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In allen Punkten versagt

von Snowsong
OneshotDrama, Familie / P16 / MaleSlash
Enki Gokuu Samon Gokuu
12.07.2017
12.07.2017
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In allen Punkten versagt



Es gab keine Götter.

Und wenn doch, dann hatten sie keine Gefühle und würfelten das Schicksal der sterblichen aus.

Enki Gokuu wischte sich mit dem Ärmel über das Gesicht. Die Hitze nahm nur langsam ab. Vielleicht kühlte es ab ja, aber sein Körper wollte dennoch keine Temperatur abgeben.
Nicht zum ersten mal dachte er, dass er verflucht war. Sein ganzes Leben schien ein Desaster zu sein. Angefangen bei seinen ungewöhnlichen Knochenwuchs, über seine übermenschliche Stärke bis hin zu seiner Schwäche soziale Kontakte zu knüpfen.

Er hätte besser in eine andere Zeit gepasst. In eine Zeit, in der nur die Stärke zählte.

Ein Schweißtropfen rannte ihm die Wange entlang. Wütend wischte er ihn beiseite. In der  Ferne grollte es.

Seit Tagen nun schon herrschte eine drückende Hitze, selbst hier in den Bergen. Die schwüle Luft fand überall ihren Weg hinein und peinigte Menschen, Tiere und Pflanzen. Eigentlich könnte er in seinem klimatisierten Büro sitzen und arbeiten, ohne dass ihn das Wetter etwas auszumachen brauchte. Aber sein jüngere Bruder Samon hatte diese Woche Geburtstag gehabt.

Zu Samon hatte Enki eine tiefe, innige Beziehung und so hatte er sich die Woche frei genommen.
Samon hatte sich gewünscht, stärker zu werden. Zusammen waren sie die vergangenen Tage in die Berge von China gegangen, um zu trainieren. Enki hatte Samon regelmäßig an seine Grenzen geschoben, ihn gezwungen, weiter zu machen. Und so hatte der gerade einmal 14 Jährige sich selbst übertroffen.

Zu sagen, das Enki stolz war, war eine Untertreibung.

Aber natürlich forderte diese Anstrengung auch einen Tribut. Samon schlief tief und fest, war die letzten Tage nicht selten zusammengebrochen. Das schwül warme Wetter tat sein übriges.

Nur eine Kerze erhellte dem Schlafraum, in dem Samon schlief. Enki war noch wach, hatte ein wachsames Auge auf seinen Bruder und auf die Umgebung. Die Hitze hielt ihn sowieso vom schlafen ab.
Zumindest redete er sich das ein.

Samon lag auf einer einfachen Bambusmatte, damit der Steinboden seine Kühle an den überhitzen Körper weitergeben konnte. Normalweise trug sein kleiner Bruder einen roten Schlafanzug, aber in Anbetracht der Wärme hatte sich Samon die vergangenen Tage für Shorts und ein ärmellose Oberteil entschieden.
Er schlief tief und fest, murmelte ab und an im Schlaf etwas.

Enki wischte sich über das Gesicht, wischte die Schweißperlen von seiner Haut.
Es war das Wetter, nur das Wetter.

Wie die vergangenen Nächte ließ Enki seinen Blick wieder über Samons Körper schweifen. Einen Körper, den er nur zu gut kante. Die Muskeln; Ergebnisse von ihrem harten Training, der rote Affenschwanz, das seidig weiche Haar auf Samons Kopf...

Enki schüttelte den Kopf und versuchte den Blick abzuwenden.
Es war nicht richtig, absolut nicht richtig. Er sollte sich selbst etwas Schlaf gönnen. Er sollte, konnte aber nicht.

Es war wie ein Zwang, als er seine Hand langsam auf Samons Knöchel legte. Der Jüngere reagierte nicht.
Wie weich Samons Haut doch war... ungewöhnlich weich für einen Jungen. Aber Samon war schon immer mehr das Kind ihrer Mutter gewesen. Sie hatte ihm viel vererbt.
Langsam strichen Enkis Finger nach oben, fuhren das komplizierte Muster auf Samons Haut nach. Die roten Male, die wie Tätowierungen wirkten, waren in Wahrheit Segenszeichen des Affenkönigs; dem Schutzpatron ihrer Familie.

Vorsichtig tasteten sich seine Finger bis zu den Waden.

Jetzt ist es genug! Sagte sich Enki. Du hast dir schon mehr als genug herausgenommen!

Doch die Willensstärke aufzuhören, brachte Enki nicht auf. Über Samons Waden kam Enki zur Kniekehle. Samon murmelte etwas. Er war, das wusste Enki, dort kitzlig.
Ein Teil von Enki wünschte sich, dass Samon die Augen aufschlug und ihn damit zwang, aufzuhören.
Doch Samon schlief weiter und Enkis Finger setzten ihren Weg fort. Samons Oberschenkel hatten einige blaue Flecken; Überbleibsel von dem vergangenen Training.

Aufhören! Doch es schien, als würde Enkis Körper ein Eigenleben entwickelt haben. Sie stoppten erst, als sie den Stoff von Samons Shorts erreichten.
Enki schluckte trocken.

Es war nicht richtig, was er hier tat. Er musste aufhören! Sofort!

Doch er verlor den inneren Kampf. Langsam schob er seinen Finger unter den Stoff.

Ich bin ein schrecklicher Bruder. Dachte Enki, während er über die weiche Haut tastete. Die Schuld schnürte ihm die Kehle zu und doch konnte er nicht die Kraft aufbringen, sich von Samon zu lösen.

Wann hat es begonnen? Wann haben diese Gefühle begonnen?

Enki hatte keine Antwort auf die Frage. Ein Keuchen konnte er nicht unterdrücken als Samon sich im schlaf bewegte, seinen Hintern noch fester gegen Enkis Handfläche presste.

Enki beugte sich über Samon, zog den süßen Duft von Zitronenmelisse ein. Er spürte, wie weitere Schweißperlen über seine Haut rannten. Der Anblick von Samon leicht geöffneten Lippen war mehr, als er ertragen konnte.
Irgendwann in dieser Nacht hatte sich Samons Oberteil verschoben und gab so den Blick auf den Ansatz der Hüfte frei.

Enki wusste, er könnte diese dunkle Begierde stillen. Samon war kein Gegner für ihn. Ein Griff um den Hals um ihn zu fixieren und gut war es.
Samon würde sich nicht zur Wehr setzten. Er würde sich beugen und es stillschweigend ertragen.
Er könnte diese weiche Haut mit seinem Mund liebkosen... seine Lippen in Besitz nehmen... und Samon würde es ertragen. Ganz gleich, was Enki tun würde.

Mit einem Fauchen riss sich Enki von Samon los und taumelte zurück bis er mit dem Rücken gegen die Wand stieß.
Bei seinen Vorfahren, hatte er gerade ernsthaft in Betracht gezogen, Samon zu... nein, er musste hier raus!

Fast schon fluchtartig riss Enki die Tür auf und trat auf den Balkon. Das Unwetter hatte sie fast erreicht. Der schwarze Nachthimmel wurde von Blitzen erhellt, der Donner näherte sich. Rauer Wind trieb die Wolken vor sich her, erste Tropfen landeten auf Enkis Haut.

Schwer stützte sich Enki auf das Geländer vor sich. Es ging fast 600 Meter unter ihm in die Tiefe. In der Schwärze ließ sich der Boden nicht erkennen.
Wahrlich,m eine Bodenlose Schwärze. Das gleiche Loch in dem er jetzt zu gerne versinken würde.

Er war Samons ältere Bruder! Es war seine Aufgabe, Samon zu schützen. Er sollte für seinen kleinen Bruder da sein, ihn vor Gefahren bewahren, ihn begleiten.
Aber so wie die Dinge standen, war Enki im Moment eine größere Bedrohung für Samon, als dass er einen Schutz war.

Enki war stark. Schon von klein auf war er auf Leistung getrimmt worden. Er hatte immer nur gute Noten mit nach Hause gebracht, hatte immer die besten Leistungen erzielt. Er war streng zu sich, hatte eigene Ansprüche denen er gerecht werden wollte.
Doch hier, auf dem Balkon in einem kleinen Haus in den Bergen Chinas ging Enki Gokuu, Oberster Offizier eines Gefängnis, Erbe des Hauses Gokuu und Meister unzähliger Kampfkünste in die Knie.  

Die Stirn des 24 Jährigen berührte das kühle Metall des Geländers. Der Regen wurde stärker. Dicke Tropfen prasselten auf ihn nieder, erstickten die Hitze nach und nach.

Es half nichts, dass sich selbst belügen. Er liebte Samon, wie es nicht für einen Bruder angebracht war.
Er begehrte Samon auf eine Art und weiße, wie er noch nie jemand anderen begehrt hatte. Aber das durfte nicht sein.
Samon war noch ein halbes Kind. Unschuldig und naiv.

Nein.

Enki hielt sich an dem Geländer fest, die Augen geschlossen. Der Regen spülte die Hitze von seinem Körper, kühlte seinen Geist. Nach und nach konnte er wieder klar denken.
Zuerst galt es, seine mentale Stärke noch weiter zu verfeinern. Er musste an seiner Selbstbeherrschung arbeiten und das dringend. So etwas, wie gerade eben durfte nie wieder passieren.

Samon würde ihn nie aufhalten können. Niemals, egal was Enki tun würde.  
Das hieß, Enki musste sich selbst stoppen können, musste seine Wünsche und seine Gier unterdrücken.
Der Donner untermalte seinen Entschluss nur noch.

Er musste stärker werden, sich besser im Griff haben.
Samon bedeutete ihm alles. Und um ihn zu schützen, musste sich Enki beherrschen. Samon vertraute ihm. Und diese reine, unschuldige und tiefe Vertrauen zu schützen, durfte ihm ein solcher Fehler nie wieder unterlaufen. Diese Gedanken in seinem Kopf durften nicht noch einmal eine solche Macht auf ihn ausüben.

Enki drückte den Rücken durch und ging zurück in den Schlafraum. Samon lag noch immer auf der Matte. Eine seiner Haarsträhnen war ihm übers Gesicht gerutscht. Enki schmunzelte und strich sie sanft zur Seite.  
Samons Augenlider flackerten.

„Aniki?“
„Es Regnet, ich habe nur die Tür aufgemacht, damit es durchziehen kann. Schlaf weiter, Samon.“
Enki begabt sich auf seine eigene Schlafmatte und legte sich hin. Samon aber schien es nicht dabei zu belassen zu wollen. Er war noch nicht richtig wach. Benommen, im Halbschlaf krabbelte Samon zu Enki.
Dieser verkrampfte sich sofort.
„Samon?“ sein Bruder jedoch drückte sich nur vertraut an Enki und versank dann wieder im Tiefschlaf.

Stumm fluchte Enki. Mit Samon neben sich schienen sich seine Vorsätze langsam wieder in Rauch aufzulösen. Er legte seinen Arm um Samon und zog den jüngeren noch Näher an sich heran.

Ich bin ein schrecklicher Bruder. Dachte Enki, während er seine Nase in Samons Haar vergrub.
Er hatte versagt, in allen Bereichen, in allen Punkten. Nun gut, damit würde er leben müssen. Wichtig war nur, das Samon niemals etwas von seinem Versagen erfuhr. Zum Wohle ihrer harmonischen Beziehung musste er seine wahren Gefühle unterdrücken. Er durfte in Samon nicht mehr sehen, als einen kleinen Bruder.

Das musste er schaffen!

Irgendwie...
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