Das Tal der Schwerter

GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P16
OC (Own Character)
16.07.2017
16.07.2017
1
5.921
1
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
16.07.2017 5.921
 
Man kann diese Geschichte als Fortsetzung von „Die Insel der Verlorenen“, aber auch als eigene Geschichte ansehen.

Wer dieses Fandom interessant findet, der findet im Forum nähere Informationen dazu.

Die Ebene war von unzähligen Sträuchern bewachsen, und bot einen urwüchsigen Anblick. Vereinzelt streifte ein mutiertes Tier durch die Sträucher. Allerdings waren die Barbar nicht hier, um die Tiere zu jagen. Sie hatten es auf eine ganz andere Art von Beute abgesehen. Denn nicht weit von dieser Ebene entfernt, stand ein Dorf. Der Anführer der Barbaren, der größte und stärkste unter ihnen, hob sein Schwert in die Luft und brüllte laut. Und die Barbaren setzten sich sofort in Bewegung.
Es war eine Gruppe von Männern, welche mit Fell bekleidet waren, zumindest einigermaßen. Grunzend setzten sie sich in Bewegung, und hielten auf das Dorf zu. Diese Barbaren griffen immer wieder Dörfer an. Dort fielen sie über die Frauen her, manchmal auch über die Männer, töteten viele der Dorfbewohner und aßen deren Nahrung. In Doyzland gab es viele nomadisierende Barbarenhorden, aber diese Gebiete gehörten ihnen. Obwohl die Bewohner der verschiedenen Dörfer es wohl nicht so sahen.
Die Barbaren hatten das Dorf erreicht. Doch seltsamerweise war niemand zugegen. War dieses Dorf vielleicht schon aufgegeben worden, nachdem man von ihnen gehört hatte? Vielleicht versteckten sie die Menschen aber auch bloß in ihren Hütten. Einige der Barbaren grunzten freudig auf. Mitten auf dem Dorfplatz standen drei junge Frauen, solche, die gerade an der Schwelle vom Mädchen zur Frau waren. Sie standen bloß da und redeten, und schienen die Barbaren nicht zu bemerken. Schließlich deutete eine von ihnen auf die Barbaren und schrie auf. Nun sahen auch die anderen beiden sie, und schrien ebenfalls.
Die drei Frauen rannten sofort los, und mehrere Barbaren folgten ihnen, gewillt, sie zu schänden, wenn sie sie bekamen. Die Barbaren hatten sie beinahe eingeholt, brauchten nur noch ihre Hände auszustrecken um die erste von ihnen zu fangen, als die Frauen um die Ecke bogen und sich plötzlich auf den Boden warfen. Die Barbaren folgten ihnen... und sahen mehrere junge Männer. Sie waren ungefähr in dem gleichen Alter wie die Frauen, und jeder von ihnen war mit Pfeil und Bogen bewaffnet, und richtete seine Waffe auf die Barbaren. Die Barbaren grunzten auf und die Bogenschützen schossen ihre Pfeile ab, und töteten sie.
Doch die anderen Barbaren waren ihnen nicht in die Falle gegangen. Sie stürmten mit ihren Schwertern, Äxten und Speeren brüllend vor, und würden die Bogenschützen erreicht haben, lange bevor sie neue Pfeile abschießen konnten. Doch die Türen der verschiedenen Häuser öffneten sich, und weitere junge Männer strömten heraus, um die Barbaren zu beschießen, und auch eine ganze Reihe von jungen Frauen, welche die Barbaren mit Schwertern angriffen. Die Kämpfe waren blutig und brutal, aber schließlich wurde auch der letzte Barbar besiegt.

„Ist jemand verletzt?“ fragte Olesia besorgt, als sie aus der Hütte trat.
Sie war eine Frau, welche schon beinahe vierzig Winter gesehen hatte, und sie war zugleich auch die Anführerin ihrer Gruppe, diejenige, welche die anderen ausgebildet hatte.
„Einige von uns haben Schrammen abbekommen, aber nichts ernsthaftes.“ rief Sophia, welches eines der Mädchen waren, die die Barbaren mit dem Schwert bekämpft haben.
„Du hast dich wirklich verbessert.“ sagte Elina zu ihrer Kampfgefährtin.
„Du aber auch.“ entgegnete diese, „Die harte Arbeit hat sich wirklich gelohnt.“
Sie waren eine kleine Gruppe, nur fünfzehn Kämpfer und Kämpferinnen, Olesia mitgezählt. Dennoch waren sie sehr erfolgreich, und beschützten die Menschen vor Soldaten und Barbarenhorden. Doch leider war der Orden nicht immer zur Stelle gewesen, um die Menschen zu beschützen.

Zwei Jahre vor der Handlung

Elina lief über die Wiese. Das Mädchen hatte schon dreizehn Winter gesehen, und würde schon bald an der Schwelle zur Frau sein. Ihre langen, blonden Haare hatte sie zu zwei Zöpfen gebunden, und aus ihrem sommersprossigen Gesicht strahlten zwei blaue Augen. Ihre nackten Füße strichen durch das Gras, während sie sich dem Fluss näherte. In der Zeit der Alten hatte dieser Fluss die Elbe geheißen.
Elina hatte einen dicken Stock aufgehoben, und schwang ihn wie ein Schwert. Sie tobte wild durch das Gras, und schlug und stach mit dem Stock wild um sich, als sei sie eine Schwertkämpferin, die angreifende Feinde abwehrt. Das Mädchen tollte ausgelassen über die Wiese, als sie plötzlich ihre ältere Schwester sah.
„Elina, was tust du schon wieder mit dem Stock?“ fragte sie aufgebracht, „Ich hatte dir doch verboten, so zu tun, als wärst du eine Kämpferin.“
„Ich möchte aber so gerne kämpfen!“ widersprach Elina, „Emil und Joris sind so alt wie ich, und sie lernen schon den Umgang mit Schwertern.“
„Sie sind Jungen und werden bald Männer sein. Ihnen ist es gestattet, kämpfen zu lernen. Es wird von ihnen sogar erwartet.“ erwiderte Jelea.
„Das ist nicht gerecht.“ meinte das junge Mädchen.
„Es sind die Traditionen unseres Clans.“ meinte Jelea nur, als sei dies Erklärung genug, „Eines Tages wird der Göttersprecher dich einem unserer Krieger zuweisen, und dann werden deine Söhne Krieger sein.“
Jelea zerrte ihre Schwester unsanft mit sich. Doch plötzlich hörte sie ein Fauchen. Ihr gegenüber stand eine Katatze. Katatzen waren mutierte Katzen, und sie waren so groß, dass sie einem Menschen bis zum Knie reichten. Und sie jagten stets im Rudel. Und tatsächlich, überall kamen nun Katatzen hervor, und näherten sich den beiden Mädchen.
Emilia packte den Stock fester und trat vor. Sie bewies ihren Mut. Vor den Katatzen würde sie ganz bestimmt nicht zurückweichen.
„Bist du des Wahnsinns? Du bist ein Mädchen, du kannst nicht kämpfen.“ sagte Jelea.
„Dann sieh her.“ erwiderte Emilia und trat vor.
Doch plötzlich schossen einige Pfeile heran und verfehlten die Katatzen nur knapp. Die Tiere sprangen fauchend zur Seite, als sich aus der Richtung des Dorfes mehrere Männer näherten. Einige von ihnen legten neue Pfeile ein, doch die mutierten Katzen flohen sofort.
Elina sah, dass Jelea die Krieger bewunderte. Ihre Schwester stellte die Traditionen des Clans in welchem sie aufgewachsen war, nicht infrage. Sie würde bestimmt bald einem von ihnen als Frau zugewiesen werden. Elina sträubte sich jedoch dagegen, auch einfach einem der Jungen zu gehören, und ihr Leben damit zu verbringen, dessen Kinder großzuziehen.
Doch plötzlich sah sie etwas. Große Schiffe schwammen auf dem Fluss. Sie hatte schon häufiger Schiffe gesehen, die auf dem Fluss schwammen, doch solche wie die noch nie. Die meisten Schiffe interessierten sich nicht für ihr kleines Dorf, und fuhren einfach weiter den Fluss entlang, doch diese Schiffe näherten sich dem Ufer. Inzwischen sahen auch die Krieger sie.
„Wir müssen sofort zum Dorf zurück!“ sagte einer von ihnen.
Sie gingen eilig los, auch wenn Elina nicht verstand, warum die anderen sich vor den Schiffen fürchteten. Nach einer Weile hatten sie das Dorf erreicht. Es war von großen Palisaden umgeben, welche die Bewohner schützen sollten.
„Alle Männer zu den Waffen!“ brüllte es laut durch das Dorf, „Alle Frauen, versteckt euch mit den Kindern hinter den Palisaden!“
„Ich möchte auch kämpfen!“ rief Elina, doch ihre Schwester zog sie einfach mit sich.
Die beiden versteckten sich in ihrer Hütte, und die Männer, die bewaffnet waren, traten vor die Palisaden. Unter ihnen sah das Mädchen sogar Emil und Joris. Neid überkam Elina, sie wollte sich auch als Kämpferin beweisen. Doch die Palisaden schlossen sich hinter den Männern.
Und das Mädchen sah, dass die Schiffe bereits angelegt hatten.

Die Zeit der Handlung

Nach einer Weile waren die Dorfbewohner wieder zurückgekehrt. Denn die Barbaren stellten kein Problem mehr dar. Sie hatten die Nacht über gefeiert, und auch die Belohnung bekommen. Natürlich sagte Olesia stets, dass sie auch ohne Entlohnung gegen die Barbaren gekämpft hätten, aber ein Orden muss ja schließlich auch versorgt werden.
Elina stand auf der Wiese und probte einen Schwertkampf. Inzwischen hatte sie ein echtes Schwert, ein Scimitar. Und im Gegensatz von vor zwei Wintern, konnte sie jetzt auch wirklich kämpfen. Sie hatte schnell in ihrer Ausbildung gelernt, dass Frauen im Kampf einen entscheidenden Vorteil gegenüber Männern haben. Ihr Körper war ein wenig anders gebaut, besonders das Becken, sodass sie schneller und agiler waren, besser seitlich angreifen konnten, und auch besser Tritttechniken verwenden konnten.
Und so war auch die Rüstung von Elina aufgebaut. Es war eine leichte, dunkelgrüne Lederrüstung, die sie über ihrer Wollkleidung trug, und die zu ihrem athletischen Körperbau passte. Auf ihrer Rüstung trug sie auch das Wappen ihres Ordens, des Ordens der Gerechtigkeit. Das Mädchen trug zwei Taschen seitlich an der Hüfte. In einer dieser Taschen hatte sie einen Dolch, und in der anderen Tasche mehrere Utensilien, die sie gelegentlich brauchte.
Ihr Ausbildung war vorbei, nun war sie eine vollwertige Kriegerin. Nun würde sie um die Welt ziehen, und überall Gutes tun.
Als Elina fertig war, schob sie ihr Scimitar wieder in die Scheide auf dem Rücken. Und kurz darauf rannte ein anderes Mitglied ihres Ordens zu ihr.
„Hier bist du ja.“ sagte Sophia, „Ich habe dich schon die ganze Zeit über gesucht. Wir sollten gleich aufbrechen. Am Ufer der Elbe haben wieder Schiffe angelegt. Schiffe aus Afra.“
„Schiffe aus Afra?“ fragte Elina, „Also genauso wie damals. Wann brechen wir auf?“
„Sobald du möchtest. Ich weiß ja, welche Erfahrung du mit den Sklavenhändlern aus Afra gemacht hast.“ antwortete das Mädchen.
„Dann nichts wie los.“ meinte Elina.

Zur gleichen Zeit tauchte am Ufer der Elbe eine Transportqualle der Hydriten auf. Sie schwamm bis zum Ufer, wo sie sich öffnete und drei Gestalten hinausließ. Einen Menschen und zwei Mendriten. Zwei der Gestalten waren männlich, die dritte jedoch weiblich.
„Möchtest du wirklich losgehen?“ fragte Em´rako, „Wir können dich auch woanders absetzen.“
Em´rako war ein Mendrit. Er sah fast menschlich aus, allerdings hatte er keine Haare, und eine delfinartige, ledrige Haut. Er hatte auch spitze Ohren, scharfe Reißzähne und Schwimmhäute zwischen seinen Fingern und Zehen. Zudem trug er einen schwarzen Chitinpanzer aus Bionetik.
„Wir haben nicht oft so positiven Kontakt zu Menschen.“ fügte seine Schwester Tai´vor hinzu.
„Auf einer einsamen Insel zu sein, ist aber auch nicht schön. Nicht für einen Menschen, der die Möglichkeit hat, die Welt zu sehen.“ meinte Kai.
Kai war ein Junge von sechzehn Jahren, der als Kind in einem Bunker aufgewachsen war. Dank des Immunserums, konnten er und die anderen Bunkerbewohner gefahrlos an die Oberfläche gehen. Er hatte lange, schwarze Haare und grüne Augen, und zudem eine leicht muskulöse Statur. Außerdem trug er auch Kleidung aus Leinen. Sein Hemd war orangefarbenen, und seine Hose gelb. Um seine Hüfte trug er einen Gürtel mit vielen Taschen.
Der Junge hatte einige Zeit bei den Mendriten verbracht. Sie hatten ihm viel beigebracht, so beherrschte er nun die Sprache der Wandernden Völker. Und er wusste auch so einiges über die Welt in der er lebte.
„Wir wollen dir noch etwas geben.“ sagte der Mendrit und zog einige Sachen hervor, „Zuerst einen Schockstab.“
„Das ist ja toll. Damit kann ich gefährliche Tiere oder Barbaren ganz einfach betäuben, ohne sie zu töten.“ freute sich der Junge.
„Irgendwie habe ich gehofft, dass du das sagen würdest.“ meinte Tai´vor lächelnd, und zeigte dabei ihre Reißzähne.
Ein Schockstab sah so ähnlich aus, wie ein Teleskopschlagstock, war jedoch ungefähr doppelt so dick. Er verschoss elektrische Entladungen, welche einen Angreifer betäuben. Man konnte mit ihm auch tödliche Entladungen verschießen, doch das taten nur die wenigsten Hydriten. Es war ausziehbar, und ließ sich ohne weiteres am Gürtel befestigen. Wie alle aus Bionetik bestehenden Geräte der Hydriten, lud er sich mit der Zeit alleine wieder auf. Mit ihm konnte man sogar Licht machen.
„Nimm noch diese Decke hier.“ sagte Em´rako, „Sie besteht aus Bionetik. Sie kann ihre Farbe ändern, damit du dich tarnen kannst, wenn du einmal in Gefahr sein solltest. Außerdem ist sie auch recht widerstandsfähig.“
„Ist ja cool. Damit kann ich mich dann tarnen, wie Frodo und Sam vor den Toren Mordors.“ meinte Kai.
Die beiden Mendriten sahen ihn verwirrt an, und der Junge erklärte schnell, dass dies eine Bemerkung aus seiner Zeit im Bunker war. Damals hatten sie viele Filme aus der Zeit der Alten geguckt.
„Ich glaube, ich müsste zurechtkommen.“ sagte der Junge, „Ich danke euch, dass ihr mir geholfen habt.“
„Man hilft sich gerne... unter Freunden.“ sagte Em´rako vorsichtig.
„Natürlich sind wir Freunde.“ erwiderte Kai lächelnd.
„Dieser Fluss ist die Elbe.“ erklärte die Mendritin, „Du befindest dich nun in Doyzland. Die Wälder werden von Barbarenhorden durchstreift, aber in den Städten geht es etwas friedlicher zu.“
„Dann sollte ich wohl besser die nächste Stadt suchen.“ meinte Kai und steckte den Schockstab an seinen Gürtel, nachdem er die Decke eingerollt hatte und sie auf seinem Rücken trug.
„Viel Glück.“ wünschte Em´rako und umarmte den Jungen zum Abschied.
„Gute Reise.“ wünschte Tai´vor und küsste Kai auf die Wange.
Der Junge bedankte sich und machte sich auf den Weg.

Zwei Jahre vor der Handlung

Eine Gruppe von Soldaten näherte sich dem Dorf. Fürst Tafari sah seine Soldaten, wie sie ihre Waffen zogen und auf die Männer sahen, welche gerade ihr Dorf verließen. Einige Soldaten stürmten schon los, doch dann fielen sie plötzlich schreiend in eine Fallgrube. Die anderen Soldaten standen um die Fallgrube herum und lachten plötzlich los. Der General näherte sich ihnen, und sah, dass die Soldaten in der Fallgrube auf große Pfähle gespießt waren. Die Männer hatten stets Seite an Seite gekämpft, aber Soldaten waren nun einmal Soldaten, und sie amüsierten sich darüber, dass ihre Kameraden auf Pfählen gespießt waren.
„Es ist immer das gleiche mit Soldaten.“ sagte Almaz, welche seine Leibwächterin war.
„Los jetzt, greift gefälligst das Dorf an! Unser Königreich braucht Sklaven!“ brüllte der Fürst.
Die Soldaten stürmten sofort wie ein wilder Haufen los. Sie schwangen Schwerter, Äxte und Lanzen, und einigen von ihnen schossen erste Pfeile ab. Die Dorfbewohner stürmten ebenfalls auf die Soldaten zu und schossen auch ihrerseits einige Pfeile ab. Mehrere von ihnen lagen schon von Pfeilen durchbohrt auf dem Boden. Sowohl die Dorfbewohner als auch die Soldaten hieben und schlugen mit ihren Waffen wild aufeinander ein.
„Die Männer hier kämpfen besser als ich es erwartet hatte.“ meinte Almaz.
„Ich weiß, wie die Menschen hier kämpfen. Ich haben schon häufiger in Euree an der Küste Sklaven gefangen.“ erwiderte Tafari.
„Aber wenn die Soldaten so kämpfen, dann sind ihre Verluste doch fast genauso hoch, wie die der Gegner.“ meinte die Leibwächterin verwundert, „Halten sie diese Taktik nicht für zu gefährlich?“
„Das sind Soldaten. Sie merken es niemals, wenn sie verheizt werden sollen.“ erwiderte der Fürst, „Bei meinen Feldzügen habe ich schon ganze Streitmächte geopfert. Soldaten lieben das Töten sosehr, dass sie sich gegenseitig töten, wenn man sie zu lange aus Kämpfen heraushält.“
Inzwischen war der letzte Dorfbewohner besiegt worden, doch vor den Palisaden lagen mindestens genauso viele Soldaten aus Afra am Boden, wie Dorfbewohner. Doch das störte die Soldaten nicht besonders. Stattdessen hieben sie mit ihren Waffen auf die Palisaden ein, um ins Dorf zu gelangen. Hinter den Palisaden hörte man die verängstigten Schreie der Frauen, die noch im Dorf waren.

Elina hatte sich aus dem Dorf geschlichen. Sie wollte den Männern helfen, das Dorf zu verteidigen. Doch was sie sah, hatte sie zutiefst entsetzt. Sowohl die Dorfbewohner als auch die Soldaten hatten sich gegenseitig brutal niedergemetzelt. Das Kämpfen war kein Abenteuer, es war etwas brutales, etwas furchtbares. Und Elina, die ein Schwert genommen und losgestürmt war, sah nun fassungslos auf die Leichen der Männer aus dem Dorf. Plötzlich hatte sie nur noch Angst und wollte diesen Ort verlassen.
Doch es war zu spät. Einige Soldaten entdeckten sie und kamen böse grinsend auf sie zu. Elina warf das Schwert fort und rannte in den Wald, so schnell sie nur konnte. Doch die Soldaten folgten ihr. Das Mädchen kam sich mies und feige vor, dass sie nicht kämpfte, doch ihre Angst überwog. Sie war keine Kämpferin. Sie war bloß ein Mädchen, welches manchmal mit Schwertern spielte.
Die Soldaten hatten sie fast eingeholt, doch noch hatte Elina einen gewissen Vorsprung. Plötzlich merkte das Mädchen, dass es keine Rolle spielte, wie groß ihr Vorsprung war, früher oder später würden die Soldaten sie bekommen. Denn das Mädchen hinterließ deutlich sichtbare Spuren im Matsch, denen die Soldaten bloß zu folgen brauchten. Elina brauchte schnell einen guten Plan.
Plötzlich sah sie eine Höhle. In dieser Höhle lebten mutierte Tiere, welche sie allerdings nur nachts verließen. Sie fraßen tagsüber bloß die Menschen, die ihre Höhle betraten. Elina ging zu der Höhle, und zog ihre Schuhe aus. Diese legte sie vor dem Höhleneingang. Barfuß sprang sie zu einem neben der Höhle liegenden Baumstamm, welcher von Moos überwuchert war, und versteckte sich hinter diesem. Sie hörte, wie sich die Soldaten der Höhle näherten. Sie verstand nicht was sie sagten, aber offenbar hatten sie ihre Schuhe entdeckt. Die Soldaten liefen brüllend und mit gezogenen Waffen in die Höhle. Einen Moment später hörte das Mädchen ihre Schreie und das Geräusch von zerreißendem Fleisch.

Die Zeit der Handlung

Kurz nachdem sie die Soldaten in die Falle gelockt hatte, war Elina auch schon dem Orden von Olesia begegnet. Diese waren durch die Wälder gestreift, um noch die Soldaten zu erledigen, die zurückgelassen worden waren, um auch weiterhin die Dörfer zu terrorisieren. Doch der Orden hatte sie erledigt. Der Orden, der Halbwüchsige zu Kämpfern ausbildete, damit sie danach überall auf der Welt Gutes tun konnten. Sie waren zu spät gekommen, um die Dorfbewohner zu retten. Viele von ihnen waren in die Sklaverei verschleppt worden, andere wiederum waren getötet worden. So wie Jelea.
„Hast du schon einen Plan, wie wir vorgehen?“ fragte Sophia plötzlich, „Nur zu zweit werden wir wohl kaum eine ganze Armee besiegen können.“
„Wir müssen sie uns eben einzeln vorknöpfen. Einen nach dem anderen.“ erwiderte Emilia.
Doch plötzlich zog ihre Freundin sie tiefer ins Gebüsch, und bedeutete ihr, leise zu sein. Auf der Otowajii hielt sich jemand auf. Es war kein Soldat aus Afra, sondern ein bloßer Junge. Dennoch war es ungewöhnlich, wenn jemand alleine unterwegs war.

Kai sah die Autobahn. Zumindest war sie einmal eine Autobahn gewesen. Inzwischen nannten die Barbaren sie Otowajii und benutzten sie als Wanderwege. Der Asphalt war aufgebrochen und von Pflanzen überwuchert. Kai wanderte noch ein Stück weiter, und sah plötzlich etwas, was in der Zeit der Alten vermutlich eine Art Autobahnraststätte gewesen war.
Eilig lief der Junge darauf zu. Auch dieses Gebäude war längst verfallen und stand kurz vor dem Einsturz. Pflanzen hatten sich ihren Weg ins Innere gekämpft, und überwucherten auch das Gebäude. Doch plötzlich hörte Kai Geräusche. Sie stammten vermutlich von Tieren. Der Techno folgte den Geräuschen. Und plötzlich sah er eine große Ansammlung von Holzkäfigen. Und in diesen Käfigen waren Tiere gefangen.
Kai ging näher heran. Es waren Ratzen. Em´rako und Tai´vor hatten ihm vieles über die mutierten Tiere der postapokalyptischen Erde erzählt. Eine Taratze war eine Riesenratte, welche größer als ein Mensch war, und, nach Maßstäben von Tieren, auch sehr intelligent. Doch eine Ratze war eine andere Mutation, welche auch mit den Ratten verwandt war, sich jedoch im Aussehen und der Größe nicht nennenswert von ihnen unterschied. Und in diesen Käfigen waren viele Ratzen. Jemand hatte sie hier eingesperrt.
Kai zog seine Laserpistole hervor, stellte diese auf eine niedrige Stufe ein, und schmolz mit einem Schuss das Schloss des Käfigs. Der Käfig sprang auf, und die Ratze floh. Auf diese Weise ging Kai von Käfig zu Käfig und zerstörte überall die Schlösser, um die Tiere zu befreien. Als auch die letzte Ratze geflohen war, hörte er plötzlich Schritte hinter sich. Kai drehte sich um, und sah zwei sehr kriegerisch aussehende Männer, welche vermutlich aus Afrika kamen. Oder, besser gesagt, aus Afra. Denn so hieß der Kontinent inzwischen. Beide Männer waren wohl Soldaten, denn sie richteten ihre Speere auf ihn.
„Was fällt dir ein, die Ratzen zu befreien? Sie sind in unserer Heimat eine Delikatesse.“ brüllte einer von ihnen den Jungen in der Sprache der Wandernden Völker an.
Kai stellte die Laserpistole wieder auf eine hohe Ladung, richtete sie jedoch nicht auf die Soldaten.
„Ich habe nur einige unschuldige Tiere befreit. Ich suche keinen Ärger.“ erwiderte der Junge.
„Den bekommst du aber.“ meinte der andere Soldat, „Wir werden dich nämlich töten!“
Kai schoss mit der Laserpistole. Doch er zielte absichtlich vorbei. Der Schuss traf eine Wand und riss ein großes Loch in sie. Die beiden Soldaten wichen zurück.
„Was für eine teuflische Magie ist das?“ fragte einer von ihnen.
„Keine, die ihr gegen euch gerichtet haben wollt.“ sagte Kai, „Also legt es bitte nicht auf einen Kampf mit mir an.“
Doch einer der Soldaten schwang einfach seinen Sperr und schlug Kai die Laserpistole aus den Händen. Die Waffe verwand ins Gebüsch, und nun richteten beide Soldaten ihre Speere auf ihn, und wussten, dass er sie nicht mehr angreifen konnte. Kai wollte den Schockstab ziehen, doch die beiden Männer würden ihm wohl kaum die Zeit dazu lassen.
„Ich ergebe mich. Ihr könnt mich gefangennehmen.“ sagte der junge Techno.
„Gefangen? Nein, nur Frauen als Sklaven. Männer immer töten.“ meinte einer der Soldaten.
Beide sahen den Jungen böse an, und schienen untereinander auszumachen, wer von ihnen ihn schließlich töten durfte. Doch plötzlich sprangen zwei Mädchen hervor und stießen wilde Kampfschreie aus. Jede von ihnen war mit einem Scimitar bewaffnet. Mit schnellen Schwerthieben töteten sie die Soldaten.
Kai wich ein wenig weiter zurück, als er sah, wie die beiden Mädchen die Schwertklingen an der Kleidung der Soldaten abwischten. Scheinbar hatten sie kein Interesse daran, ihn auch anzugreifen.
„Du hast Glück, dass wir in der Nähe waren.“ sagte eine von ihnen.
„Ich danke euch für meine Rettung.“ erwiderte Kai, „Ich nehme an, ihr seid Kämpferinnen. Aber warum musstet ihr diese Männer töten?“
„Wo kommst du her, dass es keine Torheit ist, feindliche Soldaten einfach laufen zu lassen?“ fragte das andere Mädchen.
„Von sehr weit her.“ erwiderte der Junge.
Plötzlich erkannte er das Emblem des Ordens. Es ähnelte dem Emblem, welches verschiedene Superhelden in den Comics aus der alten Zeit trugen. Offenbar gehörten die beiden Mädchen zu einer Gruppe, welches dieses Emblem aus der Zeit der Alten kannte, und es für ein göttliches Symbol, oder etwas ähnliches hielt.
„Könnt ihr mir sagen, wie ich von hier aus die nächstgrößere Stadt erreiche?“ fragte er.
„Folge der Otowajii“ antwortete das Mädchen.
Kai bedankte sich und ging los. Einen kurzen Moment lang wollte er die Laserpistole suchen, doch diese war ohnehin beinahe leer. Und so machte sich der Junge bloß mit dem Schockstab bewaffnet auf den Weg. Kai war schon eine Weile lang unterwegs, da sah er etwas aus weiter Ferne. Jemand schoss dort mit einer Laserpistole.

Elina hatte die Waffe gefunden und mit ihr in die Luft geschossen. Sie hatte gesehen, wie der Junge sie benutzt hatte, und diese Bewegung einfach wiederholt. Fast hätte sie sie vor Schreck fallengelassen, doch inzwischen glaubte das Mädchen, dass sie den seltsamen Zauber dieser Waffe beherrschte.
„Diese Waffe ist gewiss vorteilhaft, wenn wir die Soldaten aus Afra bekämpfen.“ bemerkte Sophia.
Aus der Ferne sahen sie aufsteigenden Rauch. Die beiden Mädchen sahen sich an. Jede von ihnen wusste, was das bedeutete. Ein Dorf wurde gerade angegriffen. So schnell sie konnten, liefen sie dorthin. Es dauerte nicht lange, bis sie das Dorf erreicht hatten. Soldaten aus Afra hatten es angegriffen und richteten ein Massaker an. Überall lagen die Leichen der Dorfbewohner, die versucht hatten, ihre Familien zu beschützen. Einige der Häuser wurden zerstört, und einige der Frauen wurden von den Soldaten bereits verschleppt.
Elina hob die seltsame Waffe und zielte sorgfältig auf den ersten Soldaten. Ein Laserstrahl schoss aus der Waffe und durchbohrte den Soldaten, der daraufhin wie ein nasser Sack zu Boden fiel. Einige andere Soldaten hatten das gesehen. Elina schoss einen weiteren Laserstrahl ab, und traf einen weiteren Soldaten, den sie damit tötete. Es waren nur eine Handvoll Soldaten im Dorf, doch sie waren immer noch zuviele, als dass Elina und Sophia sie mit ihren Schwertern hätte besiegen können.
Brüllend und mit erhobenen Waffen rannten sie auf die beiden Mädchen zu. Doch Elina schoss Laserstrahl um Laserstrahl ab, und traf einen nach dem anderen. Schließlich war auch der letzte von ihnen besiegt worden. Das Mädchen ließ die Waffe wieder sinken. Und auch die Dorfbewohner kamen nun neugierig hervor. Ihre Angreifer waren besiegt worden, und sie waren nicht in die Sklaverei verschleppt worden.
„Diese Magie ist wirklich beeindruckend.“ meinte Sophia.
„Du hast Recht. Aber seltsamerweise leuchten mehrere Punkte an dieser Waffe plötzlich rot.“ redete Elina.
In diesem Moment kam der Junge angerannt, riss ihr die Waffe aus den Händen und warf sie einem hohen Bogen von sich. Mitten in der Luft explodierte die Laserpistole.
„Warum habt ihr die Waffe an euch genommen?“ fragte er wütend.
Elina hatte nicht den Eindruck, dass dieser Junge häufig wütend wurde. Aber wenn er es wurde, war er wirklich beängstigend. Doch schließlich war sie eine ausgebildete Kriegerin, und damit nicht so leicht einzuschüchtern.
„Ich habe sie gebraucht, um die Soldaten aus Afra zu bekämpfen.“ antwortete das Mädchen.
„Du hast mit dieser Waffe Menschen umgebracht?“ fragte der Junge entsetzt und wirkte tatsächlich noch wütender.
„Sieh dir das Dorf an.“ forderte Sophia ihn auf, „Das haben die Menschen derentwegen du dich aufregst, angerichtet.“
Kai sah zu dem Dorf. Der Anblick entsetzte ihn. Hier hatte ein fruchtbares Massaker stattgefunden.
„Und wenn wir nicht gekommen wären, wären diese Menschen dort ebenfalls umgebracht oder in die Sklaverei verschleppt worden. Doch du hast du Waffe zerstört, die uns so nützlich war.“ meinte Elina verärgert.
„Das war ich nicht. Die Waffe hat sich selbst zerstört. Der Sicherheitscode verursacht eine Explosion, wenn jemand die Waffe bedient, der nicht dazu befugt ist.“ antwortete der Junge.
Die beiden Mädchen sahen ihn verwirrt an. Kai merkte wieder, dass technische Begriffe den Menschen die keine Technos waren, unbekannt waren.
„Auf dieser Waffe liegt ein mächtiger Zauber. Wenn jemand sie benutzt, der nicht zu meinem Clan gehört, sorgt der Zauber dafür, dass die Waffe zerstört wird. Wäre ich nicht rechtzeitig zur Stelle gewesen, hätte dieser Zauber euch beide ebenfalls vernichtet.“ erklärte der junge Techno.
„Du hast die Waffe schnell beherrscht, dafür, dass du sie noch nie gesehen hast.“ lobte er die Kriegerin, „Du bist reichlich schlau.“
Elina war das Kompliment peinlich, sie errötete ein wenig.
„Nun ist die Gefahr ja gebannt, und die Soldaten stellen keine Gefahr mehr dar.“ redete Kai.
„Du täuscht dich sehr.“ beschied Sophia ihn, „An ihrem Schiff sind noch deutlich mehr Soldaten. Und wenn sie losstürmen, werden noch viel mehr Dörfer so leiden wie dieses hier.“
„Gibt es denn keinen Weg, sie zur Umkehr zu bewegen?“ fragte der Techno.
„Leider nicht. Die Menschen hier sind nur Wilde für sie. Sie kommen wieder und wieder her, um Sklaven zu fangen. Vielleicht merken sie irgendwann, dass es sich nicht lohnt, hier nach Sklaven zu suchen, wenn einer ihrer Feldzüge besiegt wird.“ redete Elina.
„Ich möchte euch helfen. Ich möchte auch die unschuldigen Menschen hier retten.“ meinte Kai.
„Du siehst nicht wie ein Krieger aus. Du kannst nichts gegen sie ausrichten.“ erwiderte Sophia abschätzig.
„Es ist wahr, ich kann nicht kämpfen. Aber ich kann vieles andere.“ redete er.
„Ich glaube, er könnte durchaus nützlich sein.“ meinte Elina.

Tafari und Almaz sahen auf den Rest ihrer Armee. Feldzüge hatten nun einmal zur Folge, dass etliche der Soldaten die sie losschickten, nicht zurückkamen. Aber diesmal waren es sogar für einen solchen Feldzug viele Soldaten. Als Fürst durfte Tafari über jeden Soldaten seines Reiches befehlen, dennoch mochten die anderen Fürsten es nicht, wenn zuviele Soldaten geopfert wurden.
„Los jetzt, bringt mir Sklaven!“ rief er ihnen zu.
Die Soldaten grölten los und gingen los. Wie ein ungeordneter Haufen stürmten sie durch die Wälder, um sich auf das nächstbeste Dorf zu stürzen. Doch plötzlich sahen sie etwas, was ihre Aufmerksamkeit erregte. Zwei Mädchen standen ein Stück von ihnen entfernt, mitten im Wald, und wedelten mit einem roten Tuch herum. Als die Soldaten sie entdeckten, drehten sie sich um und rannten los. Doch die Soldaten folgten ihnen brüllend.

Kai nahm die Decke entgegen. Die beiden Mendriten hatten Recht behalten, die Decke aus Bionetik änderte ihre Farbe, wenn ihr Träger das so wollte. Und sie war gut geeignet, um eine Falle für die Soldaten vorzubereiten.
„Ich hoffe, dein Plan funktioniert.“ meinte Elina.
„Das hoffe ich auch.“ erwiderte Kai.
„Das Gebiet der Barbaren ist gut markiert. Du wirst es sehen, wenn es anfängt.“ fügte Sophia hinzu.
„Viel Glück.“ wünschte Sophia ihm.
„Euch beiden auch.“ erwiderte der junge Techno.
Inzwischen hörte er das Gebrüll der näher kommenden Soldaten. Kai band die Decke wie ein Cape an seiner Kleidung fest und lief los.
„Jetzt habe ich ein rotes Cape wie Superman.“ sagte er laut und grinste dabei belustigt.
Doch das war nur gespielt. Er wusste, dass sein Plan auch schiefgehen konnte, und die Soldaten ihn dann erwischen würden. Die beiden Mädchen hatten sich im Gebüsch versteckt, und warteten darauf, dass die Soldaten an ihnen vorbeiliefen. Das Gebrüll wurde lauter. Offenbar hatten die Soldaten nun Kai entdeckt, und folgten ihm.
Der Junge rannte so schnell weiter, wie er nur konnte. Doch er hörte hinter sich, wie die Soldaten immer näher kamen. Es würde nicht mehr lange dauern, bis sie ihn erreicht hatten. Da bemerkte er etwas. An den Bäumen waren Körperteile befestigt worden. Einige waren schon skelettiert, andere wirkten dagegen noch eher neu. Die meisten von ihnen stammten von Tieren, einige jedoch auch von Menschen. Bestimmt hatten die Mädchen davon gesprochen. Das musste der Ort sein, an welchem das Gebiet der Barbaren begann.
Kai warf sich seitlich zu Boden, zog die Decke über sich, und sagte leise: „Ändere die Farbe. Tarne mich.“
Die Decke änderte sich tatsächlich. Kai dachte daran, dass Bionetik eine echt coole Sache war, während die Decke langsam die Farbe des Waldbodens annahm. Die Decke hatte ihre Farbe gerade vollkommen geändert, als auch schon die ersten Soldaten ankamen. Kai befürchtete einen Moment lang, dass sie ihn entdecken würden, doch sie stürmten grölend und brüllend einfach an ihm vorbei. Kai wartete noch einen Moment lang, bis auch der letzte Soldat fortgelaufen war, dann stand er wieder auf und zog sich die Decke herunter. Sie nahm sofort ihre natürliche Farbe an.
Und ganz allmählich ging der Junge zurück zum Schiff.

Elina und Sophia standen Rücken an Rücken. Und vor ihnen lagen schon einige besiegte Soldaten. Der Fürst hatte einige Soldaten auf seinem Schiff gelassen, damit sie ihn beschützen würden, falls jemand ihn angreift. Und die Soldaten standen nun in einem großen Kreis um die beiden Kämpferinnen. Immer wieder lief einer von ihnen los, um gegen eine von ihnen zu kämpfen, doch kaum wurde er niedergestreckt, kam auch schon der nächste Soldat, und nahm seine Stelle ein.
Elina und Sophia bluteten bereits aus mehreren, kleinen Wunden, doch noch hielten sie im Kampf stand. Elina wich einem Schwerthieb aus, und schlug ihrerseits zu. Die Klinge tötete ihren Angreifer, doch kurz nachdem er zu Boden gesunken war, lief auch schon der nächste Soldat auf sie zu. Sophia wehrte einen Axthieb ab, wirbelte ihre Klinge umher, und durchbohrte den Soldaten so.
Beide Mädchen wussten, dass sie auf diese Weise nicht lange würden durchhalten können. Zu ihrem Glück griffen die Soldaten sie nur nacheinander an, wenn sie alle gleichzeitig angreifen würden, wäre es viel schwerer für sie. Andererseits, dann würden die Soldaten sich aber auch gegenseitig im Weg stehen. Elina wehrte einen weiteren Schwerthieb ab, doch dieser war stärker als die vorherigen. Das Mädchen brach in die Knie. Und sofort stürmte ihr Angreifer vor und wollte sein Schwert in ihren Körper stoßen. Doch Sophia zog einen Dolch hervor und warf ihn.
Der Soldat wurde am Arm getroffen und ließ sein Schwert fallen. Diesen Moment nutzte Elina, um ihm ihr Schwert in den Körper zu rammen. Und der nächste Soldat kam auf sie zu. Doch dieser wurde plötzlich von einem Schwall Blitze getroffen und sank zu Boden. Ein weiterer Schwall Blitze traf einen Soldaten nach dem anderen, und schickte ihn zu Boden.
Elina sah sich um, und entdeckte Kai, der ebenfalls an Bord des Schiffes geklettert war, er hielt scheinbar eine weitere, magische Waffe in seiner Hand, welche wie ein seltsamer Stab aussah, jedoch einen Schwall Blitze nach dem anderen verschoss. Inzwischen war jeder der Soldaten besiegt worden.
Doch plötzlich schoss ein Pfeil heran und traf Sophias Körper. Die Kriegerin sank zu Boden. Ein weiterer Pfeil traf sie. Kai und Emilia sahen sich um. In einiger Entfernung stand Almaz, die Leibwächterin des Fürsten.
Sie sah die Halbwüchsigen voller Wut an, als sie verkündete: „Was bildet ihr Barbaren euch ein, euch uns entgegenzustellen? Mit dem nächsten Pfeil werde ich das Mädchen töten. Und danach euch.“
Doch Sophia rappelte sich mühsam auf, packte den Griff ihres Schwertes fester, und warf die Waffe auf ihre Gegnerin. Almaz wurde durchbohrt, und von der Wucht des Treffers regelrecht an die Schiffswand genagelt. Der Bogen fiel ihr aus den Fingern.
Elina und Kai rannten zu ihr hin. Doch Sophia war nicht besonders schwer verletzt worden. Mit schmerzverzerrtem Gesicht zog sie sich die beiden Pfeile aus dem Körper.
„Bist du nicht hier, um den Fürsten zu besiegen, der damals dein Dorf vernichtet hat?“ fragte sie.
„Ich kann dich doch nicht einfach so zurücklassen.“ erwiderte Elina.
„In meiner Tasche sind Verbände und Heilkräuter. Wenn der Fürst entkommt, werden weitere Dörfer leiden müssen.“ redete Sophia.
Elina lief los, während Kai bei dem verletzten Mädchen blieb. Die Kriegerin trat eine Tür ein, von der sie vermutete, dass sie in die Gemächer des Fürsten führte. Doch die waren leer. Der Fürst aus Afra musste entkommen sein. Das Mädchen schrie voller Wut auf.
„Er ist entkommen!“ rief sie, als sie wieder hinausrannte, „Er ist entkommen!“

Kurz darauf sank das Schiff aus Afra. Die Soldaten, die der Schockstab lediglich betäubt hatte, waren wieder zu sich gekommen und flohen. Doch das Heck des Schiffes war von den drei Halbwüchsigen so beschädigt worden, dass das Schiff früher oder später auf den Grund des Flusses sinken würde.
Sophia hatte sich ihre Wunden verbinden lassen, während Elina auf das sinkende Schiff sah. Dieser Fürst aus Afra würde keine Sklaven mehr in seine Heimat verschleppen. Und auch wenn er selber entkommen war, konnte er keinen Schaden mehr anrichten.
„Der Kampf ist gewonnen. Es ist an der Zeit, dass wir uns trennen.“ meinte Sophia.
„Solltest du mich nicht noch eine Weile begleiten? Deine Wunden sind gerade erst verbunden worden.“ erwiderte das Mädchen.
„Ich bin an keiner gefährlichen Stelle getroffen worden. Außerdem waren es bloß Pfeile. Bis ich meine Heimatstadt erreicht habe, werden die Wunden längst verheilt sein.“ erwiderte sie, „Und der Orden verlangt von uns, dass wir, die wir unsere Ausbildung abgeschlossen haben, in alle Richtungen davongehen, um überall Gutes zu tun. Und meine Stadt wird von einem Verbrecherlord beherrscht. Ich habe mich ausbilden lassen, um ihn bekämpfen zu können.“
„Auf Wiedersehen, meine Freundin.“ sagte Elina.
„Auf Wiedersehen.“ erwiderte sie, „Und auch dir auf Wiedersehen, Junge.“
„Mach´s gut.“ gab Kai zurück und lächelte.
Sophia wandte sich ab und ging davon. Als sie nicht mehr zu sehen war, wandte sich Kai an Elina: „Unsere Wege trennen sich wohl auch. Vielleicht begegnet man sich ja eines Tages wieder.“
„Wenn du nichts dagegen hast, würde ich dich gerne begleiten.“ meinte die Kriegerin.
„Im Ernst? Bin ich so interessant?“ fragte der junge Techno verwundert.
„Klar doch.“ erwiderte sie nur.
„Nun denn, lass uns gemeinsam auf Reisen gehen.“ sagte Kai.
Und zusammen gingen sie los.

Fürst Tafari rannte durch die Wälder. Er war dieser Kriegerin gerade noch rechtzeitig entkommen. Doch was sollte er nun tun? Vielleicht sollte er zuerst seine Soldaten suchen. Dann würden sie einfach ein Schiff stehlen, und auf diesem zurück nach Afra reisen. Von dort aus würde er dann mit viel, viel mehr Soldaten zurückkommen. Und jeder von ihnen würde einen wichtigen Befehl bekommen. Diese Kriegerin zu töten, und dem Fürsten ihren Kopf zu bringen. Doch dazu musste er seine Soldaten erst einmal finden.
Schließlich gelangte der Fürst auf eine Lichtung. Und dort waren alle seine Soldaten. Ihre blutigen Rüstungen lagen auf einem Haufen, während Barbaren... schlimmer noch... Kannibalen, ihre Körper zerlegten und auffraßen.
Grunzend wandten sich die ersten Barbaren dem Fürsten zu. Und sie kamen immer näher.

ENDE
Review schreiben