Switched

GeschichteAbenteuer, Romanze / P12
OC (Own Character) Penguin Shachi Trafalgar Law
14.07.2017
14.01.2020
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Schon bevor sie das Eingangstor erreichten, wurden die Sechs von der Jahrmarktsmusik begrüßt. Ikkaku hatte sich wieder bei Shachi eingehakt und flüsterte entschuldigend auf ihn ein, da er ein wenig schmollte, weil sie ihn wegen des Plakats einfach stehen gelassen hatte, Lamy hatte immer noch Yuri in ihrer Gewalt auf die sie unentwegt einredete, wie cool doch ‚Kemistry‘ seien und Law und Bepo unterhielten sich einfach. Auf dem Weg hierher hatte die Dichte der Plakate an Laternenpfählen und Hauswänden dramatisch zugenommen. Von überall grinste Yuri das, zugegeben ganz ansehnliche, Gesicht des Sängers keck entgegen, während sein schwarzhaariger Besitzer mit einer coolen Pose auf den Betrachter deutete. Yuri konnte dieses Gesicht langsam nicht mehr sehen und so kam ihr der Rummelplatz mit seinen Fahrgeschäften und Attraktionen gerade gelegen.

Ein jonglierender Schausteller zog die Blicke der Besucher am Eingang des ganzen Trubels auf sich. Ein Stück weiter versuchte ein Pantomime aus einer unsichtbaren Kiste zu entkommen.
„Riecht ihr das auch?“ Bepo steckte die Nase in die Luft und schnupperte. „Eindeutig Zuckerwatte und … etwas Gebratenes!“ Seine Augen begannen zu glänzen. „Später, Bepo, siehst du das da?“ Ikkaku deutete auf einen Stand. „Dosenwerfen“, rief Lamy und zog Yuri einfach hinter sich her.

Ikkaku zückte eine kleine Geldbörse. „Die erste Runde geht auf mich“, verkündete sie. Nacheinander wurde jeder der Sechs mit drei Tennisbällen ausgestattet und versuchte sein Glück. Bei jedem blieb mindestens eine der, zur Pyramide aufgetürmten, Dosen stehen und Ikkaku murmelte bald „das geht doch nicht mit rechten Dingen zu. Ich wette, die sind festgeschraubt“, als Law schließlich an der Reihe war. „Los, Brüderchen“, feuerte Lamy ihn an und auch Bepo und Shachi fielen mit ein. „Los, Käpt’n“, rief Ikkaku. Law holte locker aus und warf.

Mit lautem Scheppern wurden die Dosen von dem Brett gerissen, auf dem sie gestanden hatten. Der Budenbetreiber, ein pummeliger Mann mit Schnauzer, starrte geschockt und mit weit aufgerissenem Mund auf die hintere Zeltwand. Dort befand sich ein kreisrundes Loch, wo der Ball hindurchgeflogen war. „Yeah, genauso macht man das“, feierte Ikkaku. Immer noch völlig geschockt holte der Budenbesitzer einen riesigen Teddybären hervor und überreichte ihn Law. „Bittesehr, der Herr, der Hauptgewinn.“ Insgeheim hoffte der Budenbesitzer, dass er den Mann mit der unheimlichen Kraft und seine Gefährten so dazu bringen könnte, möglichst schnell weiterzuziehen. Law drehte sich zu Lamy um und drückte ihr das große Stofftier in die Hände. „Schenk‘ ich dir. Schaffst du es, das Teil bis zum Schiff zu tragen?“ Lamy machte große Augen. „Waas? Für mich? Oh, wow, dankeschön Law!“ Ein breites Grinsen breitete sich auf Lamys Gesicht aus und sie drückte den Teddy an sich, als wäre er das kostbarste, was sie besaß. Auch Yuri schmunzelte. Lamys Freude war echt. In solchen kurzen Momenten konnte sie die Liebe spüren, die die beiden Geschwister nach all der Zeit ungemindert miteinander verband.

Nachdem die Sechs sich gute zwei Stunden an verschiedenen Ständen und Fahrgeschäften amüsiert hatten, kamen ihnen zwei Parkbänke, die einander gegenüberstanden sehr gelegen. Erschöpft ließ Yuri sich auf die Sitzfläche fallen und atmete aus. So viel Spaß sie auch hatten, so ein Rummelbesuch war anstrengend. Kaum hatte sie sich gesetzt, da hörte sie, wie Lamy fröhlich kreischte: „EISCREME!“ Kaum eine Sekunde später hatte sie Ikkaku, an der noch Shachi hing, und Bepo mit sich zu einem Eisstand gezogen. Law schmunzelte und nahm neben Yuri Platz. Den Teddy, der Lamy nach einer Weile doch zu schwer geworden war, trug er bei sich, was an ihm durch seine Tatoos irgendwie widersprüchlich und niedlich wirkte.

Yuri rückte kaum merklich ein Stückchen ab. „Wie kann ein Mensch nur so verrückt nach Eis sein“, überlegte sie laut, doch Law schien ihr garnicht zuzuhören. Er war mit den Gedanken beim letzten Tag seiner Kindheit, an dem er glücklich gewesen war. Lamy hatte ihn überredet, sie und ihre Mutter in die Stadt zu begleiten. Auch an diesem Tag hatten sie Eis gegessen. Still lächelte er vor sich hin, als er seine Schwester dabei beobachtete, wie sie sich zwischen den ganzen Eissorten nicht entscheiden konnte. Yuri beobachtete Law von der Seite. Wenn er seine Schwester ansah, hatte sein Gesichtsausdruck etwas zufriedenes, gar glückliches an sich.
Wenig später kehrten die vier zurück und drückten auch Yuri und Law je ein Eis in die Hände. „Die hatten sogar Lachs-Geschmack“, schwärmte Bepo, was Yuri jedoch nur mit einem überraschten und Ikkaku mit einem angeekelten, Blick auf das lachsrosa Bällchen quittierten.

„Mir tun langsam die Füße weh“, jammerte Shachi eine Stunde später, wurde jedoch von Lamy und Ikkaku, die sich zwischen den ganzen bunten Lichtern Und Ständen garnicht mehr einkriegten, einfach ignoriert.
Ein korpulenter Mann mit einem grauen Bart und ebenso grauen Haare, die ihm wirr vom Kopf abstanden und ihm so etwas leicht verrücktes verliehen, sprach Ikkaku plötzlich von der Seite an.

Seine bunte Kleidung wies ihn als Schausteller aus. „Ohoo, was erspähen meine trüben Augen? Etwa ein frischverliebtes Pärchen? Nein sowas, ihr müsst wissen, wir haben im Moment ein spezielles Angebot, nur für Paare! Kommt doch näher!“ Mit einer lockenden Handbewegung bedeutete er Shachi und Ikkaku, die beinahe die ganze Zeit Händchen hielten, näherzutreten. „Ehm, Shachi, das ist ein Gruselhaus“, bemerkte Ikkaku und zupfte Shachi am Ärmel. Der zuckte jedoch nur mit den Schultern und freute sich insgeheim. Er hatte sich die ganze Zeit schon gefragt, ob es hier soetwas gab. Penguin und er hatten eine kleine Vorliebe für Monster- und Geistergeschichten aller Art.

Als auch die anderen Vier dazukamen, begann der Mann mit seiner Erklärung. „Wir stehen hier vor dem Haus der armen, verstorbenen Madame Blanc. Seit einem Jahundert bereits, oder manche munkeln gar länger, spukt ihr Geist durch diese Mauern.“ Yuri warf einen Blick auf die aufgestellten Wände aus dünnem Sperrholz und zweifelte ein wenig daran, dass dieses Kunstwerk aus Pappmaché bereits so lange existierte, geschweige denn, dass jemand wirklich darin gewohnt hatte, behielt den Gedanken jedoch schmunzelnd für sich.

Offenbar durchlief man, wenn man das Haus betrat, eine ausgedachte Geschichte. Nette Idee. „Madame Blanc ist seit ihrem Tode auf der Suche nach einem gewissen Objekt. Aber seid gewarnt! Wer dieses Haus, mit seinen Geheimnissen und Schrecken betritt, kann es erst wieder verlassen, wenn Madame Blanc das begehrte Objekt in Händen hält!“ Mit dramatisch aufgerissenen Augen sah der Budenbesitzer jedem einzelnen eindringlich in die Augen um seine Worte zu untermalen. Yuri grinste und warf einen Blick auf Law, der den Schausteller so unbeeindruckt ansah, dass dieser sich schnell wieder an Ikkaku und Lamy wandte, die tatsächlich ein wenig ehrfürchtig dreinsahen. Ein Mann wie Law mit … gewissen Fähigkeiten ... würde sich von einer verschlossenen Tür wohl eher nicht aufhalten lassen.

„Für unsere Paare läuft das so: Wir verbinden eure Handgelenke mit einem dünnen Faden. Solltet ihr es durch das komplette Haus schaffen, ohne dass das Bändchen reißt, wartet eine Belohnung auf euch. Der Besuch ist dann für euch natürlich gratis und es winkt ein kleines Erinnerungsgeschenk. Aber seid gewarnt“, wieder erhob der Schausteller warnend die Stimme, „nur wenige schaffen es, das Bändchen unterwegs nicht zu zerreissen!“

Siegessicher grinste Shachi den Budenbesitzer an und streckte den Daumen in die Luft. „Wir sind dabei!“ Ikkaku quietschte entsetzt. „D-Da willst du echt rein?“ Entgeistert sah sie sich nach Lamy um, doch diese hatte sich Bepo herangezogen und wirkte ebenso entschlossen wie Shachi. „Wir auch“, verkündete sie entschlossen. Bepo hingegen sah so erschrocken aus, dass Yuri meinte, er wäre unter seinem weißen Fell soeben noch eine Spur blasser geworden. Sie grinste in sich hinein.

Ihr würde diese Tour wohl erspart bleiben. Schmunzelnd sah sie dabei zu, wie die beiden ungleichen ‚Pärchen‘ sich die Handgelenke zusammenbinden ließen und, mit etwas Zeitabstand, nacheinander im Inneren des Hauses verschwanden. Das Lächeln gefror auf ihrem Gesicht, als Law neben sie trat, nach ihrem Arm griff, und sie zusehen musste, wie auch sein rechtes Handgelenk mit ihrem linken verknüpft wurde. Das Bändchen war hauchdünn und zartrosa und machte den Anschein, es würde beim nächsten Windhauch von allein zerreißen.

„Ein hübsches Paar“, flötete der Budenbesitzer. Yuri öffnete den Mund, um zu protestieren, doch da ergriff er bereits wieder das Wort. „Das Bändchen symbolisiert übrigens eure Zukunft. Wenn es am Ende nicht gerissen ist, werdet ihr lange eine glückliche Beziehung führen, denn das Band der Liebe, das euch verbindet, ist stark!“ Yuri schluckte und errötete. Wenn der wüsste. Sie und Law hatten so überhaupt nichts gemein. Lange und glückliche Beziehung? Sie waren doch überhaupt nicht zusammen. Als sich die bemalte Papptür des Geisterhauses vor ihnen öffnete, sah sie Law fragend an. Der zuckte mit den Schultern. „Hast du etwas besseres vor?“ Hatte sie nicht. Also traten sie gemeinsam in die Dunkelheit des Hauses.

Die Tür schloss sich hinter ihnen und verschluckte das Tageslicht. Bis ihre Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten, blieben sie stehen. Yuri zuckte zusammen, als Law plötzlich ihre Hand in seine nahm. Sie war warm und groß, überhaupt nicht unangenehm und ein Prickeln lief ihren Arm hinauf. „Was machst du da“, keuchte sie. Warum fühlte sich die Haut seiner Hand so herrlich weich an?
„So geht es am besten. Das Bändchen wird nicht reißen, solange wir die Hände dicht beieinander halten und das ist der einfachste Weg.“ Schlau. Yuri hatte sich über solche Strategien noch keine Gedanken gemacht. Andererseits nahm sie das hier auch nicht besonders ernst und war ein wenig amüsiert, dass Law das Spielchen spielen wollte. Sie grinste. „In Ordnung, dann ziehen wir das mal durch“, sagte sie und hoffte, dass er in der Dunkelheit ihr Herz nicht hören konnte, das heftig gegen ihre Rippen schlug.
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