summer in my heart (washing my memory clean)

von RedChilli
OneshotRomanze, Schmerz/Trost / P12 Slash
Matreus Zanrelot
13.07.2017
13.07.2017
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Summertime Sadness
I'll be as honest as you let me
I miss your early morning company
If you get me
You are my favorite "what if"
You are my best "I'll never know"
And I'm starting to forget
Just what summer ever meant to you
What did it ever mean to you?


summer in my heart (washing my memory clean)

Ehrlichkeit war ein zweischneidiges Schwert, oder zumindest lernte Matreus sie früh als solches kennen.
Ehrlichkeit mit Jona war rein, ursprünglich, unverfälscht und keusch.
Dann kam der Tag, an dem Jona sich gegen sie entschied, gegen ihn, und Matreus allem abschwor, was jemals zwischen ihnen gewesen war. Auch der Liebe. (Sein Meister war so stolz auf ihn, er hat ihm sogar beinahe zärtlich durchs Haar gestrichen, und er hat wieder einen ganz kleinen Funken Glück empfunden – Siehst du, Jonathan? Ich brauche dich nicht.)
Von da an waren ihre Aufeinandertreffen von Lügen geprägt. Ich vermisse dich nicht. Nein, ich erinnere mich nicht. Nein, ich will dich nicht küssen. Ich bin nur hier, weil dein Vater das so wollte.

*

Ehrlichkeit mit Zanrelot war eine einziges Meer aus Lügen, nur ab und zu durchbrochen von Inseln aus scheuen Halbwahrheiten.
Vermisst du ihn? Nein.
Warum siehst du mich so an? Es ist nichts, Meister.
Warum bist du so abgelenkt? Es ist nichts, Meister.
Ich mache dich doch nicht etwa nervös, oder, Matreus? Seine Stimme triefte nur so vor Hohn und Spott. Er macht sich gar nicht erst die Mühe, zu antworten. Dem Herrscher der Finsternis kann man nichts vormachen. Er kennt die Wahrheit.

*

Es ist so: Natürlich vermisst er Jona.
Am meisten vermisst er das gemeinsame Aufwachen in dem einen Bett, das eigentlich zu klein für sie beide ist, dass sie sich heimlich teilen, ohne, das Zanrelot etwas davon weiß.
(Auch die Nächte sind einsam ohne ihn. Kalt.)
Die unschuldigen Guten-Morgen-Küsse.
Morgens braucht er immer eine Weile, um die Erinnerungen abzuschütteln. Die Zeiten sind jetzt vorbei.

*

Zeiten ändern sich. Dinge passieren.
All die Jahre in der Unterwelt, und man wird einsam.
Sogar der Herrscher der Finsternis kann das nicht leugnen.
Eines Abends wird er melancholisch und lässt Matreus etwas von seinem Wein abhaben – keine so gute Idee, der junge Mann ist ja nichts gewöhnt.
Am Ende des Abends stolpern sie in Zanrelots Schlafgemach, und obwohl sie einander mit den verflixten Knöpfen und all diesen überflüssigen Erfindungen der Menschheit helfen, schlafen sie mitten in dem Versuch, einander in Nachtgewänder zu helfen, einfach ein.

*

Am nächsten Morgen haben sie das Pech, im Grunde im selben Moment aufzuwachen.
Matreus stammelt sich eine Entschuldigung zusammen, aber Zanrelot schüttelt bloß den Kopf.
„Zeiten ändern sich“, sagt er bloß, und Matreus läuft rot an.

*

Sie reden nicht darüber, aber von nun an schläft Matreus jede Nacht im Bett seines Meisters.
(Beinahe ärgert er sich ein wenig, dass ihnen das nicht eher passiert ist, denn Zanrelots Bett ist viel zu groß für eine Person allein.)

*

Es ist so: Wenn Matreus aufwacht – er ist stets der, der als erstes wach ist – sind die Erinnerungen an Jona wie aus seinem Gedächtnis gewischt, und an ihrer Stelle schleicht sich nun ein warmes Gefühl in seinen Brustkorb, wann immer er seinen Meister schlafend neben sich liegen sieht.

*

Er träumt immer seltener. Träume sind menschlich. Träume sind eine Schwäche.
Doch in einem dieser letzten Träume träumt er von Jona, ist ihm wieder ganz nah, ihre Lippen berühren sich beinahe, und er wispert in Jonas wunderbar weiches Haar: „Du bist mein liebstes Was wäre, wenn?.“

*

Es ist so: Matreus hätte nie gedacht, das man in Träumen lügen kann.
Die Wahrheit ist: Zanrelot ist sein liebstes Was wäre, wenn?.
Was wäre, wenn sie eines Morgens im selben Moment aufwachen, einander ansehen und sich einfach küssen würden?
Was wäre, wenn die drei Worte, die er schon mit Jona kaum laut auszusprechen wagte, einmal ganz einfach kommen würden, im richtigen Moment?
Was wäre, wenn es der Herrscher der Finsternis selbst wäre, der den ersten Schritt wagen würde?

*

Was ihm an seinen Träumen, was ihm an Jona gefällt, ist, dass er nie wissen wird, wie das Märchen ausgeht.
Er wird Jona vielleicht nie wiedersehen und wenn doch wird er nie so offen mit ihm reden können wie in seinen Träumen.

*

Mit Zanrelot ist es im Grunde dasselbe. Er wird nie wissen, ob seine Verliebtheit auf Gegenliebe oder Abneigung treffen wird, weil er ein verdammter Feigling ist, der es niemals wagen wird, seine Gedanken laut auszusprechen.

*

Matreus hört auf zu Träumen, als der Sommer auf der Oberfläche einkehrt wie ein lange vermisster Freund.
Jetzt hat er nur noch seine Erinnerungen.
Erinnerungen an lange Sommerabende und kühle Sommernächte und Erdbeerküsse im Schatten und Nacktbaden in der Trave. Erinnerungen an Schweißperlen, die von einem Körper auf den anderen übergingen, schlanke Finger, die die Schatten der Blätter auf heller Haut nachgezeichnet haben.
Was haben dir diese Sommer bedeutet, Jona?, fragt er sich manchmal in wachen Stunden, denn er erinnert sich nicht mehr. Dass es etwas gibt, woran er sich erinnern könnte, gerät mehr und mehr in Vergessenheit, je weiter dieser eine Sommer fortschreitet, der erste Sommer, der ganz und gar ihm und Zanrelot gehört, ein dunkler, kalter Sommer in der Unterwelt; kalt wie Zanrelots Hand in seiner, Zanrelots Lippen auf Matreus‘, kalt wie ihre beiden finsteren, untoten Herzen.
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