Kreuz und Klinge

von Druidclaw
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P18
McCree Reaper
16.07.2017
17.07.2019
9
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Da ich nach langer Zeit den ersten Assassins Creed Teil aus der Fundgrube hervorgeholt habe und wieder angefangen habe, ist mir die Idee für ein Assassins Creed AU durch den Kopf gegangen. Es ist meine erste Fanfiktion und weiß noch nicht, in welche Richtung das hier gehen wird. Ich bin beruflich viel unterwegs. Daher kann es mitunter länger dauern, bis ein neues Kapitel kommt. Ich wünsche euch trotzdem viel Spaß beim Lesen.
Liebe Grüße
Druidclaw
Florenz um 1790


Die Sonne erhob sich hinterm Horizont und schenkte den vielen Menschen auf der Straße ihre wärmenden Strahlen. Die ersten Händler eröffneten allmählich ihre Geschäfte. Zwischen all den Menschen tapste ein Kind umher, kühlte seine heißen Füße im Wasser der Brunnen, wenn es ihm zu warm wurde und erbat etwas Milch vom Bauern. „Jesse? Jesse wo bist du?“ Gabriel, ein Händler vom guten Wohlstand der weiterverarbeitete Waren wie Brot und Öl, selbst hergestellte Gewürze sowie Trauben aus eigener Zucht verkaufte, lief über den Marktplatz und suchte nach seinem einzigen Kind, welches seine Frau ihm zehn Jahre zuvor gebar, bevor sie im Winter desselben Jahres einem schweren Fieber erlegen war. Ein glockenhelles Lachen erfüllte den Marktplatz. Gabriel lächelte, als er den Jungen endlich sah, wie er am Brunnen mit anderen Kindern spielte und eine Münze hineinwarf. „Da bist du ja. Was hab ich dir gesagt?“ Jesse seufzte. „Ich weiß. Ich soll nicht immer weglaufen, ohne dir etwas zu sagen. Tut mir leid, Vater.“ Gabriel legte seine Hand auf die Schulter seines Sohnes. „Na komm. Die Geschäfte warten.“ Begeistert war der Junge nicht. Aber jemand musste am Stand bleiben und aufpassen, wenn Gabriel seine Waren abholte oder das Geld zur Bank brachte. Dafür war am Nachmittag schon Schluss und Jesse bekam Unterricht in Mathematik, Politik, Kalligraphie und Religion. Danach konnte er tun, worauf er Lust hatte.Am meisten mochte er die Sommermonate, da diese immer lange hell waren. Er liebte es den Grillen zu lauschen oder in den Kniehohen Gräsern zu tollen. „Träumst du schon wieder vor dich hin?“ Gabriel musterte das Verhalten des Jungen mit einem Lächeln.
Die Händler eröffneten ihre Stände und der Marktplatz füllte sich. Jesse setzte sich auf eine Kiste und ließ seinen Blick über den großen Platz streifen. Man hörte die Marktschreier, wie sie die besten Angebote verkündeten, fliegende Händler zogen vorbei und unterbreiteten den Geschäftsleuten mit ihnen zu Handeln oder in engere Geschäfte zu kommen. Er langweilte sich schnell und fand es nicht fair, dass er seine Tage hier verbringen musste. Ein Streit zwischen zwei Händlern in Hafennähe, welcher nun den besseren Fisch verkaufen würde, hellte seine Laune um einiges auf. Die beiden Männer waren sehr streitlustig und fingen an, ihren jeweiligen Konkurrenten mit Abfällen von Fischresten zu bewerfen. Leider unterband eine kleine Gruppe von Templern das auffällige, unangebrachte Treiben, bevor die Menschenmenge aufgeheizt wäre und die Situation nicht mehr unter Kontrolle wäre.

Missmutig verzog Gabriel das Gesicht. „Was ist los, Vater? Warum schaust du so grimmig?“ „Unsere lieben Templer sorgen mal wieder für Recht und Ordnung und sind sofort zur Stelle, wenn auch nur einer eine falsche Bewegung macht“, brummte der gebräunte Mann, während er Brot für Verkostung klein schnitt. „Aber das ist doch gut“, meinte Jesse. „Natürlich. Aber ich persönlich hege einen Gräuel gegen sie. Ihretwegen ist dein Großvater am Strick gelandet, ohne das er etwas getan hat.“ Gabriels Sohn hakte nach, was genau man seinem Großvater vorgeworfen hatte, der noch lange vor Jesses Geburt seinen Tod fand. „Eigentlich ist so was nicht unbedingt für deine jungen Ohren bestimmt. Aber, wenn du es wirklich wissen möchtest. Man hat ihn beschuldigt, dass er dem Pächter des Frauenhauses die Einnahmen gestohlen hat.“ „Du meinst den Herr, der über die Dirnen wacht?“ Gabriel seufzte. „Woher weißt du so was?“ „Ich schnappe mehr auf, als du vielleicht ahnst, Vater.“ „Übertreib es nicht. Und vor allem, setz keine Lügen in die Welt, wenn du nicht willst, dass dir gleiches widerfährt. Sonst endest du wie dein Großvater.“ Erschrocken, blickte der Jung aus seinen braunen Augen zu seinem Vater empor. Dieser lachte und meinte, dass er es nicht ernst meinte.
Eine Gruppe von Templern, die in Begleitung eines Herren der hiesigen Stadtverwaltung, waren, näherte sich dem Stand der beiden. Gabriel wusste, warum sie da waren und holte einen kleinen Beutel mit Florentiner hervor. Er machte gute Miene zum bösen Spiel und grüßte die Templer freundlich. „Guten Tag. Was darf es sein, die Herren?“ „Das übliche. Ihr wisst, weswegen wir hier sind.“ „Gewiss doch“, sagte Gabriel und ließ sich nicht anmerken, dass sein Lächeln nur gespielt war. Der Buchhalter zählte die Florentiner und vermerkte die abgegebene Summe als korrekt. Höflich wie er war, bot Gabriel den Herren an, von seinen Waren zu probieren. „Irgendwelche Empfehlungen des Hauses, mein Herr?“ „Nun. Meine Trauben sind aus eigenem Anbau und schmecken mit Käse sehr gut zu einem rustikalen Brot.“ Zu seinem Glück mundeten die Trauben den Männern und sie sprachen sogar ihr Lob dafür aus. „Nicht doch. Es ist ja mein täglich Brot, immer frische Ware zu liefern.“ „Keine falsche Bescheidenheit der Herr. Ach bevor ich es vergesse, soll ich im Namen der Stadtverwaltung und des Stadtrates Dank für ihre raffinierten Gewürze aussprechen. Ihr habt wahrlich ein Händchen dafür. Mein Herr, ihr solltet Wein anbieten, um euer Geschäft zu vergrößern.“ „Ein guter Vorschlag. Ich denke darüber nach. Wein? Damit diese Bastarde im Dienst auch noch trinken? Die Männer zogen ab. Jesse fiel auf, dass einer der kleinen Gruppe seinen Geldbeutel verlor. Er eilte hinterher und hob das verlorene Geld auf. „Mein Herr euer Geld.“ Der Mann bedankte sich und tätschelte Jesses Kopf. Der Junge ließ es sich nicht anmerken, dass er ein wenig enttäuscht war, nicht mehr als nur ein einfaches Lob zu bekommen. Aber damit musste er sich abfinden. Gabriel hatte es ihm immer wieder eingeprägt, dass Jesse dankbar sein sollte, wenn er nicht einen Kopf kürzer gemacht wurde.

Am anderen Morgen passte dieser auf den Stand auf, während sein Vater ein paar Besorgungen erledigte. Eine Staubwolke wirbelte auf, als zwei Jungen auftauchten. Sie hielten mit einer scharfen Bremsung bei ihm an. Es waren Hanzo und Genji die mit ihrer Familie aus dem fernöstlichen Japan nach Florenz gekommen waren. „Jesse. Heute Nacht wurde jemand ermordet.“ Hanzo klang aufgeregt und bat den etwas jüngeren den beiden Shiamdabrüdern zu folgen. „Die Templer haben seine Leiche im Wasser gefunden. Das solltest du dir ansehen“, meinte Genji. „Ich kann hier aber nicht weg. Vater hat mich gebeten, auf den Stand aufzupassen, bis er wieder da ist.“ „Komm schon. Es ist gleich da vorne. Nur ein kurzer Blick“, stachelte Hanzo ihn an. Jesse war nicht ganz wohl bei der Sache. Sicher würde er richtig Ärger kriegen. Er nahm den Geldbeutel mit, da ihm das Geld wichtiger war, als die zwei Kisten mit Brot, die dort standen. Wenn sie jemand in der Zeit stahl, würde er irgendwie selbst für den Verlust aufkommen. Egal wie.
Genji und Hanzo sollten recht behalten. Es lohnte sich wirklich, da sich grade ein Arzt den toten Mann ansah und ein paar Details preisgab „Wo genau er ins Wasser gefallen ist, kann ich nicht sagen. Der Mann trägt Kleidung, die auf ein höheres Mitglied der Kirche schließen lässt. Seine Identität muss noch geklärt werden. Aber es tritt ungewöhnlich viel Wasser aus der Kehle. Daher nehme ich an, dass man dem armen Tropf hinterrücks die Kehle aufgeschlitzt hat.“ Die Menschenmenge wurde laut, redete durcheinander. Sätze über einen Assassinenorden machten die Runde. „Ruhe bitte. Verehrte Herren und Damen, beruhigen sie sich.“ „Wie sollen wir uns beruhigen, wenn vielleicht die Assassinen wieder am Werk sind?“, schrie ein Mann und die Traube aus Menschen wurde laut und ungehobelt. Jesse spürte, wie jemand nach ihm griff und mit sich zog. Er wusste, dass es sein Vater war.

Gabriel war nicht böse mit ihm, nur besorgt. Jesse war immer noch ganz aufgeregt. Er hatte nur einen kurzen Blick auf den Toten erhaschen können. „Vater. Was weißt du über einen Assassinenorden?“ „Nicht hier. Das erzähle ich dir, wenn wir zu Hause sind. Die Templer haben auf der Straße ihren Ohren und Augen überall und man muss aufpassen, was man sagt.“ Die beiden Shimadabrüder kamen hinzu. „Na ihr beiden. Seid ihr wieder unterwegs, ohne das eure Eltern es wissen?“, kam es von Gabriel. „Oh bitte Herr. Sagt es nicht unseren Eltern. Vor allem nicht unserem Vater“, flehte Genji. Gabriel schenkte den beiden ein warmes Lächeln. „Das bleibt unser kleines Geheimnis.“ Er legte einen Finger auf seinen Mund, um ihnen zu versichern, dass er es für sich behielt. Ein paar Florentiner später zogen die beiden mit einem Laib Brot ab, welches das Kindermädchen gebacken und mit herzhaften Käse und Gewürzen versehen hatte. „Das ist nicht fair. Ich darf nicht mal drei Meter von dir weggehen, ohne das du mich gleich am liebsten an dir festbinden würdest und die beiden laufen hier alleine umher.“ „Ich bin ja auch nicht für ihre Erziehung verantwortlich“, entgegnete Gabriel und bat Jesse ihm mit dem Käse zu helfen.
Beim Abendessen hatte der Junge das schwierige Thema noch nicht vergessen. Sie speisten allein und daher konnte der Junge seine Neugierde stillen und seinen Vater fragen, was es mit dem Assassinenorden auf sich hatte. „ Die Assassinen sind so was wie eine Bruderschaft. Viele von ihnen sind bereits tot. Entweder starben sie eines natürlichen Todes oder wurden hingerichtet. Aber einige von ihnen leben noch und es gibt Gerüchte, dass sie sich immer wieder neu formen. Die Templer haben bereits alles versucht, sie aus dem Weg zu räumen. Aber eine endgültige Vernichtung gab es nie. Und der Mann von heute Morgen. Wer weiß schon, ob es wirklich so war.“ „Aber Vater. Der Arzt sagte doch, dass man dem Mann die Kehle durchtrennt hat“, sagte Jesse und nahm einen kräftigen Bissen von seinem Brot mit geräucherten Schinken. „Das mag ja richtig sein. Aber wer weiß, ob es ein Assassine war. Es kann auch ein einfacher Bandit gewesen sein.“ „Was genau ist der Sinn dahinter, dass die Bruderschaft der Assassinen mordet, Vater?“ Gabriel seufzte. „Das erzähle ich dir, wenn du älter bist und es besser verstehst.“ „Aber.“ Der Hausherr erhob einen Finger und deutete dem Jungen zu schweigen. Auf ein Klatschen des Hausherren erschien ein Diener welcher das benutzte Geschirr und Besteck abräumte und kurz darauf die Hauptspeise auftrug. Mit Genuss aß Jesse von der Pastete und versuchte gar nicht mehr an das Gespräch von grade eben zu denken. Trotzdem fragte er sich, warum sein Vater dem Thema so auswich. Gab es da etwas, dass er nicht wissen durfte?

Gabriel drückte seinem einzigen Kind später einen Abschiedskuss auf die Stirn. „Gute Nacht, Jesse. Und träume etwas Schönes.“ „Danke. Dir auch eine Gute Nacht, Vater.“ Der Vater schloss die Türe und bat das Kindermädchen auf ihn aufzupassen. „Ich bitte vielmals um Entschuldigung. Aber ich muss kurzfristig weg. Ihr habt etwas gut bei mir.“ „Nicht doch, Herr Ich passe sehr gerne auf ihn auf“, entgegnete die Dame freundlich, ohne zu wissen, wohin Gabriels Wege führten.
Eine verhüllte Gestalt lief über die Dächer Florenz. Immer auf der Hut vor den Wachen. Als es sicher war und er sein Ziel erreichte, nahm Gabriel die Kapuze seines dunklen Mantels ab und nickte seinem Gegenüber zur Begrüßung zu. Sojiro Shimada erwartete ihn bereits. „Verzeih Sojiro. Ich musste meinen Sohn davon abbringen, nicht zu viel über die Bruderschaft zu erzählen.“ Der japanische Meisterassassine lächelte. „Ist schon in Ordnung. Meine beiden Jungen sind auch immer sehr neugierig. Gute Arbeit gestern Nacht Gabriel.“ „Es stellt zwar nicht den Ruf meines Vaters wieder her, noch bringt es ihn wieder. Aber es war eine Genugtuung für mich, es getan zu haben. Ich folge seinem Vorbild seit Jahren und keiner merkt es. Ich bin ja nur ein etwas wohlhabender Händler. Nicht einmal Jesse weiß davon. Und ich hoffe, dass er es nie erfahren wird.“ Die beiden Männer näherten sich der Kathedrale. Durch ein winziges Dachfenster konnten sie die wichtigen Leute der Kirche sowie einige besorgte Bürger beobachten. Leider verstanden sie nichts, ahnten aber, worüber sie sprachen. „Das hatte ich so nicht geplant. Das Seil mit dem Sack muss sich gelöst haben“, murmelte Gabriel. Er klang verärgert. „Wer war der Mann?“, fragte Sojiro. „Priester Johann. Der Mann, der dafür verantwortlich ist, dass mein Vater unschuldig am Galgen starb. Er hat diese Lüge erzählt. Und hat es selbst getan im Namen der Kirche. Vater hat es am Tag seiner Hinrichtung preisgegeben, doch niemand hat ihm geglaubt. Es war Schicksal, dass er an jenen späten Abend vom Wirtshaus heimkam.“ Sojiro nickte verstehend. „Wir sollten uns morgen Abend mit den anderen der Bruderschaft treffen“, schlug er vor. Gabriel stimmte dem Vorschlag zu und musste sich dann verabschieden, da es sehr spät geworden war und er das Kindermädchen nicht warten lassen wollte.
Durch sein Fenster stieg er wieder ins Haus ein. Er erbleichte, als er sich umdrehte. Jesse stand noch hellwach im Türrahmen. „Vater. Was trägst du für eine Gewandung und warum bist du durch das Fenster hinein gekommen. Bitte sag es mir, Vater“, sagte der Junge mit Staunen und Angst zur selben Zeit.
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