würde. Er hatte mal von Leuten gehört die in ein Koma fielen und nie mehr aufwachten. War es das?
„Hey, was ist los? Ihr werdet uns doch nicht etwa umkippen? Ich habe keine Lust Euch den gesamten Weg durch das Fort runter zu schleppen! Das sind mindestens tausend Stockwerke“, tadelte Alistair sie mit dem üblichen Sarkasmus in der Stimme und Zevran musste zugeben, dass es zumindest half ihn selbst ein wenig zu beruhigen.
Ghila sah die beiden aus ihrem blutverschmierten Gesicht einen Moment lang an, als hätte sie einen Geist gesehen. Gerade als die beiden Männer dachten, sie wollte den Mund aufmachen und ihnen etwas sagen, gerade als sie dachten, sie würde jeden Moment etwas wichtiges, weltbewegendes verkünden, gerade da… riss sie lediglich den Kopf nach unten.
Sie übergab sich.
Schon wieder.
Direkt auf Zevrans antivanische Lederstiefel.
Ja. Das war ein guter Tag. Aber eine positive Sache hatte es: ihr ging es sogleich viel besser. Sehr viel besser.
Ghila konnte hören wie Zevran ein verzweifeltes Stöhnen entkam, doch sobald sie wieder gerade vor ihm stand, war ein mitleidiger Blick alles was er für sie übrig hatte.
Es war danach sogar überraschend ruhig zwischen den Dreien. Zevran starrte auf seine Stiefel und Alistair auf Ghila, die sich hastig mit den Ärmel über das Gesicht wischte, was dazu beitrug, dass das Blut und alles andere nur noch mehr auf ihr verteilt wurden.
Tja… Das war irgendwie schon peinlich. So peinlich, dass Ghila lachen musste.
„Gut", meinte Alistair stöhnend „den Mageninhalt meiner besten Freundin begutachten, erledigt. Da ich jetzt dieses Lebensziel erreicht habe, sollten wir vielleicht gehen.“, entschied er schließlich wenig begeistert und stieß die Tür zum Fort auf. Ghila lachte immer noch und schlang einen Arm um Zevrans.
Ja, das war wirklich ein sehr guter Tag.
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