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Die Raubkatze der Nacht

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / Gen
OC (Own Character) Prosper Scipio Wespe
19.07.2017
22.08.2017
5
8.156
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09.08.2017 1.165
 
Es hatte gerade Mitternacht geschlagen und Jana ächzte vor Schmerzen in ihrem Versteck. Jake schlich besorgt um sie herum und maunzte. Sie hielt sich ihren Knöchel, der sich in der letzten Stunde von grün über blau auf lila verfärbt hatte. Sie war wirklich richtig übel umgeknickt als sie vor einem Carabinieri weggelaufen war, der sie wohl von den Suchplakaten erkannt haben musste. Gott sei dank hatte sie ihn trotzdem noch abhängen können.

Doch nun war der Knöchel angeschwollen und wechselte stündlich die Farbe. Noch dazu war ihr schlecht vor Hunger und sie fror obwohl es nicht wirklich kalt war in dieser Nacht. „Verdammt Antonio, ich muss zum Markusplatz! Sonst erfahre ich nie wer der Schatten ist!“ Der Kater maunzte missbilligend als ob er sie verstand. „Es ist ja nicht so weit, das schaffe ich schon!“ brachte Jana hinter zusammengepressten Zähnen heraus während sie sich aufstemmte. Sie begann mit dem Kater an ihrer Seite loszuhumpeln. Irgendetwas zog sie wie magisch zum Markusplatz, sie konnte und wollte das Treffen einfach nicht verpassen. Sie fühlte in ihrer Jackentasche nach der Uhr die sie dem Schatten gestohlen hatte und grinste in sich hinein, auch wenn jeder Schritt sich anfühlte als steckte ein Messer in ihrem Bein.







Prosper und Scipio gingen langsam auf die Löwenstatue des Markusplatzes zu. Bis auf die Schreie einiger Möwen, war es still im nächtlichen Venedig. Zu still und weit und breit war niemand zu sehen. Die beiden Jungen nickten sich zu, dann teilten sich ihre Wege. Prosper versteckte sich flink hinter einer der vielen Säulen des Markusplatzes, während Scipio zielstrebig auf den Löwen zuging. Eine Zeit lang passierte nichts und Scipio versuchte seine innere Nervosität zu beruhigen indem er in den Sternenhimmel blickte, der still und friedlich über Venedig lag. Auf einmal strich etwas um seine Beine und Scipio erschrak sich fast zu Tode. Prosper lachte sich krumm hinter seiner Säule. Der Herr der Diebe hatte sich zu dem Kater heruntergebeugt und streichelte ihn kurz „Mann, du hast mich ja erschreckt…, wo kommst du denn auf einmal her?“ Der Kater maunzte und schlich weiter um Scipios Beine herum. „Hey, was hast du denn da?“ er bemerkte ein kleines Papierröllchen das an der rechten Vorderpfote des Katers festgebunden war. Er nahm es ihm ab, entrollte es und las.

Ich komme nicht raus wenn du deinen Freund hinter der Säule nicht wegschickst! Du willst doch deine Uhr wieder haben oder?

Scipio betrachtete die Nachricht, dann schweifte sein Blick zu Prospers Säule und wieder zurück zu dem schwarzen Kater. Sein Blick ruhte auf dem Kater. Plötzlich fiel ihm wieder ein dass er dem Kater schon öfter begegnet war. Es war der Kater der sie immer begleitete. Er las den letzten Teil der Nachricht noch einmal und war fassungslos. Du willst doch deine Uhr wieder haben, oder? Sie hatte ihm die Uhr aus der Tasche gestohlen. Sie war die Diebin, die den Herrn der Diebe bestohlen hatte. Scipios Puls beschleunigte sich und er fasste einen drastischen Beschluss. Er entfernte sich ein paar Schritte von der Löwenstatue so dass er im freien Raum auf dem Platz stand. Allem ausgeliefert was kommen möge. Dann rief er in die Nacht „Jana, ich will meine Uhr wieder!"

Stille. Scipio drehte sich langsam im Kreis um zu sehen ob er irgendwo eine Bewegung oder ein Geräusch wahrnehmen konnte. Prosper tat wie ihm geheißen und bewegte sich keinen Zentimeter von seinem Versteck.

Nichts tat sich. „Jana ich will dir helfen, du musst mir glauben!“ rief Scipio in die Stille und wartete abermals.

Dann plötzlich „Woher weißt du wer ich bin, Schatten?“ Sie klang ein wenig panisch. „Dein Kater hat dich verraten, der dir immer hinterherschleicht!“ antwortete Scipio und versuchte Janas hallende Stimme zu orten. „Dann bist es doch du, der mir Nachts hinterherschleicht! Warum?“ Ihre Stimme forderte nach einer Antwort. Sie wollte eine Antwort die Scipio selbst nicht kannte. Er wusste nicht warum er sie beobachtete.

„Ich wollte nur wissen wer es ist, der außer mir auch Nachts durch Venedig streicht…“ Scipio biss sich auf die Lippe, er musste ihr mehr geben, sonst würde sie nicht rauskommen. „Mein Name ist Scipio, ich bin ein Dieb wie du! Ich kann dir helfen Jana!“ Lange war es wieder still. Bis sich plötzlich hinter einer der Säulen des Palazzo ein Schatten regte und eine zierliche Gestalt zwischen zwei Säulen auftauchte. Jana stützte sich an eine der Säulen da sie wegen ihres verletzten Knöchels mittlerweile gar nicht mehr richtig stehen konnte.

Der Kater sprang sofort auf sie zu und auch Scipio wollte auf sie zugehen nun da sie sich gezeigt hatte, doch sie hielt ihn mit einer Handbewegung auf. „Stop! Komm nicht näher!“ Scipio blieb abrupt stehen. Er wollte sie nicht verscheuchen. „Ich werf dir die Uhr zu wenn du mir versprichst dass du mich nicht mehr verfolgst!“ Jana funkelte Scipio in der Dunkelheit böse an. Scipio schüttelte nur den Kopf über ihre Sturheit. „Ich will dir doch nur helfen! Ich weiß dass du aus dem Waisenhaus abgehauen bist und dass man dich sucht! Meinst du nicht dass du besser klar kommst, wenn du nicht allein bist? Wir sind zu sechst, wir leben in einem verlassenen Kino und wir kümmern uns gegenseitig umeinander. Du musst nicht allein sein…“ Während er sprach, war Scipio mit sehr vorsichtigen, langsamen Schritten auf sie zugegangen.

„Komm nicht näher hab ich gesagt!“ drohte Jana. Sie wollte zurückweichen, doch ihr Knöchel hinderte sie daran. Sie stolperte und knickte um. Stechende Schmerzen zuckten wie Blitze von ihrem Knöchel aus durch ihren Körper. Augenblicklich übermannten sie die Schmerzen und die Kälte, ihr wurde schwarz vor Augen und sie blieb bewegungslos am Boden liegen.

Scipio, der gar nicht begriffen hatte was eben geschehen war, lief nun auf das am Boden liegende Mädchen zu und kniete sich neben sie. Er nahm sie vorsichtig in seine Arme, damit sie nicht mehr komplett auf dem kalten Steinboden lag. Dann warf er einen Blick hinter sich und rief nach Prosper. Der Herr der Diebe wandte sich wieder dem Mädchen zu. Sie war leichenblass und zitterte in seinen Armen. Prosper erschien an seiner Seite. „Was ist passiert?“ fragte er verwirrt und ließ seinen Blick über Jana schweifen. „Ich weiß es nicht… es ging alles so schnell. Ich glaube sie wollte abhauen weil ich ihr zu nahe gekommen bin, dann ist sie umgeknickt und bewusstlos geworden… Sie ist eiskalt…“ antwortete Scipio besorgt und sah seinen Freund hilfesuchend an.

Prosper hatte unterdessen Janas Hand bemerkt, die auf ihrem Knöchel lag. Er beugte sich ebenfalls zu ihr herunter, legte vorsichtig ihre Hand beiseite und stülpte den Saum ihrer Jeans einmal um. Hervor kam ihr stark geschwollener Knöchel, der in allerlei ungesunden Farben schimmerte. „Sie ist verletzt.“ stellte er fachmännisch fest. „Sie konnte wohl nicht mehr wirklich laufen, hat es aber trotzdem getan und das hat ihr jetzt wahrscheinlich den Rest gegeben…“ er sah Scipio an. Dieser hob das dünne Mädchen mit einer geschickten Bewegung vom Boden auf in seine Arme. „Wir gehen!“ meinte Scipio knapp und Prosper nickte nur. Der schwarze Kater folgte ihnen.
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