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Drachenzähmen leicht gemacht - Die Schwarzflügel-Chroniken

Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy, Freundschaft / P18 / MaleSlash
OC (Own Character)
16.07.2017
16.01.2022
88
258.379
43
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16.07.2017 1.413
 
„Man trug mir zu, der König rede wieder im Schlaf. Düstere Visionen von einer finsteren Zukunft und dem Untergang seines Reiches. Was soll ein einfacher Ritter wie ich bloß von solchen Worten halten?“

Dieser verbitterte Klang einer männlichen Stimme zerschnitt die sternenklare Nacht im einst fruchtbaren Königreich des Nordens.
Drei Männer, gekleidet in schwere Eisenplatten saßen um ein Lagerfeuer und wärmten ihre unterkühlten Gliedmaßen an den Flammen.
Von Osten her erklang das Rauschen der Wellen, die gegen die hohen, weißen Klippen des Festlandes brandeten. Im Westen breiteten sich die saftigen Felder und Weiden aus und erstreckten sich bis zum Horizont.
Der Vollmond hoch oben am nachtfarbenen Himmelszelt war kleiner als gewöhnlich und warf sein fahles Licht auf die drei kauernden Gestalten.

„Es steht uns nicht zu, die Äußerungen unseres Herrn in Frage zu stellen. Sprich noch einmal solch Worte und ich werde dich persönlich die Klippen hinabstoßen!“

Es war eine scharfe aber dennoch ernst zu nehmende Drohung, doch sie verloren schnell an Gewicht, als der Ritter, der sie aussprach, erneut so stark zitterte und somit seine schwere Rüstung zu klappern begann.

„König oder nicht, die Tage unseres Reiches sind längst gezählt. Nur ein Narr wendet seinen Blick von dieser Wahrheit ab!“, sprach der dritte Ritter entmutigt, während er mit einem länglichen Stock in den Flammen herumstocherte.

Diese Worte ließen die beiden ersten Ritter abrupt verstummen und sofort rückten sie etwas näher zusammen, als ein kräftiger Wind übers Land blies.
Er trug Schritte heran und augenblicklich sprangen die Männer auf, griffen zu ihren Waffen und spähten angestrengt in die Dunkelheit. Aus dem Schatten heraus näherte sich eine gebeugte Gestalt und sogleich richteten sich die Spitzen der Schwerter auf die vermummte Person, die daraufhin erschrocken die leeren Hände über den geduckten Kopf hob.

„Wer naht da? Zeigt euch!“, rief einer der Ritter.
„Nur ein alter Wanderer, edler Herr“, erklang unverzüglich eine kratzige Stimme. „Bitte senkt eure Waffen! Ich stelle keine Gefahr für euch dar!“

Mit dieser Beteuerung trat er näher ans Licht und offenbarte sein faltiges, vernarbtes Gesicht, das ergraute Haar sowie die glasigen, müden Augen.
Die Ritter warfen sich unsichere Blicke zu, doch dann senkten sie zögernd ihre Waffen.

„Dies sind gefährliche Zeiten, Alterchen. Ihr solltet euch nicht im Dunkel der Nacht an bewaffnete Männer heranschleichen“, raunte einer von ihnen unwirsch.

Ein raues Lachen erfüllte die Luft, ehe der alte Mann die Arme fröstelnd um die hagere Brust schlang und somit wortlos bat, sich dem Feuer nähern zu dürfen.

„Ich fürchte den Tod nicht, mein junger Freund“, lächelte er schief. „Ganz gleich wie er mich ereilen mag. Auch habe ich kein Heim mehr, dass ich mein Eigen nennen kann, daher wandere ich ziellos durch das Land.“

Etwas schwerfällig und leise ächzend, was wohl seinem hohen Alter geschuldet war, setzte er sich auf den Boden. Dann glättete er die Falten seines Mantels und nahm einen Schluck aus der bauchigen Feldflasche, die an seinem Gürtel hing. Anschließend blickte er zu den drei Rittern auf, die noch immer standen.

„Setzt euch“, forderte der Alte seine jüngeren Gesellen auf. „Ihr habt mir einen Platz an eurem Feuer gewährt. Dies möchte ich euch nun mit einer Geschichte danken.“
„Ihr seid also ein Geschichtenerzähler? Nun denn ... Erzählt uns eine Sage von unserem Königreich!“, verlangte einer der Ritter.

Doch der alte Mann schüttelte lediglich den Kopf, bevor er sich sorgfältig und beharrlich durch den Bart strich.

„Nichts, was ich euch in dieser Hinsicht zutragen könnte, wäre etwas Neues für euch“, sagte er ernst. Als er jedoch die ernüchterten Blicke seiner Zuhörer bemerkte, fuhr er eilig fort: „Doch lasst mich von einer Zeit lange vor dem Königreich erzählen. Als Wikinger und Drachen die Inseln im Norden beherrschten und schlussendlich den Himmel eroberten!“

Er kramte eine Pfeife aus einer seiner vielen Manteltaschen hervor und begann, sie sorgfältig mit Tabak zu stopfen. Währenddessen sahen sich die drei Ritter verwundert an, ehe sie in schallendes Gelächter ausbrachen.

„Drachen?! Wikinger, die den Himmel eroberten?!“, grölte einer und dabei schüttelte er sich am ganzen Körper, sodass seine Rüstung laut schepperte. „Erzählt uns keine Ammenmärchen, alter Knabe! Du hast weder kleine Kinder noch dumme Weibsbilder vor dir!“
„Wenn es doch die Wahrheit ist! Ich erzähle keine Märchen!“, verteidigte sich der alte Mann entrüstet, doch die Männer hörten ihm nicht mehr zu und machten sich weiter über ihn lustig.
„Kein Wunder, dass er kein Heim mehr hat. Wer will schon einen komischen Kauz wie ihn bei sich aufnehmen?“
„Jedes Kind weiß, dass es Drachen nie gegeben hat. Das ist nur ein Hirngespinst von Verrückten und Taugenichtse.“
„Wenn die Getreuen der Kirche das hören würden ... In ihr dunkelstes Verlies würden sie ihn werfen!“

Begleitet vom Gelächter über den alten Mann, beschlossen die Ritter ihr Lager zu verlassen und dem Geschichtenerzähler somit den Rücken zu kehren. Sollte er doch einsam am Feuer sitzen, sich wärmen und sich seine Märchen selbst erzählen. Es wäre nur niemand weiter bei ihm, um sich sein törichtes Geschwätz anzuhören.
Schweigend blickte der Geschichtenerzähler ihnen so lange nach, bis sie im Dunkel der Nacht verschwanden und das Klappern ihrer Rüstungen nicht mehr zu vernehmen war. Erst dann senkte er entspannt sein Schultern und atmete tief aus.
Abermals fegte ein kräftiger Wind über das Land und die Flammen erzitterten unter dieser Böe. Sie züngelten nah am Boden, nur um urplötzlich mit neuer Kraft, und doppelt so hoch wie zuvor, wieder zum Nachthimmel empor zuschlagen und riesige Schatten zu werfen.
Der alte Mann, der bis eben noch am Feuer gesessen hatte und sich wärmte, war verschwunden. Stattdessen wurde sein Platz von einem bleichen Jüngling mit rabenschwarzem Haar eingenommen. Die Kapuze seines langen, roten Mantels hatte er zurückgeworfen und blutrote Augen starrten aus schwarzen Seen ins prasselnde Feuer. Ein verschlagenes Lächeln umspielte die schmalen Lippen.
Mehrmals ließ er eine Hand durch die heißen Flammen wandern, ohne sich jedoch daran zu verbrennen.

„Diese drei Ritter werden das Licht der morgigen Sonne nicht mehr erblicken“, murmelte er dabei mit dunkler, widerhallender Stimme. „Ihr Weg wird sich mit dem eines hungrigen Wolfsrudels kreuzen, die in diesem Teil des Landes jagen. Die Luft wird von ihrem Gerede und ihrem Gelächter erfüllt sein und so werden sie die Gefahr schlussendlich zu spät erkennen. Wenn sie offener für meine Erzählung gewesen und geblieben wären, würden sie weiterleben. Doch wie so oft meint es die Fügung keineswegs gut mit den Sterblichen. Besonders nicht mit den Menschen. Niemand weiß das besser als ich, bin ich doch mit dem Schicksal selbst verwandt.“

Die Flammen umspielten seine Hand, leckten gierig an der Haut seiner Finger. Sie sprangen in seine Handfläche und verharrten dort tanzend, während er den Arm wieder aus dem Feuermeer zog.
Mit einem amüsierten Blick beobachtete er die orange-roten Feuerzungen in seiner Hand. Er sah hinein, als würde er aus ihnen Figuren, Orte und Geschehnisse herauslesen.

„Aber möglicherweise seid ihr ja geneigt, meiner Geschichte zu lauschen“, meinte er geheimnisvoll in die Stille, an niemand Besonderes gerichtet. „Bleibt ruhig, das Feuer wird brennen und euch Wärme spenden, bis ich geendet habe. Auch wenn ihr die Hitze vielleicht gerade alles andere als spüren könnt.“

Er warf die Flammen zurück ins Lagerfeuer und stützte dann seine Arme auf den angewinkelten Knien ab.

„Ich weiß, dass ihr da seid, selbst wenn ich euch keinesfalls sehen kann“, lächelte er. „Ich erscheine euch in eurer eigenen Vorstellung. Ich trage die Kleider, die ihr vor eurem inneren Auge seht und spreche mit der von euch gewählten Stimme. Ihr habt euch bisher nicht abgewandt, also schließlich ich daraus, dass zumindest ihr Interesse an meiner Geschichte besitzt.“

Sein Lächeln wurde breiter. Er legte den Kopf in den Nacken und blickte hinauf in die Sterne.
„Was ich euch nun erzählen werde, ist vor ewigen Zeiten geschehen. Länger als es sich diese drei Narren je vorstellen könnten. Zu einer Epoche, als Drachen tatsächlich durch die Lüfte flogen, Wikinger mit hölzernen Booten die Inselreiche bereisten und ein einzelner, schwacher Sterblicher den Lauf der Geschehnisse für immer verändern sollte.“

Die hypnotisierend roten Augen heftete sich wieder auf die munter vor sich hinlodernden Flammen und die Stimme des Jünglings nahm noch eine Spur an Dramatik zu.

„Doch nicht diese Geschichte will ich euch erzählen, obwohl sein Leben den späteren Verlauf der Geschehnisse stark beeinflussen wird. Nein, ich werde euch vom letzten Sohn Weißfels berichten. Dem ersten Drachenreiter des Schwarzflügel-Clans, dem Drachenblut und dem Auserwählten Eldarins.“
Einladend streckte er die Hand aus, während das Feuer erneut von einer starken Windböe in die Höhe getrieben wurde.

„Begleitet mich auf diese abenteuerliche Reise, denn hier beginnt die Geschichte von Ike Schwarzflügel!“
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